Geschrieben um der Wahrheit willen

Alexander Hoyer A-8010 Graz, den 4.8.98 Lenaugasse 7

An die
EGERER ZEITUNG
Schriftleitung
Paradeplatz 11
D-92224 Amberg

O F F E N E R  B R I E F

Sehr geehrter Herr Fitzthum!

Ihre Rücksendung meines Gedichtes, das ich Ihnen zum 60jährigen Gedenken an unseren sudetendeutschen Freiheitskampf bereits am 7.7.98 (also fast 3 Monate vor dem betreffenden Anlaß!) zugehen ließ, hat mich nicht gewundert. Deshalb legte ich von vornherein ein Freikuvert bei, welche Vorahnung zwischen den Zeilen Ihres kurzen Antwortschreibens ja bestätigt wurde. Wenn es Ihre Kur erforderte, den Redaktionsschluß für die Septembernummer auf den Juli-Anfang vorzuverlegen, so wäre die Oktobernummer immer noch für ein Gedenken geeignet gewesen, denn der Stichtag für die endgültige Räumung durch die Tschechen war der 10. Okt. 193 8.

Betrachtet man den geradezu von Altweibersommer überdeckten Inhalt der immer schwammiger gewordenen "Egerer Zeitung," so ist das Abrücken unserer sudetendeutschen Heimatblätter von unseren doch nach wie vor unabdingbaren Rechtsforderungen geklärt. An die Stelle unserer geschichtlich, menschenrechtlich, wie ethnologisch fundierten Forderungen ist in den sogenannten sudetendeutschen Heimatblättern der Jubel über gelungene Kirchenrenovierungen in der heutigen Tschechei getreten, natürlich mit den Geldern der einst mörderisch brutal vertriebenen Deutschen. Kein Wunder, wenn die Tschechen aufgrund der widerlichen Selbstbeschmutzung der Deutschen heute schon den Spieß umgedreht haben und sich selbst als die bedauernswerten Opfer von München bezeichnen und auch tatsächlich milliardenschwer entschädigt werden!

Das eben ist die alte deutsche Krankheit, die uns von den Tschechen so drastisch unterscheidet: Diese beharren auf verübtes, allen völkerrechtlichen und menschlichen Gesetzen widersprechendes Unrecht, während sich die Sudetendeutschen nachgerade - so scheint es - damit begnügen, in das ihnen von Benesch belassene Taschentuch hineinzuweinen.

Sehr geehrter Herr Fitzthum! Der neue tschech. Ministerpräsident Milos Zeman freut sich gewiß, da aus den einstmals vielgerühmten Egerländern knieweiche Waschweiber geworden sind, von denen nie mehr Gefahr drohen wird, Forderungen nach Heimatrecht und Selbstbestimmungsrecht zu stellen, sind sie doch nicht einmal gewillt, ihre einstmals stolzen Erinnerungen an die errungene Freiheit wachzuhalten. Es muß keineswegs das Säbelrasseln sein. Aber mit Knierutschen, Herr Fitzthum, macht man in der Politik keinen Stich, schon gar nicht mit den Tschechen!

Mit den besten Wünschen und Grüßen

gez.: Alexander Hoyer


Quelle: Recht und Wahrheit, Folge 9+10/1998, S. 22


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