HEINZ ROTH

Wieso waren wir Väter Verbrecher ?

Auf der Suche nach der Wahrheit

1972


3. unveränderte Auflage

Copyright Heinz Roth, 6301 Odenhausen/Lumda, Postfach
Erschienen im Selbstverlag


Meiner Frau gewidmet,
die es für notwendig hielt
daß besonders unsere Söhne
von diesen Dingen
Kenntnis erhielten.


INHALT

Seite
Vorwort 9
I. Der Anlaß zu meinen eigenen Forschungen, Schriftwechsel
betreffend Dachau und Bergen-Belsen
14
II. Charakterisierung verschiedener Historiker: Rassinier, Grenfell,
Taylor, Hoggan. Der Leser möge sich selbst ein Urteil bilden
36
III. Nochmals Konzentrationslager: Flossenbürg, Theresienstadt, Auschwitz 50
IV. Über die Glaubwürdigkeit von Filmen und Fotos 66
V. Der Kronzeuge für die Gaskammern: Gerstein, sowie weitere Zeugen 76
VI. Über das Verhältnis der SS zu den Konzentrationslagern 96
VII. Über die Zahl der ermordeten Juden 105
VIII. Über die Kriegschuldfrage 120
IX. Über Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit 141
Nachwort 163
Quellenverzeichnis 167
Personenverzeichnis 169

VORWORT

Dieses Buch wurde geschrieben, weil es notwendig ist, oder besser gesagt: weil es notwendig erscheint.

Weil es notwendig erscheint, daß ein Durchschnittsbürger, sozusagen ein „Normalverbraucher“ schildert, wie er im Jahre 1965 – zwanzig Jahre nach der großen Katastrophe – angefangen hatte, für sich und seine heranwachsenden Kinder Klarheit über die Geschehnisse der letzten Jahrzehnte zu erhalten.

(Sollte der Leser, der sich überwunden hat und der bis zur letzten Seite des Buches gelangt ist, anderer Meinung sein, bitte ich ihn dringend, es mir zu sagen.)

Dieses Buch wurde geschrieben, weil es notwendig erscheint, die Dinge aus einer Sicht zu schildern, die nicht dem Herkömmlichen entspricht. Aus der Sicht eines Menschen, der bis zu diesem Zeitpunkt völlig unpolitisch war und der sich auch, beispielsweise mit geschichtlichen Dingen nur insoweit befaßt hatte, daß er – bis zu diesem Zeitpunkt – gerade so eben noch von der Schule her wußte, wie lange der Dreißigjährige Krieg gedauert hat und daß Christoph Kolumbus irgendwann einmal Amerika entdeckt hatte.

Es wurde geschrieben, weil es (vielleicht) notwendig ist, die Dinge nicht nur mit den Augen des Wissenschaftlers, des Politikers oder des Historikers zu sehen, sondern auch mit den Augen eines normalen Sterblichen. Dies erscheint besonders aus dem Grunde notwendig, weil ein Wissenschaftler wohl sein eigenes Sachgebiet mit äußerster Genauigkeit beherrschen kann, aber unter Umständen nicht die Fähigkeit besitzt, Zusammenhänge zu sehen, die zwischen seiner Arbeit und anderen Sachgebieten bestehen, wie zum Beispiel wirtschaftswissenschaftliche Probleme in Verbindung mit geschichtlichen Ereignissen.

Es wurde nicht zuletzt geschrieben, um unserer Jugend Anregungen zum Nachdenken zu geben, und ihr zu zeigen, daß manches anders war, als es seither in den Publikationsmitteln, in der Schule oder auch im Elternhaus dargestellt wurde, sei es aus kommerziellen Gründen, aus zweckdienlichen Gründen, aus Unwissenheit oder auch nur aus Bequemlichkeit. –

9


Dieses Buch wurde nicht geschrieben um anzuklagen, zu richten oder zu verteidigen. Es soll keine Propaganda für oder gegen eine politische Partei oder staatliche Einrichtung sein. Es erhebt auch nicht den geringsten Anspruch, auf Wissenschaftlichkeit, dies bleibt den hierzu Berufenen überlassen, und vor allem: es erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und darauf, daß alles, was darin steht, nicht doch noch hier und da der Revision bedürfte, dazu gibt es noch viel zu viel Unklarheiten allein dadurch, daß noch sehr viele und anscheinend nicht bedeutungslose Dokumente noch nicht veröffentlicht werden konnten, weil sie noch nicht freigegeben worden sind (beispielsweise die „Kent“-Dokumente), wie man aber noch sehen wird.

Dieses Buch soll einzig und allein die Gedanken und Überlegungen aufzeigen, die sich dem Verfasser aufdrängten, als er anfing, über die Ereignisse der jüngsten Geschichte nachzudenken und als er versuchte, verborgene Zusammenhänge zu finden, aus der Erkenntnis heraus, daß man nur dann eine klare Sicht für die Gegenwart und auch für die Zukunft haben kann, wenn man die Vergangenheit kennt.

Die Geschichte ist eine ununterbrochene Kette von Ereignissen, von denen eines auf dem anderen aufbaut, und wenn eines dieser Ereignisse falsch oder verzerrt dargestellt ist, kann das nachfolgende einfach nicht im richtigen Licht erscheinen.

Es ist zwar sehr bequem für Angehörige der älteren Generation, aber falsch, zu sagen: „Was geschehen ist, ist nun einmal geschehen, wir wollen nicht in der Vergangenheit herumwühlen, sondern neu beginnen. Was auch an Entsetzlichem geschehen ist, soll vergeben und vergessen sein.“

Die Bereitschaft, begangene Untaten zu vergeben, ist gut und anerkennenswert, aber die Bereitschaft, diese Untaten vergessen zu wollen, ist nicht gut, denn damit erwacht in den Seelen der heranwachsenden jungen Generation die Frage: „Warum verschweigt man uns diese Dinge, warum will man vergessen? Anscheinend stimmt also doch alles, was wir in der Schule gelernt haben.“ Die jetzt bereits bestehende Kluft zwischen den Generationen muß und wird durch ein solches Verhalten nur immer noch größer.

Ein großer Teil der heute bestehenden Unsicherheit bei der Jugend ist darauf zurückzuführen, daß diese Jugend fühlt, es wird ihr etwas verheimlicht und die Älteren (Eltern) sagen nicht die Wahrheit, weil sie ein schlechtes Gewissen haben. –

10


Dieses Buch entstand, als die Lebensgefährtin des Verfassers eines Tages sagte: „Du hast dich jetzt so viel mit diesen Dingen beschäftigt, du weißt so viel darüber, schreib doch mal ein Buch.“ – Und als der so Herausgeforderte dieses Ansinnen lachend von sich wies mit der Bemerkung, daß er absolut kein Talent dazu hätte, ein solches Werk in die Tat umzusetzen, obwohl es – zugegebenermaßen – vielleicht notwendig sei, sagte sie: „Dann versuch’s doch wenigstens einmal, schildere mit einfachen Worten das, was du bis jetzt erkannt hast, und wenn du es nur für deine Söhne aufschreibst, damit sie es einmal im Zusammenhang lesen können.“

Ich begann nun über diesen Vorschlag nachzudenken. Und je mehr ich nachdachte, um so mehr kam ich zu der Überzeugung, daß es richtig wäre und gut, etwas Derartiges zu unternehmen.

Nun gibt es Leute, die dieses viel besser können als ich, die auch besser schreiben können als ich, deren Werke aber nicht gelesen bzw. vor der breiten Öffentlichkeit verschwiegen werden, weil die Verfasser suspekt sind, weil sie in der Zeit vor 1945 in irgendeiner Form politisch tätig waren, oder daß sie – aus einem unbegreiflichen Grunde – deshalb verdächtig sind, weil sie glaubten, als Soldaten ihre Pflicht tun zu müssen und ihren Eid nicht brachen wie andere, die der Gegenseite wertvolle Informationen lieferten, die vielen ihrer Kameraden das Leben kostete. Dies aber war jenen Leuten gleich, wenn es ihnen nur gelang, mit ihrem verräterischen Tun einen deutschen Sieg zu verhindern. –

Es gibt wunderbare Werke von Leuten, die während des Krieges unsere Gegner waren, die aber nicht wollten, daß das Geschichtsbild derart verzerrt wurde, indem es angeblich nur einen einzigen Schuldigen für das ganze Elend geben soll, das durch diesen unseligen Krieg entstanden ist. Leute, wie beispielsweise Maurice Bardèche, der sagte („Die Politik der Zerstörung“, S. 13):

„Die Grundlage für den Nürnberger Prozeß, jene, die man nicht zu nennen gewagt hat, dürfte wohl, so fürchte ich, nichts anderes sein als Furcht: Der Anblick der Ruinen versetzte die Sieger in Panik. Die Anderen müssen Unrecht haben, sie müssen, denn, man bedenke nur, was wäre, wenn sie etwa keine Ungeheuer sind. Man bedenke, wie schwer dann diese zerstörten Städte und diese Tausende von Phosphorbomben auf den Siegern lasten würden.“

Diese Leute bemühten sich nun, Klarheit zu bekommen. Nicht, um etwas zu verteidigen oder beschönigen zu wollen, sondern ganz einfach um der geschichtlichen Wahrheit willen.

11


Die Werke dieser Leute waren und sind aber der breiten Masse in unserem geteilten Land unbekannt. Einmal, weil kaum ein Verleger den Mut hatte, sie übersetzen und drucken zu lassen, zum anderen, weil sie, wenn sie wirklich gedruckt wurden, zu wenig bekannt gemacht werden konnten, um nicht zu sagen: durften, sondern ganz einfach totgeschwiegen wurden.

Es soll aber auch den Ausspruch eines Historikers geben:

„Was diese Leute wollen, ist heute noch viel zu früh. Ein Geschichtsbild, wie sie es anstreben, ist frühestens im Jahre 2000 möglich.“

Solche und ähnliche Aussprüche machten mich natürlich nur um so neugieriger, tiefer in die Materie einzudringen. Ich sagte mir, daß die Jahreszahl beim Suchen nach der Wahrheit keine Rolle spielen kann. Was im Jahre 2000 als historische Wahrheit erkannt werden wird, muß logischerweise auch heute schon Wahrheit sein.

So sollen also Tatsachen verheimlicht werden, weil sie anscheinend nicht in die Tagespolitik passen, wie folgendes entlarvende Bekenntnis beweist:

„Leider ist der Anschlußwille (der Österreicher und Sudetendeutschen) an das Reich echt gewesen. Die Dokumente, die uns hierüber vorliegen, dürfen niemals dem deutschen Volk zur Kenntnis gebracht werden, denn das käme einer Brüskierung von Bonn und Wien gleich.“ (Ein Mitarbeiter des „Instituts für Zeitgeschichte“, zitiert nach „Deutsche Hochschullehrer-Zeitung“, 15. Jhrg., 4, S. 13.)

Selbst wenn hier und da einmal eines dieser Bücher von einem „Normalverbraucher“ gelesen wurde, so war dieses „eine Buch“ doch nicht genug, um ein Gesamtbild zu vermitteln. Es war eben nur ein „Mosaiksteinchen“ in dem Gesamtbild, das sich ergab, wenn man die Möglichkeit hatte, sehr viele „Mosaiksteinchen“ zusammenzusetzen.

Es war also immer nur ein sehr kleiner Kreis, der die Möglichkeiten hatte, sich ein Gesamtbild zu verschaffen, das keine oder nur noch sehr kleine Lücken hatte.

Aus Gesprächen mit Bekannten wußte ich, wie unterschiedlich die Reaktionen waren, wenn ich mit ihnen über diese Dinge sprach. Ich wußte aber auch, wie groß allgemein die Unwissenheit und auch Unsicherheit, wie dicht der Nebel war, der seit 1945 über den Geschehnissen lag und der nur ganz ganz langsam sich zu lichten beginnt. Verschiedentlich wurde mir gesagt, es müßten sich nur noch viel mehr Leute mit diesen Dingen befassen, damit sie der Allgemeinheit mehr

12


bekannt würden, wobei gleichzeitig bedauert wurde, daß zu wenig Möglichkeiten hierzu vorhanden seien.

Als ich mich dann entschloß, doch wenigstens einen Versuch zu unternehmen, um den Vorschlag meiner Frau in die Tat umzusetzen, wurde ich derart von der Materie gepackt, daß ich nicht eher davon loskam, bevor die letzte Zeile geschrieben war.

Besonders betonen möchte ich, daß es nicht meine Absicht ist, eine vorgefaßte Meinung zu vertreten. Meine eigene Meinung kann ich erst dann mit Sicherheit zum Ausdruck bringen, wenn mir noch mehr Fakten bekannt sind, wenn noch mehr, bis jetzt noch nicht veröffentlichte Dokumente freigegeben sind.

Meine Absicht ist, zu berichten, zu zitieren, das heißt: Auszüge aus Veröffentlichungen der letzten Jahrzehnte miteinander zu vergleichen, wobei noch zu bemerken ist, daß ein Zitat aus einem Buch keineswegs immer mein Einverständnis mit dem gesamten Inhalt der erwähnten Veröffentlichung bedeutet.

Und wenn es gelungen sein sollte, auch nur einen einzigen Menschen zum Nachdenken anzuregen, dann hat sich meine Arbeit gelohnt.

Der Verfasser

Odenhausen (Lumda), im September 1969

13


Wer sich nicht aus der Zeit
mit jähem Ruck erhebt,
der sieht nicht, was er sieht,
und lebt nicht, was er lebt.

I.

Der Anlaß zu meinen eigenen Forschungen,
Schriftwechsel betreffend Dachau und Bergen-Belsen

Meine „Suche nach der Wahrheit“ begann in den Februartagen des Jahres 1965, zu der Zeit, als in Frankfurt der Auschwitz-Prozeß verhandelt wurde. –

Zum besseren Verständnis muß ich vorausschicken, daß ich dem Jahrgang 1913 angehöre, also der Generation, die mit am stärksten beschuldigt wird, das Unglück, das seit dem zweiten Weltkrieg über die ganze Welt hereingebrochen ist, mitverschuldet zu haben. Meine politische Belastung besteht darin, daß ich von 1937 ab in der Marine-SA war (auf Drängen eines Freundes hin) und im September 1938 am Reichsparteitag in Nürnberg teilgenommen habe, kurz bevor das Münchener Abkommen zustande kam. Im Oktober 1947 wurde ich entnazifiziert, wofür ich eine Verwaltungsgebühr in Höhe von 10,– RM zu entrichten hatte. Eine weitere politische oder weltanschauliche Betätigung liegt bis zum heutigen Tage nicht vor. Dies zu betonen ist mein besonderes Anliegen, aber nicht, um mich verteidigen oder entschuldigen zu wollen, sondern lediglich zur Klarstellung.

Ich habe zwei Söhne und eine Tochter. Der ältere, Jahrgang 1941, war bei Kriegsende etwa vier Jahre alt, während der jüngere erst zwei Jahre nach dem Zusammenbruch zur Welt kam. Diese beiden jungen Leute, die regen Anteil an dem Tagesgeschehen nehmen, waren selbstverständlich – wie könnte es auch anders sein – der festen Überzeugung, sich auf Grund ihrer Schulbildung bzw. den Aussagen von Presse, Rundfunk und Fernsehen ein eigenes, hieb- und stichfestes Urteil bilden zu können, während unser Nesthäkchen, ihr damals zehnjähriges Schwesterchen, sich noch jeglicher Meinung enthielt.

In diesen Februartagen ereignete sich nun etwas, was sich wohl in ähnlicher Form, früher oder später, in hunderttausenden deutscher Familien ereignet hat bzw. noch ereignen wird: Es kam zu Auseinandersetzungen mit meinen Söhnen über die ungeheuren Verbrechen, die an den Juden begangen wurden, und zwar mit Wissen und Willen des gesamten Volkes. Wir unterhielten uns über den Auschwitz-Prozeß und

14


ich sagte, man sollte doch jetzt – zwanzig Jahre nach Ende des Krieges – so langsam Schluß machen mit diesen Prozessen. Mir wurde entgegengehalten, daß Verbrechen von diesem Ausmaß doch auf jeden Fall bestraft werden müßten, oder ob ich vielleicht mit einem Menschen, der unter Umständen Zehntausende unschuldiger Juden umgebracht hätte, im gleichen Haus leben wollte? Als ich darauf sagte, ich könnte mir einfach nicht denken, daß so viele Menschen verbrecherisch getötet worden sein sollen, wie wir heute wissen, wurde mir gesagt: „Was, ihr wollt nicht gewußt haben, daß die Juden alle umgebracht werden sollten?“ Auf meine Antwort, daß wir tatsächlich nichts davon gewußt hatten, entgegnete mir mein Ältester in einem aufreizend ungläubigen Ton: „Das glaube ich euch nicht!“ –

Diese Antwort und vor allem der Ton, in dem dies vorgebracht wurde, brachte mich derart in Harnisch, daß ich mir vornahm, mich nunmehr eingehend mit diesen Dingen zu beschäftigen. Leider hatte ich mich – wie wohl viele, um nicht zu sagen, die meisten meiner Alterskollegen – wenig um politische Dinge gekümmert. Vor dem Krieg nicht und nach dem Krieg beinahe noch weniger. –

Heute weiß ich, daß dies ein Fehler war. Man sollte sich auf jeden Fall, wenn auch nicht unbedingt aktiv tätig (und auch nicht schon im Alter von 13 Jahren, wie mir kürzlich allen Ernstes gesagt wurde), so doch wenigstens um die politischen Geschehnisse kümmern und, was noch wichtiger erscheint, nicht nur aus einseitiger Sicht, d. h. also, nicht nur aus der Sicht der Tagespresse, des Fernsehens und des Rundfunks, sondern sollte sich auch extreme andere Richtungen anhören. Erst nach Vergleich vieler Meinungen über eine Sache oder ein Ereignis ist man in der Lage, sich ein einigermaßen genaues Bild zu machen. Wie sagt Mao-Tse-tung: Die Dinge in der Welt sind sehr kompliziert, man muß sie von allen Seiten betrachten und nicht nur von einer einzigen. –

Zufällig sprach ich in dieser fraglichen Zeit mit einem Bekannten über die Meinungsverschiedenheiten, die ich mit meinen Söhnen hatte. Er nannte mir die Titel von zwei Büchern und riet mir, sie zu beschaffen, da manches Interessante zu dem betreffenden Thema darin zu finden sei.

Die Titel waren: „Was ist Wahrheit“ von dem französischen Publizisten Professor Paul Rassinier und „Schuld und Schicksal“ von dem jüdischen Schriftsteller J. G. Burg. –

Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich mein Leben gelebt, ohne mir außer beruflichen und familiären Dingen allzuviel Gedanken zu machen über

15


das, was draußen in der Welt vor sich ging, wie wahrscheinlich Millionen anderer. Man sprach wohl über politische Ereignisse, aber nur in sehr oberflächlicher Form und ohne sie in Bezug zu geschichtlichen Entwicklungen zu bringen. Ich wußte von Konzentrationslagern nicht mehr und nicht weniger als das, was alle wußten, was eben „allgemein bekannt“ war. Man hörte von ungeheuren Verbrechen, an die zu glauben sich der Verstand sträubte, aber er mußte glauben, da ja alle glaubten, da es ja, wie gesagt, „allgemein bekannt“ war! – Nur das Gefühl sträubte sich, derart unfaßbare Dinge zu glauben, aber mit „Gefühl“ läßt sich nichts beweisen.

Auf den Gedanken zu fragen, welche Beweise es denn für diese Verbrechen gäbe – denn ohne Beweise darf ja nach Recht und Gesetz kein Verbrechen bestraft werden –, auf diesen Gedanken kam man einfach nicht.

Ich wußte zu diesem Zeitpunkt noch nichts von „orthodoxen“ und „revisionistischen“ Historikern, ich lebte im Glauben, daß unsere Jugend von der Schule her einigermaßen objektiv an die geschichtlichen Ereignisse herangeführt wird, soweit dies – nach dem relativ kurzen zeitlichen Abstand, besonders im Hinblick auf die letzten Jahrzehnte – möglich ist.

Ich hatte noch keine Ahnung von einer „re-education“ und kannte auch damals noch nicht die „Anweisungen 1945“ für die „re-education“ („Nation Europa“ 8/58, Seite 10):

„What to do with Germany. 1945. Distributed by Service Division, Army Service Forces, U. S. Army. Not for Sale.

,Die re-education wird für alt und jung gleichermaßen erzwungen und sie darf sich nicht auf das Klassenzimmer beschränken. Die gewaltige überzeugende Kraft dramatischer Darstellung muß voll in ihren Dienst gestellt werden. Filme können hier ihre vollste Reife erreichen. Die größten Schriftsteller, Produzenten und Stars werden unter Anleitung der ‚Internationalen Universität’ die bodenlose Bosheit des Nazismus dramatisieren und dem gegenüber die Schönheit und Einfalt eines Deutschlands loben, das sich nicht länger mit Schießen und Marschieren befaßt. Sie werden damit beauftragt, ein anziehendes Bild der Demokratie darzustellen, und der Rundfunk wird sowohl durch Unterhaltung wie auch durch ungetarnte Vorträge in die Häuser selbst eindringen. Die Autoren, Dramatiker, Herausgeber und Verleger müssen sich der laufenden Prüfung durch die ‚Internationale Universität‘ unterwerfen; denn sie sind alle Erzieher. Von Beginn an sollen alle nichtdemokratischen Veröffentlichungen unterbunden werden. Erst nachdem das deutsche Denken Gelegenheit hatte, in den neuen Idealen gestärkt zu werden, können auch

16


gegenteilige Ansichten zugelassen werden, im Vertrauen darauf, daß der Virus keinen Boden mehr findet; dadurch wird größere Immunität für die Zukunft erreicht.

Der Umerziehungsprozeß muß ganz Deutschland durchdringen und bedecken. Auch die Arbeiter sollen im Verlauf von Freizeiten vereinfachte Lehrstunden in Demokratie erhalten. Sommeraufenthalte und Volksbildungsmöglichkeiten müssen dabei Hilfestellung leisten.

Viele deutsche Gefangene werden nach Kriegsende in Rußland bleiben, nicht freiwillig, sondern weil die Russen sie als Arbeiter brauchen. Das ist nicht nur vollkommen legal, sondern beugt auch der Gefahr vor, daß die zurückkehrenden Kriegsgefangenen zum Kern einer neuen nationalen Bewegung werden. Wenn wir selbst die deutschen Gefangenen nach dem Krieg nicht behalten wollen, sollten wir sie nichtsdestoweniger nach Rußland senden.

Die ‚Internationale Universität‘ ist am besten dazu geeignet, die Einzelheiten des deutschen Erziehungswesens, der Lehrpläne, der Schulen, der Auswahl der Lehrer und der Lehrbücher, kurz: alle pädagogischen Angelegenheiten zu regeln. Wir brauchen ein ‚High Command‘ für die offensive re-education. Besonders begabte deutsche Schüler erhalten Gelegenheit zur Fortbildung an unseren Schulen; sie werden als Lehrer nach Deutschland zurückkehren und eine neue kulturelle Tradition, verbunden mit internationalem Bürgersinn, begründen.

