SONNENWENDE

von

Arnold Neugebohrn

Daß unsere Erde sich täglich einmal um ihre Achse dreht und uns so den Wechsel von Tag und Nacht, hell und dunkel beschert, das ist wohl die bekannteste aller Tatsachen, mit der die Natur uns Menschen begegnet. Auch daß die Erde einmal im Jahre die Sonne umrundet, hat sich inzwischen herumgesprochen, nachdem Nikolaus Kopernikus, einer der deutschen Domherren des Frauenburger Domkapitels, im Jahre 1543, seinem Sterbejahr, endlich die schon lange vorher von ihm verfaßten "Sechs Bücher über die Umläufe der Himmelskörper" der Öffentlichkeit bekannt gab. Er widmete sie dem damaligen Papste Paul III, wohl wissend, in welchem gefährlichen Gegensatz zur herrschenden kirchlichen Lehrmeinung er mit seinen Forschungen geriet. Nur sein "rechtzeitiger" Tod bewahrte ihn vor ähnlicher Verfolgung, der seine Geistesverwandten Giordano BRUNO und GALILEI ausgesetzt wurden.

Mit seinen ketzerischen Erkenntnissen hatte der sternkundige Denker ein Fenster aufgestoßen, das endlich erhellendes und bewegendes Licht in das Dunkel hineinließ, in dem die rückschrittliche, freier Geistigkeit und forschender Wissenschaft feindliche Statik der christlichen Kirche, das von ihr geistig und religiös beherrschte Abendland zu halten suchte. Auch nach Kopernikus, dessen Aussagen mit merkwürdiger Verspätung mit dem kirchlichen Index belegt wurden, bedurfte es des erbitterten und opfervollen Ringens um die Erweiterung und die Durchsetzung wissenschaftlicher Erkenntnis durch viele bedeutende und mutige Menschen. Heute erfährt schon jedes Kind - zumindest bei uns - die Tatsache, daß die Erde die Sonne umrundet, wenn es zu fragen beginnt, warum es Sommer und Winter gibt.

Doch mancher Vater täte sich schon recht schwer, seinem Kinde auch die andere Ursache dafür zu nennen oder richtiger, ihm das Zusammenwirken zweier Tatsachen als Ursache des Wechsels der Jahreszeiten zu erklären: den jährlichen Umlauf der Erde um die Sonne u n d die Neigung der Achse unseres irdischen "Drehkreisels" gegen die Ebene seiner Umlaufbahn, von den Sternguckern EKLIPTIK genannt. Fachleute aller wissenschaftlichen und technischen Bereiche bedienen sich ja mit Vorliebe einer mit recht vielen Fremdwörtern gespickten Ausdrucksweise, damit der Laie, der Latein und Griechisch nicht gelernt hat oder sich seiner Schulkenntnisse nur noch schwach erinnern kann, dem unerreichbaren Fachwissen der "Experten" auch ja die geziemende Hochachtung zollt. Mit der erwähnten EKLIPTIK wird es für den Vater, der seinem Kinde Rede und Antwort stehen soll, schon recht schwierig und wissenschaftlich. Doch unserem "Dreigestirn" Sonne, Erde und Mond kümmert die Sprachregelung der Menschen, die diese für deren wunderbaren Bewegungsablauf erfunden haben, herzlich wenig. Was für unser Planetensystem gilt, gilt für alle Sternensysteme: An richtigem Platz gestellt, zieht jede Sonne, jeder Planet, jeder Mond unbeirrt seine für ihn bestimmte "Bahn" am Firmament. Ihre mathematisch berechenbare Bewegungsabläufe lassen uns ein wunderbares Aufeinander abgestimmt sein und Zusammenspiel erkennen,

aus dem letztlich der göttliche "Sternen- und Planetenreigen" entsteht. Aber diese Naturgesetzlichkeiten, die Sterne und Planeten "dreht und bewegt", muß der Mensch zuvor erst einmal begreifen lernen, ehe er darangehen kann sie zu beschreiben.

