DAS RECHTE WORT ZUR RECHTEN ZEIT

Deutschland ohne Parteien

Georg Albert Bosse: Vortrag anläßlich des Frühjahrs-Lesertreffensin Ilsenburg/Harz in den Tagen vom 22. bis 24. Mai 1992

Einführung:

Bevor wir uns die Frage vorlegen, ob ein zukünftiges, vielleicht sogar ein gegenwärtiges Deutschland o h n e politische Parteien denkbar ist, sollten wir kurz in die Geschichte unserer Volkwerdung rückblicken. Die Frage lautet, wann haben sich zum ersten Male Gegensätzlichkeiten zu Fragen der Daseinsbewältigung herausgebildet, so daß sich gegenpolige, d.h. unterschiedliche Auffassungen einander gegenüberstanden. Leicht verkürzt dargestellt: Jäger und Früchtesammler unterschieden sich von einem seßhaft werdenden Bauerntum; Landeigner hoben sich von Besitzlosen ab; Krieger von Lehnsherren; Adel von Bürger- und Handwerkertum; Industriearbeiter von Fabrikanten. Innerhalb dieser fortschreitenden Interessengruppen-Herausbildung im Lauf der Jahrhunderte kam es schließlich noch zu einer quer die Gruppen durchziehende zweiten gegenpoligen, um nicht zu sagen abweichlerischen religiösen Glaubensauffassung. Die Gruppe um Martin LUTHER, die sich als Reformierte bezeichneten, trennten sich vom institutialisierten Christentum Roms.

Wechselbeziehung untereinander erzeugen Interessenausgleich

Aber anders als bei der Herausbildung der verschiedenen Stände, die zueinander in eine Art einander bedingende Abhängigkeiten traten, weil das die Menschen Trennende sie gleichzeitig auch dazu zwang, wechselseitige Beziehungen zueinander aufzubauen, die dem einen wie dem anderen die Bewahrung seiner eigenständigen Existenz zusicherten, kam es bei der stattgefundenen tiefgreifenden religiösen Spaltung zur unversöhnlichen Gegnerschaft im Volk. Es kam sogar zu einem der furchtbarsten Kriege in der deutschen Geschichte...

Innere Spaltung bei unüberbrückbaren Gegensätzen

Nicht wahr, wie bereits eingangs erkennbar, haben sich bestimmte menschliche Interessengemeinschaften schon früh herausgebildet. Zu einem ersten losen Zusammenschluß von Kleingruppen, von Aufzuchtgemeinschaften, oder sollte ich besser sagen: von Elternschaften, hin zu einer größeren Gemeinschaft, dem Stamm, kommt es, wenn eine allgemein gültige Interessenlage entstanden ist, deren Probleme sich nur im Rahmen einer größeren Gruppe bewältigen lassen. Vom Stamm zur Volksgruppe, von der Volkgruppe zur noch größeren Einheit, dem Volk, ist der Weg nicht weit. Bewähren sich Zusammenschluß und Zusammenhalt der Großgruppierung unter bestimmten Lebensregeln (durch die Schaffung von eigenen Sittengesetzen und Rechtsgrundsätzen) kann es zur Staatsbildung kommen. Die sich bis dahin gut bewährten Lebensregeln bilden die Grundlage dieses Gemeinwesens. Solange keine Zweifel aufkommen, daß die vorgelebte oder nachgelebte Lebensweise richtig ist, droht diesem Gemeinwesen keine Gefahr von innen. Ein jeder ist zufrieden, ein jedweder hat seine Platz in der Gemeinschaft, dient ihr nach besten Kräften, hat sein Auskommen und genießt also den Schutz und die Wohlfahrt dieses seines Staates. Zu einer Bedrohung dieses Gemeinwesens kommt es dann, wenn entweder ein Feind von außen auftaucht, der ihm sein Staatsglück neidet oder wenn Führungspersönlichkeiten dieses glücklichen Staates aus Machtbesessenheit seine Ausdehnung beschließen. Gelingt es dem glücklichen Staat neues Land nach einem sieghaft beendeten Krieg hinzuzugewinnen, stimmt er (der Souverän) sein Staatsvolk zufrieden und Trauer und aufkeimende Unzufriedenheit ob des Blutvergießen seiner Jünglinge wird über das Triumphgefühl neuer Größe ausgeglichen. Verliert aber der Feldherr des glücklichen Staates seinen Eroberungskrieg - dann verliert das Volk auch seinen inneren Frieden. In solch einem Falle entsteht eine Situation, in der sich zwei Parteien herausbilden: die eine, die kriegerische Partei, ruft nach Vergeltung für die erlittene Niederlage; die andere, die gemäßigte Partei, will Wunden pflegen und sie ausheilen. Letztere will Frieden bewahren und zurückkehren zum einstigen Glück. Daß dieses Glück sich sobald nicht wieder einstellen wird, davon wollen beide Parteien nichts wissen. Denn von nun an bekämpfen sie einander erbittert und teilen das Volk in zwei Lager. Welche Partei auch immer das Volk einander abwechselnd anführt. immer hält sich ein Teil des Volkes dem Thron fern.

