Zwei Nationalhymnen?

Eine zeitnotwendige Untersuchung
von
Fritz Burghard

Ein geheimnisvoll innerseelisch wirkender Kraftquell, der jedem Menschen als sein ihm (art)eigener Antriebsauslöser innewohnt und sein Dasein unbewußt steuert, beeinflußt in fast allen Lebenslagen sein Denken und Handeln. Die Früchte solchen Handelns, die am Schicksalsbaume eines Einzelnen zur GROSSTAT heranreifen, aber ebensogut auch in den Ernteergebnissen aller jener Mitbeteiligten sichtbar werden, deren Mitwirken die geschichtliche und kulturelle Hinterlassenschaft eines zusammengehörenden Volkes erst ermöglichen, äußern sich in den Tatergebnisssen ihrer HANDLUNGSTRÄGER als eine allgemein-eigentümliche seelische Grundhaltung, die sie in ihrer Gesamtheit zu jener Volksgruppe hat werden lassen, deren eingreifendes Handeln das Antlitz dieser Welt mitgestalten half. Die Beschaffenheit ihrer "Produkte", einzeln betrachtet und untereinander verglichen, läßt Rückschlüsse auf die verwandtschaftliche Wesensart eines Volkes zu. Der außenstehende "Betrachter" findet Konturen und Umrisse in den Handlungsergebnissen eines Volkseinzelnen oder seiner Volksgruppe festgehalten, die unmißverständlich auf "Herkunft" und "Täter" schließen lassen. In der Kriminologie eine Binsenweisheit!

Die Ursache, die zum "Handlungsauslöser" wird und eine historisch zusammengewachsene Lebensgemeinschaft, wie die eines Volkes, zu gemeinsamen Handeln bewegt, wohnt dem Volksganzen als ein Wirken seiner VOLKSSEELE inne, wie dies die deutsche Philosophin Frau Dr. Mathilde Ludendorff (Gattin des Feldherrn Erich Ludendorff) besonders in ihrem Dreiwerk "Der Seele Wirken und Gestalten", München 1931 - 1935, klar herausgearbeitet hat. Gemeinsame Handlungsabsichten schlagen sich in "Regungen und Bewegungen" nieder, die den Volkskörper (das nicht immer in Worte zu fassende geheime Wollen des Volkseinzelnen äußert sich als ein gemeinsamer Wille in Stunden des äußeren wie inneren "Bedrohtseins"!) zu einheitlichem Streben zusammenwirken lassen. Der VOLKSKÖRPER handelt dann wie ein LEBEWESEN, das in seiner Ganzheit wohlgeordnete, aufeinanderabgestimmte, zielgerichtete Bewegungen vollführt. Volkhafter Wille und volkhaftes Wollen fließt in krisenhaften Momenten einem lebensbedrohten Volk unbewußt aus seinem (nur ihm eigenen) Denken und Fühlen zu. Möglicherweise schützt diese Erscheinung ein solchermaßen gefährdetes VOLK vorm Erlöschen sprich vorm (leiblichen wie seelischen) VOLKSTOD

Die Verhaltensweise der Deutschen, wie sie sich bei Öffnung der MAUER am 9. November 1989 vor aller Welt deutlich zeigte, zeugt in einmaliger Beispielhaftig von dem Vorhandensein der in uns allen wirkenden deutschen VOLKSSEELE.

Die kulturbestimmende Wesenheit eines Volkes liegt im gemeinsamen Anerkenntnis der von seinen Volkseinzelnen hervorgebrachten Kulturleistungen. So darf es zu Recht dessen Werkeschöpfung als s e i n e n KULTURBESITZ bezeichnen. Dieser KULTURBESITZ ist unveräußerliches Eigentum allen

