GEFRAGT - GEANTWORTET

 

Ist Ihnen bekannt…

… daß Bundespräsident Roman Herzog am Mittwoch, dem 10. Juni 1998, in Bonn mit dem diesjährigen "Leo Baeck-Preis" des Zentralrats der Juden in Deutschland ausgezeichnet worden ist ?
Ignatz Bubis
, Präsident des Zentralrats, überreichte die Auszeichnung an Herzog; die Laudatio hielt Herzogs polnischer Amtskollege, Staatspräsident Alexander Kwasniewski. Mit der Preisverleihung würdigt der Zentralrat die Verdienste Herzogs um das Versöhnungswerk zwischen Juden und Christen sowie zwischen Deutschland und Israel. Dieses Themas habe sich Herzog immer wieder engagiert angenommen, heißt es in der Begründung: »Mit der Glaubwürdigkeit, die er verkörpert, hat er in Deutschland ebenso wie im Ausland nicht nur das Ohr, sondern vor allem die Herzen der Menschen gewonnen.«
Paul Siegel
, Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, sprach von einem "historischen Ereignis", Michel Friedman, ebenfalls dem Präsidium angehörend, betonte die "europäische Dimension" der Veranstaltung, Professor Julius Schoeps vom Moses-Mendelssohn-Zentrum und Eugene DuBow vom American Jewish Commitee bezeichneten den Preisträger Herzog als eine "vorzügliche Wahl". Ähnlich lobend äußerte sich der Bundestagsabgeordnete Otto Schily (SPD) und der Vorsitzende des Zentralrats der Sinti und Roma (zweier Zigeunergruppen), Romani Rose.
Anläßlich der Feierlichkeiten des mit 20.000 Mark dotierten Leo-Baeck-Preises im Großen Saal des jüdischen Gemeindehauses in Bonn hatten sich an die vierhundert Geladene versammelt. Der Leo-Baeck-Preis wird seit 1957 alljährlich vergeben. Mit ihm werden Menschen geehrt, die sich in hervorragender Weise für die jüdische Gemeinschaft eingesetzt haben. Träger des Preises aus den vergangenen Jahren sind unter anderen Herzogs Amtsvorgänger Richard von Weizsäcker, Bundeskanzler Helmut Kohl und der frühere Ministerpräsident von NordrheinWestfalen, Johannes Rau.
Aleksander Kwasniewski
führte aus:
(…) »Und doch war es Roman Herzog, der gleich bei seinem ersten Auslandsbesuch als deutsches Staatsoberhaupt - in Warschau zum 50. Jahrestag des Ausbruchs des Warschauer Aufstandes - die einfachen und klaren Worte fand, auf die Millionen Polen beinahe dreißig Jahre gewartet hatten. Dreißig Jahre lang hatten die Worte der polnischen Bischöfe an ihre deutschen Amtsbrüder - "wir vergeben und bitten um Vergebung" - gleichsam in der Luft gehangen.
Sie, lieber Freund, haben auf dem Krasinski-Platz in Warschau auf diese Worte geantwortet als Sie sich an die polnischen Opfer des Krieges wandten und sie um Vergebung baten für das, was "ihnen von Deutschen angetan worden ist" - und nicht "im deutschen Namen", wie man gewöhnlich sagte. Von diesem Augenblick an war in Polen tatsächlich das letzte Eis gebrochen.« (…)
Roman Herzog:
(…) »Der Preis, den Sie mir heute verleihen, ist nach Leo Baeck benannt. Welches Entsetzen muß diesen sensiblen und hochgebildeten Mann ergriffen haben, als der Nationalsozialismus immer größere Teile jener Gesellschaft vergiftete, die seine Heimat war.
(…) Juden sind heute so wenig Fremde in unserem christlich geprägten Land, wie sie es früher waren. Sie haben - insbesondere nach der Aufklärung - zur kulturellen Substanz unserer Gesellschaft als ihr wesentlicher Teil beigetragen. Deshalb ist es mir so wichtig zu sagen, daß wir uns über wachsende und blühende Jüdische Gemeinden in Deutschland freuen ' deren Mitglieder sich nicht im Transit fühlen, die nicht auf gepackten Koffern sitzen, sondern Deutschland als ihre Heimat betrachten - geographisch, politisch und kulturell.« (…)

