Kapitel III

Washington und New York

Oberflächlich betrachtet war die Lage der Alliierten im Jahre 1942 verzweifelt. Nach dem Winter 1941/1942 setzten die deutschen Armeen ihren Vormarsch durch Rußland weiter fort. Die Vernichtung des größten Teiles der amerikanischen Pazifikflotte in Pearl Harbor am 7. Dezember 1941 hatte in Wirklichkeit den Pazifik zu einem japanischen Meer gemacht. Die Vereinigten Staaten standen plötzlich einem Problem gegenüber, das für dieses Land fremdartig war : Mangel an wichtigen Rohstoffen - ohne die jede Kriegsanstrengung unmöglich schien. Japan kontrollierte Malaya und Ostindien, die die Lieferanten von 90% des amerikanischen Gummibedarfes waren. Die Lieferanten der anderen 10% - Zentral- und Süd-Amerika - waren hoffnungslos unzureichend. [1]

Die Art und Weise, wie sich die USA selbst aus dieser mißlichen Lage befreiten, wird dereinst als die große Ironie des Schicksals in die Geschichte eingehen. Man hätte allen Grund zu der Annahme gehabt, daß Amerika dieses Problem nie lösen würde, denn dort hatte kein Mensch in Begriffen wie "Autarkie" gedacht.

Die Standard Oil in New Jersey kannte die wichtigsten Daten für die Herstellung von Buna bei den IG-Farben. Dies war auf eine Reihe von Abkommen zwischen diesen beiden Gesellschaften zurückzuführen, deren Beziehungen bis auf das Jahr 1927 zurückgingen. Dabei handelte es sich um technische Zusammenarbeit und gegenseitige Lizenzgewährung. Standard Oil war stark an der Herstellung von Buna-Gummi interessiert, da derselbe auch mit Öl als Ausgangsprodukt - und damit noch leichter - produziert werden konnte. Mit dem Einverständnis der deutschen Regierung wurde die Zusammenarbeit beibehalten, unmittelbar bis zum Kriegsausbruch und bis zu einem gewissen Grade sogar darüber hinaus. Für die Vereinigten Staaten waren diese Abmachungen von gewaltigem Nutzen, die Deutschen jedoch hatten davon keinerlei Vorteil. [2]

Der Kriegsausbruch 1939 zwischen Deutschland einerseits und England und Frankreich andererseits brachten die Abmachungen zwischen Standard Oil und IG-Farben ziemlich durcheinander, was hier aber nicht weiter untersucht werden muß. Die IG-Farben hätten nun gern wieder Ordnung in diese Angelegenheit gebracht, und so wurde ein Treffen in Den Haag zum 22. September 1939 vereinbart, wo dann gewisse rechtskräftige Abmachungen getroffen wurden. Der Standard Oil Beauftragte Frank A. Howard war darüber ganz verdattert. [3]

"Ich konnte jedoch die Überzeugung nicht los werden, daß die Deutschen die einzigen waren, die vom militärischen Standpunkt aus betrachtet, Nutzen

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daraus ziehen konnten, wenn sie nämlich die Beziehungen zwischen Standard Oil und IG-Farben so beibehalten, wie sie bei Kriegsbeginn waren."

Die in Den Haag geschlossenen Vereinbarungen erwiesen sich alsbald als unzureichend. Daher beschloß man im Frühjahr 1940 eine erneute Besprechung. Howard hatte noch eine besondere Begründung für ein solches zusätzliches Treffen :

"... wir hatten dabei auch die Absicht, sie um Einzelheiten ihrer Pläne in bezug auf die Werksausrüstung und Techniken bei der Buna-Herstellung zu bitten. Wir hofften, daß die IG-Farben von ihrer Regierung die Erlaubnis bekommen würden, uns die Pläne für die Werke zur Buna-Polymerisation zu verkaufen. Sie hatten solche nämlich im Rahmen des Regierungsprogramms in Deutschland errichtet."

Diese Hoffnungen zerschlugen sich aber auf der Konferenz zwischen IG-Farben und Standard Oil, die schließlich Mitte April 1940 in Basel in der Schweiz stattfand. Zur gleichen Zeit besetzten die Deutschen Norwegen, was das Ende des "Sitzkrieges" signalisierte. Die neuen politischen Bedingungen schufen bei den Deutschen die Erkenntnis, daß die politische Lage sehr ernst war, was auf der Konferenz den endgültigen Abbruch der Beziehungen zwischen den IG-Farben und Standard Oil verursachte. Natürlich trug sich Standard Oil auch weiterhin mit dem Gedanken, solche Werkspläne zu kaufen. Howard erklärte hierzu jedoch :

"Etwas anderes war für uns noch äußerst wichtig. Wenn irgend möglich wollten wir erfahren, ob die Deutschen seit Ausbruch des Krieges in Europa nicht doch irgendwelche grundsätzliche Änderungen in ihren Buna-Werken an der Technik oder an den chemischen Formeln vorgenommen hätten. Direkte Fragen waren natürlich nicht möglich, da die Männer von IG-Farben ja nicht mit uns über den Stand der deutschen Kriegsanstrengungen diskutieren konnten. Aber während der Festsetzung der Patentübertragung und der Diskussionen über die Lizenzbestimmungen, die wegen der Durchführung der Haager Abkommen notwendig waren, bekamen wir genügend Daten, um uns sicher zu fühlen, daß sich bei der Herstellung von Buna nichts Wesentliches geändert hatte. Diese Schlußfolgerung wurde später in vollem Umfang bestätigt."

Dies war "die letzte direkte Fühlungnahme, die Standard Oil mit den Deutschen über Buna-Gummi hatte". [4]

Sämtliche amerikanischen Kenntnisse über die Vorgänge bei der Buna-Gewinnung, die die us-amerikanischen Kriegsanstrengungen überhaupt erst ermöglicht haben, stammen aus diesen Beziehungen zu den IG-Farben. Dies ist ein anerkannter Sachverhalt bei der Gummi-Industrie. [5] Trotzdem wurde späterhin Standard Oil ziemlich bissig kritisiert. Man versuchte sogar, sie gerichtlich zu belangen. [6]

Daß man 1942 plötzlich keine Bezugsquellen mehr für Gummi hatte, löste in den USA eine größere politische Krise aus. Ein Buna-Programm gab es schon seit Mitte 1940, als man die "Vereinigung zur Schaffung einer Gummi-Reserve" innerhalb der "Gesellschaft für Finanzreform" gebildet hatte. Das Unternehmen

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wurde von Jesse H. Jones geführt. Es überwachte die Einlagerung von Rohgummi und zeichnete auch für den Bau von Buna-Werken verantwortlich, mit denen man 1941 begonnen hatte. Aber bei den Behörden hatte niemand den vollkommenen Verlust von Fernost-Gummi in Rechnung gestellt. Daher hielt sich das Programm für synthetischen Gummi in engen Grenzen. Die Folge war, daß es im Jahr 1942 keinerlei praktische Erfahrung gab, wie man die IG-Farben Produktion im großen Rahmen anwenden könnte.

Die Not begann unmittelbar nach dem Angriff auf Pearl Harbor. Deshalb verbot die us-amerikanische Regierung auch drei Tage später den Verkauf von Autoreifen an die Zivilbevölkerung. Die allgemeine Rationierung für Gummi folgte dann auf dem Fuße. Anfang 1942 wurde es klar, wenn es irgend welcher amerikanischer Kriegsanstrengungen bedurfte, daß alsdann in Rekordzeit eine gigantische Industrie zur Herstellung von synthetischem Gummi aufgebaut werden mußte. Die offensichtlich bedrückenden Aussichten, dies auch wirklich zu schaffen, verursachten panikartige Zustände, und natürlich suchte man nach Sündenböcken. Jesse Jones wurde zur beliebten Zielscheibe. Seine Behauptung, daß 1943 = 300.000 Tonnen synthetischer Gummi produziert würden und 1944 dann 600.000 Tonnen, wurde verlacht (der Gummi-Verbrauch in den USA betrug 1940 = 648.500 Tonnen). Die Standard Oil geriet nun auch noch in den nicht berechtigten Verdacht, daß es sich bei den Abmachungen zwischen den IG-Farben und Standard Oil um eine Verschwörung gehandelt habe, um in den USA die Entwicklung zur Herstellung von synthetischem Gummi zu verzögern. Harry S. Truman, Vorsitzender eines Senatsausschusses, der die Probleme der Kriegsproduktion zu untersuchen hatte, wurde erstmals weithin öffentlich bekannt in Verbindung mit der Gummikrise von 1942.

Die Krise brachte auch innenpolitische Konflikte mit sich. Die großen Öl-Gesellschaften hatten lange Zeit die Führung bei der Buna-Produktion, doch im Kongreß überwog der Landwirtschaftsblock. Nun ja, Buna kann nicht nur aus Kohle und Öl hergestellt werden, man kann als Grundstoff auch Alkohol verwenden, also ein landwirtschaftliches Produkt. In weiser Voraussicht auf das Entstehen einer neuen größeren Industrie starteten die landwirtschaftlichen Interessenten einen Feldzug, in dem sie sich dafür einsetzten, die Buna-Herstellung auf Alkoholbasis zu bewerkstelligen (die aufwendigste Methode). Dabei führten sie an, daß die Russen, die sich auch schon lange mit der Fabrikation von synthetischem Gummi beschäftigten, vom Alkohol ausgegangen waren. Auch präsentierten sie einen polnischen Flüchtling, von dem sie behaupteten, er habe etliche revolutionäre Erfindungen im Zusammenhang mit der Buna-Herstellung auf Alkoholbasis gemacht.

Es gab aber auch noch einen anderen politischen Block, der süd-amerikanische Interessen vertrat und vorschlug, die Gummi-Pflanzungen zu unterstützen. Und dann war da noch ein kleinerer Landwirtschaftsblock, der auf eine starke Erweiterung der Guayule-Plantagen im Südwesten drängte. Das Ergebnis dieser innenpolitischen Kämpfe schuf ein massives Durcheinander und eine Verzögerung des vorgelegten Buna-Programms.

Die Gummikrise füllte im Jahr 1942 die Spalten der Presse und war in der Tat die Hauptkrise, die die USA im Zusammenhang mit dem

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Krieg erlebt hat. Unentwegt wurde lamentiert, daß Deutschland den Amerikanern weit voraus sei und daß es den USA an der lebenswichtigen Erfahrung mit den Vorgängen fehle, wie sie die Deutschen eben besäßen. Die in Deutschland angewendeten Verfahren wurden angeführt und mit den Aussichten für das amerikanische Programm verglichen. [7]

Der Kampf des Farmer-Blocks gegen die - wie sie sie nannten - "öligen Interessen" errang im Juli 1942 vorübergehend einen größeren Erfolg, als der Kongreß die sonderbare "Gummi-Versorgungsakte 1942" verabschiedet hatte. Der Gesetzesakt hätte zunächst eine Behörde für die Gummi-Produktion unter Oberaufsicht des Kongresses und außerhalb der Domäne des Büros der Kriegsproduktion, aber auch der Armee, der Flotte oder irgendeiner anderen der Regierung unterstehenden Verwaltung geschaffen. Natürlich wurde darin der Getreidealkohol als Ausgangsbasis festgelegt. Am 6. August legte Präsident Roosevelt sein Veto gegen diese Gesetzesvorlage ein und kündigte die Ernennung eines Komitees an, das das Gummi-Problem studieren und Vorschläge machen sollte, wie man das us-amerikanische Programm zur Herstellung von synthetischem Gummi verwirklichen könnte : "wahrscheinlich die am meisten mit Beifall bedachte Aktion an der Heimatfront in der Geschichte des Kriegsprogramms". Dem Komitee gehörten als Mitglieder an : Dr. James D. Conant, - Harvard-Präsident; Dr. Karl T. Comton, - Präsident des M.I.T. (Massachusetts Institute of Technology); der Bankier und Politiker Bernard Baruch, der als Vorsitzender fungierte. Meistens wurde es "Baruch-Komitee" genannt. [8]

Diese drei Männer wurden zum Teil deshalb gewählt, weil man sie in diesem Konflikt als nicht vorbelastet ansah und weil man glaubte, daß sie keine Sonderinteressen vertreten würden, - dann aber auch wegen ihrer Sachkenntnis. Die Ernennung Baruchs zum Vorsitzenden einer so technisch orientierten Gruppe mag auf den ersten Blick sonderbar erscheinen, doch dies ist nicht der Fall. Abgesehen davon, daß er ein Mann mit verschiedenen Talenten und ein wichtiger Finanzmann mit industriellen und politischen Beziehungen war, hatte er doch schon im Ersten Weltkrieg den Vorsitz im Ausschuß für die Kriegsindustrie innegehabt. Ja, mehr noch : seit mehr als 30 Jahren war er an Industrieunternehmen interessiert, die sich mit Gummi-Verarbeitung beschäftigten, und er hatte schon im Frühjahr 1941 von sich aus für den Fall eines Krieges amerikanische Gummi-Vorräte angelegt. Die Folge davon war, daß er mit verschiedenen Leuten in Streit geriet, hauptsächlich mit Jesse H. Jones. Zudem setzte Baruch - anders als der durchschnittlich begabte Vorsitzende des Washingtoner Zweckkomitees - seine ganze Kraft für die Arbeit seiner Behörde ein. Auf Anweisung des Komitees wurde sein Assistent Sam Lubell hinzugezogen. Selbst nach Abgabe des Schlußberichtes hielt das Interesse Baruchs an; denn Howard berichtet, daß Baruch später noch den Wunsch ausgesprochen habe, mit den Leuten von Standard Oil Rücksprache zu nehmen, und so wurde denn auch eine Tagung abgehalten, auf der die technischen und wirtschaftlichen Probleme erörtert wurden. [9]

Die Arbeit des Baruch-Komitees wurde mit beachtenswerter Eile abgeschlossen, und der Schlußbericht wurde am 10. September 1942 abgegeben; die beste Erklärung für diese Schnelligkeit liegt

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offensichtlich in Baruchs früherer selbständiger Einarbeitung in diese Materie.

Wir müssen versuchen, das Problem so zu sehen, wie es das Komitee 1942 hatte sehen müssen. In erster Linie war es ein politisches Problem insofern, als man die gegenseitigen Interessen miteinander ausgleichen mußte, die bei dem synthetischen Gummi mit dem geschäftlichen Teil zusammenhingen. Deshalb wurde im Schlußbericht des Komitees empfohlen, jährlich die Voraussetzung zur Produktion von zusätzlich 100.000.000 Gallonen (1 amerikanische Gallone = 3,78 Liter) Getreidealkohol zu ermöglichen. Ein zweites Problem in Amerika war das Fehlen praktischer Erfahrungen mit den Vorgängen bei der Produktion von Buna. Technische Einzelheiten standen zwar zur Verfügung, aber trotzdem tauchten viele Fragen über Details und Alternativmöglichkeiten der Produktionsprozesse auf. Um nun das amerikanische Programm für den synthetischen Gummi zu beschleunigen, erkannte das Komitee die Notwendigkeit, soviel wie möglich aus den Erfahrungen anderer zu lernen. Somit wurde eine besondere Empfehlung dahingehend ausgearbeitet, alle Anstrengungen sofort darauf zu richten, die Erfahrungen der Russen bei der Herstellung von synthetischem Gummi zu erkunden, um diese dann bei der amerikanischen Produktion zur Anwendung zu bringen (Jesse Jones wurde damit beauftragt, hierüber Näheres zu sondieren). Der Versuch wurde unternommen, doch brachte er keine nennenswerten Ergebnisse. [10]

Bei dieser Sachlage muß man annehmen, daß irgendjemand in US-Amerika sich hätte bemühen müssen, hinter die Entwicklung in Deutschland zu kommen, soweit das eben in der damaligen Zeit möglich war. Und die neue deutsche Entwicklung in der Gummi-Produktion des Jahres 1942 vollzog sich in Auschwitz, dem Platz mit der am weitesten fortgeschrittenen Forschung in der Herstellung von Buna.

Bei Behandlung der us-amerikanischen Gummikrise von 1942 ist der springende Punkt der, daß der amerikanische Geheimdienst gewußt haben muß, was sich 1942 in Auschwitz abgespielt hat. Es wäre natürlich wunderschön, wenn wir genau wüßten, was der US-Geheimdienst über die Vorgänge in und um Deutschland herum während des Krieges herausgefunden hatte. Bekanntlich sind Geheimdienste bei der Preisgabe solcher Informationen sehr zurückhaltend, sogar noch viele Jahre nach den zur Debatte stehenden Ereignissen. Von den Geheimdienst-Unternehmungen während des Zweiten Weltkrieges kennen wir zwar einige Episoden, aber im ganzen gesehen wurde der Inhalt der alliierten Geheimerkundungen nicht preisgegeben. Und was Auschwitz anbetrifft, so wird es wohl noch sehr, sehr lange dauern, bis wir etwas über die damaligen Erkenntnisse des Geheimdienstes erfahren, wenn derartiges überhaupt jemals veröffentlicht werden sollte.