Martin Luther, ein Zeitgenosse des Kopernikus, sah dessen Forschungen als gefährliche Narretei an, in dieser Hinsicht war der von Rom Abtrünnige der gleichen Meinung wie die römische Kirche. In seinen "Tischreden" wetterte er gegen den "Frauenburger Narren" und entschied: "Der Narr will die ganze Kunst der Astronomie umkehren! Aber, wie die Heilige Schrift anzeigt, so hieß Josua - er meinte damit Jesus - die Sonne stillstehen und nicht das Erdreich!"

1000 Jahre vor Luther war schon einer der ganz großen kirchlichen Würdenträger, der hl. Augustinus, Bischof der afrikanischen Stadt Hippo, auf die Erde bitterböse. In seinem Grimm nannte er sie die "civitas diaboli", die "Stätte des Teufels". Der gestrenge Kirchenvater empörte sich über die abgrundtief sündigen Menschen, wiewohl er selber zu ihnen zählte und in seiner Jugend den Lüsten der "civitas diaboli" gar so abhold nicht gewesen war. Im Sturm und Drang seiner Jungmännerjahre hatte er seinem sinnlichen Begehren ziemlich hemmungslos die Zügel schießen lassen. Eine seiner Konkubinen gebar ihm einen Sohn. Wie stets bei "Kirchenvätern", die dem katholisch Gläubigen als Vorbild gelten, erfuhr Augustin eine tränenreiche "Bekehrung" und verwandelte sich nach seiner "Erleuchtung" in einen Eifer w i d e r jede Art der Geschlechtlichkeit. Demgemäß forderte er nunmehr die asketische Verneinung aller, auch der zuchtvollen Sinnlichkeit, obwohl sie dem Menschen als naturgebundenes Wesen durchaus natürlich und würdig ist.

Welch "schrecklicher" Gedanke überhaupt, der die "Stätte des Teufels" zum Mittelpunkt des Weltallgeschehens machte und der Sonne befahl, sich gefälligst um die eisern feststehende Erde , diesen "Sündenpfuhl" zu drehen.

Welch wahnwitziger, anmaßender Irrtum von Priestern, die genug Macht besaßen, um das "Glauben müssen" dieses Irrtums mit der Folter nachzuhelfen!

Die von der römischen Kirche verordnete tausendjährige wissenschaftliche Nacht wurde lediglich von der roten Lohe tausender von Scheiterhaufen erhellt, die ROM für alle verstockten, von "bösen Irrlehren" verführten Ketzer entfachte, um ihre Leiber dem "reinigenden Flammentod zu überantworten. Die römische Inquisition meinte die Glaubensabtrünnigen mittels der ihnen solchermaßen gnädig gewährten Leibesnöte vor weitaus schlimmeren Seelenqualen bewahren zu müssen, welche, löschte nicht der Flammentod deren "sündiges Vorhandensein", die Verstockten andernfalls schnurstracks in die finstersten Tiefen der Hölle hinabgeführt haben würden. Also geschah die Verbrennung der Ketzer zu deren eigenem (Seelen-)Heil! Die Entstehungsursache allen Ketzertums indes, vermochte die ROM-Kirche auf diesen Wege natürlich nicht zu beseitigen!

Welch hirnverbrannte, krankhafte Absurdität ist hier von einer nur männlich denkenden Priesterschaft ersonnen und entwickelt worden! Sagte doch einer von ihnen, der Karthager TERTULLIAN im zweiten Jahrhundert n.d.Ztw. - Landsmann und Vorläufer Augustins - das bezeichnende Wort, mit dem schließlich auch die allerwiderlichsten Glaubensforderungen begründet werden können: "credo - quia absurdum!" Ich glaube, w e i 1 es widersinnig ist!

