SÜDWESTAFRIKA

"Deutsch-Land" zwischen Namib und Kalahari

von

Heinz Karl Prokisch

Ausschließlich "Namibia" vernehmen wir stereotyp immer wieder aus unseren Medien, wenn dort -in letzter Zeit ja ziemlich oft - über Südwestafrika berichtet wird; und zwar fast ausschließlich Negatives. Es scheint mir daher angebracht, die wahre Situation gerade in diesem Land ein wenig auszuleuchten, in dem sich auf einer Fläche der etwa 3fachen Größe der Bundesrepublik Deutschland immerhin das bedeutendste deutsche Siedlungsgebiet außerhalb Europas befindet.


Nachdem bereits gegen Ende des 15. Jh. die portugiesischen Seefahrer Diego Cao und Bartholomäus Diaz die stürmische Atlantikküste Südwestafriaks erkunden, folgen ihnen drei Jahrhunderte später die Holländer und Briten, die sich beide am südlicheren Kap niederlassen, da sie die abweisende Küstenwüste von Südwest für Siedlungszwecke ungeeignet finden. Walfänger und Missionare sind lange Zeit die einzigen Weißen, die sich dort an wenigen Plätzen festsetzen. 1883 erwirbt der Bremer Kaufmann Adolf Lüderitz für 100 Pfund Sterling und 200 Gewehre 8 qkm Land in der bis heute nach ihm benannten Bucht von den Hottentotten, über das dann ein Jahr später, am 24. April 1884, das Deutsche Reich nach langem Zögern die offizielle Schutzerklärung abgibt und damit seine erste Kolonie in Afrika (noch vor Kamerun, Togo und Ostafrika) auf dem "Land, das keiner wollte", begründet. 1889 treffen mit Gouverneur Dr. Heinrich Göring (dem Vater des späteren Reichsmarschalls) auch die ersten 21 Mann der "Schutztruppe" in Südwest ein, die später unter ihren Kommandanten von Francois, Leutwein, von Trotha und Franko hervorragend in verschiedenen Aufständen der Hottentotten, Ovambos und Hereros ficht und das Land befriedet, bis sie sich im 1. Weltkrieg 1915 den weit überlegenen südafrikanischen Streitkräften General Bothas ehrenvoll ergeben muß. Von den ab 1892 eingewanderten und mittlerweile auf etwa 5000 angewachsenen deutschen Siedlern finden in den Eingeborenenaufständen ca. 1.700 den Tod, vom verbleibenden Rest werden nach Kriegsende an die 50% ausgewiesen. 1920 spricht der "Völkerbund" das ehemalige Deutsch-Südwestafrika als sogenanntes "C-Mandat" (wie einen Bestandteil des eigenen Staates zu verwalten...) der Südafrikanischen Union zu. Und da der "Völkerbund" bei seiner letzten Sitzung 1946 in Genf dieses Mandat nicht formell der UNO übergibt, weigerte sich Südafrika bis vor kurzem zu Recht, der Forderung der Vereinten Nationen", Südwest in die Unabhängigkeit zu entlassen, nachzugeben. Eine diesbezügliche Klage Äthiopiens und Liberias (beide Wölkerbund"- Mitglieder) beim Den Haager Internationalen Gerichtshof wird von diesem 1966 abgeschmettert. Dennoch entzieht anschließend die UNO einseitig der Republik Südafrika offiziell das Mandat über Südwest und gibt diesem Land den Namen nach seinem abweisendsten und menschenfeindlichsten Gebiet: benennt es nach der Wüste Namib. So hat nun Südwestafrika heute wohl den einmaligen Status, weder integrierter Bestandteil eines anderes Staates, noch selbständig zu sein; und niemand weiß so recht, wie's denn nun nach den jüngsten Unruhen eigentlich wirklich weitergehen soll.

