V. Die Massaker an der Ostfront

1. Die Ausgangslage

Am 22. Juni 1941 marschierte die Wehrmacht in der UdSSR ein. Der traditionellen Geschichtsschreibung zufolge handelte es sich dabei um einen unprovozierten Überfall. Revisionisten wie der russische Historiker Suworow vertreten hingegen die Auffassung, Hitler sei dadurch einem sowjetischen Angriff kurz zuvorgekommen.[30]

In den von den Deutschen eroberten Gebieten entfachten sowjetische Partisanen einen blutigen Untergrundkrieg, dem unzählige deutsche Soldaten zum Opfer fielen. Die Sowjets rühmten sich, ihre Partisanen hätten 500.000 Angehörige der deutschen Heere getötet.[31] Auf diese - völkerrechtswidrigen - Aktionen reagierten die Deutschen wie jede Besatzungsmacht vor und nach ihnen mit härtesten Vergeltungsmaßnahmen auch gegen die Zivilbevölkerung.[32] Zahlreiche Zivilisten wurden als Geiseln füsiliert, ganze Dörfer niedergebrannt.

Da die Juden in der Sowjetunion von Beginn an eine ganz unverhältnismäßig große Rolle beim Aufbau des kommunistischen Systems gespielt hatten[33] und zudem einen überproportional großen Anteil an Partisanen stellten,[34] hatten jüdische Zivilisten unter den deutschen Repressionsmaßnahmen in weitaus höherem Grad zu leiden als nichtjüdische. Daß es zudem auch zu "wilden", d.h. nicht als Reaktion auf Anschläge der Partisanen erfolgten Erschießungen von Juden und Nichtjuden kam, wird man kaum ausschließen können. Ebensowenig ist strittig, daß viele jüdisch-kommunistische Kommissare aufgrund der »Kommissarsbefehle« getötet wurden. Schließlich kamen Tausende von Juden nach dem Einmarsch der Wehrmacht als Folge von Pogromen der einheimischen Bevölkerung um. Letten, Litauer, Ukrainer usw. rächten sich nach ihrer Befreiung vom bolschewistischen Joch dafür, daß der rote Terrorapparat weitgehend jüdisch geführt gewesen war, und dieser Vergeltung fielen auch Juden zum Opfer, die an den kommunistischen Verbrechen nicht den geringsten persönlichen Anteil hatten.[35]

Nun wird seitens der orthodoxen Historiker behauptet, die Deutschen hätten in der UdSSR einen eigentlichen Ausrottungskrieg gegen die Juden geführt. Die bisher umfangreichste Darstellung dieser These ist das 1981 von Helmut Krausnick und Hans-Heinrich Wilhelm veröffentlichte Werk Die Truppe des Weltanschauungskrieges,[36] auf das wir in dieser ausschließlich der Auseinandersetzung mit Hilberg gewidmeten Studie nicht eingehen können; dies soll zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen. Wir wollen im folgenden die von Raul Hilberg für diese These ins Feld geführten Argumente einer kritischen Prüfung unterziehen. Zunächst müssen wir jedoch in gedrängter Form zusammenfassen, was Hilberg zufolge mit den sowjetischen Juden in den deutschbesetzten Gebieten geschehen ist.

2. Die deutsche Judenpolitik in den besetzten sowjetischen Gebieten laut Hilberg

Nach Raul Hilberg setzten die Massenmorde an sowjetischen Juden im August 1941 ein; er schreibt:

»Anfangs unternahmen die Kommandos noch keine Massenerschießungen, und es fielen ihnen auch keine ganzen Familien zum Opfer. Sie hatten sich noch nicht an routinemäßiges Töten gewöhnt. Im Rückgriff auf jahrhundertealte Traditionen verstanden sie ihre Befehle zunächst nicht als allumfassend. Das Wort "Juden" hieß für sie im großen ganzen lediglich Männer. Erst seit August 1941 kam es dann zu Massentötungen.« (S. 307)

Die »Kommandos« gehörten den vier Einsatzgruppen an, welche bereits vor Kriegsbeginn gebildet worden waren und denen zunächst die Sicherung des deutschen Rückraums, d.h. die Bekämpfung der hinter den Linien operierenden Partisanen oblag. Dazu kamen, folgen wir Hilberg, zwei weitere Aufgaben. Unter Berufung auf ein nach Kriegsende von Otto Ohlendorf, dem Leiter der Einsatzgruppe D, abgegebenes Affidavit[37] schreibt er:

»Ohlendorf zufolge wurden die Kommandeure der Einsatzgruppen von Himmler persönlichen ihre Aufgabe eingewiesen. Sie wurden darüber in Kenntnis gesetzt, daß ein wichtiger Teil ihrer Aufgabe in der Beseitigung von Juden - Frauen, Männern und Kindern - und kommunistischen Funktionären bestünde.« (S. 303)

Schließlich, so Hilberg, hätten die Einsatzgruppen die Kriegsgefangenenlager nach zu erschießenden Personen durchkämmen müssen. Heydrich habe nämlich die Aussonderung aller »Berufsrevolutionäre«, Politoffiziere der Roten Armee, »fanatischen Kommunisten« sowie »aller Juden« befohlen, und den Großteil dieser Arbeit hätten die Einsatzgruppen zu erledigen gehabt (S. 351).

Die vier Einsatzgruppen zählten zusammen 3.000 Mann, darunter eine Anzahl Nichtkombattanten wie Dolmetscher und Funker (S. 302f.).

Die erste, im August 1941 einsetzende »Tötungswelle« habe bis Dezember desselben Jahres gedauert, doch noch ehe sie fertig gewesen sei, habe - im Herbst - bereits eine zweite Tötungswelle eingesetzt, deren Ziel in der Erfassung und Liquidierung der übersehenen Juden bestanden habe.

Neben den Einsatzgruppen hätten Gestapomänner aus Tilsit, Einsatzkommandos aus dem Generalgouvernement sowie improvisierte Kommandos der Höheren SS- und Polizeiführer an der zweiten Tötungswelle mitgewirkt (S. 312).

Die Massenerschießungen seien mit geringfügigen Variationen stets nach demselben Schema erfolgt: Man habe die Juden aus den Städten, wo die übergroße Mehrheit von ihnen ansässig war, zu außerhalb der Städte gelegenen, teils bereits existierenden, teils zu diesem Zweck ausgehobenen Gräben geführt und dort ermordet. Oft hätten fünf oder sechs Schichten von Leichen in den Gräben gelegen, ehe man sie zugeschüttet habe (S. 333f.).

Da die Erschießungen für die Täter oft eine seelische Belastung darstellte, führten die Deutschen gemäß Hilberg ab Dezember 1941 als zusätzliches Mordinstrument Gaswagen ein, von der jeder Einsatzgruppe zwei oder drei zugeteilt wurden. In ihnen wurden die Juden durch nach innen geleitete Abgase umgebracht (S. 349f.).

Hier einige der von Hilberg behaupteten Opferzahlen für einzelne Städte:

Gigantische Massaker an Juden wirft Hilberg neben den Deutschen auch den Rumänen vor, die allein in Odessa an einem einzigen Tag, dem 23. Oktober 1941, 19.000 Juden abgeschlachtet hätten (S. 321).