Das andere Beispiel sieht einen Einfall des Feindes in das Land der Glücklichen und Zufriedenen vor. Wird der Feind zurückgeworfen und besiegt, blüht nach siegreich bestandenem Kampf das Staatswesen erneut auf. Vielleicht noch schöner und gesünder als vorher, denn der Sieg beflügelt die Geister und setzt neue Schaffenskräfte frei. Eine längere Friedensperiode wird danach diesem Volk sicher sein. Gelingt es dem Feinde jedoch das glückliche Volk in einem Krieg nieder zu werfen, so ist damit auch sein einstiges Glück zerstört. Der Feind nimmt ihm all seine Glücksgüter und zwingt es in die Ketten da Knechtschaft. Außerdem versklavt des besiegten Volkes Geist. Von nun an glimmt in diesem Volk die Sehnsucht nach seiner Befreiung vom Joch des Feindes. Aber wiederum treten zwei Gegensätzlichkeiten in diesem vom Feinde unterjochten Volkskörper in Erscheinung. Die einen richten sich unter des Siegers Hand so gut es geht ein, die anderen lehnen eine »Mitarbeit« mit dem Feinde ab und arbeiten im Verborgenen an ihres Volkes Befreiung.

Nur dann ist die Einheit gesichert, wenn die Staatsführung sich für den Interessenausgleich im Staatsinnern einsetzt.

Wir sehen, die glückliche Einheit eines Staatswesens! das sich auf eine rein völkische Grundlage gründet, funktioniert nur solange, wie sich keine Gegensätzlichkeiten herausbilden (aus welchen Gründen auch immer), die die innere Einheit des Volkes spalten. Ist das Volk einmal gespalten, ist seine Genesung nur schwer und langwierig herbeizuführen, wenn es nicht gar an dieser Krankheit stirbt. Dem Feinde des Volkes wird also immer daran gelegen sein, des Volkes innere Spaltung mit allen nur erdenklichen Mitteln aufrechtzuerhalten. Ja, er wird sogar weitere Keile in die schon vorhandener Spaltung hineintreiben, damit nicht nur im feindseligen G e g e n e i n a n d e r, sondern auch im vermeintlichen Geborgensein des U n t e r e i n a n d e r Unfriede und Zwietracht die Oberhand gewinnen.

Spaltungsursache: Christentum

Zu einer Aufhebung, ja Zerstörung von gut funktionierenden Gruppenleben kam es zum ersten Mal in der Geschichte der germanischen Völker, als das Christentum den Germanen den Väterglauben raubte. Die Spaltung, die durch die Christanisierung innerhalb der germanischen Volksgruppen auftrat, sah so aus: die frisch Christianisierten wandten sich von den Heiden ab, die Nichtbekehrten von den Bekehrten. Der volkliche Zusammenhalt war fürs erste zerstört. Natürlich empfand jeder große deutsche König und deutsche Kaiser diese Situation späterhin als schmerzlich und für die Dauer unerträglich. Kein Wunder also, wenn gute Könige und gute Kaiser, sofern dieser Gedanke sie zur Beseitigung bestehender unerträglichen inneren Spannungen aufforderte, das Volk unter e i n e r Religion vereinen wollten.