ALLGEMEINE Nr. 13/98, S. 3

…daß die jüdische Brandeis-Universität Kohl die Ehrendoktorwürde verliehen hat?
Die jüdische Brandeis-Universität in Boston hat Kohl am 24. Mai 1998 die Ehrendoktorwürde verliehen. In der Begründung heißt es u.a. Kohl habe einen großen Anteil daran, daß das erneute Aufkeimen des Nazismus verhindert worden sei. In seiner Dankesrede wies Nochbundeskanzler Helmut Kohl auf die besondere Bedeutung der Beziehungen Deutschlands zu Israel hin.
Das den Juden in der Nazi-Zeit zugefügte Leid sei ein unauslöschlicher Teil der Geschichte des Judentums und ebenso ein unauslöschlicher Teil der deutschen Geschichte. Die wichtigste Lehre daraus laute, daß der Friede zwischen Menschen und Völkern mit der unbedingten Achtung der Würde des anderen beginnt. dpa
(RuW: Wie wahr, Herr Kohl, wie wahr!)

…daß bei einem Kolloquium der israelischen Jerusalem-Stiftung die Frage diskutiert wurde, welches Geschlecht der "liebe Gott" habe?
Eine Frage, die noch schwerer zu lösen ist, als der israelisch-palästinensische Konflikt. Ist Gottes Geschlecht männlich oder weiblich? Ist er Männlein, Weiblein, beides oder keines von beiden? Diese kontroversen Thesen wurden während eines Kolloquiums der israelischen Jerusalem-Stiftung unter dem Arbeitstitel: "Sexuelle Spaltung des Göttlichen und Menschlichen" debattiert. Die Kabbalisten jedenfalls glaubten fest daran, der Herr unterhalte ein Verhältnis mit einer Konkubine, während sich seine symbolische Ehefrau, das Volk Israel, im Exil befand. Die Spekulation darüber, ob die Geburt des Messias nicht das Ergebnis eines Seitensprungs Gottes mit seiner Geliebten sein könnte, verlieh der tiefgründigen theologischen Debatte die Spannung.
(RuW: Was soll man dazu noch sagen -?)

…daß Michael Wolffsohn dem verstorbenen Heinz Galinski in seinem Buch »Meine Juden - Eure Juden« Schwarzhandelsgeschäfte vorwirft und hierin behauptet, Galinski habe sich seine Ehrendoktorwürde erkauft?
»Dumm und schmutzig«, sagt Evelyn Hecht-Galinski. 54 Mal habe Wolffsohn ihren Vater in mehreren Büchern beleidigt. Sie hat gegen Wolffsohn, den sie seit ihrer Kindheit kennt und »den Michael« nennt, Klage erhoben.
Der Streitwert beträgt 100.000 Mark, und das ist nun genau die Summe, um die es im zweiten Punkt der Anklage geht: Der Ehrendoktortitel, den Galinski 1984 von der israelischen Bar-Ilan-Universität verliehen bekam, sei vom Berliner Senat für 100.000 Mark gekauft, hat Wolffsohn behauptet.
Der Wortlaut: »Der Ehrendoktortitel wurde also vom Berliner Senat gekauft. Die Kaufsumme betrug 100.000 Mark.«
Eindeutig genug ausgedrückt?
Frau Hecht-Galinski: »Das heißt der deutsche Steuerzahler hat den Doktortitel für meinen Vater bezahlt«
»Keine Tatsachenbehauptung«, sagt Wolffsohns Düsseldorfer Anwalt Jürgen Krumland, sondern eine Schlußfolgerung, wie durch das Wort "also" deutlich gemacht und dadurch von der Meinungs-, gar von der Wissenschaftsfreiheit geschützt. Nun steht die Schlußfolgerung allerdings unter der Überschrift: »Diepgen kauft Galinski den Ehrendoktor.« Eine Behauptung - oder eine Schlußfolgerung? Im Prozeß soll versucht werden die Behauptung - so sie denn in den Augen des Gerichts eine sein sollte - zu erhärten.

(Alexander Pajevic, TAGESSPIEGELv.29.04.98)


Quelle: Recht und Wahrheit, Folge 7+8/1998, S. 23


Möchten Sie unsere Zeitschrift abonnieren? Dann klicken Sie hier!


Zurück zur Hauptseite | Zurück zum Archiv | Zurück zum Inhaltsverzeichnis


Senden Sie uns Ihre Meinung: E-Post »Recht und Wahrheit«, Hohensteinstr. 29, D-38440 Wolfsburg
Ruf: (05361) 22 5 76; Fax: (05361) 23 5 96

Haben Sie einen Fehler auf unserer Webside gefunden?
Bitte schreiben Sie unserem Webmeister:
Fehler-E-Post