Geschrieben um der Wahrheit willen

Günther Erdmann,
Rektor a. D., Senator a. D.

05.12.1997
23909 Ratzeburg
Bäker Weg 8

Herrn
Prof. Dr. Dr. h.c. Knut Ipsen
Präsident des Deutschen Roten Kreuzes
Friedrich-Ebert-Allee 71

53105 Bonn

Sehr verehrter Herr Präsident,

ich danke verbindlichst für die Übersendung ihres Reports Nr. 5 mit der Sonderbeilage "Jahrhundertflut". Bei sorgfältigem Studium derselben drängen sich bei aller grundsätzlichen Anerkennung für die Hilfseinsätze Ihrer Mitarbeiter Fragen auf, deren Beantwortung ich in Interesse des Deutschen Roten Kreuzes außerordentlich begrüßen würde.

1. Sind die deutschen Spender vorher darüber informiert oder befragt worden, ob sie damit einverstanden wären, daß der überwiegende Teil ihrer Spenden nicht an deutsche Flutopfer, sondern an Polen und Tschechen ging?

2. Ist Ihnen bekannt, ob auch die Polen und die Tschechen landesweite Spendenaktionen für ihre eigenen Landsleute und für die deutschen Flutopfer durchgeführt haben?

3. Gibt es in Polen eine 'Bundeswehr' oder ein 'Technisches Hilfswerk' oder 'Freiwillige Feuerwehren', die in den Hochwassergebieten beiderseits der Oder und ihren Zuflüssen hätten eingesetzt werden können oder eingesetzt worden sind?

4. Warum mußte u.a. auch Trinkwasser nach Polen transportiert werden? Gab es im polnischen Staat kein Trinkwasser für die Flutopfer?

5. Warum eigentlich gab es "längere Formalitäten" durch "die tschechische Seite" (Seite 22) beim Transport deutscher Spendengüter in die Tschechische Republik? Wollte die tschechische Seite etwa überhaupt die deutsche Hilfe gar nicht haben und empfand sie gar als lästige Zudringlichkeit?

6. Warum werden die Gründe für die schreckliche Flutkatastrophe nirgendwo in der Sonderbeilage "Jahrhundertflut" erwähnt? Sollte dort wirklich nicht bekannt sein, daß die Tschechen und Polen die Pflege und Instandhaltung der Deiche seit Jahrzehnten sträflich vernachlässigt haben?

7. Hat das DRK irgendwelche Unkosten- bzw. Verwaltungsgebühren von den Flutspendengeldern einbehalten, und falls ja in welcher Höhe?

8. Warum verwendete das deutsche Rote Kreuz für uralte deutsche Städte wie Breslau, Oppeln, Olmütz u.a. ausschließlich polnische und tschechische Bezeichnungen?

Und letztendlich: Warum verschweigt das deutsche Rote Kreuz die Tatsache, daß die Polen und Tschechen in den Überflutungsgebieten in den Häusern sitzen, die sie mitsamt dem kompletten Inventar den deutschen Eigentümern weggenommen haben und die dann über die Oder jagten - soweit sie sie vorher nicht ermordeten?

In Erwartung Ihrer geschätzten Antwort verbleibe ich mit freundlichen Empfehlungen als Ihr sehr ergebener

gez.: G. Erdmann

RuW: Bis heute keine Antwort!


Quelle: Recht und Wahrheit, Folge 3+4/1998, S. 22

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