1. Unfaßbare polnische Greueltaten

Mitte August 1939 begannen in Polen die vorbeugenden Verhaftungen deutscher Menschen. Am 24. August wurden acht Volksdeutsche, die verhaftet worden waren, „auf dem Transport erschossen!" (Jong, L. D.: „Die Deutsche 5. Kolonne im 2. Weltkrieg".) Das deutsche Weißbuch Nummer zwei stellt die polnischen Übergriffe dieser Zeit fest und notiert exakt die Ergebnisse der deutschen Proteste und Gegenmaßnahmen.

Im Dokument Nr. 396 heißt es lapidar: „Immer wieder stellt sich heraus, daß die Behörden selber die Träger der Liquidationsprozesse sind."

Die blutigen Ausschreitungen der halboffiziellen polnischen Patriotenverbände, denen 5 000 Deutsche zum Opfer fielen, wurden von Warschau aus nicht eingedämmt.

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„Mitte August 1939 waren 75535 Volksdeutsche ins Reich geflohen. Insgesamt hatten die Volksdeutschen kurz vor und nach Kriegsbeginn etwa 20000 Tote zu beklagen, von denen 12500 namentlich identifiziert werden konnten." (Seraphim, Maurach und Wolfrum: „Ostwärts von Oder und Neiße".)

Diese Menschen wurden ohne jeden Grund und ohne jedes Gerichtsurteil gefoltert, niedergemetzelt, erschlagen oder erstochen und vorher auch noch bestialisch verstümmelt. Es waren also vorsätzliche Mörder, denen sie zum Opfer fielen.

Die Mehrzahl dieser Morde wurde durch polnische Soldaten, Polizisten und Gendarmen verübt. Aber auch Zivilisten, unter ihnen Gymnasiasten und Lehrlinge haben daran mitgewirkt. (Jahn, H. E.: „Pommersche Passion".)

Infolge dieser polnischen Übergriffe und des ständig stärker werdenden Terrors verließen über eine Million Deutsche die Provinzen Posen und Westpreußen. Solche Fälle tauchten zu Tausenden vor Gericht oder in den Petitionen auf, die bis zum Jahr 1934 dem Völkerbund zugingen. Dann sagte sich Polen vom Minderheitenschutzabkommen einseitig los und konnte blindlings verbannen, enteignen und vertreiben, ohne sich verantworten zu müssen.

Zu allem Überfluß aber verlangte der polnische Staat diesen Getretenen gegenüber noch „patriotische Haltung und Loyalität", was natürlich jedem gesunden Menschenverstand widersprach. Durch diese polnischen Handlungen und Forderungen gegenüber deutschen Menschen, die bis zum Versailler Vertrag keiner Minderheit angehörten, sondern erst durch den Gebietsraub zur Minderheit gemacht worden waren, entstand bzw. erweiterte sich der bereits vorhandene Teufelskreis. Schließlich sollte diese einseitige Mißachtung des Minderheitenschutzabkommens des Völkerbundes durch Polen dessen Untergang bedeuten.

Hitler, der gehofft hatte, durch den Abschluß des Nichtangriffspaktes und Freundschaftsvertrages mit Polen den Deutschen im abgetrennten Osten des Vaterlandes einigen Schutz zu verschaffen, sah sich getäuscht.

Mit Kriegsbeginn wurden die Volksdeutschen in Polen zu den ersten Kriegsopfern. Nach den seit Jahren vorbereiteten Listen wurden zwi-

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sehen 15000 und 20000 Menschen zum Teil durch Staatsorgane ins östliche Polen verschleppt. Man sah in ihnen eine Art „Fünfte Kolonne", wie dies in polnischen Zeitungen immer wieder vorgebracht wurde. Mehr als 5 000 Volksdeutsche wurden in den ersten Kriegstagen ermordet.