Mittlerweile hat Südwest seine eigene Regierung, die im Dezember 1978 nach dem Prinzip "Ein Mensch, eine Stimme" gewählt wurde und der einstweilen noch ein von Südafrika bestimmter Generaladministrator vorsteht. Alle 11 Volksgruppen der insgesamt 1,2 Millionen Einwohner -von denen die weiße immerhin die zweitstärkste ist - sind in ihren eigenen Kammern und durch Minister vertreten. Apartheid gibt es so gut wie keine mehr; lediglich die Spitäler in der Haupstadt Windhoek sind noch getrennt, wobei das "schwarze" das modernere ist und z.B. über die einzige Intensivstation verfügt. Während die Weißen für medizinische Betreuung voll zu bezahlen haben, entrichten ihre schwarzen Mitbürger lediglich einen Anerkennungsbeitrag von umgerechnet etwa DM 0,25 für jede ärztliche Behandlung oder unbegrenzten Spitalsaufenthalt. Die "Werften" genannten schwarzen Wohnsiedlungen in weißen Gebieten wurden von der Regierung in Form von Einfamilienhäuschen errichtet, für die der Bewohner monatlich etwa DM 15.- zu bezahlen hat. Nach dem sogenannten Odendaal-Plan wurden ab 1963 für die diversen Stämme nach tribalistischen Gesichtspunkten (Stammeszugehörigkeitsbewußtsein, d.Schriftltg.) ausgerichteten "Homelands" geschaffen, in denen Weiße nicht siedeln dürfen. Die in diesen Gebieten farmenden Weißen wurden von der Regierung entschädigt und ausgesiedelt, deren Farmen völlig intakt den Schwarzen übergeben, die es immerhin fertigbrachten, die mit Initiative und Tüchtigkeit europider Menschen geschaffenen schmucken Gehöfte in spätestens zwei Jahren total abzuwirtschaften und zu zerstören. Schwarze hingegen können im gesamten Staatsgebiet wohnen, Eigentum erwerben und dieselben Schulen wie Weiße besuchen. Dafür sorgt u.a. schon die BRD, die ihre kargen finanziellen Zuwendungen an die Deutsche Privatschule in Windhoek z.B. von der Zulassung von Negern in allen Klassen abhängig machte. Wie sich das auf das Niveau der Schulen auswirkt, überlasse ich gern der Phantasie des Lesers... (Wir haben ja adäquate, wenn auch nicht ganz so krasse Vergleichsmöglichkeiten bei Schulklassen mit starkem Ausländeranteil hier in heimischen Landen.) Steuern - außer den indirekten beim Ladenverkauf - zahlen prinzipiell nur die Weißen, obwohl z.B. bei Ämtern, der Polizei oder der im Aufbau begriffenen Südwest-Armee die Schwarzen nach gleichem Schema besoldet werden. Das Wort "Kaffer" (kommt vom arabischen Kafir = Ungläubiger) ist bei Strafandrohung verboten. Die Schwarzen im südlichen Afrika haben den höchsten Lebensstandard des gesamten Kontinents, und ich habe noch nirgendwo anders besser genährte und gekleidete Neger gesehen.

Die Alphabetisierungsrate ist mit 76% die höchste des gesamten Kontinents. Dies alles ist natürlich auch den Stammesführern und den intelligenten Farbigen bekannt, man ist mit der Situation durchaus zufrieden, froh, andere für sich denken und handeln zu lassen und arbeitet wie eh und je kooperativ mit den Weißen zusammen. Wie überhaupt der Begriff "Freiheit" für den Schwarzen eine andere Wertigkeit als für uns hat. Sie lernten sie weder im Rahmen ihrer traditionell-patriarchalischen Stammesstrukturen, noch unter ihren "modernen Erlösern" vom Schlage eines Nkrumah, Idi Amin, Mobutu oder "Kaiser" Bokassa kennen. Man begegnet weder Feindseligkeit noch Distanziertheit, es herrscht zufriedene Freundlichkeit im Land.

