XII. „Katyn" und andere Massenmorde

Nachdem die Deutsche Wehrmacht Polen praktisch besiegt hatte, griffen die Sowjets am 17. September 1939 Polen an. Am 6. Oktober kapitulierten die letzten polnischen Einheiten, damit war der Polenfeldzug für alle Seiten beendet. Man kennt genau die deutschen Verluste und die Zahl der polnischen Gefangenen, die ins deutsche Reichsgebiet kamen.

Die Frage aber, wie viele polnische Gefangene nach Rußland deportiert wurden, kann nur geschätzt werden. Molotow gab bekannt, daß die Sowjets 230670 Polen entwaffnet hätten (Dahms, Seite 25 und 107). Mackiewicz gibt etwas höhere Zahlen an. Der sowjetische „Rote Stern" schrieb am 17. September 1940, daß unter anderem zwölf polnische Generäle, achtundfünfzig Oberste, zweiundsiebzig Oberstleutnants und neuntausendzweihundertsiebenundzwanzig weitere Offiziere von den Sowjets gefangengenommen worden seien (Ciechanowski). Die große Frage ist: Was geschah mit diesen Offizieren und Soldaten (und Zivilpersonen)?

Die polnische Exilregierung in Paris (nach Frankreichs Niederlage in London) suchte unter General Sikorski nach den in Rußland gefangengehaltenen Offizieren und Soldaten und trug ausführliche Nachrichten und genaue Einzelheiten zusammen. Die Masse der polnischen Offiziere, Polizei und Militärpolizei wurde in drei großen Lagern in der Ukraine zusammengefaßt: ca. 4000 Mann in Starobielsk ca. 4 500 Mann in Kozielsk und

ca. 6500 Mann in Ostaschkow, insgesamt rund 15000 Mann, vorwiegend Offiziere (Mackiewicz).

Die Lage änderte sich nach Beginn des Ostfeldzuges. Der Ribbentrop-Molotow-Pakt wurde von der Sowjetunion außer Kraft gesetzt, und sämtliche Polen, die in der Sowjetunion gefangen waren, fielen unter eine Amnestie. Nur die oben erwähnten 15000 Mann waren nirgends

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aufzufinden. Zahlreiche diplomatische Gespräche zwischen Sowjets und Exilpolen wurden geführt, Briefe und Noten gingen hin und her. Am 1. Dezember 1941 reiste General Sikorski nach Moskau, um mit Stalin und Molotow zu sprechen. Er erhielt keine befriedigende Auskunft nach dem Verbleib der 15000 Gefangenen, nachdem auf einen in der ganzen Welt verbreiteten Aufruf sich kein einziger der Vermißten gemeldet hatte. Stalin äußerte die Vermutung, daß sie vielleicht in Richtung Osten, in die Mandschurei, geflohen sein könnten. Aus den drei genannten Lagern waren fast alle Insassen abtransportiert, und es fehlte jede Spur von ihnen. Auch ihr Briefwechsel mit ihren Angehörigen war im Frühjahr 1940 abgebrochen. Am 13. April 1943 gab es eine Sensation! Der Großdeutsche Rundfunk berichtete, daß in einem Wald bei Smolensk (auch Katyn-Wald genannt) Gruben mit Tausenden von Leichen polnischer Offiziere entdeckt worden seien. Alle waren durch Genickschuß getötet worden, einigen waren die Hände auf dem Rücken gefesselt. Wenige Wochen später kam auf deutsche Einladung - das Internationale Rote Kreuz hatte abgelehnt - eine internationale Kommission von Gerichtsmedizinern nach Katyn, darunter auch der bekannte Schweizer Professor Dr. Naville aus Genf. Die Kommission hatte zwölf ausländische Mitglieder aus verschiedenen Ländern, aus Deutschland war Professor Dr. Buhtz-Breslau anwesend. Vom Polnischen Roten Kreuz waren führende Vertreter eingeladen und erschienen. Alle konnten sich frei bewegen und ungestört ihre Untersuchungen durchführen.

