LESERBRIEF

Erst unlängst wurde aus Moskau bekannt, daß das Oberste Sowjet-Gremium den Hitler-Stalin-Pakt annulieren (für ungültig erklären) wolle. Ja, Garbotschow macht's möglich! Alle Welt wußte seit vielen Jahren, daß in diesem Pakt "Geheimvereinbarungen" enthalten waren, die von den sowjetischen Politikern seit nunmehr 50 Jahren verschwiegen wurden. Die gleiche Mauer des Schweigens umgab das Massaker in Katyn, das den Deutschen 40 Jahre lang "angelastet" wurde. Die Wahrheit bricht sich Bahn!


Im "geheimen" Zusatzprotokoll des deutsch-russischen Abkommens vom 23. 8. 1939 heißt es unter Punkt 2 im zweiten Absatz: "Die Frage, ob die beiderseitigen Interessen die Erhalltung eines unabhängigen polnischen Staates erwünscht erscheinen lassen und wie dieser Staat abzugrenzen wäre, kann endgültig erst im Laufe der weiteren politischen Entwicklung geklärt werden."

Im deutsch-sowjetischen Freundschaftsvertrag vom 28.9. 1939 ist dann vom "Auseinanderfallen des bisherigen polnischen Staates "die Rede und davon, daß die "erforderliche staatliche Neuregelung in den Gebieten westlich der in Artikel 1 angegebenen Linie, die deutsche Reichsregierung, und in den Gebieten östlich dieser Linie die Regierung der UdSSR übernimmt" Das war das eigentliche Todesurteil für den polnischen Staat. Wie heute bekannt ist, hat Stalin die NS-Führung zu einer solchen Lösung gedrängt. Warum - muß man sich fragen. Dachte er schon damals, Ende September 1939, an seinen Angriff auf Deutschland? Einige Zeitgeschichtler, darunter auch russische (siehe hierzu das Buch von Viktor Suwerow, "DER EISBRECHER", d. Schriftltg.), bejahen diese Frage eindeutig. Stalin habe dafür gesorgt, daß er nicht erst irgendeinen polnischen Puffer überwinden mußte beim beabsichtigten Sprung nach Westen.

Hitler ist diesen Plänen zuvorgekommen, weil ihm sein Geheimdienst über Stalins Absichten informierte, denn am 17. Oktober 1939 erklärte er in einer Besprechung mit dem Chef des Oberkommandos der Wehrmacht, Generaloberst Keitel, unter anderem: "Unsere Interessen bestehen in folgendem.- Es ist Vorsorge zu treffen, daß das Gebiet (Rest-Polen) als vorgeschobenes Glacis für uns militärische Bedeutung hat und für einen Aufmarsch genutzt werden kann. Dazu müssen die Bahnen, Straßen und Nachrichtenverbindungen für unsere Zwecke in Ordnung gehalten werden."

Der Stalinismus in der Sowjetunion gehört zur Gegenwartsbewältigung seit Michail Gorbatschow. Die These von Hitlers Angriffskrieg gegen Rußland ist ins Wanken geraten. Die Dinge liegen anders. Von deutscher "Alleinschuld" kann keine Rede mehr sein. Herr von Weizsäcker muß sein Vokabular ändern. Vor allem müssen die Geschichtsbücher umgeschrieben werden, damit unsere Jugend die Wahrheit erfährt. So gesehen und in Anbetracht einer "Gesamteuropäischen Einigung" sowie in Anbetracht der "katastrophalen Lage der russischen und polnischen Ernährungslage" arbeitet die Zeit für die deutsche Wiedervereinigung, die keiner europäischen Nation schadet. Ohne Westeuropa wird der Ostblock nach meiner Ansicht nie mehr auf den "grünen Zweig" kommen. Wenn das Ziel "Gesamteuropa" mit der scheinbar vorprogrammierten Freizügigkeit geschaffen ist, können die deutschen Vertriebenen, zusammen mit deutschen Neusiedlern, in ihre Heimat zurückkehren, um dort den ehemaligen Zustand von blühendem Wohlstand wieder herzustellen. An diesem Wohlstand eines wiedervereinigten Deutschland, ja ganz Westeuropas, können dann die Völker Osteuropas - bitte schön! - teilhaben. Darin sehe ich die beste Möglichkeit für einen dauerhaften Frieden in Europa, zumal sich Ost- und Westeuropa in vielerlei Beziehung ergänzen. Ich gehe von einem Europa der Vaterländer aus.

Drücken wir also Herrn Gorbatschow für "Glasnost und Perestroika" die Daumen!

Heinrich Petersen, 234 Olpenitzfeld


Quelle: Recht und Wahrheit, Folge 11+12/1989, S. 18

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