Insbesondere in einer polnischen Stadt spielten sich wahre Schreckensorgien ab: In Bromberg. Der dortige Blutsonntag, gemeint ist der 3. September 1939, sah entsetzliche Massenmordszenen. Doch nicht nur in Bromberg, sondern in vielen anderen Orten der Provinzen Posen, Pommerellen und dort, wo deutsche Minderheiten lebten, geschah das gleiche.

Unmittelbar nach dem Einmarsch deutscher Truppen in Bromberg wurde der ganze Abgrund der Massenmorde bekannt. Diese Kenntnis veranlaßte die soeben ins Leben gerufene Wehrmachtsuntersuchungsstelle zur Entsendung des Generalrichters Dr. Hans Bötticher mit einer Gruppe von Kriegsgerichtsräten nach Polen. Sie hatten Weisungen, die Bluttaten zu untersuchen und zu diesem Zweck Vernehmungen durchzuführen sowie Zeugen zu befragen.

In Bromberg, das schälte sich nach einigen Befragungen bereits heraus, hatten sich grauenhafte Szenen abgespielt. Doch nicht nur dort, sondern in ganz Posen, im Pommerellen und Oberschlesien ebenso. In Bromberg wurden zu den Morden 593 Zeugen vernommen. Ihre Protokolle des Grauens sind im Aktenbestand des Bundesarchivs/Militärarchivs zu Freiburg i. Brg. nachzulesen.

Vielfach wird über die Zahl der ermordeten Volksdeutschen diskutiert. Man darf den Zahlen von A. Schickel Glauben schenken, der rund fünftausend bis sechstausend Tote angibt. Auch der polnische Historiker Janusz Piekalkiewicz („Polenfeldzug", Seite 94 f.) nennt eine Zahl von fünftausend bis sechstausend ermordeten Volksdeutschen. Deutsche Quellen von 1939 geben für die Zeit vom 31. August bis 17. September eine Zahl von fünftausendvierhundertsiebenunddreißig Toten unter den Volksdeutschen an. (Auswärtiges Amt, „Die polnischen Greueltaten . . .", Seite 346.)

Polen gab sogar selbst die Täterschaft am „Bromberger Blutsonntag" zu, als am 9. September 1939 der polnische Sender in Wilna die Warschauer Bevölkerung aufforderte, sich ein Beispiel an den Bromberger

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Mördern der Deutschen zu nehmen und im Kampf gegen die Deutschen alle erdenklichen Mittel anzuwenden. Bromberg wurde am 6. September 1939 von der Deutschen Wehrmacht eingenommen, das übrige früher deutsche Gebiet bis zum 12. September 1939. In den Tagen davor geschahen die Massenmorde. (Meldung in „Deutsche Rundschau", fr. „Bromberger Tageblatt" vom 12. September 1939.) Der amerikanische Völkerrechtler und Historiker Alfred M. de Zayas, New York, hat unter Mitwirkung von Walter Rabus, Amsterdam, aus den Ermittlungen über Völkerrechtsverletzungen unter anderem festgehalten: „Bei den Haussuchungen in Bromberg wurden zunächst von den polnischen Soldaten und dem Mob sämtliches Geld und Wertsachen gestohlen, die deutschen Wohnungen auch sonst geplündert und völlig verwüstet."

„Die Männer der Familie . . ., vom dreizehnjährigen oder gar zehnjährigen Jungen bis zum siebzig- oder achtzigjährigen Greis, wurden in fast allen Fällen in viehischer Weise umgebracht. . . Zumeist wurden die Ermordeten mit Brechstangen, Seitengewehren, Gewehrkolben, Knüppeln derart zusammengeschlagen, daß ihre Gesichter bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt wurden ... In anderen Fällen mußten sie die Ermordung der Angehörigen ansehen, um dann selbst als Opfer erschlagen oder erschossen zu werden." „Bei Tarlowa, in der Nähe von Kolo, hat das polnische Militär auf eine große Anzahl Volksdeutschen geradezu eine Treibjagd mit Maschinengewehren veranstaltet. Man fand einhundertdreißig Tote, die nach den Zeugenaussagen wie die Hasen bei einer Treibjagd über ein Feld verstreut waren." (de Zayas, „Die Wehrmacht-Untersuchungsstelle", unveröffentlichte Akten über alliierte Völkerrechts-Verletzungen im Zweiten Weltkrieg.)