Obschon die zweite Tötungswelle bereits drei Monate vor dem Abebben der ersten eingesetzt habe, gab es, so Hilberg, dazwischen eine »Zwischenphase«, die der Ghettoisierung. Ihre Gründe waren zweifacher Art. Gestützt auf einen (angeblichen) Bericht der Einsatzgruppe C schreibt er:

»Alle Einsatzgruppen, möglicherweise mit Ausnahme des fanatischen Dr. Stahlecker [des Leiters der Einsatzgruppe A] erkannten bald, daß die Juden nicht auf einen Schlag zu erledigen waren. In einem Bericht klang sogar ein Anflug von Verzweiflung über die jüdischen Flüchtlinge an, die in die Städte, aus denen sie gerade erst geflohen waren, schon wieder zurückströmten. [...] Wann immer die Einsatzgruppe einer Stadt den Rücken gekehrt habe, treffe sie bei ihrer Rückkehr mehr Juden an, als sie zuvor bereits getötet habe.« (S. 358)

Das Wesen des Ghettos, meint Hilberg, habe darin bestanden,

»eine Streuung der Opfer zu verhindern und deren spätere Ergreifung zum Zwecke der Erschießung zu erleichtern«. (S. 366)

Der zweite Beweggrund zur Ghettoisierung lag in der wirtschaftlichen Nützlichkeit der Juden:

»Während sich das Interesse der mobilen Tötungseinheiten darauf beschränkte, die Juden zu konzentrieren, um auf diese Weise die zweite Tötungswelle zu erleichtern, beschlossen Militär- und Zivilverwaltung, sich die Situation, solange sie währte, zunutze zu machen. So wurden wirtschaftliche Maßnahmen - sowohl die Ausbeutung von Arbeitskraft wie die Beschlagnahme von Eigentum - zu einem wesentlichen Aspekt der Zwischenphase. [S. 372 ...] Die Wehrmacht benötigte jüdische Arbeiter in ihren Reparaturwerkstätten und jüdische Schreiber in ihren Dienststellen. Die unter "Treuhandschaft" stehenden Rüstungsbetriebe blieben weiterhin auf ihre jüdischen Beschäftigten angewiesen. In den Rüstungsbetrieben des wolhynischen Teils des Generalkommissariats Wolhynien-Podolien betrug der Anteil an jüdischen Arbeitern in den Jahren 1941-42 durchgängig 90%.« (S. 376)

Zwar lag die Ghettoisierungspolitik als »Zwischenstufe« zwischen der - im Dezember 1941 abgeschlossenen - ersten und der im September 1941 begonnenen zweiten Tötungswelle, aber:

»Als im Juli und August 1941 ein Teil der besetzten Gebiete von der Zivilverwaltung übernommen wurden, hatten die mobilen Tötungseinheiten die Ghettoisierung bereits weit vorangebracht. Einsatzgruppe A rühmte sich, zum Zeitpunkt der Übernahme der Zuständigkeit bereits Vorbereitungen für die Ghettoisierung sämtlicher jüdischer Gemeinden (mit Ausnahme von Wilna) getroffen zu haben.« (S. 361)

Die Ghettos von Riga und Minsk waren auch zur Aufnahme deportierter deutscher Juden bestimmt. Doch da der zur Verfügung stehende Raum nicht für die einheimischen und die deutschen Juden zugleich ausreichte, erschossen die Nationalsozialisten zwischen dem 29. November und dem 9. Dezember 1941 in Riga in zwei Wellen 27.800 Juden (nachdem sie dort bereits früher 10.600 niedergemetzelt hatten). »Damit war im Ghetto selbst Raum für Transporte aus Deutschland geschaffen« (S. 370). Doch wurden die deutschen Juden im Rigaer Viertel und in den umliegenden Arbeitslagern in den auf ihre Deportation Ende 1941 folgenden Monaten und Jahren bis auf eine Handvoll Überlebender dezimiert, denn Seuchen wüteten ungehindert (S. 371). Dies schadete den Deutschen wirtschaftlich sehr, denn:

»[...] im Raum Riga, wo die deutschen Juden nur vorübergehend untergebracht werden sollten und wo viele der Deportierten "Krüppel, Kriegsinvaliden und über 70 Jahre alte Leute" waren, bestand eine ausgedehnte Nachfrage nach jüdischen Arbeitern. Ein Angestellter des Gebietskommissariats beschwerte sich einmal, daß Soldaten, die die Bereitstellung von mehr als 100 Juden verlangt hätten, sich eine vorschriftswidrige Beanspruchung jüdischer Arbeitskräfte hätten zuschulden kommen lassen. Die 1943 übriggebliebenen wenigen Tausend deutschen und lettischen jüdischen Arbeiter teilten sich zahlreiche Arbeitgeber: SS, Heer, Marine, Luftwaffe, Reichsbahn und Wirtschaftsbetriebe.« (S. 377)

Von den aus Deutschland und dem Protektorat Böhmen und Mähren nach Minsk gelangten Transporten wurden am 25. und 29. November 5.000 Juden erschossen (S. 371).

Ca. Mitte 1943 beschloß Heinrich Himmler, das gesamte Ghettosystem zu liquidieren; die Ghettos sollten in Konzentrationslager umgewandelt werden. Dieser Wechsel vollzog sich in Lettland reibungslos; in Litauen dagegen war er von ausgedehnten Tötungsaktionen begleitet (S. 407.) Hilberg berichtet:

»Im August und September 1943 wurde das Wilnaer Ghetto aufgelöst. Die meisten seiner Insassen wurden nach Estland und Lettland abgeschoben, wo sie Quälereien und Erschießungen ausgesetzt waren; und der Rest wurde von dort schließlich in das Konzentrationslager Stutthof verschleppt. Weitere Tausende wurden in das Todeslager Sobibor transportiert, wieder andere zusammengetrieben und erschossen.« (S. 405)

Aus dem Minsker Ghetto wurden die Juden nach Polen abgeschoben (S. 407).

Insgesamt kamen nach Angaben Hilbergs in den von den Deutschen eroberten sowjetischen Gebieten 1,35 Millionen Juden um. Von diesen wurden mehr als zwei Drittel von den Einsatzgruppen ermordet; die restlichen wurden von den Truppen der Höheren SS- und Polizeiführer, der Wehrmacht und den Rumänen getötet, fielen im Bandenkampf oder fanden aufgrund der Entbehrungen in Lagern und Ghettos, auf freiem Feld und in den Wäldern den Tod (S. 409f.). Weitere 1,5 Millionen Sowjetjuden entzogen sich der deutschen Herrschaft durch Flucht (S. 305). Da von den fünf Millionen vor dem 22. Juni 1941 in der UdSSR lebenden Juden vier Millionen in Zonen ansässig waren, welche zeitweise unter deutsche Kontrolle gerieten, muß unter diesen Umständen über eine Million Juden im deutschen Machbereich überlebt haben (S. 304f.).

Soweit Hilbergs Darstellung dessen, was mit den Juden in den von den Nationalsozialisten überrannten sowjetischen Gebieten geschah. Ehe wir einen Blick auf die Quellen werfen, mit denen der erlauchte "Holocaust"-Historiker seine Behauptungen untermauert, wollen wir, gestützt auf den gesunden Menschenverstand, der Frage nachgehen, ob das von ihm gezeichnete Bild glaubhaft erscheint oder nicht.

3. Zur Glaubhaftigkeit der Darstellung Hilbergs

Wer die eben zusammengefaßte Hilbergsche Darstellung der deutschen Judenpolitik in den besetzten sowjetischen Gebieten analysiert, wird, falls er mit der Gabe des logischen Denkens gesegnet ist, unweigerlich zum Schluß kommen, daß sie nicht stimmen kann und folglich auf unzuverlässigen Quellen beruhen muß. Listen wir einige der gröbsten, sofort ins Auge springenden Absurditäten auf:

a. Die behaupteten Opferzahlen der Einsatzgruppen

Die behaupteten Opferzahlen der Einsatzgruppen sind unmöglich groß. Die größte der vier, Einsatzgruppe A, zählte 990 Angehörige. Ziehen wir von diesen die 172 Kraftfahrer, 3 weiblichen Beschäftigten, 51 Dolmetscher, 3 Fernschreibkräfte und 8 Funker ab, bleiben noch ca. 750 Kombattanten übrig, die man bei Massentötungen einsetzen konnte (S. 303). Bis zum 15. Oktober 1941 soll Einsatzgruppe A 125.000 Juden umgebracht haben (S. 309). In Anbetracht der Tatsache, daß die Massenmorde erst im August einsetzten (S. 307), muß die überwältigende Mehrheit der 125.000 Opfer, sagen wir 120.000, innerhalb von zehn Wochen den Tod gefunden haben.

Da die Juden gewiß nicht freudig in den Tod gingen, mußten sie in den Städten vor ihrer Ermordung aufgespürt und zusammengetrieben werden, wobei es sicherlich Fluchtversuche und Widerstand gab. Anschließend hieß es die Todgeweihten an den Stadtrand führen, wo die Gräben zweifellos in den meisten Fällen erst noch ausgehoben werden mußten.