Kein einheitliches Handeln bei unterschiedlicher Standpunktbehauptung

Halten wir fest: Der innere Zusammenhalt von interessengleichen Lebensgemeinschaften, wie Volk und Staat, wird von einem wechselseitigen An- und Ausgleich an vorhandene oder neu sich herausbildenden Daseinsbedingungen bestimmt. Zu einer gegenpoligen Herausbildung von einander abweichenden Interessen kommt es dann, wenn innere Gegensätzlichkeiten zur Parteienbildung, d. h. zur Abgrenzung herausfordern. Diese Abgrenzung wird zugleich zur A u s g r e n z u n g der (oder von) Andersdenkenden. Sowohl die eine wie auch die andere Interessenvertreterin bestimmer Lebensvorstellungen, ein Verein, eine bestimmte politische Partei oder eine Glaubenssekte, verfolgen, einheitlich betrachtet - dennoch ein jeder für sich allein - e i n e gemeinsame Zielsetzung: nämlich die Durchsetzung ihrer Weltvorstellung zu eigenem Nutzen und Frommen, ohne Rücksichtnahme auf die gänzlich anders gelagerten Interessenbereiche der von ihnen ausgegrenzten zeitgenössischen Mitmenschen, deren Bedürfnisse sie entweder nicht beachten oder gar als gegenpolig feindlich bekämpfen.

Damit wird deutlich, daß die Verfechter unterschiedlichster, einander abgrenzender Lebensinteressen, jeweils Partei für eine bestimmte, von ihnen für richtig gehaltene oder alleinseligmachende Lehrmeinung oder Weltauffassung ergreifen. Sie folgen damit vorgegebenen Leitlinien, die ein anderer (oder andere) für sie gesetzt hat (oder gesetzt haben).

Parteilichkeit trübt den Blick für Gemeinsamkeiten

Die Erfahrung bat uns gelehrt, daß immer dann, wenn eine bestimmte Interessengruppe eine gültige Lösung zur Daseinsbewältigung auf öffentlichem Marktplatz ausschreit, sie ihre »Kollegen von der anderen Fakultät - also jene, die eine gegensätzliche Meinung vertreten - dazu auffordern, diese ihre andersgearteten Erkenntnisse zu Gunsten der von der Gegenseite angebotenen Lösungen fahren zu lassen. Wir wissen warum. Es geht um die Durchsetzung von gruppenegoistischen Eigeninteressen. Und so trägt diese Forderung auf Anerkennung eines Anspruchs, der auf Alleingültigkeit seiner demagogisch vorgetragenen Zielvorstellungen pocht, stets und immer dogmatische Züge. Jemand, der sich die Verwirklichungspläne einer solchen gruppenegoistischen Clique zu eigen macht, handelt, wie sollte dies auch anders sein - »parteilich«. Er bat sich einseitig festgelegt, er bat sich gebunden, also kann er gar nicht anders, als »seine« Entschlüsse auf die vorgegebene Parteilinie einzubalancieren. Die Zugehörigkeit zu einer Partei, zu einem Verein oder einer Vereinigung (wie zur Freimaurerei beispielsweise), versetzt jedes Mitglied, im Verhältnis zu den übrigen Mitgliedern, in den Status eines Komplizen. Diese Komplizenschaft oder Kumpanei verpflichtet, weil »geheimes Wissen« den einzelnen zum (u.U. gefährlichen) Mitwisser von Durchsetzungspraktiken macht, die in den Augen der öffentlichen Moral verwerflich sind. Ein Sich Abkoppeln aus solch einem Kumpanei oder Mitwissenschaftsverhältnis, kommt einem Verrat gleich. Gelingt es einem Einzelnen dennoch sich von seinen ehemaligen Kumpanen abzusetzen, muß er mit gesellschaftlicher Äcbtung recbnen - eine Fortführung seiner Berufskarriere kann er in den Wind schreiben.

Auch wir sind »Partei«

Nun ja, Parteilichkeit im Sinne von - wie man beute so gerne sagt: pro und contra Auffassungen - d.h. f ü r etwas sein oder g e g e n etwas sein - ist es nicht nur im Werden der Völker als eine historische Notwendigkeit gegeben. Selbst die Existenz unserer Welt - der stofflichen wie der geistigen - verdanken wir einer dualistischen, d.h. einer zweipoligen Betrachtungsweise, die in allem, was uns umgibt, Gegensätzlichkeit erkennt.