Nicht unglaublich hingegen, weil wahr: Dieser Priesterschaft ist es in zähem, jahrhundertelangem Ringen gelungen zu weltumspannender Bedeutung aufzusteigen, mit machtvollem Einfluß auf Menschen, Völker und Staaten. Jedoch reicht diese langsam zerbröckelnde Macht an der Schwelle zu einem neuen Jahrhundert nur so weit, wie Menschen sich noch in Unmündigkeit und Unwissenheit befinden. Das Gebot des altrömischen Dichters HORAZ "sapere aude!"- wage es, weise zu sein, im übertragenen Sinne: wage es, zu wissen! -, scheint (auf wissenschaftlichem Gebiet) vielfach Verbreitung gefunden zu haben, ist indes, prüft man seine Anwendbarkeit auf politischem Gebiet, an nämlicher Stelle in den Hirnen vieler Menschen immer noch als Gegenteil wirksam. Vornehmlich bei den Deutschen, wenn es um ihre jüngere Geschichte geht! Da wagen es nur wenige HORAZ' Ratschlag zu befolgen und wagemutig nach "Weisheit" oder "Wissen" zu streben.

Nun gut, die Macht der Kirchenoberen reicht zum Glück nicht so weit, den Lauf der Sterne beeinflussen zu können. Sonne und Erde entziehen sich nach wie vor dem Unsinn, ihre Bewegungsgesetzlichkeiten mit Hilfe von erdachter Dogmen aufzuheben. Die menschlich Dummheit hat dies auch während der kirchlich verordneten tausendjährigen Verdunkelung nicht fertiggebracht: entgegen oberhirtlicher Weisung hat die Sonne ihre uns bisher bekannten neun Planetenkinder ganz schön an der Strippe ihrer alles überragenden Masse gehalten, mitsamt deren Monden.

Die Natur folgt den ihr eigenen Gesetzen! Erfreulicherweise hat die Erde, die verdummende päpstliche Lehre, nämlich "Mittelpunkt der Welt" zu sein, ignoriert und sich zur mütterlichen Wohnstatt vielfältigen Lebens gemausert. Weder an der Wirklichkeit vorbeigehende kirchliche Ansichten, noch frömmelnde Untergangspropheten konnten die ERDE von "ihrem Weg" abbringen. So bietet sie uns irrenden Menschen seit unserer Ankunft auf diesem Planeten als liebende Mutter den Wurzelgrund, auf dem wir uns zunächst auf nicht absehbarer Zukunft dauerhaft einrichteten, bis dann ein Zeitpunkt eintrat an dem todbringende menschliche IRRTÜMER, die unser existentielles Weiterbestehen gefährden, an dem Wurzelgrunde unseres Hierseins Hand anlegten und nun zu zerstören drohen, was unser aller Leben trägt und nährt.

Noch lebt unsere Erde. Wir erfreuen uns jeden Tags eines neuen Sonnenaufgangs. Wir sind Mitbetroffene und Zeugen zugleich, wenn die Sonne tagtäglich am grünen Altar der Pflanzenwelt die Ehe zwischen belebenden Licht und Chlorophyll stiftet, auf daß sie auf diese wunderbare Weise den für unsere Atemluft notwendigen Sauerstoffgehalt erzeuge. Viele Liedsänger - der ägyptische Pharao Echnaton, der griechische Dichter Homer, der christlich- katholische Franziskus - haben dem lebenspendenden Himmelsstern ihre Lobpreisungen gewidmet. Auch Kopernikus hat ihm ein Loblied gesungen: "In der Mitte aber von Allen herrscht die Sonne, denn wer möchte in diesem schönsten Tempel diese Leuchte an einen anderen oder besseren Ort versetzen, von wo aus sie das Ganze zugleich erleuchten kann? Darum auch Einige sie nicht ungeschickt die Leuchte der Welt, Andere die Seele nennen... So lenkt tatsächlich die Sonne, auf dem königlichen Stuhle sitzend, die sie umkreisende Familie der Gestirne…"

Ohne päpstlichen Fahrschein umfährt also die Erdenmutter die lebenspendende Sonne Jahr um Jahr auf der kirchlich nicht genehmigter Bahn, und falls wir nicht selbst dem irdischen Leben leichtfertig den Garaus machen, können wir es jedes Jahr wieder erleben, daß die Sonne für unser Auge einmal den höchsten und ein halbes Jahr später den tiefsten Bogen an unserem Erdenhimmel durchwandert.

