Joachim F. Weber (Hrsg.)

Armee im Kreuzfeuer

Mit Beitragen von Dr. Günther Kießling, Prof. Dr. Werner Maser, Dr. Alfred M. de Zayas, S. A. Brandshaw u. a.

Universitas


© 1997 by Universitas Verlag in F. A. Herbig Verlagsbuchhandlung GmbH, München.
Alle Rechte vorbehalten.
Schutzumschlag: Wolfgang Heinzel, Merching
Satz: Fotosatz Völkl, Puchheim
Druck: Jos. C. Huber KG, Dießen
Binden: Großbuchbinderei Mohnheim
Printed in Germany
ISBN 3-8004-1358-2


Dieses Buch ist gewidmet dem ehrenden Andenken der gefallenen Soldaten Deutschlands


Hier erhältlich:


Inhalt

Zur Einführung (Joachim F. Weber)
Ein Wort zuvor (Reinhard Uhle-Wettler)

Die Bundeswehr und die Tradition
Helge Hansen: Mahnung an den Dienstherrn. Aus der Ansprache vom 25. März 1996 in Koblenz
Günter Kießling: Bundeswehr und Wehrmacht. Zum Traditionsverständnis aus Sicht der Kriegsgeneration
Dieter Stockfisch: Zur Gestalt des Soldaten in unserem Land.

Das Bild von der Wehrmacht
Jürgen Schreiber: Die Perspektive der Zeitzeugen. Historische Sicht und Traditionsverständnis in den Soldatenverbänden
Fritz Gürtner: Die Wehrmacht aus völkerrechtlicher Sicht
Wolf Stoecker: Fälschung und Agitation. Kritische Bemerkungen zur Ausstellung »Vernichtungskrieg, Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944.«
S. A. Brandshaw: Deutsche Soldaten kämpften ehrenhaft. Die Wehrmacht aus der Sicht eines Gegners von damals

Die Wehrmacht und die Politik
Franz Uhle-Wettler: Völkermord mit gutem Gewissen
Werner Maser: Der Wortbruch. Hitler, Stalin und die Legende vom Überfall
Walter Post: Die Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg. Armee zwischen Regime und totalem Krieg

Der Deserteur als Leitbild des Staatsbürgers?
Lothar Groppe: Will der Bundesrat auch Verbrecher rehabilitieren? Wider die Verallgemeinerungen
Franz W. Seidler: Fahnenflucht. Der Soldat zwischen Eid und Gewissen Tatsachen über das Phanomen der Desertion aus der Wehrmacht
Alfred M. de Zayas: Täter- und Opferkategorien Deutsche Schwarzweißmalereien über Wehrmachtsjustiz und Deserteure aus der Sicht eines Amerikaners

Soldat und Politik in der Verantwortung
Hans-Jorg Kimmich: »… und die Verantwortung wär’ dein!« Der Sinn des Widerstandes in den letzten Tagen
Gerd Schultze-Rhonhof: Loyalität und Gewissen
Alfred Dregger: Vermächtnis und Verpflichtung. Unsere Kriegsopfer mahnen zur Wahrhaftigkeit

Deutsches Soldatentum
Jürgen Reichardt: Leistung, Haltung und Ritterlichkeit. Die deutsche Fallschirmtruppe gestern und heute
Reinhard Uhle-Wettler: Brief an einen Oberleutnant
Gerd-H. Komossa: Gefallenengedenken Eine Betrachtung nicht nur zum Volkstrauertag

Die Bundeswehr in der Zeitenwende
Clemens Range: Im Spannungsfeld von Truppe und Politik. Die Generalitat der Bundeswehr
Joachim F. Weber: Streitkräfte im Wandel. Bleibt Deutschland verteidigungsfähig?
Günter Roth: Die Bundeswehr nach dem Epochenwechsel Vom Mittel zum Instrument der Politik

Anhang
Berufspflichten des deutschen Soldaten vom 9. Mai 1930
Zehn Gebote für die Kriegführung des deutschen Soldaten
Adenauers Ehrenerklärung
Eisenhowers Ehrenerklärung
Staats- und Wirtschaftspolitische Gesellschaft e. V. Aufgaben und Ziele


 

Fälschung und Agitation

Kritische Bemerkungen zur Ausstellung »Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944.«

VON WOLF STOECKER

»Kein einziger Fälschungs- oder Irrtumsvorwurf konnte bislang belegt werden«

Münchens OB Christian Ude auf der Pressekonferenz zur Eröffnung der Anti-Wehrmachtsausstellung in München am 24. Februar 1997