Niemand kann allerdings in Frieden leben, wenn der böse Nachbar - in diesem Fall Angola - es nicht will: Vom Territorium dieser kommunistisch regierten und von Tausenden kubanischen, sowjetischen und DDR-"Beratern" gelenkten ehemals portugiesischen Kolonie operiert seit Jahren die Terrorgruppe SWAPO (SOUTH WEST AFRICAN PEOPLE'S ORGANISATION) - nicht einmal sie verwendet den künstlichen Namen "Namibia"! - über die kaum zu kontrollierende Grenze bis ins nördliche Gebiet von Südwestafrika hinein, wie wir es erst jüngst wieder aus den Medien erfahren konnten. Die Aktionen der sich fast ausschließlich aus Ovambos rekrutierenden und seit 1973 von der UNO als "einzig rechtmäßige Repräsentantin des Volkes von Namibia" mit Beobachterstatus und als Exilregierung anerkannten SWAPO beschränken sich dabei auf das Verminen von Straßen, Überfälle auf einsame Farmen, Meucheln von mißliebigen Stammeshäuptlingen sowie Kidnapping von Schulkindern. In jedem Fall sind erster Linie Schwarze Opfer dieser seltsamen "Befreiungsbewegung", die allerdings bisher nicht vermochte, auch nur einen qkm des Landes unter ihre Kontrolle zu bringen. Die im Norden stationierten südafrikanischen Kommandoeinheiten schlagen nach israelischem Vorbild hart - und ebenfalls grenzüberschreitend - zurück, was die SWAPO dann stets für Monate paralysiert und ein großes Lamento bei deren Protektor, der UNO, auslöst.

Was bewegt aber nun den Westen, in das Propagandageheul des russischen Bären und gegen ein erklärt antikommunistisches Land mit einzustimmen? Nun, Südwestafrika ist reich. Nicht unbedingt an fruchtbaren Boden (allein zur Haltung eines Rindes sind oft bis zu 15 ha vonnöten!), sondern an dessen Schätzen darunter! Neben Diamanten, Kupfer, Silber und anderen seltenen Metallen ist dieses Land einer der größten Uranerzförderer der Weit, und im Festlandsockel schlummern Erdölreserven, die nach Expertenmeinungen denen Saudi-Arabiens gleichkommen. Also sehr lukrativ für diverse internationale Multikonzerne, die sich von den in europäischen oder amerikanischen Colleges "erzogenen" korrumpierten Schwarzen an der Spitze dieses Staates zu Recht allemal "günstigere" Schürfverträge erhoffen, als von einem das Wohl des Landes und dessen Zukunft im Auge behaltenden weißen Bergbauminister... Die Sowjets sind da schon direkter: Wer die politische Macht hat, dem fallen dann die Ressourcen ja ohnehin sozusagen als Draufgabe in den Schoß, ist ihre simple, doch realistische Philosophie. Aus diesem Gesichtspunkt wird natürlich die ach so humane Parole "Afrika den Schwarzen" ein wenig verständlicher.

Aber warum muß eigentlich Afrika komplett "schwarz" werden? Wie verhält es sich dabei z.B. mit den Arabern im Norden des Kontinents, die ja bekanntlich ethnologisch ebenfalls der weißen Rasse zugezählt werden? Gerade sie waren es doch, die in der Vergangenheit als die fleißigsten Sklavenjäger und -händler das wohl größte Leid in der Geschichte der Schwarzen Afrikas verursachten. Doch würde es niemandem einfallen, ihnen deshalb ihr Heimatrecht in Marokko, Algerien, Tunesien, Lybien oder Ägypten abzusprechen. Warum sollen dann ausgerechnet die Weißen im Süden gehen - vor allem wohin? Die seit Generationen ansässigen Holländer (Buren), Deutschen oder Briten haben in härtester Knochenarbeit dieses menschenfeindliche Land bezwungen, Dürre- und andere Katastrophen überstanden (in den letzten fünf Jahren gab's z.B. bloß 40 mm Regen!), sich mit einer Zähigkeit und Selbstüberwindung sondergleichen in den rissigen Boden gekrallt, also einen im wahrsten Sinn des Wortes steinigen und dornenvollen Weg hinter sich gebracht, auf dem so mancher auf der Strecke blieb.

