DAS RECHTE WORT ZUR RECHTEN ZEIT

Vier gegen zwei

Vor fünfundvierzig Jahren legte die DEUTSCHE WEHRMACHT die Waffen nieder. Roosevelt hatte seinen Plan "der bedingungslosen Kapitulation" mit Hilfe Churchills durchgesetzt. Amerikas gewaltiges Waffenpotential zwang Deutschland in die Knie. Franklin Delano Roosevelt, Domestik des amerikanischen Banker- Imperialismus, der nach einen plausiblen Vorwand gesucht und ihn auch gefunden hatte, um in das europäische Kriegsgeschehen mithandelnd eingreifen zu können, führte nun eine "Siegermacht" an. Churchill und Stalin triumphierten gleichermaßen. Den Konferenzen von Casablanca, Teheran und Jalta folgte Potsdam. Doch blenden wir auf ein vier Jahre davor liegendes Treffen zurück, das am 14, August 1941 auf dem britischen Schlachtschiff "Pince of Wales" stattgefunden hatte. Churchill und Roosevelt sprachen hier die Grundsätze ihrer zukünftigen Kriegs- und Nachkriegspolitik miteinander ab. In Artikel 2 ihrer Übereinkunft legten sie u.a. fest: Eigener Verzicht auf fremdstaatliche Gebietsaneignung bzw. keine Unterstützung bei territorialen Änderungen, die nicht mit dem frei zum Ausdruck gebrachten Wunsch der betreffenden Völker übereinstimmen; Artikel 3 regelt die Anerkennung des Selbstbestimmungsrechts der Völker bei der Wahl ihrer Regierungsformen und bei der Regelung territorialer Streitigkeiten; Artikel 4 will Gleichberechtigung aller Staaten im Welthandel; Artikel 7 fordert die Freiheit der Meere. Insgesamt wurden 8 Artikel vereinbart, die in einem Dokument niedergelegt wurden, das unter dem Namen "Atlantikcharta" später ein wichtiges UN-Statut bilden sollte und teilweise in den Artikel 24 der UN- Charta eingeflossen ist.

Nach Abschluß des Potsdamer Abkommens von 1945 mußten die Deutschen erfahren, daß das Papier nicht die Tinte wert war, mit der die "Atlantikcharta" von Churchill und Roosevelt unterzeichnet worden war: Die Sowjets kassierten ungefragt Königsberg und das nördliche Ostpreußen; Polen schob seine Westgrenze bis an Oder und Neiße vor. Die Deutschen durften keine andere als die ihnen aufgezwungene westliche Regierungsform annehmen und wurden "demokratisiert".

Siegerwillkür unterwarf sich entwaffnete Machtlosigkeit!

Inzwischen sind, wie schon gesagt, 45 Jahre vergangen. Fast ein halbes Jahrhundert. Die erste Nachfolgegeneration in Deutschland befestigte die übernommene demokratische Staatsform und übertrug deren "Spielregeln" auf alle nur möglichen Gesellschafts- und Lebensbereiche. Waren nicht die Besiegten - so jedenfalls sollte es von der jüngeren Generation verstanden werden - im Laufe der Jahre zu Partnern der ehemaligen Sieger geworden? Hitler- Deutschland gab es nicht mehr. Die ehemals Besiegten hatten sich von ihren Siegern zu willfährigen Unfreien umerziehen lassen. In sinnvernebelnder Wortumdeutung gestatteten sie ihren deutschen Heloten, ihre Besatzungstruppen in Truppenstationierungen "befreundeter Verbündeter" umbenennen zu dürfen. Arglose Nachgeborenen hatten so für die Präsenz fremder Truppenteile auf deutschem Grund und Boden zumindest fürs erste eine dürftige Erklärung.

Die, die einst den Krieg hautnah miterlebt hatten, Männer und Frauen auf beiden Seiten, sind heute Großväter und Großmütter Inzwischen sind viele von ihnen an gesundheitlich schwerwiegenden Folgen, die der 2. Weltkrieg als unheilbare Krankheitsspur bei ihnen äußerlich wie innerlich hinterlassen hatte, verstorben.

Fünfundvierzig Jahre sind eine lange Zeit. Diejenigen, die als Staatsführer, Militärs oder Diplomaten unmittelbar das Kriegsgeschehen in Europa mitbeeinflußten oder es gar steuerten, leben ebenfalls nicht mehr:

Roosevelt starb als einer der ersten. Churchill, Stalin, Hitler, De Gaulle und Mussolini sind ebenfalls tot. Ihnen ins Grab folgte im Verlauf der Zeit die erste Garnitur ihres Mitarbeiterstabes: Ihre Außenminister und Generäle.

Heute, 1990, bestimmt nirgendwo auf der Welt auch nur eine einzige Person, die unmittelbar und direkt am politischen Weltgeschehen während der Jahre von 1933 -1945 an maßgeblicher Position mitgewirkt hat, die Geschicke seines Landes.

Die Sieger von gestern sind tot! Die Besiegten von gestern gibt es nicht mehr!

Und doch werden in diesen unseren Tagen auf makabre Weise die Toten von 1945 wiederbelebt! Dem nach 1945 gebräuchlichen und zu Recht angewandten Begriff SiEGERMÄCHTE wurde neuer Odem eingehaucht. Sonderbar, wo doch das neue (viergeteilte Deutschland als nachrangig unbedeutender Staat seit vier Jahrzehnten friedlich und fleißig sein erarbeitetes Nationaleinkommen an alle Welt als "Wiedergutmachung" verteilt, wie ihm aufgetragen? Das Wiedervereinigungsstreben der beiden deutschen Teilstaaten "BRD" und "DDR" vereinigt die modernen Staatsführungen der USA, Frankreichs, Englands und der UdSSR in der Formel "zwei plus vier". Plötzlich sitzen nicht mehr "gleichrangige" Partner einander am (Friedens-)Verhandlungs1isch gegenüber, sondern die vier(?) SIEGERMÄCHTE den von ihnen selbst ins Leben gerufenen zwei "Staaten": der "BRD" und der "DDR".

Das heutige Deutschland wurde auf seinen Platz verwiesen. Wer in Deutschland heute noch glaubt - und das gilt auch für Österreich - daß wir in unseren deutschen Ländern über Souveränität und Gleichberechtigung in Verfolg ureigenster Interessen verfügen, der wird an den leicht ablesbaren künftigen Geschehen, das Deutschland, seine Wiedervereinigung und eine Lösung der Ost-Grenz-Frage betrifft, einsehen müssen: Deutschland ist auch in der nun heranwachsenden dritten Generation eine geschlagene, eine besiegte Nation. Die Sieger von einst haben es uns selbst verraten: Wir haben sie gefälligst als SIEGERMÄCHTE zu bezeichnen!

G.A.Bosse


Quelle: Recht und Wahrheit, Folge 1+2/1990, S. 14f.

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