Meine Kritik an der die Gemüter bewegenden und verwirrenden Ausstellung »Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944« des Hamburger »Instituts für Sozialforschung« stützt sich auf eine dreimalige intensive Besichtigung der Ausstellung in Stuttgart, Mönchengladbach und Karlsruhe; ferner auf den Inhalt des Ausstellungskatalogs und des fast 700 Seiten umfassenden, von Heer/Naumann im Jahre 1995 herausgegebenen Begleitbuches mit dem gleichen Titel wie die Ausstellung. Dieses Buch enthält Aufsätze von verschiedenen Autoren, die alle zur Verdammung oder Kriminalisierung der Wehrmacht beitragen wollen. Nicht vergessen werden darf auch die in der Ausstellung ausliegende Broschüre von Hannes Heer über das »Geständnis deutscher Kriegsgefangener über ihren Einsatz an der Ostfront« mit dem reißerischen Titel »Stets zu erschienen sind Frauen, die in der Roten Armee dienen«. Aus dieser Broschüre werden auf den Seiten 180 und 181 Ausschnitte aus Erklärungen zitiert, die deutsche Kriegsgefangene im Jahre 1943 (!) gegenüber der »Außerordentlichen Kommission«, der 1942 geschaffenen zentralen Stelle zur Untersuchung der Nazi-Verbrechen in der Sowjetunion, abgegeben haben. (Soweit nicht anders erwähnt, beziehen sich die Seitenzahlen auf den Ausstellungskatalog.)

Die Kritik bezieht sich übrigens nur auf den Teil der Ausstellung, der sich mit dem Krieg gegen Rußland befaßt; denn eine objektive Beurteilung der gesamten Situation von damals ist m. E. nur möglich, wenn man während des Krieges dort eingesetzt war und später durch eine mehr als vierjährige Gefangenschaft in Rußland die Lebensauffassung und die Mentalität des russischen Menschen kennengelernt hat.

 

I

Bevor ich zu zehn ausgewählten konkreten Fällen von Fälschung oder bewußter Verfälschung komme, müssen einige allgemeine Bemerkungen noch vorangestellt werden, mit denen die behauptete wissenschaftliche Bearbeitung des Themas »Verbrechen der Wehrmacht« widerlegt wird und aus denen sich ergibt, daß alles darauf abgestellt ist, den Besucher der Ausstellung einseitig zu beeinflussen, ja zu indoktrinieren.

1. Wer sich Historiker nennt und die wissenschaftliche Qualifikation seiner Mitarbeiter betont, sollte für Einhaltung der ersten Grundregel jeder wissenschaftlichen Arbeit sorgen, wonach für jedes Zitat eine genaue, von jedem Interessenten auffindbare Fundstelle anzugeben ist. Die Kennzeichnung eines »Berichts« oder einer »Aussage« durch Nennung nur der Einheit und des Datums soll bei dem Besucher oder Leser der Texte den Eindruck der Authentizität erwecken, obwohl damit tatsächlich nichts darüber gesagt ist, wo Berichte oder Aussagen zu finden sind. Bei Feldpostbriefen ist von vornherein keine Herkunft auszumachen. Die Angabe von Ort und Einheit, die verboten war, macht von vornherein die Echtheit zweifelhaft. Da auch auf Rückfrage zu einzelnen »dokumentarischen« Unterlagen vom Hamburger Institut keine konkreten Angaben erfolgten, muß man annehmen, daß man eine Nachprüfung nicht wünscht oder jedenfalls erschweren will oder gar fürchtet.

2. Wie der Name der Ausstellung zeigt, sollen in ihr nur der Wehrmacht Verbrechen angelastet werden und nicht etwa die unbestreitbar von Einheiten der SS und der Polizei sowie von SD und Einsatzkommandos begangenen schweren NS- und Kriegsverbrechen dargestellt werden. Gleichwohl wird deren Tätigkeit dazu benutzt, um durch geschickte Vermischung mit anderen Vorgängen alles als Untaten der Wehrmacht hinzustellen. Dazu von vielen nur einige typische Beispiele:

- Die vorgesehene Umsiedlung der Juden aus Kiew, endend mit einem Massaker von SS-Kommandos in Baby Yar Ende September 1941 (Seite 78/79).

- Ebenso in Lubny, wo das SK 4 a 1800 Juden erscholl, mit 27 Bildern, die angeblich in Lubny vor der Erschießung aufgenommen worden sein sollen (Seite 80/81).

- In Text und Bildern auf Seite 148/149 sind ausschließlich Vorgange und Berichte der SS, des SD und der Polizei dargestellt.

Alles dies geht zu Lasten der Wehrmacht, ohne daß dem normalen Besucher die Irrefuhrung klar wird.

3. Ein wissenschaftlich arbeitender Historiker darf nicht einfach

Behauptungen ohne konkrete Belege aufstellen, wie z. B.:

- auf Seite 93: »Verdächtigte, Männer wie Frauen, wurden gefoltert und erschossen, Hauser und ganze Dörfer wurden abgebrannt . . . «

- Auf den Seiten 96 bis 99 mit Bildern von an Balkonen aufgehängten Menschen: Keinerlei Unterlagen oder Beweise, daß dies durch Wehrmachtseinheiten und grundlos (Saboteure, Partisanen?) geschehen ist.

- Auf Seite 126: Von 5,5 Millionen Kriegsgefangenen starben 3,3 Millionen: Kein Beleg wird für diese langst widerlegte Propagandathese angeboten.