Deutsches Liedgut - Ausdruck der Volksseele

Im DEUTSCHEN LIEDGUT - beileibe kein unwesentlicher Zweig unseres KULTURBESITZES - wird ein besonderer Wesenszug deutscher Geistes- und Seelenhaltung sichtbar. Die Lied- und Sangestradition deutscher Menschen reicht, wie aus römischen Berichten bekannt wurde, bis in in die Frühzeit germanischen Stammeslebens zurück. Aus deutscher Vorzeit sind uns deshalb die Bezeichnungen liod = Lied, und Liebeslied = wini-liod überliefert. Daneben verbreitete sich für Lied der Begriff leich, der sich aus dem angelsächsischen lacan und dem gotischen laikan = springen, tanzen, ableitet. Die HELDEN der germanischen Geschichte, unter ihnen ARMINUS, wie TACITUS zu berichten weiß, wurden im HELDENLIED gefeiert und geehrt. Der byzantinische Gesandte PRISCUS, der zur Zeit der Völkerwanderung an ATTILAS Hof weilte, berichtete, daß germanische Sänger Lieder zu seinem Ruhm sangen und bei seiner Totenfeier ihm zu Ehren Preislieder vortrugen. Diese PREISLIEDER gelten als Vorstufe zum HELDENLIED und leiten unmittelbar zur umfangreichsten Sammlung germanischer Dichtung: zur LIEDER-EDDA über.

Bereits im Frühen Mittelalter entsteht die deutsche Liedtradition. Als ein weitgespannter Bogen umfaßt dieser die Klassik des MINNESANGS, führt hin zu den Singschulen im Spätmittelalter, welche berühmte MEISTERSINGER hervorbrachten, und erreicht schließlich das weitgefächerte Feld der Volksliedkunst mit zahlreichen SÄNGERTAFELN. den heutigen Gesangvereinen.

Das deutsche Lied und die deutsche Sangeskunst blicken also, das sollte mit diesem kurzem Abriß ein wenig sichtbar gemacht werden, auf ein sehr lang ausgeübtes, auf uns überkommenes Brauchtum zurück.

Mit dem Aufkommen des VOLKSLIEDES eröffnete sich dem Liede in Deutschland eine neue Variante. Im VOLKSLIED finden wir jene Elemente zeitnaher Daseinsauffassung vereint, die Ansicht und Gefühl der Mehrzahl aller Volksschichten übereinstimmend widerspiegelt. Zur poetischen Darstellung des Zeitcharakters bedarf es lediglich eines gleichgestimmten, von gleichen Stimmungen und von gleichen Eindrücken geleiteten Zeitgenossen, um den von der Allgemeinheit anerkannten gültigen Stoff in jene poetische Versform zu bringen, die zu keiner Zeit.

Anspruch darauf erheben konnte (noch wollte) "Kunst" im "höheren" Sinne zu sein. Vereinfacht gesagt: Das VOLKSLIED drückt die schlichten Empfindungen einer "gleichbeseelten" Volksgruppe aus. Verbindet sich der Text darüberhinausgehend mit einer volkstümlichen Melodie, ist das Volkslied geboren. Der (oder die) Verfasser solchen Werkes (Werke) gerät (geraten) rasch in Vergessenheit. Er ist auch für den Erfolg und für die Verbreitung des Liedes nicht besonders wichtig, weil der Reimeschmied und der Melodienerfinder lediglich Ausführende und Vollstrecker des jeweils herrschenden Zeitströmung sind.

Bei der Entstehung eines Volksliedes, so darf nunmehr zusammenfassend gesagt werden, sind zwei Elemente besonders hervorzuheben: 1. Das übereinstimmende Empfinden aller Gruppenangehöriger für eine bestimmte Lebenslage und deren Umstände, die in einfachen (zu Herz und Gemüt gehenden) Versen dem vorherrschenden Lebensgefühl Ausdruck verleihen können. Der solchermaßen zustandegekommene Liedtext muß also von Inhalt und Auffassung her sowohl den Zeitgeschmack wie die besonderen Lebensumstände, die ja bekanntlich von vielerlei unterschiedlichen Daseinserscheinungen bestimmt werden, genau wiedergeben. 2, Sollen beim Zuhörenden ähnliche Bilder und Stimmungen hervorgerufen werden wie beim Liedverfasser, bedarf es neben des treffenden Ausdrucks und der treffenden Wortfolge bei der Textabfassung einer leicht eingängigen, Gemüt und Seele gleichermaßen berührenden Melodie: Der VOLKSWEISE!

Wortschöpfer und Liedkomponist, so möchten wir sie diesmal nennen, handeln bei Hervorbringung ihres Werkes in EINKLANG mit dem Empfindungen der VOLKSSEELE. Ihre Einzelseele ist Teil der Volksseele. Deshalb vermag n u r ein Volkszugehöriger jene Eindrücke in sich aufnehmen und weiterzuvermitteln, die, wenn sie bei allen übereinstimmend als "bemerkenswert" erkannt worden sind, sich in ein Volkslied umformen lassen. Die besonders gut gelungenen Werke dieser Liedgattung überdauern den Gegenwartsgebrauch und werden damit letztlich zum kulturellen Gemeingut aller Volksgruppenmitglieder.