Sie haben darüber hinaus das Land befriedet und dem Würgen der schwarzen Völker untereinander ein Ende gemacht. Sie haben Bodenschätze entdeckt und gehoben und somit sich selbst sowie auch ihren farbigen Mitbürgern den bescheidenen Wohlstand ermöglicht, in dem man dort heute lebt. Sie sind ebenfalls AFRIKANER, "Einheimische", denn sie betraten teilweise früher dieses Land als manch schwarzer Stamm. Hätte überhaupt irgend jemand ein "Recht' auf dieses Gebiet, dann höchstens dessen Ureinwohner, die Buschmänner, die - wie die Aboriginals in Australien, die Maori in Neuseeland oder die Indianer in Amerika - als erstes geschichtsbekanntes Volk in Südwestafrika registriert wurden.

Warum stellt eigentlich niemand die Existenzberechtigung der Weißen in diesen vorstehend erwähnten Ländern in Frage? Nur weil man dort von allem Anfang insofern "klare Verhältnisse" schuf, indem speziell die Aboriginals und die Indianer bis auf wenige, heute in Reservaten dahinvegitierende Restbestände wie die Karnickel abgeschossen wurden? Haben denn die Regierungen gerade der USA und Australiens, die mit erhobenen Zeigefinger in der vordersten Reihe der internationalen Moralapostel die "Zustände" in Südwest beklagen, ihre eigene Vergangenheit total vergessen? Weitere Beispiele in dieser Richtung wären Legion ...

Der Reiter von Deutsch-Südwest

Wie ein Mahnmal erhebt sich die großartige Silhouette des "Reiters von Südwest" vor dem leuchtenden Abendhimmel

Es ist daher nur zu verständlich, daß bis heute die meisten weißen Südwester aus reinem Selbsterhaltungstrieb für einen Verbleib unter südafrikanischer Oberhoheit eintreten. Wogegen natürlich auch die Republik Südafrika trotz der enormen Subventionen nichts einzuwenden hätte, nachdem die einst weiß dominierten nördlichen Pufferstaaten Mozambique, Angola und Rhodesien sukzessive verlorengingen. Mit einem SWAPO-regierten "Namibia" wäre ein weiteres kommunistisches Aufmarschgebiet und damit eine zweite westliche Front für Pretoria bittere Realität. Kann dies denn tatsächlich im Interesse des Westens liegen, damit seinen letzten und strategisch ungeheuer wichtigen "Stronghold" in Afrika ernstlich zu gefährden?

Würde man die Weißen - und immerhin sind davon 30% Deutsche, und zwar nicht die schlechtesten! - heute aus Südwestafrika vertreiben, sei es nun durch wirtschaftlichen oder auch militärischen Druck, würde morgen bereits dieses Land im blutigen Chaos versinken, wie das ja bereits vor Eintreffen der ersten Siedler der Fall war: Hereros gegen Ovambos, Namas gegen Damaras, alle zusammen gegen Buschleute und Mischlinge; ein Schlachten ohne Ende, und wem wäre damit gedient?

Fragen über Fragen also, auf die es wohl keine zufriedenstellenden Antworten geben kann, obwohl oder gerade weil die Fakten zu eindeutig sind. Wie überall in der Welt müssen wir daher zu der Schlußfolgerung kommen, daß es sich auch im südlichen Afrika mit seinen künstlich geschürten und liebevoll gepflegten Problemen einzig und allein um internationale Großmachtpolitik mit wirtschaftspolitischem Hintergrund handelt, die so verhängnisvolle Auswirkungen für alle Beteiligten haben könnte. Allein der Beharrlichkeit und dem Stehvermögen der noch mit einer gewissen "Pioniermentalität" ausgestatteten weißen Afrikanern (die meisten von ihnen würde man ohnehin nur im Sarge aus dem Land bringen können, wie mir immer wieder glaubhaft versichert wurde) ist es zu verdanken, daß die große Katastrophe zumindest im Süden dieses Kontinents bisher noch ausgeblieben ist. Wir werden sehen, was die Zukunft bringt ...


Quelle: Recht und Wahrheit, Folge 11+12/1989, S. 11ff.

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