Neben diesen Massakern mußten die Einsatzgruppen noch die Kriegsgefangenenlager nach Kommissaren, fanatischen Kommunisten und Juden durchkämmen. Dies war eine "Heidenarbeit", denn allein bis Ende 1941 waren den Deutschen nicht weniger als 3.350.000 Rotarmisten in die Hände geraten (S. 351). Selbst wenn man berücksichtigt, daß sich bis Mitte Oktober erst ein Teil davon in deutscher Gefangenschaft befand, daß die Einsatzgruppen nicht die ganze Arbeit, sondern lediglich »den Großteil« davon zu vollbringen hatten und daß es vier Einsatzgruppen gab, muß Einsatzgruppe A während der zehn Wochen von Anfang August bis

Mitte Oktober unter diesen Umständen Hunderttausende von Kriegsgefangenen nach den zu liquidierenden Personenkategorien abgesucht haben - zusätzlich zur Erschießung von 120.000 Juden und zur Partisanenbekämpfung!

Das Beispiel genügt. Auf die übrigen den Einsatzgruppen von Hilberg angedichteten astronomischen Opferzahlen gehen wir angesichts dieser eindeutigen Ausgangslage schon gar nicht mehr ein.

b. Die rückströmenden Stadtflüchlinge

Purer Unfug ist die Aussage, wonach die »jüdischen Flüchtlinge, die in die Städte, aus denen sie gerade erst geflohen waren, schon wieder zurückströmten«, und wonach die Einsatzgruppen immer dann, wenn sie einer Stadt den Rücken gekehrt hatten, nach ihrer Rückkehr dort mehr Juden antrafen, als sie zuvor bereits getötet hatten (S. 358). Falls tatsächlich jüdische Flüchtlinge in nennenswerter Zahl in von den Deutschen eroberte Städte zurückgekehrt sein sollten, so ist dies ein untrüglicher Beweis dafür, daß die Deutschen die Juden nicht massakrierten, denn dies hätte sich wie ein Lauffeuer herumgesprochen. Mordaktionen dieses Ausmaßes ließen sich einfach nicht verbergen, zumal sie beispielsweise in Babi Jar ganz in der Nähe einer Großstadt stattgefunden haben sollen.

c. Zweck und zeitlicher Ablauf der Ghettoisierung

Was Hilberg über die Ghettoisierung, deren zeitlichen Rahmen und deren Zwecke von sich gibt, spricht jeder Logik Hohn. Rekapitulieren wir:

Dies alles wirkt heillos wirr. Entweder betrieben die Deutschen im Osten gegenüber den Juden eine - von ideologischem Fanatismus diktierte - Ausrottungspolitik, oder sie verfolgten eine - von Sicherheitserwägungen sowie wirtschaftlichen Überlegungen geprägte - Politik der Ghettoisierung. Beides ließ sich einfach nicht vereinbaren; daß freilich die Ghettoisierung die Tötung gewisser Kategorien von Juden (Kommissare, Partisanen, Geiseln etc.) ebenso wenig ausschloß wie spontane, von lokalen Befehlshabern angeordnete Massaker, steht auf einem anderen Blatt.

Schlechthin albern ist das von Hilberg als Erklärung der Ghettoisierung vorgebrachte Argument, in die von den Deutschen eroberten Städte seien so viele Juden zurückgeströmt, daß man sie unmöglich mit einem Schlag habe erledigen können. Wieso nicht, wenn doch beim ersten der beiden Massaker von Riga 10.600 Juden von 21 Mann ermordet werden konnten?

Falls die Ghettoisierung irgendwann zwischen Herbst und Ende 1941 erfolgte, können die Einsatzgruppen sie ferner ganz unmöglich bereits im Juli und August »schon weit vorwärtsgebracht« haben!

Fahren wir fort. Im Sommer 1943 ordnete Himmler die Umwandlung der Ghettos in Konzentrationslager an (wozu denn, wenn ihr Ziel doch in der Erleichterung der Erschießung der Juden bestand?). In Lettland gelang dies reibungslos, in Litauen dagegen ging es nicht ohne Gewalt ab. Wurden die litauischen Juden denn erschossen? Teilweise ja, meint Hilberg, aber nicht etwa an Ort und Stelle, sondern ... in Lettland und Estland!! Warum denn nicht gleich in Litauen selbst? Von Lettland und Estland aus kamen die Überlebenden teils nach Sobibor in Ostpolen, einem laut Hilberg ausschließlich der Judenvergasung dienenden Vernichtungslager, so daß das Ziel der Verschickung dorthin nur in ihrer Tötung bestanden haben kann. Weswegen man diese litauischen Juden nicht in Lettland und Estland umbrachte, sondern abermals wertvollen Transportraum und Lebensmittel für sie verschwendete, bleibt ein Rätsel. Und wieso kam ein Teil der nach Lettland und Estland verschickten litauischen Juden in das östlich von Danzig gelegene Lager Stutthof, das für Hilberg kein Vernichtungslager war?[38]

Gehen wir zu den deutschen und tschechischen Juden über, die Ende 1941 nach Riga und Minsk abgeschoben wurden.

Da der Hitler-Befehl zur physischen Vernichtung des Judentums laut Hilberg zu jenem Zeitpunkt bereits längst ergangen war, kann der Zweck dieser Maßnahme nur in der Tötung der Deportierten bestanden haben. (Wir wiederholen hier die bereits früher aufgeworfene Frage, warum man sie dann nicht gleich an Ort und Stelle tötete oder sich noch einen Monat, bis zur Eröffnung des ersten "Vernichtungslagers" Chelmno, geduldete.) In der Tat behauptet Hilberg, von den nach Minsk gelangten Juden aus dem Reich und dem Protektorat seien 5.000 gleich nach ihrem Eintreffen umgebracht worden. (Die Überlebenden kamen später nach Polen, ob zum Zweck ihrer Ermordung oder zum Arbeiten, sagt Hilberg nicht.) Auch in Riga starb ein Großteil der Unglücklichen, aber nicht, weil man sie erschoß, sondern weil Seuchen wüteten. Dies bedeutete für die Deutschen einen schweren ökonomischen Verlust, denn die Überlebenden leisteten ja für »SS, Heer, Marine, Luftwaffe, Reichsbahn und Wirtschaftsbetriebe« wertvolle Arbeit. Hätten die Deutschen da nicht besser daran getan, auf die Ermordung jener 27.800 lettischen Juden zu verzichten, die erschossen wurden, um Platz für die deutschen Juden zu machen, von den schon zuvor von 21 Mann umgebrachten 10.600 ganz zu schweigen?

»Dunkels war's, der Mond schien helle, als ein Wagen blitzeschnelle, langsam um die Ecke fuhr. Drinnen saßen stehend Leute, schweigend ins Gespräch vertieft...« So beginnt ein wohlbekannter Kinderreim. Hilbergs Darstellung der deutschen Judenpolitik in den eroberten Sowjetterritorien erinnert fatal an diesen Reim.

4. Keine Sachbeweise für die behaupteten rund 1,2 Millionen Judenmorde an der Ostfront

Anfang 1943 entdeckten die Deutschen beim weißrussischen Katyn ein Massengrab mit über 4.000 Opfern. Sie fanden bald heraus, daß es sich um einen Teil jener polnischen Offiziere und Soldaten handelte, die 1939 in sowjetische Kriegsgefangenschaft geraten waren. Eine eilends einberufene internationale Gutachterkommission bestätigte diesen Sachverhalt. Die Nationalsozialisten nutzten den grausigen Fund für eine ungeheure und sehr erfolgreiche antibolschewistische Propagandakampagne aus. Verzweifelt bemühten sich die Sowjets, die Missetat den Deutschen in die Schuhe zu schieben, doch diese Lüge hat ihnen weder in Polen noch im Westen je einer geglaubt. Erst unter Gorbatschow gestand Moskau ein, daß jene polnischen Wehrmänner von Stalins Schergen erschossen worden waren - ebenso wie über 10.000 weitere, an anderen Orten verscharrte.[39]

Raul Hilberg zufolge kamen von ursprünglich 4 Millionen Juden in den deutschbesetzten Gebieten der UdSSR rund 1,35 Millionen um, und zwar nur zum kleinen Teil in Ghettos, Lagern oder bei Partisanenkämpfen; die meisten wurden ermordet. Wenn wir unter »die meisten« rund 1,2 Millionen verstehen, heißt dies, daß die Deutschen in der UdSSR fast dreihundertmal so viele Juden umbrachten, wie die Sowjets bei Katyn an polnischen Wehrmännern getötet hatten. Gewiß ließen sich die Kommunisten diese einmalige Gelegenheit nicht entgehen, ihren Widersachern die Schmach von Katyn mit Zins und Zinseszins heimzuzahlen? Gewiß ließen sie, wie zuvor die Deutschen, internationale Expertenkommissionen einfliegen. Gewiß zeigten sie beim Nürnberger Prozeß Filme über die Exhumierung der zu Hunderttausenden ermordeten Juden?

