Wiedervereinigung jetzt!

von
Otto Ernst REMER

Die Deutschlandfrage liegt auf dem Tisch der Gegenwart. Der Staatsbankrott vor dem sich die sogenannten sozialistischen Staaten gestellt sehen, macht eine Neuordnung ihres abgewirtschafteten Systems notwendig. Doch das "neue" System, das die Offenbahrungseidleistenden nun (vom Westen) Übernehmen wollen, ist in Wahrheit ein "altes". Es ist genauso abschaffungsbedürftig wie das "sozialistische". So wie der Marxismus vorgab die Utopie des nichtproletarischen Sozialismus mit den Mitteln Strategie und Taktik des proletarischen Klassenkampfes in die Knie zu zwingen, stellt der Kapitalismus - und dies sicherlich nicht allein nach den linksintellektuellen Vorstellungsmuster der "Sozialisten" - die wohl rüdeste Ausbeutungform der Lohnarbeitern dar. Für Marxisten ist der Kapitalismus eine "Ausbeutergesellschaft". Der Witz ist nun der, daß die noch gestern sich siegessicher gebenden Sozialisten nun im Kapitalismus ihre Überlebenschance sehen und bereit sind eine Gesellschaftsformation zu übernehmen, die sie gestern noch hartnäckig bekämpften und die abzulösen ihr erklärtes Ziel gewesen ist. Denn mit der Übernahme der Spielregeln, wie sie für eine "freien" Marktwirtschaft gelten, stellen sie sich von heute auf morgen in Gegensatz zur Planwirtschaft, dem zentralen Volkswirtschaftsplan, der bis gestern noch der traurigen Wirklichkeit in der "DDR" sein Gesicht lieh.

Nun, so wenden die Bankrotteure in diesen Tagen ein, wir werfen nicht die Idee des Sozialismus auf den Müllhaufen und verraten ihn an den Kapitalismus, sondern wir reinigen unsere idealen Vorstellungen von einer sozialistischen Gesellschaft lediglich vom Ungeist des STALINISMUS.

An diesem Punkte demaskiert sich bodenlose Dummheit selbst. STALINISMUS ist lediglich eine Art VARIANTE zur DURCHSETZUNG des SOZIALISMUS-KOMMUNISMUS Marx'scher Erfindung. Eine SPIELART, die von der persönlichen Lebens- u. Wertevorstellung geprägt war, die ein Mann aus Georgien namens Josef STALIN ("der Stählernde"), dazu benutzte, seine Vorstellung von baldiger Verwirklichung einer alle Menschen umspannen sollenden sozialistischen Welt den Völkern Europas und der übrigen Kontinente aufzuzwingen. Wer bedenken- und gedankenlos, doch sehenden Auges, jahrzehntelang den befohlenden Pfad hin zum Abgrund gegangen ist und die Richtung die der Stalinismus ihm wies, wider besserer Einsicht stur verfolgte, der muß entweder dumm oder verrückt, krankhaft anpaßlerisch oder alles zusammen sein. Wie sie's auch drehn und wenden möchten, mit "Stalinismus" allein läßt sich der wirtschaftliche und der ideologische Zusammenbruch der kommunistischen Staaten jenseits des Eisernen Vorhangs nicht erklären.

Die Bakrotteure von gestern, die gescheiterten Hilfswilligen und Volksschädlinge in der "DDR", geben sich schon heute als Geläuterte und Gewandelte, um in ihre alten Büros zurückkehren zu dürfen. Sie pochen frech auf vermeintliche Mitrechte und geben vor: Ohne uns geht nichts! Sie sind dabei, sich ein ansehnliches Stück vom Kuchen der Macht abzuschneiden. Vermutlich kriegen sie, was sie verlangen.

Indes, diejenigen, die aus dem Innersten ihres Herzens heraus fordern: Deutschland, einig Vaterland! Wir sind e i n Volk! Wir wollen in einem ungeteilten Deutschland leben! - sie werden einhellig und übereinstimmend, nach dem gleichem Muster, das uns in der BRD sattsam bekannt ist, von a 11 e n sogenannten "demokratischen Kräften", die sich in der "DDR" mach dem 9. November 1989 hektisch formiert haben, hohnlächelnd abgetan. In der BR Deutschland nennt man die Vaterlandsliebenden "Neonazis", in der "DDR" "Faschisten".

