Das Rudolf Gutachten auf http://www.vho.org/D/rga/rga.html


1.4. Sachentlausungskammern


Hier sind nur solche Anlagen interessant, in denen mit Zyklon B Sachentlausung betrieben wurde[101]. Solche Räume befinden sich noch heute in den Bauwerken (BW) 5a und 5b im Bauabschnitt B1a bzw. b, jeweils im West- bzw. Osttrakt, die in den Plänen als Gaskammern, der damals für Sachentlausungsräumlichkeiten üblichen Bezeichnung, ausgewiesen sind.

Abbildung 24: Grundriß des HCN-Entlausungstrakts der Bauwerke 5a vor dem Umbau (spiegelbildlich) und BW 5b bis heute, Probenentnahmestellen BW 5b eingezeichnet[102].
a: Entlausungstrakt; b: Schleuse; c: Vorraum; d: Wasch- und Brauseraum; e: Unreine Seite, Auskleideraum; f: Reine Seite, Ankleideraum; 16,17,19: Probenentnahmestellen
Abbildung 25: Grundriß des Heißluftentlausungstrakts des Bauwerks 5a nach dem Umbau 1943, Probenentnahmestellen BW 5a eingezeichnet[102].
a: Heißluftentlausungskammern; b: Vorräume; c: Brauseraum; d: Sauna; e: Auskleideraum; f: Ankleideraum; 9-15, 18, 20-22: Probenentnahmestellen

Abbildung 24 zeigt den Grundriß der beiden Kammern im annähernd ursprünglichen Zustand. Die Kammer des Bauwerks 5a wurde im Sommer 1943 umgebaut und erhielt zwei kleine Heißluftkammern, ersichtlich aus Abbildung 25 [102]. Die Gebäude sind aus einfachen Ziegelmauern auf einem Betonfundament ebenerdig gebaut, innen verputzt und gekalkt. Der Raum im Bauwerk 5b besitzt heute keine Decke, der Dachstuhl ist von unten mit Platten unbekannten Materials belegt. Ursprünglich, wie heute noch BW 5b, fensterlos, erhielt das BW 5a bei der Umrüstung an allen Außenwänden fest eingemauerte, nicht zu öffnende Fenster.
Im Entlausungsraum des BW 5b erkennt man im Giebel zwei kreisrunde, ungefähr 50 cm im Durchmesser große Öffnungen der ehemaligen Abluft- oder Zuluftkanäle, Abbildung 27. Das Dach hat drei Entlüftungskamine, zur Betriebszeit soll es in diesem Raum drei öfen gegeben haben[103]. In der Mitte des Raumes befindet sich ein Abwassergully. Ob er von Beginn an vorhanden war, muß offen bleiben. Die in den Plänen eingezeichneten, nach innen öffnenden Doppeltüren sind heute durch ebenfalls nach innen öffnende einflügelige Türen ersetzt. Über die Ausrüstung der Entlausungskammern muß vorerst spekuliert werden. Im Zusammenhang mit den Entlausungsverfahren soll später darauf eingegangen werden.
Auffallend an diesem Raum des BW 5b ist die filigrane Konstruktion von Wasserrohren, eingelegt in an den Dachquerbalken befestigten Haken, ersichtlich aus Abbildung 26. Einige der Rohrausgänge sind mit Duschköpfen ausgestattet. Die Wasserrohre haben keinerlei Anschluß. Sie enden paradoxerweise in den oben erwähnten Abluftöffnungen, können also erst nach der Entfernung darin installierter Ventilatoren angebracht worden sein. Zwar gibt es in diesem Gebäude Duschräume, allerdings an ganz anderer Stelle (siehe Abbildung 24). Dort jedoch sind die Duschinstallationen komplett abgebaut. Da die Türen zu diesen Räumlichkeiten offen stehen, kann jeder Besucher diese eigenartige Konstruktion bewundern. Später wird auf diese Konstruktion noch eingegangen werden.

Abbildung 26: Wasserrohrsystem mit Duschköpfen im Entlausungstrakt des Bauwerkes BW 5b. Diese Wasserrohre haben keinerlei Anschluß, sie enden in den Entlüftungsöffnungen. Siehe Abbildung 27. Abbildung 27: Entlüftungsöffnungen des Entlausungstraktes des Bauwerkes BW 5b, heute ohne Apparaturen. Man erkennt darin die Enden der Wasserleitungen, siehe auch Abbildung 26.

Anmerkungen

  1. Die im Westen des Lagers in der Zentralsauna angewendete Heißluft- und Heißdampfentwesung, die teilweise auch im Bauwerk 5b in Autoklaven durchgeführt wurde, gehörte nicht dazu, siehe J.-C. Pressac, Auschwitz: Technique... aaO. (Anm. 28), S. 63ff.
  2. Ebenda, S. 55-58, Pläne der Bauwerke 5a/b, S. 59 f. Außenaufnahmen. Der Änderungsplan Nr. 2540 zur Heißluftentlausung datiert vom 5.7.1943.
  3. Ebenda, S. 53.


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