- Auf Seite 114: Unter der Überschrift »Das vorläufige Ende der Säuberungen« heißt es am Schluß: »Bis zu diesem Zeitpunkt (Januar 1942) waren in Weißrußland 20.000 Juden von der Wehrmacht ermordet.« Auch für diese ungeheuerliche Behauptung kein Wort des Beweises.

4. In der Ausstellung wird der Besucher mit den im Katalog auf 35 Seiten (Seite 183 bis 218) wiedergegebenen 314 Fotos konfrontiert, die entsprechend der Absicht der Aussteller dem Betrachter suggerieren sollen, wie vielfältig die Wehrmacht »verbrecherisch« tätig gewesen ist. Wer aber der Wehrmacht unter Vorlage von Fotos Verbrechen anlasten will, muß, noch dazu, wenn er wissenschaftliche Bearbeitung vorgibt, für jedes Foto Angaben machen können über

a) Ort und Zeit des Geschehens,

b) beteiligte Wehrmachtseinheiten,

c) Rechtswidrigkeit von dargestellten Maßnahmen. Analysiert man unter diesem Aspekt die 314 Fotos, dann findet man, daß - kein einziges Fotos diese Voraussetzung erfüllt;

- 208 tragen die Bezeichnung »unbekannter Ort«, sind also deshalb wertlos;

- 10 betreffen andere Einheiten wie SS oder Arbeitsdienst;

- 62 lassen keine Beteiligung von Wehrmachtseinheiten erkennen;

- 19 Bilder sind aus Polen vor 1941;

- 15 zeigen durch Kriegsereignisse verursachte allgemeine Szenen wie brennende Häuser usw.

So also sieht das Ergebnis einer objektiven Überprüfung der in tendenzloser Absicht zur Erregung emotionaler Einstellungen gegen die Wehrmacht gebrachten Unzahl von Bildern aus, die noch dazu meistens aus sowjetischen Quellen stammen. Insgesamt ist überdeutlich, daß elementare Gebote wissenschaftlichen Arbeitens wie auch moralische Wahrhaftigkeit durch die Veranstalter der Ausstellung durchgehend verletzt werden.

 

II

Im folgenden werden zehn Fälle von Fälschungen und bewußten Verfälschungen in Bildern und Texten auf den Tafeln der Ausstellung - identisch mit dem Inhalt des Ausstellungskatalogs - und in dem die Ausstellung begleitenden, von Heer/Naumann herausgegebenen Sammelwerk mit dem gleichen Titel »Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944« nachgewiesen.

1. In Übereinstimmung mit einer der Tafeln in der Ausstellung befindet sich unter der Überschrift »Juden: Partisanen« auf Seite 167 folgende Darstellung:

»Der Zeuge D. berichtet von einer Einheitsführerbesprechung bei dem Kdr des II/IR 10, K., der ausdrücklich gesagt habe, daß Juden, zurückgebliebene russische Soldaten und Kommissare als Partisanen anzusehen seien (Zentrale Stelle Ludwigsburg 2 AR-Z 1212/60 Schlußbericht vom 14.07. 1964).«

Das Zitat ist richtig, hat aber nur den einen entscheidenden Fehler, daß es sich bei der Bezeichnung II/IR 10 = 2. Bataillon Infanterieregiment 10 nicht um eine Einheit der Wehrmacht, sondern, wie das mit dem Schlußbericht abschließende Ermittlungsverfahren ausweist, um eine SS-Einheit, also um ein SS-Infanterieregiment gehandelt hat. Bei seiner (vor dem LKA NRW) am 11.5.1964 erfolgten Vernehmung hat der Zeuge D. angegeben, daß er 1934 bei der SS-Leibstandarte eingetreten war, dann über Dachau und Buchenwald im Stab bei der Aufstellung des SS-Infanterieregiments 10 mitgewirkt hat.

Durch Unterschlagung der wirklichen Zugehörigkeit der Einheit muß und soll der Besucher annehmen, es handele sich um eine von dem Kommandeur einer Wehrmachtseinheit gegebenen Anweisung gegen Juden.

2. Ebenso wie auf der Seite 115 des Katalogs befindet sich auf einer Tafel in der Ausstellung mit der Überschrift »Juden werden exekutiert« zwei kleine und ein groBeres Bild, auf dem Menschen mit nacktem Oberkörper oder wie auf dem großeren Bild in der Mitte drei völlig nackte Männer inmitten anderer sich an- oder ausziehender Personen zu sehen sind.