Aus diesem Grund ist man bei dem Versuch, in Erfahrung zu bringen, wie weit das Wissen der alliierten Geheimdienste damals reichte, fast ausschließlich auf seinen gesunden Menschenverstand angewiesen. Die Schwierigkeit besteht nun darin, daß mein gesunder Menschenverstand von dem anderer Menschen sehr verschieden sein mag. Solche Auffassungsgegensätze durch Diskussionen in Übereinstimmung zu bringen, dürfte daher sehr schwierig sein. Nun, mein

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gesunder Menschenverstand sagt mir, daß die alliierten Geheimdienste, ganz abgesehen von der Gummifrage, seit Mitte 1942 gewußt haben müssen, was sich im größten deutschen Konzentrationslager getan hat. Wenn zudem, wie jede Schilderung der Ausrottungslegende versichert, sich im Sommer 1942 so etwas Verbrecherisches wie eine geplante systematische Ausrottung von Juden in Auschwitz zugetragen hätte, dann - so sagt mir mein gesunder Menschenverstand - ist es auch absolut sicher, daß der US-Geheimdienst davon gewußt haben mußte.

Wenn der gesunde Menschenverstand anderer Leute nicht zu diesem gleichen Schluß kommt, dann ist es mehr als zweifelhaft, ob eine solche unterschiedliche Beurteilung durch eine Diskussion bereinigt werden könnte. Bei Auschwitz haben wir jedenfalls die Tatsache vor uns, daß es nicht nur als großes Konzentrationslager (auch dann, wenn die Ausrottungslegende wahr und es ein Vernichtungslager gewesen wäre) von besonderem Interesse war, sondern auch als Sitz der am weitesten fortgeschrittenen Produktionsstätte für synthetischen Gummi. Im Jahre 1942 gab es im Deutschen Reich keine Stelle von größerer Wichtigkeit und kein Industrieunternehmen von größerer strategischer Bedeutung. Wenn also jemand die Behauptung aufstellt, daß der US-Geheimdienst und ebenso die ihm verbundenen alliierten Dienste nicht gewußt haben, was in Auschwitz im Sommer 1942 geschah, so tut es mir leid, erklären zu müssen, daß diese Geheimdienste total unwissend und unfähig gewesen sein müssen.

Auschwitz war für die USA im Sommer 1942 von allergrößtem Interesse auf Grund seiner enormen technischen Bedeutung. Howards großes Interesse im Jahre 1940 an jeglicher Information über mögliche neue Entwicklungen, die direkt erlangt oder indirekt abgeleitet werden könnten, wurde bereits aufgezeigt. Im Jahre 1942 mußten sich Amerikaner mehr denn je veranlaßt gesehen haben, sich solche Spezialinformationen zu beschaffen. Es ist sicher, daß der Geheimdienst die grundlegenden Fakten über die Industrie in Auschwitz herausgefunden hatte : eine Anlage für Hydrierung und andere chemische Prozesse mit dem Ziel der Benzin- und Gummigewinnung. Es wurde bereits festgestellt, daß jede der deutschen Buna-Gummi-Produktionsstätten mit Verarbeitungsmethoden operierte, die sich in wichtigen Details von anderen unterschieden, und daß die Produktionsmethoden von Auschwitz auf den Spitzenergebnissen aufbauten, die man aus den Erfahrungen der verschiedenen anderen Herstellungsverfahren gewonnen hatte. Wir sind daher berechtigt zu vermuten, daß der Geheimdienst unter Berücksichtigung der besonderen Dringlichkeit des Gummi-Problems und der besonderen Position von Auschwitz hinsichtlich dieser Dringlichkeit, sich mehr als sonst Mühe gemacht hat, um alle Einzelheiten über Auschwitz in Erfahrung zu bringen. Wahrscheinlich hat er sogar mittels Luftaufklärung jeden Quadratmeter auf fotografischen Platten festgehalten und die kompletten Informationen verschiedenen Personen in den USA zugänglich gemacht. Wahrscheinlich hatte man auf diese Weise auch viele Einzelheiten ermittelt, die für das Gummi-Problem von geringerer Bedeutung waren, wie z.B. die Beschäftigung von Häftlingen und Kriegsgefangenen in Auschwitz.

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Abb. 6 : Das Innere der Desinfektionskammer von Dachau. Fotografie des Autors, Aug. 1973

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Obgleich Verschwiegenheit im Bereich der militärischen Geheimdienste zur Dienstvorschrift gehört, so müssen wir dennoch vermuten, daß die Methoden der Nachrichtenbeschaffung über Auschwitz mehr oder weniger konventionell aufgebaut waren : Auswertung von Kontakten mit Wirtschaftsführern der IG-Farben, die in neutralen Ländern stationiert waren (Portugal, Spanien, Türkei, Schweden, Schweiz), Luftaufklärung (Flugzeuge, die für einen solchen Zweck Verwendung fanden, hatten eine viel größere Reichweite als Bomber, da sie ohne das Gewicht der Bewaffnung flogen), allgemeine Kenntnis der deutschen industriellen und wirtschaftlichen Gegebenheiten, Spione und Informanten in der deutschen Industrie und Regierung (u.a. Admiral Canaris) und Informanten günstig situierter neutraler Organisationen (wie z.B. das Schweizer und Schwedische Diplomatische Korps und auch Firmen, die mit Deutschland in Geschäftsverbindung standen). Obgleich alle diese Arten zweifellos eine Rolle spielten, so blieb die Luftaufklärung wahrscheinlich mit Abstand vorrangig. Im Jahre 1942 hatte die Technik der Luftaufklärung bereits ein beachtlich hohes Niveau erreicht, so daß der Effekt, "selbst dort zu sein" auf vergrößerten Luftaufnahmen selbst bei Positionsbildern erzielt werden konnte, die unter schwerem Flakbeschuß aufgenommen worden waren. Da gab es auch noch andere Kanäle für den Informationsaustausch, deren Natur und Existenz von besonderer Bedeutung sind.

Da wir nicht genügend mit den technischen Problemen hinsichtlich Buna vertraut sind, wie sie zur damaligen Zeit maßgebend waren, haben wir keine Ahnung, welche Informationen die Amerikaner erlangt haben und was sie von den Geheimdienstermittlungen ableiten konnten. Auch fehlt dafür der Sachverstand, um richtig beurteilen zu können, welche Fragen bei dem Basler Treffen die Standard-Oil-Leute im Sinn hatten und welche Teilantworten sich aus dem offiziell feierlichen Rahmen dieses Treffens ergeben haben. Wir können jedoch eine mögliche Antwort mit einem Beispiel anbieten, ohne damit den Anspruch zu erheben, daß sich alles um diesen besonderen Fall ranke.

Wir haben gesehen, daß die erste deutsche Buna-Produktionsstätte bei Zschopau einen Herstellungsprozeß auf der Basis von Karbid-Azetylen-Butadien verwendete, während die Anlage in Hüls auf der Basis von Hydrokarbon-Azetylen-Butadien arbeitete. Die neue Anlage in Ludwigshafen, die unmittelbar vor der Fertigstellung stand als das Baruch-Komitee zusammentrat, war auf die Herstellung von Azetylen durch Karbid umgestellt worden und konnte das Azetylen bis zur Butadien-Höhe anreichern. Da sowohl ein Karbid- als auch ein Hydrokarbon-Prozeß für ein Herstellungsverfahren in den USA anwendbar war (was von Öl oder Getreide-Alkohol als Ausgangsbasis begonnen werden konnte), war es zweifellos wissenswert, ob Auschwitz den Karbid-Prozeß anwendete (was der Fall war) - dies würde die Preisgabe der Erfahrungen von Hüls mit der Hydrokarbon-Version bedeutet haben -, oder ob es die Produktion nach dem Hydrokarbon-Prinzip oder anderen Herstellungsverfahren betrieb. Diese Karbid-Hydrokarbon-Frage konnte durch die der Luftaufklärung zur Verfügung stehenden Mittel wahrscheinlich beantwortet werden.

Worin bestand für das krisenbedrohte Amerika letztlich der Wert einer Detailinformation über die damalige deutsche Buna-Ent-

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wicklung, die, wie wir meinen, im Sommer 1942 annähernd exakt in Erfahrung gebracht worden ist? Vielleicht war das Ermittlungsergebnis unergiebig, wie das häufig bei derartigen Informationen der Fall ist; dies aber hieße, daß den USA hinsichtlich der schwieriger Gummi-Situation im Jahre 1942 das Wesentliche entgangen sei.

Die Betrachtung technischer Angelegenheiten hat sich hier durchaus als notwendig erwiesen, da es ein technischer Zusammenhang war, der Auschwitz in Washington erstmals namhaft gemacht hat. Jedoch haben nicht diese Grundlagen unsere Aufmerksamkeit auf sich gezogen, sondern es war der Tatbestand, daß Auschwitz im Sommer 1942 für die US-Insider geradezu exponiert war. Es bleibt aufzuzeigen, daß das Geschehen zu jener Zeit in Auschwitz solcher Art war, jenen Personen in den amerikanischen Führungskreisen, die sich bemühten, ihre Greuelgeschichten auf halbwahre Grundlagen zu stützen, die Behauptung von einer "Vernichtungsfabrik" nahezulegen.

Der unheimlichste Anblick, welcher Auschwitz darbot, während das Baruch-Komitee Sitzungen hielt, war der einer Geisterfabrik; um den 1. August 1942 herum wurde die Buna-Anlage geschlossen. Es war keinerlei Aktivität zu beobachten, mögliche Ausnahme ein gelegentlicher Wachmann. Dies muß ein großes Erstaunen hervorgerufen haben, und zweifellos wurden besondere Schritte unternommen, um herauszufinden, was da los war.

Typhus grassierte in Auschwitz; eine Epidemie hatte die Buna-Anlage für nicht weniger als zwei Monate geschlossen, so daß die Arbeit nicht vor Ende September wieder aufgenommen werden konnte. Zu dieser Zeit muß die Zahl der Toten einige Tausend erreicht haben, wenn auch hierüber große Ungewißheit herrscht. Es war deutsche Regel, die Körper der verstorbenen Häftlinge zu verbrennen, doch stellte die Epidemie die Auschwitz-Behörden vor unzureichende Krematorienverhältnisse. Es gab dort ein kleines Krematorium in Auschwitz I, hingegen ausgedehnte Anlagen in Birkenau. Die hierfür vorgesehenen Pläne datieren vom Januar 1942. Die Anlagen befanden sich 1942 im Bau, und die erste vollständige Verbrennungseinheit, die aus 15 konventionellen Krematorien-Öfen bestand, war nicht vor Januar 1943 fertiggestellt. Es scheint, daß viele der Epidemie-Opfer unverzüglich in Gruben verbrannt worden sind, aber es ist ebenso möglich, daß viele vergraben worden sind, zumindest zeitweilig. Daß die Deutschen im Herbst 1942 Krematorien in Birkenau bauten, war wahrscheinlich den ständig im Einsatz befindlichen Luftaufklärern der Alliierten bekannt (so vermuten wir jedenfalls). Die Gebäude, in denen die Birkenau-Öfen installiert wurden, hatten gewisse Hallen, Räume oder Keller, von denen die Ankläger sagen, es wären "Gaskammern" gewesen.

Verschiedene Bücher bieten die Versionen der Abbildung 7 an, von der behauptet wird, eine Fotografie von Vergasungsopfern, die in Gruben verbrannt werden sollten, zu sein und von einem Auschwitz-Häftling im Jahre 1944 stammen solle. [11] Wir haben keine Möglichkeit, in Erfahrung zu bringen, wann, wo oder durch wen sie aufgenommen worden sein soll, selbst wenn einmal "David Szmulewski - Angehöriger der illegalen Widerstandsorganisation" - und ein andermal "David Grek" genannt werden. Udo Walendy hat

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in seinem Buch "Bild 'dokumente' für die Geschichtsschreibung?" unter den 52 Fälschungsnachweisen gegenüber in wissenschaftlichen Nachkriegsbüchern publizierten "Fotodokumenten" auch dieses Bild aufgeführt. In der Vergrößerung und in Anatomievergleichen sowie bei Beachtung der Licht- und Schattenreflexe ist eindeutig erkennbar, daß es sich bei diesem Bild um fotografierte Malerei handelt. Ein Beweis mehr, daß "Der Schwindel des 20. Jahrhunderts" auch mit einer Vielzahl von Bildfälschungen untermauert wurde; dies offensichtlich deshalb, weil die alliierten Weltmächte echtes Fotomaterial über Massenvernichtung aus erbeuteten deutschen Quellen nirgendwo erschließen konnten. Bild Nr. 7 ist von einem Druck reproduziert worden, den das von der polnischen kommunistischen Regierung unterhaltene Auschwitz-Museum zur Verfügung gestellt hatte. Dort werden einem weitere geheimnisvolle Sachen in genügender Anzahl sowieso noch aufgetischt. Doch ganz gleich, wie immer man aus dieser Quelle stammende Unterlagen zu bewerten hat, solche Szenen mag es sicherlich in Auschwitz gegeben haben, als das Lager beim alliierten Geheimdienst ins Rampenlicht geraten war.

In jedem Fall war Birkenau im wahren Sinn des Wortes ein "Todes-Lager". Tote, Sterbende und Kranke wurden dorthin geschafft, und nachdem das Krematorium errichtet war, wurden die Toten in diesem Gebäude aufbewahrt. Wenn jemand nun von einem "Vernichtungslager" spricht, obwohl das nicht stimmt, warum dann nicht lieber den Ausdruck "Todeslager" verwenden?

Die Behauptungen über Massenvernichtungen von Juden wurzeln nicht bei den alliierten Geheimdiensten, sondern in den Operationen des Jüdischen Weltkongresses, dessen Führer anfangs entweder davon nicht berührt waren oder aber zumindest über das, was in Auschwitz vor sich ging, nicht informiert waren.

In diesem Zusammenhang müssen zwei womöglich irreführende Erwartungen zurückgewiesen werden. Die erste ist, daß die Propaganda der Alliierten bemüht gewesen wäre, eine Auschwitz-Propaganda anzuheizen, zumal bekannt geworden war, welche ausgezeichneten Wirkungen die Propagandamöglichkeiten zeitigten. Die zweite ist, daß die in der Propaganda der Alliierten bezüglich Auschwitz aufgestellten Behauptungen nahezu jeder realen Tatsachen entbehrt hätten.

Wenn es, wie hier behauptet wird, kein deutsches Vernichtungsprogramm gegeben hat, aber gewisse Propagandisten in den USA die Anerkennung einer solchen These, daß dies doch vorgelegen habe, fordern, so wäre es ein in höchstem Maße gravierender Fehler gewesen, hätten die Propagandisten zeitig Auschwitz oder irgendeinen anderen konkreten Platz als Vernichtungslager herausgestellt, denn dies würde den Deutschen ebenso zeitig ermöglicht haben, konkret zu antworten. Wenn hochgestellte Beamte der Vereinigten Staaten, so wie z.B. Roosevelt oder seine Kabinettsmitglieder spezifizierte Hinweise auf Vernichtungen abgegeben, Ortsnamen genannt hätten, wo diese Vernichtungen angeblich stattfinden würden, wenn sie dies bekundet hätten, vor einem weltweiten Forum, wo ihre Feststellungen ein weltweites Echo entsprechend dem Rang ihrer Stellung gefunden hätten, so wären sowohl die Deutschen als auch die Alliierten in die Lage versetzt worden, der Sache auf den Grund zu gehen. Auf diese Weise

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hätte es nicht lange gebraucht, um die Wahrheit herauszufinden. Doch ganz im Gegenteil erschien Auschwitz unter Hinweis auf ein Vernichtungslager - und dann noch unter außerordentlich seltsamen Umständen - unmittelbar nach dem "D-Day" (dem 6. Juni 1944 zu Beginn der alliierten Invasion in Nordfrankreich), als niemand solchen Geschichten irgendeine Aufmerksamkeit schenkte. Später im Sommer 1944 verlagerte sich das Schwergewicht der alliierten Propaganda auf das Lager Lublin (Maidanek), welches die Russen gerade erobert hatten. Der erste Hinweis, der von einer US-Regierungsquelle ausging, die hoch genug war, um nicht ignoriert werden zu können, und der Vernichtungen in Auschwitz zum Inhalt hatte, erfolgte Ende November 1944, nachdem unterstellt werden konnte, daß die Vernichtungsaktionen abgeschlossen seien. [13] Auf der anderen Seite sprachen Leute wie Roosevelt und Churchill und ihre Minister nur in sehr allgemeinen moralisierenden Vokabeln über Vernichtungen. Dabei dürfte es einmalig sein, daß - wenn man wirklich an die Massenvernichtung in Auschwitz glaubte - diese Herren nicht den Wunsch hatten, solche durch irgendwelche Maßnahmen zu unterbinden.

Warum haben denn diese Herren nicht eine speziell auf Auschwitz ausgerichtete Anklage erhoben, auf die zu antworten die Deutschen dann verpflichtet gewesen wären? Eine derartige Herausforderung ist nie erfolgt! Ungeachtet der Tatsache, daß in allen Versionen der Vernichtungslegende diese Art Behauptungen bezüglich Auschwitz sicherlich im späten Sommer 1942 ihren Anfang nahm, und ungeachtet der Tatsache, daß der militärische Geheimdienst der USA gewußt haben muß, was sich auch immer in Auschwitz damals ereignet haben mag, - hat es bis sehr viel später keinerlei Vernichtungsvorwürfe von irgendeiner hochgestellten Persönlichkeit gegeben.