So lehrt uns diese Betrachtungsweise (gemeint ist eine dualistische Weltbetrachtungsweise), daß zwei verschiedene neben- und voneinander unabhängig existierende Prinzipien alle naturhaften Abläufe im Weltgeschehen bestimmen. Dieses »Zweiheit-Denken", von DESCARTES aufgestellt, siebt in allen Dingen, die die Welt bewegen, Gegensätzlichkeiten am Werke, die in Bezugssysteme eingebettet sind:

Einmal ergänzen sie einander, ein andermal stoßen sie einander ab. Sie können unter bestimmten Bedingungen aber auch - wie etwa Seele und Geist im Körper des Menschen - in Wechselbeziehung zueinander treten und - wie diese es vermögen - sogar eine Einheit bilden!

Ich bin an anderer Stelle, im Zusammenhang mit einer Betrachtung über den FREIHEITBEGRIFF in neuerer Zeit, dem ich eine besondere Ausarbeitung gewidmet habe - ich hoffe, Ihnen diesen Essay in Kürze vorlegen zu können -, auf den Dualismus Descartes näher eingegangen. Allerdings berühren alle Partikularint-eressen wesentliche Teile unserer menschlichen inneren wie äußeren FREIHEIT, so daß ich. um dies gleich vorweg zu sagen, mich als ein Parteigänger deutscher FREIHEIT verstehe. Meine Parteilichkeit, für die ich eintrete, besteht deshalb in der Wahrung und Sicherung deutscher FREIHEIT. Um einige wenige Sätze aus meinem Essey zu zitieren. der meine persönliche Auffassung von einer gegenpoligen Zweiseitigkeit in unserem menschlichen Dasein aufzuzeigen versuchen: Gibt es FREIHEIT, dann gibt es daneben, als deren Widerpart, auch UNFREIHEIT. Und räumen wir ein, daß uns (heilige) Freiwilligkeit zu manchem Tun anleitet, dann müssen wir im Gegensatz zu dieser (frei-)willentlichen Handlungsweise ebenso anerkennen, daß wir einer Reihe von zwingenden Notwendigkeiten unterworfen sind, die wir bäufig als einen von außen auf uns einwirkenden materialistischen Druck empfinden. Dieser Druck beeinfluBt als nicht unwesentlicher Faktor unser Dasein nachhaltig. Unser Leben ist sogar überwiegend von solcherart Zwän gen gelenkt und gesteuert.

Wir stehen für die Freiheit ein!

Der Begriff FREIHEIT wird dann auch in erster Linie als Unabbängigsein von Zwang (und Bevormundung!) definiert. Ein FREIER ist demnach jemand, der seinen Lebensweg (dennoch und trotzdem!) weitgehend und willentlich selbst bestimmt; unbeeindruckt von äußeren Einflüssen, die ihn unter Umständen von einer Verwirklichung selbstgetroffener Willensentscheidungen abhalten. Ein FREIER, ein sein Schicksal selbst Bestimmender, erwartet auch nicht von einer außerhalb seines Handelns in metaphysischen Bereichen angesiedelten »Gottheit« die Gnade »göttlicher Huld«. Der FREIE nimmt sein Schicksal in die eigene Hand und gestaltet es nach eigenem Willen!

Ein FREIER lebt - selbständig und von fremder Meinungsbeeinflußung weitestgehbend unabhängig - im Einklang mit seiner (Welt-)Vorstellung und bandelt, stets in Übereinstimmung mit seiner (menschlichen)

Natur (Friedrich SCHILLER), wie es das "allgemeine" MORALGESETZ ihm vorschreibt.

Vielleicht lassen diese wenige Worte schon erkennen, weshalb ich jedwede Art von selbstsüchtiger, politischer Parteienbildung ablehne.

Zurück zum Eingangsthema

Gäbe es keinen Kampf um die Durchsetzung parteilicher Vorrechtstellung, das ist das andere - weil Alleinansprüche auf vermeintliche unumstößliche Gültigkeit zum Aufbegehren herausfordern, dann gäbe es keine Ablehnung, keinen Widerstand, keine ideelle Gegenvorstellung.