Dieses letztgenannte größere Bild ist eine Fälschung, weil es gar nicht aus Rußland stammt. Es ist vielmehr einem Buch mit dem Titel »Deutsches Vorfeld im Osten« entnommen, welches 1941 im Buchverlag Ost GmbH, Krakau erschienen ist. Es tragt den Untertitel »Bildbuch über das Generalgouvernement« und ist, wie es heißt, »bearbeitet im Einvernehmen mit der Hauptabteilung Propaganda in der Regierung des Generalgouvernement«. Das Buch befindet sich im Institut für Zeitgeschichte in München. Schlagt man die Seiten 148/149 des Buches auf, sieht man zunächst auf der linken Seite zwei Bilder von Juden, die eine Straße fegen und Trümmer wegräumen, mit dem Text: »Juden im Dienste der Sauberkeit und Ordnung« und auf der rechts befindlichen Seite oben vor dem Hintergrund eines Flusses eine in drei Reihen angetretene größere Zahl von Männern - offensichtlich ein Arbeitskommando - mit freiem Oberkörper und darunter das in der Ausstellung wiedergegebene Bild mit den drei nackten Gestalten in der Mitte. Zwischen beiden Fotos befindet sich folgender Text:

»Wahrscheinlich zum ersten Male in ihrem Leben ist diese jüdische Mannschaft zum Baden angetreten und wie man sieht, scheint ihr dieses Bad nicht allzu schlecht bekommen zu sein«.

Der Zynismus dieses Textes ist unverkennbar. Mit »Exekution« haben diese Bilder aber nichts zu tun.

So versucht man also dem Besucher der Ausstellung mit einem gefälschten Bilddokument die Ermordung von Juden durch die Wehrmacht vorzugaukeln.

3. Auf Seite 114 wird - selbstverständlich ohne Angabe einer Fundstelle - als »Dokument« das Tagebuch eines Gefreiten Richard Heidenreich, 12. Kompanie des 354. Infanterieregiments, mit einem Eintrag vom 5.10.1941 zitiert, der mit dem Satz beginnt:

»Es gab ungefähr 1000 Juden im Dorf Krupka, und diese mußten alle heute erschossen werden.«

Es folgt dann eine in allen Einzelheiten wiedergegebene Schilderung der schrecklichen Szenen bei der Erschießung von Männern, Frauen und Kindern, an der sich Heidenreich selbst beteiligt haben will.

In dem zuvor erwähnten Begleitbuch findet sich auf den Seiten 57 ein Aufsatz von Heer unter dem Titel »Killing Fields«, in dem auf Seite 61 ebenfalls das »Tagebuch« mit dem Hinweis: »veröffentlicht in London« erwähnt wird und der gleiche Satz wiedergegeben ist. In der dazu genannten Anmerkung 11 wird als Fundstelle eine Akte der StA beim LG Dortmund mit Aktenzeichen genannt und außerdem auf eine darin enthaltene »Verfügung vom 09.09.1969« verwiesen. Aus dieser Verfahrensakte der StA, die also dem Historiker und Wissenschaftler Heer genau bekannt ist, ergibt sich über die Herkunft des angeblichen Tagebuchs folgendes: Der Titel des bei Hutchinson & Co Ltd in London erschienenen Buches lautet: »True to Type, a Selection from Letters and Diaries of German Soldiers and Civilians Collected on the Soviet-German Front«. Aus der Korrespondenz mit dem als Verfasser ermittelten Herrn N. ergibt sich, daß niemand Heidenreich gesehen oder getroffen hat. Das bereits in englischer Sprache (!) abgefaßte Tagebuch will N. von einem Russen in England erhalten haben, kann sich aber an Einzelheiten nicht mehr erinnern. Er hatte die darin gemachten Angaben für glaubwürdig gehalten. Der von der StA ermittelten Witwe des Heidenreich war ebensowenig wie seiner Schwester etwas von einem »Tagebuch« bekannt. Von den ermittelten 18 Kompanieangehörigen konnte sich nur einer genau an Heidenreich erinnern, weil er mit ihm eng befreundet gewesen wäre. Wenn H. ein Tagebuch geschrieben hatte, mußte er davon Kenntnis gehabt haben. Er äußerte die Vermutung, daß das angebliche Tagebuch des 1943 in Gefangenschaft geratenen H. nur der Inhalt einer der üblichen Vernehmungen durch sowjetische Kommissare war. Von den sich daraus zumindest ergebenden Zweifeln sagt Heer nichts. Noch abträglicher für den vermeintlichen Wissenschaftler Heer ist aber die Tatsache, daß die Staatsanwaltschaft in der von Heer selbst als Quelle angegebenen »Verfügung vom 09.09.1969« auf den Seiten 43 und 44 festgestellt hat, daß die Datumsangabe 5.10.1941 im »Tagebuch« unrichtig ist und daß vielmehr, wie es wörtlich heißt, »die Erschießung der jüdischen Einwohner von Krupka durch Angehörige eines Teilkommandos des Eins.Kommandos 8 unter Führung des ehemaligen SS-Hauptsturmführers Sch. (...) bereits am 18.09.1941 durchgeführt worden ist«.

Die Darstellung im sogenannten »Tagebuch« stimmt also überhaupt nicht, was aber von Heer verschwiegen worden ist.