Die zweite irreführende Erwartung ist, daß die amerikanische Propaganda bezüglich Auschwitz bar jeder Fakten gewesen sei. Wir haben bereits angedeutet, daß dies nicht zutrifft. Washington hatte ausgezeichnete und konkrete Informationen über Auschwitz, wie es überhaupt über alle wichtigen Phasen der deutschen Industrietätigkeit unterrichtet war, und es wurde bereits vermerkt, daß die realen Fakten in Birkenau geeignet schienen, zu einer entstellenden Interpretation einzuladen.

Die ersten "Insider"-Ereignisse in bezug auf die Vernichtungspropaganda erfolgten im Zusammenhang mit einem Konflikt, in den sowohl das State Department (Außenministerium der USA) als auch das Schatzministerium sowie der Jüdische Weltkongreß (und der "American Jewish Congress") - geführt von Rabbi Stephen S. Wise, verwickelt waren. Die herausragenden Charaktere in dieser Geschichte sind Finanzminister Morgenthau, später der nominelle Verfasser des berüchtigten "Morgenthau-Planes" zur Ausplünderung Deutschlands, Außenminister Cordell Hull und Unterstaatssekretär Sumner Welles, die sich nur unter leichtem Zögern von der Propaganda mitziehen lassen wollten; dann Staatssekretär für Auswärtiges, J. Breckenridge Long, der sehr gegen diese Propaganda war. Beteiligt waren auch die Vertreter des Weltjudenkongresses in der Schweiz, Gerhard Riegner und Professor Paul Guggenheim, die Berichte angeblich europäischen Ursprungs an Wise oder andere Persönlichkeiten in den USA übermittelt haben vor allem an das

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US-Außenministerium, und zwar über den US-Botschafter in der Schweiz, Leland Harrison, oder den US-Konsul in Genf, Paul C. Squire. Die Hauptarbeit, in der die Vorgänge um die Entstehung der Vernichtungslegende festgehalten werden, ist das Buch von Arthur D. Morse "While Six Million Died" ("Während sechs Millionen starben"), das bis zu einem gewissen Grad durch Henry L. Feingold "The Politics of Rescue" (Politik der Rettung) ergänzt wird. Weiteres Material findet sich in Nachkriegsdarstellungen bei Morgenthau, den Historikern J. M. Blum und Anthony Kubek (sie interpretierten die Morgenthau-Papiere; der letztere stellte die US-Senatsveröffentlichung "Morgenthau-Tagebuch" zusammen), dem Historiker F. L. Israel (er hat die Papiere von J. Breckenridge Long zusammengefaßt), schließlich DuBois, der zunächst führender Rechtsberater des Schatzamtes für die Kontrolle ausländischer Fonds war. J. DuBois beteiligte sich im Zusammenhang mit Bemühungen, den Flüchtlingen zu helfen, an diesen Vorgängen. [14]

Die erste Vernichtungsbehauptung ist anscheinend im Londoner Büro des Weltjudenkongresses im Juni 1942 aufgestellt worden. Man formulierte die Story dergestalt, daß eine Million Juden in einem nicht näher bezeichneten "riesigen Schlachthaus für Juden" getötet worden seien, das in Osteuropa eingerichtet worden wäre. Der einzige Versuch, Beweise für diese Behauptung zu erbringen, war eine Bemerkung, wonach die polnische Exilregierung in London bestätigende Nachrichten erhalten hätte. Die "New York Times" brachte die Behauptung in einem Bericht, auf den weiter unten eingegangen wird.

Der Nachweis für diese Meldung aus London war offensichtlich zu dürftig, um als wirksame Propaganda dienen zu können. Am 8. August 1942 suchten Riegner und Guggenheim das US-Konsulat in Genf auf, das dem Weltjudenkongreß so weit entgegengekommen war, ihm sogar die diplomatischen Kanäle zur Nachrichtenübermittlung dienstbar zu machen. Sie warteten mit einer Meldung auf, wonach ein anonymer deutscher Industrieller sie davon unterrichtet hätte, von einem Beschluß erfahren zu haben, alle nicht sowjetischen Juden unter deutscher Herrschaft zu töten. Es würden Gespräche, die der Industrielle mitgehört habe, im Führerhauptquartier über die dabei anzuwendenden Methoden geführt. Eine erörterte Methode wäre das Vergasen mit Blausäure (Hydrogen-Cyanid-Gas) nach Zusammenfassung der Juden in osteuropäischen Lagern. Diese Geschichte fand über das US-Konsulat in Genf mittels amerikanischer Diplomaten seinen Weg nach Washington, und durch britische Diplomatenkanäle auch nach London. Der "Industrielle" ist bis zum heutigen Tag anonym geblieben.

Als das US-Außenministerium diese Nachricht erhielt, wertete es sie aus und entschied, daß

"es nicht ratsam erscheint angesichts ... der reichlich fantasievollen Art der Behauptungen und der Unmöglichkeit, unsererseits Hilfe leisten zu können, wenn solche Handlungen wirklich vorgenommen würden, die Information, wie vorgeschlagen, an Dr. Wise weiterzuleiten."

Dementsprechend wurde der Bericht unterdrückt, doch Wise erfuhr von seinem Inhalt sowieso. Man sagt, er habe es von London erfahren, es ist aber auch möglich, daß er den Bericht selbst verfaßt

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hat und ihn dann über seine verschiedenen Verbindungen weitergeleitet und später von seinem Totschweigen Kenntnis erhalten hat.

Um gegen diese Behandlung des Vorganges durch das State Department zu protestieren, wandte sich Wise sofort an Welles, der die Entscheidung zum Verschweigen genehmigt hatte. Welles entgegnete ihm, die "Information" sei etwas zu gehaltlos, um ernstgenommen zu werden, und man müsse so etwas wie eine Bestätigung haben, bevor man sie öffentlich bekanntgeben könne. Welles wies sodann den US-Vertreter beim Vatikan an, den Versuch zu unternehmen, die Behauptungen mit Hilfe der Quellen des Vatikans zu überprüfen. In Washington war damals nahezu niemand bereit, diese Meldungen ernstzunehmen, und selbst Präsident Roosevelt hat dem Bundesrichter Felix Frankfurter versichert, die nach dem Osten deportierten Juden würden lediglich dafür eingesetzt, beim Bau von Befestigungen mitzuhelfen.

Im September tauchten zwei anonyme Personen in Genf auf, die angaben, aus deutsch-beherrschten Gebieten entkommen zu sein. Sie meldeten die Vernichtung polnischer Juden und die Verwendung jüdischer Leichen zur Herstellung von Dünger. Dieses wurde über diplomatische Kanäle nach Washington weitergegeben und es wurde erneut versucht, vom Vatikan eine Bestätigung zu erhalten (dieser hatte bis dahin die erste Bitte um Bestätigung ignoriert). Ungefähr um die gleiche Zeit hatte Wise eine Meldung von einem maßgebenden Mann des Weltjudenkongresses in Europa erhalten, aus der die "Herstellung von Seife und Kunstdünger" aus jüdischen Leichen hervorging.

Gegen Ende September 1942 kam Riegner mit zwei neuen Dokumenten an. Das erste sei, so sagte er, von einem (natürlich anonymen!) - dem deutschen Oberkommando angehörenden! - Offizier erstellt und habe Riegner über verschiedene Mittelsmänner erreicht. Der anonyme Offizier habe erklärt, es wären mindestens zwei Fabriken in Betrieb, die aus jüdischen Leichen Seife, Leim und Schmierfette herstellten. Außerdem wäre festgelegt worden, daß jede jüdische Leiche 50.- Reichsmark wert sei. Das zweite Dokument bestand aus zwei chiffrierten Briefen, die - so hieß es - ein Schweizer, in Warschau lebender Jude geschrieben habe. Der anonyme Jude berichtete von Massenvernichtungen Warschauer Juden, die nach dem Osten deportiert worden seien. Alle diese Berichte erhielt Washington zugestellt, wo man sie dann in den Akten abheftete.

Wir kommen nicht umhin, die Ähnlichkeit solcher Behauptungen mit der Propaganda aus dem Ersten Weltkrieg und den erschreckenden Mangel an Originalität und Einfällen auf Seiten des Weltjudenkongresses festzustellen. Es bedarf kaum der Erwähnung am Rande, daß die Seifen- und Leimfabriken nur ein sehr vorübergehendes Propagandaphänomen waren und daß die Russen als einzige die Stirn hatten, ähnliche Anschuldigungen in Nürnberg vorzubringen. Diese Beschuldigungen sind selbst damals weitgehend übergangen worden, und m. W. hat seither niemand die Örtlichkeiten dieser Fabriken, die Identität der Personen, die sie betrieben, oder ähnliche Einzelheiten spezifiziert. Reitlinger behauptet das Vorhandensein solcher Fabriken nicht; auch Hilberg glaubt nicht, daß es sie gegeben hat (S. 624).

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Abb. 7 : Angebliche Leichenverbrennung in offenen Gruben in Auschwitz. Kommentar auf S. 69-70.

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Am 10. Oktober 1942 unterrichtete der Vatikan schließlich den US-Repräsentanten, daß man nicht in der Lage sei, die vielen Berichte zu bestätigen, die man über scharfe Maßnahmen gegen die Juden gehört habe.

Am 22. Oktober 1942 traf Riegner mit Botschafter Harrison zusammen und legte ihm weitere "Beweise" der gleichen Sorte vor, diesmal mit "Informationen" sowohl von einem noch anderen anonymen deutschen Informanten (dessen Namen Harrison jedoch in einem versiegelten Umschlag übergeben und vor jedermann außer dem OSS geheimgehalten haben soll), als auch von einem anonymen Beamten des Internationalen Roten Kreuzes. Harrison sandte dieses Material nach Washington; er schrieb aber auch zwei persönliche Briefe Ende Oktober an Welles, worin er angab, daß er den Namen des deutschen Industriellen kenne, und gleichfalls, daß der anonyme Beamte des Roten Kreuzes Karl Jacob Burckhardt sei, der namhafte Kenner Voltaires und Goethes; er zählte während des Krieges zu den Prominenten des Internationalen Roten Kreuzes. Harrison legte eine Eidesstattliche Erklärung von Guggenheim bei, die dieser dem Squire am 29. Oktober vorgelegt hatte und in der von Meldungen eines anonymen deutschen Informanten die Rede war, die Riegners Behauptungen bestätigten. Der anonyme deutsche Informant berief sich bei seinen Angaben auf einen anonymen Beamten des deutschen Auswärtigen Amtes sowie einen weiteren anonymen Beamten aus dem deutschen Kriegsministerium. Doch nicht genug hiermit : ein anonymer Informant aus der Schweiz, der in Belgrad lebte, habe ebenfalls bestätigende Nachrichten hierüber an Guggenheim übermittelt.

Um die Behauptungen zu erhärten, verabredete Squire ein Interview mit Burckhardt, das am 7. November 1942 in Genf stattfand. In seinem Memorandum über das Interview, das Harrison am 9. November in Händen hatte, berichtete Squire unter Bezugnahme auf Burckhardts Informationen von einem Befehl Hitlers, Deutschland Ende 1942 judenfrei zu machen. Squire stellte das Interview so dar : [15]

"Ich fragte ihn sodann, ob das Wort 'Vernichtung' oder etwas Gleichbedeutendes verwendet worden sei, woraufhin er antwortete, daß die Worte 'muß judenfrei sein' benutzt worden wären. Dann machte er klar, daß, da es keinen Platz gäbe, wohin die Juden verbracht werden könnten und das Gebiet von dieser Rasse geräumt werden müsse, das Endergebnis offenkundig wäre."

Welch "solide" Grundlage für eine solch schwerwiegende Anschuldigung! Da gibt ein unzureichend unterrichteter Schweizer Bürger eine doppeldeutige Bemerkung wieder, die er von einem Mittelsmann habe, der dem Weltjudenkongreß wohlgesinnt und außerdem bestrebt war, bösartige Auslegungen von Hörensagen-Informationen auszutüfteln! M. W. hat sich Burckhardt weder während des Krieges noch nach 1945 über diese Zusammenhänge jemals öffentlich ausgesprochen. Er hat einige schriftliche Fragen beantwortet, die ihm durch Kaltenbrunners Verteidiger während des IMT-Prozesses gestellt worden waren. Jedoch diese Fragen hatten sich lediglich auf Kaltenbrunners Bemühungen gegen Ende des Krieges, dem Internationalen Roten Kreuz Zugang zu deutschen

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Lagern zu verschaffen, bezogen. Niemand hat Burckhardt nach Vernichtungen gefragt. [16]

Ende November 1942 gingen beim US-Außenministerium "Informationen" von einer anonymen Vatikan-Quelle in französischer Sprache ein, die aus einer dreiseitigen Schilderung von angeblich in Polen bekanntgewordenen Vorgängen bestanden. Das "Dokument" ist ohne Unterschrift, und die einzige Spur einer Bezeichnung ist eine handschriftliche Notiz "von Mr. F. in der Vatikan-Stadt" von unbekannter Hand auf der ersten Seite. Das "Dokument" besagt u.a. : [17]

"Es werden Bauernhöfe zur Aufzucht von Menschen organisiert, wohin Frauen und Mädchen gebracht werden zu dem Zweck, sie zu Müttern von Kindern zu machen, die man ihnen dann fortnimmt, um sie in Nazi-Einrichtungen aufzuziehen ... Massenexekutionen von Juden gehen weiter ... Sie werden durch Giftgas in besonders dafür hergerichteten Kammern (oft in Eisenbahnwagen) und mit Maschinengewehren getötet, wonach die Toten und auch die Sterbenden mit Erde bedeckt werden ... Berichte befinden sich in Umlauf, wonach die Deutschen ihre Leichen in Fabriken verwerten, in denen chemische Erzeugnisse hergestellt werden (Seifenfabriken)."

Im Sommer und Herbst 1942 hatte Wise sich rührig dafür eingesetzt, damit die alliierten Regierungen öffentlich gegen die angeblichen Vernichtungen von Juden in Europa Stellung nehmen. Am 8. Dezember 1942 war Wise Anführer einer Delegation im Weißen Haus, wo er Präsident Roosevelt ein 20seitiges Dokument mit dem Titel "Vernichtungsschema" vorlegte, dem die artgleichen "Informationen" zugrundelagen, die wir behandelt haben. Entsprechender jüdischer Druck führte hinsichtlich der mystischen Vernichtungen zu einer Kapitulation vor Wise, und am 17. Dezember 1942 gaben die Alliierten unter Federführung von Washington eine die Vernichtungsaktionen verurteilende Erklärung heraus. Eine zwei Tage später herausgegebene zusätzliche Erklärung behauptete Vernichtungen in Belczek und in Chelmno, - doch Auschwitz wurde nicht erwähnt.

Trotz dieser öffentlichen Entladung widersetzte sich die von J. Breckenridge Long angeführte Gruppe dieser Propaganda weiterhin. Riegner informierte Harrison am 19. Januar 1943 dahingehend, daß "an einem Ort in Polen täglich 6.000 Juden getötet würden". Am 21. Januar leitete Botschafter Harriman dieses Material an das US-Außenministerium sowie an nicht näher bezeichnete "private jüdische Organisationen" weiter, womit offenbar Wise gemeint war. Die Mitteilung wurde lediglich abgeheftet, und das Ministerium veröffentlichte nichts. Eine Zeitlang schwiegen hierüber auch die privaten jüdischen Organisationen. Am 10. Februar 1943 unternahm Longs Gruppe einen weiteren Schritt zur Unterdrückung derartiger Propaganda. Sie erteilte Harrison in einem von Welles unterzeichneten Brief (der die Mitteilung angeblich nicht gelesen hat) unter besonderem Hinweis auf Harrimans Telegramm vom 21. Januar die Weisung,

"In Zukunft dürfen von Ihnen zur Weiterleitung an Privatpersonen in den Vereinigten Staaten bestimmte Berichte nicht mehr angenommen werden, es

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sei denn, daß außergewöhnliche Umstände dies ratsam erscheinen lassen. Durch Versenden solcher privaten Berichte, die die Zensur neutraler Länder umgehen, riskieren wir die Möglichkeit, daß neutrale Länder es für notwendig erachten könnten, Schritte zu unternehmen, die unsere offiziellen geheimen Wege der Nachrichtenübermittlung einschränken oder sperren könnten."

Am 14. Februar 1943 schließlich veröffentlichte die "New York Times" die Geschichte. Wie erklärt sich die Verzögerung von 4 Wochen bei der Veröffentlichung des Vorganges, obgleich diese Mitteilung bei "privaten jüdischen Organisationen" bereits am 21. Januar 1943 eingegangen war? Denn es entsprach doch der offenkundigen Politik dieser Agenturen, derart unbewiesene Behauptungen jederzeit sofort zu veröffentlichen! Nun, es steht zu vermuten, daß gewisse unbekannte Personen hofften, das US-Außenministerium würde, gemäß dem Präzedenzfall der Erklärung vom 17. Dezember 1942 die "Information" selbst herausgeben; hätte dies doch der Geschichte eine größere Glaubwürdigkeit gegeben, als ihr nunmehr beschieden sein mußte : eine Behauptung, autorisiert durch nichts anderes, als die üblichen Greuelmeldungen.