Das Lied der Lieder: DAS DEUTSCHLANDLIED - eigentlich Das LIED DER DEUTSCHEN - bestätigt diese Behauptung!

Ist das "Lied der Deutschen" ein Volkslied?

Wenn wir seine unmittelbare gefühlvolle Einwirkung auf unser Seeleninneres zur Beantwortung dieser Frage mit heranziehen, dann müssen wir mit einem klaren Ja antworten. Dennoch ist das Lied der Deutschen mehr als "nur" ein VOLKSLIED. Indem es eine Gegenwartssituation beschreibt, die von fast allen Schichten der deutschen Bevölkerung in den Vorjahren der Revolution von 1848-1849 als sehnsuchtsvolle Hinwendung zu einem einigen, schrankenfreien Deutschland empfunden wird, beschreibt es zugleich die alle Deutschen bindenden, alle Deutschen einigenden Verwandschaftlichkeiten, die allen Deutschen, ganz gleich in welchen Gauen des Gesamtgebildes DEUTSCHLAND sie leben, wesenseigen sind. HOFFMANN von FALLERSLEBEN fand, wie uns allen bekannt ist, hierfür folgende Worte:

2. Deutsche Frauen, deutsche Treue, deutscher Wein und deutscher Sang sollen in der Welt behalten ihren alten schönen Klang, uns zu edler Tat begeistern unser ganzes Leben lang.: Deutsche Frauen, deutsche Treue, deutscher Wein und deutscher Sang! :

Die sehnsuchtsvoll angestrebte Einheit des deutschen Vaterlandes, die den Singenden und Hörenden vor Augen hebt, "was des Deutschen Vaterland ist" und was v o r den von eitlen Fürsten regierten deutschen Kleinstaat zu allererst zu stehen hat, drückt die erste Strophe des Liedes aus:

1. Deutschland, Deutschland über alles, über alles in der Weit, wenn es stets zu Schutz und Trutze brüderlich zusammen hält, von der Maas bis an die Memel, von der Etsch bis an den Belt.: Deutschland, Deutschland über alles, über alles in der Welt! :

Wohl kaum zuvor, wohl kaum inniglicher und tiefer - die schlichte Ausdrucksform der Verse und ihr Stil beweisen dies - ist deutscher Sprachgebrauch derart zu erhabener LIEDKUNST geworden. Die Unterlegung des Liedes mit der Weise Joseph Haydn's aus seinem Streichquartett op. 76 Nr.3 in C-Dur (Hob.111 Nr.77), dem "Kaiserquartett", erscheint uns als eine der geglücktesten, ja der harmonischsten Verbindungen, die Dicht- und Kompositionskunst je miteinander eingegangen sind. Wort und Musik, wobei im besprochenen Falle das Lied der Deutschen der bereits vorhandenen Musik von Joseph Haydn (1797) hinzugefügt wurde, haben sich in unserem "Deutschlandlied" zu einer einzigartig zu nennenden Einheit miteinander verbunden.

Der Dichter des "Lied der Deutschen", Heinrich HOFFMANN VON FALLERSLEBEN (der NIEDERSACHSE), und der deutsche Musikklassiker, JOSEPH HAYDN, (der BURGENLÄNDER) beweisen durch ihre selbstverständlich uns erscheinenden Werkegemeinsamkeit die Wahrheit der Worte, die in der letzten Strophe des "Deutschlandliedes" als ein Bekenntnis aufklingen. Sie übernehmen in persona den Beweis für die allgemeingültige Forderung nach Beendigung der deutschen Zerrissenheit, wenn wir die Haydn'sche Melodie zu Hoffmanns Lied erklingen hören:

3. Einigkeit und Recht und Freiheit für das deutsche Vaterland, danach laßt uns alle streben, brüderlich mit Herz und Hand! Einigkeit und Recht und Freiheit sind des Glückes Unterpfand. Blüh' im Glanze dieses Glükkes, blühe deutsches Vaterland!

Ja, das ganze Deutschland soll es sein!

