Das Rudolf Gutachten auf http://www.vho.org/D/rga/rga.html


4.3.3. G. Rudolf/Institut Fresenius


Aus den angeblichen 'Menschengaskammern' wurden nur wenige Proben genommen, und zwar solche, deren Material offensichtlich nicht der Witterung ausgesetzt war. Dafür eignen sich in Birkenau nur einige Stellen des Leichenkellers I ('Gaskammer') im Krematorium II, wo ein Pfeiler die Decke noch heute trägt und damit sowohl die Deckenunterseite als auch Teile der Wand bis heute erkennbar vor allen Witterungseinflüssen geschützt hat, verdeutlicht durch Ablagerungen von Spinnweben vieler Jahre und dem Fehlen jeder Spur von Kalkabscheidungen am Beton oder Mörtel, d.h. von daran niederfließendem Wasser.
Von den angeblichen 'Gaskammern' sind von Krakau und von Leuchter schon viele Proben genommen worden, alle mit zumindest annähernd negativem Ergebnis. Da es vor allem darum ging aufzuklären, welche Bedingungen die Pigmententstehung fördern und nach den bisher erfolgten Analysen in den angeblichen 'Menschengaskammern' nicht mit deutlich positiven Ergebnissen zu rechnen war, erfolgte die Probenentnahme hauptsächlich in den Entlausungsanlagen der Gebäude Bauwerk (BW) 5a und b im Lagerteil Bauabschnitt (B) Ia bzw b. Von ihnen ist bekannt, daß ihre Wände nicht nur große Mengen des Pigments enthalten, sondern daß deren Alter auch ungefähr dem der Krematorien vor Ort entspricht, was von den Gebäuden im Stammlager nicht behauptet werden kann. Das Alter kann, muß aber keinen Einfluß auf die Chemie des Wandmaterials haben. Außerdem stehen diese Gebäude nicht so im Rampenlicht der Museumstätigkeit wie im Stammlager und lassen daher eher Freiheit von nachträglich vorgenommenen Veränderungen erhoffen.
Schließlich wurden von einigen Häftlingsbaracken Proben entnommen, um die These Leuchters zu überprüfen, daß geringe Cyanidspuren auch durch sehr wenige Begasungen zur Schädlingsbekämpfung entstehen können. Die Numerierung der Baracken entspricht der heute an den Baracken befindlichen[270]. Siehe dazu auch Abbildung 3.

Tabelle 16: Cyanidkonzentrationen im Mauerwerk von 'Gaskammern'/ Entlausungskammern

Nach G. Rudolf/Institut Fresenius, Taunusstein, Hessen, Deutschland

Konzentrationsangaben in mg pro kg; %Fe: Maximaler Anteil des zu Eisenblau umgesetzten Eisens am Gesamteisengehalt.

Nr.

Gebäude

Entnahmeort und -tiefe

Material

c[CN-]

c[Fe]

%Fe

1

Krema II

Leichenkeller I, Decke, zwischen 2. und 3. Stützsäule von Süden aus gesehen, großflächige Entnahme, Betonnasen inkl. eines kleinen Stückes tieferen Materials, 0-3mm.

Beton

7,2

13000

-

2

Krema II

wie 1, 1-5 mm.

Beton

0,6

20000

-

3

Krema II

Innenseite Westmauer Leichenkeller I, 0-1,5 cm, siehe Abbildung 12 (Seite 25).

Verputz

6,7

10000

-

4

Krema II

Innenseite Nordmauer Kamintrakt, Müllverbrennung, 0-1 cm.

Verputz

0,1

11000

-

5

B1b Baracke 20

Trennmauer Koje, unterhalb des Querbalkens einer Liege im Großraum, vom Eingang 2. Kojenreihe, rechts 1. Koje (Trennmauer), ca. 5 · 5 · 5 cm3 groß.

Verputz

0,6

9400

-

6

B1b Baracke 20

abgetrennter Raum im Westen, Innenmauer, Mörtel zwischen Ziegelsteinen,

0-1 cm.

Mörtel

<0,1

4400

-

7

B1b Baracke 20

wie 6, direkt rechts neben Eingang, 0-1 cm.

Verputz

0,3

19000

-

8

B1b Baracke 13

wie 5, hintere Balkenauflage.