Nichts von alledem geschah. Raul Hilberg erläutert den Grund:

»Im Juni 1942 befahl Himmler dem Kommandeur des Sonderkommandos 4a, Standartenführer Paul Blobel, "die Spuren von Exekutionen der Einsatzgruppen im Osten zu verwischen". Blobel stellte ein spezielles Kommando zusammen, das die Codebezeichnung 1005 erhielt. Dieses Kommando hatte die Aufgabe, Massengräber zu öffnen und die Leichen zu verbrennen. Blobel fuhr kreuz und quer durch die besetzten Gebiete, suchte nach Gräben und konferierte mit Beamten der Sicherheitspolizei. Einmal nahm er einen Besucher vom RSHA [Reichssicherheitshauptamt] (Hartl) mit und zeigte ihm gleich einem Touristenführer die Massengräber bei Kiew, wo seine eigenen Leute 34.000 Juden getötet hatten. Doch von Anfang an stieß Blobel auf Schwierigkeiten. [...] Als die Russen die besetzten Gebiete überrannten, hatte Blobel nur einen Teil seines Auftrags erledigt.« (S. 408f.)

Als Quelle für diese Behauptungen nennt Hilberg kein Dokument, sondern ein von Blobel 1947 bei einem der Nürnberger Nachfolgeprozesse abgegebenes Affidavit.[40]

Wenn Blobel »nur einen Teil« seiner Aufgabe erledigen konnte, bedeutet dies, daß die Sowjets unzählige ungeöffnete Massengräber vorfanden; weshalb sie diese Entdeckung dann nicht weidlich ausschlachteten, ist unerklärlich.

Nehmen wir an, mit »einem Teil« sei gemeint, daß Blobel die Hälfte der Gräber öffnen und die Leichen verbrennen konnte. Als Brennstoff wählte er nicht etwa Holz, das in jenen waldreichen Gebieten leicht aufzutreiben war, sondern Benzin! Übergießt man eine im Freien liegende Leiche einfach mit Benzin und zündet sie anschließend an, so versickert ein großer Teil des Benzins im Boden. Um dies zu verhüten, muß man den Leichnam in ein Gefäß - etwa eine metallene Wanne - legen; in diesem Fall braucht man zur Einäscherung ca. 60 Liter.[41] Der Benzinverlust verringert sich natürlich auch, wenn man als Unterlage einen Holzstapel verwendet.

Unter der unrealistischen Annahme, daß Blobel und seine Leute über die erforderlichen Einrichtungen verfügten, um das teilweise Versickern des kostbaren Brennstoffs zu verhindern, benötigten sie zur Verbrennung von 600.000 Leichen (600.000 × 60 =) 360.000.000 Liter Benzin - und dies zu einer Zeit, wo die Knappheit an Treibstoff für Flugzeuge, Panzer und Kraftwagen den Deutschen schwere Sorgen bereitete!

Bei einer Freiluftverbrennung mit Benzin bleiben stets Knochenreste zurück, und zwar erfahrungsgemäß oft nicht nur Splitter, sondern auch große Schulter- und Beckenknochen. Die Zähne lassen sich auf diese Weise überhaupt nicht zerstören. Zudem hinterläßt eine Leiche Asche, die etwa 5% des Körpergewichts entspricht.[42] Wollten die Blobel-Männer beispielsweise die (laut Hilberg) Ende 1941 bei Riga ermordeten 27.800 Juden spurlos beseitigen, so mußten sie folgendes tun:

Bei insgesamt 600.000 spurlos zu beseitigenden Leichen erhöhen sich obige Zahlen um mehr als das Zwanzigfache. Wie Blobel und sein Kommando dies geschafft haben soll, bleibt ein Rätsel, zumal die Mordstätten an zahlreichen, weit auseinanderliegenden Orten lagen.

Fundamentale Fragen dieser Art streift Hilberg an keiner Stelle; sie werden ihm offenbar gar nicht als Probleme bewußt. Als »Papierhistoriker«[43] lebt er fern von der physischen Realität der Dinge in seiner Welt der Akten und Bücher.

Neben den Massenerschießungen sollen die Deutschen auch Morde in Gaswagen begangen haben. Wie bereits in der Einleitung erwähnt, bildet Hilberg keinen dieser Wagen ab. Auch in dem bekannten Sammelband Nationalsozialistische Massentötungen durch Giftgas, der den Gaswagen nicht weniger als 64 Seiten widmet, findet sich keine entsprechende Photographie.[44] Dies hat einen triftigen Grund: Kein Mensch hat je einen dieser legendenumrankten Wagen zu Gesicht bekommen.

Ziehen wir das Fazit: Hilberg unternimmt keinen Versuch, Sachbeweise für den Mord an rund 1,2 Millionen Juden an der Ostfront vorzulegen.

5. Hilbergs Dokumentenbeweise

Die von Hilberg angeführten Quellen, die den Judenmord an der Ostfront beweisen sollen, zerfallen in zwei Hauptgruppen: Dokumente und Zeugenaussagen (zu letzteren gehören auch Tätergeständnisse, denn der Täter ist zwangsläufig Augenzeuge). Wenden wir uns zunächst den Dokumentenbeweisen zu. Bei den meisten handelt es sich um sogenannte »Ereignismeldungen« der Einsatzgruppen, die in den Zeitraum zwischen Juni 1941 und Mai 1942 fallen. Es sollen dies Tagesberichte der Einsatzgruppenleiter an Heinrich Himmler gewesen sein. Unzählige Massaker mit gelegentlich fünfstelligen Opferzahlen werden in diesen Berichten geschildert. Nach dem Krieg wurden die Dokumente von den Sowjets angeblich in den Büros des Reichssicherheitshauptamtes in Berlin vorgefunden.

Nun muß allein schon die Tatsache stutzig machen, daß die Deutschen dermaßen belastendes Material in die Hände ihrer Feinde fallen ließen. Wenn sie es fertig brachten, insgesamt Millionen von Leichen in den "Vernichtungslagern" und an der Ostfront spurlos einzuäschern, konnten sie die paar Papierstöße doch unschwer auch noch verbrennen! Dies legt von vornherein den Gedanken an eine Fälschung nahe. Gegen die Echtheit der Dokumente sprechen dann auch formelle Gründe, die der amerikanische Forscher Arthur R. Butz wie folgt zusammenfaßt:[45]

»Neben der Schilderung regulärer Partisanenbekämpfung enthalten die Berichte Einzelaktionen von Massenerschießungen gegenüber Juden, wobei die Zahl der Opfer meist in die Tausende geht. In den meisten Fällen wird vermerkt, daß viele Kopien, manchmal bis zu hundert, in die Verteiler zum Vertrieb gegeben wurden. [Offenbar waren die Deutschen eifrig darauf erpicht, daß die Welt möglichst rasch von dem Gemetzel an der Ostfront erfuhr!] Sie sind hektographiert, Unterschriften sind selten, und wenn welche vorhanden sind, stehen sie auf unverdächtigen Seiten. Dokument NO-3159 trägt beispielsweise die Unterschrift R.R. Strauch, doch nur auf einem Deckblatt, das die Einsatzorte der verschiedenen Einheiten der Einsatzgruppe angibt. Auf der gleichen Linie liegt das Dokument NO-1128, angeblich ein Bericht Himmlers an Hitler, u.a. über die Exekution von 363.211 Juden in Rußland von August bis November 1942. Diese Behauptung findet sich auf einer maschinengeschriebenen Tabelle. S. 4, während die angeblich von Himmler stammenden Initialen - ohnehin leicht zu fälschen mit zwei senkrechten Strichen und einem Querstrich = H! - auf der irrelevanten ersten Seite stehen sollen.«

Den unwiderlegbaren Beweis für die Unechtheit dieser Ereignismeldungen liefert der Fall Babi Jar. Dort sollen die Deutschen am 29. September 1941, kurz nach dem Einzug in Kiew, als Rache für Anschläge der Widerstandsbewegung, die zahlreichen Wehrmachtsangehörigen und Zivilisten das Leben kostet, über 33.000 Juden erschossen haben. Das Massaker wird in der Ereignismeldung Nr. 106 vom 7. Oktober 1941 vermeldet,[46] in der die Zahl der Getöteten mit deutscher Präzision festgehalten wird: Es waren genau 33.711. Die Gesamtzahl der zu jenem Zeitpunkt in Kiew vorhandenen Juden wird in dieser Meldung mit 300.000 angegeben.

