Liebe Leser von »Recht und Wahrheit«!

Mit dieser ersten, das Jahr 2000 einleitenden Eingangsbetrachtung in Recht und Wahrheit überschreite ich mit Ihnen, verehrter Leser, zugleich auch die Schwelle zu einem neuen Jahrzehnt/Jahrtausend.

Nun ist das Ereignis eines Jahreswechsels keineswegs von einschneidenderer Bedeutung als etwa das Hinüberwechseln von einer Jahreszeit in eine andere.

Die Geburt einer neuen Jahreszahl in der Silvesternacht ist der Zählweise menschlicher Zeitfestlegung angepaßt, sie ist nicht mystischen Ursprungs.

Seit der Mensch die Zahl gefunden hat und um ihre Anwendung weiß, lernte er seine eigene Lebenslänge am Jahresverlauf zu messen. Die gelebten Jahre, denen er nach dem Lauf der Sterne einen Anfang- und Endpunkt gab, wurden zu einem festen Zeitmaß. Zu s e i n e m Zeitmaß, denn er maß sein (kurzes) Leben an der Elle seiner eigenen (gelebten) Jahre oder der ihm nahestehender Lieben .

Je weiter wir Jahre hinter uns lassen - ob nun selber ge(er)lebt oder in Rückwärtsschau überblickend -, der von den Menschen zu jeder Zeit gelebte Inhalt der Jahre ist von lebensbestimmenden Abläufen bestimmt. Wir bezeichnen die Geschehnisse, die den gegenwartsbestimmenden Schicksalsverlauf eines einzelnen wie auch seines Volkes entscheidend mitprägten, rückblickend als das uns vorliegende Ergebnis vorausgegangener Ereignisse.

Jede Geschichtsbetrachtung fordert den Betrachter auf, aus der sich ihm zu erkennen gebenden Vergangenheit lernen zu wollen (ja, zu müssen); denn anders gelänge ihm nicht, mit der Standortkoordinate seiner Gegenwart den richtigen Kurs einzuschlagen. Geschichtsbetrachtung nur aus dem Grunde führen zu wollen, Geschehenes aus sicherer Entfernung an- und auszuleuchten, um dann als gegeben hinzunehmen, was sich (sowieso) nicht mehr ändern läßt - hierbei die Lüge zur Wahrheit umzufälschen, vor allem nicht dazu bereit zu sein, dem Ursprung einer Geschichtsfälschung auf den Grund zu gehen - hat sehr viel mit moralischer Verkommenheit, mit Ehrlosigkeit, Dummheit und Feigheit zu tun. Die unverwechselbaren Kennzeichnen von Zeitgenossen, die sich gegenüber einer unkritischen Masse als (kompetente) Historiker ausgeben.

Der ehrliche Geschichtsbetrachter will den Ursachen nachspüren, welche die geschichtsbewegenden Momente, die seine Gegenwart beeinflussen, in Gang setzten. Die Nachforschung solcher geschichtsauslösender Momente verhindern zu wollen, entfernt den Menschen von seinem eigentlichen Auftrag - nach Gott, d.h. nach der Ursache allen Seins zu forschen. Dem Menschen Verbote aufzuerlegen, nachgerade in Bereichen der Geschichtsforschung, hindert ihn nicht nur daran, seinem in ihm verankerten Drang nach Wissenserweiterung (die seiner Suche nach WAHRHEIT entspricht) nachzugehen, sie sind zudem der menschlichen Natur zutiefst wesensfremd.

Wahrheitssuche ist die geheime Triebkraft menschlicher Evolution - ja, jedweder Höherentwicklung. Deshalb betrachte ich den, der mich von der Wahrheitssuche abhält, als meinen erbittertsten Feind! Aber er ist nicht nur mein Feind, er ist schlechthin der Feind aller Sucher!

Eine Rückschau auf Vergangenes, ein Rückblick auf Geschichtsabläufe, die auf das Leben von Völkern und Nationen einwirkten, wirft die Frage auf, was wir Gegenwärtige aus dem uns vorliegenden Geschichtsbuch unseres Volkes an Lehren für die (nahe) Zukunft entnehmen können.

