Liebe Leser von »Recht und Wahrheit«!

Das alte Volkslied »Mädchen, ruck, ruck ruck an meine grüne Seite«, seit der Bundestagswahl im Oktober ‘98 von den in atonaler Lautgebung geschulten Stimmakrobaten der Grünen, von Fischer und Trittin gesungen, fordert die keineswegs mehr taufrisch zu nennende Dame SPD zum Techtelmechtel auf. Der vorausgegangenen Brautwerbung - von der einen Partnerseite als einen Vorteil, von der anderen als eine mehr vernunftgesteuerte Notwendigkeit erachtet - folgt nun, nachdem die Flitterwochen vorbei und beider heftige Erstumarmung sich gelockert hat, die ersten ernstzunehmenden Mißklänge. Trunkene Siegeseuphorie hat sich in Alltagsernüchterung verwandelt. Die Dame SPD rückt immer noch - aber nicht nach, sondern von ihrem Partner ab. Sie geht auf Distanz. Fürchtet sie um ihren Ruf, der ihr im Zentralbereich plötzlich aufgekommener, alles hinwegfegender Politstürme abhanden zu kommen droht? Schon möglich! Zu ihrem Entsetzen muß sie feststellen, daß sie in diesen bewegten Tagen mehr zu verlieren hat, als ihr ohnehin schon stark angeschlagenes Ansehen.

Ihrem grünen Partner ergeht es kaum anders. Der Ärger ob einer Komplizenschaft an diesem von der SPD-Regierung mitgetragenen Balkankrieg läßt ihn nicht nur erblassen, vielmehr kehrt er in manchen Gesichtern von Grünen deren Parteifarbe hervor. Sollte es, womit nun einmal in einem Krieg zu rechnen ist, deutscherseits Tote geben, werden die offen ausbrechenden Zwistigkeiten zwischen den rot/grünen Koalitionspartnern einen deftigen Ehekrach heraufbeschwören. Es wird zu Trennungsverlusten auf beiden Seiten kommen. Beide Partner, die ohnehin schon bei ihrem Wahlvolk an Glaubwürdigkeit eingebüßt haben, werden hierbei nicht nur wichtige Teile ihrer Gefolgschaft verlieren, sondern, was weitaus schmerzvoller für sie ist, sie müssen damit rechnen, auf überaus wichtige Wählerstimmen bei kommenden Wahltagen verzichten zu müssen.

Die in die Jahre gekommene „rote Tante SPD" leidet schon seit langem unter einer Krankheit, die man durchaus als „Realitätsverlust" bezeichnen kann. Ihre ewiggestrigen Führer meinen, 1945 müsse auch noch 1998/99 andauern. Nun trauert sie, die häufig Sitzengelassene, verpaßten Chancen nach.

Der von der NATO unter US-Führung entfesselte Balkankrieg, in den sich die gehorsamsbeflissene Rot/Grün-Koalition unter Gerhard Schröder hineinziehen ließ, brachte die SPD wie weiland Rotkäppchen vom „rechten" (innenpolitischen) Weg, der propagierten „Neue Mitte", ab. (Politisch) kurzsichtig wie sie nun einmal ist, die „alte Dame SPD", was einer Partnersuche nicht unbedingt zum Vorteil gereicht, schielt sie nun traurig der immer weiter entschwindenden „Neuen Mitte" hinterdrein, von der sie sich vor der Bundestagswahl erhoffte, sie nach gewonnener Wahl „in diesem unsern Land" links von CDU/CSU und rechts von sich selber einrichten zu können. Was natürlich nicht ohne hintergründige Absicht geplant war: in erster Linie gedachte die SPD-Partnerberatung der „alten Dame" eine Verjüngungskur zu verpassen.

Wer mehr in der Mitte steht - weniger linkslastig ist, so der spekulativ zu wertende Erneuerungsgedanke bei der SPD - dem gelingt es eher „rechtes Treibgut" ein- und umfangen zu können. Sei es nun, daß dieses „Treibgut" von einer erfolglos gebliebenen „Rechten" abdriftete, sei es, daß lauwarme „Wechselbadliebhaber" (mehr auf Seiten von CDU/CSU zu finden) erwarten, daß ihre erkalteten politischen Hoffnungen in den wärmenden Armen einer „neuen Mitte" aufgetaut werden würden.