Das Finanzministerium, das auf Grund von Morgenthaus langem Kreuzzug gegen Deutschland sich wiederholt mindestens seit 1936 [18] in die Führung der Außenpolitik eingemischt hatte, sollte wegen dieser Unterdrückung bzw. dem Verweigern eines amtlichen Forums für die diesbezüglichen Anschuldigungen mit dem Außenministerium bald in Streit geraten. Im Februar 1943 führte ein zweiter und sogar noch triftigerer Grund zum Zusammenstoß zwischen den beiden Ministerien. Es wurde bekannt, daß die rumänische Regierung bereit war, 70.000 Juden auf rumänischen Dampfern unter der Flagge des Vatikans nach Palästina zu verschiffen (es ist unwahrscheinlich, daß die Rumänen sich wirklich Gedanken darüber gemacht haben sollten, wohin die Juden geschickt würden, und so nehme ich an, daß das Fahrtziel Palästina irgendwie von den an der Formulierung der Vorschläge beteiligten Zionisten näher bezeichnet worden ist). Eine wichtige Bedingung wurde von "Beamten, denen die Vertretung jüdischer Interessen in Rumänien oblag", genau angegeben. Ein Kostenbeitrag von 250.- Pfund Sterling (etwa 1.200.- Dollar, damals RM 4.800.-) pro Kopf wurde gefordert. Es bestanden weitere Schwierigkeiten. Die britische Politik vermied damals, sich die Araber zu Gegnern zu machen, insbesondere im Hinblick auf die katastrophalen Folgen eines arabischen Aufstandes während des Krieges. So weigerten sich die Briten zunächst, so viele Juden in Palästina aufzunehmen. Die Briten vertraten den Standpunkt, daß, wenn solche Juden aus Europa hinaus sollten, die USA in Nordafrika Lager für sie einzurichten hätten. Das britische Foreign Office wie auch das US State Department waren zudem der Ansicht, daß sich in einer so großen Gruppe von Menschen unvermeidlich Spione befinden würden, die logistischen Probleme bezüglich Transport und Unterbringung ungeheuer groß seien und daß schließlich das geforderte Geld in die Hände des Feindes fallen könnte (der für alliierte Währung verschiedenartigen Bedarf hatte). Das US-Finanzministerium war bestrebt, sich in die Hilfe für jüdische Flüchtlinge einzuschalten, und versuchte demzufolge, diese

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Einwände zu überwinden. Im Juli 1943 hieß es, es würden für die rumänischen Juden Bestechungsgelder in Höhe von 170.000 Dollar gefordert, und Finanzministerium wie Weltjudenkongreß schlugen vor, rumänisch-jüdische Geschäftsleute könnten das Bestechungsgeld aufbringen, wenn man es ihnen nach dem Krieg mit in der Schweiz deponierten Geldern zurückerstatten würde. Jedoch die britischen Einwände gegen die Zulassung von Juden in Palästina standen fest. Die Bemühungen, die Juden in andere Bestimmungsländer zu leiten, scheiterten an der Gegnerschaft der dafür in Frage kommenden Länder und auch an den Einwanderungsbestimmungen der USA.

Das US-Außenministerium, insbesondere J. Breckenridge Long und seine Mitarbeiter, hielten all das Gerede über "Vernichtungen" für nichts anderes als Erfindungen der Kriegspropaganda, dem gleichen Geiste erwachsen wie im Ersten Weltkrieg. Sie erwogen hingegen fortwährend Vorschläge, "die vernichteten Menschen" aus Europa hinauszubringen. Erst im Januar 1944 unternahm das Außenministerium Schritte, die Juden zu ermutigen, Polen zu verlassen und nach Ungarn zu gehen. Long schrieb, bei seiner Unterstützung der Vorschläge von Wise bestünde die Gefahr, daß

"Hitlers Anschuldigungen berechtigt erscheinen könnten, wir kämpften diesen Krieg wegen und auf Betreiben und Weisung unserer jüdischen Bürger."

Das State Department hielt das alles für sinnlos und für unvereinbar mit den Erfordernissen einer optimalen Kriegsanstrengung. Long schrieb :

"Wise setzt immer eine so scheinheilige Miene auf und plädiert dann für die 'Intellektuellen und tapferen Geister, Flüchtlinge vor den Folterungen der Diktatoren' oder mit ähnlich auf Wirkung abgestimmten Worten. Natürlich gehörte nur ein unendlich kleiner Bruchteil der Einwanderer zu jener Kategorie - und einige davon sind sicher deutsche Agenten ... Ich habe nicht auf die 'Navemar' angespielt, ein Frachtschiff auf der Fahrt von Lissabon nach Havanna und New York, das mit Passagierkabinen nur für 15 Personen ausgestattet, aber mit 1.200 armen Juden an Bord auf und unter Deck mit keinerlei sanitären Einrichtungen, ohne Bedienung, ohne Küchen, zu 700.- bis 1.500.- Dollar pro Nase, vier schon tot, bevor Bermuda erreicht wurde, sechs dort ins Krankenhaus verbracht, wovon einer starb, Opfer der Gier ihrer Mitmenschen, - nicht Opfer der Politik Deutschlands oder der Vereinigten Staaten. Das Schiff ist eine Gefahr für die Gesundheit in jedem Hafen, wo es anlegt und eine Schande für die menschliche Gier, die das ermöglicht. Aber darauf habe ich in meiner Antwort an Rabbi Wise nicht angespielt. Jeder dieser Männer haßt mich. Ich bin für sie die Verkörperung einer Nemesis. Sie alle meinen, daß jede Person, ganz gleich woher, ein Recht darauf hat, in die Vereinigten Staaten zu kommen. Ich bin der Ansicht, daß niemand irgendwo ein Recht hat, die Vereinigten Staaten zu betreten, wenn es die USA nicht wünschen."

Das State Department verschleppte die Sache entweder, oder aber sabotierte das vorgeschlagene Projekt tatkräftig. Gegen Ende des Sommers 1943 wurde bekannt, daß 6.000 jüdische Kinder aus Frankreich herausgebracht werden können, und diese Möglichkeit spielte in das Problem hinein.

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Die Leute vom Finanzministerium und dem Weltjudenkongreß blieben bei ihrem Drängen auf Durchführung der vorgeschlagenen Pläne und behaupteten fortwährend allen Ernstes, die einzige Alternative sei der Tod der in Frage kommenden Menschen in der Hand Hitlers. Ganz offen wurde sogar die Klage erhoben, das Fehlen der Zustimmung zu diesen Plänen sei gleichbedeutend mit dem "Dulden des Mordes an den Juden durch diese Regierung". Verschiedene Personen übten auch Druck auf die Briten aus. Long war so in der Öffentlichkeit und in Regierungskreisen zum Prügelknaben geworden. Erbittert schrieb er, daß "die jüdische Agitation darauf beruht, einen persönlich anzugreifen. Sonst würde sie keine öffentliche Beachtung finden. So bin ich vorläufig die Zielscheibe".

Als Ergebnis dieser Kampagne erzielten Wise und Morgenthau im Dezember 1943 einen Durchbruch, als schließlich Anstalten zur Evakuierung rumänischer Juden getroffen und Geld auf ein Schweizer Konto überwiesen wurden, das Riegner und das US-Finanzministerium kontrollierten. Rumänien streckte zudem im Dezember Friedensfühler aus und erhielt die Zusicherung, wenn es seine Juden gut behandele, dann würde es selbst auch gut behandelt. Unverzüglich beschloß Rumänien, Juden zu repatriieren, die es ans Asow'sche Meer in Rußland umgesiedelt hatte.

Diesen Sieg hatte Morgenthau am 20. Dezember bei einer Konferenz mit Hull, Long, Morgenthau und John Pehle, dem Kontrollchef für ausländische Fonds im Finanzministerium errungen. Morgenthau hatte sich offensichtlich in dieser Angelegenheit zu einer Kraftprobe mit dem Außenministerium entschlossen, denn bei der Konferenz erbat er sich beiläufig eine Kopie des vollständigen Textes der Botschaft Welles' an Harrison vom 10. Februar 1944 (die "Unterdrückungsweisung"). Das Außenministerium schickte sich drein, strich aber den Hinweis auf Harrisons Nachricht vom 21. Januar heraus, wodurch die Botschaft vom 10. Februar somit den Anschein eines ausgesprochenen Routinevorgangs erhielt. Beim Herausgeben dieser Botschaft hatte das Außenministerium offensichtlich keine Ahnung, daß der vollständige Inhalt dieser Korrespondenz bis zu DuBois im Finanzministerium durchgesickert war, und zwar durch Indiskretion von Donald Hiss vom State Department (Bruder von Alger Hiss und später von Whittaker Chambers/Elizabeth Bentley als Kommunist identifiziert, obgleich er es bestritt). Donald Hiss war an die Kopien der Schreiben nur mit erheblichen Schwierigkeiten gelangt und hatte DuBois trotz Eingehen auf seine Bitte gewarnt, daß die Schreiben "das Finanzministerium nichts angingen" und er, Hiss, seine Stellung wegen dieser Indiskretion verlieren könne. [19]

Als Morgenthau die herausgerückte Mitteilung erhalten hatte, wußte er, daß er damit eine weitere Waffe gegen Long und seine Mitarbeiter besaß, dementsprechend führte er einen Zusammenstoß herbei, indem er sich über die Abfassung des Schreibens beschwerte und verlangte, die unredigierten Akten zu sehen, die etwas später herausgesucht wurden und so den plumpen Vertuschungsversuch des Außenministeriums bloßstellten. Die Herren vom State Department sahen sich nunmehr erheblich in der Defensive. Eine weitere Prüfung der Akten des Außenministeriums (worauf das Finanzministerium jetzt bestehen konnte) ergab, daß Welles in

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Beantwortung einer Bitte von Wise Harrison gekabelt hatte - und zwar im April -, mit Riegner zusammenzutreffen und neue Informationen zu übermitteln, die Riegner angeblich erhalten haben sollte. Der verwirrte Harrison tat, wie ihm geheißen (Riegners Informationen drehten sich um Vorschläge, jüdischen Flüchtlingen in Frankreich und Rumänien zu helfen). Auch äußerte er zu Welles, daß solches Material nicht der durch das Schreiben vom 10. Februar auferlegten Einschränkung unterliegen dürfe.

Morgenthau blieb bei dem Zusammenstoß zwischen dem Außenministerium und Finanzministerium siegreich. Roosevelt, der in die Angelegenheit mit hineingezogen wurde, stellte sich auf seine Seite, indem er im Januar 1944 das sogenannte "Kriegsflüchtlingsamt" ("War Refugee Board" - WRB) gründete, das von Morgenthau, Hull und Kriegsminister Stimson geleitet wurde. Maßgebender Kritiker war jedoch "Morgenthaus blondhaariger Junge", John Pehle. Josiah DuBois wurde Rechtsberater. Dementsprechend war es Morgenthaus Amt. Das WRB erhielt natürlich jene Amtsgewalten der drei Ministerien, die sich mit den vorgeschlagenen Plänen zur Herausführung der Juden aus Europa befaßten. So wurde das Außenministerium darauf festgelegt, auf Empfehlung des WRB (War Refugee Board) Sonderattachees mit diplomatischem Status zu berufen (die UNRRA = Relief and Rehabilitation Administration, eingesetzt bereits im vorhergehenden November, sollte eine ähnliche Funktion erhalten, allerdings erst nach Kriegsende). [20]

Damit der Leser die Art dieser Entwicklung auch in ihrer Bedeutung richtig erfaßt, sollten wir über den eigentlichen Tatbestand hinaus zur Kenntnis nehmen, daß das WRB in erheblichem Ausmaß schlichtweg als Werkzeug des Weltjudenkongresses und anderer zionistischer Organisationen dienen sollte. Der kommunistische Apparat war ebenfalls durch einen der Direktoren vertreten, denn die Person, der Morgenthau alle Vollmachten in den Zuständigkeitsbereichen des Kriegsflüchtlingsamtes übertragen hatte, war Harry Dexter White, der sich später als Sowjet-Agent entpuppte. White wurde im Frühjahr 1938 Mitglied des engsten Kreises um Morgenthau. Eine Woche nach dem Überfall auf Pearl Harbor gab Morgenthau bekannt, daß "an und nach diesem Tag Mr. Harry D. White, Staatssekretär des Ministers, die volle Verantwortung für alle Angelegenheiten übernehmen wird, mit denen das Finanzministerium im Zusammenhang mit außenpolitischen Beziehungen befaßt ist..." Die außerordentlich allgemein gefaßte Formulierung dieser Weisung, so insbesondere jener Satz "im Zusammenhang mit ... befaßt ist" sollten White in den nachfolgenden Jahren glänzende Möglichkeiten eröffnen. Anfang 1943 erweiterte Morgenthau Whites Amtsbefugnisse :

"Mit Wirkung dieses Tages bitte ich Sie, die Überwachung und volle Verantwortung bezüglich aller wirtschaftlichen und finanziellen Vorgänge zu übernehmen, soweit sie das Finanzministerium betreffen ... im Zusammenhang mit den Operationen der Armee und Marine und den zivilen Angelegenheiten in den ausländischen Regionen, in denen unsere Streitkräfte operieren oder möglicherweise operieren werden. Dazu gehört selbstverständlich der Kontakt mit den Ministerien für Auswärtiges, des Heeres und der Marine sowie anderen Ressorts oder Behörden und Vertretern ausländischer Regierungen hinsichtlich dieser Vorgänge."

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White, der Anfang 1945 Staatssekretär im Finanzministerium wurde, nutzte diese Befugnisse weitestgehend aus, insbesondere im Zusammenhang mit der Besatzungspolitik in Deutschland. Da das WRB überwiegend ein Arm des Finanzministeriums war, fiel sein Wirken in den Kompetenzbereich von White. Bemerkenswert ist überdies, daß der Rechtsberater des War Refugee Board, DuBois, in enger Beziehung zu dem kommunistischen Agenten William L. Ullmann stand und auch das Testament von White beurkundet hat. [21]

Long hegte gemischte und, wie sich herausstellte, ahnungsvolle Gefühle über die Folgen dieser Vorgänge :

"Es wird nur noch wenige Tage dauern, bevor ich die Zuständigkeit im Zusammenhang mit Flüchtlingen aufgebe und einem anderen das Vergnügen daran überlasse. Und es war eine schwere Verantwortung - innerhalb und außerhalb unserer Grenzen, weil es 5 Millionen Juden im Land gibt, wovon 4 Millionen in und um New York herum konzentriert sind. Und wir haben keine arabische oder mohammedanische Bevölkerung, dagegen aber in wachsendem Maße wirtschaftliche Interessen in den moslemischen Ländern - vor allem am Öl. Überdies hat unser Verbündeter England kaum jüdische Bürger, aber ein sehr großes politisches Interesse am Nahen Osten. Somit gründet sich unsere Politik zunehmend ... auf eine innere Situation, während die britische sich gänzlich auf eine außenpolitische Grundlage stützt - und die beiden sind schwer miteinander zu vereinen ... Es ist eine gute Nachricht für mich ... Dieses gewährleistet mir, daß ich mich da heraushalte. Was sie tun können von dem, was ich nicht getan habe, kann ich mir nicht vorstellen."

Long hat sich in dem letzten Punkt zweifellos verrechnet, denn das WRB erzielte schließlich doch Erhebliches bei Umsiedlungsmaßnahmen von Juden, und seine Aktionen zugunsten von Flüchtlingen finden in diesem Buch ihren Niederschlag. Unter Einschaltung des Roten Kreuzes half es in den letzten Kriegswochen auch ehemaligen KZ-Insassen. [22] Als Werkzeug von Wise und anderen Zionisten betrieb es überdies in erheblichem Ausmaß Propaganda [23], und seine am deutlichsten zielgerichtete Propagandaleistung war ein Heft "German Extermination Camps : Auschwitz and Birkenau" (Deutsche Vernichtungslager : Auschwitz und Birkenau), Exekutivbüro des Präsidenten, Washington, November 1944. Das Heft wird im folgenden bezeichnet als

"WRB-Bericht"

Der WRB-Bericht bewirkte die formelle Entstehung der "offiziellen" These der Vernichtungen mittels Gaskammern in Auschwitz. Alle wesentlichen Bestandteile und viele der späteren Einzelheiten des Auschwitz-Schwindels sind darin zu finden. Die Nürnberger Anklagen fußen auf dem WRB-Bericht. Markante Reaktionen auf den WRB-Bericht zur Zeit seines Erscheinens sind nirgendwo sichtbar geworden. Jedoch ein amerikanischer Journalist, Oswald F. Schuette, schrieb daraufhin einen kritischen Brief an Stimson (einen der Unterzeichner des Berichts), erhielt aber keine befriedigende Antwort. [24]

Freilich vermochte der WRB-Bericht nicht, die Ansichten des US-Außenministeriums zu ändern, das von Anfang an über die Vernichtungspropaganda gespottet hatte. In Privatgesprächen mit

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DuBois äußerten sich diese Männer unverhohlen über den WRB-Bericht :

"Solch ein Zeug wie dieses ist schon seit 1942 aus Bern gekommen. ... Vergessen Sie nicht, dieses ist ein Jude, der über die Juden redet ... Dieses ist nichts weiter als eine Kampagne jenes Juden Morgenthau und seiner jüdischen Helfershelfer."