ERNST MORITZ ARNDT hat es gewußt: "Nicht nur Tapferkeit, Stärke braucht ein Volk. Nicht die Weite der Länder, nicht die Menge und die Tapferkeit der Völker, wonach der Staat sich nennt, machen die Stärke, sondem die EINHEIT DER KRAFT." ARNDT sagt wörtlich. "Diese Predigt von der Einheit ist so alt wie die Geschichte unseres Volkes."

Die Zerrissenheit und das Uneinigsein der Deutschen als ihr Grundübel erkennend, fordert der revolutionäre, großdeutsche Gedanke von 1848/49 die deutsche EINHEIT Das Lied der Deutschen wird zum Ausdruck dieses Willens.

Eine zweite deutsche "Nationalhymne?"

Mit Beendigung des Zweiten Weltkriegs und der von den Siegermächten den Deutschen zudiktierten Teilung ihres Landes, wurden die Deutschen mit den Staatsgründungen "Bundesrepublik Deutschland" und "Deutsche Demokratische Republik" in gegensätzliche Gesellschaftssysteme hineingezwungen. Hie das kapitalistische da das kommunistische Polit- u. Wirtschaftssystem. Folgerichtig entstand in der sogenannten "DDR" 1949 eine zweite "Nationalhymne". Die Deutschen sollten nicht allein durch den ihnen auferzwungenen neuen Grenzverlauf äußerlich getrennt sondern vielmehr noch durch jene zwei gegensätzliche Gesellschaftssysteme innerlich voneinander geschieden sein. Die Auseinanderentwicklung ihrer bis dahin gemeinsam gelebten volkhaften Lebensform war das Endziel. Die Zwingherren im mittleren Teil unseres Deutschlands verstärkten diese Abspaltung dadurch, indem sie i h r e Gesellschaftsordnung als die bessere hinstellten, i h r "Deutschlandverständnis" für das edlere ausgaben. Dennoch, das muß gesagt werden, steckt auch im Liedtext der sogenannten Becher- Hymne deutscher Einheitswille. Hier deren Wortlaut. Ihr Inhalt wird anschließend eingehend beleuchtet.

Johannes R. Becher:

1. Auferstanden aus Ruinen Und der Zukunft zugewandt, Laß uns dir zum Guten dienen, Deutschland, einig Vaterland, Alte Not gilt es zu zwingen, Und wir zwingen sie vereint, Denn es muß uns doch gelingen, daß die Sonne, schön wie nie, Über Deutschland scheint.

2. Glück und Friede sei beschieden Deutschland, unserm Vaterland. Alle Welt sehnt sich nach Frieden, Reicht den Völkern eure Hand. Wenn wir brüderlich uns einen, Schlagen wir des Volkes Feind. Laßt das Licht des Friedens scheinen, Daß nie eine Mutter mehr Ihren Sohn beweint.

3. Laßt uns pflügen, laßt uns bauen, Lernt und schafft wie nie zuvor Und der eignen Kraft vertrauend Steigt ein frei Geschlecht empor Deutsche Jugend, bestes Streben Unseres Volks in dir vereint, Wirst du Deutschlands neues Leben, Und die Sonne, schön wie nie, Über Deutschland scheint.

Die Becher-Hymne - ein Lied für Deutsche?

Betrachten wir die "Hymne" zeilenweise, so ist festzustellen, daß die erste Zeile in Strophe eins mit einem falschen Bilde aufwartet. Deutsche Städte, deutsche Schlösser, deutsche Dome wurden vom barbarischen Vernichtungswillen der Feinde Deutschlands in Trümmer gelegt. Wenngleich dieses willentlich zerstörte deutsche Kulturerbe deutschen Geist atmet, so symbolisieren seine Ruinen noch lange nicht ein untergegangenes DEUTSCHLAND: Unser DEUTSCHLAND in seiner Gesamtheit! Unser DEUTSCHLAND kann auch insofern nicht gemeint sein (das aus "Ruinen" wieder auferstanden ist), weil unser DEUTSCHLAND, sollte es je in seiner wahren Gänze wieder auferstehen, mitsamt SCHLESIEN, mitsamt POMMERN, mitsamt OST- und WESTPREUSSEN wieder auferstehen müßte. Sollten lediglich die "Ruinen" gemeint sein, die feindlicher Vernichtungswille nach Beendigung des Krieges in DRESDEN, HALLE und LEIPZIG hinterließ, so verblaßt die Gültigkeit der ersten Zeile in Bechers Hymne mit Vorrücken in eine neue Gegenwart, bis hin zu gänzlichem Anachronismus. Denn der Aufbauwillen derer, die Trümmer beseitigt und aus Ruinen den Glanz vergangener Tage wieder herauszurestaurieren vermochten, ist nur der Erlebnisgeneration gegenwärtig und kann deshalb nur von dieser in seinen Ausmaßen richtig gewürdigt werden. Von nachfolgenden Generationen ist wegen mangelnder Zeitnähe zum Entstehung- und Beseitigungsanlaß dieser Vorgang nicht nachvollziehbar. Eine zeitübergreifende Gültigkeit ist in dieser Zeile also nicht enthalten.