Beide Male nennen wir diesen Vorgang SONNENWENDE. Sonnenwende zu feiern, war unseren germanischen Vorfahren heiliger Brauch, sie an der Abhaltung dieser Feierlichkeit zu hindern, gelang nur einer gewaltsamen Glaubensaufnötigung - der Christianisierung. Das mit "Feuer und Schwert" sich ausbreitende, heuchlerisch "Liebe" predigende Christentum bediente sich zur Einhaltung ihrer "Gebote" weltlicher Handlanger. Der Nichtbefolgung ihrer Gesetze folgten Scheiterhaufen und Henkerbeil. Mit der Schlinge um den Hals wurde am Galgen jedwedes Aufbegehren gegen den auferlegten Glaubenszwang abgewürgt. Ein millionenfaches Morden hub an. Wer an seiner alten Weltvorstellung, der germanischen, festhielt, mußte sterben. Unser deutsches Volk hat in seiner Mehrheit die Folgen dieser barbarischen Vergewaltigung bis heute nicht vollends zu tilgen vermocht, wenngleich ureigene Feiertagsbräuche, die mit verschütteten Himmelsvorstellungen zusammenhängen, sich bis auf den heutigen Tag in abgewandelter Form erhalten haben. Der ursprüngliche Sinn der Feier wird nur noch von wenigen richtig verstanden. Denken wir an das Fest der Hohen Weihenacht - WEIHNACHTEN -; oder an das Fest im Lenzing (Frühling), das der angelsächsisch-germanischen Göttin OSTARA gewidmet ist und noch heute OSTERN geheißen wird.

Eine im tiefen Innern ihrer Seele wurzelnde Naturverbundenheit war unseren Altvorderen arteigen. Als Bauern und Jäger, Früchtesammler und Himmelsbeobachter waren sie sich ihrer Abhängigkeit von der jahreszeitlich wechselnden Leucht- u. Wärmekraft der Sonne sehr viel inniger bewußt, als viele unserer heutigen Zeitgenossen, die der Ansicht sind, die Bequemlichkeiten der modernen Zivilisation enthöben sie jedweder naturhaften Abhängigkeit. Außerdem könne man der wetterwindischen Unbill kälterer Jahreszeiten durch Flucht entgehen, indem man eine Flugreise zu südlicheren Gefilden bucht.

Wir wissen, daß die fortschritts- und techniktrunkenen Naturverneiner, die sich als "Naturbezwinger" dünken, mit ihren "neuen Irrtümern" der Erde und sich selbst den Todesstoß versetzen. Hielten sie die Erde einst für den "Mittelpunkt der Welt", ist sie ihnen nun zum ausbeutbaren Objekt ihrer "widergöttlichen" Triebwünsche geworden. Der Mensch hat sich von seinem Eingebundensein in ein allgöttliches Ganzheitsprinzip selbstherrlich abgekoppelt. Friedrich Schleiermacher, für den Religion nicht Denken oder Handeln bedeutet, sondern Anschauung und Gefühl, sagt, daß die Anschauung des Universums in uns Ehrfurcht auslöse und uns das Gefühl des Abhängigseins von etwas Höherem vermittle, womit der Mensch (ahnungsvolle) Einsicht in die bestaunenswerten Wirkweisen des Unendlichen gewönne. Diese Auffassung begründet seine klare Absage an die "neumodernen" Rationalisten seiner Zeit. Der zergliedernde Verstand "fügt nicht zusammen", er trennt uns vom Erkennen!