Geschichtsbetrachter vergangener Epochen suchten Geschichtsabläufe anhand wirksam gewordener politischer oder geopolitischer Entscheidungen und Unternehmungen (Dekrete + Feldzüge) zu erklären.

Wenn Julius Caesar seinen Truppen befahl, den Rubikon zu überschreiten, um damit seinem Marsch (auf Rom) die Richtung zu weisen, und dieser Befehl mit seinem Sieg über Pompejus im Jahre 48 (bei Pharsalos) endete, dann werten Nachbetrachter dieses Ereignis anhand der sich hieran anschließenden geschichtlichen Vorgänge (um Julius Caesar) als einen Ausfluß dieses Befehls, der bei Nahbetrachtung sowohl einen politischen als auch einen militärischen Aspekt aufweise.

Übriges, Caesar war es auch, dem wir den Julianischen Kalender (365 ¼ Tage), damit unsere neuere Jahrzeitmaßlänge, (ver)danken.

Wir Heutigen versuchen, bei unserer neuen Art von Geschichtsbetrachtung - selbstverständlich weiterhin dem Ablauffaden geschichtlicher Prozesse folgend - uns den Beweggründen handelnder geschichtlicher Persönlichkeiten zu nähern. Ein zwingender Gedankengang, nicht wahr, denn Geschichte wird ja immer noch von Personen (also von Menschen) gemacht.

Unsere Art von Betrachtensweise will zunächst festgelegt wissen, welcher Abkunft (Volks- und Rassezugehörigkeit), welcher Herkunft (Bildungsstand) die zu betrachtende geschichtliche Person angehört.

Aus dem Zusammenwirken von Abkunft und Herkunft, welche beide Gefühl und Verstand beeinflussen, wird menschliches Handeln verständlich. Sofern wir nun noch Abhängigkeiten (ob von physischer oder psychischer Natur) entdecken, wie Blutsbande, Eidvorschriften, Priestergehorsam oder was sonst noch auf Menschen äußerlich wie innerlich einzuwirken vermag, so erhalten wir über die auslösenden Momente folgenschwerer Schlüsselhandlungen einer geschichtlichen Persönlichkeit ein umfassenderes Gesamtbild, das Aufschluß geben kann über seine inneren Beweggründe. Vorausgesetzt, wir verfügen über ein unanfechtbares Quellenmaterial.

Wenn wir uns dann daran machen, die Geburtskinder menschlicher Handlungsausflüsse untereinander zu vergleichen, werden wir sicherlich zu dem Ergebnis hingelangen, daß verwandte Naturen sinnverwandte Entscheidungen in ähnlich gelagerten Fällen trafen.

Tatmenschen haben einen fast identischen Abkunfts- und Herkunftshintergrund!

Hierbei ist unerheblich, ob es sich um einen Soldaten (Feldherrn) oder um einen Kulturschöpfer (Künstler) handelt.

Die Welt wurde - und wird auch künftig - von Tatmenschen bewegt!

Schade, daß eine jede Epoche nur einen einzigen solcher geschichtsbewegenden Geister hervorbringt. Aber sollte uns dies nicht dennoch Trost in einer Zeit absoluten Niedergangs geben?

Ich jedenfalls nehme in die neue Zeitepoche meine mir eigene gläubige Gewißheit mit hinüber, die mir verheißt, daß eine Wende zum Besseren bevorsteht.

Harren wir ihrer geduldig!

 

Lang lebe die Freiheit!

Ihr
Georg Albert Bosse


Quelle: Recht und Wahrheit, Folge 1+2/2000, S. 4f.


Möchten Sie unsere Zeitschrift abonnieren? Dann klicken Sie hier!


Zurück zur Hauptseite | Zurück zum Archiv | Zurück zum Inhaltsverzeichnis


Senden Sie uns Ihre Meinung: E-Post »Recht und Wahrheit«, Hohensteinstr. 29, D-38440 Wolfsburg
Ruf: (05361) 22 5 76; Fax: (05361) 23 5 96

Haben Sie einen Fehler auf unserer Website gefunden?
Bitte schreiben Sie unserem Webmeister:
Fehler-E-Post