In den darauffolgenden Wochen und Monaten sind nach den "Holocaust"-Literaten in Babi Jar zahlreiche weitere Juden umgebracht worden.

Forscher wie Udo Walendy[47] und Herbert Tiedemann[48] haben eine lange Reihe von Ungereimtheiten aufgelistet, die gegen die Realität dieses angeblichen Massenmordes sprechen; hier einige der wichtigsten:

Den definitiven Beweis dafür, daß das Massaker von Babi Jar nicht stattgefunden hat, liefern aber die von John Ball ausgewerteten, von den Deutschen angefertigten Luftaufnahmen jener Zone.[51] Die Exhumierung und Verbrennung der Leichen soll im September 1943, kurz vor der Wiedereinnahme Kiews durch die Rote Armee, erfolgt und am 28. 9. abgeschlossen worden sein. Eine Luftaufnahme vom 26. 9. beweist nun, daß die Schlucht von Babi Jar zu jenem Zeitpunkt ohne jegliche menschliche Aktivitäten war. Sie läßt keine Menschenansammlungen, keine Fahrzeuge, keine Stapel von Brennholz, kein Feuer und keinen Rauch erkennen. Weder die Topographie noch die Vegetation hat sich - bis auf das natürliche Wachstum der Bäume - gegenüber 1941 geändert.

Damit ist die Massenerschießung von Babi Jar als Propagandaschwindel entlarvt, und da sie in einer Ereignismeldung auftaucht, lautet der einzig mögliche Schluß, daß die Berichte der Einsatzgruppen von vornherein als suspekt einzustufen sind.

Kein anderes angebliches deutsches Massaker an der Ostfront wurde von der Propaganda derart ausgeschlachtet wie jenes von Babi Jar. "Bewiesen" wird dieses Massaker in erster Linie durch eine Ereignismeldung. Wie steht es da um die Glaubwürdigkeit der anderen, ebenfalls durch Ereignismeldungen "belegten" Massenmorde?

Natürlich ist es möglich, daß den Sowjets echte Berichte der Einsatzgruppen in die Hände gerieten. Falls dies der Fall war, hätten die echten Meldungen als Grundlage für Fälschungen gedient, in denen teils die Opferzahlen wirklicher Massaker aufgebauscht, teils niemals begangene Massaker erfunden wurden.

Noch einige Worte zu den Gaswagen, auf die Hilberg nur kurz zu sprechen kommt (S. 349f.). Als einzigen Dokumentenbeweis für deren Existenz zitiert er den angeblichen Brief eines SS-Untersturmführers Becker an den SS-Obersturmführer Walter Rauff vom 16. Mai 1942.[52]

Ingrid Weckert hat darauf hingewiesen, daß es sich bei desem Dokument aller Wahrscheinlichkeit nach um eine Fälschung handelt.[53] Pierre Marais hat anhand einer umfassenden Studie über alle in diesem Zusammenhang auffindbaren Beweismittel nachgewiesen, daß es sich bei den Lastkraftwagen, die darin behandelt werden, keinesfalls um "Vergasungswagen" gehandelt haben kann. Das allein schon deshalb nicht, weil die Originaldokumente des Herstellers dieser Lastwagen belegen, daß der Laderaum dieser Wagen noch nicht einmal 1,50 m hoch war.[54]

Die technische Abwegigkeit der Gaswagengeschichte geht daraus hervor, daß es sich bei diesen Mordwagen um Saurer-5-Tonner gehandelt haben soll (S. 349). Alle Saurer-Wagen wurden mit Diesel angetrieben, und Dieselabgase eignen sich wegen ihres hohen Sauerstoff- und sehr tiefen CO-Gehalts zum Töten denkbar schlecht. Dieselbe Firma Saurer, welche diese »Gaswagen« hergestellt haben soll, produzierte auch massenhaft jene Gasgeneratoren-Lastwagen, die als Brennstoff nur Holz benötigten und deshalb während des Zweiten Weltkriegs in Deutschland zu Zehntausenden in Betrieb waren. Ihre Generatorengase enthielten bis zu 35% CO, was rasch tödlich wirkt; folglich wären diese Wagen ideale Mordinstrumente gewesen. Ihr Einsatz zur Massentötung ist jedoch niemals behauptet worden.[55]

6. Hilbergs "Affidavits" und sonstige Zeugenbeweise

Viele auf Zeugenaussagen fußende Anklagen gegen das Dritte Reich sind auch von den orthodoxen Historikern längst zurückgenommen worden. Beispielsweise behauptet niemand mehr, die Deutschen hätten das Massaker von Katyn auf dem Gewissen, obgleich genau dies vor dem Nürnberger Tribunal von sowjetischer Seite geltend gemacht wurde.[56] Die - in Nürnberg gleichfalls von den Sowjets aufgetischte - Schauermär von der Seife aus Menschenfett[57] wird von keinem seriösen Geschichtsforscher ernstgenommen; auch Hilberg tut sie als Legende ab (S. 1032f.). Andere Vorwürfe, welche die sowjetischen Ankläger in Nürnberg gegen Deutschland erhoben, sind längst in Vergessenheit geraten und entsprangen offenbar noch krankeren Hirnen als das Seifenmärchen.

Beispielsweise bezichtigten die Sowjets die Nationalsozialisten, im KL Sachsenhausen 840.000 russische Kriegsgefangene mittels pedalbetriebener Hinterkopfzertrümmerungsapparate ermordet zu haben.[58]

Die Westalliierten standen den Sowjets in ihrer plumpen Greuelpropaganda kaum nach. So hielt US-Ankläger Robert Jackson dem ehemaligen deutschen Rüstungsminister Albert Speer beim Nürnberger Prozeß vor, bei Auschwitz seien 20.000 Juden mittels einer Atombombe in die Luft gesprengt worden.[59] Die Zahl der Toten von Dachau wurde auf einer Tafel auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers jahrelang mit 238.000 angegeben, während sie in Wirklichkeit etwa 30.000 betrug, von denen unbestrittenermaßen mehr als die Hälfte in den letzten vier Kriegsmonaten, als die Versorgung zusammengebrochen war und Epidemien ungehemmt wüteten, den Tod fanden.[60]

Auch den Lügen über Gaskammermorde in Dachau, Buchenwald und anderen westlichen Lagern verliehen die Anglo-Amerikaner in Nürnberg die Weihe; beispielsweise stellte der britische Hauptankläger Sir Hartley Shawcross dort die Behauptung auf, die Deutschen hätten »das Morden wie irgendeine Industrie der Massenproduktion in den Gaskammern und Öfen von Auschwitz, Dachau, Treblinka, von Buchenwald, Mauthausen, Majdanek und Oranienburg« betrieben.[61] Dergleichen ist den "Holocaust"-Historikern heutzutage dermaßen peinlich, daß sie es am liebsten verschweigen.

Eine lesenswerte Auswahl besonders aberwitziger Anklagepunkte beim Nürnberger Prozeß haben Carlos Porter und Vincent Reynouard zusammengestellt.[62]

All diese frei erfundenen deutschen Greueltaten waren durch "Augenzeugenberichte" und "Tätergeständnisse" belegt, woraus deren Wert unschwer zu erkennen ist. Dasselbe gilt nun für die zahlreichen von Hilberg angeführten Zeugenaussagen über Massaker an der Ostfront, von denen ein erheblicher Teil beim Nürnberger Prozeß oder dessen Nachfolgeprozessen abgegeben wurde. Ein Beispiel liefert das bereits erwähnte Affidavit Paul Blobels über seine Aktivitäten an der Ostfront. Blobel gab an, mit seinem Kommando 1005 einen großen Teil der Massengräber exhumiert und die Leichen der Ermordeten verbrannt zu haben. Dabei soll er laut einem anderen Affidavit, jenem eines RSHA-Manns namens Hartl, diesem »einem Touristenführer gleich die Massengräber bei Kiew, wo seine eigenen Leute 34.000 Leute getötet hatten«, gezeigt haben.[63] Da dieses Massaker bei Kiew (Babi Jar) nicht stattgefunden hat, ist das Affidavit zwangsläufig falsch.

