Liebe Leser von »Recht und Wahrheit«!

Unser diesjähriges Frühjahrslesertreffen steht unter dem Motto »Wende in Sicht?« Das Wort Wende will die Veränderung eines bestehenden Zustands zum Guten beschreiben. Es wird häufig angewendet, wenn ein Krankheitsverlauf nach durchgestandener lebensbedrohender Krise die Schwelle zur Genesung überschreitet. In solch einem Falle sprechen wir dann davon, daß die böse Krise überstanden, die lang herbeigesehnte Wende eingetreten und der Patient auf dem Wege der Besserung ist.

Die geschichtliche Krisensituation, in der wir Deutschen uns befinden, hält schon viel zu lange an, als daß man noch Hoffnung auf eine alsbaldige Genesung des Patienten hegen könnte. Seit 1945 torkelt der Patient von einer lebensbedrohenden Krise in die andere. Seltsamerweise ist es des Patienten Ärzteschaft (Deutschlands BRD-Politiker), die dem Kranken einredet, nur regelmäßig verabfolgte Aderlässe würden ihn wieder auf die Beine helfen. Was solch mittelalterlicher Quacksalber-Therapie anzurichten imstande ist, kann man täglich besichtigen: Medizinisch wie realpolitisch gesehen sind die Widerstandskräfte des ausgebluteten Patienten gegen Null abgesunken.

Natürlich haben die Ärzte den Rat der hinzugezogenen ausländischen Kollegen pflichtschuldigst (in Form gehorsamausübender Unterwürfigkeit) befolgt und dem (willens)geschwächten Patienten im Zuge der ihm angediehenden Sterbehilfe gleich eine Blutwäsche mitverpaßt. Da weiß man doch wenigstens, daß man alles menschenmögliche getan hat, um den Patienten zu retten. Der Patient ist - nach einer übereinstimmenden Diagnose der internationalen "Ärzteschaft", der sowohl Journalisten, Marxisten und Kommunisten als auch Christen und Anarchisten beipflichten - von der unheilbaren Seuche Volks- und Nationalbewußtsein befallen. Dies begründe dann auch eine der wichtigsten Heilmaßnahmen nach 1945 überhaupt: Den Patienten zuerst in eine Zwangsjacke stecken und ihn dann mit Neo-Demokratisierung, Coca Cola, Brathähnchen und Ballermann vollstopfen, um den solchermaßen Verwirrten körperlich wie geistig ruhig zu stellen.

Die besten Ärzte der "Frankfurter Schule" sind aufgeboten. Der Patient müsse sein Ich-Verständnis, seine Lebenseinstellung und seine Einstellung zu seiner Vergangenheit von sich werfen. Lehrer, Schriftsteller, Journalisten, Opportunisten und sonstige "...nisten" (s.o.) murmeln seitdem ohne Unterlaß ihre Heilsbeschwörungen über den geschwächten Leib des Darniederliegenden, dem sie nach dem bewährten Motto: »Nur ein toter Germane, ist ein guter Germane!« [eine Maxime, die sich auf andere Freiheits- und Volksbewußt anwenden läßt (natürlich auch auf die auf nationale Unabhängigkeit pochenden Kurden!)] baldiges Befreitsein von seinen Leiden (an den Hals) wünschen...

Insbesondere Schriftstellern und Journalisten ist anbefohlen, in ihren Heilsbemühungen nicht nachzulassen. Es gelte, die "Vergangenheit' des Patienten im Sinne eines Schuldeingeständnisses aufzuarbeiten [hier soll nach der fragwürdigen Psychoanalyse des Herrn Sigmund Freud verfahren werden], damit er es künftig unterlasse, sich gegen die Befehle jener zu stellen, denen er nach 1945 unbedingten Gehorsam schulde...

Bis hierin, verehrter Leser, haben Sie von mir das Bild eines Volkes vorgesetzt bekommen, dessen "Krankheitsbild" sich darin äußert, so sein zu wollen, wie der "liebe Gott" es geschaffen hat. Geno- wie Phänotypus dieses Volkes sind natürlich keine Krankheit. Aber dieses Volk soll - das will nicht Gott, das wollen seine Feinde! - sich selbst und seine Eigenart verleugnen. Es soll und darf nicht so sein, wie es ist, sondern hat gefälligst so zu sein, wie seine Führer es sehen wollen. Im Gegensatz zu der ihm auferlegten Selbstverleugnung - welch absurde, schizophrene Forderung! - habe es andersherum das charakteristische Anderssein der bei ihm Gastrecht genießenden fremden Völkerschaften anzuerkennen sowie deren Religionsbräuche zu respektieren. Als Beispiel werden ihm in Deutschland lebende Juden, Moslems, Hindus und Buddhisten vorgehalten.

Die eigenen Lehren und Lehrer verächtlich machen, den eigenen Volkscharakter als verwerflich, niederträchtig und mörderisch hinzustellen, ist Aufgabe ausgewählter Schriftsteller und Journalisten. Und wer nun glaubt, daß der Wolf unter diesen, nur weil er genügend Kreide gefressen, seine Stimme verstellt und die Sprache Nationalgesinnter erlernt hat, nun ein Heilsbringer sei, dem ergeht es wie sechs von den sieben jungen Geißlein im Märchen der Gebrüder Grimm.