Im "Zeichen des "Wahlkampfes" - erstmals stehen wir "hüben wie drüben" vor Parlamentswahlen - geht das Wort "Wiedervereinigung" den im Vordergrund Agierenden leicht von den Lippen. Sie wissen: Das deutsche Volk w i 11 innerhalb gemeinsamer Grenzen leben! Wenn westdeutsche Parteiführer, die sich vierzig Jahre lang keinen Deut um die deutsche "Wiedervereinigung" gekümmert haben, vor Fernsehkameras und entspannt in Sesseln zurückgelehnt, von der jetzt sich tatsächlich abzeichnenden Wiedervereinigung reden als sei dies für sie die selbstverständliche Sache der Welt -nur über den Zeitraum, über die Art und Weise dieses Anschlusses müsse verhandelt und beschlossen werden - dann ist bei uns, die wir die verlogene Taktik dieser WAHLKAMPFSTRATEGEN kennen, Mißtrauen und äußerste Wachsamkeit angezeigt. Diese Leute hatten schon immer "leicht reden". Diejenigen, denen sie das Selberdenken hartnäckig aberzogen haben, plappern deren Vokabeln unüberlegt nach. Das ist auch bei einigen sogenannten "Rechtsdenkenden" zu beobachten, wie ich aus erst unlängst geführten Gesprächen heraushören konnte. Auch sie "meinen": "Wir dürfen ihnen (unseren deutschen Landsleuten in der "DDR") nicht unser Wirtschaftssystem "überstülpen". Unsere mitteldeutschen Landsleute müssen sich erst unserem technologischen Standard angepaßt haben, bevor wir sie in unsere Arme schließen, d,h. in unser (Wirtschafts-)System einbeziehen dürfen".

Andere äußern: Erst müsse die Währungsfrage geklärt sein, d.h., zuerst müsse die OSTMARK konvertibel gemacht werden, was bedeutet, daß man zunächst einmal die Reichsmark-Ost dem Wechselkurs der D- Mark soweit wie es nur möglich ist, entgegenheben müsse. Es herrscht auch Rechtsunsicherheit in Fragen der Ostgrenzen Deutschlands. Konkret fragen welche: "Wie soll man denn nun "wiedervereinigen"? In den Grenzen von 1945 oder in denen von 1937?"

Es gibt sogar Deutsche, die ungelöste ökologische Fragen (Umweltschutzfragen) in den Vordergrund ihrer "Wiedervereinigungsüberlegung" rücken. Sie sind der Ansicht, daß noch vor Klärung des zuerstgenannten Problemenkreises i h r spezielles Ökobewußtsein bei unseren Landsleute "drüben" in das für die Vernunft zuständige Organ "einpflanzt" werden müßte, um damit - weil's so schön länderübergreifend und international ist, und weil sie bei unseren mitteldeutschen Landsleute einen leicht zu beackernden Boden vorfinden - für einen weltweit angelegten Kampf gegen die wachsende Umweltzerstörung auf unserem Planeten zu gewinnen. Was diesen Punkt anbelangt, hier schmieden die Ökologen äußerst zielstrebig "das (internationale) Eisen, solange es heiß ist".

