DAS WAHRE KRIEGSERLEBNIS

Partisanenprozession

Von Paul Krauß (Jahrgang '13)

Vom Wolchow kommend und für eine kurze Ruhepause und zur Auffrischung in dem Raume Chitomir (Ukraine) verlegt, wurde unser Truppenteil zur Partisanenbekämpfung in das sogenannte Dreieck befohlen, für uns war dies das riesige Wald- und Sumpfgebiet zwischen dem Dnyepr und Pripet (r. Pripjat). In dieser Gegend war eine slowakische Division eingesetzt, sie sollte diesen Raum von Partisanen freihalten. Wie wir nach einigen Tagen feststellten, hatten die Slowaken jedoch nicht den rechten Kampfgeist. Sie waren von der Idee des Panslawismus angesteckt. Die Parole: »Slowaken - kämpft nicht gegen eure slowakischen Brüder, sondern vereinigt euch mit ihnen!« zog. Mit dieser Parole hatten die Partisanen einige slowakischen Soldaten, die ihnen in die Hände gefallen waren, zurückgeschickt, ohne ihnen ein Haar zu krümmen.

Das mochte Eindruck. Der slowakische Divisionsgeneral sowie ein Teil seiner Offiziere und Mannschaften standen in treuer Waffenbrüderschaft zu uns Deutschen. Der weitaus größere Teil der Division dachte panslawistisch und handelte auch danach. Dieser Umstand ermöglichte den Partisanen diesen gesamten Landstrich zu terrorisieren. Sie raubten, mordeten und plünderten unter der einheimischen Bevölkerung. Sie trieben ganze Viehherden weg und nahmen sogar Hausrat mit.

Besonders hatten sie es auf den ukrainischen Selbstschutz abgesehen. Selbstschutzangehörige wurden erbarmungslos aus dem Hinterhalt ermordet. So kam es zu einem Ereignis, das uns tief erschütterte.

Eine Kompanie der Slowaken rückte unter Führung eines Unterleutnants zu einer kleinen Feldübung aus. Die Soldaten marschierten die einzige Straße entlang, die durch dieses endlose Waldgebiet führt. Außerhalb des Standortes zog die Kompanie in gelockerter Marschordnung dahin, als ihr eine andere kleinere Marschkolonne entgegen kam. Eine Prozession wie es schien: etwa 30 Männer unter Führung eines Popen, ein großes Kreuz mit sich führend. Laut singend und litaneient kamen sie dem Marschtrupp entgegen. Der Leutnant gab, als der fromme Zug näher kam, Befehl zum Halten. Er ließ die Kompanie an den Straßenrand treten und die Gewehre abnehmen, um die frommen Pilger ungehindert vorbeizulassen. Doch als diese mit den Soldaten auf gleicher Höhe waren, flog plötzlich das Kreuz beiseite. In den Händen der frommen Beter spuckten Maschinenpistolen, abgesägte Schrotflinten und Revolver den Tod in die slowakische Kompanie. Nach wenigen Minuten war alles vorbei, zu einer Gegenwehr kam keiner der Soldaten. So berichtete der einzige Überlebende, den wir schwerverletzt und von den Partisanen für tot gehalten unter den Toten fanden. Als wir Stunden später am Tatort eintrafen, bot sich uns ein schreckliches Bild.

Wir fanden nur nackte, ausgeplünderte Leichen. Verwundete waren nachträglich abgestochen. Waffen und Munition sowie die persönliche Habe, Uniformen, Stiefel alles war den Toten geraubt.

Uns blieb nur die traurige Pflicht die so meuchlings ermordeten slowakischen Kameraden zu bestatten. Nahe der Straße in einer Waldlichtung fanden sie ihre letzte Ruhestätte. Bei sinkender Sonne umstanden im weiten Rund deutsche und slowakische Soldaten die Lichtung und die Massengräber. Ein slowakischer Feldgeistlicher sprach ein Gebet. Denn bliesen vier Hornisten, nach Brauch der slowakischen Armee, den Zapfenstreich. Der Himmel flammte im Abendrot, als die letzten Töne wehmütig über dem Walde verhallten. Ein Offizier und 80 Mann waren abgetreten zum großen Appell.

Auch sie starben für Deutschland und einer friedlicheren Zeit.


Quelle: Recht und Wahrheit, Folge 11+12/1998, S. 31


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