Verputz

2,7

11000

-

9

B1a BW 5a

Innenseite Außenmauer (West), 120 cm von Nordmauer, 155 cm vom Boden, 0-2 mm.

Verputz

11000,0

12000

75

10

B1a BW 5a

Innenmauer (Süden), 240 cm von Westmauer, 170 cm vom Boden, 0-2 mm.

Verputz

3,6

10000

-

11

B1a BW 5a

wie 9, 1-10 mm.

Verputz

2640,0

6000

36

12

B1a BW 5a

Ostmauer (innen), 170 cm von Nordmauer, 170 cm vom Boden, (östl. Heißluftkammer), 0-2 mm.

Verputz

2900,0

8500

28

13

B1a BW 5a

wie 12, 2-10 mm.

Verputz

3000,0

9000

27

14

B1a BW 5a

Außenseite Westmauer, 40 cm von Südseite, 160 cm vom Boden, 0-5 mm.

Ziegel

1035,0

25000

3,5

15a

B1a BW 5a

Außenseite Südmauer, 40 cm von Westseite, 210 cm vom Boden, 0-3 mm.

Mörtel

1560,0

10000

13

15b

B1a BW 5a

wie a, > 0-5 mm, von Pigmentschicht befreit.

Ziegel

56,0

n.b.

-

15c

B1a BW 5a

wie b, abgetragene Pigmentschicht, < 1 mm.

Ziegel

2400,0

n.b.

-

16

B1b BW 5b

Außenseite Südmauer, 2 m von Eingangstür, 1 m vom Boden, 0-7 mm.

Ziegel

10000,0

47000

17

17

B1b BW 5b

Innenseite Südmauer, 130 cm von Ostmauer, 130 cm vom Boden, 4-10 mm .

Verputz

13500,0

15000

74

18

B1a BW 5a

Bodenbereich Türpfosten Heißluftentlausung, östl. Kammer, zum Trakt hin weisend, 0-5 mm.

Holz

7150,0

n.b.

-

19a

B1b BW 5b

Innenseite Nordmauer, 230 cm von Ostmauer, 90 cm vom Boden, 0-4 mm.

Verputz

1860,0

4300

35

19b

B1b BW 5b

wie 19a, 4-8 mm.

Verputz

3880,0

9500

33

20

B1a BW 5a

Innenseite Außenmauer (West), 40 cm von Südmauer 210 cm vom Boden,

0-3 mm.

Verputz

7850,0

11000

59

21

B1a BW 5a

Innenmauer (Ost) aus westlichem Raum, 30 cm von Tür, 190 cm vom Boden, 10-50 mm.

Mörtel

0,3

18000

-

22

B1a BW 5a

Innenseite Außenmauer (Süd), 40 cm von Westmauer 155 cm vom Boden, 3-10 mm.

Verputz

4530,0

11000

34

23

B1a Baracke 3

Sonderraum Nordwest, Innenseite Außenmauer (Nord), 0-5 mm.

Verputz

0,3

8100

-

24

B1a Baracke 3

Hauptraum Innenseite Außenmauer, (Nord), 0-5 mm.

Mörtel

0,1

13000

-

25

Versuch

unbehandelter Stein, 0-5 mm.

Ziegel

9,6

35000*

-

26

Versuch

16 h in 0,3 Vol.% HCN, 0-5 mm, siehe Text.

Ziegel

0,1

35000*

-

27

Versuch

24 ¾ h in 2 Vol.% HCN, +1 g H2O, 20 mm, 100 g.

Zementmörtel

109**

8800*

1,0

28

Versuch

wie 27, ohne H2O-Zusatz,108 g.

Zementmörtel

94**

8800*

0,9

29

Versuch

wie 28, 94 g.

Kalkmörtel

53**

4500*

1,0

30

Versuch

wie 28, + 2g H2O, 96 g.

Kalkmörtel

58**

4500*

1,1

Werte für Cyanide zwischen 0,1 und 0,5 mg pro kg unsicher (NN); n.b.=nicht bestimmt; *=eigene Analysen; **= Institut für Umweltanalytik Stuttgart (IUS).



Anmerkung

  1. J.-C. Pressac, Auschwitz: Technique… aaO. (Anm. 28), S. 514, Plan des Lagers Birkenau mit Barackennumerierung.


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