Ich meine: Erst sollten wir uns um die fortschreitende SEELENZERSTÖRUNG der Deutschen kümmern. Erst sollten wir dem schleichenden VOLKSTOD unseres Volkes unter anderem dadurch entgegenwirken, indem wir heute und jetzt u n s e r e heimatliche Umwelt vor der endgültigen Zerstörung durch fremdgesichtige Ausbeuter bewahren. Nur in einer weitgehend unzerstört uns erhaltenbleibenden UMWELT kann deutscher VOLKSERHALT gelebt werden. Deshalb müßte das Gebot der Stunde mit ihrer hierin eingebetteten Frage lauten: Was müssen wir tun, um die verschüttete Liebe zum deutschen Wald wiederzuerwecken? Was ist zu tun, damit sich unsere naturgewachsene heimische Landschaft mit ihren Flüssen und Niederungen, mit ihren Küsten und Inseln, mit ihren Bergen und Seen sich als ein schutzwürdiges HEIMATBILD in das Bewußtsein unseres deutschen Selbst fest einprägt und verankert. So sollten wir zum Beispiel vor unserer Mitbeteilung an der Lösung internationaler Umweltschutzprobleme, uns zuerst dem Erhalt unserer heimische Vogelwelt widmen; vielleicht dadurch, daß wir diese gemütsstabilisierenden Kleintierschönheiten dem Schutz unserer Jugend anvertrauen. Ich trete auch dafür ein, daß wir noch v o r unserer Mitwirkung an außerhalb Deutschlands gelegenen Umweltschutzaufgaben, uns zu allererst der restlich uns verbliebenen steinernden Zeugen vergangener deutscher Lebenskultur erinnern, daß wir uns ihrer vorrangig annehmen, um sie vor der abrißbereiten Spitzhacke zu retten. Ich denke dabei an das wunderschöne QUEDLINBURG mit seiner Altstadt und dem DOM, in dem sich die Grabstätte eines bedeutenden Deutschen befindet: die unseres ersten deutschen Königs HEINRICH 1.nebst Gemahlin MATHILDE. An diesem Punkte nämlich, meine Damen und Herren einer international gefärbten "Ökologiebewegung" ist deutsches UMWELTBEWUßTSEIN neu zu beleben. Hier sollte eigentlich ein Ansatzpunkt zu gemeinsamen Tun vorhanden sein. Hier eröffnet sich für uns alle eine erzieherische Aufgabenstellung, die zu Bewußtseinsveränderung in Sachen HEIMATVERSTÄNDNIS wirkungsvoll beitragen könnte. Es gibt zu diesem Themenkreis Stoff genug, um Wochendseminare abzuhalten. Wir wären dabei!

Nur wer sich der Schutzbedürftigkeit seiner eigenen heimatlichen UMWELT bewußt ist und über hinreichend Problemlösungserfahrungen zu ihrer Gesundung verfügt, kann zum Mithelfer und Schützer anderer bedrohten UMWELTEN werden.

Doch ich will auf das zurückkommen, das mir die Überschrift zu meinem vorstehenden Gedankengang eingab; zu der Überschrift: Wiedervereinigung jetzt!

Wir wollen nicht darauf warten, bis sich der Smog über unsere mitteldeutschen Städte verzogen hat. Es bleibt uns auch keine Zeit mehr dafür, mit endlos leerem Geschwätz kostbare Zeit zu vergeuden. Unser Herz befiehlt uns, was zu tun ist. Die Zeit ist reif zum Handeln! Wir dürfen nicht tatenlos zusehen, wie die sogenannten "demokratischen Parteien", hüben wie drüben, zum Schulterschluß ansetzen und gemeinsam Schritt fassen. Nur hierin besteht nämlich d e r e n Verständnis von "Wiedervereinigung": Indem sich SPD West mit SPD Ost und CDU West mit CDU Ost in gemeinsamer Front g e g e n das deutsche Volk vereinigt.

Vierzig Jahre Bonner "Demokratieverständnis" sind genug! Wir bekennen uns als Geistesrevolutionäre zur Revolution wider die Bonner PARTEIEN- und VERWALTUNGSDEMOKRATIE.

Den noch andauernden "revolutionären Schwung" für Deutschlands Zukunft auszunutzen, läßt uns deshalb die Forderung aussprechen:

WIEDERVEREINIGUNG - J E T Z T!


Schon 1433 hatte Nikolaus von Cues in seiner CONCORDANTIA CATHOLICA geschrieben: "Eine tödliche Krankheit hat das deutsche Reich befallen; wird ihr nicht schleunig ein Gegengift gegeben, so wird der Tod unausweichlich eintreten. Man wird das Reich in Deutschland suchen und es nicht mehr finden, und in der Folge werden die Fremden unsere Wohnsitze nehmen und sie unter sich teilen, und so werden wir einer andern Nation unterworfen werden."

Textteil entnommen: Johannes Haller "Die Epochen der deutschen Geschichte", S. 186, Stuttgart, 1940


Quelle: Recht und Wahrheit, Folge 1+2/1990, S. 4f.

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