Erkennen? Die WELT erkennen? Unsere germanischen Vorfahren erlebten die Weit als Träger eines Geheimnisses, das sie in ihrer Naturverbundenheit mit der Seele erspürten. Das "Hillige", das Heilige, begegnet ihnen im Rauschen der Blätter, in der Stille eines Eichenhains, im hellen Gemurmele eines quellenden Gewässers oder im zuckenden Blitz und dem rollenden Donner Dies wußte schon der römische Geschichtsschreiber TACITUS zu berichten. Jakob BÖHME, der Görlitzer Schuster-Philosoph (1575-1624), der seine Bücher in Deutsch schrieb und nicht in Latein, wie es damals Sitte war - unser "Philosophus teutonicus" -, riet dem Gottsucher, er solle auf eine blühende Wiese hinaus gehen, dort werde er das Heilige mit allen seinen Sinnen fühlen, sehen, schmecken.

Die Himmelsabläufe waren den Germanen Weltenuhr. Der Jahreszeitenwechsel gliederte den Zeitenlauf in eine sichtbare, erlebbare, spürbare Wirklichkeit, der sie sich mehr ein- denn unterordneten. Die Annehmlichkeit der wärmeren Jahreszeit wechselte in die unangenehmere einer kälteren hinüber. Die Tage verkürzten sich oder wuchsen nach vollzogener Sonnenwende zu lichtlängeren heran; kündeten von neuerwachenem Leben in Au und Flur. Waren diese "Wendepunkte", jene die "Besserung" kündeten, nicht eines Freudenfestes oder Feiertages wert?

Das Fest der höchsten Freude, die Weihenacht, die uns germanischen Menschen Gewißheit von der Geburt neuen Lichts schenkt, das in absehbaren Stunden nach die sein Feiertage Tag um Tag mehr an aufsteigender Heiligkeit gewinnt, ist das schönste im Jahr. Es schenkt uns am meisten Innerlichkeit, gewährt uns am meisten Besinnung. Enthält die Weihenacht nicht Stunden, Minuten, ja ewigkeitwährenden Sekunden, in der wir in zeitferner Sammlung unseres Ichs verharren, eines Glücksgefühls fähig, das uns Jenseitiges ("hinter den Dingen" liegendes) erahnen läßt?

Welche Zeiten im Ablauf eines Jahres sind zu solch (seltener) Einkehr wohl geeigneter als die Sonnenwendzeiten, in denen die Kraft und das Licht des lebenspendenden Himmelssterns wiederkehren, die uns seit Urzeiten der Erde in den Strahlen der Sonne zu leuchten; uns und allen Geschwistern des Lebens auf dieser Erde? Wir wissen, ohne den segensreichen Strahlen der Sonne gäbe es weder Wärme noch Wind, weder glitzernden Tau, befruchtenden Regen noch schützenden Schnee. Ohne Sonnenlicht hätte unser BIOS keine Chance. Es gäbe keinen Anfang für die Nahrungskette, die alles Leben der Erde zur Schicksalsgemeinschaft verbindet.

Wenn sich in den Nächten der Sonnenwende unser Blick zu den Sternen erhebt, dann werden uns die Spannungspole deutlich, zwischen die unser Leben gestellt ist. Immanuel KANT sagt es mit den schönsten Worten, die je für diese Empfindung erdacht wurden: "Es ist der bestirnte Himmel über mir und das moralische Gesetz in mir…" - dem ich vertraue!

Die Hoheit meines Willens steht mir, wenn ich dem Kant'schen IMPERATIV folge - ich w i 1 1! -, als mein unveräußerliches, mir zugeborenes Eigenrecht zu, auch dann, wenn äußere Gewalt mich zwingt und überwältigt. Aus eigenem Willen heraus darf und s o 1 1 ich mich in eigener Verantwortung um die Gestaltung dessen strebend bemühen, was das All-Leben mit meiner Ich-Geburt in zeitliche Erscheinung treten ließ: Einheit sein in Seele und Leib. Darum Mensch geworden! Erkennendes ICH, das als geistige und körperliche Ganzheit sich in dieser Einzigartigkeit niemals wiederholt, dennoch mit gewandeltem Antlitz immer wiederkehrt, Teil eines göttlichen Willens ist und, nach unbeschreibbaren Schöpfungsplane, zwischen Leben und Tod atmen und denken darf als der mit BEWUSSTHEIT ausgestattete MENSCH, der von sich selbst weiß und den Sinn seines Daseins im rätselvollen Wirken der ihn umgebenden Natur zu erkennen vermag.

