Geschrieben um der Wahrheit willen

Karl-D. Schönherr

Stuttgart, 20.02.2000
70376 Stuttgart (Münster)
Elbestraße 99

STUTTGARTER NACHRICHTEN
-Redaktion-
Plieninger Straße 120
70567 Stuttgart

STUTTGARTER NACHRICHTEN v 17.02.2000, „Rau bittet Israel um Vergebung", Rau verneigt sich in Demut vor NS-Opfern" und „Helfer verzweifeln an den Irak-Sanktionen".

 

Sehr geehrte Damen und Herren !

Wenn Herr Rau das Bedürfnis verspüren sollte, ob auf den Knien, auf dem Bauch oder sonstwie, sich in Demut zu ergehen oder um Vergebung zu bitten, für etwas, woran weder er noch die überwältigende Mehrzahl seiner Generation einen Anteil hatten, so bleibt ihm dies trotzdem selbstverständlich unbenommen. Wenn er jedoch in seiner, schon des öfteren praktizierten, ebenso penetranten wie ambitösen „Alles-mir-nach"- Attitüde sich nicht scheut, mich, als ebenfalls dieser Generation angehörend, ungefragt und ohne Mandat, für eine derartige vermeintliche Komplizenschaft zu reklamieren, dann nenne ich das eine Anmaßung. Ich habe nicht um Vergebung zu bitten für etwas, das ich nicht zu verantworten habe. Da es keinen „schuldfähigen" Glauben gibt, braucht es auch keine „Vergebung". Dessen jedoch ungeachtet: Sollte ich je trotzdem ein derartiges Bedürfnis verspüren, dann bedarf es dazu bestimmt nicht eines Katecheten; dann bin ich durchaus Manns genug, das in eigener Regie zu absolvieren.

Aber wenn wir schon bei diesem Thema sind: Man nennt ihn doch auch den „frommen Johannes", den Herrn Rau. Woraus zu schließen ist, daß man es mit einem Christenmenschen zu tun hat. Und da erhebt sich nun doch die Frage, wann und wo der Herr sich, als Christ, endlich vor jenen in Demut verneigt, die zu zig-Tausenden im Namen der Kreuzes in z.T. barbarischer Weise zu Tode gebracht worden sind: Die arabischen Einwohner z.B., bei der Eroberung Jerusalems, die „gottlosen Heiden" in Osteuropa oder die in der Neuen Welt von den christlichen Glaubenskriegern ausgerotteten Indianer und, nicht zu vergessen, weil jüngeren Datums, vor jenen, die aus Anlaß des „Kreuzzuges in Europa" dem gesegneten und beherzten Tun der „Christian Soldiers" ihren tödlichen Tribut zu zahlen hatten.

Und noch weniger weit zurück, gäbe es da ja auch noch einen aktuelleren Fall, für den Trauerarbeit angesagt wäre. Und wer wäre dafür mehr geeignet, als der, der derzeit diese exemplarischen Brutstätte für Schamröte an oberster Stelle repräsentiert? Hätte dieser probate Vorbeter von Bußübungen, angesichts der wohl inzwischen zu Hunderttausenden elend verreckten irakischen Kinder, nicht allen Grund, sogar noch auf den Brustwarzen um Vergebung zu bitten?

Aber nach aller Erfahrung - mit einer derartigen Geste von Herrn Rau wird es wohl nix werden.

Mit freundlichem Gruß

gez.: Schönherr


Quelle: Recht und Wahrheit, Folge 3+4/2000, S. 21.


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