4. Auf Seite 118 des Katalogs befindet sich in der dritten Spalte unter der Überschrift: »Die Wehrmacht mordet mit« ebenso wie in dem Artikel »Killing Fields« auf Seite 71 eine Aufzahlung von Judenmorden, wobei unter »aktiver Beteiligung« nicht unterschieden wird, ob Lkws zum Transport der Juden, ob Truppen zum Zusammentreiben und zum Absperren und ob kommandierte Pioniere zum Sprengen der Massengräber und schließlich ob Einheiten als Exekutionskommandos zur Verfügung gestellt wurden. Alles das geht also unter Heers Überschrift »Die Wehrmacht mordet mit«. Es werden dann sechs verschiedene Falle der Beteiligung von Kompanien des 727. Inf.Reg. aufgeführt. Als Fundstellen werden ohne weitere Angaben im Katalog genannt: »Ermittelt durch die Zentrale Stelle Ludwigsburg«, während im Artikel von Heer unter der Anmerkung 33 ein Aktenzeichen der Zentralen Stelle aufgeführt ist. Auf den Seiten 245 ff. der Akte wird eine allgemeine Darstellung über die 707. Inf.Div. und ihre Bataillone wie Kompanien gegeben. Dann werden die einzelnen Falle, wie sie im Katalog und in »Killing Fields« aufgeführt sind, behandelt.

Schon jetzt läßt sich zu dem als Nr. 2 genannten Fall in Lachowicze (Blatt 267 bis 287) folgendes sagen: Die vorgenannten Seiten enthalten verschiedene Zeugenaussagen über die damaligen Vorgange. Es handelt sich dabei um polnische Angehörige, die die Angaben wohl bei Russen gemacht haben. Jedenfalls wird das dabei erwähnt. Interessant bei diesen Aussagen ist, daß immer nur Deutsche und Letten neben Polizisten genannt werden, wobei gesagt wird, daß die Deutschen, die gekommen waren, an ihrer Mütze einen Totenkopf gehabt hatten. Andere Zeugen sprechen sogar ganz eindeutig von SS-Leuten.

Es ergibt sich aus diesen Seiten jedenfalls, daß die Wehrmacht überhaupt nicht daran beteiligt war.

5. Auf Seite 119 des Katalogs sind vier Fotos wiedergegeben. Auf den beiden ersten Bildern stehen in einem ausgehobenen Graben etwa zehn Personen an der einen Grabenwand. Im Hintergrund sieht man, ganz klein zerstreut, Uniformierte. Nur im ersten Bild steht mit dem Rucken zum Beschauer ein Uniformierter mit Reithosen und -stiefeln und einer Schirmmütze. Bild 3 und 4 zeigen in dem zweifellos gleichen Graben am Boden liegende exekutierte Personen in gleicher Anzahl. Auf dem größeren Bild stehen auf und am aus dem Aushub aufgeschichteten Wall Soldaten, die kein Hoheitszeichen auf der rechten Brustseite haben, also offensichtlich Angehörige fremdländischer Truppen (Litauer?) sind.

Als Erläuterung zu den Bildern 1 bis 4 heißt es:

»Massenerschießungen durch die Wehrmacht.«

Diese Bezeichnung der Bilder dient erkennbar dem Zweck, die links daneben auf der Seite 118 - siehe vorstehenden Fall Nr. 4 - unter der Überschrift »die Wehrmacht mordet mit« wiedergegebene Zusammenstellung über die angeblich aktive Beteiligung der Wehrmacht zu belegen.

Tatsächlich stammen die Bilder aus einer Lichtbildmappe des LKA Baden-Württemberg (»Bilder Nr. 14 bis 17«), die sich bei der Zentralen Stelle der Justizverwaltungen in Ludwigsburg befindet. Dort lautet die Bezeichnung dieser vier Lichtbilder aber nicht »Massenerschießungen«, sondern:

»Erschießung kommunistischer Funktionäre und sonstiger verdächtiger Elemente durch eine Wehrmachtseinheit. Das Grab wurde von den Delinquenten ausgehoben. Tatzeit und Tatort Sommer 1941 Mittelabschnitt der Ostfront.«

Der Grund für die Erschießung ist, wie leider fast immer, nicht angegeben; es kann sich also durchaus um Saboteure oder Freischärler handeln. Lettische oder litauische Kommandos sind keine Wehrmachtseinheiten. Erkennbar handelt es sich um eine Einzelaktion, die aber dem Besucher der Ausstellung als »Massenerschießung« präsentiert wird.

6. Zum Zwecke der Verallgemeinerung von Einzelfallen des Auftretens von Brutalität bei der Erschießung von Juden versteht es Heer in »Killing Fields« auf Seite 63 unter Ziffer 3 durch Aneinanderreihen ohne Zwischentext von Aussagen ganz verschiedener Zeugen aus verschiedenen Einheiten den Eindruck zu erwecken, es handele sich um eine Reihe von Verbrechen ein und derselben Einheiten. Er beginnt mit der allgemeinen Beschuldigung:

»Was man mittlerweile bei den Einsatzgruppen und Polizeibataillonen an Mordlust und Gefühlskälte zuzugeben bereit ist, davon hat man auch bei durchschnittlichen Landsern auszugehen.«

»Durchschnittlicher Landser« ist also der einfache Soldat in Wehrmachtseinheiten.