"Laß uns dir zum Guten dienen, Deutschland, einig Vaterland", heißt es dann weiter. Ohne Zweifel haben alle großen, uns voranschreitenden deutschen Kulturschöpfer und Kulturträger ihrem Lande "zum Guten gedient". Allerdings haben der Liedschöpfer und seine vom Marxismus-Leninismus geprägten Mitstreiter und Klassenkämpfer allen Anlaß sich selbst zu mahnen: "Laß uns dir zum Guten dienen…", - wissen sie doch um ihr eigenes Dilemma. Stecken doch in dieser sie selbst ermahnenden Aufforderung berechtigte Zweifel darüber, ob es ihnen je gelingen werde, deutschen Lebensanforderungen (Interessen) "zum Guten" in allen Lebensbereichen zu erfüllen. Welcher "echte" Marxist wüßte nicht um diesen Zwiespalt. Muß doch ein guter Marxist und Internationalist in allen Dingen vorrangig internationale Belange zuerst be- und durchdenken, ehe er berechtigte heimatliche (deutsche) Anliegen in sein handelndes Tätigsein mit einbeziehen darf. Für diese und andere uns bekannte "Weltbürger" gilt: Alle nationalen Interessengebiete sind den internationalen nachzuordnen…!

Schöne, neue Welt?

"Daß die Sonne, schön wie nie, über Deutschland scheint," heißt es dann am Ende der ersten Strophe. Nun, für volkerhaltende Maßnahmen und Problemlösungen, wofür wahrhaft große Staatsmänner im Frühen Mittelalter -sowie jene, die ihnen nachfolgten -, durchschnittlich zwanzig Jahre benötigten, oftmals sehr viel weniger, und denen allesamt zugestanden werden darf, daß angesichts ihrer Leistungen das von ihnen regierte deutsche Volk zu Jubelrufen Anlaß hatte: Nun scheint die Sonne schöner denn nie über unser Land, - bewegten des Versedichters Genossen in der NEUZEIT während vierundvierzig Jahren Regierungsdauer weniger Kubikmeter Erdreich zur Verschönerung und Verbesserung ihres Landes, als dies der Erbauer von Schloß Sanssouci getan hat.

In die zweite Strophe seiner DDR-Hymne hat Becher unverbindlich klingende Worte eingebaut. Es sind leicht dahingeworfene, leicht auszusprechende, deshalb im Grunde nichtssagende, niemanden zur Einhaltung verpflichtende Wünsche von "Glück und Frieden" für Deutschland, die aber, weil sie in diesem zur "Nationalhymne" hochstilisierten Wortgeflecht enthalten sind, sich zur freundlichen Maxime mausern. In Wirklichkeit handelt es sich hier um eine Allerweltsfloskel, deren angewünschtes Ergebnis, sollte es tatsächlich einmal eintreten, als dauerhafter Zustand von den Deutschen nur solange gelebt werden kann, wie Deutschlands Nachbarn ihn als akzeptabel beurteilen. "Glück und Frieden" für Deutschland, das haben wir Deutsche hinlänglich miterlebt, hängt nicht allein von den Deutschen ab, sondern vor allem von seinen neidvoll zu ihnen herüberschielenden Nachbarn. Zum anderen bedarf es keineswegs der Aufforderung des Herrn Johannes R. BECHER, um deutscherseits guten Willens zu sein anderen Völkern die Hand zu reichen. Vielleicht sollte diese Aufforderung anderen Nationen und Völkern ins Stammbuch geschrieben werden: Franzosen, Engländern und Polen. Vor allem aber den imperialen Amerikanern und den Zionisten in Israel.