Ich muß in diesem Zusammenhang nicht besonders auf die in der unseligen DDR vorhanden gewesene zweipolige Gegensätzlichkeit von staatlich verordneten Marxismus und freiheitlichem Aufbegehren des Volkes hinweisen. Der im östlichen Machtbereich des Marxismus-Leninismus zu Tage getretene Zweipoligkeit von Staatsleben auf der einen und Volksleben auf der anderen Seite, beweist meine These nur allzu gut. Die eine oder andere »Partei« mit dem Moralbegriffen Gut oder Böse kennzeichnen zu wollen, hieße, sich dem Urteilsbereich partikulärer Betrachtensweise hinzugeben. - Aber ich frage Sie, warum denn nicht? Warum soll es mir, dem Einzelnen, aber auch der Menschengruppe, der ich entstamme, meinem Volk, nicht gestattet sein, wertend »Partei zu ergreifen«, vor allem bei dem, was unser Leben entscheidend beeinflußt? Haben wir denn, die wir als freie Menschen geboren wurden, kein Anrecht darauf, unsere Stimme zu erheben und mitzubestimmen, wenn es um u n s e r e Lebensinteressen geht? Sind wir, das Volk, nichts wert? Sind wir ein Dreck? Bestehen wir nur aus Konsumenten und aus Stimmvieh für diejenigen, denen wir so gleichgültig sind wie ein Furz auf dem Mond?

Schlußfolgerungen ziehen uns gemachter Erfahrung.

Damit sind wir bereits an einem von mir besonders hervorhebendem Punkte dieser Betrachtung angelangt. Die Entscheidung eines jeden Menschen, die eine Daseins- und Lebensauffassung als »gut«, die andere ihm vorgelegte als »böse« zu bezeichnen, entspringt sowohl intellektueller (stofflicher) wie intuitiv erfühlter Erkenntnis. Erst später, wenn die Realität eigenen Erlebens die angeeignete pro- oder contra Stellungnahme entweder bestätigt oder außer Kraft gesetzt hat, tritt das ein, was wir als unwiderlegbare Wertung aus eigenem Erleben bezeichnen können. Anstelle des ideologisch gefärbtem Theorems mit vorzugsweise idealisierter Aussage, ist das praxisnahe eigene Erlebnis getreten. Von der Wirklichkeit verdrängt, stürzt die blutleere Theorie zu Trümmer und löst sich in Nichts auf.

Damit stellen wir fest: Die Annahme oder Ablehnung einer politischen Utopie, die sich zur Durchsetzung ihres Herrschaftsanspruchs in der ersten Phase ihrer Gründung auf überzeugte Parteigänger stützt, zieht in der zweiten fanatisierte Glaubenseiferer an sich, erst in der dritten schließt sich beiden Gruppen der Rattenschwanz opportunistischer Mitläufer an. Läßt sich die erste Kategorie bei ihrer Entscheidung zur Annahme einer neuen Zukunftsvision sowohl vom eigenen Denk- wie Fühlbereich leiten, wird Annahme und Übersetzung von der zweiten allein im Fühlbereich vollzogen. Die Mitläufer schließlich brauchen nur ihren Intellekt (Verstand) für die zu treffende Entscheidung zu bemühen. Hier haben wir es mit Abenteurern und Spekulanten zu tun. Sie wollen an Erfolgen teilnehmen, die n a c h der Durchsetzung der neuen Idee ihnen gutbezahlte Karrieren in Aussicht stellt. Auf diese Mitmenschen, auch sie sind Deutsche, können w i r bei unserem Freiheitskampf nicht bauen. Sie tauchen erst dann auf, wenn die Schlacht geschlagen ist. Was uns selbst und unsere mitkämpfenden Kameraden angeht, so ist unser Freiheitsideal im Herzen eines jeden tapferen Mitkämpfers fest verankert. Aber wir dürfen nicht mit jenen hadern, die abseits stehen, uns gar belächeln, wenn wir uns das Schwert gürten, um auch für s i e in den Kampf zu ziehen. Der Kämpfer für die Freiheit fragt nicht nach Lohn noch fragt er nach Ruhm, er kämpft, weil er seinem Gott, der in ihm wohnt, freudig und ohne zögern folgt. Er kämpft, weil er muß; weil sein Leben - der Wert, den a seinem Leben beimißt - davon abhängt, das Ideal der deutschen Freiheit, wann immer dies von ihm gefordert wird, stets kämpfend verteidigt zu haben. Ja, er ist bereit, für das Ideal seiner inneren Überzeugung auch zu fallen. Millionen Deutsche haben in zwei ihnen auferzwungenen Kriegen diesen Weg gewählt. Den Weg des Kampfes. Dieser Weg ist auch der unsrige. Wir sind mit unseren Freiheitskämpfern fest verbunden. Sie gehören uns, wie wir ihnen zugehörig sind. Sie sind unsere Väter und Brüder. Was sie für uns, für die jetzt lebende deutsche Generation getan haben, kann man in Worten nicht ausdrücken. Wir wissen nur dies eine, sie haben ihr Leben für die Freiheit gelassen. Ich sage euch, meine Kameraden und Kameradinnen, ich falle freudig, wenn dies mir meine, mir gegebene innere Pflicht abverlangt. Anders, als für die deutsche Freiheit zu kämpfen, hätte mein Leben gar keinen Sinn!