Als Ergebnis kam zu Tage, daß die polnischen Offiziere alle aus dem Lager Kozielsk bei Orel stammten, daß zahlreiche Briefe, Postkarten, Tagebuchnotizen und Ähnliches gefunden wurden, die mit dem Monat April 1940 aufhörten. Zu jener Zeit war der Wald von Katyn noch in russischem Besitz (der Rußlandfeldzug begann erst am 22. Juni 1941). Aus zahlreichen gerichtsmedizinischen Befunden ging eindeutig hervor, daß die gefundenen Leichen mindestens drei Jahre im Massengrab lagen. So haben unabhängig voneinander alle Gerichtsmediziner entschieden. Die Ermordungen mußten also lange vor Beginn des Rußlandfeldzuges erfolgt und können daher nur von den Sowjets durchgeführt worden sein. Im Laufe der Zeit (einige Monate)

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wurden viertausenddreihundertfünfzig (aufgerundete Zahl) Leichen gefunden, die meisten konnten identifiziert und registriert werden. Die Sowjets protestierten und logen die Morde von Katyn in ein deutsches Verbrechen um. Sie übernahmen auch die (falsche) Zahl der deutschen Propaganda von zehntausend bis zwölftausend Leichen und behaupteten einfach elftausend Tote. Das enthob die Sowjets der peinlichen Fragen, wo denn die anderen Offiziere aus den Lagern Starobielsk und Ostaschkow zu finden seien.

Die UdSSR benutzte die Gelegenheit 1943, die diplomatischen Beziehungen zur polnischen Exilregierung in London abzubrechen, wo später ein Denkmal von Polen zur Erinnerung an den Mord durch die Sowjets errichtet wurde. Dagegen errichteten die Sowjets (und Polen) in niederträchtiger Weise 1985 auf dem Warschauer Militärfriedhof Powatzki ein dreieinhalb Meter hohes Granitkreuz mit der geschichtsfälschenden Inschrift: „Den polnischen Soldaten, die Opfer des Hitler-Faschismus wurden und in der Erde von Katyn ruhen." Die Inschrift mußte Ende März 1989 entfernt werden, nachdem in Polen offen über die sowjetische Schuld gesprochen worden war. („Stuttgarter Nachrichten" vom 1. April 1989.)

Den Gipfelpunkt der Lügenhaftigkeit erklomm die Nürnberger Rachejustiz (der Begriff „IMT" = Internationales Militär-Tribunal ist ein Etikettenschwindel, da es weder ein internationales Gremium noch ein Gerichtshof, sondern ausschließlich eine interalliierte Siegerabsprache war): Die Morde von Katyn wurden zunächst Deutschland angelastet, während die wahren Mörder am „Richtertisch" saßen. Man konnte 1945/46 aber den Deutschen keine Schuld nachweisen, und deshalb verschwand das Thema allmählich aus den Vorwürfen der Nürnberger Rachejustiz. In ihrem Urteil findet sich dann auch kein Wort mehr davon. Im Winter 1945/46 wurde in Leningrad mehreren deutschen Offizieren als angeblich für die Katyn-Morde Verantwortlichen der Prozeß gemacht, worüber die sowjetische Agentur „Tass" am 30. Dezember 1945 berichtete. Zum Tode durch den Strang wurden verurteilt Karl Hermann Strüffling, Heinrich Remmlinger, Ernst Böhm, Eduard Sonnenfeld, Herberd Janike. Erwin Skotki und Ernst Geherer. Zwanzig beziehungsweise fünfzehn Jahre Zwangsarbeit erhielten Erich Paul Vogel, Franz Wiese und Arno Diere.