Bleiben wir bei der Untersuchung des Textes der zweiten Strophe.

So wenig dauerhafter FRIEDE von der Friedfertigkeit eines zufrieden vor sich hinlebenden Landbesitzers abhängt, dessen "bösen Nachbarn" es nach Friedlosigkeit sprich nach des andern Kirschen gelüstet, so wenig wird derjenige schuldig, der sein Leben für die Verteidigung seines Landbesitzes und seiner Ernte einsetzt. Wird letzterer infolge tätlicher Auseinandersetzung mit dem Nachbarn totgeschlagen, so daß des toten Landbesitzers Mutter den Verlust ihres Sohnes beweinen muß, und angenommen wir gehörten zur "Familie", dann trauern wir mit ihr. Wenn nun umgekehrt des Angreifers (des Nachbarn) Mutter den Tod ihres Sohnes durch des andern Gegenwehr zu beklagen hat, so gilt ihr sicherlich unser menschliches Mitgefühl. Aber nicht mehr und nicht weniger. Wir werden auch ganz sicherlich eine nicht stattgefundene, nie von uns zu planende, nie von uns (gedanklich) beabsichtigte angreiferische Handlungsweise (aus räuberischer Absicht heraus beispielsweise!), bei unserer Zukunftsplanung mit ins Kalkül ziehen. Noch weniger werden wir einen abstrakt entwickelten Handlungsverlauf oder ein möglicherweise nach Wahrscheinlichkeits(hoch)rechnungen sich bewahrheiten sollendes Denkmodell, das Mord an einen unserer Nachbarn vorsieht, ein Existenzrecht in unserer Vorstellungswelt einräumen. Wir werden uns davor wohl zu hüten wissen, dieser aus der Luft gegriffenen konstruierten Annahme entgegen jeder Vernunft ein schuldhaftes Mitbeteiligtsein beizugeben, das uns dazu verpflichten könnte, die Unversehrtheit jenes angriffswütigen Sohnes aus "vorweggenommenem Schuldeingeständnis" in der Zukunft garantieren zu müssen. Dies, indem wir sozusagen unter hypothetischer Einbeziehung einer nicht auszuschließenden Möglichkeit öffentlich versichern: Wir werden schon dafür sorgen, "daß nie eine Mutter mehr ihren Sohn beweint". Womit wir dann ohne dies zu wollen der ursprünglich hypotethisch angelegten These von möglicher (Mit)Täterschaft eine auf den ersten Blick nicht erkennbare, aber dennoch vorhandene Lebensfähigkeit zugestehen, auf deren verdecktes Vorhandensein wir nun aber hingewiesen sind -von deren Existenz natürlich die anderen nun auch wissen - weshalb wir es deshalb als ein Faktum hinzunehmen haben, in unserem Volkscharakter eine latent schlummernde Gefahr für andere zu beherbergen.

Wie kommen wir dazu uns einer nicht vollzogenen Tat im voraus selbst zu bezichtigen, von der wir heute schon wissen, daß wir ähnliches nie vorher begangen haben und demnach auch künftig nie begehen werden. Eine völlig absurde Idee! Um dies gleich hinzuzufügen: Wir beabsichtigen auch nicht in fremde Händel einzugreifen, die sich außerhalb unseres Landbesitzes abspielen, um vielleicht den Tod mitbeteiligter Söhne zu verhindern, deren Mütter den gewaltsamen Abgang des einen oder anderen beweinen werden. Wir denken nicht daran uns in "anderer Leute Angelegenheiten" einzumischen. Wir sind keine Polizisten! Der spätere Tod aller dieser Söhne, wie immer dieser eintreten mag, steht nicht unter unserer Verantwortung. Uns Deutschen ein schuldhaftes Mitbeteiligtsein an den Tod der kämpfenden Parteien v o r Eintritt dieses Ereignisses und noch zu Lebzeiten der infrage kommenden Personen (als mögliche Mitschuldige) zuzumessen, ist schlichtweg pervers. Wir Deutschen haben nicht die Absicht Krieg zu führen, noch wollen wir unsere berechtigten Forderungen mit Waffengewalt bei unseren Schuldnern einfordern. Indes, Herr Becher machts möglich. Eine Liedzeile zuvor hatten wir (Deutschen) uns absichtlich dazu verbündet, "des Volkes Feind zu schlagen!'