An Mitteln zum Erzwingen solcher Zeugenaussage fehlte es den Siegermächten nicht. Schon im Jahre 1948 hatte eine US-Delegation unter der Leitung der Richter Gordon Simpson und Edward van Roden festgehalten, daß die Amerikaner zur Erlangung von Geständnissen regelmäßig zur Folter griffen.[64] In anderen Fällen wurden Angeklagte durch das Versprechen auf Freispruch oder milde Bestrafung dazu gebracht, sich selbst oder Mitangeklagte zu belasten; ein bekanntes Beispiel ist Wilhelm Höttl.[65] Wenn sich aber die "demokratischen" Amerikaner solcher Mittel bedienen, dürften die sowjetischen Stalinisten schwerlich wählerischer in ihren Methoden gewesen sein.

Dieser Art sind also die "Augenzeugenberichte" und "Tätergeständnisse", die Raul Hilberg als Beweise für den Völkermord an den Sowjetjuden anführt. Wir zitieren im folgenden eine solche Zeugenaussage, um drastisch aufzuzeigen, was der weltweit gefeierte "Holocaust"-Papst seinen Lesern zumutet. Die betreffende Passage steht auf den Seiten 347 und 348; Hilbergs Quelle ist ein am 23. August 1946 in der deutschsprachigen US-Judenzeitung Aufbau (New York) erschienener Artikel, der auf einer angeblichen Aussage des SS-Obergruppenführers Erich von dem Bach-Zelewski beruht. Wann und wo das Geständnis abgegeben worden sein soll, gibt Hilberg nicht an.

»Einmal [Der Autor nennt kein Datum, ja nicht einmal das Jahr!] begab sich Himmler persönlich nach Minsk. Dort bat er Kommandeur [Arthur] Nebe von der Einsatzgruppe B, eine Gruppe von 100 Personen zu erschießen, damit er einen Eindruck davon erhalte, wie diese "Liquidierungen" in der Praxis wären. Nebe tat ihm den Gefallen. Bis auf zwei Frauen waren alle Opfer Männer. Himmler erspähte in der Gruppe einen etwa 20jährigen Jungen mit blauen Augen und blondem Haar. Unmittelbar vor Beginn der Erschießungen ging er auf den Todgeweihten zu und stellte ihm einige Fragen:

"Sind Sie Jude?"

"Ja."

"Sind Ihre beiden Eltern Juden?"

"Ja."

"Haben Sie irgendwelche Vorfahren, die keine Juden waren?"

"Nein."

"Dann kann ich Ihnen auch nicht helfen."

Als das Feuer eröffnet wurde, zeigte sich Himmler zusehends nervöser. Bei jeder Salve schaute er zu Boden. Als die beiden Frauen nicht sterben konnten, brüllte er den Polizeihauptmann an, er solle sie nicht quälen. Nachdem die Erschießungen beendet waren, entspann sich zwischen Himmler und einem weiteren Zuschauer eine Unterhaltung. Der andere Augenzeuge war Obergruppenführer von dem Bach-Zelewski, der gleiche Mann, der später in ein Lazarett eingeliefert werden sollte. Von dem Bach wandte sich an Himmler:

"Reichsführer, das waren nur hundert!"

"Was meinen Sie damit?"

"Sehen Sie in die Augen der Männer des Kommandos, wie tief erschüttert sie sind! Solche Männer sind fertig, für ihr ganzes Leben. Was züchten wir uns damit für Gefolgsmänner heran? Entweder Nervenkranke oder Rohlinge!"

Himmler war sichtlich bewegt und beschloß, an die Anwesenden eine Rede zu halten. Er hob hervor, daß die Einsatzgruppen beauftragt seien, eine "widerliche Pflicht" zu erfüllen. Es wäre ihm keinesfalls recht, wenn Deutsche so etwas gerne täten. Doch ihr Gewissen brauche in keiner Weise belastet zu sein, da sie als Soldaten jeden Befehl bedingungslos auszuführen hätten. Für alles, was hier geschehe, trage er vor Gott und Hitler allein die Verantwortung. [...]

Nach dieser Rede inspizierten Himmler, Nebe, von dem Bach und der Chef von Himmlers persönlichem Stab, [Karl] Wolff, eine Irrenanstalt. Himmler befahl Nebe, das Leiden dieser Leute so schnell wie möglich zu beenden. Er forderte ihn auf, "sich durch den Kopf gehen zu lassen", ob es nicht humanere Tötungsmethoden als das Erschießen gebe. Nebe bat um Erlaubnis, bei den Geisteskranken Sprengstoff auszuprobieren. Von dem Bach und Wolff wandten ein, diese Kranken seien schließlich keine Versuchskaninchen, doch Himmler entschied sich für einen solchen Versuch. Später vertraute Nebe von dem Bach an, die Erprobung von Sprengstoff an den Anstaltsinsassen habe erbärmliche Resultate gezeitigt.«

Ei, wer hätte das gedacht! War der Einsatzgruppenleiter Arthur Nebe, im zivilen Leben immerhin Kriminalpolizeichef, denn ein technischer Stümper, daß er Massenmorde ausgerechnet mit Sprengstoff verüben wollte?

Solche "Augenzeugenberichte" und "Tätergeständnisse" besitzen für Hilberg dieselbe Beweiskraft wie unbestritten authentische Dokumente!

7. Hilbergs erfundene "erschossene baltische Lagerinsassen"

Bezüglich der Deportation von Juden aus dem Baltikum in reichsdeutsche Lager schreibt Hilberg:

»Nur wenige Monate später [nach Mai 1944] wurden die baltischen Lager endgültig geräumt. Zwischen August 1944 und Januar 1945 wurden einige tausend Juden auf Konzentrationslager im Reichsgebiet verteilt. Tausende von baltischen Lagerinsassen aber wurden noch unmittelbar vor Eintreffen der Roten Armee erschossen.« (S. 408)

Bei den »Konzentrationslagern im Reichsgebiet« handelte es sich um das (von Hilberg auf S. 405 erwähnte) KL Stutthof sowie das (von Hilberg nicht erwähnte) Kaufering, ein Nebenlager von Dachau.[66]

Ein Studium der Quellen zum KL Stutthof enthüllt nun folgenden Sachverhalt:

Zwischen dem 12. Juli und dem 14. Oktober 1944 wurden aus Kaunas (Litauen) 10.458 Juden und aus Riga (Lettland) 14.585 Juden nach Stutthof überstellt; hier die Daten und die jeweilige Stärke der betreffenden Transporte.[67]

Datum

Herkunftsort

Anzahl Überstellter

12.7.

Kaunas

282

13.7.

Kaunas

3.098

13.7.

Kaunas

233

16.7.

Kaunas

1.172

17.7.

Kaunas

1.208

19.7.

Kaunas

1.097

19.7.

Kaunas

1.072

25.7.

Kaunas

182

25.7.

Kaunas

1.321

4.8.

Kaunas

793

9.8.

Riga

6.382

9.8.

Riga

450

23.8.

Riga

2.079

23.8.

Riga

2.329

1.10.

Riga

3.155

14.10.

Riga

190

Summe:

25.043

Wenn allein Stutthof 25.043 Juden aus dem Baltikum aufnahm und dazu noch eine - uns unbekannte - Zahl baltischer Juden ins Dachauer Nebenlager Kaufenring kam, kann die Gesamtzahl der auf Konzentrationslager im Reichsgebiet verteilten Juden aus dem Baltikum ganz unmöglich nur »einige tausend« betragen haben, wie Hilberg behauptet. Der Grund für die dreiste Zahlenmanipulation ist unschwer zu erkennen: Hilberg will die "fehlenden" Juden aus den baltischen Lagern zu Opfern deutscher Massenerschießungen ernennen können.

