Feierliche Gelöbnis-Rede

gehalten von Germar Rudolf
anläßlich des feierlichen Gelöbnisses
der Bundeswehr-Rekruten der Eifel-Maar-Kaserne,
Ulmen, am Sonntag, den 9.11.1989, zur Mittagszeit.

Liebe Kameraden,
sehr geehrte Gäste,
meine hochverehrten Eltern,

wir feiern heute das Gelöbnis der Rekruten im friedlichen Rahmen der Eifel-Maar-Kaserne in Ulmen und ich möchte hier kurz den Blick zurück richten, denn das Ereignis wie dessen Rahmen sind nicht selbstverständlich.

Ich möchte erinnern an

und weiter ausschweifend an Ereignisse wie

Ebenso möchte ich eigene Erfahrungen mit einbringen: z.B. wie ich unter Gleichaltrigen geradezu unter einem Rechtfertigungszwang stand und stehe, warum ich den Wehrdienst nicht verweigert habe. Dem üblichen Gerede vom »Warum gerade ich?« pflege ich in solchen Fällen entgegenzusetzen: »Warum nicht ich?« oder »Wenn nicht ich, wer sonst?«. Man kann eben nicht nur Rechte haben. Diese erwirkt und verdient man nur, wenn man auch bereit ist, Pflichten zu übernehmen.

Auftrag der Bundeswehr ist es, den Frieden in Freiheit zu sichern, jedoch vernimmt man Äußerung aus der Politik, daß der Sinn

Ebenso gibt es eine Begriffsverwirrung, indem man sagt

Welche Armee wirkt aber abschreckend, wenn sie nicht kriegsfähig und damit auch feindfähig ist? Zusätzlich wird der Sinn und Auftrag der Bundeswehr heute dadurch vernebelt, daß eher über

geredet wird als über die notwendige Ausbildung.

Schuld an dieser offensichtlichen Sinnkrise ist nicht die Bundeswehr, dies ist ein allgemeines gesellschaftlichen Problem.

Sehen wir uns die Gelöbnisformel mal etwas genauer an. In ihr heißt es u.a.:

»Recht und Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen.«

Was ist das Recht des deutschen Volkes, was denn Freiheit?

Ohne Zweifel ist dies die Freiheit des deutschen Volkes, seine Zukunft nach den Völkerrecht selbst bestimmen zu können.

Es steht aber außer Frage, daß dieses Recht

Diese Teile des Volkes sind zwar eingeschlossen im Gelöbnis, jedoch können wir für sie nichts verteidigen (1. dürfen wir nicht, 2. gibt es offensichtlich nichts zu verteidigen).

Ich möchte aber nicht dabei stehen bleiben und noch etwas tiefer bohren.

Wie sieht es mit Recht und Freiheit das westlichen Teils unseres Volkes aus?

Dennoch: In der Bundesrepublik Deutschland hat das deutsche Volk am ehesten die Möglichkeit, seinen Willen zu bekunden und ihn politisch durchzusetzen, niedergelegt ist dieser Wille in der Präambel unseres Grundgesetzes: Ziel ist die Einheit Deutschlands im freiheitlichen, geeinten Europa.

Mehr noch: Laut Urteil des Bundesverfassungsgerichtes vom 31.07.1973 darf

»… Kein Verfassungsorgan der Bundesrepublik Deutschland… die Wiederherstellung der staatlichen Einheit als politisches Zie1 aufgeben, alle Verfassungsorgane sind verpflichtet, in ihrer Politik auf die Erreichung dieses Zieles hinzuwirken. Das schließt die Forderung ein, den Wiedervereinigungsanspruch im Inneren wachzuhalten und nach Außen beharrlich zu vertreten und alles zu unterlassen, was die Wiedervereinigung vereiteln würde«!

Nun mag jeder selber urteilen, inwiefern sich Politik und Öffentlichkeit in diesem Sinne verfassungsgemäß verhalten. Zentrale Aussage ist hierbei, daß die BR Deutschland nicht schlicht Fluchtburg für das deutsche Volk sein soll, sondern Hoffnungsträger für die noch unfreien Teile unseres Volkes.

Stellen wir uns nun die Sinnfrage der Bundeswehr neu:

Ist es Auftrag der Bundeswehr

  1. Die Sicherheit und Freiheit des Westens und der NATO zu garantieren, indem sie sich im Ernstfall in einem Bruderkrieg mit den Soldaten der NVA aufopfert und ganz Deutschland zum Schlachtfeld der Weltmächte werden, ja untergehen läßt?

Oder

  1. Soll sie eine Politik unterstützen, die den größten und gefährlichsten Spannungsherd, die Teilung Europas in Deutschland, dadurch überwindet, daß durch die Wiedervereinigung Deutschlands im freien geeinten Europa wieder jener so fruchtbare Kreuzungspunkt zwischen Ost und West, Nord und Süd entsteht, der über ein Jahrtausend diese Region wirtschaftlich, wissenschaftlich und kulturell so hat aufblühen lassen?

Wenn die Politiker diese Vision der Jugend darlegen würden und mit ganzem Herzen dafür stritten und sich nicht nur im tagespolitischen Kleinkrieg verstrickten, bin ich überzeugt, daß diese Jugend nicht nur Rechte verlangen, sondern bereit sein wird, für dieses Ziel Pflichten auf sich zu nehmen.

Heute mehr denn je haben wir die Chance zu einer solchen Politik, und wenn sie betrieben wird, so möchte ich gerne meine Pflicht erfüllen im Dienst für die Einheit in Recht und Freiheit.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.


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