Dann zitiert Heer einen Zeugen mit einer Aussage nach Hörensagen, nämlich mit der Wiedergabe von Erzählungen von Kameraden, die von einem Einsatz mit Erschießen von ganzen jüdischen Familien zurückgekommen waren. Darunter auch die wörtliche Wiedergabe der Erzählung eines Kompanieangehörigen, die einen nicht zu überbietenden Sadismus dieses Mannes bei der Ermordung der Juden erkennen laßt. Das Zitat stammt aus den Strafakten gegen Erren auf Seite 33. Dann folgt ohne jede Zwischenbemerkung die Wiedergabe eines Zitats in Ich-Form:

»Ich kann mich auch noch erinnern, daß ich gesehen habe, wie ein Kind am Kopf erfaßt wurde und dann erschossen wurde. Das Kind wurde dann in die Grube geworfen.‹ (Erren 1155)«

Hier haben wir also die Aneinanderreihung von zwei Aussagen verschiedener Zeugen über zwei völlig verschiedene Ereignisse. Die Unredlichkeit des angeblich wissenschaftlich arbeitenden Heer verdichtet sich nun zu einer Fälschung. Wieder ohne irgendein eingefügtes Wort geht es hinter der Fundstelle »(Erren 1155)« mit neuen Anführungsstrichen, wie folgt, weiter:

»H. erzählte dabei, daß bei der Exekution Kinder davongelaufen seien und daß man diese Kinder mit dem aufgepflanzten Seitengewehr aufgespießt und anschließend in die Grube geworfen habe.«

Als Fundstelle hierfür ist ein ganz anderes Strafverfahren, namlich gegen Windisch, Seite 1165, angegeben.

Dieses letzte Zitat ist in doppelter Hinsicht eine üble Fälschung:

Einmal durch die Worte »H. erzählte dabei . . . « wird die Verbindung zu der in einem ganz anderen Strafverfahren erfolgten Aussage eines Zeugen fortgesetzt, weil auch in dieser Aussage von Kindern, die gelotet wurden, die Rede ist.

Die zweite Verfälschung ist aber dadurch gegeben, daß es sich bei dem in dieser Zeugenaussage erwähnten H. um einen Lastkraftwagenfahrer handelt, der über die Taten eines von ihm in einem Ort außerhalb Lida beobachteten litauischen Exekutionskommando berichtet, also nicht von verbrecherischen Taten von Angehörigen von Wehrmachtseinheiten.

Bei Heer läuft aber alles dieses unter der Überschrift »Mordlust, Sadismus und Gefühlskälte«, von denen man auch beim »durchschnittlichen Landser«, also von Angehörigen von Wehrmachtseinheiten auszugehen habe.

7. In seinem Aufsatz »Killing Fields« zitiert Heer auf Seite 63 aus einem Feldpostbrief eines Kompaniechefs des 727. Infanterieregiments, den dieser am 15. Oktober 1941 an seinen Bruder in der Heimat geschrieben hat:

»Wir sind jetzt fleißig auf der Jagd. Jeden Tag mußten mehrere jüdische Partisanen daran glauben. Da geht's immer wild her ... Wir räumen auf mit der Bande, das wäre was für Dich.«

Als Fundstelle gibt Heer Blatt 1175 der Strafakten gegen Windisch 3 Ks 1/67 StA Mainz an. In der Tat ist auf dieser Seite der Akten eine Abschrift des Briefes vom 15.10.1941 in Schreibmaschine wiedergegeben. Anrede »Mein lieber Hans« (kein Nachname) und unterschrieben »Herzliche Grüße Dein Bruder Sepp« (ebenfalls ohne Nachname). Die mit Punkten angezeigte, ausgelassene Stelle zwischen den beiden zitierten Sätzen lautet:

»Eine gefährliche Bande. Wir holen sie aus allen Schlupfwinkeln hervor. Anfangs heißt’s überwinden. In einem Nest wurden fünf deutsche Soldaten von Juden ermordet. Denen wurde es aber heimgezahlt und wird es immer wieder.«

Danach kommt der zitierte kurze Satz:

»Wir räumen auf mit der Bande, das wäre was für Dich.«

Tatsachlich geht es dann weiter:

»Ich kann Dir ja nicht alles schreiben. Mündlich einmal bleibt alle gesund und zufrieden.«

Das entscheidende hat Heer unterschlagen, nämlich daß es sich um eine gefährliche Bande gehandelt hat, und insbesondere, daß fünf deutsche Soldaten von Juden ermordet worden waren. Außerdem muß man wissen, daß Heer den Absatz, an dem zum Schluß der Feldpostbrief zitiert wird, mit dem einleitenden Satz beginnt:

»Die Jagd nach Juden und die Exekution geschah nicht zufällig oder spontan.«

8. In »Killing Fields« auf Seite 73 schreibt Heer:

»Georg Heuser, der Judenreferent des SD in Minsk, hat das Szenario für diesen Raum im Frühsommer 1942 so beschrieben: Ich habe in Erinnerung, daß die Judenaktionen ... meist in Verbindung mit Partisanenunternehmungen durchgeführt wurden, bei denen Einheiten der Schutzpolizei, der Gendarmerie und auch des Heeres eingesetzt waren. Die Heereseinheiten kamen aus dem rückwärtigen Heeresgebiet.«

In der hierzu angegebenen Anmerkung 37 auf Seite 77 wird u. a. verwiesen auf eine Strafakte bei der StA Hannover. Sie enthält eine Aussage von Heuser als Zeugen, die er am 15.11.1963 vor einer Sonderkommission/Hamburg gemacht hat. Aus dieser Aussage sind die Angaben, die Heuser vor und nach dem von Heer angeführten Zitat gemacht hat, schon deshalb wichtig, weil sie dem Zitat mit den darin erfolgten Auslassungen einen ganz anderen Sinn geben können. Auf der Seite 1295 ist von Liquidierungen von Juden im Gebietskommissariat Glebokie die Rede. Es heißt dann:

»Bis März 1942 sind Liquidierungen in diesem Gebiet durch Reste von Einsatzkommandos (es konnten 3 und 8 gewesen sein) durchgeführt worden. Von diesem Zeitpunkt ab führte G. alle Judenaktionen in den Gebieten Glebokie, Wilejka und westlich Molodechno selbständig durch. Die Abteilung IV b beim KdS in Minsk erhielt die Vollzugsmeldungen monatlich von G. aus Wilejka.«

Es folgt dann in einem neuen Absatz das Zitat, das nach Ausfüllung der mit Punkten gekennzeichneten Auslassungen nunmehr wie folgt lautet:

»Ich habe in Erinnerung, daß die Judenaktionen im Gebiet zwischen Lettland Heeresgebiet.-Ruck und der Bahnlinie Lida-Molodechno - Polodsk meist in Verbindung mit Partisanenunternehmungen durchgeführt wurden, bei denen Einheiten der Schutzpolizei, der Gendarmerie und auch des Heeres eingesetzt waren. Die Heereseinheiten kamen aus dem ruckwartigert Heeresgebiet.«

Es folgt in der Aussage dann unmittelbar folgender Satz:

»G war an allen diesen eigentlichen Partisaneneinsätzen beteiligt und führte die Judenaktionen dann selbständig durch

Der dem Zitat folgende vorstehende Satz läßt eindeutig erkennen, daß G mit seinen SD-Leuten allein und selbständig die Judenaktionen erledigte, die im Zusammenhang mit den Partisaneneinsätzen entstanden. d. h. also, daß die Einheiten der Wehrmacht die Partisanenbekämpfung durchführten, während der SD seinerseits selbständig Judenaktionen durchführte.

9. In »Killing Fields« schreibt Heer auf Seite 72:

»Es ist kein Zufall, daß das erste Unternehmen gegen die Partisanen im rckwärtigen Heeresgebiet Mitte von demjenigen General befehligt wurde, der für die ›Judenjagden‹ und die ›Ghettoaktionen‹ im zivilverwalteten Teil Weißrußlands verantwortlich gewesen war, vom Kommandeur der 707. Inf.Div., dem Generalmajor von Bechtolsheim. In seinem ersten Einsatzbefehl am 18. März 1942 knüpfte er an die dort praktizierten Methoden an:

›Im neuen Einsatzgebiet muß die Truppe den Kampf gegen die Partisanen und sonstige deutschfeindliche Elemente mit aller Schärfe führen, wie dies in Weißruthenien, insbesondere in den Herbstmonaten 1941, mit Erfolg geschehen ist. Die diesbezüglichen Anordnungen über rücksichtsloses Durchgreifen gegen Männer, Frauen und Kinder gelten auch für das neue Einsatzgebiet.‹

Das Ergebnis zeigte, daß seine Männer das verstanden hatten. Bei dem Unternehmen ›Bamberg‹, das vom 28. März bis 04. April 1942 im südwestlichen Teil des rückwärtigen Heeresgebietes stattfand, wurden 3500 ›Partisanen und Helfer‹ erschossen - wie die Tagesberichte zeigen, meistens Juden. Die eigenen Verluste - sechs Tote und zehn Verwundete waren so verräterisch niedrig, daß selbst der Befehlshaber, von Schenckendorff, daran Kritik übte.«

Dazu bezieht sich Heer auf Seite 77, Anm.36. In dieser Anmerkung wird auf Bundesarchiv/Militararchiv Divisionsbefehle Nr. 32 und Nr. 39 verwiesen. Außerdem wird das Kriegstagebuch erwähnt. Die mir vom Bundesarchiv zugesandten zwei Seiten des Tagebuches enthalten die zuvor genannten Angaben nicht. Ich habe insoweit eine Rückfrage gehalten.