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Wie sehr die Westalliierten trotz besseren Wissens die sowjetische Lüge im Rahmen der Umerziehung unterstützten und den Mord an den unschuldigen Deutschen Offizieren billigten, beweist ein Artikel in den „Nordwest-Nachrichten". Herausgegeben von den britischen Militärbehörden vom Freitag, dem 4. Januar 1946 (2. Jahrgang Nr. 1) auf der Titelseite. Dort heißt es unter der Überschrift „So war Katyn. Massenmord als Naziverbrechen in Polen aufgedeckt": Die Nazischuld an dem Massenmord von Katyn wurde von einem deutschen Offizier vor dem Leningrader Gerichtshof zugegeben. Aus einer Gruppe von deutschen Offizieren, die in Leningrad unter der Anklage des Kriegsverbrechens vor Gericht stehen, beschrieb der Angeklagte Düre, wie russische Frauen, Kinder und Greise von den flüchtenden deutschen Truppen ermordert wurden und erklärte, daß dabei im Wald von Katyn fünfzehntausend bis zwanzigtausend Menschen, darunter polnische Offiziere und Juden, von den deutschen Truppen erschossen und begraben wurden." Unter der Zwischenüberschrift „Ein durchsichtiges Märchen" heißt es dann weiter: „Deutsche Stellen hatten am 12. April 1943 behauptet, daß deutsche Truppen die Massengräber von Katyn entdeckt hätten und beschuldigten die russische Geheime Staatspolizei, diese Abscheulichkeit nach dem sowjetischen Einmarsch in Ost-Polen 1939 begangen zu haben." So wurde damals die Wahrheit, die man auch in London schon genau kannte, auf den Kopf gestellt, um die Deutschen zu belasten. Selbst vor Morden scheuten die Alliierten nicht zurück, um die Lüge von Katyn möglichst lange aufrechtzuerhalten. (Franz Kardell, in „Die Welt" vom 19. Mai 1990.) Der polnische Exil-Ministerpräsident Sikorski, der sich bei Stalin nachhaltig nach dem Verbleib der Tausende polnischer Offiziere erkundigt hatte und die Briten zur Anerkennung der Wahrheit drängte, kam bei einem bis heute ungeklärten Flugzeugabsturz am 4. Juli 1943 bei Gibraltar ums Leben, der wahrscheinlich von einem Geheimdienst ausgelöst wurde. Der tschechische Pilot konnte sich retten. (So äußerte sich der US-Unterstaatssekretär Sumner Welles: „Das war bestimmt Sabotage!" zitiert bei Franz Kardell, „Die Katyn-Lüge", a. a. O., Seite 137.) Der vom Warschauer Justizministerium mit der Aufklärung von Katyn beauftragte und fündig gewordene polnische Rechtsanwalt

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Roman Martini wurde 1947 in seiner Krakauer Wohnung ermordet. Seine Mörder wurden zwar gefaßt, konnten aber aus dem Krakauer Gefängnis entkommen. Der Russe Krivozhertzov, der die Deutschen 1943 auf das Massaker von Katyn hingewiesen hatte, und nach Kriegsende nach England geflohen war, wurde Ende 1947 bei Bristol erhängt aufgefunden, angeblich „Selbstmord". Der rumänische Gerichtsmediziner Prof. Dr. Vasiliu, der 1943 der internationalen Kommission angehört hatte, die auf Einladung deutscher Stellen die Massengräber von Katyn untersucht hatte und zu dem Ergebnis gekommen war, daß die Erschießungen spätestens im Jahr 1940 und damit - weil die Deutschen erst 1941 nach Rußland einmarschierten - von den Sowjets vorgenommen waren, wurde 1948 verhaftet und kam in einem rumänischen Lager um. Andere Zeugen retteten ihr Leben nur durch einen Widerruf.

Bezeichnend ist, daß eine Dokumentation des polnischen Roten Kreuzes von 1943, wonach das Katyn-Massaker eindeutig ein Sowjet-Verbrechen sei, in einem britischen Archiv als „Top secret" (höchst geheim) gekennzeichnet und verborgen war, bis es der polnische Historiker Wladimierz Kowalski 1989 dort fand und noch im selben Jahr in der polnischen Wochenzeitung „Odrodzenie" veröffentlichte. („FAZ" vom 17. Februar 1989, „Die Welt" vom 17. Februar 1989 und 19. Mai 1990.)