Nein, sie werden nicht klüger, die Deutschen. Man muß nur laut trommeln können in diesem Land, und zudem gut auf Flöte oder Schalmei zu blasen verstehen - schon laufen Dumme im Lande der Deutschen den Rattenfängern zu Hauf hinterdrein.

Warum ist das so? An die Wende, an die alles verändernde (politische) Wende glauben gewisse Gelegenheitsrechte anscheinend nicht mehr in diesem Land. Sie sind schon heilfroh, wenn sich etwas "bewegt'. Wenn einer angeblich etwas in "Bewegung" gebracht haben soll, was getreue Wächter des Volkes aus reinem Selbstverständnis seit Jahr und Tag immer getan haben: nämlich die Sache des Deutschen Volkes in Bewegung zu halten!

Es sind nicht Parteien, die die Deutsche Sache in Bewegung halten. Es sind Einzelpersonen, kleine Gruppen, Freundeskreise, kleine Verlage, fleißige, hochbegabte politische Schriftsteller, Gebildete, Künstler, Lehrer, Soldaten, Wissenschaftler - Wahrheitssucher. Sie sind die getreuen Wächter der Deutschen, und sie werden solange sie leben Mahner, Hüter und Kämpfer für des Volkes Weiterbestehen sein. Und sie verrichten ihre Arbeit höchst bescheiden. Ohne Begleitmusik, ohne Trommelwirbel, ohne Schalmeienklänge. Natürlich auch ohne Betteleien vor den Haustüren derer, denen sie gern einreden, mit ihrem Trommelgetöse träten sie für "die Sache des Volkes" ein. In Wirklichkeit füttern sie ihre Reitpferde mit den eingehenden Spendengelder oder verprassen den "Opferstock" Gutgläubiger, wie weiland der im "rechten Lager" zur Unrühmlichkeit aufgestiegene Bela Althans, in Diskotheken...

Welch tiefes Enttäuschtsein verbirgt sich doch im Grunde hinter dem "wendehälserischen" Hinterdreinlaufen mancher Rechter hinter angeblich neuen, genau besehen falschen Propheten. Oder sind jene Unzufriedenen, die sich von der angeblichen Erfolglosigkeit ihrer alten Führer "abwenden" und sich von den marktschreierischen Verführungskünsten eines besserwisserischen, plötzlich emporgekommenen Gurus betören lassen keine Enttäuschten? Sind es Opportunisten, von denen es massenhaft viele in unserem Land gibt? Oder sind es gar Glücksspieler, die auf ein neues Pferd setzen?

 

Wenn sie "enttäuscht" sind, dann doch nur deshalb, weil sie falschen Hoffnungen aufgesessen sind und falschen Versprechungen vertrauten. Sie, die sich "abwenden" sind nämlich Freunde der lauten Töne. Sie hören am liebsten auf das Lärmen von Parteien. Aber wenn die Stunde der Wahrheit schlägt, hat noch keine Partei je eines ihrer lautstark herausposaunter Versprechen eingelöst. Wie kommt es nur, daß diese "Rechten" ehemaligen (nicht nur einstmals bekennenden, sondern sogar) praktizierenden Kommunisten mehr (zu)trauen als der erzieherischen Aufklärungsarbeit, die den deutschen Geist für eine geistige (und politische) Wende erst öffnet? Wieso laufen sie einem plötzlich Dahergekommenen hinterher, der frech behauptet, er habe für all unsere Probleme eine Patentlösung in der Tasche?

Ich frage Sie, liebe Freunde, über welche Lösung verfügt einer, der plötzlich, wie aus einer Bühnenversenkung emportauchend, uns weismachen möchte, er wisse mehr als wir, die wir die Entstehungsursachen politischer Machtverhältnisse seit langem durchschauen und seit Jahr und Tag auf die Weltpolitik auslösenden Zusammenhänge hingezeigt haben? Immer und immer wieder! Als ob wir nicht in all den Jahren unseres seelischen Verzeifeltseins sämtliche Lösungsmöglichkeiten auf ihre Durchführbarkeit hin untersucht hätten!

Ich werde den Verdacht nicht los, daß das System sich anschickt, die letzten noch frei gewesenen Felder auf dem Schachbrett der Macht, die durch das Hinscheiden unserer getreuesten Hüter und Mahner aufgegeben wurden, mit ihren Figuren zu besetzen. Welch ein Triumph feierte unser Gegner dann, wenn er behaupten darf, nicht nur die politische sondern auch die geistige Rechte in diesem Lande unter Kontrolle gebracht zu haben.

Machen wir es diesen diversen Hergelaufenen nicht zu leicht! Bleiben wir auf der Hut! Ein kreidefressender Wolf bleibt Wolf, auch wenn er seinen roten Pelz braun einfärbt und das Wort "Heil" richtig und akzentfrei auszusprechen gelernt hat.

Bis zum nächsten Mal

Ihr
Georg Albert Bosse


Quelle: Recht und Wahrheit, Folge 3+4/1999, S. 3f.


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