Geschrieben um der Wahrheit willen

Erwin Moll

Hamburg, 4.3.1998
König-Heinrich-Weg 145
D-22455 Hamburg

An die
Wehrbeauftragte des Bundestages
Frau Claire Marienfeld
Basteistr. 70
D-53173 Bonn

Sehr geehrte Frau Marienfeld !

Ich sah Sie gestern im Fernsehen und hörte, daß Sie sich über die wachsende Gewaltbereitschaft in der Bundeswehr beklagten. Das habe ich nicht ganz verstanden. Es ist doch in jeder Streitmacht seit jeher üblich, daß die Wehrpflichtigen, ob sie wollen oder nicht, zu der Bereitschaft dressiert werden auf Menschen, die sie nicht kennen, und zu denen sie von Natur aus kein feindschaftliches Verhältnis haben, in Tötungsabsicht zu schießen. Oder ist das keine Gewaltbereitschaft? Unter Gewaltbereitschaft können Sie doch unmöglich im Vergleich zu andressierten Tötungsabsichten harmlose handgreifliche erzieherische Maßnahmen gegen Unkameradschaftlichkeit verstehen. Am deutlichsten wird die Gewaltbereitschaft "unserer" Politiker ersichtlich durch die Beschaffung von 180 hochtechnischen Tötungsmaschinen im Gesamtwert von 23 Milliarden DM, die erfahrungsgemäß abstürzen, bevor sie Unheil anrichten können. Mit dem Geld könnte man wahrhaftig vernünftigeres anfangen!

Ihren Ausführungen zur Traditionspflege kann ich dagegen nur voll zustimmen. Mit der Gründung der Bundeswehr als Kanonenfutter für die amerikanischen Weltherrschaftsbestrebungen hat sich der Separatist Adenauer, der stolz darauf war, selbst nie Soldat gewesen zu sein, eine gewisse Scheinsouveränität im Zusammenhang mit der Teilung Deutschlands erkauft. Daß diese Bundeswehr keinen Anschluß an die Tradition der ruhmreichen Wehrmacht, der weltweit, außer bei deutschen Nestbeschmutzern, anerkannt besten Streitmacht aller Staaten, die am 2. Weltkrieg teilgenommen haben, finden kann, ist eine Selbstverständlichkeit. Wenn diese Bundeswehr überhaupt an die Tradition irgendeiner früheren Streitmacht anschließen kann, dann höchstens an die der Regimenter, die deutsche Fürsten zur Zeit der amerikanischen Unabhängigkeitskriege an England verkauft oder vermietet haben.

Ich war Luftwaffenoffizier, wurde mit 20 Jahren Leutnant, mit 22 Oberleutnant und mit 25 Hauptmann, und hätte mit meinen Tapferkeitsauszeichnungen sicher gute Beförderungsaussichten in der Bundeswehr gehabt, aber ich hätte es nie mit meinem Gefühl für Stolz und Selbstachtung vereinbaren können, einer solchen Vasallenwehr beizutreten. Sie ist unsere Tradition nicht wert!

Mit freundlichen Grüßen

gez.: Erwin Moll


Quelle: Recht und Wahrheit, Folge 7+8/1998, S. 22


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