Nach einem Bericht der polnischen Exilregierung aus London haben polnische Arbeiter, die an einer Erdgasleitung in der Nähe der sowjetischen Stadt Orenburg (zwischenzeitlich Tschkalow) am Ural-Fluß arbeiteten, bei Schachtarbeiten eine Anzahl Leichen von polnischen Offizieren entdeckt. Die grausige Entdeckung geschah aufgrund eines Hinweises eines älteren Sowjetbürgers. Nach dessen Angaben sollen an der Fundstelle die Leichen von insgesamt rund sechstausend polnischen Offizieren verscharrt worden sein. Dabei soll es sich um Angehörige der polnischen Armee handeln, die 1939 in sowjetische Gefangenschaft gerieten und 1940 aus dem NKWD-Lager Starobielsk westlich von Charkow spurlos verschwanden. Die polnischen Arbeiter, die an der Entdeckung der Skelette unmittelbar beteiligt waren, wurden von den sowjetischen Sicherheitsbehörden in ihre Heimat abgeschoben. („Deutschland Journal", vom Oktober 1980.)

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Schon früher war von einer Schuldzuweisung für Katyn in einer Äußerung Chruschtschows berichtet worden: „Stalin ist ohnehin für so viele Verbrechen verantwortlich, da wird er das auch noch verkraften können. Wie die Dinge liegen, weiß doch ohnehin jeder, wer es (das Katyn-Massaker) verübte, so daß es uns sowieso zugeschrieben wird, auch wenn wir unsere Schuld nicht offiziell eingestehen." („Deutschland Journal", Januar 1977.)

Anstatt sich an deutschen Regierungsstellen und Politikern ein Beispiel zu nehmen, die für „nicht" begangene deutsche Verbrechen reumütig für alle Zeiten die Schuld dem deutschen Volk aufbürden, streiten die Siegermächte jedwelche Schuld an Kriegs- und Nach-kriegsverbrechen, die in ihrem Namen und Machtbereich begangen wurden, kategorisch ab.

Offenbar ein Tatzeuge von Katyn, ein sowjetischer Major und späterer Lagerleiter in Workuta, hat im Zusammenhang mit dem Streik in Workuta im Juli 1953 seinen Gefangenen gedroht: „Ich werde euch nicht erlauben, eine Komission nach Moskau zu verlangen. Bis zu ihrer Ankunft habe ich euch schon lange in eurem eigenen Blut ertränkt, so wie ich die Herren Pans, die polnischen Offiziere von Katyn, ertränkt habe." Der alkoholsüchtige Major sprach über die Ermordung der polnischen Offiziere und, betrunken wie er war, beschimpfte er sie. Dabei bekannte er, daß er ihretwegen jetzt hier in den unwirtlichen Gegenden sei. Bevor er wegging, machte er darauf aufmerksam, daß hier das gleiche geschehen könne, da es für ihn eigentlich egal sei, ob zu seiner Tat von Katyn noch eine weitere von Workuta käme. (Johann Urwich-Ferry: „Ohne Paß durch die UdSSR", Seite 105.)

Anfang März 1989 wurde von polnischer Seite offiziell bekanntgegeben, daß der Mord an den über viertausend polnischen Offizieren in Katyn nicht von den Deutschen, sondern von den Sowjets unter Stalin durchgeführt worden sei. In Katyn an der Fundstelle der Leichen trägt ein aus Granitblöcken errichtetes Denkmal noch die wahrheitswidrige Inschrift auf Russisch und Polnisch: „Den Opfern des Faschismus - den polnischen Offizieren, die von Hitleristen im Jahre 1941 erschossen worden sind." („Frankfurter Allgemeine Zeitung" vom 4. April 1989.)

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Am 13. April 1990 gestand die amtliche sowjetische Nachrichtenagentur „Tass" endlich ein, daß die Ermordung von rund fünfzehn-tausend polnischen Offizieren im Jahre 1940 bei Katyn und anderenorts, eines der „furchtbarsten Verbrechen des Stalin-Regimes" und damit eine Schuld der Sowjets sei. Die „Moskau News" (Nr. 5, 1990), Gorbatschows Sprachrohr für den Westen, schrieb: „Die Wahrheit über das Massaker von Katyn. Dokumente bestätigen das, was die Sowjetregierung jetzt eingestanden hat: Am Tode von fünfzehntausend polnischen Offizieren ist der NKWD schuld", Stalins mörderischer Geheimdienst.