Die Professoren sollen nach Möglichkeit deutsche Liberale und Demokraten sein. Das Eindringen von ‚Fremden‘ könnte aufreizend wirken und muß auf ein Minimum beschränkt werden; aber das darf nicht dazu führen, daß uns die Kontrolle verlorengeht.

Jedes nur denkbare Mittel geistiger Beeinflussung im Sinn demokratischer Kultur muß in den Dienst der re-education gestellt werden. Die Aufgaben der Kirchen, der Kinos, der Theater, des Rundfunks, der Presse und der Gewerkschaften sind dabei vorgezeichnet.

Die re-education tritt an Stelle des Wehrdienstes und jeder Deutsche wird ihr zwangsläufig unterworfen, so wie früher der gesetzlichen Wehrpflicht.

Uns ist die Aufgabe zugefallen, Frieden und Freiheit zu retten; jene Freiheit, die am Berg Sinai geboren, in Bethlehem in die Wiege gelegt, deren kränkliche Kindheit in Rom, deren frühe Jugend in England verbracht wurde, deren eiserner Schulmeister Frankreich war, die ihr junges Mannesalter in den Vereinigten Staaten erlebte und die, wenn wir unser Teil dazu tun, bestimmt ist zu leben – all over the world!‘“

Ich wußte auch nichts von dem „Pocket Guide to Germany (Taschenführer für Deutschland)“, der, wie Hans Grimm in „Warum – woher – aber wohin?“ schreibt, „jedem nach Deutschland hereinmarschierenden Soldaten mitgegeben wurde“. Hans Grimm schreibt auf Seite 447:

17


„Aus diesem ‚aufklärenden Führer‘ erfuhr der amerikanische Soldat, warum eigentlich er mit Deutschland zu kämpfen habe. Er las da: ‚Seit 1933 nach Hitlers Machtübernahme wurde der deutsche junge Mann sorglich und gründlich zur Welteroberung, zum Töten und zum Verrat erzogen (S. 7).‘ Er bekam mitgeteilt: ,Die Deutschen hörten nur das, was die Nazis sie hören und lesen lassen wollten. Unter anderen ihnen vorgetragenen Märchen hielten sie unerschüttert an dem Glauben fest, die deutsche Luftwaffe habe New York bombardiert und z. T. zerstört, Polen habe die Deutschen angegriffen, und England und Amerika hätten Krieg gewollt, um Deutschland zu zerstören (S. 10).‘ Er wurde belehrt: ‚Deutschland hat sich wiederum auf einen seiner alldeutschen bluttriefenden Eroberungs- und Beutezüge begeben. Unter ‚alldeutsch‘ verstehen die Deutschen ihren Traum der Welteroberung ... Du als intelligenter Amerikaner weißt sowieso, warum du in diesem Krieg deinen Mann stehst. Aber auch die Geschichte bestätigt dir deine Überzeugung vom guten Recht und der Würde unserer Sache. Die Geschichte beweist dir, daß deutsche Angriffslust und deutscher Eroberungswille nichts Neues sind. Durch Jahrhunderte konnte sich die deutsche Streitsucht nur gegenüber deren nächste Nachbarn geltend machen. Aber seit kurzem wurde dank der modernen Erfindungen und dank der Möglichkeit, die Entfernungen auf der Erdoberfläche zu überwinden, dem Deutschen die Gelegenheit verschafft, seinen Traum einer Versklavung der Welt wirklich werden zu lassen. Von dem Augenblick an warst du und dein Land betroffen ... Die Faschisten der ganzen Welt schlossen einen Bund gegen die Gläubigen der Freiheit, und wo die Gelegenheit zur Eroberung günstig schien, überfielen sie ein friedfertiges Land. Solches aber konnte die freie Welt nicht auf die Dauer geschehen lassen, die Deutschen z. B. hätten niemals aufgehört, sich in andere Länder hineinzudrängen ...‘ (S. 27/28) usw. (von mir übersetzt).

Dieser ‚Führer zur Kenntnis Deutschlands‘, der den ahnungslosen jungen amerikanischen Männern als geistige Vorbereitung auf Deutschland mitgegeben wurde und der ausdrücklich nicht in deutsche Hände gelangen sollte, lernten wir in Deutschland erst nach dem Einmarsch der Amerikaner kennen; und daß ein Entwurf in Quebec vorgelegen hatte und von der ‚Morgenthaumannschaft‘ ausgegangen war, erfuhren wir noch später.“

Ich hatte auch – zu diesem Zeitpunkt – noch nicht die leiseste Ahnung, auf welche Ungeheuerlichkeiten ich in den nächsten Jahren stoßen würde, da ich, wie wohl die meisten meiner Landsleute, einfach zu gutgläubig war.

François-Poncet, französischer Botschafter in Berlin vor dem zweiten Weltkrieg, nach 1945 Hoher Kommissar und von 1953–55 wieder Botschafter in Bonn, sagte im Jahr 1953:

„Einer der größten Fehler der Deutschen ist, nicht glauben zu wollen, daß ihre Regierung auch lügen kann.“

18


Aber ich will ohne Zorn und Eifer berichten. –

Ich begann also mit der Lektüre des Buches von Professor Rassinier. Zu dieser Zeit wußte ich noch nicht, daß dieser Mann als überzeugter Linkssozialist und Widerständler gegen die Nationalsozialisten vom 30.1.44 bis 5. 4. 45 Häftling im Konzentrationslager Buchenwald, Außenstelle „Dora“, war, im gleichen Lager, in dem Professor Eugen Kogon inhaftiert war. Ich wußte noch nicht, daß er später, nach 1945, als er es wagte, gegen die öffentliche Meinung anzugehen und die „Erlebnisberichte“ anderer KZ-Häftlinge um der Wahrheit willen unter die Lupe nahm, jahrelangen Diffamierungen ausgesetzt war. Er selbst sagt darüber, „Was ist Wahrheit“, S. 86:

„Selbstverständlich wurde ich ausgiebig verunglimpft und sogar verklagt, aber dann natürlich freigesprochen. Von diesem Tage an war die Partie gewonnen.“

Ich wußte auch nicht, daß Professor Rassinier 1963 als Beobachter am Auschwitz-Prozeß in Frankfurt teilnehmen wollte. Da er selbst KZ-Häftling war, hätte er manches zur Klärung der Dinge beitragen können. Anscheinend sollte dies aber nicht sein, denn Professor Rassinier wurde am 18. Dezember 1963, von Paris kommend, in Saarbrücken auf Weisung des Bundesinnenministeriums von deutschen Kriminalbeamten aus dem Zug geholt und als unerwünschter Ausländer nach Frankreich abgeschoben. Seine Proteste beim Innenministerium sowie beim deutschen Botschafter in Paris blieben unbeantwortet. –

Beim Durchblättern des Buches fesselte mich zunächst das Kapitel „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“, in dem Dinge stehen, die ich – damals noch absolut ahnungslos – mehrmals lesen mußte, um die Tragweite dessen, was damit ausgesagt wurde, ganz erfassen zu können.

So zum Beispiel der Absatz (S. 85):

„Heute weiß man, daß die Dachauer Gaskammer erst nach dem Ende des Krieges von SS-Häftlingen, die auf die bisherigen Lagerinsassen gefolgt waren, fertiggestellt wurden und daß dort niemals eine Vergasung stattgefunden hat“. –

Ich glaubte zunächst, nicht richtig gelesen zu haben: in Dachau keine Gaskammer?! – Dabei wußte doch alle Welt, daß in Dachau und vielen anderen Konzentrationslagern Menschen vergast worden sind. Mehrere Bekannte hatten mir doch erzählt, daß sie die Gaskammer in Dachau mit eigenen Augen gesehen hätten. Und das sollte jetzt auf einmal nicht mehr wahr sein? Unmöglich! –

19


Doch halt, ein paar Zeilen weiter steht:

„Im August 1960 hatte das Münchner ‚Institut für Zeitgeschichte‘, wahrscheinlich veranlaßt durch das Aufsehen, das meine sehr aufmerksam verfolgte damalige Vortragsreise durch Deutschland erregte, in der Presse folgendes mitgeteilt:

‚Weder in Dachau, noch in Bergen-Belsen, noch in Buchenwald sind Juden oder andere Häftlinge vergast worden. Die Gaskammer in Dachau wurde nie ganz fertiggestellt und in Betrieb genommen ... Die Massenvernichtung der Juden durch Vergasung begann 1941/42 und fand ausschließlich in einigen wenigen hierfür ausgewählten und mit entsprechenden technischen Einrichtungen versehenen Stellen, vor allem im besetzten polnischen Gebiet (aber nirgends im Altreich) statt‘.“ (,Die Zeit‘, Hamburg, 19. 8. 1960.)

Das heißt also, daß diese (für mich) ungeheuerliche Meldung bereits im Jahr 1960 in einer deutschen Zeitung erschienen ist, ohne daß (anscheinend) irgendeine andere Zeitung hiervon Notiz genommen hat? (Mit einer Ausnahme allerdings, soweit mir bekannt ist).

Ich konnte es zuerst einfach nicht glauben, daß hier schwarz auf weiß zu lesen war, es hätten im Reichsgebiet keine Gaskammern bestanden und versuchte, ein Exemplar dieser Zeitung zu bekommen. Ich hatte Glück und konnte mich so persönlich von der Richtigkeit der Angabe Rassiniers überzeugen. –

Jahre später erfuhr ich, daß in der Zeitung „Christ und Welt“ noch am 14. 7. 1960 ein ergreifender Bericht über den Tod in den Dachauer Gaskammern stand:

„Zwei einfache, gar nicht große Schuppen, ganz primitiv aus Ziegeln und Balken errichtet, bergen die Stätte der Vernichtung ... Sehr sachgemäß ist der größere Schuppen eingerichtet. In einem Umkleideraum entledigten sich die für den Tod Bestimmten ihrer Kleider. Im Raum links sind gleich die Desinfektionskammern dafür angeordnet. Eine Tür führt nach rechts in das geflieste ‚Brausebad‘. Die Öffnungen, aus denen das tödliche Gas austrat, sehen wie Duschen aus. Die kleinen Fenster sind stark vergittert. Man ahnt und man wagt es nicht zu Ende zu denken, welche Todeskämpfe in diesem Raume stattgefunden haben. Die nächste Tür führt zum Aufbewahrungsort der Leichen, dann geht es zu den Verbrennungsöfen. Das ist alles.“

Am 12. 8. 1960 erschien in der „Zeit“ ein Artikel von R. Strobel „Weg mit ihm“, über den früheren deutschen General Unrein, der in Dachau die deutschen zivilen Bewachungsmannschaften amerikanischer Militäreinrichtungen unter seiner Leitung hatte und der behauptet haben soll, daß keine Vergasung in Dachau stattgefunden hätte:

20


„Die Gaskammer – für ihn ist sie ein Duschraum. Über der Tür steht ja ‚Brausebad‘. Daß das nur zur Täuschung der unglücklichen Opfer, die dort hingeführt wurden, angeschrieben worden war, läßt er nicht gelten. Wäre es eine Gaskammer gewesen, dann hätten die Amerikaner einen entsprechenden Vermerk gemacht.“

Peinlich für die „Zeit“, bereits eine Woche später zugeben zu müssen, daß die Behauptung, in Dachau hätte es keine Vergasung gegeben, doch richtig war.

Professor Rassinier berichtet in „Die Lüge des Odysseus“ auf Seite 154 eine ähnliche Begebenheit über Gaskammern in Buchenwald: Ein Mitgefangener, Abbé Jean-Paul Renard, habe geschrieben:

„Ich habe Tausende und aber Tausende in die Duschen gehen sehen, aus denen an Stelle des Wassers Erstickungsgase sich ergossen.“

Zur Rede gestellt, da weder in Buchenwald, noch in dem Nebenlager „Dora“ Gaskammern vorhanden waren, antwortete er:

„Einverstanden, aber dies ist doch nur eine literarische Wendung, und da diese Dinge doch irgendwo vorgekommen sind, ist es kaum von Bedeutung.“

So wurde also mit der Wahrheit gespielt! Weil es angeblich irgendwo vorgekommen ist, behauptet der Abbé, er hätte es persönlich erlebt! –

Um nun selbst eine Bestätigung über die Gasanlage von Dachau zu bekommen, habe ich das „Institut für Zeitgeschichte“ (von dem der Artikel in der „Zeit“ stammte) angeschrieben und erhielt folgende Antwort:

„... daß sie 1944 gebaut, aber nicht mehr benutzt wurde, so daß also in Dachau selbst kein Häftling vergast wurde. Wohl aber gingen von Dachau Häftlings-Transporte ab (sogenannte Invalidentransporte), von denen bekannt war, daß sie zur Vergasung nach Hartheim bei Linz gebracht wurden ...“

An anderer Stelle teilte mir das Institut mit, daß die Häftlinge nur „selten genaue Kenntnis von den Vorgängen in den Lagern hätten“. – Dies kann doch nur bedeuten, daß man den Zeugenaussagen bei den KZ-Prozessen nur mit größter Vorsicht Glauben schenken darf, denn wenn sie teilweise selbst keine genaue Kenntnis hatten ...?

Zufällig habe ich nun in Linz einen Bekannten, den ich bat, sich der Sache anzunehmen und für mich Erkundigungen einzuziehen. – Nachdem er sich mit dem Bürgermeister der Gemeinde Alkoven, in deren Bereich das Schloß Hartheim liegt, in Verbindung gesetzt hatte, erhielt ich folgende Antwort:

21


„Vor der NS-Ära diente das Renaissanceschloß zur Aufnahme Schwachsinniger und Idioten, die hier auch betreut wurden. Nach der Einverleibung Österreichs in das Großdeutsche Reich wurde das Schloß eine Euthanasieanstalt in der zunächst unheilbar Kranke oder Versorgungsbedürftige aus dem ganzen Reich euthanasiert wurden. Die Asche der Verbrannten wurde nachts in Lastwagen zur Donau gefahren. Später wurden auch aus dem Konzentrationslager Mauthausen Häftlinge zur gleichen Behandlung nach Hartheim gebracht. Konzentrationslager war in Hartheim keines. Die Zahl der in Hartheim ums Leben gebrachten Menschen kann auch schätzungsweise nicht angegeben werden. Das Schloß hatte einen Fassungsraum bis zu 150 Menschen.“

Nichts also von Häftlingen aus Dachau und nichts von Vergasungen. – Das Institut, dem ich dies mitteilte, antwortete mir, daß diese Auskunft des Bürgermeisters keineswegs der Aussage widerspricht, daß dort Häftlinge vergast worden sind:

„Die Euthanasiemaßnahmen wurden teils mit Medikamenten (vor allem Spritzen), teils durch Hunger, teils mit Gas durchgeführt. Von daher ist die Methode der als Duschräume bekannten Gaszellen bekannt gewesen, die dann bei der ‚Endlösung der Judenfrage‘ in den Vernichtungslagern im großen nachgeahmt wurde ... Außerdem sei in der Untersuchung über Dachau auch belegt, daß in Hartheim schon Anfang 1940 eine Vergasungsanlage für Euthanasiemaßnahmen geschaffen wurde, die Ende Dezember 1944 dort abgerissen worden ist.“

(Sollte dies tatsächlich dem heutigen Bürgermeister von Alkoven unbekannt geblieben sein?) –

Freundlicherweise legte man mir die Fotokopie eines Briefes des SS-Arztes Dr. Sigmund Rascher bei, der an Himmler gerichtet ist und in dem u. a. steht:

„Wie Sie wissen, wird im KZ Dachau dieselbe Einrichtung wie in Linz gebaut. Nachdem die ‚Invalidentransporte‘ sowieso in bestimmten Kammern enden, frage ich, ob nicht in diesen Kammern an den sowieso dazu bestimmten Personen die Wirkung unserer verschiedenen Kampfgase erprobt werden kann? Bis jetzt liegen nur Tierversuche bzw. Berichte über Unfälle bei Herstellung dieser Gase vor.“

Sollte es sich bei den „Gaskammern“ etwa um Menschenversuche handeln, d. h. also um Versuche mit Medikamenten bzw. Kampfgasen, die an lebenden Menschen durchgeführt werden?

Damit wäre manches geklärt, auch beispielsweise die Aussage des tschechischen Arztes Dr. Blaha, die Professor Rassinier in „Was ist Wahrheit“ erwähnt, S. 83:

22


„... Die Gaskammer in Dachau wurde im Jahr 1944 vollendet; ich wurde zu Dr. Rascher gerufen, um die ersten Opfer zu untersuchen. Von den acht oder neun Personen, die sich in dieser Gaskammer befanden, waren noch drei am Leben, die anderen waren tot. Ihre Augen waren schon rot usw.“ (IMT Band V, Seite 198).

Professor Rassinier bezeichnet Dr. Blaha als Falschzeugen, da sich inzwischen herausgestellt habe, daß keine Gaskammer in Dachau existiert habe, wie auch vom „Institut für Zeitgeschichte“ bestätigt wird. Es wäre aber durchaus möglich, daß beide Recht haben, sowohl Professor Rassinier, als auch Dr. Blaha. –

Professor Rassinier insofern, als keine verbrecherische Absicht vorgelegen hat, Menschen zu Tausenden zu vergasen und Dr. Blaha, indem Versuche an lebenden Menschen durchgeführt wurden, was sich beinahe aus dem von ihm geschilderten Vorgang schließen läßt. –

Nun gibt es Versuche am lebenden Menschen (freiwillig oder unfreiwillig) schon seit sehr langer Zeit und in vielen Ländern. Sollte dies vielleicht des Rätsels Lösung sein? Des Rätsels, daß ein Teil der Gaskammern, in denen „Tausende und aber Tausende“ vergast worden sein sollen, nur in der Phantasie vorhanden gewesen ist, wie beispielsweise in der des Abbé Renard? – Es wäre immerhin eine Erklärung.

Um Versuche mit Kampfgasen, wie sie Dr. Rascher erwähnt, durchführen zu können, bedarf es luftdicht abgeschlossener Kammern, also „Gaskammern“ und daß zumindest die Kammer in Dachau anscheinend nur ein geringes Fassungsvermögen hatte, also nicht für verbrecherische Tötungen im Großen geeignet gewesen sein kann –, ergibt sich aus der Aussage des Dr. Blaha (8–9 Personen). Es könnte also durchaus möglich sein, daß es sich hierbei tatsächlich um rein wissenschaftliche Versuche gehandelt hatte.

In diesem Zusammenhang dürfte es nicht unwesentlich sein, eine Parallele zu dem Konzentrationslager Buchenwald zu ziehen. Über Versuche am Menschen, die dort in den Jahren 1942–1945 durchgeführt wurden, sollen Aussagen von Häftlingen während des Nürnberger Ärzteprozesses vorliegen, wonach ein grundsätzlicher Befehl vorgelegen habe, daß nur deutsche Häftlinge und zwar Berufsverbrecher und Sicherungsverwahrte, also Personen mit einer größeren Anzahl erheblicher krimineller Vorstrafen, vor allem Sittlichkeitsverbrecher und Zuhälter zu diesen Versuchen herangezogen werden dürften. Im Kreuzverhör soll einer dieser Häftlinge ausdrücklich bestätigt haben, daß er sich durch Einsichtnahme in die schriftlichen Unterlagen in der Häft-

23


lingsschreibstube selbst davon überzeugt habe, daß tatsächlich nur deutsche Berufsverbrecher und Sicherungsverwahrte von Berlin aus für diese Versuche vorgesehen waren.

Professor Mitscherlich erwähnt in „Medizin ohne Menschlichkeit“ auf Seite 128 der Fischer-Ausgabe einen Brief an Himmler, in dem um Freigabe von 8 zum Tode verurteilten Verbrechern zu Versuchszwecken gebeten wird. (Erforschung der Ursachen der ansteckenden Gelbsucht.)

Himmler genehmigte:

„... , daß 8 zum Tode verurteilte Verbrecher in Auschwitz (8 zum Tode verurteilte Juden der polnischen Widerstandsbewegung) für die Versuche verwendet werden.“

Aus einer Zeugenaussage im Nürnberger Prozeß, von der ich hörte, geht hervor, daß dieser Versuch anscheinend nicht durchgeführt worden ist. Aber dies erscheint mir in diesem Zusammenhang unwesentlich. Wesentlich dürfte sein, daß in Berlin angefragt werden mußte, wenn es darum ging, 8 Menschen – die bereits zum Tode verurteilt waren – zu Versuchszwecken zur Verfügung gestellt zu bekommen, wo andererseits doch Millionen auf Befehl umgebracht worden sein sollen!? –

Aber nicht nur die ärztliche Wissenschaft, auch die chemische Industrie benötigt für manche Versuche luftdicht abgeschlossene Kammern (Gaskammern?).

Professor Rassinier schreibt in „Was ist Wahrheit“ S. 118:

„In Auschwitz war ein eigener Sektor des Lagers – laut Höß: Auschwitz III (Monowitz) – an das dort im Bau befindliche Werk der IG-Farbenindustrie angegliedert. Man weiß, daß die Chemiker zur Herstellung ihrer Farben auch giftige Stoffe verwenden.

Außerdem gab es da Kammern, in denen Kleider desinfiziert wurden, wozu man ausgerechnet Zyklon B (das Gas, womit die Juden in Auschwitz getötet wurden. Anmerkung des Verf.) verwendete ... Was lag da näher, als anzunehmen, daß die Gaskammern zur Vergasung der Juden bestimmt wären ...“

Es liegt mir fern, zu behaupten, daß in Auschwitz keine Juden vergast worden sind, dafür liegen zu viele Zeugenaussagen vor, die das Gegenteil behaupten, es gibt nur so manche Dinge, die Grund zum Nachdenken geben. So ist z. B. in dem Bericht von Bernd Naumann „Auschwitz“ auf Seite 540 ein Lageplan von dem Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau abgebildet, auf dem zwar 4 Krematorien als solche gekennzeichnet sind, wobei aber keine Gaskammern erwähnt sind. Nun ist es durchaus möglich, daß man diese Bezeichnung weggelassen hat,

24


weil es „allgemein bekannt“ ist, daß Krematorien und Gaskammern miteinander verbunden waren, zumal dies auch in dem Begleittext erwähnt ist. Dies allein wäre auch nichts Besonderes, wenn nicht auf dem Lageplan – außerhalb des Lagergeländes – ein einzelnes Haus („Rotes Haus“ = Bunker) eingetragen wäre, bei dem in Klammern „Gaskammer“ steht. In dem Begleittext ist vermerkt, daß von der Ortschaft Birkenau nur zwei Häuser stehen blieben, die später als „Gaskammern“ benutzt wurden.

