Liebe Leser von »Recht und Wahrheit«!

Verschiedentlich schon habe ich in dieser Schrift meine Ansicht über eine Teilnahme an politischen Wahlen, die der Bonner Parteienstaat von Zeit zu Zeit veranstaltet, niedergelegt. Eine Meinungsäußerung gerade zu diesem Thema kann und muß der Leser von dem Herausgeber einer Schrift erwarten dürfen, die in ihrem Untertitel klar zu erkennen gibt, daß sie sich als "Stimme des parteianabhängigen freien Deutschen" versteht. Mit hochtrabenden Worten (gerade vor anstehenden Wahlen) Parteipropaganda betreiben zu wollen, ist ausschließlich Sache der Parteien (oder deren Sympathisanten). Bestimmt kann dies nicht die Aufgabe dieser Schrift sein - und sie ist es auch nicht!

Wenn nun vereinzelt bei Leuten Verärgerung aufkommt, weil der Herausgeber dieser Schrift es "wagte", seinen Lesern Wahlenthaltung zu empfehlen, wobei er - das sei nachdrücklich hervorgehoben! - grundsätzlich gegen jedwedes Teilnehmen an BRD-Wahlen argumentiert - in seine Wahlenthaltungsempfehlung sogar "rechte" Parteien mit eingeschlossen wissen will -, dann haben diese Leute nicht begriffen (vielleicht wollen oder können sie dies auch gar nicht), daß jede Stimmabgabe hinter dem Vorhang in der Wahlkabine dem Bonner Staat ZUSTIMMUNG für sein Hineinwirken in unseren politischen Alltag erteilt.

Nochmals: Jede abgegebene Wählerstimme erteilt den Herrschenden Absolution für ihre bisher" begangenen Sünden und gibt ihm erneut Auftrag für abermalige, vielleicht noch schlimmere Verstöße wider des Volkes Grundrechte.

Was nun meine Ablehnung der sogenannten "rechten" Parteien angeht, so haben diese Parteien - ich wiederhole mich damit zum "tausendsten Mal" - es in der zurückliegenden Zeit nicht fertiggebracht, ihre vollmundig abgegebenen Erklärungen, in denen sie einen baldigen "Zusammenschluß aller nationalen Kräfte" in Aussicht stellten - das bezieht sich auch auf ein klares Bekenntnis zu "einheitlichem politischen Handeln" - in die Tat umzusetzen. Die Ursachen hierfür dürften jedermann bekannt sein: Es sind die Parteiführer selber, nicht deren Anhänger und schon gar nicht die so oft schon bemühte und viel zitierte "Basis", die sich ihrer Pflicht entziehen. Ohne schon ein einziges Mal im Vorfeld angekündigter "Zusammenschlüsse" ernsthaft agiert zu haben, versagen (sich) die Parteiführer immer wieder - von Jahr zu Jahr und von Wahl zu Wahl - den Forderungen ihrer "Basis", endlich einen gemeinschaftlichen Wahlblock zu bilden. Böse ist immer, wer den Finger auf eine Wunde legt und ihr schlechte Heilungsaussicht diagnostiziert. Macht sich das "rechte" Wahlvolk überhaupt ernstlich Gedanken darüber, welch "großes Versagen" es erst recht nach stattgefundenen Wahlen zu erwarten hat? Frei heraus gesagt, ich hege den begründeten Verdacht, daß den Parteiführern gar nicht an einer "Nationalen Front' gelegen ist, weil sie dann an "persönlicher Machtstellung" verlieren. Es geht diesen Leuten gar nicht um Deutschlands Gegenwart oder Zukunft - es geht ihnen um die Erlangung und Sicherung von Parteiämtern zu ihrem eigenen Nutzen. Wenn es ihnen um Deutschland ginge, brauchte ich diese Zeilen nicht zu schreiben. Der Mißmut jener, der sich gegen mich richtet, weil ich den Parteien ungeschminkt meine Meinung sage, wäre besser gegenüber ihren Parteiführern geäußert. Sie wären die richtigen Adressaten für Unmutsäußerungen aus dem "rechten Spektrum".

Ein mir übelwollender, besonders "kluger Kritiker" verstieg sich sogar zu üblen Beschimpfungen gegen mich und schreibt mir unter anderem, ich fiele der "deutschen Rechten" in den Rücken, wenn ich zur Wahlenthaltung aufrufe. Dieser dummdreiste Schreiberling sonnt sich in seiner ihm gewichtig erscheinenden (zugedachten) Rolle, Teilnehmer des NPD-Parteitags in Passau gewesen und namentlich in deren Pressemitteilung (unter: "ferner liefen...") erwähnt worden zu sein. Doch übergehen wir das unqualifizierte Geblöke solch "kleiner" Geister, deren Lämmerverstand das kleine Einmal-Eins der großen Politik sowieso nicht zu erfassen vermag. Wenden wir uns jenen zu, die glauben über einen "Wahlerfolg" - mit dem Überspringen der 5%-Hürde - in den Bundestag einziehen und das Schicksal Deutschland zum Besten wenden zu können.

Nebenbei bemerkt: Bis heute hat noch kein Parteiführer meinen Ausführungen zum Thema "Wahlenthaltung" widersprochen. Warum nicht? Weil sie außer Schlagworten - das sind abstruse, nicht einzuhaltenden Wahlversprechen - dem Wahlvolk nichts Konkretes darüber sagen können, wie sie die Abläufe international gesteuerten Politik im Fall ihres Wahlsiegs zu stoppen beabsichtigen. Die Schlacht um Deutschland wird heutzutage (und auch schon "damals") nicht in den Parlamenten entschieden, sondern in den Hirnen und Herzen des Volkes. Glauben "rechte" Parteiführer mit einem Volk, das seine Identität (seine Eigenart) abgelegt hat - sei dies nun freiwillig oder durch die perfide re-education der Siegermächte nach 1945 geschehen - einen "Staat" nach rechtem Zuschnitt aufbauen zu können?

Wie vor siebzig Jahren lautet die Losung der Stunde, sie wurde von Erich Ludendorff, Feldherr im Ersten Weltkrieg, ausgegeben:

»Machet des Volkes Seele stark!«

Tun wir dies also! - Es lebe die Freiheit!

Ihr

Georg Albert Bosse


Quelle: Recht und Wahrheit, Folge 5+6/1998, S. 3

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