Vom WRB-Bericht sagte man, er sei aus Bern nach Washington übermittelt worden. Wir werden ihn gründlich untersuchen, nachdem wir uns einen Schlüsselabschnitt der Kriegspropaganda in seiner Wirkung auf die Öffentlichkeit angesehen haben. Zunächst müssen wir jedoch darauf hinweisen, daß einige sonst recht scharfe Beobachter die Rolle von Auschwitz in der Vernichtungsliteratur falsch interpretieren. Der namhafte amerikanische Publizist und Historiker, Elmer Barnes, schrieb 1967, daß die

"Lager in Deutschland zunächst als Vernichtungslager präsentiert worden sind, wie Dachau, Belsen, Buchenwald, Sachsenhausen und Dora, doch wurde es nachgewiesen, daß es in jenen Lagern keine systematische Vernichtung gegeben hat. Daraufhin wurde die Aufmerksamkeit auf Auschwitz, Treblinka, Belczek, Chelmno, Jonowska, Tarnow, Ravensbrück, Mauthausen, Brezeznia und Birkenau gerichtet, welche die Liste nicht erschöpfen, die anscheinend nach Bedarf erweitert wurde."[25]

Die Grundlage für Barnes' Mißverständnis ist natürlich, daß die Massenmedien sich bei Kriegsende aus Sensationsgier in der Tat auf die in den deutschen Lagern vorgefundenen Zustände als Beweis für Vernichtungen gestürzt haben, und es trifft gleichfalls zu, daß diese Szenen als Massenpropaganda-"beweis" für Vernichtungen gedient haben. Doch unsere Analyse zeigt, daß Auschwitz erst im Jahre 1944 mit Bedacht als Kern des Vernichtungsschwindels ausgewählt worden ist. Dieses Argument wird noch durch kritisch betrachtetes Material erhärtet werden.

Durch die Veröffentlichung des WRB-Berichts im November 1944 hat sich Washington auf eine spezifische Form des Schwindels festgelegt. An diese Form hat man sich in den Nürnberger Prozessen gehalten, und noch heute unterscheidet sich die Form des Schwindels in keinem wesentlichen Anhaltspunkt vom WRB-Bericht.

Nach seinem Sieg mit dem WRB-Bericht beschäftigte sich Morgenthau mit anderen Dingen, insbesondere mit den beabsichtigten politischen Maßnahmen im besetzten Deutschland. Nach seinem Empfinden beachteten die bestehenden Pläne durchaus die Haager und Genfer Konventionen, zu deren Unterzeichnern die USA gehörten, und verhinderten solches Vorgehen wie Beschlagnahme privaten Eigentums ohne militärische Bedeutung, das Festhalten von Kriegsgefangenen lange nach dem Ende der Feindseligkeiten und die unnötige Auferlegung von Hungerrationen. Er setzte sich daher für härtere Maßnahmen ein, die später als Morgenthau-Plan bekannt geworden und von denen viele übernommen und tatsächlich praktiziert worden sind. David Marcus förderte von der "CAD"

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("Civil Affairs Division - Abteilung für Zivilverwaltung") aus Morgenthaus Ziele und hielt ihn über seine Gegner unterrichtet. Oberst Bernard Bernstein, seit langem mit Morgenthau eng liiert, übte eine ähnliche Funktion im SHAEF-Hauptquartier in London - (Supreme Headquarter of the Allied European Forces) - aus. Auch Baruch half mit. [26]

Der ungeheuere Umfang der Aufgabe und dazu die "strittige" Art des Themas haben anscheinend den Mut zu einem gründlichen Studium der den Schwindel mit verursachenden Propaganda gelähmt. Es gibt Studien über besondere Aspekte. John F. Flynn hat sich in seinem "While You Slept" (Während Du schliefst) mit der Propaganda im Hinblick auf kommunistische und antikommunistische Einflüsse, vor allem in Asien, befaßt. James. J. Martin schrieb eine Studie darüber, wie die amerikanischen Medien die Sowjetunion, die Friedensfrage und die alliierten Terrorluftangriffe im Krieg abgehandelt haben.

Es geht weit über die Kräfte eines Einzelnen hinaus, einen Überblick über die gesamte Greuel- und Vernichtungspropaganda im europäischen Bereich des Zweiten Weltkrieges zu vermitteln. Wir wollen uns hier bei dem Umfang des vorzunehmenden Überblicks darauf beschränken, festzustellen, daß wir nur an der jüdischen Vernichtungsfrage interessiert sind und daran, was Leute von Gewicht getan haben. Wir erklären daher, daß eine Untersuchung der Berichte über angebliche Judenvernichtung, wie sie in der "New York Times" vom Frühjahr 1942 bis hindurch ins Jahr 1943 erschienen sind, sowie eine Zusammenfassung der Propaganda von 1944 alles ist, was gebraucht wird, um sich über die anstehenden Sachverhalte Klarheit zu verschaffen.

Schon 1942 sprachen angeblich aus Europa stammende Berichte von "Massentötungen". Man sollte in Erinnerung behalten : die Herkunft solcher Berichte, die Örtlichkeit der angeblichen Tötungen und die angebliche Methode des Tötens. Denn nach dem Krieg gibt die Vernichtungslegende nur drei Varianten bei Massentötungen an : "Vergasungen" an sechs Orten in Polen, "Gaswagen" in Rußland sowie "Massenerschießungen" in Rußland. - Im Kontrast hierzu die "New York Times" der Kriegszeit :

6. April 1942, S. 2

Berichte über Nazi-Blutbad unter Juden

Kuibyschew, Rußland, 5. April (AP) - Der antifaschistische Judenausschuß berichtete heute, daß die Deutschen in und um Minsk 86.000 Juden getötet haben, 25.000 bei Odessa und "Zehntausende" in Litauen, Lettland und Estland. In Estland, so lautet der Bericht, ist die gesamte jüdische Bevölkerung, insgesamt 4.500, ausgelöscht worden.

13. Juni 1942, S. 7

Nazis beschuldigen Juden heftiger Bombenangriffe

Berlin, 12. Juni (Von United Press in New York aufgezeichnete deutsche Rundfunksendung)

Propagandaminister Joseph Goebbels sagte heute abend : Deutschland würde eine 'Massen-Vernichtung' von Juden als Vergeltung für alliierte Luftangriffe auf deutsche Städte durchführen. Er gab zu, daß diese Angriffe einen schweren Schaden angerichtet hätten. Dr. Goebbels stellte in einem Ar-

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Abb. 8 : Lagerplatz in Belsen nach der britischen Eroberung

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tikel der Zeitschrift 'Das Reich' fest, daß die Juden in ganz Europa 'und vielleicht sogar über Europa hinaus' als Vergeltung für die schweren Luftüberfälle ausgerottet werden würden.

Goebbels' Äußerung richtete sich gegen die jüdisch-kontrollierte Presse, die er weitgehend für die Propagandaatmosphäre verantwortlich machte, wodurch die Terrorangriffe ermöglicht worden seien. Seine Äußerung in "Das Reich" lautete :

"Die Juden treiben in diesem Krieg ihr frevelhaftes Spiel, und sie werden das mit der Ausrottung ihrer Rasse in Europa und vielleicht weit darüber hinaus zu bezahlen haben. Sie sind in dieser Auseinandersetzung nicht ernst zu nehmen, da sie weder britische noch amerikanische, sondern ausschließlich jüdische Interessen vertreten."

Nun ist dies tatsächlich eine Vernichtungsdrohung. Ebenfalls völlig öffentlich! Die primäre Bedeutung des Wortes "Ausrottung" ist "Vernichtung" (das englische "uprooting" - mit der Wurzel herausreißen -, dem das Wort verwandt ist, ist nur sekundär bedeutsam). Ähnliche, völlig öffentliche Äußerungen hat Hitler gelegentlich auch gemacht. Beispiel dafür ist : [27]

"... das Ergebnis dieses Krieges die Vernichtung des Judentums sein wird, ... und ... es werden nicht die arischen Völker ausgerottet werden, sondern das Judentum".

Hierzu muß man bemerken, daß

(a) extreme Äußerungen ein durchgehender Zug der NS-Rede- und Sprechtechnik waren,

(b) die Vernichtungsmythologen es als notwendig erachten, zu behaupten, daß die Vernichtungen unter äußerster Geheimhaltung durchgeführt worden seien, wodurch es einigermaßen unhaltbar gemacht wird, derartige gelegentliche Anspielungen in den öffentlichen Erklärungen der NS-Führer als Beweise für Vernichtungen hinzustellen,

(c) es notwendig ist, die besonderen Umstände der Goebbels'schen Äußerung voll zu erfassen, das heißt, sie war eine Reaktion auf die alliierten Terrorangriffe,

(d) man in der Kriegszeit hitzige Dinge sagen kann - und blutrünstige Äußerungen sind von verantwortlichen Personen im Kriege auf beiden Seiten gefallen,

(e) es häufig der Fall ist, daß ein vollständiges Erfassen des Zusammenhanges notwendig ist, wenn man die spezifische Bedeutung einer Anspielung auf "Ausrottung" oder "Vernichtung" auslegt.

Darüber hinaus ist das deutsche Wort "Judentum" dem Sinne nach doppeldeutig, es kann auch "das jüdische Volk" bedeuten. Laßt uns jeden dieser fünf Punkte der Reihe nach untersuchen.

(a) Es ist durchaus bekannt, daß die NS-Redetechnik anstrebte, provokativ und zündend zu sein, was auf jene Tage zurückgeht, als die Nationalsozialisten eine Minderheit in Weimar-Deutschland bildeten. Es hat den Anschein, daß dieses ein Ergebnis einer

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bewußten und einstudierten Methode war, denn Hitler hat 1931 die Gründe dafür in einem Privatinterview erklärt : [28]

"Was irgendein wildgewordener Redakteur in meiner eigenen Presse schreibt, interessiert mich nicht ... Wir können mit Fanatismus etwas machen. Wenn dieser Fanatismus das Bürgertum erschreckt, um so besser. Allein dieser Fanatismus, der jedem Kompromiß aus dem Wege geht, schafft uns Kontakt mit den Massen."

Oft hat er festgestellt, daß er mit Kraftausdrücken Aufmerksamkeit erregen konnte. Natürlich verfuhren alle NS-Führer, insbesondere Goebbels, bis zu einem gewissen Grad ähnlich. Wahr ist aber auch, daß, nachdem die Nationalsozialisten zur Macht gelangt waren und die Herrschaft über Deutschland angetreten hatten, ihre öffentlichen Erklärungen im Ton sehr viel gemäßigter wurden. Dennoch verließ sie die Neigung als solche niemals gänzlich, und der Krieg sowie das Bemühen, das öffentliche Gehör in den alliierten Ländern zu finden, ließ diesen Zug wieder etwas aufleben. Unter diesen Umständen ist es genau genommen bemerkenswert, daß Hitler und Goebbels nur selten solche Erklärungen abgaben.

(b) Die Vernichtungsmythologen sind zu dem Standpunkt gezwungen, daß die Nationalsozialisten das äußerste getan hätten, ihr "Tötungsprogramm von kontinentalem Ausmaß" geheimzuhalten und dies auch in höchst bemerkenswertem Umfang erreichten. Entgegen den Behauptungen einzelner Verfasser und der unbezweifelbaren Tatsache, daß alle möglichen Gerüchte umliefen, wird unterstellt, daß den Juden ein Vernichtungsprogramm nicht bewußt war. Wenn ihnen gesagt wurde, für den Abtransport zu packen, dann taten sie justament das und gingen ohne Widerstand. Die Theresienstädter Juden haben sich noch im August 1944 freiwillig für den Transport nach Auschwitz gemeldet, auch sie hatten nicht die mindeste Ahnung von einem Vernichtungsplan in Auschwitz oder anderswo. Auf der anderen Seite waren die Nationalsozialisten angeblich nicht gewillt, irgendetwas in vertraulichen Dokumenten festzuhalten, da, so erzählt man uns, "das Abfassen von umsichtigen Protokollen zu den großen Fertigkeiten in Hitlers Reich gehört habe". Wenn dies so ist, wie es die Vernichtungsmythologen vorbringen, dann müßten solcherart Bemerkungen ihre "Beweisführung" erhärten; es bleibt dennoch ihr Problem, daß sie konkrete Vorfälle erklären müssen.

(c) Die Äußerung von Dr. Goebbels muß so gesehen werden, wie sie ist : Die Reaktion eines professionellen Propagandisten auf die alliierten Bomberangriffe, wovon die deutsche Politik seit Mai 1940 auf verschiedene Weise betroffen war. Da die diesbezüglichen Tatsachen zwar feststehen, doch nicht allzu bekannt sind, folgen sie hier in kurzer Zusammenfassung. Der an einer ausführlicheren Darstellung interessierte Leser sei auf Veale und Colby verwiesen.

Beim Ausbruch des Krieges im Jahre 1939 sah die deutsche Luftwaffe den Bomber als eine Form der Artillerie zur Unterstützung militärischer Operationen zu Lande an. In diesem Verständnis waren die Luftangriffe auf Warschau im September 1939 und auf Rotterdam im Mai 1940 - die beide große Publizität erhielten - erst dann durchgeführt worden, nachdem diese Städte echte Kriegsschauplätze geworden und die Gesetze der Belagerung

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zur Anwendung gekommen waren. "Flächenbombardierungen" spielten in deutschen Kampfhandlungen keine Rolle (obwohl sie von den deutschen militärischen Planern natürlich Gegenstand von Überlegungen waren).

In England war das jedoch nicht der Fall, denn zu der Zeit, als die Deutschen ihre Bomber als Artillerie in den Niederlanden einsetzten, faßten die Briten den "glänzenden Entschluß", deutsche Zivilziele zu bombardieren, wobei sie sehr wohl wußten, daß Hitler weder die Absicht noch den Wunsch hatte, sich auf einen Kampf dieser Art einzulassen (Hitler wollte in der Tat überhaupt keinen Krieg mit England). Im Sommer 1940 (ab 20. Juni) setzten in mäßigem Umfang deutsche Bombenangriffe auf Ziele in England ein, wobei lediglich ausgesprochen militärische Ziele angegriffen wurden, selbst als solche Städte wie Hamburg und Bremen schon allgemein Angriffen ausgesetzt waren. Erst drei Monate danach sah sich Hitler, wenn auch unter größtem Zögern, gezwungen, in gleicher Weise zurückzuschlagen. Auf diese Weise wurde der nachhaltig aufgebauschte "Blitz"-Schwindel begründet. Das britische Volk durfte nicht herausfinden, daß seine Regierung - einfach durch Einstellen der Angriffe auf Deutschland - die deutschen Luftangriffe hätte beenden können.

Die britischen Luftangriffe waren 1940 zwar ohne militärische Bedeutung, hatten aber nach Meinung des Volkes die deutsche Reichsregierung herausgefordert, etwas dagegen zu tun. Und dieses war der einzige Grund, daß die Deutschen als letztmöglichen Ausweg zu Vergeltungsangriffen übergegangen waren. Bei Verkündung dieser Maßnahme erklärte Hitler in seiner Sportpalast-Rede am 4. September 1940 : [29]

"Und wenn die britische Luftwaffe zwei- oder drei- oder viertausend Kilogramm Bomben wirft, dann werfen wir jetzt in einer Nacht 150.000, 180.000, 230.000, 300.000, 400.000 und mehr Kilo."

Dies war eine handfeste Übertreibung seiner Möglichkeiten im Vergleich zu den Briten; obwohl Hitlers Bomber zahlenmäßig den Briten damals überlegen waren, so waren sie doch zur Unterstützung der Truppen gedacht und keineswegs für "Flächenbombardierungen", wofür die britischen Bomber eingerichtet waren. Nichtsdestoweniger sind heftige Worte billig und im Hinblick auf die Luftwaffe waren heftige Worte (manchmal mit Versprechungen auf geheime neue Waffen gekoppelt) so ungefähr alles, was Hitler und Goebbels 1940 oder in der folgenden Zeit als Gegenwehr gegen die britischen Bombenangriffe vorbringen konnten. In diesem Zusammenhang müssen Goebbels' Worte gesehen und aufgefaßt werden.

(d) Blutrünstige Äußerungen sind im Krieg auf beiden Seiten gefallen. In den USA gab es viele Beispiele für ernsthaft vorgetragene, wilde Ansichten von Seiten anscheinend zivilisierter Menschen, die von gleichermaßen respektablen Menschen mit offenbar bedachtsamen Äußerungen der Billigung hingenommen wurden. Da es so viele solcher Menschen gab, genügt es, nur Clifton Fadiman anzuführen, den bekannten Autor und Kritiker, der damals Literaturrezensent der Wochenzeitschrift "New Yorker" war.