Freiheit, die w i r meinen

Sie, meine geschätzten Zuhörer, stimmen sicherlich mit mir darin überein, wenn ich behaupte, daß ein Programm, das k e i n e Freiheitsideale enthält, von uns abgelehnt wird. Ein solches Parteiprogramm spricht uns nicht an, selbst wenn es uns in Hinblick auf die Zukunft »goldene Berge« verspricht. Wir finden nämlich die in unserm Innern vorhandenen IDEALE nicht angesprochen. Deshalb werden wir uns einem solchen Programm, selbst wenn es mit Hilfe von staatlicher Gewalt uns auferzwungen werden sollte, niemals unterwerfen. Nicht nur, daß wir es ablehnen und nicht anerkennen, wir werden es solange bekämpfen, bis es beseitigt ist. Denn unser Volk bestrebt seit je her aus Menschen, welche die Freiheit als ihr höchstes Lebensideal ansehen. Sie sind bereit, für dieses Lebensideal zu kämpfen und auch zu sterben.

Jawohl, meine verehrten Freunde, meine Damen und Herren, noch lebt mit uns und in uns die deutsche Freiheit, und sie lebt auch in unseren Kindern, sofern uns nicht der geplante Volkstod ereilt, den die Feinde der germanischen Freiheit listig vorbereitet haben. Doch Mut, Freunde: Solange unsere Herzen schlagen, lebt Deutschland!

Wozu Parteien?

Doch zurück zu meiner eingangs getroffenen Feststellung, daß wir keine Parteien nötig haben, um einen Volksstaat zu gründen.

Es genügt vollauf das Gruppenbekenntnis: »Wir sind das Volk!

Die Parole jedes einzelnen von uns muß lauten: Ich bin DEUTSCHER - sonst nichts!

Ich meine, mit diesen beiden Aussagen halten wir eine Parole für die Zukunft in den Händen - ach. was sage ich: der GEGENWART!

Fort mit den Parteien

Darum rufe ich allen Deutschen zu: Hinweg mit den Parteien! Sie haben in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg nichts bewegt und werden auch in Zukunft nichts bewegen! Die nationalsozialistische Partei gründete sich unter gänzlich anderen innenpolitischen Verhältnissen. Die anfänglichen sozialpolitischen Inhalte der NSDAP fielen schon nach kurzer Zeit fort: Als nämlich die Vollbeschäftigung erreicht war und Wohlstand für alle aufblühte. Danach reduzierte sich das »Programm« der NSDAP auf eine Formel: Deutschsein ist alles!

Wenn Adolf HITLER der große Mann war, für den ich ihn halte, dann würde er als eine erste große Handlung nach siegreich beendetem Kriege die NSDAP aufgelöst haben. Ich bin nach wie vor davon überzeugt, daß er dies getan hätte, denn er hat selber davon gesprochen. Nicht zuletzt wegen dieser seiner Äußerung halte ich Adolf HITLER für einen der klügsten Männer in der deutschen Geschichte.

Es ist nicht jedermanns Sache, einer Partei anzugehören und nach der Pfeife kleinkarierter "Amtswalter« zu tanzen. Für einen Freiheitlichen zählen nur Volk und Vaterland. Er braucht keine Partei, schon gar nicht einen Gernegroß-Opportunisten mit glänzendem Parteiabzeichen, der seine Empfindungstiefe zu seinem Volk und zu seinem Land in das Korsett parteipolitischer Augenblicksnorm hineinzwängen und prüfenden oder strafenden Blickes den Grad seines Patriotismus in einer Strichliste festhalten möchte.