Warum fanden gerade am 3. September so viele Morde statt? Antwort: Es war der Tag der englischen und französischen Kriegserklärung an das Deutsche Reich. Die Polen gerieten in einen Freudentaumel und glaubten im Ernst, daß es England um die Erhaltung des polnischen Staates ginge!

All dieser Haß und die tiefe Feindschaft zu den Deutschen ist nur mit dem polnischen Chauvinismus zu erklären. Kurz nach der Wiedergründung des polnischen Staates begannen die Polen sofort mit

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Kriegs Vorbereitungen! Krieg gegen Rußland (1920/21), drei Aufstände (1919, 1920 und 1921) in Oberschlesien gegen Deutschland, Krieg gegen die Ukraine und gegen Litauen, Unterdrückung der deutschen Minderheit in ihrem Machtbereich.

Ein Beispiel für die übermütig-aggressive Haltung der Polen ist das Telegramm der Vereinigten Deutschen Volksräte der Westkreise Posens vom 12. Februar 1919 an die Deutsche Nationalversammlung in Weimar: „Die Bevölkerung der fast rein deutschen Westkreise der Provinz Posen sieht mit bangen Sorgen polnische Banden bereits innerhalb ihrer Grenzen wüten . . . täglich fließt deutsches Blut unter viehischen Rohheiten der Polen." Gustav Stresemann hatte schon 1925 vor dem Deutschen Reichstag über die Austreibung von Deutschen aus Polen geklagt und deren Geist des Hasses beklagt. (A. Schickel, „Deutsche und Polen", Seite 170 und 189.) Neben Bromberg wurden auch in der Gemeinde Schepanowo achtundvierzig Volksdeutsche erschossen. Von Thorn aus wurden einige tausend Deutsche auf dem Internierungsmarsch (sog. „Todesmärsche") über Alexandrowo und Kutno nach Warschau geschafft, darunter auch ein Kind von vier Jahren. Dieser Marschweg war 350 Kilometer lang. Verpflegung und Wasser gab es nur in Ausnahmefällen. Der Transportführer dieses Trecks verlor unterwegs ungezählte Menschen, die im Straßengraben umkamen oder einfach erschossen wurden. Der Mörder war der berüchtigte polnische Hauptmann Drzewieke, der persönlich liegenbleibende Frauen durch Genickschuß oder Stiefeltritte ins Jenseits schickte. Er wurde dafür vom polnischen Staat hoch dekoriert. 200 Menschen kamen allein auf diesem Marsch ums Leben. Auch sie „auf einer Wanderschaft"? (In seiner Rede vor dem Deutschen Bundestag anläßlich der vierzigsten Wiederkehr des 8. Mai 1945 bezeichnete der Bundespräsident Richard von Weizsäcker die Vertreibung der fünfzehn Millionen Ostdeutschen aus ihren Heimatgebieten als „erzwungene Wanderschaft".) Sie wurden erstochen und erschlagen, erschossen und auch einfach ohne jeden Skrupel sterbend dort zurückgelassen, wo sie zu Boden fielen.

Polens Massenwahn, man könnte die Vernichtung dieser Menschen dadurch verheimlichen, daß die polnische Armee binnen weniger

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Tage bis nach Berlin marschieren würde, um im „Grunewald" den Sieg über die verhaßten Deutschen zu feiern, erwies sich als - Wahn. In einem Feldzug, der nur achtzehn Tage dauerte, wurden Polens Armeen zerschlagen, der polnische Größenwahn, der nicht starb, mußte bis 1945 warten. Allein der Versuch, die Spuren dieser Verfolgung, Entführung und der Morde zu vertuschen, erwies sich als undurchführbar.


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