Höß schreibt selbst hierzu („Kommandant in Auschwitz“, Seite 129):

„Im Frühjahr 1942 gingen Hunderte von blühenden Menschen unter den blühenden Obstbäumen des Bauerngehöftes, meist nichtsahnend, in die Gaskammern, in den Tod.“ –

Dies alles könnte sich mit der Aussage von Eichmann decken, der in Jerusalem ausgesagt haben soll, daß man ihm einmal bei einem Besuch in Auschwitz aus der Ferne „die kleinen Häuschen“ gezeigt habe, in denen, wie man ihm mitteilte, Vergasungen stattfanden. –

Nebenbei bemerkt müssen in diesem Vernichtungslager Birkenau – nach dem Lageplan zu schließen – Hunderte von Baracken gestanden haben, die zur Aufnahme von Zehntausenden von Häftlingen gedient haben müssen, da ein anderer Zweck nicht ersichtlich ist. War also Birkenau vielleicht gar kein reines „Vernichtungslager“? –

Wenn man sich überlegt, daß Auschwitz mit seinen Nebenlagern zuletzt etwa 158.000 Menschen faßte (Höß), daß große Industriewerke angeschlossen waren, die Zehntausende von Arbeitern benötigten, dann bekommen die Dinge vielleicht ein etwas anderes Aussehen! –

Aber hiervon später. Zunächst möchte ich meine eigenen Beobachtungen schildern und die Schlüsse, die ich daraus zog.

Im Jahre 1967 berichtete das Fernsehen über die Enthüllung eines Mahnmals in Bergen-Belsen. Hierbei wurde erwähnt, daß dort 50.000 Opfer des Nationalsozialismus zu beklagen seien. 50.000 ist eine entsetzliche Zahl, wenn es sich darum handelt, daß diese Menschen verbrecherisch getötet worden sind, sie bekommt jedoch ein anderes Gewicht, wenn man erfährt, wie diese Zahl entstanden ist.

Ein Bekannter, gebürtig aus Bergen, mit dem ich mich einige Tage nach dieser Sendung unterhielt, sagte mir, daß früher ein Schild dort gestanden hätte, auf dem die Zahl 500.000 stand! –

Diese Differenz: 500.000 gegenüber 50.000 erschien mir nun derart gewaltig, daß ich mir vornahm, einmal von mir aus in dieser Richtung zu

25


recherchieren. Eine Anfrage bei einer Monatszeitschrift ergab nichts, da mir geantwortet wurde, ohne genaue Angaben, Fotos oder Dokumente, könne man die Sache nicht verwerten.

Ich schrieb nun an den Stadtdirektor von Bergen und bat um Auskunft. Seine Antwort: wissenschaftlich erarbeitet sei die Zahl 50.000, er hoffe, daß mir diese Auskunft genügen wird. – Ich schrieb zurück, daß mir diese Antwort nicht genügt, da ich ja wissen wollte, ob früher die Zahl mit 500.000 angegeben worden sei.

Die Antwort:

„... Die von Ihnen gestellte Frage kann ich leider nicht beantworten. Das ehemalige KZ-Lager liegt nicht im Verwaltungsbereich der Stadt, sondern im Gemeindefreien Bezirk Loheide, also im Gebiet des Truppenübungsplatzes. Zuständig für die Betreuung des ehemaligen Lagers ist der Regierungspräsident von Lüneburg, der auch über Zahlenangaben Auskunft geben könnte.“

Auf meine Anfrage beim Regierungspräsidenten wurde mir die Lektüre des Buches „Bergen-Belsen“ von Dr. Kolb empfohlen, aus dem ich alle näheren Angaben entnehmen könnte:

„... Im übrigen kann ich Ihnen die Richtigkeit der Ihnen zugegangenen Information nicht bestätigen.“

Ich fragte zurück, ob diese Antwort so zu verstehen sei, daß die Richtigkeit nicht bestätigt werden könnte, da mein Bekannter die Unwahrheit gesagt hätte, oder ob er keine Möglichkeit hätte, die Sache nachzuprüfen. In diesem Fall wäre ich dankbar, wenn er mir eine Stelle nennen könnte, die mir Klarheit verschaffen kann.

Nach etwa 6 Wochen kam die Antwort:

„Auf Ihr Schreiben v. 15. 6. 67 kann ich Ihnen mitteilen, daß die Behauptung Ihres Bekannten nicht aus der Luft gegriffen sein dürfte. Mit einiger Mühe habe ich feststellen können, daß im Jahre 1946 am Eingang der heutigen Gedenkstätte ein großes Holzschild gestanden haben soll. Weitere Einzelheiten hierzu, insbesondere von wem die Aufstellung des Holzschildes veranlaßt wurde, konnten nicht ermittelt werden.“

Über den ähnlich gelagerten Fall des Lagers Dachau existiert eine Erklärung des ehemaligen KZ-Insassen Walter Neff, Dachau, Hermann-Stockmann-Straße 47, die sich im Original bei den Akten in Dachau befinden soll:

„Das Krematorium des ehemaligen Konzentrationslagers Dachau wurde vom Mai 1945 bis Ende 1949 von der amerikanischen Kommandantur des Camp Dachau verwaltet. Es wurden 1945 vor dem Krematoriumsgebäude ein

26


Kreuz, ein Davidsstern und eine Gedenktafel aufgestellt, mit dem Hinweis, daß in dem KZ über 250.000 Menschen ihr Leben lassen mußten. Wie die Amerikaner auf die Zahl 250.000 kommen, ist vollkommen unverständlich und kann in keiner Weise mit der tatsächlichen Todeszahl übereinstimmen, da die amtlich bekannte Zahl bei etwa 21.000 liegt, wozu allerdings noch eine geschätzte Zahl von circa 5000 Toten kommt, welche nicht registriert wurden.

Durch die Auffindung eines großen Aschengrabes auf dem Gelände des Krematoriums Ende 1949 wurde die Bayerische Regierung von den Amerikanern beauftragt, eine würdige Gedenkstätte zu gestalten und die Verwaltung über das Krematorium zu übernehmen. Beauftragt wurde hiermit das Bayerische Landesentschädigungsamt (Dr. Auerbach). Die von den Amerikanern aufgestellten Kreuze und Tafeln wurden von diesen selbst entfernt auf ausdrücklichen Befehl des damaligen Kommandanten Oberst Weißberg.

Das gesamte Krematoriumsgebäude, das mehr einer Kiesgrube glich, wurde gärtnerisch gestaltet und von Prof. Vorhölzer mit dem jetzigen Denkmal, der Mensa und Gedenkplatten ausgestaltet. Da eine amtlich genaue Zahl der im Lager Verstorbenen nicht existiert, wurde von der Aufstellung einer Tafel mit Angabe der Totenzahl, die immer nur geschätzt sein konnte, abgesehen, nicht etwa, um die Zahl der Toten möglichst zu verschweigen, sondern deshalb, weil die von der Besatzungsmacht angegebene unverständlich hohe Zahl der alten Tafel in keiner Weise der tatsächlichen Zahl entspricht. Die Diskrepanz zwischen diesen beiden Zahlen war zu groß und heute zu unverständlich, um nicht auf der einen Seite einen Sturm der Entrüstung und auf der anderen Seite unerquickliche Schlußfolgerungen hervorzurufen.

Im Streit um die Zahl möge man nie vergessen, daß etwa 25.000 Menschen ums Leben gekommen sind im Kampf und Glauben für eine Welt in Frieden und Freiheit. Die erschütternde Tatsache, daß diese Toten immer wieder von gewissenlosen Hetzern dazu dienen sollen, Haßgesänge anzustimmen, hat das Bayerische Landesentschädigungsamt nach Rücksprache mit einer Reihe prominenter politischer Häftlinge bewogen, die Anbringung einer Tafel mit der Zahl der Toten zu unterlassen.

gz. Walter Neff.“

Wenn man nun bedenkt, daß die Zahl der Toten des Lagers Dachau von Pastor Niemöller in einer am 3. Juli 1946 gehaltenen Rede mit 238.756 angegeben wurde, während Mgr. Neuhäusler in seinem Buch „So war es in Dachau“ Zahlen nennt, die bei etwa 26–27.000 liegen, so stellt man fest, daß die Zahlen der Toten in diesen beiden Fällen (Bergen-Belsen und Dachau) ursprünglich zehnmal so hoch angegeben wurden, als sie tatsächlich waren, wobei noch fraglich ist, ob die dort begrabenen Toten alle KZ-Häftlinge waren. So ist z. B. von Buchenwald bekannt, daß dort Opfer eines Angriffs auf Weimar begraben wurden,

27


da man in Weimar keine Möglichkeit dazu hatte. Könnte es in Dachau, das in der Nähe von München liegt, nicht vielleicht ähnlich sein? –

Es liegt mir fern, etwas derartiges behaupten zu wollen, aber unwillkürlich drängt sich hierbei der Gedanke auf, ob nicht bei den 6.000.000 ermordeter Juden etwas ähnliches angenommen werden könnte! –

Das Lager Bergen-Belsen, von dem früher auch behauptet wurde, es sei eine Vergasungsanlage dort gewesen, begann nun, mich zu interessieren und ich kümmerte mich um Einzelheiten.

In der Lagerchronik, die in der Gedenkstätte einzusehen ist, steht:

1940–43

„Verwendung und Ausbau einer bestehenden Barackensiedlung als Kriegsgefangenenlager (Stalag 311). Seit Sommer 1941 Belegung mit russischen Kriegsgefangenen. Massensterben durch Fleckfieberepidemie.“

Das Lager war also gar nicht von Anfang an ein Konzentrationslager, wie man unwillkürlich geneigt ist, anzunehmen, wenn man die Bezeichnung KZ hört, sondern wurde erst später, wie sich noch aus der Lagerchronik ergeben wird, dazu umgewandelt.

Es ist überhaupt interessant, sich in diesem Zusammenhang ein wenig mit der Entstehung der Konzentrationslager zu beschäftigen.

Im „Spiegel“, der gewiß nicht verdächtigt werden kann, die Verbrechen des Nationalsozialismus zu verteidigen, oder zu beschönigen, steht in Heft 48 v. 21.11.1966, auf Seite 96, daß es in den Jahren 1936/37 insgesamt vier Konzentrationslager mit 7500 Häftlingen und 4833 Bewachern im Deutschen Reich gegeben hat. Nach Bronder „Bevor Hitler kam“, Seite 158, gab es bei Kriegsausbruch im Jahre 1939 sechs Lager mit etwa 20.000 Insassen, von denen rund 9.000 politische Häftlinge, die übrigen mehr oder weniger kriminelle Elemente gewesen sein sollen. In den folgenden Jahren wuchs die Zahl der Lager um das Drei- bis Vierfache (nach H. G. Dahms „Der Zweite Weltkrieg“). Es war also gar nicht so, daß ganz Deutschland mit Konzentrationslagern übersät war, wie man beinahe den Eindruck haben könnte, wenn man beispielsweise die Übersichtskarte aus Zentner „Geschichte des Zweiten Weltkriegs“ ansieht. Allerdings muß eingeräumt werden, daß dieser Eindruck vielleicht auch dadurch entsteht, daß die Lager im Verhältnis zum Maßstab der Karte überdimensional wirken.

Nun weiter in der Chronik des Lagers Bergen-Belsen:

April 1943

„Übergabe eines Lagerkomplexes an die SS und Einrichtung des sogenannten ‚Aufenthaltslagers Bergen-

28


 

Belsen‘. Sammellager für einige tausend Juden, die eventuell gegen internierte Deutsche ausgetauscht werden sollen. Ständiges Anwachsen der Lagerstärke.“

Bergen-Belsen war also, zumindest einige Zeit, ein Lager für prominente Juden, die ausgetauscht werden sollten und teilweise wohl auch ausgetauscht worden sind. Daß diese Juden nicht schlecht behandelt worden sein konnten – schon allein um des Eindrucks willen gegenüber dem Ausland, da sie ja ausgetauscht werden sollten – dürfte sich wohl von selbst verstehen.

Professor Rassinier schreibt in „Was ist Wahrheit“, S. 232: Dr. Reszo Kasztner (von 1942–1945 Vorsitzender des Budapester Komitees zur Rettung der Juden) würde nachgesagt, er habe sich dem Nationalsozialismus verkauft und hätte seine Familie dadurch retten können, daß er sie nach Bergen-Belsen schicken ließ. Anmerkung von Professor Rassinier:

„War man dann also gerettet, wenn man nach Bergen-Belsen geschickt wurde? Wie war es doch mit den dortigen Gaskammern?“

Dr. Kasztner wurde, nebenbei erwähnt, im März 1957 in Tel Aviv ermordet. Ob er zu viel über die Hintergründe der Verbrechen an den Juden wußte? –

Seit März 1944

„Unterbringung arbeitsunfähig gewordener Insassen verschiedener Konzentrationslager in einem abgesonderten Lagerabschnitt des ‚Aufenthaltslagers‘.“

 Professor Rassinier schildert in „Die Lüge des Odysseus“, S. 190, ein persönliches Erlebnis hierzu: Ein Mithäftling aus dem Lager Dora sei bei einer „Selektion“, bei der Kranke und Arbeitsunfähige ausgesondert wurden, abtransportiert worden. Man nahm an, er sei mit dem gesamten Transport, an dem er teilnahm, den Erstickungstod gestorben, d. h. also, sie seien vergast worden. Im September 1946 traf er ihn jedoch wieder, als er zu ihm kam und ihn (Rassinier) zu einer Veranstaltung einladen wollte:

„Als ich ihm sagte, welche Gedanken ich mir über sein Los gemacht hatte, erzählte er mir, der betreffende Transport sei nicht nach einer Gaskammer, sondern nach Bergen-Belsen geleitet worden, dessen besondere Aufgabe anscheinend darin bestand, die Verschickten aller Lager zur Genesung aufzunehmen. Er war tatsächlich nach einer Reise unter entsetzlichen Bedingungen in einem Bergen-Belsen angekommen, in dem aus ganz Deutschland Transporte Arbeitsunfähiger zusammenliefen, von denen man nicht wußte, wo

29


man sie unterbringen und wie man sie ernähren sollte, was für die SS Veranlassung zur Aufregung und für die Kapos zum Gebrauch des Gummiknüppels war. Er verlebte dort schreckliche Tage und wurde schließlich dem Kreislauf der Arbeit wieder eingegliedert.“ –

Nun wieder zur Lagerchronik:

Okt./Nov. 1944 „Notdürftiger Ausbau eines Lagerabschnittes und Einlieferung von 8000 Frauen aus dem Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau.“

Was mir nicht recht einleuchten will, ist der Umstand, daß man Ende des Jahres 1944, zu einer Zeit, als die Russen sozusagen schon vor den Toren des Lagers Auschwitz standen, aus dem Vernichtungslager Birkenau noch 8.000 Frauen, die doch offensichtlich zur Vernichtung bestimmt waren, denn sonst wären sie ja wohl nicht in diesem Lager gewesen, nach Bergen-Belsen transportiert hat. In ein Lager also, das, wie sich einwandfrei aus der Chronik ergibt, nicht zur Vernichtung von Menschen bestimmt war. Zudem wurde dieser Transport in einer Zeit durchgeführt, in der sämtliche Transportmittel ausgelastet und die Landstraßen ebenfalls stark in Anspruch genommen waren. Es dürfte doch, nach allem, was man an Entsetzlichem gehört hat, viel einfacher gewesen sein, die Frauen an Ort und Stelle zu liquidieren, als sie Hunderte von Kilometern in ein Lager für Arbeitsunfähige zu transportieren? Sollte nicht vielleicht doch manches ganz anders gewesen sein, als es heute dargestellt wird? –

Dezember 1944 „Abschluß der Umwandlung Bergen-Belsens in ein Konzentrationslager. Neuer Lagerkommandant SS-Hauptsturmführer J. Kramer, vorher Kommandant von Auschwitz-Birkenau. Lagerstärke am 1.12.1944: 15.257.“

Also im Dezember 1944 wurde das Lager erst zum Konzentrationslager umgewandelt und es war auch bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht überbelegt.

Seit Januar 1945 „Zahlreiche Häftlingstransporte aus frontnahen Konzentrationslagern nach Bergen-Belsen. Beginn des Infernos. Unerträgliche Überfüllung des Lagers. Hunger, Seuchen, sehr hohe Sterblichkeit.“

Das Lager, das eine Höchstbelegungsmöglichkeit von 15.000–18.000 Menschen hatte, wurde in nicht vorstellbarer Weise überfüllt, die Lagerstärke betrug

30


am
am
am
am
1. 2. 1945
1. 3. 1945
1. 4. 1945
15. 4. 1945
etwa 22.000
41.520
43.042
60.000

Der Lagerkommandant Kramer soll sich geweigert haben, die während dieser Zeit ankommenden Transporte noch aufzunehmen, da das Lager bereits völlig überfüllt war. Hinzu kam, daß bereits die Ruhr wütete, dazu kam Typhus und durch Neuankömmlinge aus dem Osten auch Fleckfieber. Weiter kam hinzu, daß die Züge mit den KZ-Insassen durch die damaligen Verkehrsschwierigkeiten länger unterwegs waren, als vorgesehen, da die Strecken überfüllt waren durch Truppentransporte, die Bahnhöfe durch Bombenangriffe teilweise zerstört waren, so daß sie oft wochenlang unterwegs waren und, da sie unterwegs keine zusätzliche Verpflegung bekommen konnten, in völlig verhungertem und erschöpftem Zustand – soweit sie nicht während der Fahrt starben – in Belsen ankamen und so noch leichter den Krankheiten zum Opfer fielen. Außerdem war die sanitäre Betreuung, sowie die Verpflegung bei der dreifachen Überbelegung des Lagers nicht ausreichend und versagte zuletzt völlig infolge der Tran Sportschwierigkeiten, die durch den Luftkrieg entstanden waren. Zum Schluß soll noch die Wasserversorgung ausgefallen und sogar Abwasser und Unrat zurückgestaut sein, so daß sich unsagbare Zustände einstellten.

Erst wenn man diese ganzen Umstände kennt, die durch beeidigte Zeugenaussagen belegt sind, die aber hier nur in gedrängter Kürze wiedergegeben werden können, kann man die ungeheure Zahl der Sterbefälle Anfang des Jahres 1945 verstehen:

im Februar 1945 etwa
im März 1945 etwa
1. Aprilhälfte 1945 etwa
7.000
18.168
9.000

 

15. April 1945 „Befreiung Bergen-Belsens durch englische Truppen. Trotz großer Anstrengungen zur Rettung der Oberlebenden starben bis Ende April noch etwa 9.000, bis Ende Juni weitere 4.000 Menschen. Gesamtzahl der Opfer des Lagers Bergen-Belsen 1943–45 etwa 50.000.“ –

So weit die Lagerchronik. –

Schon allein nach dieser Chronik könnte man also annehmen, daß noch bis zum Ende des Jahres 1944 in Bergen-Belsen, den Umständen entsprechend, einigermaßen tragbare Verhältnisse bestanden haben

31


müssen, wenn es nicht außerdem noch Augenzeugenberichte gäbe, die dies bestätigen. Erst als am Kriegsende alles zusammenbrach und das Lager derart überfüllt war, gab es die vielen Sterbefälle, Verbrechen scheinen, wenn überhaupt, wenig vorgekommen zu sein. –

Interessant ist ein Bericht über Bergen-Belsen, den Hans Grimm in „Warum – woher – aber wohin?“ erwähnt, S. 500:

„Moorehead [ein englischer Journalist) besuchte kurz nach der Einstellung der Kämpfe 1945 das Konzentrationslager Belsen zusammen mit einer Gruppe anderer Journalisten. Belsen ist das Lager, wo infolge schwerer Bombenangriffe auf die Zufahrtswege ein Zusammenbruch der Versorgung mit Nahrungsmitteln und Wasser erfolgte und Typhus ausbrach, durch den Hunderte der Gefangenen umkamen. Die Alliierten erschienen und trafen auf die schauderhaften Zustände. Sie brachten Lebensmittel und Medikamente, sie verbrannten die Toten und die verseuchten Baracken. Sie setzten die Wachmannschaften gefangen und folterten sie: und sie waren so besessen von der Propaganda gegen die deutschen ‚Hunnen‘, daß sie selbst geradezu geschwelgt zu haben scheinen in Greuelhandlungen und mit Stolz ihr eigenes Handwerk den besuchenden Journalisten vorwiesen. Moorehead erzählt: ‚Ein junger britischer Militärarzt und ein Hauptmann der Pioniere verwalteten das Lager ... Der Hauptmann schien in besonders guter Laune ... Als wir uns den Zellen der gefangenen SS-Wachmannschaften näherten, brach beim aufsichtführenden Sergeanten die Wut aus. Der Hauptmann sagte: ‚Wir haben heute morgen eine Vernehmung stattfinden lassen. Ich fürchte, die Gefangenen sind nicht gerade hübsch anzusehen.‘ Den Journalisten wurden die Zellen geöffnet, wo die stöhnenden und blutenden Gefangenen lagen. Moorehead erzählt weiter: ,Der Mann, der mir zunächst lag und dessen Hemd und Gesicht blutverkrustet waren, machte zwei vergebliche Versuche, ehe es ihm gelang, in Kniestellung und dann auf die Füße zu kommen. Als er stand, zitterte er heftig und versuchte, die Arme abwehrend auszustrecken. Hoch, schrie der Sergeant. Alle kamen hoch und hielten sich aufrecht an der Wand! Weg von der Wand! Sie stießen sich ab von der Wand und standen frei schwankenden Körpers ... In einer anderen Zelle hatte der Militärarzt soeben eine Vernehmung beendet. Los, schrie der Sergeant, steh auf! Der Mann lag in seinem Blute auf der Erde ... Er stützte seine zwei Arme auf einen hölzernen Stuhl und gab sich einen Stoß, ein zweiter Versuch und ihm gelang es, auf die Füße zu kommen. Er reckte seine Arme uns entgegen. Warum macht Ihr mich nicht ganz tot, stöhnte er. Warum macht Ihr mich nicht ganz tot, ich kann nicht mehr ... Der dreckige Bastard hat das schon den ganzen Morgen gesagt.‘ – In dem Bericht, den Moorehead über Belsen und die schrecklichen Zustände dort vor der Befreiung gibt, heißt es: ,War da Sadismus am Werk bei den Deutschen? Im großen und ganzen nein. Greuelhandlungen sind in diesem Lager verhältnismäßig selten vorgekom-

32


men ... Was die Häftlinge umbrachte, waren nicht Greuelhandlungen, sondern Vernachlässigung.‘ Moorehead fügt hinzu: ,So war das, bis die Alliierten kamen.‘ Gewiß waren die Wachmannschaften zum Teil schuld an den Zuständen im Lager, wennschon ihnen in den letzten Wochen alles über den Kopf gewachsen war, als Folgen der Bombenabwürfe, des fehlenden Wassers, der Seuche und der Überfüllung. Eine Untersuchung war vorzunehmen, was ihr Tun angeht. Aber die Verbrechen, die Herr Moorehead beschreibt, wurden von englischen Soldaten mit Bedacht begangen, und ihre SS-Gefangenen litten nicht an Vernachlässigung.“ –

So weit der Bericht aus „Warum – woher – aber wohin“. Bemerkenswert scheint mir, daß es heißt, es seien „Hunderte der Gefangenen“ umgekommen. Wäre es möglich, daß sogar die Lagerchronik nicht stimmt, die doch von „Tausenden“ spricht? Eine Erklärung hierfür dürfte sein, daß man zu der damaligen Zeit noch keinen genauen Überblick hatte und nur annahm, es seien „Hunderte“ gewesen, weil man die entsetzliche Wirklichkeit noch nicht in vollem Umfang kannte. –

Daß die Lagerchronik heute tatsächlich angezweifelt wird, ergibt sich aus einem Bericht aus „Nation Europa“ 5/68, S. 47:

„Nur nebenbei sei bemerkt, daß die Zahl 50.000 unrichtig ist: Heute berechnet man die Zahl der Gestorbenen auf 22.000, und auch diese Zahl wird angezweifelt.“ –

In „The European“, London, stand im März 1954 Folgendes:

„Die deutschen Angeschuldigten in Nürnberg konnten sich zu ihrer Entlastung darauf berufen, daß sie von völkerrechtswidrigen Untaten nichts gewußt hätten. Die Verantwortlichen auf britischer Seite sind dieser Unwissenheit durch Mr. Mooreheads Bericht enthoben worden. Werden sie nun Gericht halten über die englischen Kriegsverbrecher? Wir zweifeln daran, aber wir zweifeln nicht über das Urteil der Geschichte.“

Als ich in Mr. Mooreheads Bericht die Stelle las: Belsen ist das Lager, wo infolge schwerer Bombenangriffe auf die Zufahrtswege ein Zusammenbruch der Versorgung mit Nahrungsmitteln und Wasser erfolgte usw., mußte ich an ein Ereignis denken, das mir ein Bekannter erzählt hatte und wonach 8.000 auf Schiffen befindliche KZ-Häftlinge noch kurz vor Kriegsende von englischen Flugzeugen beschossen wurden, wobei der größte Teil der Häftlinge getötet worden sei. Er selbst hätte diesem Ereignis als Augenzeuge beigewohnt. (Es handelt sich um den Fall „Neustadt“, der später geschildert wird). Sollte hier irgendein Zusammenhang bestehen? – Ich weiß es nicht, aber ich meine, es gäbe Gründe, darüber nachzudenken! –

33


Dies ist in großen Zügen das, was mir an dem Lager Bergen-Belsen erwähnenswert erscheint. –

Ich erkannte nun immer mehr, daß nur dann Klarheit über geschichtliche Vorgänge und auch über Tagesereignisse zu erhalten war, wenn man möglichst viele Informationsquellen ausschöpfte, und am besten schien es sogar, wenn man extrem entgegengesetzte Meinungen miteinander verglich. Zu Beginn meiner eigenen „Forschungen“ – wenn ich so sagen darf – und Überlegungen ahnte ich noch nicht, wie ungeheuer schwer, ja fast unmöglich es für einen einzelnen Menschen ist, die Geschehnisse in ihrer Vielfalt und Verzweigung ineinander und miteinander zu überschauen. Es wurde mir klar, daß dieses Ziel nur dann erreicht werden konnte, wenn man auf möglichst breiter Basis aufbaute, und ich, der sich früher nie mit derartigen Dingen beschäftigte, begann mich für Bücher über – im wesentlichen – zeitgeschichtliche Themen zu interessieren.