Fadiman war die große Leuchte des "Writers War Board" (Kriegs-

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ausschuß für Schriftsteller), einer halboffiziellen Regierungsbehörde, die im Zusammenhang mit dem Krieg freiwillig für Staatsämter schrieb. Rex Stout führte den Vorsitz in dem Ausschuß. Nach dem Leitsatz, den Fadiman und Stout 1942 allen Schriftstellern gemeinsam vorschrieben, sollten sie in ihren Arbeiten über den Krieg bestrebt sein, "einen aktiven Haß gegen alle Deutschen hervorzurufen und nicht nur gegen Nazi-Führer". Dieses führte zu einer hitzigen Kontroverse, und Schriftsteller und Beobachter ergriffen Partei in einer Debatte, die für Fadiman heiß genug wurde, um zu erklären, daß er "nur einen Weg kenne, um einem Deutschen etwas klar zu machen, und der ist, ihn zu töten, und selbst dann, meine ich, begreifen sie es nicht".

Dieses waren keine einzelnen Ausbrüche, denn in seiner Spalte im "New Yorker" begrüßte Fadiman die Gelegenheit, seine Ansichten über die Deutschen in einem geordneteren Zusammenhang darzulegen. Im April 1942 hatte er die jugendliche Konzeption, die er brauchte, in einem Buch von de Sales gefunden, "The Making of Tomorrow" (Die Gestaltung von morgen). Das Einverständnis des Lesers voraussetzend, wonach die Nazis zumindest die schlimmste "Geißel für Jahrhunderte seien", schrieb er, daß de Sales'

"Argument ganz einfach das ist, daß der gegenwärtige Nazi-Angriff nicht im mindesten das üble Handwerk einer Gruppe von Gangstern, sondern vielmehr der letztendliche und vollkommene Ausdruck der tiefinnersten Instinkte des deutschen Volkes ist. Hitler ist die Verkörperung von Kräften, die größer sind als er. Die Ketzerei, die er predigt, ist 2.000 Jahre alt. Welches ist die Ketzerei? Sie ist nicht mehr und nicht weniger als eine Rebellion gegen die westliche Zivilisation. Mister de Sales ist fünf solchen deutschen Rebellionen nachgegangen, die mit Armin, dem Cherusker begannen. Zunächst ist man geneigt, der gewaltigen Anklage des Verfassers Skepsis entgegenzubringen - sein Antigermanismus mag denkbarerweise von seinen französischen Vorfahren herrühren. Doch wenn man seinem Argument folgt, so wird es immer zwingender, und die echten Proportionen treten mit großer Klarheit hervor."

Seine Besprechungen von Kriegsbüchern spiegelt die historische Situation wider, die er in de Sales' Unsinn entdeckt hatte. Hatte Howard K. Smith erklärt,

"wenn wir (den Deutschen) eine echte Alternative auf Vernichtung bieten können, so wird das Volk in unsere Hände fallen, obgleich dies nicht auf eigene Revolution zurückzuführen sein wird",

so schrieb Fadiman höhnisch, daß

"die Welt die Deutschen immer wieder beschwichtigt hat, seit ihre menschlichen Wolfsrudel zur Zeit Armins aus ihren Waldlagern hervorgebrochen sind. Das Ergebnis ist ein Europa, das sich am Rande des Selbstmordes befindet".

Diesem folgte eine offene Zustimmung zu Hemmingways

"außergewöhnlichem ... Vorschlag, daß die einzige letzte Regelung mit den Nazis die sei, sie zu sterilisieren. Genau das meint er, im chirurgischen Sinne".

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Natürlich sah Fadiman auch keinen Unterschied zwischen Nationalsozialisten und anderen Deutschen und machte Dorothy Thompsons "leidenschaftliches Argument" für eine solche Unterscheidung lächerlich, ebenso ihre Überzeugung, "daß unsere Nachkriegsbemühungen auf den Zusammenschluß einer europäischen Staatenföderation gerichtet sein müssen, in der Deutschland unter einer demokratischen Führung eine führende Stellung zuzugestehen ist." Wenngleich Fadiman niemals das Töten aller oder der meisten Deutschen befürwortet hat, zumindest nicht mit so vielen Worten, so war dies doch der klare Sinn seiner Erklärungen. Immerhin, was kann man anderes tun mit "Wolfsrudeln, die aus ihren Waldlagern hervorgebrochen sind" und jetzt versuchen, den Rest der Welt zu versklaven, "die nur begreifen, wenn man sie tötet", und die "keine echte Alternative zum Getötetwerden erhalten dürfen"? [30]

Clifton Fadiman war nur ein sehr prominentes und halboffizielles Beispiel einer "Geistesschule", die unter den Meinungsbildnern der USA im Krieg bestand. James J. Martin und Benjamin Colby haben umfassendere Arbeiten über die sich auf den Haß gegen die Deutschen gründende Alliierten-Propaganda veröffentlicht, wobei der letztere eine besonders gründliche Studie über den Kriegsausschuß der Schriftsteller vorlegt.

Das Klima der Kriegszeitstimmung in England war selbstverständlich in etwa das gleiche und herrschte angesichts des früheren Kriegseintritts Englands schon länger vor. Als Reaktion auf Hitlers Rede im Berliner Sportpalast über den Beginn der deutschen Luftangriffe auf britische Städte, weidete sich der Londoner "Daily Herald" daran, daß Hitler "eine rasende Anstrengung unternommen hat, sein bombengequältes Volk zu beruhigen", das "sich in äußerster nervlicher Anspannung befindet und auch dann wach bleibt, wenn kein Alarm ist". In der gleichen Ausgabe des "Daily Herald" finden wir die Empfehlungen des Reverend C. W. Whipp, Vikar von St. Augustin in Leicester :

"Die Befehle müßten lauten 'Fegt sie hinweg' und auf dieses Ziel würde ich unsere gesamte Wissenschaft konzentrieren, um einen neuen und weitaus schrecklicheren Sprengstoff zu entdecken. - Diese deutschen Teufel (es ist das einzige Wort, das man verwenden kann) kommen über unsere Städte und richten ihre Maschinengewehre auf Frauen und Kinder. - Nun, alles, was ich erhoffe, ist, daß die RAF immer stärker wird und hinübergeht und Deutschland in Stücke schlägt. Ein Diener des Evangeliums sollte sich vielleicht nicht solchen Gefühlen hingeben. Ich gehe aber noch weiter und sage ganz offen, daß, wenn ich könnte, ich Deutschland von der Karte wischen würde. - Sie sind eine üble Rasse und sind seit Jahrhunderten ein Fluch für Europa gewesen. Frieden kann erst sein, wenn Hitler und all jene, die an ihn glauben, zur Hölle geschickt werden, welche der Ort ihrer Herkunft und ihrer letzten Heimstatt ist."

Der "Daily Herald" vermerkt dazu, daß "Whipp eine erhebliche lokale Kontroverse hervorgerufen hat", womit offenkundig wird, daß es in England wie auch in den USA viele Menschen gab, die trotz der Typen wie Fadiman ihren klaren Kopf bewahrten.

Reginald Hargreaves schlug in einem Artikel in der Juni-Ausgabe 1941 der angesehenen britischen Zeitschrift "National Review"

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(nicht zu verwechseln mit der National Review, die 1955 in den USA gegründet wurde) als Kriegsziel vor - im Unterschied zu einer unvermeidlichen Folge des Krieges -, daß

"mindestens drei Millionen Nazi-Soldaten für immer ausgeschaltet werden müssen, wobei es eine absolut unerläßliche Voraussetzung für die Waffenniederlegung ist, daß eine ausreichende Zahl der korrumpierten, brutalisierten und wahnsinnigen jungen Derwische des Nazismus tot auf dem Feld gelassen werden muß".

"Die Notwendigkeit" dafür ergab sich aus der Überlegung, daß

"Deutschland sich durch seine ganze Geschichte als ausgesprochen unzivilisiert und ausschließlich der Verachtung und des Ekels wert erwiesen hat. Von Anfang an hat das Verhalten der teutonischen Völker sie für die Rolle der Parias bestimmt - der ausgestoßene tollwütige Hund von Europa ...

Unser wirkliches Kriegsziel muß sein, nicht nur der militärische Triumpf im Felde, sondern auch die Verminderung des deutschen Volkes zu einem derart zusammengeschrumpften und begrenzten Zustand, daß es niemals wieder in der Lage ist, etwas zum Schaden der noch kommenden Generationen anzufangen. Unser Konflikt ist, trotz rührseliger gegenteiliger Versicherungen, ein Konflikt mit dem deutschen Volk; einer Rasse, so barbarisch, räuberisch, so gewissenlos und ausgesprochen unkultiviert, daß seine Beseitigung als Großmacht die einzige Hoffnung für eine Welt ist, die keine andere Wahl hat, als des Chirurgen Skalpell zu ergreifen und dieses Krebsgewächs aus ihrer Staatenorganisation herauszuschneiden, gründlich, gnadenlos, ein für allemal."

Derartige Äußerungen erscheinen um so ungewöhnlicher, wenn man bedenkt, daß sie aus einem Volk kommen, das für seine Tiefstapelei bekannt ist.

(e) Der Sinn dieser Erörterung ist nicht nachzuweisen, daß in England und den USA eine Übereinstimmung in diesen so gearteten Ansichten entstanden war, wonach alle Deutschen von Natur aus Ungeheuer seien und getötet oder zumindest sterilisiert werden müßten. Es wird jeder zustimmen, daß kein solches gemeinsames Denken existierte (und selbst die Vernichtungsmythologen würden meines Erachtens zustimmen, daß es auch in Deutschland keinen Konsens darüber gab, die Juden zu vernichten). Darüber hinaus lagen die von vielen Meinungsmachern in den USA und England befürworteten oder angedeuteten Völkermordmaßnahmen in ihrer wörtlichen Bedeutung gar nicht im Bereich des Möglichen; das amerikanische und britische Volk hätten solche in ihren Namen begangene Taten gar nicht zugelassen. Das Ausschlaggebende ist, daß in der Hitze des Kriegsgeschehens die außergewöhnlichsten Dinge gesagt worden sind. Größtenteils sind solche Irrsinnsanwandlungen gar nicht verwirklicht worden, sie wurden aber dennoch zum Ausdruck gebracht. Leider kann man nur sagen "größtenteils", denn ein beachtlicher Teil ist durchgeführt worden mittels der Kriegführung an sich, des zivilen Bombenterrors, der Vertreibung, der Nachkriegsverbrechen, - mit Millionen Toten!

Mörderische Worte sind auf beiden Seiten gefallen. Nach meiner Ansicht und schwachen Erinnerung an die damaligen Zeiten scheint

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Abb. 9 : Prozeß in Dachau

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mir die Redeweise in den USA (insbesondere im Hinblick auf die Japaner) heftiger gewesen zu sein als alles, was in Deutschland während der Kriegszeit im Umlauf gewesen zu sein scheint. Zugegebenerweise ist ein solcher Vergleich schwierig und dürfte mit Rücksicht auf das Ausmaß nicht unternommen werden. Haben doch einmal die "öffentliche Meinung" und zum anderen die politischen Führer mit ihren Äußerungen in den beiden jeweiligen Systemen unterschiedliche Rollen gespielt.

Auf der Achsenseite muß man vermerken, daß das faschistische Italien verschiedene anti-jüdische Gesetze hatte, die jedoch sehr milde zur Anwendung kamen und gewiß niemals bis zum Mord reichten. Selbst die Kriegsgegner jedenfalls haben dies dem faschistischen Regime Mussolinis niemals angelastet. Dennoch war die anti-jüdische Ausdrucksweise in der faschistischen Presse mindestens ebenso heftig wie alles das, was dieserart in Deutschland hervorgebracht worden war. Sollte die "New York Times" korrekt berichtet haben (22. Okt. 1941), so hatte die italienische Regierung sogar befürwortet, "alle italienischen Juden als Gefahr für die innere Front zu vernichten, da dieses der Augenblick sei, mit halben Maßnahmen aufzuhören".

Ein letzter Punkt ist, daß man beim richtigen Auslegen von Äußerungen zur "Ausrottung" und "Vernichtung" Vernunft und Gespür für den Zusammenhang haben muß. Im amerikanischen Bürgerkrieg forderten viele von Lincoln, den Süden "zu vernichten", und es ist kein falsches Englisch zu sagen, daß Lincoln genau das getan hat, aber man hat es so aufgefaßt, damals wie jetzt, daß das Töten aller im amerikanischen Süden Lebenden nicht in Betracht gezogen war.

Ähnliches gilt für die Erklärungen der NS-Führer. Häufig verwendeten sie den Begriff "Jude" für "Judentum" oder auch "Jude-Sein", was im Englischen "Jewry" lautet. Dementsprechend kann Hitlers Ausdruck "Die Vernichtung des Judentums", zumal er meist aus dem Sinn- und Satzzusammenhang gerissen zitiert wird, rein buchstäblich Tötung bedeuten, aber er kann auch dahingehend ausgelegt werden, daß auf die Vernichtung des jüdischen Einflusses verwiesen wird, was der Politiker Hitler in Wirklichkeit gemeint hat, wenngleich es schon wahr ist, daß er seine Worte sorgfältiger hätte wählen können.

In gleicher Weise hat Alfred Rosenberg in seiner IMT-Aussage argumentiert, daß "Die Ausrottung des Judentums" - eine Formulierung, die er gelegentlich benutzt hat -, keine Absicht zur Tötung der einzelnen Juden bedeutet hatte, sondern im politischen Zusammenhang die Ausschaltung des jüdischen Einflusses in Politik und Wirtschaft, und dies auch nur im Herrschaftsbereich der Achsenmächte.

Nach dieser längeren Abschweifung, die durch Goebbels' Ausdruck "Ausrottung" notwendig geworden ist, wenden wir uns einer Reihe von Berichten in der "New York Times" für die Zeit von 1942-1943 zu.

14. Juni 1942, S. 1

258 Juden It. Bericht in Berlin erschlagen wegen Bombenanschlag auf anti-rote Ausstellung

tel. Bericht an die "New York Times" von George Axelsson.

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Stockholm/Schweden, 13. Juni

In der Kaserne Groß-Lichterfelde in den westlichen Vororten Berlins sind am 28. Mai 258 Juden von der SS getötet und ihre Familien deportiert worden als Vergeltung für einen angeblichen jüdischen Anschlag, die antibolschewistische Ausstellung "Sowjet-Paradies" im Lustgarten in die Luft zu sprengen ...

Wenn dort Bomben waren, sind sie offenkundig entdeckt worden, bevor sie explodieren konnten ...

Die SS wollte die Exekutionen veröffentlichen ... statt dessen ... sind die Führer der jüdischen Kolonie zusammengerufen worden ...

30. Juni 1942, S. 7

It. Bericht 1.000.000 Juden von Nazis getötet.

London, 29. Juni (U.P.) ... klagten heute Sprecher für den jüdischen Weltkongreß.

Es hieß, Nazis hätten ein "riesiges Schlachthaus für Juden" in Osteuropa eingerichtet ...

In einem Bericht an den Kongreß hieß es, daß Juden in Massen von Deutschland, Österreich, der Tschechoslowakei und den Niederlanden ins Innere Polens deportiert und von Erschießungskommandos zu je tausend pro Tag erschossen würden.

Eine bei der polnischen Regierung in London eingegangene Mitteilung bestätigte, daß die Nazis "mehrere hunderttausend" Juden in Polen erschossen hätten.

Heute ist von keinem solchen "Schlachthaus", wo Exekutionen von Erschießungskommandos vorgenommen wurden, mehr die Rede. Doch so begann die Vernichtungspropagandakampagne des jüdischen Weltkongresses. Es ist durchaus möglich, daß diese erste Mär ihren geistigen Ursprung in der seinerzeitigen "Ausrottungs"-Bemerkung von Goebbels gehabt hat.

22. Juli 1942, S. 1

Nazi-Bestrafung von Roosevelt vorgesehen

... Präsident Roosevelt erklärte gestern abend in einer vor 20.000 Personen verlesenen Botschaft im Madison Square Garden.

... Botschaft des Präsidenten, Weißes Haus, Washington,

17. Juli 1942

Lieber Herr Wise :

Bürger teilen den Schmerz unserer jüdischen Mitbürger über das Wüten der Nazis gegen ihre hilflosen Opfer. Es wird den Nazis genauso wenig gelingen, ihre Opfer zu vernichten, wie es ihnen gelingen wird, die Menschheit zu versklaven. Das amerikanische Volk wird die Urheber dieser Verbrechen an einem Tag der Abrechnung, der ganz sicher kommen wird, unerbittlich zur Rechenschaft ziehen ... . .

Text der Churchill Botschaft

... Sie werden sich erinnern, daß Präsident Roosevelt und ich am vergangenen 25. Oktober unser Entsetzen zum Ausdruck gebracht haben ... über die Nazi-Schlächtereien und den Terror und unsere Entschlossenheit, eine Vergeltung für diese Verbrechen unter die wesentlichen Ziele dieses Krieges einzureihen...