Hier kommt es mir aber auf den ersten Teil des Zitates an. Es ist richtig, daß im Divisionsbefehl Nr. 32 unter 4. »Kampfführung« die beiden von Heer zitierten Sätze, beginnend mit im »neuen Einsatzgebiet« und endend mit »für das neue Einsatzgebiet«, enthalten sind.

Heer aber unterschlagt die nachfolgenden wichtigen Sätze aus dem Divisionsbefehl, die wie folgt lauten: »Wir haben es dort mit einem unerbittlichen Gegner zu tun, der sich in diesem Bereich mangels ausreichender Besatzungstruppen festgesetzt und eingenistet hat, um von dort aus seine Streifzüge zu Sabotageakten und sonstigen Angriffen zu machen. Inwieweit die ansässige Bevölkerung freiwillig oder nur unter dem Druck der die tatsächliche Macht ausübenden Partisanen diese unterstützt, kann mit Sicherheit erst beim Einsatz selbst geklärt werden. Da unter der ansässigen Bevölkerung etwa 10 % Kulaken sein sollen, muß die Gesinnung der Leute erst geprüft werden. V-Leute und K-Leute (Kundschafter), sowie Dolmetscher können auf Anforderung in Bobroisk noch zugeteilt werden«.

Dies zeigt, daß das »rücksichtslose Durchgreifen gegen Männer, Frauen und Kinder« nur dann erwartet wird, wenn während des Einsatzes die Unterstützung der Partisanen durch die Bevölkerung festgestellt worden ist.

10. Auf Seite 64 von »Killing Fields« führt Heer unter Ziffer 4 zunächst folgendes aus:

»Mordlust und Sadismus, Gefühlskälte und sexuelle Perversionen konnte man nicht befehlen, die brachten große Teile der Truppe mit. Aber die Gelegenheit, dieses Triebpotential auszuagieren, die stellten die Befehle der Kommandeure her. Ein Zeuge berichtete, was vor einem Einsatz in der Nahe von Slonim geschah:

›ich meine, daß dort vom Kompaniechef ein Schreiben verlesen wurde, wonach die Juden in unserem Raum liquidiert werden sollten‹ (Erren 1154).«

Genaues weiß dieser Zeuge also gar nicht. Heer fahrt dann fort:

»Ein anderer prasiziert« - nämlich in einem ganz anderen Verfahren -, »aufgrund eines bestehenden Regimentsbefehls wurden generell alle Juden als Partisanen angesehen, sofern sie außerhalb des Wohnorts angetroffen wurden. (Windisch 1172)«

Aus der Fundstelle ergibt sich nicht, welche Funktion der Zeuge gehabt hat. wann der Regimentsbefehl erging usw., alles also unbestimmt. Die Aussage ist auch nicht von den Zeugen von sich aus gemacht worden beruht auf Fragen des vernehmenden Beamten.

Das Zitat endete mit dem Halbsatz:

»... sofern sie außerhalb des Wohnortes angetroffen wurden.«

Tatsächlich geht es aber in der Aussage weiter:

»Aufgrund dieses Regimentsbefehls haben Angehörige meiner Kompanie festgenommene Juden dann erschossen, wenn sie nach der Festnahme zu fliehen versuchten.«

Dann einige Zeilen weiter heißt es:

»Auf Vorhalt: Es ist richtig, daß meine Kompanie in Meldungen anführte, daß Partisanen erschossen wurden, bei denen es sich in Wirklichkeit um Juden handelte. Bei diesen Juden handelte es sich aber um Personen, die nach dem schon erwähnten Regimentsbefehl grundsätzlich als Partisanen galten und die auch dann nur auf der Flucht erschossen wurden.«

Alles dies hätte Heer, wenn er die volle Wahrheit wiedergeben wollte, anführen oder erwähnen müssen. Dann bleibt aber nichts für die eingangs aufgestellte Behauptung: »Mordlust und Sadismus, Gefühlskälte und sexuelle Perversionen ... brachten große Teile der Truppe mit.«


Dr. Wolf Stoecker, Jahrgang 1907, Rechtsanwalt seit Januar 1935. Zum Kriegsdienst eingezogen März 1941. Ausbildung zum Intendanten.1941/1942 Wehrkreisverwaltung Danzig, von Juni 1942 bis Februar 1944 als Intendanturrat beim Wehrmachtsbefehlshaber Ukraine. Nach weiterer Ausbildung Divisionsintendant der 711. Inf.Div. ab Oktober 1944. Mai 1945 in russische Gefangenschaft bis Juli 1949. Seit Januar 1950 Rechtsanwalt am Oberlandesgericht Düsseldorf. Über Beschäftigung mit der Militärgerichtsbarkeit seit drei Jahren mit außerberuflichen Forschungsvorhaben über Beteiligung von Wehrmachtseinheiten an NS-Verbrechen beschäftigt.


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