Es ist richtig, was mir einmal ein Buchhändler zitierte: „Ich fürchte den Leser eines Buches“, denn nur eine umfassende Kenntnis kann zur Erkenntnis führen. –

Ich erkannte, daß es ganz einfach unmöglich ist, aus einem einzigen Buch, also aus der Sicht eines einzigen Beschauers ein objektives Urteil zu erhalten, wenn es sich um zeitgeschichtliche Dinge handelt, bei denen der Abstand noch nicht groß genug ist, um sie ganz zu überschauen. Selbst von einer Gruppe von Leuten, die, um ein Beispiel zu nennen, ein Standbild beschreiben sollen und die auf der einen Seite des Standbildes nahe beieinander stehen, wird sich ein Unterschied in der Schilderung nur insoweit zeigen, als der Abstand zwischen ihnen ausmacht. Erst die Sicht dieser Leute mit der einer Gruppe auf der anderen Seite des Standbildes vereinigt, kann eher die Gewähr dafür bieten, es in seiner Gesamtheit zu erkennen.

Meine Bibliothek, die ständig weiter wächst – ich bin ja noch auf der „Suche nach der Wahrheit“ –, umfaßt inzwischen etwa 300 Bände, nicht eingerechnet verschiedene Monats- und Wochenschriften. In ihr sind nicht nur Bücher von Rassinier, Bardèche, Grenfell, Utley, Veale, Barnes, Nicoll und anderen enthalten, sondern auch solche von Reitlinger, Kogon, Hofer, Rothfels, Gisevius, Krausnick, Bullock, Shirer usw., aber es fehlen auch nicht die Werke von Taylor, Hoggan, Ribbentrop und Walendy sowie von Sündermann, Kubizek, Ziegler und Röhrs. Die erwähnten Namen sind wahllos herausgegriffen und es soll hierbei nicht in entferntester Weise ein Werturteil angedeutet werden. Mir ist jeder

34


Autor lieb, wenn er mir ein kleines Stück weiterhilft bei meiner Suche nach der Wahrheit.

Ein Wissenschaftler kann sein eigenes Wissensgebiet wunderbar beherrschen, beispielsweise ein Historiker die Geschichte, es ist aber durchaus möglich, daß ihm die Gabe fehlt, weite und tief verflochtene geistige und politische Zusammenhänge zu sehen. Ebenso ist es möglich, daß ein Politologe kein Gefühl für geschichtliche und weltanschauliche Dinge hat.

Ganz besonders ergibt sich dann ein schiefes Bild, wenn Ereignisse der Vergangenheit verzerrt oder bewußt falsch dargestellt oder sogar verschwiegen werden, wie dies bereits erwähnt wurde: Dokumente, die den Anschlußwillen der Österreicher an das Reich beweisen.

Nach dieser Überlegung erscheint es mir nicht unwesentlich, einige Autoren etwas näher zu charakterisieren bzw. Werke oder Zitate von ihnen auf Glaubwürdigkeit zu untersuchen.

35


II.

Charakterisierung verschiedener Historiker:
Rassinier, Grenfell, Taylor, Hoggan
Der Leser möge sich selbst ein Urteil bilden

Diese Untersuchung soll kein Werturteil in bestimmter Reihenfolge darstellen, sie wird wahllos durchgeführt und beansprucht auch nicht, vollständig zu sein, sie soll lediglich zum Ausdruck bringen, worauf es mir ankommt.

Beginnen möchte ich mit Professor Rassinier, da sein Buch „Was ist Wahrheit?“ es war, das mir Veranlassung gab, mich mit Dingen zu beschäftigen, von denen ich vorher kaum eine Ahnung hatte.

Was konnte Rassinier für Gründe haben, sich derart für das deutsche Volk einzusetzen, wie er es getan hat, wo gerade er doch am allerwenigsten Grund dazu hatte? Er wurde wegen seiner Tätigkeit als Widerstandskämpfer in KZ-Haft genommen und kam, nachdem er schreckliche Monate in Buchenwald verlebt hatte, bei Kriegsende als Invalide wieder in die Heimat. Es wäre also durchaus zu verstehen gewesen, wenn er, wie die meisten KZ-Häftlinge, nicht gut auf die Deutschen zu sprechen gewesen wäre, die ihn so schlecht behandelt hatten. –

Es wurde mir entgegengehalten, vielleicht habe Rassinier seine Bücher aus Geltungssucht geschrieben oder aus finanziellen Gründen, aber keiner dieser Gründe ist überzeugend, wenn man den Geist kennt, der aus seinen Büchern spricht. Dieser Geist ist so klar und man spürt so überzeugend den Mann, der nichts als die Wahrheit sucht – besonders eindringlich geht dieses Bemühen aus „Drama der Juden Europas“ bei der Schilderung über Gaskammern hervor –, daß jedes weitere Wort überflüssig ist.

Aber abgesehen davon: Wer setzt sich schon mutwillig einer Bestrafung aus, und mit einer solchen mußte er rechnen, wenn das, was er über seine Mithäftlinge sagte, nämlich daß das, was sie geschrieben hatten, zum größten Teil gelogen ist, nicht der Wahrheit entsprach. Ist es möglich, daß ein solcher Mann so etwas aus Geltungsbedürfnis oder aus Gewinnsucht macht? Niemals! – Er hätte es zudem ja viel einfacher gehabt, wenn er in das gleiche Horn geblasen hätte, wie beispielsweise Abbé Renard.

36


Aber lassen wir ihn selbst zu Wort kommen. Am Schluß seines Buches „Die Lüge des Odysseus“ schreibt er:

„Ich mache mir überhaupt keine Illusionen: ich, alter Sozialist, antimilitaristisch und antinationalistisch, aber ein europäischer Mann, werde wieder einmal des Versuchs beschuldigt werden, die Verbrechen des Nazismus zu beschönigen. Man wird mich der Judenfeindschaft, ja sogar des Rassismus bezichtigen, weil ich nicht ausreichend begründete Angaben eines jüdischen Gremiums kritisch untersucht habe. Man wird vielleicht so weit gehen, zu behaupten, daß meine Absichten einer Politik Vorschub leisteten, die für alle Zeiten von den großen Grundsätzen des herkömmlichen Humanismus verurteilt worden ist. Unter meinen Verleumdern wird niemand bemerken, daß die Ungeheuerlichkeit der Anklage, die in solchen Behauptungen gegen den Nazismus erhoben wird, dem deutschen Volk zur Last fällt. Noch weniger wird man erkennen, daß ich nur dieses deutsche Volk verteidige, das deutsche Volk, das – wie alle Völker der Welt – unschuldig ist und bleibt! ...

Und zum Schluß möchte ich mich auf Sokrates berufen, der sich nie darum gekümmert hat, ob seine Philosophie der Politik der Dreißig Tyrannen förderlich war oder nicht.“

Der Engländer Russel Grenfell, dessen Buch „Bedingungsloser Haß“ im Jahre 1954 erschien, wird vielleicht am besten durch einen Brief charakterisiert. Generaladmiral Hermann Boehm schreibt im Jahr 1952 darüber (Nation Europa, Okt. 52, 32):

„Der englische Militärschriftsteller Captain Russel Grenfell, bekannt durch sein faires Auftreten in einem Nürnberger Prozeß und sein mehrfaches Eintreten für die deutschen sogenannten ‚Kriegsverbrecher‘, hat auf einen Dankesbrief des Vorstandes des Bundes versorgungsberechtigter Wehrmachtsangehöriger folgendermaßen geantwortet:

Dear Admiral Hansen!

Bitte danken Sie mir nicht. Ich kämpfe nicht für die deutschen Soldaten, sondern mit den deutschen Soldaten und Seeleuten gegen das Unrecht, das Männern angetan wird, die im Kampf für ihr Heimatland – es sei, welches es sei – ihre Pflicht getan haben. Es ist die Höhe des Unrechts, Männer wegen Gehorsams gegenüber Befehlen zu bestrafen, wenn sie im gleichen Falle wegen Ungehorsams bestraft werden können. Schimpflich ist es darüber hinaus, deutsche Männer für die im Dienste des Staates durchgeführten Maßnahmen zu bestrafen, die von den Land-, See- und Luftstreitkräften der Sieger ebenfalls getroffen worden sind. Und es ist entehrend für mein eigenes Land, an dieser Straf-Heuchelei teilgenommen zu haben.

Daher bin ich und sind die Menschen in England (einst berühmt, weil es keinen mehr schlug, der am Boden lag), die in diesen Tagen so wie ich denken, Ihre und Ihrer Kameraden Mitstreiter im Kampfe für Gerechtigkeit

37


gegenüber Soldaten allgemein. Trübe Kräfte sind am Werk, in dem Versuch, die Überlieferungen soldatischer Ehre und Haltung zu unterhöhlen. Diesen Einflüssen sich zu widersetzen, wird das Streben aller in Treue zu diesen Überlieferungen stehenden Männer sein.

Das ist alles, was ich zu tun mich bemühe; und ich wollte, ich könnte mehr tun.

Yours sincerely Russel Grenfell.“

Jedes weitere Wort zu der Haltung dieses Mannes dürfte überflüssig sein.

Was mir aber an der Einstellung Grenfells zu den Nürnberger Prozessen noch erwähnenswert erscheint, sind die Äußerungen von Richtern, die an maßgebender Stelle dort tätig waren.

Bundesrichter Clark, Miteinberufer des Nürnberger Gerichtshofes 1946:

„Ich glaube nicht, daß die Kriegsverbrecherprozesse überhaupt einen Sinn gehabt haben. Ich bin der Ansicht, daß sie vielmehr nur anderen Ländern einen Vorwand für die Legalisierung der Ermordung ihrer Gegner durch ein Gericht geben können.“ Seine Beteiligung nennt Clark den „Fehler seines Lebens“. (Stuttgarter Nachrichten, 12. 7. 66., S. 1)

Richter Charles T. Wennerstrum, der Vorsitzende des Gerichts, hatte vor seinem Abflug aus Nürnberg am 22. Februar 1948 einem Vertreter der „Chicago Tribune“ ein Interview gegeben, in dem er sagte (Rendulic „Glasenbach, Nürnberg, Landsberg“, S. 191):

„Wenn ich vor sieben Monaten gewußt hätte, was ich heute weiß, wäre ich niemals hierher gekommen. Die hohen Ideale, die bei der Schaffung dieses Gerichtshofes als Leitgedanke verkündet worden sind, haben sich nicht erfüllt. Die Sieger im Krieg sind nicht die besten Richter über Kriegsverbrechen. Die Anklagebehörde zeigte keine Objektivität, frei von Rachsucht und Ehrgeiz. Die meisten Beweismittel waren Dokumente, die aus Zentnern erbeuteter Dokumente ausgewählt wurden. Die Verteidigung hatte nur Zutritt zu Dokumenten, welche die Anklagebehörde als belangvoll für den Prozeß erachtete.“

Richter Jackson, US-Ankläger, erklärt später offenherzig, daß die Prozesse geführt wurden, um die Nachkriegspolitik der USA zu rechtfertigen. Es waren also politische Prozesse, die in der Illusion inszeniert wurden, den Vereinigten Staaten zu nützen.

Dem ist nichts mehr hinzuzufügen. –

Und nun zu dem bekanntesten zeitgenössischen britischen Historiker A. J. P. Taylor.

38


Professor Hoggan, der sehr stark angegriffene amerikanische Historiker – ob zu Recht angegriffen, wird später untersucht werden – sagt über ihn:

„Taylor ist Verfasser zahlreicher Bücher über deutsche Geschichte. Seine Einstellung hat dazu geführt, daß man ihn für einen lebhaften Deutschenfeind, wenn nicht buchstäblich für einen konsequenten Deutschenhasser hält. Wie er selbst zugibt, begann er aus dieser Einstellung heraus eine gründliche Quellenstudie über die Ursachen des Zweiten Weltkrieges in der sicheren Erwartung, er werde dabei zu einer erdrückenden Anklage gegen Hitler als den allein Verantwortlichen für Ursachen und Beginn dieses katastrophalen Konfliktes gelangen. Zu welchem anderen Ergebnis konnte man auch schon kommen, wenn man sich mit dem angeblich bösartigsten, kriegerischsten, aggressivsten und unvernünftigsten Staatsmann der ganzen deutschen Geschichte zu beschäftigen hatte?! –

Doch Taylor hat bewiesen, daß er ein wirklicher Historiker ist. Sein Quellenstudium führte ihn zu der Erkenntnis, daß Hitler nicht einmal der in erster Linie Verantwortliche für 1939 war. Weit entfernt von Welteroberungsplänen, wollte Hitler nicht einmal mit Polen Krieg, viel weniger einen allgemeinen europäischen Krieg. Vielmehr war der Krieg das Ergebnis von Fehlern, die auf allen Seiten, von allen beteiligten Nationen begangen wurden.“

Hierzu möchte ich betonen, daß ich nur zitiere und daß ich mich nicht mit der Meinung Hoggans identifizieren kann, da ich auf meiner „Suche nach der Wahrheit“ noch nicht weit genug vorgeschritten bin.

Über Professor Hoggan, der wohl heute am meisten umstrittene und angefeindete amerikanische Historiker, existiert ein – auch in anderer Hinsicht sehr aufschlußreiches – Interview aus dem Jahre 1962 mit dem amerikanischen Historiker Professor H. E. Barnes, das im Wortlaut folgen soll und das für sich selbst spricht („Nation Europa“, 5/62, S. 55):

„Die unsachlichen Angriffe, die in der Bonner Zeitung ,Das Parlament‘ (21. 2. 62) gegen Professor Hoggans Standardwerk ,Der erzwungene Krieg‘ geführt wurden, haben uns veranlaßt, Herrn Professor Dr. H. E. Barnes nach seiner Meinung über diesen bedauerlichen, gegen einen amerikanischen Forscher gerichteten Diffamierungsversuch zu fragen.

Prof. Dr. Barnes Urteil hat Gewicht: Er ist berühmt geworden durch seine Untersuchung der Kriegsursachen von 1914 und die Widerlegung der Propagandathese von der deutschen Schuld am Ersten Weltkrieg. Heute ist er einer der besten Kenner des Inhalts und der Entstehungsgeschichte eines gleich bedeutungsvollen Werkes der amerikanischen Geschichtsforschung, eben des vom ‚Parlament‘ so völlig falsch rezensierten Buches von Prof. Dr. Hoggan über die Ursachen des Zweiten Weltkrieges.

39


Frage: Herr Prof. Barnes, wir sind Ihnen, dem Vorkämpfer für historische Wahrheit und Gerechtigkeit, dankbar dafür, daß Sie uns dieses Interview ermöglichen. Wir verehren in Ihnen einen Forscher hohen Ranges. Sie haben ja selbst zur Schuldfrage im Zweiten Weltkrieg durch Ihr Werk, das in Deutschland unter dem Titel ‚Entlarvte Heuchelei‘ herausgekommen ist, Stellung genommen. Dürfen wir fragen: Teilen Sie unsere Entrüstung über den Angriff auf die amerikanische Geschichtsforschung, den sich die Bonner Zeitung ,Das Parlament‘ durch die Diffamierung des Werkes von Prof. Hoggan geleistet hat? Teilen Sie die Auffassung amerikanischer Freunde, die in dieser leichtfertigen Rezension eine Beleidigung der amerikanischen Geschichtsforschung sehen?

Antwort: Nun meine Herren, es handelt sich hier in der Tat um eine der ungehörigsten und unwissenschaftlichsten Verunglimpfungen eines historischen Standardwerkes, die mir je begegnet ist. Ehe ich aber zu diesem Angriff auf die amerikanische Geschichtswissenschaft Stellung nehme, lassen Sie mich kurz darstellen, wie ich selbst zur historischen Wahrheit über den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges vorgestoßen bin.

Frage: Herr Professor, hatten Sie denn selbst Anlaß, Ihre Vorstellung über die Schuld am Zweiten Weltkrieg nach 1945 zu ändern?

Antwort: Aber gewiß! Wir Historiker, wenigstens wir amerikanischen, wissen, daß wir keine Dogmatiker sein dürfen. Wir bemühen uns ständig darum, festzustellen, wie die Vorgänge waren, nicht wie irgend jemand wünscht, daß sie gewesen sein sollen. Nach 1945 hatten mich meine Forschungen zwar sehr bald erkennen lassen, daß die Schuld an der Ausweitung des europäischen Krieges 1939 zu einem erneuten Weltkrieg vor allem Präsident Roosevelt trifft; ich blieb aber zunächst des Glaubens, daß für den Kriegsausbruch 1939 selbst Hitler fast ausschließlich verantwortlich zu machen sei. Dieser Irrtum ist verständlich, da ich mich ja zunächst nur mit den Vorgängen des Jahres 1941 befaßt hatte.

Frage: Wie kamen Sie nun zu der Erkenntnis, daß auch die Ereignisse der Jahre 1938/39 anders verlaufen waren, als nach 1945 allgemein behauptet wurde?

Antwort: Ich erkannte, daß meine und die allgemeinen Vorstellungen über die Jahre 1938/39 unmöglich stimmen konnten, als ich den wissenschaftlich unanfechtbaren Inhalt der Arbeiten des amerikanischen Wirtschaftshistorikers Dr. Burton Klein in seinem Buche ‚Deutschlands wirtschaftliche Kriegsvorbereitungen‘, das 1959 herauskam, kennenlernte.

Frage: Wir kennen dieses aufschlußreiche Buch und haben im Maiheft 1960 darüber ausführlich berichtet. Welche Erkenntnisse Dr. Kleins waren es denn, die Ihre Vermutungen über die Schuld am Ausbruch des Zweiten Weltkrieges umstießen?

40


Antwort: Nun, Dr. Burton Klein weist unwiderlegbar nach, daß Hitler sich wirtschaftlich überhaupt nicht auf einen Krieg vorbereitet hatte. Deutschland war für einen langen Krieg nicht gerüstet, erst recht nicht auf einen Welteroberungskrieg. Deutschland war noch nicht einmal auf einen Krieg gegen England und Frankreich vorbereitet, geschweige denn auf einen Kampf gegen England, Frankreich und Rußland.

Frage: Wir erinnern uns, daß Dr. Burton Klein diese Tatsachen in seinem Werk unter Mithilfe namhafter Forscher, darunter einige Dozenten der Stanford University und des Harvard College, unwiderleglich nachgewiesen hat. Wir begreifen auch, daß gerade die Forschungsergebnisse Dr. Burton Kleins Sie nachdenklich gemacht haben, da ja tatsächlich eine umfassende wirtschaftliche Vorbereitung absolut notwendig ist, wenn man einen Krieg plant.

Antwort: Ganz recht! Dr. Burton Klein entlarvt in vernichtender Weise die Propagandalüge von einem nationalsozialistischen Deutschland, das alle Kraft für den Aufbau einer auf Kriegführung gerichteten Wehrwirtschaft gerichtet habe, um dann den Krieg zu entfesseln.

Frage: Herr Professor, können Sie uns noch einige Einzelheiten darüber mitteilen?

Antwort: Recht bedeutsame sogar! Dr. Burton Klein weist nach, daß Frankreich und England, jedes für sich, vor 1939 stärker rüsteten als Deutschland. England stellte z. B. vor Kriegsbeginn monatlich 50 Panzer mehr her als Deutschland. Bei der Luftwaffe war es ebenso. Die Behauptung, Hitler habe Deutschland wirtschaftlich auf eine Eroberungspolitik vorbereitet, ist durch Dr. Burton Kleins Forschungen unwiderlegbar als Propagandalüge entlarvt. Übrigens hat auch General Marshall als Chef des Generalstabs den Präsidenten der USA dahin informiert, daß Hitler in keiner Weise auf einen langen, geschweige denn auf einen Welteroberungskrieg vorbereitet sei.

Frage: Herr Professor, erkannten Sie sogleich den direkten Zusammenhang der Forschungsergebnisse Dr. Burton Kleins mit der Kriegsschuldfrage?