Solche unklaren Äußerungen der obersten Kriegsherren, obwohl sie deutlich umrissener Anklagen ermangelten, hatten in der Öffentlichkeit erheblich mehr Gewicht als jeder der einzelnen

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Vorgänge, hinter die sich die Regierungschefs dem Anschein nach durch ihre Äußerungen gestellt haben mögen. Wir werden sehen, daß die einzelnen Behauptungen der damaligen Zeit den Behauptungen bei den späteren Prozessen sehr wenig ähneln. Dennoch schien es Roosevelt und Churchill opportun, diese Propaganda zu fördern.

3. September 1942, S. 5

50.000 Juden sterben in Nazi-Festung

London, 2. Sept. (U.P.) - Fünfzigtausend Juden aus Deutschland und der Tschechoslowakei sind in die Festung Theresienstadt geworfen worden und einige tausend, die krank sind oder unter Anklage 'verbrecherischer Handlungen' stehen, befinden sich in unterirdischen Verließen, wo sie 'wie die Fliegen sterben', sagte ein Sprecher der tschechischen Regierung heute abend. 'Alle Hoffnung für sie ist aufgegeben worden' sagte der Sprecher. Der Sprecher sagte, die Deutschen hätten einen Feldzug zur Vernichtung der Juden aus dem Protektorat eingeleitet und von 40.000 ehemals in Prag lebenden Juden seien nur noch 15.000 da. Pilsen und Brünn seien von Juden geräumt worden, sagte er, wobei viele von ihnen nach Theresienstadt verbracht würden, dem größten Konzentrationslager im Nazi-beherrschten Europa.

Ein europäischer Beobachter sagte, die Deutschen planten, nicht nur die Juden Europas zu vernichten, sondern die auf der ganzen Welt. Er erklärte, die Nazis hätten in den vergangenen drei Jahren 2.000.000 Juden getötet...

Das einzig Zutreffende an diesem Bericht ist die Tatsache, daß die Sterberate der Juden entsprechend der deutschen Maßnahme, alle Reichsjuden über 65 Jahre dorthin zu verbringen, in Theresienstadt ziemlich hoch war. Eine weitere Kategorie in Theresienstadt stellten die "privilegierten" Juden dar, - die Kriegsteilnehmer des Ersten Weltkrieges, vor allem jene mit hohen Auszeichnungen. Es waren auch noch andere Juden dort, von denen viele schließlich wegzogen; aber wenn sie gelitten haben, so war das nicht in Theresienstadt. Der Ort ist 1944 vom Roten Kreuz besichtigt worden, und der darüber gefertigte günstige Bericht ärgerte den Jüdischen Weltkongreß. [31] Wenn Theresienstadt auch nicht das "größte Konzentrationslager im Nazi-beherrschten Europa" war, spielt es hier dennoch eine bedeutende Rolle.

5. Sept. 1942, S. 3

U.S. tadeln Vichy wegen Judendeportationen

Washington, 4. Sept. - Das State Department hat durch die amerikanische Botschaft in Vichy bei der französischen Regierung die massivsten Vorstellungen wegen Massendeportationen von Juden aus dem unbesetzten Frankreich erhoben, so wurde es heute vom Amerikanischen Judenausschuß bekanntgegeben.

Der Protest folgte dem Vorstelligwerden von vier jüdischen Organisationen. Der Vorgang selbst wurde ihnen durch ein Schreiben des Unterstaatssekretärs Sumner Welles mitgeteilt.

... Herr Welles schrieb :

'Ich habe Ihre Mitteilung vom 27. August 1942 mit dem beiliegenden Schreiben erhalten ... in bezug auf die Massendeportation jüdischer Flüchtlinge aus dem unbesetzten Frankreich.

Ich stimme mit den dazu gemachten Feststellungen, diese tragische Situation

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betreffend, völlig überein, die der öffentlichen Meinung der zivilisierten Welt erneut einen Schock zufügen. Es ist zutiefst bedauerlich, daß diese Maßnahmen in einem Land getroffen werden müssen, das traditionell bekannt ist für sein Achten der Grundsätze der Freiheit, Gleichheit und der Toleranz.' Die amerikanische Botschaft in Vichy ... ist bei den höchsten Stellen in Vichy in schärfstmöglicher Form vorstellig geworden ... Das Schreiben der vier Organisationen an den Außenminister folgt :

Im Namen der von uns vertretenen Organisationen ... ersuchen die Unterzeichnenden unsere Regierung mit allem Respekt, der Regierung von Frankreich einen feierlichen Protest zu übermitteln gegen die kürzlich von jener Regierung vollzogene Handlung, tausende von Flüchtlingen den Vertretern der Nazi-Regierung zur Deportation nach Polen und anderen nazi-besetzten Gebieten in Osteuropa auszuliefern.

Es erreichen uns Berichte ... , aus denen hervorgeht, daß die Regierung von Frankreich ... die Deportation von jüdischen Flüchtlingen durch die Nazis zuläßt, die in einer Reihe von Lagern im Süden Frankreichs interniert gewesen waren. Diese Aktion begann etwa am 8. August, als eine Gesamtzahl von 3.600 Männern, Frauen und Kindern zusammengetrieben, in Züge verladen und losgeschickt wurden, - ohne ein Wort über ihr Fahrtziel. Die Berichte stimmen darin überein, daß diese 3.600 das erste Kontingent einer Gesamtzahl von 10.000 jüdischen Flüchtlingen bildete, welche nach östlichen Gebieten zu deportieren die französische Regierung zugestimmt hat ...

Die Massenverschickung von Juden aus Deutschland und aus Gebieten unter deutscher Besatzung ist seit der Eroberung Polens vor sich gegangen. Entsprechend der von den Nazis verkündeten Politik, die Juden Europas zu vernichten, sind Hunderttausende dieser unschuldigen Männer, Frauen und Kinder durch brutale Massenmorde getötet worden. Der Rest wird unter unbeschreiblich erbärmlichen Bedingungen in Ghettos in Osteuropa zusammengetrieben, wobei Zehntausende Hunger und Seuchen erlegen sind.

An dieser Stelle bleibt nur zu vermerken, daß selbst die 4 jüdischen Organisationen sich bei ihren Vernichtungsbehauptungen nicht völlig sicher sind, da sie sich durch den Hinweis auf jene "in Ghettos Zusammengetriebenen" einen "Rest" offenlassen. Welles' Antwort, wenn auch "in völliger Übereinstimmung" mit dem Schreiben, vermeidet es, sich direkt hinter die Vernichtungsbehauptungen zu stellen.

24. Nov. 1942, S. 10

Hebräische Zeitungen trauern

Jerusalem, 23. Nov. (U.P.) - Die hebräische Presse erschien heute mit schwarzumrandeten Berichten über Massenmorde an Juden in Polen. Die bei der jüdischen Presseagentur eingegangenen Berichte meldeten, daß eine systematische Vernichtung der jüdischen Bevölkerung von einer deutschen "Sonder-Vernichtungskommission" durchgeführt würde ... an der ehemaligen Grenze zwischen dem deutschen und russischen Polen. Tausende würden in den Bug geworfen und ertränkt.

13. Dezember 1942, S. 21

Verspäteter Kriegsbericht stützt Glaubwürdigkeit. Rabbi Israel Goldstein erklärte : 'Authentische Berichte weisen auf 2 Millionen Juden hin, die bereits auf jede Weise teuflischer Barbarei abgeschlachtet worden sind, und auf Pläne für die völlige Vernichtung aller Juden, die den Nazis in die Hände fallen. Das

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Abschlachten eines Drittels der jüdischen Bevölkerung in Hitlers Herrschaftsbereich und das angedrohte Abschlachten aller ist ein Massenmorden ohne Parallele!'

18. Dezember 1942, S. 1

11 Alliierte verurteilen Nazikrieg gegen Juden.

Sonderbericht an die "New York Times"

Washington, 17. Dez. - Eine gemeinsame Erklärung von Mitgliedern der Vereinten Nationen wurde heute herausgegeben, in der Deutschlands 'bestialische Politik der kaltblütigen Vernichtung von Juden...' verurteilt wird.

Die Erklärung wurde gleichzeitig durch das Außenministerium in London und hier herausgegeben.

Text der Erklärung :

Aus all den besetzten Ländern werden Juden unter schreckenerregenden und brutalen Begleitumständen nach Osteuropa verbracht. In Polen, das zum Hauptschlachthaus der Nazis gemacht wurde, werden die von dem deutschen Eindringling eingerichteten Ghettos systematisch von allen Juden geräumt mit Ausnahme weniger hochqualifizierter Arbeiter, die in der Kriegsindustrie benötigt werden. Von keinem der Fortgeführten hat man je wieder gehört. Die Kräftigen läßt man langsam in Arbeitslagern sich zu Tode arbeiten. Die Schwachen läßt man an Erfrieren oder Hunger sterben, oder sie werden absichtlich bei Massenerschießungen umgebracht. Die Zahl der Opfer dieser blutigen Greuel wird auf viele Hunderttausende völlig unschuldiger Männer, Frauen und Kinder beziffert.

Hiermit begann das Außenministerium, sich in die Vernichtungslegende einzuschalten. Und da derartige Äußerungen aus einer anscheinend so offiziellen Quelle kamen, wurden sie zur Grundlage eines Sonderkommentares der "New York Times" des gleichen Tages :

18. Dez. 1942, S. 26

Hitlers Terror

Trotz allem, was über die Naziverfolgung der Juden geschrieben worden ist, werden die in der gemeinsamen, gestern im Namen der Vereinten Nationen in Washington, London und Moskau veröffentlichten Erklärung aufgeführten Tatsachen wie ein Schlag über alle zivilisierten Menschen kommen, die sich noch eine Spur von menschlichem Anstand bewahrt haben. Denn diese Erklärung ist kein Aufschrei der Opfer selbst, vor dem die Ohren zu verschließen viele für möglich hielten, weil es vielleicht ein besonderes, etwas zweifelhaftes Anliegen sein könnte. Es ist (aber) die offizielle Erklärung der eigenen, dahinterstehenden Regierungen, die auf amtlich festgestellten Tatsachen beruht...

Es ist klar, man glaubte, daß Greuelbehauptungen, die anscheinend aus dem Außenministerium kamen, glaubwürdiger waren als solche, die von Gruppen wie dem Weltjudenkongreß stammten, und dies bezieht sich zweifellos auf das, was mit dem "Aufschrei der Opfer selbst" gemeint ist. Doch haben wir gesehen, daß hinter der "gemeinsamen Erklärung" ebenfalls Mr. Wise stand.

Mit der Erklärung vom 17. Dezember 1942 zeichnete sich der Beginn der Komplizenschaft seitens der amerikanischen und

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britischen Regierungen bezüglich der Vernichtungslegende ab. Die deutsche Reichsregierung hat den Vorgang nicht als schwerwiegend angesehen, und v. Stumm aus der Presseabteilung des Auswärtigen Amtes hat vor der neutralen Presse recht leichtfertig erklärt, die alliierte Verlautbarung diene dem Zweck, den jüdischen Warenhäusern in New York und London eine größeren Weihnachtsverkauf zu ermöglichen. [32]

20. Dez. 1942, S. 23

Alliierte schildern Greuel an Juden

Was mit den 5.000.000 (Millionen) Juden im deutschbesetzten Europa geschieht, die sich alle der Vernichtung ausgesetzt sehen, wird in einer gestern vom Informationsbüro der Vereinten Nationen veröffentlichten Erklärung geschildert ...

Im Haupttext des Berichtes werden neue Methoden der Massentötung durch Erschießen und tödliches Gas genannt; ferner wird erklärt, daß diese Vernichtung der Juden nicht als 'Einzelfall in einem Land' vor sich geht, sondern über den ganzen Kontinent. Anfang Dezember 1942 gab das US-Außenministerium einige Zahlen bekannt, aus denen hervorgeht, daß die Zahl der seit 1939 deportierten - und umgekommenen - Opfer im von der Achse beherrschten Europa bis jetzt die erschreckende Höhe von 2 Millionen erreicht hat, und daß 5 Millionen der Vernichtungsgefahr ausgesetzt sind ...

Das Dokument schließt :

Gegenüber jenen, die die Morde und Schießereien in den Straßen überleben, werden bei der Deportation aus den Ghettos Maßnahmen angewendet, die jede Vorstellungskraft übersteigen. Vor allem werden Kinder, alte Menschen und jene, die zum Arbeiten zu schwach sind, ermordet. Tatsachengerechte Angaben über das Schicksal der Deportierten sind nicht zur Hand, doch liegt die Meldung vor - eine unwiderlegbare Meldung -, daß man Hinrichtungsstätten in Chelmno und Belczek organisiert hat, wo jene, die die Erschießungen überlebt haben, in Massen durch Starkstrom und tödliches Gas ermordet werden.

Die angeblichen Tötungen mittels Starkstrom in Belczek tauchten in der Propaganda wiederholt auf und werden in Kapital V behandelt. Diese Vernichtungsversion gehörte zu jenen, die nach dem Krieg rasch vergessen waren. Dennoch erkennen wir hier die klare Tendenz der Propaganda, sich den Behauptungen anzugleichen, die schließlich zum festen Bestandteil der Legende geworden sind, - die Gaskammern und die rund 6 Millionen während des Krieges Getöteten.

28. Dez. 1942, S. 21

Forderung Juden zu retten

Albany, 27. Dez. (AP)

Dr. Wise, Präsident des amerikanischen Judenkongresses und des Weltjudenkongresses ... (forderte) die Aufstellung eines alliierten Plans, den Nazischlächtereien an Zivilisten ein Ende zu machen.

8. Jan. 1943, S. 8

93 wählten Freitod statt Nazi-Schande

Dreiundneunzig jüdische Mädchen und junge jüdische Frauen, Schüler und Lehrer einer Beth Jacob Schule in Warschau/Polen, wählten den Massenselbstmord, um dem Zwang der Prostitution mit deutschen Soldaten zu

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entgehen, wie es in einem Schreiben des Lehrers heißt, das gestern von Rabbi Seth Jung vom jüdischen Zentrum New Yorks veröffentlicht wurde.

7. Febr. 1943, VI, S. 16

lm Tal des Todes

(Beitrag von Sholem Asch)

... Gaskammern und Blutvergiftungsstationen in abseits gelegenen Landgebieten eingerichtet sind, wo Dampfbagger Gemeinschaftsgräber für die Opfer schaufeln.

14. Febr. 1943, S. 37

Tyrannei der Nazis gezeigt

Warschau ist vorgesehen für eine bewußte Nazi-Methode für Tod, Seuchen, Verhungern, Sklavenarbeit in der Wirtschaft und Massenbeseitigung der Bevölkerung, erklärt das Büro für Kriegsinformationen (OWI) in einer 24seitigen Broschüre, "Erzählung aus einer Stadt", die heute erschienen ist. Es wird erklärt, daß Warschau der Erprobungsort für Nazipläne zur Welteroberung ist ...

... "es gibt zu dieser Zeit keine Möglichkeit, genau anzugeben, wie viele Polen von den Nazis in Warschau ermordet worden sind." Der Hinrichtungsort ist jetzt Palmiry nahe Warschau, wo die Massenerschießungen entweder in der Dämmerung und während der Nacht vor sich gehen.

14. Febr. 1943, S. 37

"Beschleunigte" Hinrichtung gesehen

Über Massenhinrichtungen an Juden in Polen in beschleunigtem Tempo wurde von europäischen Vertretern des Weltjudenkongresses in einer von Rabbi Stephen S. Wise, Präsident des amerikanischen Judenkongresses, veröffentlichten Meldung berichtet. An einem Ort in Polen werden täglich 6.000 Juden getötet, wie es in dem Bericht vom 19. Jan. heißt. Die in Polen verbliebenen Juden werden jetzt in fünfundfünfzig Ghettos festgehalten, einige in den großen Städten und einige in den kleineren Städten, die als Ghettos neu eingerichtet wurden.

Dieses war die Propagandamär, um die es sich in dem Streit zwischen Außenministerium und Schatzamt handelte. Wie schon im Zusammenhang mit den Bemerkungen über den Leitartikel der N.Y. Times vom 18. Dezember dargelegt wurde, hätte man ihr offenbar mehr Glauben geschenkt, wenn diese Mär es geschafft hätte, aus dem US-Außenministerium hervorzugehen. Für die Erfinder dieser seinerzeitigen Propaganda war es mißlich, daß sie sich mit Rabbi Wise als Strohmann-Quelle begnügen mußten.

16. Febr. 1943, S. 7

Nazis siedeln 30.000 Juden um

Genf/Schweiz, 15. Febr. (ONA)

Alle die Alten und Schwachen (aus Czestachowa, Polen) wurden von den Nazis nach Rawa-Russka in Galizien zur Hinrichtung verbracht, besagen Quellen aus dem Inneren Polens.

23. Febr. 1943, S. 23

Gegen Grausamkeiten protestiert

Dreitausendfünfhundert Kinder ... versammelten sich zur Trauer und zum Protest gegen Nazi-Greuel im Mecca Tempel, 133 West 55. Straße ... sechs Flüchtlingskinder berichteten von ihren Erlebnissen in den Händen der Nazis.