Donnerwetter, kann man da nur sagen. Diese Worte in der "Nationalhymne" eines Staates, der von sich selbst behauptet, der friedliebenste aller Staaten zu sein, der je auf deutschen Boden gegründet wurde. Wie kommen diese chauvinistisch-militaristischen Zeilen in die DDR-Hymne hinein? Wie soll er denn aussehen, des Volkes Feind"? Ist dieser "Feind" ein äußerer über die Grenzen des Staates in sein Inneres vorstoßender, erobernder Feind? Ist hier die Rede von einem vernichtungswürdigen "inneren Feind"?

Wer ist der Deutschen Volksfeind?

Wurde ein "Feind (mit Waffengewalt) geschlagen", so ist nach allgemeingültiger Sprachregelung die physische Vernichtung des Feindes gemeint. Also die eines feindliches Heeres oder einer feindlichen Armee auf dem Schlachtfeld. Das Gesicht des "Volksfeindes", den auszulöschen und zu töten uns in dieser chauvinistischen Liedzeile anempfohlen wird, bekommen wir nicht zu sehen. Den Deutschen wird aber klar gemacht, daß sie zuerst "des Volkes Feind" zu schlagen haben, bevor Frieden eintritt. Möglicherweise - und leider ist dies wegen der nachfolgenden Zeile zu vermuten - handelt es sich um eine deutsche Mutter, deren Sohn auf Seiten des "Volksfeindes" beim Kampfe ums Leben kommen wird. Denn erst wenn der Kampf (das Morden vorbei ist), darf "das Licht des Friedens scheinen" und erst n a c h der Vernichtung des Volkes Feind" soll garantiert werden, "daß nie eine Mutter mehr ihren Sohn beweint!'

In der Tat, eine seltsame Verszusammenstellung! Sollte jedoch anderes gemeint sein nämlich, daß nach Heraufziehen "des Lichts des Friedens" (ist hier die absolute Friedhofsruhe gemeint?) kein innerer ("Volks")Feind zum Totgeschlagen werden mehr vorhanden sein sollte, dann gehört es allerdings zur "Sicherung der Macht", daß es ja keinem einzigen DDR-Bürger mehr einfällt, jemals wieder aufmüpfig werden zu wollen. Hier garantiert die Staatssicherheitspolizei dann den inneren Frieden und sorgt dafür, "daß nie eine Mutter mehr ihren Sohn beweint." Wobei offen bleiben muß, ob dieser bei Zusammenstößen während einer waffenlosen Demonstration in den Straßen Leipzigs durch "Unfall" oder im Zuchthaus Bautzen "nach kurzer, aber schwerer Krankheit" ums Leben kommt,

Vielleicht weinen Frauen und Mütter um Männer und Söhne auch deshalb, weil diese in den Zuchthäusern der "DDR" einsitzen müssen.

Nun aber kräftig in die Hände gespuckt

Uns Deutschen in einer "Nationalhymne" aufzufordern: Nun mal ran! Schafft und baut und pflügt wie nie zuvor - ist dann doch ein starkes Stück. Erst alles zerschlagen, was Vor- und Nachfahren weniger druckvoll aber nichtsdestoweniger durch angeborenem Fleiß und schaffensfroher Energie im Laufe vieler entbehrungsreicher Jahre sich erarbeitet, erbaut, erwirtschaftet und erspart haben, um dann herzugehen und (in einer "Nationalhymne!") zu sagen: Schuftet und rackert, "lernt wie nie zuvor!" Da wollte wohl der Hymnendichter der Plan-Soll-Erfüllung eine Gasse bahnen oder fremdgesichtigen WeltbankManagern Zinsknechte zutreiben…

Hier ist nun endlich mal die Frage angebracht: Hätten diese beiden Zeilen in der dritten Strophe der sogenannten DDR- Nationalhymne nicht viel eher von den POLEN in ihre Nationalhymne übernommen werden müssen?