Der Wille zum überzeugten Widerstand gegen die äußeren Feinde im Zweiten Weltkrieg beim deutschen Soldaten erwuchs ihm nicht aus seinem »parteipolitischem Herzen«, sondern aus einem tiefen Gefühl inniger Liebe zu seinem Heimatland. Es ist das Verdienst Adolf Hitlers, daß er dieses Gefühl in den Herzen der meisten Deutschen zu erwecken wußte. Das hat mit Nationalsozialismus nur am Rande zu tun! Wer das vergißt, oder nicht wahrhaben will, hat in der Tat nie etwas aus der Geschichte gelernt - hinzugelernt hat er noch weniger, wenn er immer, wie ein Roboter, zur Wahlurne schreitet, und sein Kreuzel hinter dem Namen einer Partei anbringt, die letzten Endes keine der wahrhaftig uns bedrängenden Probleme zu lösen imstande ist.

Jeder Partei - nicht nur den etablierten Parteien - kommt die Aufgabe zu, mit einem Schwindeletikett Wähler anzulokken, indes der zum Staatspolitiker mutierte Parteibonze nach gewonnener Wahl das mitgebrachte Wählerpotential dazu benutzt, sich in die Institution Staat einzukaufen. Dieser Staat aber, der keiner ist, sondern eine unterwürfig sich gebende Verwaltungseinheit der U.S.A., braucht für die Aufrechterhaltung der Lüge von »Eigenstaatlichkeit und Souveränität« immer wieder von neuem das Dummenspiel des Wahlurnenganges.

Drum merke auf, Deutscher: Das System lebt von einer ständig es umkreisenden "Parteienlandschaft«. Parteien lassen sich leicht von Oppositionellen unterwandern. In Parteien kann der Gegner eindringen, er kann dort die Führung an sich reißen und die Partei auf Wege führen, die inhaltlich mit dem einstigen Anreißerprogramm so viel zu tun haben, wie ein Micky-Maus-Heft mit Friedrich Schillers "Wilhelm Tell«.

Parteinengründer sind Spalter!

Je mehr Parteien sich gründen, Vereine entstehen, Initiativen sich zusammenfinden - um so mehr profitiert das System von dieser die innere Einheit des Volkes zersplitternden Geschlossenheit. Anderseits kann jeder vaterländische Verein der Baustein sein zu einem Volksstaat ohne Parteien, sofern diese Vereinigungen und Splittergruppen bereit sind, in der großen Stunde des vaterländischen Aufstandes, e i n e Widerstandsfront bildend, eng zusammenzurücken.

Wir haben zu unterscheiden zwischen systemgewollte Parteien oder solchen die das System toleriert. Ich kenne drei solcher »rechten« Parteien, die das System nur dem äußeren Schein nach ablehnend bekämpft, um sicher zu sein, daß diese ihre Funktion als Auffangbecken für rechte Wähler auch erfüllen. (Nein, die augenblickliche NPD unter Günther DECKERT zähle ich nicht hierunter!) Idealgruppierungen, wie beispielsweisc die von mir geführte DEUTSCHE FREIHEITSBEWEGUNG, rechte Freundeskreise, rechte Bürgerinitiativen, Kleinverleger, Jugend-, Wander- und Volkstumsgruppen sind die Bausteine für eine neue Staatsordnung. Die Volkstums- und Politarbeit, die von diesen Gruppierungen geleistet wird - ich denke dabei nur an die geleisteten Nachbarschaftshilfen für unsere deutschen Landsleute in Schlesien, in Pommern, Ost- und Westpreußen und für die Sudetendeutschen sind Beweis genug für ein positives Wirken zum Wohle unseres Vaterlandes und zur Aufrechterhaltung der von uns verfochtenen REICHSIDEE!

Ich rufe Ihnen nur dies eine zum Abschluß meines Vortrags zu: Die wahre Opposition in diesem System bilden wir, die Nichtwähler! Aber wir müssen raus auf die Straße! Auf unseren Fahnen darf nur ein Wort stehen: Deutschland! Keine Parteikürzel! Das System muß lernen: Wir wollen Freiheit! Wir sind das Volk!


Quelle: Recht und Wahrheit, Folge 7+8/1992, S. 14-17

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