Antwort: Gewiß! Denn wer Dr. Kleins wissenschaftlichen Nachweis des Fehlens einer wirtschaftlichen Vorbereitung Deutschlands auf einen Weltkrieg prüfte, der mußte schon 1959 – auch wenn er von Prof. Hoggans historischen Forschungen noch nichts wußte – zu der Erkenntnis kommen, daß der Zweite Weltkrieg nicht das Werk Hitlers sein konnte, daß also die Ereignisse um den Kriegsausbruch 1939 falsch dargestellt worden sind. Prof. Dr. Hoggan hat nun den Nachweis erbracht, daß der Krieg durch Lord Halifax und Oberst Beck entfesselt worden ist. Seine wissenschaftliche Leistung ist großartig! Um so mehr müssen wir uns über die merkwürdige Behandlung wundern, die diesem hervorragenden Werk der amerikanischen Geschichtsschreibung in Deutschland widerfährt. Wenn ich

41


dagegen Stellung nehme, dann deswegen, weil ich vor allem der Verbreitung der geschichtlichen Wahrheit auch in Ihrem Lande dienen möchte.

Frage: Das freut uns sehr, Herr Professor, denn auch uns liegt ja vor allem an dem Durchbruch der historischen Wahrheit in unserem Lande. Und weshalb ist nach Ihrer Meinung jene Besprechung im ‚Parlament‘ so bedauernswert unwissenschaftlich und für die amerikanische Geschichtswissenschaft so beleidigend?

Antwort: In der Wochenzeitung ,Das Parlament‘ wird Prof. Dr. Hoggans ‚Erzwungener Krieg‘ hemmungslos und, wie ich fürchte, in diffamierender Absicht der wissenschaftliche Charakter abgesprochen, obwohl es sich bei seiner Arbeit um eine der größten geschichtswissenschaftlichen Leistungen der Nachkriegszeit handelt. Diese ‚Besprechung‘ ist in der Tat eine Beleidigung der amerikanischen Geschichtswissenschaft!

Frage: Weshalb, Herr Professor, empfinden Sie die merkwürdige Rezension des ‚Parlaments‘ als eine Beleidigung der gesamten amerikanischen Geschichtswissenschaft?

Antwort: Nun, den Herren im ‚Parlament‘ paßt es offenbar nicht, daß nicht Hitler der Kriegsurheber gewesen ist. Was nicht in ihr Schema paßt, das kann eben nicht sein. Es handelt sich hier um den typischen Fall von pseudohistorischem Propagandismus, der fast belustigend wirkt. Der Herr Rezensent im ‚Parlament‘ weiß offenbar nicht, wie sehr er sich selbst mit seiner ‚Kritik‘ bloßstellt.

Frage: Wir freuen uns, Herr Professor, daß Sie das Komische dieser pseudowissenschaftlichen Verrenkungen ebenso empfinden wie wir.

Antwort: Ja, meine Herren, es besteht wirklich Anlaß zur Belustigung. Sie wissen ja, daß Prof. Dr. Hoggans ‚Erzwungener Krieg‘ als Hauptergebnis seiner eingehenden und umfassenden Quellenforschung die Kriegsschuld des Lord Halifax und des Obersten Beck erwiesen hat. Und sehen Sie, genau dasselbe Ergebnis hat der Historiker Hoggan schon 1948 in seiner Doktor-Dissertation über die deutsch-polnischen Verhandlungen in den Jahren 1938–39 der Historischen Fakultät der Harvard-Universität vorgelegt!

Frage: Und diese Dissertation wurde von der Harvard-Universität anerkannt? Herr Professor, damit ist die Darlegung des Herrn im ‚Parlament‘ tatsächlich der Lächerlichkeit preisgegeben!

Antwort: Leider! Denn sehen Sie, es stimmt genau, was der Herausgeber des ‚Erzwungenen Krieges‘, Herr Dozent Dr. Grabert, kürzlich in der Deutschen Soldaten-Zeitung öffentlich ausgesprochen hat: Die Historische Fakultät der Harvard-Universität ist leidenschaftlich probritisch und antideutsch eingestellt. Harvard ist aber zugleich die maßgebliche Historische Fakultät der USA.

42


Frage: Und diese Fakultät hat das Ergebnis der Hogganschen Doktor-Dissertation, daß der Zweite Weltkrieg von Lord Halifax und Oberst Beck herbeigeführt wurde, anerkannt? Das scheint uns allerdings ein ehrenvoller Beweis historischer Redlichkeit zu sein!

Antwort: Ja! Die Historische Fakultät der Harvard-Universität konnte nicht umhin: Sie mußte die Ergebnisse des Historikers Hoggan auf Grund der vorgelegten Quellen anerkennen.

Frage: Muß das dieser, wie Sie sagen, probritischen Historischen Fakultät nicht sehr schwer gefallen sein?

Antwort: Aber gewiß! Auch wir Historiker sind Menschen. Glauben Sie mir, wenn es möglich gewesen wäre, hätte der Prüfungsausschuß der Historischen Fakultät der Harvard-Universität Hoggans Dissertation in Fetzen gerissen und ihm den Doktortitel verweigert. Es ist mein Stolz als amerikanischer Historiker, daß die angesehenste Historische Fakultät meines Landes die Wahrheit über die Tendenz gestellt hat.

Frage: Herr Professor, um so mehr sind wir betroffen über die Leichtfertigkeit deutscher Kritiker!

Antwort: Nun, meine Herren, eine solche Fehlleistung gegenüber der historischen Wahrheit wie in dieser Rezension, über die wir sprechen, ist in der Tat bedauerlich; aber leichtfertige Urteile kommen heute im Zeitalter der alles verfinsternden Propaganda überall vor, nicht nur bei Ihnen in Deutschland. Freilich sind die Deutschen heute durch eine Propagandamauer des Verschweigens gegen die Ergebnisse der unabhängigen Geschichtsforschung in einer Weise abgesperrt, wie noch nie zuvor.

Frage: Hochverehrter Herr Professor, wir hoffen, daß dies Gespräch mit Ihnen dazu beitragen wird, diese Propagandamauer des Verschweigens zu durchbrechen und der historischen Wahrheit zum Siege zu verhelfen. Wir danken Ihnen herzlich für dieses außerordentlich aufschlußreiche Gespräch.“

In der „Deutschen Hochschullehrerzeitung“ 3/62, S. 8, berichtet Professor David L. Hoggan von einer für die deutsche Zeitgeschichtsforschung bezeichnenden Begegnung. Es heißt dort:

„... Im Sommer 1958 habe ich nämlich Herrn Rothfels im Hoover-Institut der Universität Stanford, als er und seine Gattin sich dort studienhalber aufhielten, in aller Ausführlichkeit die Art meiner Forschungen über die Ursachen und Urheber des Zweiten Weltkriegs dargelegt. Dabei stellte er die erstaunliche Behauptung auf, der Schweizer Propagandahistoriker Walter Hofer hätte bereits ein endgültiges Werk über dieses Thema herausgebracht. Aus dieser Bemerkung mußte ich den Schluß ziehen, daß Rothfels, was die Ursachen des europäischen Krieges von 1939 angeht, an der Wahrheit nicht interessiert sei.“

43


In der Hochschullehrerzeitung wird dann weiter ausgeführt:

„Das heißt nüchtern betrachtet, einer der angesehensten, von unserer Staatsführung am meisten ausgezeichneten Historiker erklärt ,den Hofer‘ für kanonisch, damit alle weitere Forschung zum Thema Kriegsschuldfrage für überflüssig, ja für unsinnig, da doch nichts mehr zu finden sei, im besten Falle noch Details geklärt werden müßten. Das ist eine völlige Verkehrung aller Grundprinzipien der Geschichtswissenschaft. Zu diesen Grundsätzen gehört u. a., daß der Geschichtswissenschaftler offen zu sein hat für eine Revision anscheinend gesicherter Ergebnisse, wenn etwa neue Quellenfunde das bis dahin gültige Bild infragestellen. Wenn diese Freiheit der Forschung nicht mehr bestehen darf, dann wird mit ihr gleich die notwendige Grundlage aller Geschichtswissenschaft, die geistige Redlichkeit, aufgegeben.“

Ein Zitat eines deutschen Historikers, zitiert nach Glaser „Der zweite Weltkrieg und die Kriegsschuldfrage“, möchte ich noch folgen lassen:

„Bei der Frage nach der Schuld am Zweiten Weltkrieg, die wissenschaftlich eindeutig beantwortet ist, handelt es sich nicht etwa lediglich um eine fachhistorische Angelegenheit. Die Erkenntnis von der unbestrittenen und alleinigen Schuld Hitlers ist vielmehr eine Grundlage der Politik der Bundesrepublik. Man braucht nur an die Erklärungen Adenauers gelegentlich seines Besuches in Moskau 1955 und seine an Polen gerichtete Kundgebung im vergangenen Jahr zu denken.“

Wenn man sich diesen Ausspruch richtig überlegt, dann bedeutet er doch nicht mehr und nicht weniger als: Wer die Alleinschuld Deutschlands am Zweiten Weltkrieg bezweifelt, entzieht der Nachkriegspolitik ihr Fundament. –

Im Vorwort zu William S. Shirers „Aufstieg und Fall des Dritten Reiches“ steht Folgendes:

„Das Dritte Reich brach im Frühjahr 1945 so schnell zusammen, daß nicht nur eine Unmenge von Geheimakten, sondern auch anderes außerordentlich wertvolles Material im Stich gelassen wurde, z. B. private Tagebücher, vertrauliche Briefe, Protokolle von streng geheimen Reden und Konferenzen und sogar Aufzeichnungen von Telefongesprächen zwischen NS-Führern, die von einer besonderen Stelle in Hermann Görings Luftfahrtministerium abgehört worden waren.

So führte z. B. General Halder ein Tagebuch in Gabelsberger Kurzschrift, in das er nicht nur Tag für Tag, sondern sogar Stunde für Stunde stichwortartige Notizen eintrug. Für die Zeit vom 14. August 1939 bis zum 24. September 1942, in der Halder Generalstabschef des Heeres war und täglich mit Hitler und anderen NS-Größen zusammenkam, ist dieses Tagebuch eine einzigartige Informationsquelle. Außerdem sind noch sehr aufschlußreich die

44


Tagebücher von Dr. Josef Goebbels, dem Reichspropagandaminister, und General Alfred Jodl, dem Chef des Wehrmachtführungsstabes, ferner das Kriegstagebuch des Wehrmachtführungsstabes und das Tagebuch der Seekriegsleitung. Die im Schloß Tambach bei Coburg erbeuteten Akten des deutschen Marinearchivs enthalten nahezu sämtliche Signalbücher, Logbücher, Kriegstagebücher, Denkschriften usw. der deutschen Kriegsmarine seit dem Jahr 1868, in dem der Grundstein für die deutsche Flotte gelegt wurde.

485 Tonnen Akten aus dem Auswärtigen Amt wurden von der 1. amerikanischen Armee in mehreren Schlössern und Bergwerken im Harz in dem Augenblick beschlagnahmt, als sie auf Befehl von Berlin verbrannt werden sollten. Diese Akten stammen nicht nur aus der Hitlerzeit, sie reichen über die Zeit der Weimarer Republik bis in die Anfänge des Bismarckreiches zurück. Noch viele Jahre nach dem Kriege lagen NS-Dokumente stapelweise verschlossen in einem großen Magazin der amerikanischen Armee in Alexandria (Virginia), ohne daß die amerikanische Regierung Interesse gezeigt hätte, die Kisten auch nur zu öffnen und nachzusehen, ob sie historisch wertvolles Material enthalten könnten. 1955 endlich, zehn Jahre nach ihrer Sicherstellung, wurden diese Kisten mit den Alexandria-Dokumenten dank der Initiative der American Historical Association und dank großzügiger finanzieller Hilfe einiger privater Stiftungen geöffnet. Dann begab sich eine ganz kleine Forschergruppe mit unzulänglichen Hilfskräften und unzureichender Ausrüstung daran, das Material zu sichten und zu fotografieren, ehe es die amerikanische Regierung – die hierbei große Eile an den Tag legte – an Deutschland zurückgab.“

Professor Rassiniers Kommentar hierzu in „Was ist Wahrheit?“, Seite 127:

„Diese Papiermassen sind also jetzt in Deutschland, und es hängt von der deutschen Regierung ab, ob nur eine kleine Forschergruppe von privilegierten Geschichtsschreibern – privilegiert, weil sie die offiziellen Thesen unterstützen – oder alle Historiker von Ruf Zugang zu ihnen haben werden.

Im Jahre 1960 habe ich im Verlauf einer Vortragsreise durch Deutschland und Österreich die deutschen Geschichtsschreiber aufgefordert, einen unabhängigen Ausschuß für diese Studien zu bilden.

Ich erlaube mir, daran zu erinnern.“

Shirer sagt weiter:

„Die Alexandria-Akten erwiesen sich als Fundgrube. Das gleiche gilt für andere Dokumente, z. B. für die teilweise erhaltenen stenographischen Protokolle von 51 ‚Lagebesprechungen‘ im Führerhauptquartier, die ein Nachrichtenoffizier der amerikanischen Luftlandedivision in Berchtesgaden aus den verkohlten Überresten von Hitlers Akten hervorholte, sowie für die umfangreichen Aufzeichnungen von Hitlers Tischgesprächen mit alten Parteigenos-

45


sen, Sekretären und Sekretärinnen während des Krieges, die sich unter Martin Bormanns Papieren befanden.

Hunderttausende erbeutete Dokumente wurden in Nürnberg eilig als Beweisunterlagen für den Prozeß gegen die Hauptkriegsverbrecher zusammengetragen.“

Und wieder Rassinier, Seite 126:

„Ich bitte den Leser, über diese Ziffern nachzudenken: Die Akten der Marine wurden auf 60.000 Stück geschätzt, die Dokumente des Auswärtigen Amtes wiegen 485 Tonnen, alles in allem hundert und aber hunderttausend Dokumente! Wen will man glauben machen, daß die ernannten Ankläger in der Zeit vom 8. August 1945 (Tag des Zusammentritts der Londoner Kommission) und dem 14. November 1945 – also in drei Monaten! – dieses Gebirge von Beweismaterial mit genügendem Ernst durcharbeiten konnten, um daraus eine historisch und juristisch stichfeste Anklageschrift zusammenzustellen? Und daß dreißig Tage für die Angeklagten genügten, um das ganze Entlastungsmaterial zu finden?

Denn die juristische Wahrheit, für die im vorliegenden Falle die historische Wahrheit die einzige Grundlage bietet, beruht gerade auf diesen Dingen. Um dieses ganze Material gründlich durchzuarbeiten, hätten sicher Tausende von Historikern Jahrzehnte – und vielleicht Jahrhunderte gebraucht.“

Und noch einmal W. S. Shirer; er sagt:

„Als Berichterstatter in Nürnberg sammelte ich in der ersten Zeit des Prozesses stapelweise hektografierte Abschriften der Unterlagen, dazu später die in 42 Bänden veröffentlichten Sitzungsprotokolle und Beweisurkunden, die noch ergänzt wurden durch zehn Bände mit vielen wichtigen, ins Englische übertragenen Dokumenten. Wertvoll war für mich auch die über die zwölf nachfolgenden Nürnberger Prozesse herausgegebene fünfzehnbändige Serie mit anderen Dokumenten, obwohl in dieser Ausgabe viele Urkunden und Aussagen fehlen. Neben dieser nie dagewesenen Dokumentenfülle standen mir schließlich noch die Niederschriften der eingehenden Vernehmungen deutscher Offiziere, Partei- und Regierungsbeamter zur Verfügung sowie die Niederschriften ihrer späteren eidesstattlichen Aussagen in den verschiedenen Nachkriegsprozessen. Sie stellen ein Quellenmaterial dar, wie es nach früheren Kriegen, soweit mir bekannt ist, niemals vorhanden war.“

Bemerkenswert erscheint mir, daß Shirer behauptet, in der fünfzehnbändigen Dokumentenserie über den Nürnberger Prozeß würden viele Urkunden und Aussagen fehlen. Selbstverständlich ist es durchaus möglich, daß man Unwesentliches weggelassen hat, aber schon allein die Tatsache, daß Shirer diesen Umstand erwähnt, könnte darauf schließen

46


lassen, daß es nicht so ganz unwesentliche Dinge waren, die man weggelassen hat. Zumindest ist es fraglich, und da diese Dokumentenbände meines Wissens von den Historikern mit als Grundlage für ihre Forschungen verwendet werden, könnte schon allein hierdurch ein leicht gefärbtes Bild entstehen. –

Nun gibt es außer diesen, z. T. gesichteten und z. T. noch ungesichteten Dokumenten noch eine Reihe von Dokumenten und Aussagen, die überhaupt noch nicht zur Veröffentlichung freigegeben worden sind.

Zu den nach meiner Meinung bemerkenswertesten dieser Gruppe gehören die sogenannten „Kent-Dokumente“. – Tyler Kent war Angestellter der amerikanischen Botschaft in London und hatte die Aufgabe, den geheimen Briefwechsel zwischen Churchill und Roosevelt vom September 1939 bis Mai 1940 zu entschlüsseln. Er machte sich Kopien, die er in seiner Wohnung verwahrte, wurde am 7. November 1940 verurteilt und verbüßte eine siebenjährige Gefängnisstrafe.

Hierzu schreibt Professor Barnes („Nation Europa“ 8/59, S. 18):

„... die sogenannten ‚Kent-Dokumente‘, nämlich die fast 2000 geheimen Nachrichten, die seit dem September 1939 in illegaler Weise zwischen Roosevelt und Churchill unter Mißbrauch des amerikanischen Codes ausgetauscht worden sind. Roosevelt benutzte dabei den Codenamen ,Potus‘ (President of the United States) und Churchill den Titel ‚Former Naval Person‘ (frühere Marine-Persönlichkeit). Churchill selbst hat uns erzählt, diese Dokumente enthielten die Masse der wirklich wichtigen Tatsachen über die Zusammenarbeit zwischen ihm und Roosevelt in dem vereinten Bemühen, die Vereinigten Staaten in den Krieg zu bringen – im Widerspruch zu Roosevelts öffentlichen Versicherungen und den eindeutigen und wiederholt zum Ausdruck gebrachten Wünschen der amerikanischen Bevölkerung. Churchill schrieb in ‚Their Finest Hour‘: ,Die wichtigsten Geschäfte zwischen unseren zwei Ländern wurden in Wirklichkeit durch diese persönliche Verbindung zwischen ihm und mir erledigt.‘

Daß die Kent-Dokumente diplomatischen und historischen Sprengstoff enthalten, wird deutlich angesichts der Beunruhigung, ja der Angst, der Churchill Ausdruck gegeben hat, als die Möglichkeit auftauchte, daß sie wissenschaftlich ausgewertet werden könnten. Selbst Historiker, von denen es bekannt ist, daß sie gegenüber der Roosevelt-Churchill-Politik und ihren Umtrieben wohlwollend eingestellt sind, sollen nach Churchills Willen nicht darüber verfügen dürfen. Die Professoren Langer und Leagson haben 150.000 Dollar dafür erhalten, daß sie einen halbamtlichen ‚Hofbericht‘ über die Ursachen des Zweiten Weltkrieges und Amerikas Kriegseintritt verfertigten. Es war in historischen Fachkreisen und in Washington wohlbekannt, daß

47


diese fähigen Forscher bis zu den äußerst denkbaren Grenzen gehen würden, um Roosevelt und Churchill zu entlasten.

Auch Churchill wußte dies, trotzdem hielt er es für notwendig, Langer zu warnen und ihm mit einer gerichtlichen Verfolgung zu drohen, falls er es wagen sollte, von den Kent-Dokumenten irgendwelchen Gebrauch zu machen.

Ob und wann diese Dokumente, die nach der Wahrheit suchen, zugänglich gemacht werden, weiß niemand; wir können aber sicher sein, daß das Urteil der Historiker Beard, Tansill, Sanborn, Chamberlain und Morgenstern sich geradezu wie eine Entschuldigungsrede für die Roosevelt-Churchill ausnehmen wird angesichts der Tatsachen, die in den Kent-Dokumenten ihren Niederschlag gefunden haben. Leider ist diese wichtige Quelle – falls sie überhaupt noch besteht – zusammen mit Roosevelts Mitteilungen an Eden im Dezember 1938 und an George VI. im Juni 1939 vielleicht das am schärfsten bewachte Geheimnis in unseren nationalen Archiven und in der Roosevelt-Bücherei.

Vielleicht hält man mir vor, daß ich die Kent-Dokumente nicht habe lesen können und deshalb auch nicht darüber sprechen dürfte. Aber – abgesehen davon, daß man sie nicht gelesen zu haben braucht, um zu begreifen, daß sie den Forschern schon längst zugänglich gemacht worden wären, wenn sie brauchbare Angaben zur Entlastung Roosevelts und Churchills enthielten – weiß ich mehr über diese Dokumente als mancher andere. Ich hatte eine tagelange Aussprache mit Tyler Kent unmittelbar nachdem er aus seiner gesetzwidrigen Haft in England entlassen und nach Amerika zurückgekehrt war, und auch später habe ich noch wiederholt mit ihm sprechen können. Nur die Bundesgesetze machen es sowohl Mr. Kent wie mir selber zunächst unmöglich, über den Inhalt der Dokumente weiteren Aufschluß zu geben.“

Da es nun außer diesen Kent-Dokumenten noch eine ganze Reihe weiterer Dokumente gibt, oder, um es vorsichtig auszudrücken, geben muß, wie z. B. die Vernehmung Himmlers bei seiner Gefangennahme – es ist doch mit Bestimmtheit anzunehmen, daß er vernommen wurde –, oder die Aussage von Hitlers Leibarzt Dr. Morell bei seiner Gefangennahme, die heute wohlverwahrt in einem Safe liegen soll, ist doch mit Sicherheit anzunehmen, daß sich manches von dem heute gezeichneten Geschichtsbild ändern wird, ja ändern muß.

Daß man unter diesen Umständen erklären kann, eine Schuld sei eindeutig festgestellt, ist – zumindest mir persönlich – nicht recht erklärlich. Aber vielleicht irre ich mich. –

Ich frage mich überhaupt, ob man bei einer Katastrophe dieses Ausmaßes von einer einseitigen Schuld sprechen kann, oder ob diese Schuld nicht doch verteilt ist, wobei es sich vielleicht nur darum handelt, in welchem Maß sie verteilt ist!? –

48


Ich bin kein Historiker, ich will und kann keinen Vergleich zwischen den bis jetzt vorliegenden Dokumenten ziehen, ich will und kann mich auch nicht in den Streit der Historiker einmischen, ich sage mir nur mit meinem gesunden Menschenverstand, daß es heute noch viel zu früh ist, von einer eindeutig einseitigen Schuld mit einer derartigen Sicherheit, wie manche deutschen Historiker, zu sprechen.

Ein kleines Beispiel, welches mir nicht unwesentlich erscheint, möchte ich am Rande noch erwähnen. Ein Jugendfreund Adolf Hitlers, August Kubizek, hat ein Buch über diese Jugendfreundschaft geschrieben. Dieses Buch erschien im Jahr 1953 und über dieses Buch schreibt Erich Kuby:

„... Bullock, Görlitz, Straßer, Heiden, Rauschning und alle anderen, die über Hitler geschrieben haben, würden vieles nicht geschrieben und vieles anders gesehen, vieles auch sorgsamer untersucht haben, wenn ihnen ein Buch bekannt gewesen wäre, das den Titel hat: ‚Adolf Hitler, mein Jugendfreund.‘“

Nicht, daß ich diesem Buch besondere Bedeutung für den Historiker beimesse, es wirft nur ein Schlaglicht auf die Jugendzeit Hitlers, aber man sollte doch etwas über Kubys Ausspruch nachdenken! Manches ist anders, wenn man es nicht nur von einer einzigen, sondern von allen Seiten betrachtet ! –

49


III.