Die Historikerin und Mitarbeiterin des Instituts für allgemeine Geschichte der Akademie der Wissenschaften der UdSSR, Natalja Le-bedjewa, habe im Sonderarchiv der Hauptarchivverwaltung der UdSSR und im Zentralen Staatlichen Archiv der Sowjetarmee die entsprechenden Dokumente entdeckt. Datiert mit März 1941 sind die Dokumente unterschrieben vom berüchtigten Lawrentij Berija, Volkskommissar für innere Angelegenheiten der UdSSR. Obwohl die Tatsache der sowjetischen Schuld schon 1943 klar erwiesen und auch den Westmächten, insbesondere Churchill und Roosevelt, bekannt war, hieß es wahrheitswidrig 1945 in der Anklageschrift des Nürnberger Rachetribunals gegen Hermann Göring und andere Deutsche unter Punkt D: „Mord und Mißhandlung von Kriegsgefangenen und anderen Angehörigen" der Alliierten: „Im September 1941 wurden elftausend kriegsgefangene polnische Offiziere im Katyn-Wald in der Nähe von Smolensk getötet. Das deutsche Kommando und die Besatzungsbehörden, vornehmlich leitende Beamte der Polizei, der SS-Truppen und des Verbindungsstabes, befahlen in der Zeit von 1941 bis 1943 die Erschießung der Kriegsgefangenen." Und am 14. Februar 1946 trug der sowjetische Oberst Pokrowsky in Nürnberg als Vertreter der Anklage das entsprechende (gefälschte) „Dokument USSR-54" vor, worüber dann unter anderem am 11. Mai und 3. Juni 1946 in Nürnberg verhandelt wurde. (Heinrich Wendig, „Richtigstellungen zur Zeitgeschichte", Heft l, Seite 32 bis 35 und Heft 4, Seite 35 bis 37, Tübingen 1990.) (Hendrik van Bergh, „Die Wahrheit über Katyn".) Daß Briten und Amerikaner wider besseren Wissens der Moskauer Version von der Verantwortlichkeit für das Verbrechen von Katyn

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folgten und der deutschen Seite die Schuld zuschreiben ließen, kommentierte der Geheimbericht vom 24. Mai 1943 mit den unverblümten Worten: „Wir haben wahrhaftig den guten Namen Englands benutzt, wie die Mörder die kleinen Kiefern benutzten, um ihren Massenmord zu verdecken."

Die polnische Exilregierung unter Ministerpräsident Sikorski hielt dagegen die Sowjets für die Täter von Katyn, wurde aber von den britischen und amerikanischen Verbündeten veranlaßt, „im Interesse der Einheit der Alliierten gegenüber Hitler-Deutschland" ihre Schuldzuweisung nicht laut werden zu lassen. Nach dem Krieg wurde die polnische Regierung in Warschau von der Kreml-Führung in Moskau gezwungen, bis in die späten 80er Jahre hinein den Massenmord von Katyn weiterhin offiziell den Deutschen anzulasten. Erst 1990 gaben die Sowjetbehörden zu, daß die „vermißten polnischen Offiziere" vom sowjetischen Geheimdienst NKWD und nicht von den Deutschen umgebracht wurden. (Alfred Schickel, Zeitgeschichtliche Forschungsstelle Ingolstadt.)

So wurde Katyn zu dem am längsten abgeleugneten Kriegsverbrechen der jüngeren Geschichte. Nur die nachweislich unschuldig verurteilten und hingerichteten deutschen Soldaten müssen offenbar noch länger auf ihre posthume Rehabilitierung durch die Nachwelt warten. Oder will man dem Unterlegenen auch nach dem Tode und für alle Zeiten die ihm zustehende Gerechtigkeit vorenthalten?


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