Diese Betrügerei ist um so schwerwiegender, als die Überstellungen aus Kaunas und Riga nach Stutthof bereits im Jahre 1967 vom polnischen Historiker Krzysztof Dunin-Wąsowicz säuberlich dokumentiert worden sind.[68]

Mit Unkenntnis der betreffenden Literatur oder Unkenntnis der polnischen Sprache kann sich ein Historiker, der sich das hohe Ziel gesetzt hat, ein »definitives« Werk über den "Holocaust" zu schaffen, nicht herausreden.

Als "Beweis" für die Erschießung der baltisch-jüdischen Lagerinsassen führt Hilberg selbstverständlich kein Dokument, sondern eine Zeugenaussage an; sie stammt von irgendeinem Joseph Tenenbaum.

8. Was ist mit den Juden in den besetzten sowjetischen Territorien wirklich geschehen?

Angesichts des katastrophalen Mangels an Dokumenten ist es unter den gegenwärtigen Umständen ein Ding der Unmöglichkeit, die Zahl der von den Deutschen getöteten sowjetischen Juden auch nur annähernd anzugeben. Die Frage ist ungleich schwieriger als beispielsweise die der behaupteten Menschenvergasungen in Auschwitz. Letztere sollen sich in genau bezeichneten, auf Bauplänen markierten, teils heute noch existierenden Räumlichkeiten zugetragen haben, deren Tauglichkeit zum Zweck der Massenvergasung von Menschen man technisch überprüfen kann. Bei den - wirklichen und behaupteten - Massenerschießungen im Osten an zumeist unbekannten Orten bringt ein Augenschein am Tatort nach über einem halben Jahrhundert nichts mehr. Allein archäologische Ausgrabungen würden uns heute weiterhelfen, vorausgesetzt man wüßte, wo in den russischen Weiten man zu graben hätte...

Wir nehmen an, daß die Nachfolgestaaten der UdSSR über beschlagnahmte deutsche Dokumente verfügen, welche diesen Aspekt der Geschehnisse an der Ostfront erhellen, daß die betreffenden Dokumente aber zurzeit aus politischen Gründen nicht freigegeben werden. Ehe sie eingesehen werden können, wird sich die Frage nach den jüdischen Menschenverlusten im Osten nicht beantworten lassen. Aufhellend könnten auch bisher unbekannte Luftaufnahmen wirken, anhand deren sich die Realität oder Irrealität von Massakern wie dem von Babi Jar nachweisen ließe.

Alles spricht dafür, daß die Deutschen trotz der tatsächlich vorgekommenen Massenerschießungen den Sowjetjuden gegenüber insgesamt eine Politik der Konzentration betrieben, und zwar schon frühzeitig. Einen Hinweis darauf vermittelt u.a. ein vom 19. August 1941 stammender Rapport des Kommandeurs des 350. Infanterieregiments, in dem es hieß:[69]

»Die Judenfrage muß radikaler gelöst werden. Ich schlage Erfassung aller auf dem Lande lebender Juden in bewachte Sammel- und Arbeitslager vor. Verdächtigte Elemente müssen beseitigt werden.«

Wie man sieht, verstand der Kommandeur unter einer »radikaleren Lösung« der Judenfrage nicht die Ausrottung der Juden. Der allfällige Trick, dem Urheber des Rapports eine »Tarnsprache« zu unterstellen, verfinge hier von vornherein nicht, denn sonst wäre nicht davon die Rede, »verdächtige Elemente« zu beseitigen (was ganz fraglos "töten" hieß). Die Unterscheidung zwischen solchen verdächtigen Elementen und den restlichen Juden wäre dann ja ganz sinnlos gewesen.

Die von Hilberg recht ausführlich beschriebene Ghettoisierungspolitik bestätigt diese Hypothese. Sie entsprach sowohl Sicherheitserwägungen (in Ghettos konzentrierte Juden ließen sich leichter überwachen) als auch wirtschaftlicher Notwendigkeit: Wie wichtig beispielsweise die im Ghetto von Riga untergebrachten Juden für die Deutschen waren, hat Hilberg ja selbst unterstrichen.

Die Deportation deutscher und tschechischer Juden nach Minsk und Riga war nichts anderes als ein improvisierter und chaotischer Versuch, die »Endlösung der Judenfrage« durch Abschiebung nach Osten in die Wege zu leiten. Aufgrund der militärischen Rückschläge konnte diese Politik später nicht weitergeführt werden.

Die Transporte litauischer und weißrussischer Juden nach Lettland, Estland und Polen ergeben nur dann einen Sinn, wenn man diese Juden dorthin brachte, wo es Unterkünfte und Arbeitsplätze für sie gab. Ansonsten war sie bar jeder Logik.

Daß die jüdischen Menschenverluste weit unter den von Hilberg postulierten lagen, ergibt sich aus einem Vergleich der jüdischen Bewohnerzahl einiger sowjetischer Städte vor und nach der deutschen Besetzung. Der britisch-jüdische Historiker Gerald Reitlinger führt in seinem vor Hilberg als Standardwerk geltenden Buch Die Endlösung einige Zahlen für 1946 an:[70]

Kiew:

100.000 Juden

Odessa:

80.000 Juden

Dnjepropetrowsk:

50.000 Juden

Winniza:

14.000 Juden

Reitlinger stützt sich bei seinen Angaben auf einen in der jiddischsprachigen sowjetischen Zeitung Ainikeit publizierten Artikel, dessen Erscheinungsdatum er nicht nennt. Er fügt hinzu:[70]

»Diese Zahlen wurden zu einer Zeit veröffentlicht, als die große Rückwanderung aus dem Inneren des Landes erst begonnen hatte.«

Bezüglich dieser vier Städte gibt Hilberg unter Berufung auf in verschiedenen Jahren (zwischen 1923 und 1926) durchgeführte sowjetische Volkszählungen folgende Vorkriegsziffern an (S. 305f.):

Kiew:

140.200 Juden

Odessa:

153.200 Juden

Dnjepropetrowsk:

83.900 Juden

Winniza:

20.200 Juden

Nun wurden nach Hilberg 40% der in den später von den Deutschen eroberten Gebieten lebenden Juden evakuiert oder entzogen sich den deutschen Heeren durch Flucht. Wenn, wie die von Reitlinger als Quelle benutzte sowjetjüdische Zeitung schreibt, die Rückkehr im Jahre 1946 »erst begonnen hatte«, hat ein weitaus größerer Teil der Juden aus diesen vier Städten überlebt, als nach Hilbergs Statistik (40% Tote) anzunehmen wäre. Ferner weisen wir darauf hin, daß Hilbergs Zahl von 40% Evakuierten oder Geflüchteten unter Umständen zu niedrig ist. In seiner ausführlichen, fast nur auf jüdischen und alliierten Unterlagen basierenden Studie Die Auflösung geht Walter N. Sanning von bis zu 80% aus. Freilich sind die von ihm verwendeten Quellen oft nicht über jeden Zweifel erhaben. Beispielsweise beruft er sich auf David Bergelson, den Sekretär des Jüdisch-Antifaschistischen Komitees, der 1942 in Moskau erklärte:[71]

»Die Evakuierung hat die entscheidende Mehrheit der Juden der Ukraine, Weißrußlands, Litauens und Lettlands gerettet. Nach Informationen aus Witebsk, Riga und anderen Großstädten, die von den Faschisten erobert wurden, blieben dort nur wenige Juden zurück, als die Deutschen eindrangen.«

Es ist durchaus denkbar, daß Bergelson die Evakuiertenzahlen überhöht hat, um die Verdienste der Sowjetmacht bei der Rettung der Juden in hellem Lichte erscheinen zu lassen.[72] Am wahrscheinlichsten dürfte sein, daß der Prozentsatz der evakuierten und geflüchteten Juden höher als Hilbergs 40%, aber niedriger als Sannings 80% lag. In Verbindung mit der Feststellung, daß die Rückwanderung 1946 erst begonnen hatte, widerlegen die für obige vier Städte angeführten Judenzahlen der Vor- und Nachkriegszeit jedenfalls die Behauptung, wonach die Sowjetjuden in den deutschbesetzten Gebieten fast zwei Fünftel ihres Bestands durch Massenmord, Ghettoisierung und Konzentrationslager verloren hätten. Der tatsächliche Prozentsatz war mit Sicherheit sehr viel niedriger.