Nur ein Stumpfer, ein Seelenloser, der sich seines Menschseins nicht in voller Gänze bewußt ist, kann sich dieser Sicht verschließen, die den Menschen in das Spannungsfeld des Kant'schen Imperativ vom WOLLEN, KÖNNEN, SOLLEN einerseits stellt und ihm andererseits die Winzigkeit des eigenen Ichs bewußt worden läßt beim Anblick des "bestirnten Himmel über mir".

In dieser WELTANSCHAUUNG, in dieser ERKENNTNIS tritt uns das Besondere germanischer Seelenhaltung offen entgegen. Es ist dies die VERANTWORTUNGNAHME für alles Lebendige schlechthin. Denn die Gabe der EINSICHT, die uns unser BEWUSSTSEIN schenkt und gottnahen Menschen EHRFURCHT vor der Schöpfung lehrt, auferlegt insbesondere dem germanischen Menschen die schwere Pflicht, HOTER zu sein und BEWAHRER allen Schöpfungsgutes, das für ihn das WAHRE - die WAHRHEIT als Inbegriff aller SCHÖPFUNG - widerspiegelt. Die hohen Feiertage der Deutschen, die eindeutig SONNENWENDFEIERTAGE und dem Lichte zugewandt sind, bezeugen ACHTUNG (vor der SCHÖPFUNG), EINGEBUNDENSEIN (in den Schöpfungsvorgang), LEBENSBEJAHUNG und LEBENSMUT.

Jeder, der unserer Art und unseres Blutes ist, soll uns bei der Feier der SONNENWENDE geschwisterlich willkommen sein! Möge er sich von der aus seinem Inneren drängenden Wollen leiten lassen, das ihm sein WILLE gebärt, und das ihm aufträgt sein Leben sinnvoll für den Fortbestand seines Volkes einzusetzen. Denn der Fortbestand s e i n e r Volksgruppe sichert sowohl ihm wie auch seinen Nachkommen ein Weiterleben als deutscher Mensch, dessen gemütvolle Empfindungen er als genetisches Erbe von seinen Vätern ererbt hat - anders wäre er kein DEUTSCHER! - und das ihn verpflichtet, dieses ERBE u n v e r f ä 1 s c h t an seine Nachkommen weiterzureichen.

Wer hat vor dem lodernden Sonnwendfeuer nicht seine Gedanken in ferne Weiten wandern lassen? Wen haben seine Gedanken in solcher Feierstunde nicht zu dem Vorsatz gedrängt: Ich will fortan meinem Leben einen neuen, sinnvollerem Inhalt geben; will, weniger ichbezogen als bisher, meinen Volksgeschwistern Freund und Führer sein; will ihnen Hilfe leisten, wo ich kann!

Geloben wir uns also: Ja, ich will in Übereinstimmung mit meinem Selbst handeln und leben, will allzeit ein fröhlicher, ein würdiger Träger deutscher Art und deutschen Lebenswillens sein!

So leuchte denn Licht, in der HOHEN WEIHENACHT -leuchte denn, FLAMME empor! -, uns zum Lichtbeginn eines neuen Zeitabschnitts! Leuchte uns a 1 1 e n: Hüben wie drüben!


Quelle: Recht und Wahrheit, Folge 11+12/1989, S. 5ff.

Möchten Sie unsere Zeitschrift abonnieren? Dann klicken Sie hier!


Zurück zur Hauptseite | Zurück zum Archiv | Zurück zum Inhaltsverzeichnis


Senden Sie uns Ihre Meinung: E-Post »Recht und Wahrheit«, Hohensteinstr. 29, D-38440 Wolfsburg
Ruf: (05361) 22 5 76; Fax: (05361) 23 5 96

Haben Sie einen Fehler auf unserer Webside gefunden?
Bitte schreiben Sie unserem Webmeister:
Fehler-E-Post