Nochmals Konzentrationslager:
Flossenbürg, Theresienstadt, Auschwitz

Schon nach dem bis jetzt Gesagten dürfte zu erkennen sein, daß manches von dem, was heute noch als feststehende Tatsache angesehen wird, doch nicht so fest ist, wie es zu sein scheint. Manches dürfte auf einem Fundament aufgebaut sein, welches vielleicht einer stärkeren Belastung durch Gegenüberstellung mit noch unbekannten Dokumenten nicht gewachsen ist, aber ich glaube, dies überlassen wir besser den Historikern. –

Ich möchte jetzt noch etwas näher auf die Konzentrationslager eingehen, von denen ich bis jetzt nur – im wesentlichen – eigene Forschungen erwähnt hatte.

Bevor ich auf die – heute noch umstrittensten – Lager in den polnisch besetzten Gebieten komme, möchte ich noch einiges von anderen Lagern erwähnen.

Zunächst das Lager Flossenbürg: Von diesem Lager sagt Fabian von Schlabrendorf in „Offiziere gegen Hitler“, S. 171:

„Flossenbürg war eines der sogenannten Vernichtungslager. Hier wurden alle diejenigen ermordet, die entweder nicht vor den Volksgerichtshof gestellt wurden oder die ein freisprechendes Urteil erhalten hatten.“

Nun ein Leserbrief, der zwar nicht unbedingt als Dokument zu werten ist, aber hören wir trotzdem („Nation Europa“ 7/57, Seite 64):

„Ich hatte anläßlich einer Geschäftsreise Gelegenheit, das ehemalige KZ Flossenbürg kennenzulernen. Sie werden es verständlich finden, daß ich das Gelände des ehemaligen KZ-Lagers mit sehr gemischten Gefühlen betreten habe, da man doch in der Nachkriegszeit viel über die dortigen Greuel zu lesen bekam.

Die einzelnen Baracken, besonders die Häftlingsbaracken, sind im Notstand der Nachkriegszeit verheizt worden. Zu besichtigen ist die jetzige Anlage, die man nach dem Kriege neu geschaffen hat. Zur Erinnerung an die Toten wurde ein Mahnmal im sogenannten ‚Todestal‘ errichtet. Am Eingang steht eine kleine Kapelle, in der an der Stirnseite die Gesamtzahl der umgekommenen Häftlinge eingemeißelt wurde. Links und rechts an den Wänden sind die einzelnen Staaten mit ihrem Wappen verzeichnet und dazu die

50


Noch Zitat:

Zahl der Angehörigen dieser Staaten, die in Flossenbürg umgekommen sein sollen.

Wenn man addiert, ergibt sich die Gesamtzahl von 73.296 Toten. Diese schreckliche Zahl hat mich erschüttert. Vor ein paar Tagen mußte ich abermals zu einem Industriebetrieb nach Flossenbürg, und ich hatte bei dieser Gelegenheit das Glück, den jetzigen Bürgermeister in der Nähe des Mahnmals anzutreffen. Ich konnte mit einem Mann sprechen, der bestimmt ein Gegner des damaligen Regimes war, denn sonst wäre er heute nicht Bürgermeister. Durch diesen Herrn wurde ich auf den Verbrennungsofen aufmerksam gemacht, den ich nun erst, bei meinem zweiten Besuch, näher betrachtete. Die Größe dieses Verbrennungsofens entspricht nicht entfernt der genannten Zahl von 73.296 Toten, die dort eingeäschert sein sollen. Als Ingenieur greift man unwillkürlich zum Rechenstift: Ich errechnete mir in einer Grobrechnung die Leistung des Ofens und kam auf mindestens zwei Stunden Brenndauer, die benötigt wurden, um dort eine Leiche in Asche zu verwandeln. Multipliziert man die Zahl von 73.296 Toten mit zwei Stunden, so ergibt sich die beachtliche Zahl von 146.592 Stunden. Wenn nun der Ofen wirklich Tag und Nacht in Betrieb gewesen wäre, so müssen wir die Zahl durch 24 teilen und kommen auf 6108 Tage, das sind 16,9 Jahre. Selbst wenn man schon 1933 mit den Verbrennungen begonnen hätte, müßte also der Ofen bis 1950 geraucht haben, um den angeblichen Leichenbestand aufzuarbeiten.

Mein Einwand wurde bestätigt: Der Bürgermeister erklärte mir klipp und klar, daß diese hohe Zahl ‚natürlich‘ nicht stimme, und außerdem sagte er noch, daß man ja erst 1942 mit den Verbrennungen begonnen habe. Auf ausdrückliches Befragen bestätigte mir der Bürgermeister, daß nur dieser eine Ofen vorhanden war. Im weiteren Verlauf des Gespräches erzählte mir der Bürgermeister, daß von fünf ehemaligen KZ-Häftlingen, die dem Bürgermeister persönlich bekannt sind, weil sie nach ihrer Befreiung in Flossenbürg ansässig wurden, heute bereits vier wieder wegen Rückfallverbrechen hinter Gittern sitzen. Vor dem Kriege waren in Flossenbürg nur Kriminelle inhaftiert.

Ich ließ mir die Aufteilung des Lagers durch den Bürgermeister genau erklären. Das Verwaltungsgebäude stand außerhalb des elektrisch geladenen Zaunes; innerhalb des Zaunes war neben der Küche und dem Verpflegungslager ein Gefängnis untergebracht, weil vor dem Kriege die KZ-Insassen, die wegen ihrer kriminellen Veranlagung selbst im KZ noch rückfällig wurden, dort inhaftiert worden sind. Verblüfft war ich von der Mitteilung, daß innerhalb des Lagers auch ein Bordell für die Lagerinsassen eingerichtet war.

Niemand wird geneigt sein, Grausamkeiten zu beschönigen, aber man sollte auch nicht ins Uferlose übertreiben! Wie ich vom Bürgermeister erfuhr, wird das ehemalige KZ Flossenbürg aus krankhafter Neugierde von vielen Ausländern besucht. Diese Ausländer nehmen die große Zahl an Toten un-

51


geprüft hin; es ist ja nicht jeder Techniker oder Ingenieur, daß er sich gleich die Kapazität des Verbrennungsofens errechnen kann. Die Ausländer fahren also mit der Erinnerung an eine Riesenziffer heim, die gar nicht stimmt. Ich halte es für unverantwortlich, die falschen Angaben dort zu belassen, da sie auf bewußte Lüge aufgebaut sind. Mit dieser unwahren Zahl wird bestimmt der Völkerversöhnung nicht gedient.

Wie ich aus dem Munde des Bürgermeisters erfuhr, wurden bis heute für die Nachkriegsanlage DM 250.000,– aufgewendet – um ein Mahnmal zu errichten, das auf unwahren Zahlen basiert. Nach meiner Auffassung hätte man diese Steuergelder für Zwecke verwenden können, die der dortigen sehr armen Bevölkerung dienlicher gewesen wären.“

Hierzu eine Stellungnahme von Dr. med. Hans-Dietrich Röhrs („Nation Europa“ 9/57, S. 61):

„Der Brief ,Ich war in Flossenbürg – 1957‘ aus NE 7/57 veranlaßt mich zu einigen Ergänzungen.

Da ich selbst 1945/46 als Kriegsgefangener der Amerikaner gemeinsam mit etwa 8000 Waffen-SS-Kameraden dort hinter dem elektrisch geladenen Stacheldraht saß, glaube ich Wesentliches berichten zu können. Als leitender Lagerarzt habe ich aber auch alle Möglichkeiten gehabt, nachzuprüfen, was Herrn Ing. E. G. mit vollem Recht als höchst unglaubwürdig aufgefallen ist.

Schon die an der Wand der Gedenkkapelle gemachten Zahlenangaben sind völlig aus der Luft gegriffen. Und wenn dabei sogar noch eine Unterteilung nach Nationen vorgenommen wurde, so beweisen damit die Urheber nur, daß sie sich der Unglaubwürdigkeit selbst bewußt waren. Es kam ihnen deshalb darauf an, ihren Zahlen den Anschein der Genauigkeit zu geben.

Da uns seinerzeit von den Amerikanern die vorgefundenen Akten zum Ordnen ins Lager gegeben wurden, ist uns auch die Lagerliste der KZ-Häftlinge in die Hände gefallen. Sie ergab, daß vor 1945 im ganzen überhaupt nur 20.000 Personen im Laufe des Bestehens durch Flossenbürg hindurchgegangen sind, also nicht viel mehr als ein Viertel der Zahl, die dort nach den erlogenen Zahlenangaben umgebracht sein soll!

Da diese Lagerliste hinter den meisten Namen mit Buntstift vermerkte Kreuzchen aufwies, wurde sie natürlich sogleich zu einer ‚Totenliste‘ gestempelt und spielte als solche auch im Nürnberger Prozeß eine entsprechende Rolle als ‚Beweismaterial‘. Nicht lange danach fand sich aber derjenige SS-Unterführer, der seinerzeit das Verzeichnis als Kammerverwalter des KZs Flossenbürg geführt hatte, und klärte die Sache auf. Die bunten Kreuzchen bedeuteten nur, daß der Betreffende von Flossenbürg in ein anderes Konzentrationslager, deren jedes seine besondere Farbe hatte, verlegt worden war. Davon ist allerdings dann in Nürnberg nicht die Rede gewesen.

Dort wurde sogar die blutrünstige Geschichte, daß am Weihnachtsabend 1944 in Flossenbürg fünf Häftlinge am Weihnachtsbaum aufgehängt worden

52


Noch Zitat:

seien, als Beweismittel gewertet, obwohl niemand unter den ehemaligen Häftlingen, die zusammen mit uns aus den verschiedensten Gründen von den Amerikanern eingesperrt worden waren, davon etwas gesehen hatte. Das Greuelmärchen stammt, wie manches andere über Flossenbürg, von einem früheren Angehörigen des SS-Bewachungskommandos. Dieser, ein Volksdeutscher aus Polen und hochgradiger Psychopath, benutzte derartige Erzählungen, um seinen, wie er meinte, gefährdeten Kopf bei den Amerikanern zu retten. Der mir persönlich genau bekannte Mann war ein Vertreter jenes nicht seltenen Typs, den die Psychiater mit der Diagnose: Pseudologia phantastica umschreiben. Er wurde von den Amerikanern für seine Abartigkeit nicht nur mit der Freilassung, sondern auch mit der Überführung in die polnische Wacheinheit belohnt, während seine fälschlich bezichtigten Kameraden nach Dachau und teilweise sogar aufs Schafott wanderten.

Diesen ‚Beweismitteln‘ gegenüber verschwand typischerweise auf dem Wege zum Nürnberger Gericht das einzig echte Beweisstück aus Flossenbürg – die von uns entdeckte Speiseliste der Häftlinge. Sie war von der Häftlingsverwaltung selbst geführt und gegengezeichnet worden und reichte bis zum März 1945. Sie besagte in nüchternen Zahlen, daß noch zu jenem Zeitpunkt, als bei der Zivilbevölkerung die Zuteilungen für den Normalverbraucher kaum noch 1400 Kalorien überschritten, die arbeitenden Häftlinge um 3600 Kalorien, die Lagerfunktionäre um 3000 Kalorien und die unbeschäftigten Häftlinge immerhin 2400 Kalorien zugeteilt erhielten! Diese Tatsache paßte natürlich nicht in die Nürnberger Optik, darum mußte die Speiseliste ‚verlorengehen‘.

Ein handgreiflicher Beweis, wie wenig die Häftlinge gehungert haben können, waren die großen Vorräte an Roggenbruch, die sie in den zu ihrer Verfügung stehenden Lagerkellern zurückgelassen hatten. Sie hätten bei ihrem Abzug das Korn auch kaum derart mit ihren Exkrementen besudelt, wie es geschehen ist, wenn sie gehungert hätten. Menschen, die wissen, was Hunger heißt, bringen eine solche Schädigung des Brotkorns nicht übers Herz.

Hätten wir diesen Roggenbruch nicht gehabt, der für Wochen den Hauptbestandteil der Lagerverpflegung bildete – ohne daß natürlich die Kameraden wußten, in welchem Zustand wir ihn gefunden –, so hätten wohl nicht allzu viele das Lager wieder lebend verlassen, denn bei dem, was die Amerikaner in jenen Monaten lieferten, hätten wir alle verhungern müssen. Nicht einmal für die Kranken bestand die Möglichkeit einer entsprechenden Ernährung, so daß ich selbst als Diphteriekonvaleszent – ich hatte mich gleich zu Anfang bei einem Patienten infiziert – mehrere Wochen als einzige Nahrung ein wenig Mondaminbrei zur Verfügung hatte und später viele Jahre brauchte, um gesundheitlich die Folgen dieser Zeit zu überwinden. Es besteht für mich kein Zweifel, daß die für dieses Lager verantwortlichen ‚amerikanischen‘ Dienststellen die Absicht hatten, uns auf diesem Wege so weitgehend

53


Noch Zitat:

zu dezimieren, wie nur möglich. Der Vertreter des Genfer Roten Kreuzes, der damalige Generalkonsul der Schweiz in München, hat mir später bestätigen müssen, daß ihm das Bestehen dieses Lagers bis zum Februar 1946 von den Amerikanern verheimlicht worden sei.

Auch General Patton, dem bekannten amerikanischen Heerführer, muß die Sache aufgefallen sein. Er kam eines Tages überraschend zur Besichtigung.

Als der General erst die Hälfte der ersten Gefangenenkompanie, die aus völlig ausgemergelten Gestalten bestand, abgeschritten hatte, drehte er sich plötzlich mit allen Zeichen der Empörung zu dem ihn begleitenden Oberst der Wachttruppe um.

‚Sind Sie Henker oder sind Sie amerikanischer Soldat?‘ herrschte er ihn an, und seine Reitpeitsche schwingend, fügte er hinzu, er habe nicht übel Lust, ihm diese durchs Gesicht zu ziehen weil er geduldet habe, ,daß tapferen Gegnern‘ – er brauchte wörtlich diesen Ausdruck – ‚eine derartige Behandlung zuteil geworden‘ sei. Er sehe nur deshalb von der Peitsche ab, weil er ,mit diesem Ding da‘ schon schlechte Erfahrung gemacht habe. Er spielte dabei auf jenen Zwischenfall in Sizilien an, wo ihm die Züchtigung eines pflichtvergessenen Lazarettkommandeurs beinahe das Ende seiner kriegerischen Laufbahn gebracht hätte.

Als der verdutzte Offizier seinen empörten Chef dadurch abzulenken versuchte, daß er sich erbot, ihm wenigstens die ‚Vergasungsanstalt‘ zu zeigen, brüllte der General ihn geradezu an. Er solle ihn mit solchem Unsinn verschonen. ,Ich lasse mich von diesen Boys‘ – mit einer verächtlichen Bewegung zu den jüdischen CIC-Offizieren – ‚nicht dumm machen.‘ Dann bestieg er mit zornrotem Gesicht seinen Wagen und fuhr davon.

Am nächsten Tag rollte ein großer Verpflegungstransport mit amerikanischen Rationen durch das Lagertor und brachte in letzter Minute die Wende, auf die wir schon nicht mehr zu hoffen gewagt hatten. Genau wie General Patton erklärte mir einer der amerikanischen Regimentsärzte, als ich mich erbot, ihm zu zeigen, daß es sich bei der von den Amerikanern immer wieder fotografierten und bestaunten ‚Vergasungsanstalt‘ um eine hochmoderne und vorbildlich ausgestattete Entlausung handelte: ‚Völlig unnötig! Wir wissen doch alle, daß das nichts als Greuelpropaganda ist. Kein vernünftiger Amerikaner glaubt daran!‘

Natürlich ist, genau wie in Dachau, auch in Flossenbürg nicht ein einziger Häftling vergast worden. Die Leichen, die in dem 1942 errichteten Krematorium eingeäschert wurden, stammten aus den schweren, immer wieder auftretenden Fleckfieberepidemien, die von den Fremdarbeitern nach Deutschland und in die Lager eingeschleppt wurden. Diese Epidemien waren auch der einzige Grund zur Errichtung von Krematorien.

Wenn diese Epidemien solche Ausmaße angenommen haben, daß es beträchtliche Sterbeziffern gab, so kann dafür nur die Faulheit und Gleich-

54


Noch Zitat:

gültigkeit der Lagerinsassen verantwortlich gemacht werden. Die Einrichtung des Konzentrationslagers Flossenbürg war in hygienischer Hinsicht geradezu vorbildlich. Neben jener Entlausung gab es eine leistungsfähige Waschanstalt und eine Duschhalle, die es ermöglichte, selbst große Neuzugänge in wenigen Stunden vollkommen läusefrei zu machen. Die Anlagen waren alle noch so neu, daß sie ganz zweifellos erst dann errichtet bzw. ausgebaut waren, als jene kriminellen Fremdarbeiter, die in den letzten Jahren vor 1945 in Flossenbürg untergebracht werden mußten, wegen ihrer Verlausung besonderen Gesundheitsschutz erforderlich machten.

Die theoretischen Erwägungen über die Leistungskapazität des Krematoriums sind selbst bei Herrn Ing. E. G. noch utopisch. Nach Angaben des Dachauer Personals leisteten diese kleinen Öfen gerade zwei Leichen pro Tag.

Das Flossenbürger Krematorium hätte also in der ganzen Zeit seines Bestehens höchstens tausend Leichen einäschern können. Der Ofen ist aber nach Aussagen der früheren Heizer immer nur stoßweise in Epidemiezeiten in Betrieb gewesen. Da es im Lagerlazarett noch nicht einmal eine Leichenkammer gab, sondern nur zwei oder drei mit Zinkblech ausgeschlagene Särge, so wüßte ich auch nicht, wo man mit einer größeren Zahl von Leichen hätte bleiben sollen, ehe sie dem Brennofen übergeben werden konnten.

Flossenbürg also als ein ‚Vernichtungslager‘ zu bezeichnen, wie es der ehemalige Reichsminister Dr. Schacht in seinem Buch ‚Abrechnung mit Hitler‘ tut, und zu behaupten, das sei sozusagen ‚gerichtsnotorisch‘, ist völlig unbegründet. Daß es ein so kritischer Kopf getan hat, ist ein typisches Beispiel dafür, wie wirksam bei uns Deutschen die alliierte Propaganda war.

Andererseits ist Dr. Schacht selbst vorübergehend als Häftling in Flossenbürg gewesen. Gerade aber in dem, was er gesehen haben will, zeigt er jene für die ‚Lagersuggestion‘ typische Erscheinung des Verschwimmens von Tatsachenbild und Traumbild, dem oft gerade die hochintellektuellen Menschen erliegen. Mir ist jedenfalls unklar, wie er über die sehr hohe Gefängnismauer ‚Exekutionen‘ und ‚Leichenbestattungen‘ beobachtet haben will; vom Gefängnishof aus war nämlich – außer vom Wachtturm – keinerlei Beobachtung der Umgebung, selbst des Lagers, möglich. Der Hof dürfte absichtlich so angelegt worden sein. Auch habe ich nichts von dem von Schacht erwähnten Galgen im Gefängnishof feststellen können, obwohl wir schon bald nach der Kapitulation nach Flossenbürg kamen. Es kann sich also höchstens um eine provisorische Einrichtung zum Zwecke der Hinrichtung von Verurteilten der hier tagenden Standgerichte gehandelt haben, nicht aber um eine Einrichtung, die zum Konzentrationslager gehört hätte. Im übrigen dürfte Herr Schacht die Schießübungen der hier in den letzten Kriegstagen zusammengestellten Waffen-SS-Division ‚Nibelungen‘ für die Salven von Exekutionspeletons gehalten haben.

Wir sehen also, daß der Fall ‚Flossenbürg‘ im wesentlichen geklärt ist.

55


Noch Zitat:

Dennoch gibt es immer noch außerordentlich viele Deutsche, die solchen Tatsachen gegenüber unkritisch sagen: ,Nun ja, dies oder jenes mag sich anders verhalten haben; feststeht jedoch, daß Tausende in den KZ umgebracht sind. Und darum geht es! Ob es Tausende mehr oder Tausende weniger gewesen sind, ist im Prinzip gleichgültig!‘

Diesen Leuten möchte ich entgegnen: ,Ihr habt völlig recht unter der Voraussetzung, daß es ‚feststeht‘, d. h. daß die vom Haß und von der Propaganda gefärbten Behauptungen überhaupt unparteiisch nachgeprüft worden sind. Das ist aber bisher, so gut wie in allen Fällen, nicht geschehen.‘

Daß das Nürnberger Gericht ein wirkliches ‚Gericht‘, d. h. ein unparteiisches Forum von Männern gewesen wäre, denen es auf die Wahrheitsfindung ankam, wird doch wohl heute, nachdem in den alliierten Ländern diese These längst fallen gelassen ist, der harmloseste Deutsche nicht mehr annehmen.

Es wäre daher in einem Staate, der gerade das Recht besonders groß auf seine Fahnen geschrieben hat, weit richtiger, statt immer wieder an offizieller Stelle im Namen des deutschen Volkes in Reuebekenntnissen zu schwelgen, endlich einmal dafür Sorge zu tragen, daß überhaupt erst festgestellt wird, was wirklich geschehen ist.

Aber vielleicht will man das gar nicht?

Vielleicht könnte sich dann erweisen, daß es mit all den anderen Legenden genauso geht wie mit der ‚Legende Flossenbürg‘? Und daß das, was übrig bleibt, nicht mehr und nicht weniger ist als das Ergebnis der Saat jenes politischen Hasses, der für unser modernes Massenleben so typisch geworden ist?

Es blicke jeder still in das eigene Herz, wenn er Schuld sucht. Das sollte nicht nur im Leben des Einzelnen, noch viel mehr im Leben der Völker so sein. Wer an das heutige Geschehen: Suez, Algier, Indochina, um nur einiges zu nennen, denkt, muß einsehen, daß niemand dem anderen etwas vorzuwerfen hat.

Wenn schon ein Denkmal der Menschlichkeit an den Platz von Flossenbürg gehört, dann wäre es eines für den großen Amerikaner und großen Menschen General Patton, der – obwohl er bekanntlich ein scharfer Feind der Deutschen war – uns damals hier an dieser Stelle das Beispiel eines ritterlichen Gegners gegeben hat. Und das zu einer Zeit, wo niemand unter uns glauben konnte, daß es so etwas wie Ritterlichkeit bei den ‚Befreiern‘ des deutschen Volkes noch gäbe.“

Und nun noch, eine amerikanische Stimme. S. F. Pinter (Rechtsanwalt in St. Louis, Missouri), früher US-Heeresrichter, schreibt am 20.11.1958 in „Deutsche Wochenschrift“, St. Louis („Nation Europa“ 10/59, Suchlicht 6):

56


„Ein tolles Stück Propaganda hat sich vor kurzem der amerikanische Pressedienst ‚Associated Press‘ geleistet.