Damit der Gemeinplätze noch nicht genug, reihen sich weitere aneinander. Natürlich hätte es v o r "laßt uns pflügen, laßt uns bauen…" heißen müssen: "Und der eignen Kraft vertrauend, laß uns pflügen, laßt uns bauen" usw. Denn nun bleibt zum Verständnis des nachfolgenden Textes nur noch eine einzige Sinndeutung übrig, nämlich: Wenn wir der eignen Kraft vertrauen, "Steigt (dies als Folge) ein frei Geschlecht empor." Welcher Kraft also sollen wir vertrauen. Unserer Zeugungskraft? Ist diese gemeint, damit ein "frei Geschlecht' entsteht? Es wäre schon zu wünschen, wenn die jungen Deutschen häufiger an ihre ZEUGUNGSPFLICHT erinnert würden, damit sie in ihren jungen Jahren die Pflichten ihres ELTERNAMTES wahrzunehmen vermöchten. Leider ist diese Art von Pflicht nicht gemeint. Aber gibt der Gemeinplatz "eignen Kraft vertrauend" noch eine andere Sinndeutung her? Sollte Becher etwa meinen, nicht dem Zorn und den Rachgelüsten eines fremdgesichtigen GOTTES (dessen Sohnsgestalt in Übereinstimmung mit der christlich-jüdischen Bibelüberlieferung auf mittelalterlichen Altarbildern als Jude (richtig) dargestellt ist) ausgeliefert und unterworfen zu sein, sondern ein Leben auf eigenes Können aufzubauen, a u s eigener Kraft heraus die hohen Anforderungen des Lebens zu meistern? Hieße es das - solcher Sinngebung könnten wir zustimmen.

Wir sind ein Volk

Die politische Entwicklung in der "DDR", die nach Öffnung der Berliner Mauer am 9. November 1989 von Tag zu Tag deutlichere Umrisse annimmt, zeigt, was wirklich gewollt und beabsichtigt ist: nämlich der wirtschaftliche Umbau des bisherigen auf der ganzen Linie versagenden Systems, Natürlich können die angestrebten Reformen, denn nur um solche geht es vordergründig - machen wir uns nichts vor: Eine Revolution einer gesamt deutschen ERHEBUNG hat nicht stattgefunden! - nur durch teilweiser vorheriger Beseitigung der alten funktionalen Strukturen durchgesetzt werden. Wir erleben es an jedem Tag: An der Zwei- Staaten-Theorie darf nicht gerüttelt werden! Die Führungsrolle der SED in Staat und Gesellschaft soll lediglich neu definiert und den neuen Verhältnissen angepaßt werden. Das sollte inzwischen jedem klar geworden sein. Die von uns allen herbeigesehnte WIEDERVEREINIGUNG unseres geteilten Vaterlandes als e i n souveräner Staat, der a 11 e Deutschen "von der Memel bis zur Etsch" einschließt, bleibt weiterhin ein Wunschtraum. Der Grund: Weil's dem bösen Nachbarn nicht gefällt! Die bisherigen Verlautbarungen maßgeblicher Regierungsstellen in Paris, Rom, London und Washington lassen für die nahe Zukunft keine reale Hoffnung auf Wiedervereinigung im Sinne eines selbständigen, sich in Selbstverantwortung regierenden deutschen Staates zu. Dies läge auch nicht in der Absicht der "Siegermächte" von 1945. Die Verwirklichung eines solchen Begehrens liefe auch dem Ziel jener "Einweltler" zuwider, die auf unserem Erdball eine weitestgehend störungsfreie EINE-WELT-REGIERUNG zu installieren versuchen und die ihre Zielverwirklichung mittlerweile zum Greifen nahe vor sich sehen. Viel wäre für uns Deutschen "hüben wie drüben" als ein vorläufiges Ziel unseres Vereinigungswillens erreicht, wenn wir unser

DEUTSCHLANDLIED - das LIED DER DEUTSCHEN,

nach Hoffmanns von Fallersleben tiefempfundenen Worten und der ihnen unterlegten Musik Joseph Haydn's, in beiden fremdstaatlich organisierten Gebietsteilen unseres Landes als einheitliche NATIONALHYMNE bei gegebenen Anlässen abspielen und singen könnten. Deshalb:

Fort mit der Becher-Hymne und der klassenkämferisch klingen sollenden Musik des Juden Hanns Eisler!

WIR SIND EIN VOLK!

Wir fordern e i n e Nationalhymne!

Wir fordern:

Singen wir n u r das DEUTSCHLANDLIED Hoffmann von Fallersieben!

Hüben wie drüben!


Wie sie's auch brechen, wie sie's auch biegen - die Wahrheit wird am Ende d o c h siegen!


Quelle: Recht und Wahrheit, Folge 1+2/1990, S. 6-10.

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