Geschrieben um der Wahrheit willen

Ernst Nopitsch

13.3.1998
67227 Frankenthal
Rathausplatz 11

An das
Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung
53113 Bonn

Betr.: ap-Meldung "Suche nach NS-Verbrechern unter Rentenbeziehern"

Sehr geehrte Damen und Herren!

Gemäß obiger Meldung läßt das Bundesarbeitsministerium z.Zt. insgesamt 996.000 Kriegsopferrenten mit dem Ziel überprüfen, bei Bekanntwerden von angeblich verübter "NS-Verbrechen" dem infrage kommenden Rentenberechtigten die bisher erbrachte staatliche Leistungen unverzüglich zu streichen. Zuerst sollen die Renten von 437.000 noch lebenden Kriegsversehrten überprüft werden. Falls man "fündig" werde, würden auch die Renten der Hinterbliebenen,der "Prüfungsopfer" gegebenenfalls gestrichen.

Dieser Vorgang der Rentenaberkennung, der auf der Grundlage der Änderung des Bundesversorgungsgesetzes vom 21. 1. 1998 Anwendung findet, ist so unerhört, daß eigentlich unser ganzes Volk dagegen aufstehen müßte, wenn es nicht schon größtenteils das Gemeinschaftsgefühl und ein Aufbegehren gegen ihn gerichtetes Unrecht durch "re-education" (Umerziehung seit 1945) verloren hätte.

Ich möchte gerne wissen, was man eigentlich unter "NS-Verbrechern" versteht. Weder die Wehrmacht noch die Waffen-SS wurde zur Ausführung von speziell "nationalsozialistischen Verbrechen", wenn man eine solche Bezeichnung berechtigterweise anwenden darf - eingesetzt.

Ich war selbst Soldat in der deutschen Wehrmacht - der diszipliniertesten Armee der Welt. Übergriffe von Soldaten wurden streng geahndet, ganz im Gegensatz zu den Massenverbrechen der Roten Armee oder den Kriegsverbrechen der Alliierten an der deutschen Zivilbevölkerung. Kein einziges dieser Verbrechen, die vielfach erst nach den Kampfhandlungen stattfanden, wurde bisher gesühnt.

Das Vergewaltigen von Frauen wurde mit Hinrichtung bestraft. Unter uns ehemaligen Soldaten dürfte es derartige Verbrecher gar nicht mehr geben.

Die Erschießung von völkerrechtswidrig kämpfenden Partisanen war kriegs- und völkerrechtlich gedeckt. Sie wurde auch auf Feindseite - sogar noch nach Kriegsende gegen vermeintliche "Werwolf"angehörige vollzogen, im übrigen auch gegen reguläre Wehrmachtsangehörige oder Angehörige der Waffen-SS.

Wie sagte doch der berüchtigte "Bomber-Harris ", als man ihm das Massaker von Dresden - wohl das spektakulärste und scheußlichste Kriegsverbrechen neben den Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki überhaupt - vorwarf?: »Im Krieg wird nun mal geschossen«. Der Mann ist in England heute hochgeehrt.

Aber wie auch immer man über Vorgänge der damaligen Zeit urteilen mag, eines ist völlig klar: Wer seine soldatische Pflicht für sein Volk leistete - und letzten Endes seinen bürgerlichen Pflichten auch für diesen Staat in den letzten fünfzig Jahren nachkam-, dieser Deutsche muß einen unabdingbaren Anspruch auf seine Rentenversorgung haben dürfen, bzw. muß sicher sein können, daß seine Hinterbliebenen nicht von einem Rentenentzug betroffen sind.

Ein Rentenentzug hat nicht das geringste mit Gerechtigkeit zu tun! Soweit es die Hinterbliebenen angeht, halte ich diese Unrechtsmaßnahme sogar für einen Akt von "Sippenhaftung"!

Mir klingt das Wort des Herrn Blüm noch in den Ohren, als er sich zu dem absurden Anwurf verstieg, die Wehrmacht hätte durch ihren Einsatz die KZ-Verbrechen ermöglicht! Mit solch böswilligen Trugschlüssen könnte man uns ehemalige Soldaten schließlich alle zu Verbrechern stempeln und uns die Renten entziehen. Das wäre auch eine Art "Gesundheitsreform " zur finanziellen staatlichen Entlastung.

Ich bin mir klar darüber, daß ich mit meinem Protest nichts erreiche. Aber aus Solidarität mit den ehemaligen Kameraden, insbesondere mit den gefallenen, möchte ich, was mich angeht, nicht zu der "Rentenaberkennungsjagd" Ihres Ministeriums geschwiegen haben.

gez.: Ernst Nopitsch


Quelle: Recht und Wahrheit, Folge 5+6/1998, S. 22

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