Anmerkungen

  1. Viktor Suworow, Der Eisbrecher. Hitler in Stalins Kalkül, Klett-Cotta, Stuttgart 1989; ders. Der Tag M, ebenda 1995; E. Topitsch, Stalins Krieg, Busse Seewald, Herford 21990; W. Post, Unternehmen Barbarossa, Mittler, Hamburg 1995; F. Becker, Stalins Blutspur durch Europa, Arndt Verlag, Kiel 1996; ders., Im Kampf um Europa, Leopold Stocker Verlag, Graz/Stuttgart 21993; W. Maser, Der Wortbruch. Hitler, Stalin und der Zweite Weltkrieg, Olzog Verlag, München 1994; J. Hoffmann, Stalins Vernichtungskrieg, Verlag für Wehrwissenschaften, München 1995; ders., »Die Sowjetunion bis zum Vorabend des deutschen Angriffs«, in: Horst Boog u.a., Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg, Bd. 4: Der Angriff auf die Sowjetunion, Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 21987; ders., »Die Angriffsvorbereitungen der Sowjetunion«, in: B. Wegner (Hg.), Zwei Wege nach Moskau, Piper, München 1991.
  2. Boris S. Telpuchowski, Die sowjetische Geschichte des Großen Vaterländischen Krieges 1941-1945, Frankfurt a. M. 1961, zitiert nach Walter Sanning, Die Auflösung des osteuropäischen Judentums, Grabert Verlag, Tübingen 1983, S. 127f. (online: http://vho.org/D/da); vgl. Germar Rudolf und Sibylle Schröder, »Partisanenkrieg und Repressaltötungen«, Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung (nachfolgend VffG), 3(2) (1999), S. 145-153 (online: http://vho.org/VffG/1999/2/RudolfSchroeder145-153.html).
  3. Zur Frage der Rechtmäßigkeit derartiger Repressalien vgl. Karl Siegert, »Repressalie und höherer Befehl«, VffG, 3(2) (1999), S. 131-144 (online: http://vho.org/VffG/1999/2/Siegert131-144.html) sowie F.W. Seidler, Die Wehrmacht im Partisanenkrieg, Pour le Mérite, Selent 1998.
  4. Von 531 führenden Persönlichkeiten der Sowjetunion waren im Jahre 1920 447 Juden, vgl. Juri K. Begunow, Tajnye Sily w istorii Rossij, Isdatelstwo Imeni A.S. Syborina, St. Petersburg 1996.
  5. Die Enzyklopädie des Holocaust (hgg. von Eberhard Jäckel, Peter Longerich und Julius H. Schoeps, Argon Verlag, Berlin 1993) schreibt hierzu: »Die Partisanengruppen [in der UdSSR] fanden sich weitgehend spontan zusammen. Manche Einheiten bestanden weitgehend aus jüdischen Kämpfern« (S. 1348).
  6. Alle sechs Oberarchitekten des kommunistischen Sklavenlagersystems waren Juden (Alexander Solschenizyn, Der Archipel Gulag, Scherz Verlag, 1974, Bildteil).
  7. Stuttgart 1981.
  8. PS-3710.
  9. In Polen wird heute noch behauptet, daß es in Stutthof Menschenvergasungen gegeben habe; als Tatort wird dem Besucher eine gegenüber dem Krematorium gelegene Entlausungskammer präsentiert. Doch sind die westlichen Historiker teils von dieser These abgerückt. Hilberg erwähnt Menschenvergasungen in Stutthof mit keinem einzigen Wort, was beweist, daß er jenes Lager nicht als "Vernichtungslager" betrachtet; Vgl. dazu Jürgen Graf, Carlo Mattogno, Das Konzentrationslager Stutthof, Castle Hill Publishers, Hastings 1999.
  10. Zum Katyn-Massaker siehe z.B. Franz Kadell, Die Katyn-Lüge, Herbig, München 1991.
  11. NO-3947.
  12. Arnulf Neumaier, Der Treblinka-Holocaust; in: Ernst Gauss (Hg.), Grundlagen zur Zeitgeschichte, Grabert, Tübingen 1994, S. 369 (online: http://codoh.com/inter/intgrundneum.html).
  13. Schlag nach! Natur, Bibliographisches Institut Leipzig 1952, S. 512, zitiert nach Arnulf Neumaier, Der Treblinka-Holocaust (siehe vorhergehende Fußnote).
  14. Dieser höchst treffende Ausdruck ist von Faurisson geprägt worden.
  15. Eugen Kogon, Hermann Langbein, Adalbert Rückerl (Hg.), aaO. (Anm. 4). Die Gaswagen werden auf den Seiten 89 bis 146 behandelt.
  16. Arthur Butz, Der Jahrhundertbetrug, Verlag für Volkstum und Zeitgeschichtsforschung, Richmond 1977, S. 254 (online: http://vho.org/D/dj).
  17. R-102.
  18. Udo Walendy, »Babi Jar - die Schlucht "mit 33.711 ermordeten Juden"?«, in: Historische Tatsachen, Verlag für Volkstum und Zeitgeschichtsforschung, Vlotho/Weser, Nr. 51 (1992).
  19. Herbert Tiedemann, »Babi Jar: Kritische Fragen und Antworten«, in: Ernst Gauss (Hg.), aaO. (Anm. 41), S. 375-399 (online: http://codoh.com/inter/intgrtiedem.html).
  20. Brockhaus Encyclopädie, Wiesbaden 1967, Band 2, zitiert nach Tiedemann in: E. Gauss (Hg.), aaO. (Anm. 41), S. 395f.
  21. Zentralblatt des Reichskommissariats für die Ukraine, Rowno, 2. Jahrgang Nr. 2, 9. Januar 1943, S. 8-20, zitiert nach Tiedemann (siehe vorhergehende Fußnote), S. 396.
  22. John C. Ball, »Luftbild-Beweise«; in: E. Gauss (Hg.), aaO. (Anm. 41), S. 239 (online: http://www.air-photo.com, http://codoh.com/inter/intgrunball.html).
  23. PS-501.
  24. Ingrid Weckert, »Die Gaswagen - kritische Würdigung der Beweislage«; in: Ernst Gauss (Hg.), aaO. (Anm. 41), S. 193-218.
  25. Pierre Marais, Les camions à gaz en question, Polémiques, Paris 1994, besonders S. 135-141.
  26. Friedrich Paul Berg, »Die Diesel-Gaskammern: Mythos im Mythos«; in: E. Gauss (Hg.), Grundlagen zur Zetgeschichte, aaO. (Anm. 41), S. 321-345 (online: http://codoh.com/inter/intgrundiesel.html).
  27. IMT VII, S. 425-428, 592.
  28. IMT VII, S. S. 597-600.
  29. IMT VII, S. 416f.
  30. IMT XVI, S. 579f.
  31. Paul Berben, Dachau. The official history, The Norfolk Press, 1975.
  32. IMT XIX, S. 483.
  33. Carlos Porter und Vincent Reynouard, Menteur à Nuremberg, ANEC, BP 21, F-44530, 1998.
  34. NO-5384, erwähnt bei Hilberg auf S. 408.
  35. Arthur R. Butz, aaO. (Anm. 45), S. 24.
  36. Germar Rudolf, »Statistisches über die Holocaust-Opfer. W. Benz und W. N. Sanning im Vergleich«; in: E. Gauss (Hg.), aaO. (Anm. 41), S. 141 (online: http://codoh.com/inter/intgrstats.html).
  37. E. Jäckel, P. Longerich, J.H. Schoeps (Hg.), aaO. (Anm. 34), Band II, S. 806
  38. Archiwum Muzeum Stutthof, I-IIB-8, S. 1.
  39. Krzysztof Dunin-Wąsowicz, »Żydowscy Więźniowie KL Stutthof«, in: Biułetyn Żydowskiego Instytutu Historycznego, Warschau 1967, Nr. 63, S. 10.
  40. Zitiert von Hilberg auf S. 317.
  41. Gerald Reitlinger, Die Endlösung. Hitlers Versuch der Ausrottung der Juden Europas 1939-1945, Colloquium Verlag, Berlin 1983, S. 571.
  42. Walter N. Sanning, aaO. (Anm. 31), S. 114.
  43. Die Sowjetmacht lohnte dies David Bergelson nicht, denn er wurde später bei einer stalinistischen Säuberung an die Wand gestellt.

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