Wer des Soldaten Ehre schmäht, flucht dem Vaterland

von

Otto Ernst REMER

Wie Tagespresse, Nachrichtensendungen und gesprochene Kommentare im Oktober vermeldeten, wurde der 42 Jahre alte Frankfurter Arzt Peter Augst, der während einer Podiumsdiskussion vor fünf Jahren an einer Frankfurter Schule geäußert hatte: "Jeder Soldat ist ein potentieller Mörder - und Sie auch, Herr W"- diese letzte Bemerkung war an einen anwesenden Bundeswehroffizier gerichtet -, nach viermaligem Auftritt vor Gericht vom Vorwurf der Volksverhetzung und Beleidigung" freigesprochen. Der Arzt hatte außerdem erklärt:" Bei der Bundeswehr gibt es einen Drill zum Morden über 15 Monate lang, besonders in den ersten drei Monaten".

Die Spitzfindigkeit juristischer Urteilsbegründung, die sich letztlich in den Artikel 5 des Grundgesetzes flüchtete, stellt in diesem Falle das Recht auf "freie Meinungsäußerung" über die Wahrung des wohlbegründeten Ehrenschutzbegehrens für die uniformierten Angehörigen der Bundeswehr.


Wir wollen nicht fragen, welche Auswirkungen dieses Gerichtsurteil auf die ohnehin nicht besonders hoch einzuschätzende WEHRBEREITSCHAFT der Diensttuenden in der Bundeswehr hat. Sicherlich niederschmetternde. Soviel dennoch zu diesem beispiellosen Urteil: Die Bundeswehr, die sich als eine WEHR versteht, deren eingeübte Konzepte im Kriegsfall eine Verteidigung des Terretoriums der Bundesrepublik vorsehen, erwehrt sich im Rahmen dieser Konzeption eines möglichen Angreifers nicht anders wie jemand, der bei gezieltem Angriff auf Leib und Leben zu Notwehrmitteln greift, um mit der Waffe in der Hand sein Allerheiligstes zu verteidigen. Allein schon aus diesem einfachen und einleuchtenden Grunde durfte die Beleidigung "potentieller Mörder" vorm verhandelnden zuständigen bundesdeutschen Gericht nicht ungesühnt bleiben. Niemand, der in NOTWEHR handelt, wird Mörder geheißen! Nirgendwo in der Welt!

Nun, uns interessiert in diesem Zusammenhang noch ein anderes. Wir haben die Frage zu untersuchen: Aus welchem Geist wurde dieses Urteil gespeist. Die Anwort drängt sich wie von selbst auf: Es ist derselbe Geist, der Feiglingen, Wehrunwilligen und Deserteuren Denkmäler baut. Es ist der gleiche Geist, der Millionen von namenlosen Vaterlandsverteidigern, die ihr Leben und ihre Gesundheit für die Unversehrtheit und für das Wohl ihres Heimatlandes auf den blutigen Schlachtfeldern Europas ließen, mit Verachtung bestrafen. Es ist der gleiche Geist, der die edle Selbsthingabe an das hohe Ideal DEUTSCHLAND verhöhnt. Es ist der gleiche Geist, aus dem Nihilismus und Anarchie ihre Zerstörkraft beziehen. Es ist derselbe Geist, der die Ich-Sucht des einzelnen höher einstuft, als den volksgemeinschaftlichen WIR-Gedanken. Und es ist nicht zuletzt der gleiche Geist, dem der Pesthauch des Unterganges anhaftet, und der für das Vergehen und Dahinschwinden von einst wehrhaften Kulturen verantwortlich gemacht werden muß.

Nie war und ist in der Geschichte menschlicher Kulturen der VATERLANDSVERTEIDIGER Mörder geheißen worden. Dies blieb unserem unseligen Zeitalter vorbehalten. Aber dieses von einem neuen Gegenwartsdenken gezeugte Wort MÖRDER verkehrt sich nun ins Gegenteil und schlägt mit voller Wucht auf jene zurück, die dem WEHRWILLEN heimattreuer Jünglinge "Schild und

Schwert" aus den Händen schlugen und das in ihnen hellauflodernde IDEAL der Vaterlandsverteidigung für verächtlich erklärten. Denn MÖRDER werden einst jene genannt werden, die den WEHRWILLEN kampfbereiter junger Männer willentlich und wissentlich schwächten, so daß der Feind leichtes Spiel mit ihnen hatte und ihnen ihr LAND, ihre KULTURGÜTER, ihr persönliches MENSCHSEIN rauben und zerstören konnte. Sie sind die wahren MÖRDER. Sie sind MÖRDER am eigenen Volk, MÖRDER an der eigenen Nachkommenschaft!

Wie erbärmlich tief ist doch dieses 20. Jahrhundert gesunken, daß es all die hohen geistigen WERTE, die in vorbildhaften IDEALEN eingebettet sind und deren stilles Leuchten unser Lebensweg erhellt, ja, unserem MENSCHSEIN die rechte WORDE schenkt, verleugnet und verlacht. Wehe den Nachgeborenen. Der Blick zu den Sternen wird ihnen verwehrt, das Erleben des SCHONEN nicht mehr möglich und das Nachspüren der WAHRHEIT ihnen verboten sein.

Lauschen wir mit unserer Seele den Worten eines Deutschen. Geschrieben wurden sie im August 1914. Wir wissen von dem Schreiber dieser Zeilen, daß er 1916 bei St. Eloi/Flandern sein Leben für Deutschland ließ. Er hieß Karl Heinrich STEFFENS. S e i n e Antwort, die er den Lebenden hinterließ, lautet so:

"Warum sollen wir uns fürchten vor dem Zukünftigen ? Bist Du so eigennützig und selbstsüchtig, daß Du es nur unter Tränen übers Herz bringen kannst, Dein Sein zu opfern, damit etwas Höheres aus Deinem Vergehen entstehen kann ? - Denn man stirbt nicht nutzlos. Das tut nur, wer auf der Gasse sein Lebtag lang im dumpfen, tierischen Dahinvegetieren und niemals einen Strahl aus höheren Welten, das, was ich "Glück" nenne, empfand; ohne Zweck für sich stirbt auch der, dessen ganzes Leben harte Arbeit war und der niemals ihren Segen spürte; und endlich ist auch dessen Leben ohne wahren inneren Wert, wer sich von Jugend auf als Herr dünkt und niemals die bessere Rute der Selbstzucht und den Adel des Dienens an sich erfuhr. Darum glücklich Ihr, die Ihr sterben dürft mit einem festen Zweck vor Euren Augen: fürs Vaterland."

Ihnen allen, meine Freunde und Kameraden, Frohe Weihnachten und ein gesundes neues Jahr!


Quelle: Recht und Wahrheit, Folge 11+12/1989, S. 4

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