Er übernahm und verbreitete eine Nachricht aus Prag, die ursprünglich durch den tschechoslowakischen Pressedienst ausgegeben worden war. Nach dieser Meldung wurde die Asche von 3000 Russen, Franzosen, Jugoslawen und Polen, die im Konzentrationslager Flossenbürg ermordet worden seien, feierlich beigesetzt.

Ich weiß auf Grund von mir persönlich durchgeführten Untersuchungen, daß es sich bei diesem Bericht um nichts anderes als um eine schmutzige Lüge handelt. Denn als ich zu Beginn des Jahres 1946 als Heeresrichter im Rang eines Obersten nach Deutschland ging, und zwar zunächst nach Dachau, war ich in meinem Dienstbereich der rangälteste Offizier und hatte infolgedessen volle Handlungsfreiheit.

Ich leitete sofort Untersuchungen ein, um die Vorgänge in den früheren Konzentrationslagern aufzuklären und fand, daß das KZ Flossenbürg überhaupt noch nicht geprüft worden war. Aus diesem Grund ging ich dort mit ganz besonderer Gründlichkeit vor und vernahm Hunderte, wenn nicht Tausende von früheren Insassen dieses Lagers. Die meisten von ihnen konnten Deutsch sprechen, so daß die Unterredungen ohne weiteres durchgeführt werden konnten; nur für die Polen brauchte ich einen Übersetzer.

Monatelang fuhr ich von einem Konzentrationslager zum anderen und nahm an den Vernehmungen persönlich als aktiver Untersuchungsführender teil.

Später blieb ich dann mehrere Monate in Dachau selbst, und zwar als führender US-Beauftragter, der die früheren Offiziere und Angestellten des Lagers zu prüfen und – soweit dies möglich war – zu entlasten hatte. Insgesamt war ich also 17 Monate lang in die Untersuchungen eingeschaltet und bin infolgedessen wohl unterrichtet. Außerdem erhielt ich von der zuständigen Heeresdienststelle sämtliche Akten des früheren Lagers und ließ einen ganzen Lastwagen davon nach Dachau bringen, wo ich infolgedessen ein lückenloses Verzeichnis sämtlicher ehemaliger Insassen dieses Konzentrationslagers zur Verfügung hatte. Ich hatte auch eine genaue Liste der Verstorbenen mit Angabe der Todesursache und eine weitere Liste der wegen verschiedener Verbrechen Hingerichteten.

Ich kann infolgedessen mit Sicherheit feststellen, daß während der Jahre des Bestehens des Flossenbürg-Lagers dort noch nicht einmal 300 Personen umgekommen sind, sei es durch Exekution oder aus sonstigen Ursachen.“

Nun noch zu dem Lager Theresienstadt. Von diesem Lager liegt ein Brief von 6 Juden aus dem Jahr 1944 vor, der in „Was ist Wahrheit?“ auf Seite 235 faksimiliert wiedergegeben ist:

57


„Theresienstadt, 23. Mai 1944

Lieber Chawer,

mit herzlichem Dank bestätigen wir Ihr Schreiben vom 8. ds. Mts. Mit großer Freude benutzen wir die Gelegenheit, Ihnen zu antworten und Sie zu bitten, allen Freunden Grüße zu bestellen und dafür zu danken, daß Sie sich unserer annehmen. Wir dürfen davon ausgehen, da Sie auch dessen in Ihrem Brief Erwähnung tun, daß die zahlreichen Sendungen aus Lissabon und Istanbul ein Werk unserer Freunde sind. Auch die Freunde aus Wien, die hier mit uns zusammenleben, haben Sendungen aus den genannten Orten erhalten. Wenn unsere Verpflegsituation auch durchaus geordnet ist und zu keinerlei Sorge Anlaß gibt, so freuen uns doch diese Sendungen immer wieder, weil wir sie als ein Zeichen Ihrer Freundschaft ansehen.

In Theresienstadt ist eine richtige jüdische Stadt entstanden, in der alle Arbeiten von Juden besorgt werden, von der Straßenreinigung angefangen bis zu einem modernen Gesundheitswesen mit Krankenhäusern und einem durchorganisierten ärztlichen Betreuungsdienst mit einem großen Stab von Pflegepersonal, von sämtlichen technischen Arbeiten, bis zur Verpflegung in den Gemeinschaftsküchen, von der eigenen Polizei und Feuerwehr bis zu einem besonderen Gerichts-, Post- und Verkehrswesen, von einer Bank mit eigenem Siedlungsgeld und von Verkaufsläden für Lebensmittel, Kleidung und Hausrat bis zur Freizeitgestaltung, in deren Rahmen regelmäßig Vorträge, Theateraufführungen und Konzerte stattfinden. Die Kinder, denen besondere Sorge gilt, sind in Kinder- und Jugendheimen, die nicht arbeitsfähigen Alten in Alters- und Siechenheimen unter ärztlicher Aufsicht und Pflege untergebracht. Die arbeitsfähigen sind vor allem für den inneren Dienst eingesetzt. Aus allen Gebieten sind hervorragende Fachkräfte zusammengekommen. Dies kommt nicht nur der hier zu leistenden Facharbeit auf technischem, hygienischem und administrativem Gebiete zugute, auch in der Freizeit hat sich dadurch ein reiches kulturelles Leben auf jüdischem und allgemeinem Gebiet entwickeln können. Eine Bibliothek mit nahezu 50.000 Bänden mit mehreren Lesezimmern, ein Kaffeehaus mit ständigen Musikdarbietungen dienen der Zerstreuung, insbesondere für die älteren Menschen. Zentralbad und Zentralwäscherei fördern die allgemeine Hygiene, auf die naturgemäß besonderer Wert gelegt wird. So kann man sich hier, wenn man die äußere und innere Umstellung und Einordnung vollzogen hat, durchaus wohlfühlen. Eine Ansicht der Stadt ersehen Sie aus dem Briefkopf.

Der Gesundheitszustand ist als durchaus günstig anzusehen, was neben der klimatischen Lage von Theresienstadt in erster Linie der hingebenden, unverdrossenen Arbeit unserer Ärzte, der ausreichenden Versorgung mit Lebensmitteln und mit Medikamenten zu danken ist. Zuwendungen, die wir erhalten, stehen uns im Rahmen der Jüdischen Selbstverwaltung zur Verfügung und können zusätzlichen Verwendungszwecken zugeführt werden. So haben wir jetzt von Ihrer Zuwendung Kenntnis erhalten und danken Ihnen und den Freunden herzlichst dafür.

58


Auch wir wären froh, wenn wir häufiger die Möglichkeit hätten, von Ihnen Nachricht zu erhalten. Wir denken oft an die Freunde, die uns durch Sie haben grüßen lassen. Auch unsere Gedanken bewegen sich oft um die Möglichkeiten einer Alijah; mit besonderem Interesse haben wir aus Ihren Zeilen entnommen, daß auch Ihre Bemühungen einer wenn auch noch so bescheidenen Lösung dieses Problems gelten.

Wir danken Ihnen für Ihr freundschaftliches Gedenken und sind froh darüber, daß wir Ihrer Verbundenheit gewiß sein dürfen. Lassen Sie bald wieder von sich hören.

Mit herzlichem Schalom
Ihre

Dr. Franz Kahn
Dr. Paul Eppstein
Dr. Erich Oesterreicher

Dr. Erich Munk
Ing. Otto Zucker
Gert Körbel“

(Unterschriften)

Leider ist es mir nicht möglich, das Faksimile dieses Briefes zu zeigen, was ich bedaure, denn das Original wirkt überzeugender als diese Abschrift.

Das größte Konzentrationslager in Polen war das so viel besprochene und so viel beschriebene Auschwitz, das in der Nähe von Krakau liegt. Ihm waren große Rüstungsbetriebe – IG-Farben allein, das Zehntausende von Arbeitern benötigte – und große landwirtschaftliche Anlagen angeschlossen.

Man sollte meinen, daß Rudolf Höß, der Kommandant des Lagers in den Jahren 1941–1943, und Richard Baer, sein Nachfolger, diejenigen sind, die am ehesten geeignet seien, genaueste Auskunft über die Zustände im Lager zu geben.

Leider ist der Letztere, von dem die Pariser Wochenzeitung „Rivarol“ berichtet, er sei nicht davon abzubringen gewesen, daß: „während der gesamten Zeit, in der er Auschwitz geleitet habe, er nie Gaskammern gesehen, noch gewußt hätte, daß solche existierten“, überraschend am 17. Juni 1963 im Frankfurter Untersuchungsgefängnis gestorben.

Rudolf Höß, dessen von Dr. Broszat herausgegebene Aufzeichnungen, „Kommandant in Auschwitz“, sehr starkes Aufsehen erregten, wird von Reitlinger in „Die Endlösung“ als „perverser Größenwahnsinniger“ bezeichnet, weil er die Verantwortung für die Ermordung von zweieinhalb Millionen Menschen auf sich nimmt.

Merkwürdigerweise müssen sogar dem nicht voreingenommenen Leser die Angaben in den Aufzeichnungen von Höß in einem etwas eigentümlichen Licht erscheinen, wenn er auf Seite 149 der dtv-Ausgabe

59


liest, daß seine erste Vernehmung nach der Gefangennahme am 11. 3. 1946 unter „schlagenden Beweisen“ zustande kam:

„Was in dem Protokoll drin steht, weiß ich nicht, obwohl ich es unterschrieben habe. Doch Alkohol und Peitsche waren auch für mich zu viel.“

In einer Anmerkung heißt es, daß dieses achtseitige maschinenschriftliche Protokoll, das Höß am 14. 3. 1946 um 2.30 Uhr unterschrieb, inhaltlich nirgends von dem abweicht, was Höß später in Nürnberg oder in Krakau aussagte bzw. niederschrieb.

Wäre es nicht denkbar, daß Höß in Nürnberg oder in Krakau auch schlecht behandelt wurde? Allem Anschein nach soll er ein sehr labiler Charakter gewesen sein, und wenn man in diesem Zusammenhang beispielsweise nur an die Vernehmungsmethoden im Dachauer Malmedy-Prozeß denkt, ist diese Vermutung gar nicht einmal so sehr abwegig wie man im ersten Moment vielleicht glauben könnte.

Daß die Vernehmungsmethoden in Nürnberg, wo Höß während der ersten Zeit inhaftiert war, nicht so schlimm waren als in Dachau, schreibt Freda Utley in „Kostspielige Rache“, S. 196:

„Die Zeugen in Nürnberg wurden niemals den scheußlichen Torturen unterworfen, die bei den Verfahren vor dem Dachauer Militärtribunal angewandt wurden ... Der in Nürnberg von der Anklagebehörde auf die Zeugen ausgeübte Druck war mehr psychischer als physischer Natur. Die von einem Zeugen verlangte Aussage konnte man häufig dadurch erlangen, daß man ihn zwei oder drei Jahre einsperrte und in dauernder Sorge um die unversorgt zurückgelassene Familie hielt, oder indem man ihm androhte, selbst als Kriegsverbrecher vor Gericht gestellt zu werden, wenn er belastende Aussagen gegen die Angeklagten verweigerte. In einigen Fällen wurde auch die nur allzu notorische Waffe der Militärregierung in Deutschland angewandt: die Drohung, einen nicht gefügigen Zeugen an die Russen auszuliefern. Diese Methode wurde in dramatischer Weise im Wilhelmstraßen-Prozeß im Herbst 1948 enthüllt.

Herr von Weizsäcker hatte so viele in hohem Maße freigebige Zeugen im Ausland, die seine Unschuld bezeugten, daß es möglich war, die Mittel zur Bestellung eines amerikanischen Rechtsanwaltes zu seinem Verteidiger aufzubringen. Mr. Warren Magee aus der Bundeshauptstadt Washington kam nach Nürnberg und konnte als Amerikaner auch den – deutschen Verteidigern verweigerten – Zugang zu den Dokumenten erlangen. Dabei verschaffte er sich auch Einblick in die Niederschrift des Verhörs von Friedrich Gaus, der zum Hauptzeugen der Anklage geworden war, obwohl er als ‚Graue Eminenz‘ des Auswärtigen Amtes und ‚Ribbentrops böser Geist‘ bezeichnet wurde. Es gab eine Sensation im Gerichtssaal, als Mr. Magee die Niederschrift

60


des ersten Verhörs von Gaus verlas, aus der sich ergab, daß Mr. Kempner, der amerikanische Ankläger, gedroht hatte, Gaus den Russen auszuliefern, falls er der Anklage nicht behilflich sei.“ –

Außenminister von Ribbentrop schreibt in „Zwischen London und Moskau“, S. 281, da ihm das Verhalten des Herrn Gaus während des Prozesses unverständlich war:

„Botschafter Gaus war seit Jahren mein engster Mitarbeiter ... Ich habe damals dem Führer vorgeschlagen, ihn in die Partei aufzunehmen, obwohl seine Frau Halbjüdin war, und ihm für seine treue Mitarbeit das goldene Ehrenzeichen der Partei zu verleihen. Der Führer hat das zwar abgelehnt, mir aber für Gaus ein Bild mit einer sehr herzlichen Widmung gegeben. Gaus hat mir mit Tränen in den Augen in einer Form gedankt, die seine große innere Bewegung zu zeigen schien. Er sagte mir wörtlich: ‚Herr Minister, ich danke Ihnen – ich bin jetzt über 25 Jahre im Amt und dies ist die erste Anerkennung, die ich bekomme.‘ ...

Daß Gaus jetzt so eine erbärmliche Haltung einnimmt, wie mir meine Anwälte nach ihrer Unterredung mit ihm berichten, und sich ganz in den Dienst der Anklage stellt, ist unter allen traurigen Erfahrungen die traurigste. Wenn er die Wahrheit sagte, wäre es besser für die deutsche Sache und auch für ihn.“

Doch dies nur nebenbei. –

Es ist also anzunehmen, daß Höß in Nürnberg nicht so schlecht behandelt wurde wie bei seiner Festnahme. Wie er allerdings in Polen, wo er hingerichtet wurde und wo er auch seine „Aufzeichnungen“ schrieb, behandelt wurde, ist nicht bekannt ...

Die Meinung von Professor Rassinier „Was ist Wahrheit“, S. 90:

„Er hat seine Angaben mit Bleistift auf Altpapier, schwer entzifferbar und schlecht leserlich, niedergeschrieben. Ein Mann, der zum Tode verurteilt war, mußte sich dazu getrieben fühlen, das zu sagen, was seiner Meinung nach geeignet wäre, seinem Gnadengesuch zum Erfolg zu verhelfen. Er widerspricht sich übrigens selbst von einer Seite zur anderen ...“

Über die Gaskammern und Krematoriumsöfen in Auschwitz sagt Professor Rassinier in „Was ist Wahrheit“, S. 93:

„... handelt es sich um Baupläne für vier Verbrennungsöfen für Auschwitz-Birkenau, mit den Nummern II, III, IV und V – was wohl darauf schließen läßt, daß die Nummer I nicht gefunden wurde. Im Kellergeschoß jedes Gebäudes sollte sich ein großer Saal befinden, der bei II und III als ‚Leichenkeller‘ und bei IV und V als ‚Badeanstalt‘ bezeichnet war. Die Maße waren genau angegeben: bei II eine Fläche von 210 Quadratmeter und eine Höhe von 2,40 Meter, bei III eine Fläche von 400 Quadratmeter und eine Höhe von

61


2,30 Meter, bei IV und V eine Fläche von 580 Quadratmeter und eine Höhe von 2,30 Meter.“

Hierzu bemerkt Professor Rassinier:

„Man wird niemals genau wissen, wie die Pläne an Ort und Stelle ausgeführt worden sind, denn die Auschwitzer Gaskammern wurden beim Herannahen der Russen am 17. bzw. 25. November 1944 (die Angaben schwanken) zerstört. Die Kammern, die man heute noch besichtigen kann, sind wie die in Dachau Nachkriegs-Rekonstruktionen. Es ist nur die Frage, ob sie plangetreu nachgebaut wurden. Ich bemerke nebenbei, daß der Besucher, der nach Buchenwald geht, um die Reste des Lagers zu besichtigen, von einem Führer sozusagen an der Hand genommen wird, der ihm die Gaskammer zeigt und mit genauen Einzelheiten erklärt, wie sie zur Vernichtung der Juden verwendet wurde!

Claude-Henri Salerne vom französischen Rundfunk erlebte das. Er sollte aus Anlaß der Eröffnung des Eichmann-Prozesses (April 1961) eine Gedenksendung über die Konzentrationslager vorbereiten und war gerade im Begriff, die erhaltenen Auskünfte in seinem Manuskript einzuflechten, als ich ihm glücklicherweise einige Tage vor der Sendung begegnete ...“

Rassinier fährt dann in seiner Beschreibung fort:

„Das belastende Dokument ist der Auftrag an die Firma Topf und Söhne, Erfurt, zur Lieferung dieser vier Verbrennungsöfen (Schreiben N. 11450/42/ B.I.H. vom 3. August 1942 – NO 4401).

Im Wilhelmstraßen-Prozeß und in den Verfahren gegen die Nazi-Organisationen wird, ohne weiter auf Einzelheiten einzugehen, gesagt, daß die Lieferung ‚Anfang 1943‘ erfolgte. In seinem Buch ‚Médecin à Auschwitz‘ spricht Dr. Miklos Nyiszli davon, daß die Lieferung ‚mitten im Winter‘ stattgefunden hätte, was also etwa Ende Januar / Anfang Februar bedeuten dürfte. Die Zeitschrift ‚Revue d’histoire de la deuxième guerre mondiale‘ (Paris, Oktober 1956, S. 62) sagt wieder ‚Anfang 1943‘. Diese, unter der Kontrolle des Widerstandskämpfers Henri Michel erscheinende Zeitschrift ist übrigens abgesehen von den Nürnberger Verhandlungsprotokollen, die einzige Stelle, wo ich diese Unterlagen erwähnt gefunden habe. Das Dokument NO 4463 spricht vom 20. 2. 1943. Schließlich ist zu erwähnen, daß Höß sagt, daß die Gaskammern und die Verbrennungsöfen Ende 1942 noch nicht gebaut worden waren. Diese im Kellergeschoß unterhalb der Verbrennungsöfen befindlichen Säle, deren offizielle Bezeichnung ‚Leichenkeller‘ oder ‚Badeanstalt‘ lautete, bezeichnet der Zeuge Wolfgang Grosch als Gaskammern. Da in Auschwitz-Birkenau Rechnungen über geliefertes Zyklon-B gefunden wurden, hat man diese als Beweis für die Richtigkeit der Zeugenaussagen herangezogen, wenn man nicht die Rechnungen verwendet hat, um den Zeugen überhaupt auf den Gedanken zu

62


bringen, eine solche zu machen ... eine Frage, die berechtigt erscheint, wenn man weiß, wie mit dem Dokument Gerstein verfahren wurde!“

In „Die Lüge des Odysseus“ wird ein Leserbrief aus der Süddeutschen Zeitung erwähnt, der sich mit den oben erwähnten Verbrennungsöfen der Firma Topf und Söhne, Erfurt, beschäftigt (S. 289):

„In der ‚Süddeutschen Zeitung‘ vom 27. 11. 1963 ist ein Artikel über die ‚Vernichtungsmaschinerie des Dritten Reiches‘ erschienen, in dem über die gegenwärtig in der Frankfurter Paulskirche gezeigte Ausstellung von Dokumenten über die Judenverfolgung in der Zeit des NS-Regimes berichtet wird. In dem Aufsatz wird unter anderem darauf hingewiesen, daß die Firma J. A. Topf und Söhne, die Einäscherungsöfen geliefert hat, im Jahre 1953 vom Deutschen Patentamt das Patent Nr. 861.731 für ein von ihr entwickeltes ‚Verfahren zur Verbrennung von Leichen, Kadavern und Teilen davon‘ erhalten habe und daß die Besucher der Ausstellung fassungslos die KZ-Korrespondenz dieser Firma mit der daneben ausgehängten Photokopie der Patentschrift Nr. 861.731 verglichen. Da durch diese Veröffentlichung der Eindruck erweckt werden könnte, als habe das Deutsche Patentamt im Jahre 1953 der Firma Topf in Kenntnis der Zusammenhänge ein Patent auf eine Erfindung erteilt, die auf den bei der Arbeit der Firma für die Konzentrationslager des NS-Regimes gemachten Erfahrungen beruht, möchte ich in Ergänzung veröffentlichen:

,Bei der Patentschrift Nr. 861.731 des Deutschen Patentamtes vom 5. Januar 1953 handelt es sich um eine Erfindung für einen Einäscherungsofen, wie er für Krematorien verwandt wird. Aus der in der Patentschrift enthaltenen Beschreibung und der anliegenden Zeichnung ergibt sich, daß die Erfindung auf einen Einäscherungsofen abgestellt ist, der nur einen Sarg fassen kann. Derartige Erfindungen sind vor, während und nach dem zweiten Weltkrieg im In- und Ausland patentiert worden. Weder aus der Patentanmeldung, die zu der Patentschrift geführt hat, noch aus sonstigen in dem Verfahren vor dem Deutschen Patentamt eingereichten Unterlagen ist zu entnehmen, daß diese Erfindung, für die Herr Martin Klettner als Erfinder benannt worden ist, auf Erfahrungen beruht, die in den Konzentrationslagern gemacht worden sind. Das Verhalten der Firma J. A. Topf und Söhne während des NS-Regimes war zur Zeit der Patenterteilung weder der Amtsleitung noch dem Prüfer des Deutschen Patentamtes, der das Patent erteilt hat, bekannt.‘

Zu Ihrer Unterrichtung darf ich darauf hinweisen, daß mir das Bundesjustizministerium über die Firma Topf und Söhne noch folgendes mitteilt:

‚Die Firma Topf und Söhne hatte ihren Sitz vor dem Kriege in Erfurt. Bei Kriegsende beging der verantwortliche technische Leiter und Mitinhaber der Firma Selbstmord. Sein Bruder flüchtete nach Wiesbaden und gründete

63


hier die Firma J. A. Topf und Söhne, Wiesbaden. Der Betrieb kam 1957 völlig zum Erliegen. Im März 1963 wurde auch der Name der Firma im Handelsregister gelöscht. Die Staatsanwaltschaft in Wiesbaden hat geprüft, ob dem Inhaber der Firma in Wiesbaden strafrechtliche Vorwürfe zu machen waren. Das Verfahren wurde 1951 eingestellt. Die Ausstellungsleitung ist entsprechend unterrichtet worden.

Wegmann
Vizepräsident des Deutschen Patentamtes
München, Zweibrückenstraße 12.‘“

Allem Anschein nach handelt es sich bei dem Patent der Firma Topf um die gleichen Verbrennungsöfen, die im Januar oder Februar 1943 in Auschwitz aufgestellt und in Betrieb genommen worden sind. Geht man nun davon aus, daß – wie Höß schreibt – ein großer Teil der Leichen im Freien auf Rosten verbrannt wurden, dann müssen immerhin noch Hunderttausende innerhalb einiger weniger Monate in diesen Öfen, die ein Fassungsvermögen von jeweils nur einem Sarg hatten, verbrannt worden sein. Es können tatsächlich nur wenige Monate gewesen sein, da die Gaskammern nach dem Kasztner-Bericht bereits seit dem Herbst 1943 außer Betrieb waren. Allerdings müssen sie, nachdem sie von der SS wieder instand gesetzt wurden, nochmals in der Zeit vom Mai bis Juli 1944 benutzt worden sein (am 7. Juli 1944 gelangte der letzte Transport ungarischer Juden nach Auschwitz).