2. März 1943, S. 1 u. 4

Massenversammlung fordert : Rettet Juden vor dem Verderben

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Sofortiges Einschreiten der Vereinten Nationen, um so viele vor den mit Vernichtung bedrohten fünf Millionen Juden wie möglich zu retten ... , wurde auf einer Massendemonstration ... in Madison Square Garden gestern abend gefordert... . (Rabbi Hertz sagte) "erschreckend ist die Tatsache, daß jene, die die Vier Freiheiten verkünden, bisher sehr wenig getan haben, um auch das Lebensrecht für 6.000.000 ihrer jüdischen Mitmenschen zu sichern durch die Bereitschaft, jene zu retten, die noch der Folterung und dem Abschlachten durch die Nazis entgehen könnten." ... (Wendell Willkie sagte) "Zwei Millionen Menschen, nur weil sie Juden sind, wurden bereits auf jede feindselige Weise, die sich Hitler ausdenken konnte, ermordet, Millionen anderer Juden ... stehen unmittelbar vor ihrer Vernichtung..."

... (Chaim Weizmann sagte) "Zwei Millionen Juden sind bereits vernichtet worden..."

"Die Demokratien sehen sich vor einer klaren Aufgabe ... Man lasse sie mit Deutschland via neutrale Länder über die mögliche Freilassung der Juden in den besetzten Ländern verhandeln ... Man lasse die Tore von Palästina für alle öffnen, die die Küsten der jüdischen Heimat erreichen können ...

7. März 1943, S. 30

600 Juden nach Schlesien geschickt

Stockholm/Schweden, 6. März (Reuter) - Fast 600 norwegische Juden ... haben, wie jetzt bekannt wurde, das polnische Oberschlesien erreicht. Die meisten Männer wurden zur Arbeit in die Gruben bei Kattowitz geschickt.

10. März 1943, S. 12

40.000 hier sehen Vorstellung zum Gedenken an Juden. Vierzigtausend Personen sahen und hörten ... gestern abend zwei Vorstellungen von "Wir werden niemals sterben", eine dramatische Massenaufführung zum Gedenken an die 2 Millionen in Europa getöteten Juden ... Der Sprecher sagte "Es werden in Europa keine Juden mehr da sein als Vertretung, wenn der Frieden kommt. Die vier Millionen noch verbleibender Juden werden entsprechend dem Plan getötet.

1. April 1943, S. 2

Französische Juden von Nazis in die Vergessenheit geschickt

Drahtbericht an die New York Times

"London, 31. März - Ein System von "Todes-Konvois", wonach französische Juden zusammengetrieben und dann abtransportiert werden an verschiedene Orte in Osteuropa, wonach man nichts mehr von ihnen hört, so wurde es heute hier von der britischen Sektion des Weltjudenkongresses geschildert, die Anklage erhob, daß die "volle Kraft" des Nazi- und antijüdischen Terrors sich jetzt in Frankreich konzentriere.

Gestützt auf Berichte aus erster Hand, die von einem prominenten französischen Juden stammten, der in ein neutrales Land entkommen war, erklärte der Kongreß, der letzte "Konvoi" habe Frankreich am 20. Febr. verlassen. Er umfaßte 3.000 Juden aller Schichten und Altersgruppen, und alles, was darüber bekannt geworden ist, war, daß das schließliche Fahrtziel irgendwo im Osten liegt.

Mitte Februar, so setzt der Kongreß hinzu, habe die Gestapo eine Haussuchung im Hauptquartier der General-Union Französischer Juden in Lyon vorgenommen, das gesamte Personal verhaftet, es in das Konzentrationslager Drancy überführt und es seither ebenfalls in irgendein "Vernichtungslager" der anderen Seite Europas abtransportiert.

Reitlinger erzählt uns (S. 327), daß zwar weniger als ein Zehntel der aus Frankreich deportierten Juden die französische Staatsan-

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gehörigkeit besaß. Mit seinen Zahlen, d.h. vielleicht 5.000 der 40.000 französischen Juden deutet er an, daß die 5.000 sich vielleicht freiwillig zur Arbeit gemeldet haben oder genau genommen "Politische" oder Partisanen waren. [32]

12. April 1943, S. 5

Nazis merzen Ghettos in zwei polnischen Städten aus. London, 11. April (AP) - Die polnische Telegraphen-Agentur sagte heute abend, die Deutschen hätten das Ghetto in Krakau in einem dreitägigen Massaker, das am 13. März begann, ausgemerzt, auch hätten sie das Ghetto in Litzmannstadt liquidiert. Das Schicksal der Juden im letzteren Ghetto sei unbekannt, doch die Agentur sagte, man glaube, sie seien auch getötet worden.

20. April 1943, S. 11

2.000.000 Juden ermordet

London, 19. April (Reuter) - 2 Millionen Juden sind vernichtet worden, seit die Nazis ihren Marsch durch Europa 1939 begonnen haben und 5 weiteren Millionen droht die Gefahr der Hinrichtung. Diese Zahlen sind in dem sechsten vom Inter-Alliierten Informationsausschuß herausgegebenen Bericht über die Zustände in den besetzten Gebieten enthüllt worden.

In dem Bericht heißt es, tödliches Gas und Erschießungen gehörten zu den zur Vernichtung der Juden angewandten Methoden.

20. April 1943, S. 11

Auf Rettung der Juden gedrängt

Die Jewish Agency (Jüd. Agentur) für Palästina drängte in einem an die Flüchtlingskonferenz auf Bermuda gestern gerichteten Memorandum darauf, es müßten sofortige Rettungsmaßnahmen für die 4.000.000 Juden eingeleitet werden, die man als noch lebend in den nazi-besetzten Ländern einschätzt. Die Agentur, geleitet von Dr. Chaim Weizmann, wird im Mandat für Palästina als Körperschaft anerkannt, um die Regierung von Palästina zu beraten und mit ihr im Hinblick auf die Einrichtung der jüdischen Nationalheimstatt zusammenzuarbeiten.

In dem Memorandum wird erklärt, daß, sollte die bekanntgegebene Politik des Feindes weiterhin unkontrolliert bleiben, es nicht unmöglich sei, daß zu dem Zeitpunkt, an dem der Krieg gewonnen sein werde, der größte Teil der jüdischen Bevölkerung Europas vernichtet sein wird.

25. April, S. 19

Schwache Hoffnung für die Opfer der Achse gesehen

Extra Kabel an die New York Times

Hamilton/Bermuda, 24. April. - Unter Kriegszeitbedingungen ist eine Umsiedlung von Flüchtlingen im großen Stil unmöglich, und weder die Vereinigten Staaten noch Großbritannien - allein oder gemeinsam - können beginnen, das Flüchtlingsproblem zu lösen. Die beiden konkreten Eindrücke haben sich nach fast einer Woche der Erörterungen des Flüchtlingsproblems durch die amerikanischen und britischen Delegationen hier herausgeschält.

Da fast alle Juden außerhalb des europäischen Kontinents, vor allem jene in den USA, die Vernichtungsbehauptungen glaubten, übten sie politischen Druck aus, der zur Konferenz auf Bermuda führte. Man glaubte zu Recht [33], daß die "Nazis" die Auswanderung der Juden (unter angemessenen Bedingungen) aus Europa wünschten, und dies versetzte die britische und amerikanische Regierung angesichts der Propagandagrundlage - für ihren Krieg - in eine unangenehme Lage, die dazu zwang, ständig doppelzüngig herumzureden. [34] Wir haben den Streit zwischen dem Außenmi-

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nisterium und dem Schatzamt in dieser Hinsicht geschildert. Die Briten hatten zu diesem Zeitpunkt nicht die Absicht, Palästina zu öffnen, und die Briten wie Amerikaner gedachten nicht, mitten im Krieg die Hilfsmittel für massive Operationen bereitzustellen, die aus Gründen unternommen wurden, die nur insoweit gültig gewesen wären, wie ihre Propaganda ernstgenommen wurde. Kein normal denkender Staatsmann glaubt seine eigene Propaganda. Dieses ist das Dilemma, vor das sich J. Breckenridge Long und andere Beamte des State Department gestellt sahen.

Ein anderer Punkt, der hier festgehalten werden muß, ist der, daß die 6-Millionen-Zahl ihren Ursprung offenbar in der Propaganda von 1942-1943 hat. Eine Prüfung der Frage zum Entstehen der 6 Millionenzahl könnte leicht zu dem Schluß führen, daß sie im IMT entstanden sei, als die Anklageschrift eine Zahl (aufgestellt vom Weltjudenkongreß) von 5.721.800 "vermißter" Juden erwähnte und Wilhelm Höttl vom SD eine eidesstattliche Erklärung - 2738-PS - unterzeichnete und damit behauptete, er habe die Zahl "6 Millionen" von Eichmann. Höttl zufolge hatte Eichmann sein Budapester Büro in niedergedrückter Stimmung aufgesucht, weil er überzeugt war, daß der Krieg verloren sei, und befürchtet, daß die Alliierten ihn als einen Hauptkriegsverbrecher bestrafen würden. Dann habe er erklärt - ohne Anwesenheit anderer Zeugen -, daß 4 Millionen in Vernichtungslagern getötet worden seien und daß 2 Millionen den Tod auf verschiedene andere Weise gefunden hätten, hauptsächlich durch Erschießen von Seiten der Einsatzgruppen in Rußland.

Die 6-Millionenzahl scheint erstmals in Rabbi Goldsteins Erklärung vom 13. Dezember 1942 aufzutauchen, der dann die Darstellung vom 20. Dezember in gleicher Richtung folgte, in der eine Zahl von 7 Millionen herausgestellt wurde, die in Gefahr seien, vernichtet zu werden und nicht die in der Goldstein-Erklärung angedeuteten 6 Millionen.

Doch das Aufscheinen der Vernichtungsbehauptung "Zwei Millionen getötet - 4 (oder 5) noch zu töten" in den Berichten über öffentliche Ereignisse vom 2. und 10. März 1943 muß ernster genommen werden. Weitere Informationen über die letztere Affaire kann einer Anzeige entnommen werden, die am 10. März (N.Y. Times, S. 10) vom "Ausschuß für eine Jüdische Armee von staatenlosen und palästinensischen Juden" unter dem Vorsitz von Senator Johnson von Colorado erschien. In der Anzeige wird die gleiche Vernichtungsbehauptung aufgestellt (2 Millionen getötet, 4 Millionen werden noch getötet). Zu Förderern dieser Organisation gehörten zahlreiche Kongreßmitglieder und andere Prominente. Eine weitere ganzseitige Anzeige derselben Organisation am 16. Febr. 1943 (S. 11) führt 2 Millionen Getötete und 4 weitere Millionen noch zu Tötender auf (dort wird auch behauptet, daß jene Araber, die sich der jüdischen Masseneinwanderung nach Palästina widersetzten, Nazi-Agenten seien). Die beiden Berichte vom 20. April deuten einen ziemlich weitverbreiteten Gebrauch der Vernichtungsbehauptung in Form von den 2 Millionen Getöteten und den 4 (oder 5) noch zu Tötenden Anfang 1943 an.

Wir sehen also einen sehr weitläufigen Gebrauch der 6 (oder 7) Millionenzahl, lange vor Kriegsende, bei dem politischen "Establishment", das die Anklagen in Nürnberg formulierte. So glaube ich,

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können wir die Propaganda von Ende 1942/Anfang 1943 als den Ursprung der 6-Millionenzahl annehmen. Das völlige Losgelöstsein jener Zahl von allen wie immer wahren Tatsachen spiegelt sich wider in Reitlingers ausgefeilten Entschuldigungen für seine Ansicht, daß er sich nur auf 4,2 bis 4,6 Millionen Juden festlegt, fast alle aus Osteuropa, die im Zweiten Weltkrieg umgekommen seien, wovon ein Drittel an "Überarbeitung, Seuchen, Hunger und Elend" gestorben sei. [35] Doch sind Reitlingers Zahlen gleichermaßen fast losgelöst von allen wirklichen Fakten.

Keineswegs ist erstaunlich, daß sich jemand nach dem Krieg gefunden hat, um in Nürnberg zu erklären, daß die Propagandazahl zutreffend sei. Höttl war in der Tat eine angemessene Wahl, da er einer von jenen stereotypen "Diensttuenden" war, an denen die Welt des Nachrichtendienstes krankt. Geboren 1915 trat er 1938 in den SD ein und erwarb sich bald einen Ruf, amtliche mit persönlichen Geschäften zu verbinden. Er tat sich mit einer befreundeten polnischen Gräfin zu Geschäften im polnischen Landbesitz zusammen, was 1942 zu einer SS-Untersuchung geführt hat. Der Untersuchungsbericht bezeichnete ihn als "unredlich, ränkeschmiedend, kriecherisch ... ein wahrer Schwindler" und schloß damit, daß er sich nicht einmal für die Mitgliedschaft in der SS eigne, ganz zu schweigen von einer so empfindlichen Organisation wie dem SD. Dementsprechend wurde er zum Mannschaftsgrad degradiert. Doch die dann Anfang 1943 folgende Berufung seines österreichischen Landsmannes und Wiener Bekannten Kaltenbrunner zum Leiter des Reichssicherheitshauptamtes scheint sein Geschick gewendet zu haben. Er stieg bis zum Kriegsende in den Rang eines Obersturmbannführers auf und spielte in der Auslandabwehr eine verantwortliche Rolle. Nach dem Krieg arbeitete er bis 1949 für den US-Abwehrdienst, indem er Ex-SS-Leute als Informanten aufstellte. Es heißt, er habe es geschafft, diese Aufgabe ziemlich lukrativ zu gestalten. Nach 1949 tauchte er in dem Schlangenpfuhl der Wiener Politik des Kalten Krieges unter und unterhielt Verbindungen mit Neo-Nazis, Sowjetagenten und nahezu jedem anderen. Eine besonders enge Beziehung hatte er mit einem Sowjetagenten Kurt Ponger, einem naturalisierten US-Bürger, den er kennengelernt hatte, als Ponger noch Übersetzer beim IMT war (Kurt Ponger, die gleiche Person wahrscheinlich, war außerdem Anwalt der Anklage in Fall 4 - NMT). Höttl geriet beim Verber-Ponger Spionage-Fall von 1953 in Verdacht und wurde von US-Dienststellen im März in Wien verhaftet, aber wenige Wochen später wieder entlassen. Mitte der fünfziger Jahre veröffentlichte er zwei Bücher über seine Kriegserlebnisse (unter dem Pseudonym Walter Hagen). Im Jahre 1961 unterschrieb er der Anklagevertretung für den Eichmann-Prozeß eine eidesstattliche Erklärung (im wesentlichen die gleiche wie seine IMT-Erklärung). [36]

Verfasser meiner Richtung haben geschrieben, daß Höttl im Krieg ein Agent der Alliierten gewesen sei. Das trifft nicht zu. Das einzig Zutreffende an dieser Behauptung ist, daß Höttl gegen Ende des Krieges in Kontakt mit Allen Dulles vom OSS (Office of Strategie Service, einem amerikanischen Auslandsnachrichtendienst) in der Schweiz gestanden hatte. Dies aber war ein Teil seiner Aufgabe; das Reichssicherheitshauptamt war mit dem Versuch befaßt, eine günstige Beendigung der Feindseligkeiten zu

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Abb. 10 : Massengrab in Belsen

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erreichen, und Höttl ist einer jener gewesen, der mit den westlichen Alliierten in geheimer Verbindung stand. Ohne Zweifel haben viele dieser Abwehroffiziere während der letzten Kriegswochen zu handeln begonnen, wobei sie ihr persönliches Interesse im Auge hatten. Auch wäre Höttl zu diesem Zeitpunkt des Krieges hocherfreut gewesen, als Agent der Alliierten eingereiht zu werden, und hätte dafür Dulles vielleicht freiwillig einige Gefälligkeiten erwiesen. Jedoch bieten diese Kontakte nicht mehr Beweise dafür, daß Höttl Agent der Alliierten gewesen ist, als dafür, daß Dulles Agent der Achse war (von Dulles sagt man sogar, daß er seine Gespräche mit antisemitischen Bemerkungen gewürzt habe, wenn er versuchte, das Vertrauen einiger deutscher Kontaktleute zu gewinnen. [37] Wenn Höttl Agent der Alliierten gewesen wäre, dann hätte er sich damit in einem seiner Bücher sicherlich gebrüstet ("Die geheime Front" und "Hitlers Papierwaffe"), aber eine solche Behauptung hat er nicht aufgestellt. Die Einleitung zu "Die geheime Front" schrieb im übrigen Ian Colvin, der genausoviel wie andere darüber weiß; zu diesem Sachverhalt äußert er sich nicht.

27. April 1943, New York Times, S. 10

Norwegische Deportierte sterben

Stockholm/Schweden, 26. April (ONA) - Laut heutigen Berichten aus Oslo sind die meisten norwegischen jüdischen Frauen und Kinder, die aus dem Land deportiert worden sind, ... an Hunger gestorben.

Deportierten-Transporte, die Oslo im November und Februar verlassen haben, wurden zu ihrem letzten Bestimmungsort im schlesischen Kohlenrevier um Kattowitz verbracht ...

3 Mai 1943, S. 12

England macht sich a