Ohne Frage, die verbraucht wirkende SPD braucht zum Überleben in einer Zeit, in der ein „neues Denken" zag aufkeimt, nichts Dringlicheres als eine Verjüngungskur. Wer im heraufdämmernden biozentrischen Zeitalter neuen Denkens (als Partei mit einem materialistischen Weltbild) überleben will (sofern Parteien im kommenden Jahrhundert überhaupt noch notwendig sind!), braucht viele, viele Anhänger, um sich über Wahlen seinen Machterhalt zu sichern.

Neues Denken? Wir mir scheint, erwachen die Deutschen allmählich aus ihrer dahindämmernden Dumpfheit zur selbsterkennenden Daseinslebendigkeit. Was rettete die SPD vor ihrem Untergang, wenn nicht eingefangene „rechte" Wähler? Oder solche, die sich von rechten Sprüchen, rechten Parolen - aufbereitet von Rechtsdralleinpeitschern in der SPD, welche die grell, wie eine Straßendirne aufgeschminkte Parteihure ausstößt - angesprochen fühlen?

Meinungsungefestigte Schwankende lassen sich immer einfangen!

Die SPD tut recht daran, sich rechtzeitig (vor ihrem Niedergang) einer „rechten" Lobby zu versichern. So versucht sie nun unter Dr. Schröder nachzuholen, was CDU/CSU/DVU (ja, die DVU - die der CSU des Herrn Dr. Stoiber bei Wahlen in Bayern die Bahn frei hält, indem sie gar nicht erst die Wahlkampfarena betritt, stattdessen aber „ihren eigenen Leuten" empfiehlt, CSU zu wählen!) ihr seit Jahr und Tag in dieser wunderlichen Bundesrepublik vormachen: sie fischen rechtes Stimmengut ab, um es danach in „stehende Gewässer" hineinzusetzen. Aber die Zeit naht, da das Deutsche Volk endlich das erhält, was ihm so lang vorenthalten wurde: echte politische Mitbestimmung in seinem Heimat- und Vaterland!

SPD-Chef Schröder hat die (den) richtigen „Rösselenker" für sein Vorhaben in seinem alten Berufs- und Gesinnungsfreund Horst Mahler gefunden. Aber es gibt nicht nur diesen einen Damaskus-Reisenden im Dunstkreis der „neuen Mitte", die sich im Inneren Kreis um Dr. Schröder versammeln - das sei nachdrücklich angemerkt!

Ich zweifle nach wie vor an Herrn Mahlers aufrichtig zu wertender politische Kehrtwendung!

Hiermit frage ich bei ihm in aller Öffentlichkeit an, ob meine Verdächtigung, ihn als Wegbereiter für eine „rechte Lobby" anzusehen, die der SPD Wählerpotential aus vorwiegend „rechten Kreisen" zutreiben soll, richtig liegt oder ich mich hinsichtlich seiner Beweggründe von einem Fehlschluß leiten lasse, der jeglicher Grundlage entbehrt.

Sollte ich mich davon überzeugen können, daß ich mich in den politischen Absichten des Herrn Mahler täusche, was nunmehr zu beweisen wäre, bin ich durchaus geneigt, ihm meine Friedenshand zu reichen.

Glauben Sie mir, verehrte Freunde, liebe Leser, nichts brächte uns in dieser Zeit als Deutsche mehr voran, als wenn es uns tatsächlich gelänge, die sich vor uns auftuenden ideologischen Gräben, die Deutsche von Deutsche trennen, zuzuschütten.

Hüten wir uns aber vor den Listen unseres Gegners, der übernehmen will, was unser ist. Wachen wir über die Aufrichtigkeit unseres Denkens, Fühlens und Wollens, das ohne Wenn und Aber Deutschland gilt, dem Land unserer Väter, dem Land unserer Kinder und Kindeskinder. Wenn uns Deutschland genommen wird (und wir uns kampflos nehmen lassen, was unser Leben ausmacht), gibt es uns bald nicht mehr!

Das meint in Sorge um unser Land und seine Menschen

Ihr
Georg Albert Bosse


Quelle: Recht und Wahrheit, Folge 5+6/1999, S. 3f.


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