Daß es möglich gewesen sein soll, innerhalb dieser relativ kurzen Zeit in diesen Öfen eine so große Anzahl von Leichen zu verbrennen, erscheint mir doch etwas unwahrscheinlich, aber ich halte es nicht für unmöglich, daß eines Tages auch hierfür, wie noch für so vieles andere, eine Erklärung gefunden wird. –

Im „Kasztner-Dokument“ (Dr. Rezsö Kasztner wurde bereits erwähnt) soll nach Professor Rassinier ein Abschnitt über die Gaskammern gefälscht sein. Er bringt in „Was ist Wahrheit“ auf Seite 234 ein Faksimile des Originaltextes:

„... Die dortige Waadah leitete uns die Meldungen ihres Nachrichtendienstes weiter. Demgemäß war die SS im Begriffe, die Gaskammern und Krematorien in Auschwitz, die seit dem Herbst 1943 außer Gebrauch waren, auszubessern und zu renovieren. Man erhöhte die Zahl der Mannschaft, und einer der Unteroffiziere soll sich die Äußerung geleistet haben: ‚Bald essen wir feine ungarische Salami.‘ (Er dachte hier allerdings an die mitgebrachten Lebensmittel der Juden.)“

und der Fälschung:

64


„... Das dortige Komitee leitete uns die Meldungen seines Nachrichtendienstes weiter. Demgemäß war die SS im Begriff, die Gaskammern und Krematorien in Auschwitz auszubessern und zu renovieren. Die Zahl der Mannschaften wurde erhöht und einer der Scharführer soll sich die Äußerung geleistet haben: ‚Bald essen wir feine ungarische Salami.‘ Er dachte hierbei offenkundig an die mitgebrachten Lebensmittel der Juden.“

Durch das Weglassen des Satzteiles: „die seit dem Herbst 1943 außer Gebrauch waren“ bekommt das Ganze einen vollkommen anderen Sinn. –

Beachtenswert ist noch, daß die Russen bereits Mitte oder Ende Januar in Auschwitz waren, während die ersten Meldungen darüber, daß dort Gaskammern gefunden wurden, meines Wissens erst im April oder Mai 1945 durch die Presse gingen. Zufall, oder ...?

Auch die Aussage von zwei SS-Männern, die in Auschwitz bei Desinfektionsmaßnahmen (wobei Zyklon-B verwendet wird) eingesetzt waren, scheint mir erwähnenswert. Sie erklärten im Degesch-Prozeß:

„Wir haben weder von Vergasung etwas gehört noch gesehen.“

Selbstverständlich kann dem entgegengehalten werden, daß in einem solchen Riesenlager wie Auschwitz manches geschehen kann, was nicht jeder zu sehen oder zu hören bekommt, aber wo es sich um Vergasungen von Millionen von Menschen handelt, sollte man doch annehmen, daß sie nicht so ganz geheim geblieben wären. Und sollte man, wenn man der SS mangelnde Kenntnis über manche Lagervorgänge einräumt, diese nicht auch bei den Zeugen voraussetzen? ...

65


IV.

Über die Glaubwürdigkeit von Filmen und Fotos

Als ich mich eines Tages mit einem Bekannten über Geschehnisse in den Konzentrationslagern unterhielt, wurde mir gesagt: „Ja, aber die vielen Filme und Fotos über Greueltaten, das sind doch Beweise genug dafür, daß diese entsetzlichen Dinge tatsächlich geschehen sind.“

Da ich zu diesem Zeitpunkt noch keinen Überblick hatte, was hier echt und unecht sein konnte, sagte ich: „Es ist eigentlich erstaunlich, daß Rassinier in ,Was ist Wahrheit‘ (dies war eines der zwei Bücher, die ich damals über diese Dinge besaß) nichts hierüber erwähnt, wenigstens ist mir nichts aufgefallen, aber vielleicht sind Filme und Fotos nicht in allen Fällen beweiskräftig.“ Diese Bemerkung trug mir damals ein ungläubiges Achselzucken ein.

Heute weiß ich, daß derartige „Dokumente“ – wenn man ihre Entstehung kennt – nicht die geringste Beweiskraft haben.

Ich möchte eine Begegnung vorausschicken, die Professor Dr. Fr. Grimm, der bekannte Völkerrechtler, im Mai 1945 hatte und die er in „Politische Justiz“ auf Seite 146 erwähnt:

„Ich hatte im Mai 1945, wenige Tage nach dem Zusammenbruch, eine denkwürdige Aussprache mit einem bedeutenden Vertreter der Gegenseite. Er stellte sich mir als Universitätsprofessor seines Landes vor, der sich mit mir über die historischen Grundlagen des Krieges unterhalten wollte. Es war ein Gespräch von hohem Niveau, das wir führten. Plötzlich brach er ab, zeigte auf die Flugblätter, die vor mir auf dem Tisch lagen, mit denen wir in den ersten Tagen nach der Kapitulation überschwemmt wurden und die sich hauptsächlich mit den KZ-Greueln beschäftigten. ,Was sagen Sie dazu‘, so fragte er mich. Ich erwiderte: ‚Oradour und Buchenwald? Bei mir rennen Sie da offene Türen ein. Ich bin Rechtsanwalt und verurteile das Unrecht, wo ich ihm begegne, am meisten aber, wenn es auf unserer Seite geschieht. Ich weiß jedoch einen Unterschied zu machen zwischen den Tatsachen und dem politischen Gebrauch, den man davon macht. Ich weiß, was Greuelpropaganda ist. Ich habe nach dem ersten Weltkriege alle Veröffentlichungen Ihrer Fachleute über diese Frage gelesen, die Schriften des Northcliffbüros, das Buch des französischen Finanzministers Klotz ,Vom Krieg zum Frieden‘, in dem er schildert, wie man das Märchen von den abgehackten Kinderhänden erfand, und welchen Nutzen man daraus zog, die Aufklärungsschriften der Zeit-

66


schrift Crapouillot, die die Greuelpropaganda von 1870 mit der von 1914/18 vergleicht, und schließlich das klassische Buch von Ponsonby: ,Die Lüge im Kriege‘. Darin wird offenbart, daß man schon im vorigen Kriege Magazine hatte, in denen man künstliche Leichenberge durch Fotomontage mit Puppen zusammenstellte. Diese Bilder wurden verteilt. Dabei war die Unterschrift freigelassen. Sie wurde später je nach Bedarf durch die Propagandazentrale telefonisch aufgegeben.‘

Damit zog ich eines der Flugblätter heraus, das angeblich Leichenberge aus den Kz’s darstellte, und zeigte es meinem Besucher, der mich verdutzt ansah. Ich fuhr fort: ,Ich kann mir nicht denken, daß in diesem Kriege, in dem alle Waffen so vervollkommnet wurden, diese geistige Giftwaffe, die den ersten Krieg entschied, vernachlässigt worden sein sollte. Mehr noch, ich weiß es! Ich habe in den letzten Monaten vor dem Zusammenbruch täglich die Auslandspresse gelesen. Da wurde von einer Zentralstelle aus über die deutschen Greuel berichtet. Das ging nach einem gewissen Turnus. Da kam ein besetztes Gebiet nach dem anderen dran, heute Frankreich, morgen Norwegen, dann Belgien, Dänemark, Holland, Griechenland, Jugoslawien und die Tschechoslowakei. Zunächst waren es Hunderte von Toten in den Konzentrationslagern, dann, wenn 6 Wochen später dasselbe Land wieder dran war, Tausende, dann Zehn–, dann Hunderttausende. Da dachte ich mir: In die Million kann diese Zahleninflation doch nicht gehen!‘

Nun griff ich zu einem anderen Flugblatt: ‚Hier haben Sie die Million!‘ Da platzte mein Besucher los: ,Ich sehe, ich bin an einen Sachkundigen geraten. Nun will ich auch sagen, wer ich bin. Ich bin kein Universitätsprofessor. Ich bin von der Zentrale, von der Sie gesprochen haben. Seit Monaten betreibe ich das, was Sie richtig geschildert haben: Greuelpropaganda – und damit haben wir den totalen Sieg gewonnen.‘ Ich erwiderte: ,Ich weiß, und nun müssen Sie aufhören!‘ Er entgegnete: ‚Nein, nun fangen wir erst richtig an! Wir werden diese Greuelpropaganda fortsetzen, wir werden sie steigern, bis niemand mehr ein gutes Wort von den Deutschen annehmen wird, bis alles zerstört sein wird, was Sie in anderen Ländern an Sympathien gehabt haben, und bis die Deutschen selbst so durcheinander geraten sein werden, daß sie nicht mehr wissen, was sie tun!‘ Ich schloß das Gespräch: ‚Dann werden Sie eine große Verantwortung auf sich laden!‘“

Ein Augenzeugenbericht aus Buchenwald, geschildert von Dr. R. Reppert aus „Nation Europa“ 8/56 auf Seite 46:

„Nach 1946 wurden Deutschland und die Welt mit grausigen Bildern aus KZ’s überschwemmt. Über eines dieser Bilder kann ich nach Aussagen eines Beteiligten folgendes berichten. Dieser Kamerad war der Polizeipräsident von Weimar, Walter Schmidt. Eines Tages wurde er, wie wir alle, von der CIC vernommen und man legte ihm eine Anzahl Lichtbilder von Leichenhaufen vor, um ihm zu beweisen, wie die ,Nazi‘ im KZ Buchenwald, das

67


nahe bei Weimar liegt, unter den Gefangenen gewütet hätten. Zu ihrer Bestürzung erklärte Schmidt den amerikanischen Vernehmern, er kenne diese Bilder, er hätte sie selbst amtlich aufnehmen lassen. Die Toten seien Mitbürger aus Weimar, darunter allerdings auch einige in Weimar arbeitende KZ-Sträflinge, die bei den Bombenangriffen in Weimar ums Leben gekommen seien. Da die Stadt Weimar im Winter die vielen hundert Toten weder schnell genug einsargen noch beerdigen konnte, wurden sie nach Buchenwald gebracht, um in den daselbst befindlichen Krematorien eingeäschert zu werden. Später hörten wir, daß auch der Erzbischoff von München, Kardinal Faulhaber, eine ähnliche Erklärung abgegeben habe bezüglich vieler Waggonladungen Leichen, die im KZ Dachau von den Amerikanern vorgefunden und als Opfer der Nazi fotografiert wurden. Auch diese Tausende, die bei den Bombenangriffen auf München ums Leben gekommen waren, sollten im Krematorium Dachau verbrannt werden.“

In dem Buch „Automatic Arrest“ von Jon Gheorghe, dem rumänischen Gesandten in Berlin, der nach dem Kriege jahrelang in Haft gehalten wurde, steht auf Seite 205 ein Gespräch mit einem Mithäftling aus Dachau, das auch in anderer Hinsicht nicht uninteressant ist:

„Als alter Insasse des Lagers konnte mir M. eine lehrreiche Beschreibung der Örtlichkeit liefern. Ich fragte ihn, wo sich eigentlich die Einrichtungen befänden, die Gaskammern und Verbrennungsöfen, deren schauderhafter Betrieb die Menschheit mit soviel Abscheu erfüllte.

M. lächelte hintergründig:

,Sie werden nichts dergleichen sehen. Eine Gaskammer hat es in Dachau tatsächlich als Desinfektionsraum und Entlausungseinrichtung gegeben und einen Verbrennungsofen als Krematorium. Im Anfang, gleich nach dem Zusammenbruch 1945, wurden alle diejenigen zwangsweise zu ihrer Besichtigung geführt, die man ins Lager einlieferte. Der Anblick sollte auf die Betreffenden umerzieherisch wirken, ihren Abscheu, Mitleid mit den Opfern und Reue erwecken. Man kam bald davon ab.‘

,Und warum macht man das nicht mehr?‘

‚Weil die Besucher ganz anders reagierten, als man erwartet hatte.‘

‚Verstehe ich nicht!‘

‚Ganz einfach. Für jeden unparteiischen Geist war es offensichtlich, daß die Gaskammer und das Krematorium so klein waren, daß sie die riesige Zahl der angeblich vergasten und verbrannten Opfer niemals erreichen konnten, selbst dann nicht, wenn sie Tag und Nacht ununterbrochen in Betrieb gewesen wären. Man hat von über 200.000 Verbrannten gesprochen. Sie können von dieser Zahl ruhig eine Null abstreichen.‘

‚Finden Sie etwa, das sei nicht genug?‘

M. erregte sich nicht. Nur sein ironisches Lächeln wurde trist:

68


,Sie hätten recht, wenn nicht – wie alle, die damals in der Nazizeit im Lager saßen, ganz genau wissen – in dieser Zahl von 20.000 die Opfer einer Typhusepidemie enthalten wären, die Anfang 1945 im Lager wütete. Außerdem brachte man Tausende von Todesopfern der anglo-amerikanischen Luftangriffe aus München hierher, um sie im hiesigen Krematorium zu verbrennen. Beweise dafür liegen unwiderleglich vor, – und es ist nur zu wünschen, daß die Menschheit dies eines guten Tages erfährt. Auf den photographierten Leichenhaufen von angeblich zu Tode Mißhandelten und Verhungerten, deren Bilder in Millionen Exemplaren über die ganze Welt verbreitet worden sind, um alle Ausschreitungen der Sieger durch Anprangerung von „Nazigreueln“ zu rechtfertigen, haben viele ihre Angehörigen und Freunde erkennen können, die durch den Bombenterror der Alliierten ums Leben gekommen waren und deren Leichen man nach Dachau geschafft hatte, um sie dort nach und nach einzuäschern.‘

,Das mag so sein, und ich habe es auch schon von anderer Seite gehört. Aber niemand kann leugnen, daß zahlreiche Juden und Berufsverbrecher in den Konzentrationslagern, und sicherlich auch in Dachau, umgebracht worden sind.‘

,Das ist unglücklicherweise wahr. Jedoch sind die Zahlen aus Propagandagründen und um große Entschädigungen herauszuschlagen, maßlos übertrieben worden.‘

Tatsächlich habe ich niemals Gelegenheit gehabt, die Schreckenskammer von Dachau mit eigenen Augen zu sehen – genau wie von M. es voraussagte. Seine übrigen Ausführungen habe ich späterhin von unparteiischen Seiten noch häufig bestätigt gefunden, wenn auch die offizielle Lesart an den aufgebauschten Zahlen aus politischen Gründen bis zum heutigen Tage festhält.“

Reitlinger bringt in „Die Endlösung“ auf Seite 534 aus dem von N. Masur „Ein Jude spricht mit Himmler“ eine Erklärung Himmlers:

„Es war meine Absicht, die Lager unverteidigt zu übergeben, wie ich es versprochen hatte. Ich hatte Bergen-Belsen und Buchenwald übergeben lassen, aber keinen Dank dafür geerntet. In Bergen-Belsen hat man einen Wachtposten gefesselt und ihn zusammen mit einigen gerade gestorbenen Gefangenen fotografiert. Und diese Bilder wurden dann in der ganzen Welt veröffentlicht. Auch Buchenwald ließ ich unverteidigt übergeben. Von den heranrückenden amerikanischen Panzerwagen wurde jedoch plötzlich geschossen, das Krankenhaus fing Feuer, und die verkohlten Leichen wurden fotografiert. ... Aber die Veröffentlichungen über die Konzentrationslager als Hetze gegen uns ermutigt mich nicht, meine Politik der Übergabe der Lager ohne Verteidigung fortzusetzen. Deshalb habe ich vor einigen Tagen ein Lager in Sachsen, als die amerikanischen Panzerspitzen sich näherten, ausräumen lassen. Warum sollte ich anders?“

69


Weiter unten steht bei Reitlinger ein Satz, den ich mir noch nicht recht erklären kann, der auch in keinem Zusammenhang mit Filmen und Fotos steht, den ich aber trotzdem erwähnen möchte:

„Das Groteske der Situation erkennt man erst voll, wenn man sich vergegenwärtigt, daß Himmler sich damals von einem Abendessen, das am Vorabend von Hitlers Geburtstag im Bunker der Reichskanzlei gegeben wurde, wegstehlen mußte, um auf ein Landgut zu fahren, das (dem ihn behandelnden) Medizinalrat Kersten gehörte – um dort mit einem Juden zusammenzukommen, der den jüdischen Weltkongreß vertrat!“

Wie zu vermuten ist, meint Reitlinger hiermit Dr. Masur. Demnach hätte Himmler also ein Doppelspiel gespielt, er hätte also anscheinend Aktionen zur Rettung der Juden befohlen, wie J. G. Burg in „Schuld und Schicksal“ schreibt (Seite 137):

„... Noch einmal versuchten die Budapester Juden, Verhandlungen mit dem Weltjudentum in Lissabon und dann in der Schweiz zu führen. Beide Versuche scheiterten. Das Chaos brach herein.

Es wurde bekannt, daß mit der Verschlechterung der allgemeinen Lage an der Ostfront die ungarische Szálasi-Regierung eine Totalvernichtung der Budapester Juden plante. Besonders Innenminister Kovarcz bestand auf der Liquidierung sämtlicher Juden im Getto. Obwohl sich Ferenz Szálasi dagegen aussprach, war die Stimmung gegen die Juden tödlich. Die Waad erkannte, daß die einzige Rettung für die Budapester Juden nur noch bei den Deutschen liegen könnte.

Um jüdischerseits eine Geste des guten Willens zu machen, trachtete die Waad, irgendwelche Lastkraftwagen aufzutreiben. Der Industrielle Alois Steger aus Preßburg, der schon oft den Budapester Juden geholfen hatte, sprang ein und trieb 30 Lastwagen auf. Nun appellierten die Juden an die SS, die ihrerseits schon längst wußte, daß die Pfeilkreuzler die Abschlachtung der Juden beschlossen hatten.

Verzweifelt führte Andreas Biß als Vertreter der Waad die Verhandlungen mit den einzelnen SS-Führern. Schließlich zeitigten diese Bemühungen den Erfolg: Der General der Polizei, Winkelmann, der in Budapest als höherer SS- und Polizeiführer saß, wandte sich an Himmler persönlich und befahl dann den ungarischen Innenminister zu sich. Er teilte Kovarcz mit, daß die 84.000 Juden des Budapester Gettos unter deutschem Schutz stünden, und verbot im ‚Reichsinteresse‘ ausdrücklich die Vernichtung des Gettos.

Die ungarischen Pfeilkreuzler wagten nun nicht, sich gegen den strikten Befehl der höchsten deutschen Autoritäten zu stellen, und ließen ihre Hand vom Budapester Getto.

70


Diese 84.000 Budapester Juden wurden durch die ausdauernden und tapferen Bemühungen ihrer örtlichen Waad-Funktionäre und – durch die deutsche SS gerettet.

Sie blieben am Leben.“

Andererseits hat Himmler Befehle zur Judenvernichtung gegeben, wie Höß aussagt, allerdings ist diese Aussage so vage, daß sie wohl nicht ernst genommen werden kann, wenn er behauptet, er hätte Millionen Juden auf Befehl getötet, gleichzeitig hätte der RFSS (Himmler) – „mehr Häftlinge für die Rüstung“ verlangt.

Daß hier irgendetwas nicht zu stimmen scheint, geht schon daraus hervor, daß nach einer Version über Himmlers Ende – es gibt deren mehrere, aber diese scheint mir die größere Wahrscheinlichkeit für sich zu haben –, er sich selbst beim Kommandanten eines britischen Kriegsgefangenenlagers melden ließ und daß er noch Stunden nach der Gefangennahme und nach den ersten Gesprächen mit britischen Offizieren gelebt hat.

Ob er doch kein so schlechtes Gewissen in bezug auf die Judenvernichtung gehabt hatte?

Ob doch vielleicht manches ganz anders war, als wir heute wissen? –

Ich weiß es nicht – noch nicht ! –

Nun zu den Filmen.

In „Nation Europa“ 10/61, S. 40, ist ein Foto von Hitler abgebildet, das wir, die wir die damalige Zeit miterlebt hatten, von der Wochenschau kannten.

Ich zitiere den Text zu dem Bild:

„Es gibt eine ‚zeitgeschichtliche‘ Aufnahme, die Hitler zeigt, wie er bei der Nachricht von der Kapitulation Frankreichs vor allen Generälen einen verrückten Tanz aufführt. Diese abstoßende Szene ist auch in dem Film ,The Victors‘ übernommen worden und hat – so wie die Regie es wollte – Millionen von Menschen mit Widerwillen gegen den plumpen Triumphator erfüllt. Aber der Streifen lügt. Hitler hat natürlich niemals einen solchen Freudentanz vollzogen, sondern bei der Siegesnachricht nur kurz den Fuß aufgestoßen. Ein geschickter Propagandist schnitt die impulse Bewegung aus und wiederholte sie so oft, daß der Eindruck eines grotesken Veitstanzes entstehen mußte. Dieser einfache Trick war so wirkungsvoll, daß man später vermittels dieses Verfahrens immer wieder ‚deutsche Bestien‘ scharenweise Siegestänze über ihren gefallenen Opfern vollziehen ließ – durch vielfache Wiederholung einer einzelnen aus einem Film herausgeschnittenen Bewegung.“

71


In einem „Brief aus Washington“ steht in „Nation Europa“, Heft 1/61, auf Seite 45:

„... Und wie raffiniert man in punkto Deutschenhetze im Fernsehen ist! Wir stellen kaum einmal den Apparat an, hören aber immerhin die Nachrichten und Wetterbericht. Zwischendurch erscheint dann für 5 Minuten die Sendung ‚Almanach‘. Sie zeigt in Bildern, was sich vor Jahren ereignet hat – und natürlich meist, was die Deutschen gerade wieder angestellt haben. Übrigens habe ich den Verdacht, daß man mit den Filmen ‚doktert‘. Neulich sah man z. B., wie Hitler die Krupp-Werke besuchte. Er schüttelte Krupp die Hand, und dieses Händeschütteln wurde wiederholt und wiederholt, bis es geradezu lächerlich wirkte.

In einer anderen Sendung – 20th Century Fox, auch ganz üble Hetzsendung – konnte man wiederum den ganz unentbehrlichen Hitler sehen, wie er hüftenschwingend hinter Mädchen im Badeanzug herrannte.

Der deutsche Leser kann sich nicht vorstellen, wie primitiv das alles ist.“

Generaloberst a. D. Rendulic schildert in „Glasenbach, Nürnberg, Landsberg“ ein eigenes Erlebnis über die Filmvorführung im Frühsommer 1946:

„Es sollte uns ein Film über Dachau vorgeführt werden, den wir uns anzusehen hatten. An einer Barackenwand wurde eine große weiße Leinwand befestigt, und dann begann die Vorführung. Wir hatten von den verabscheuungswürdigen Vorkommnissen in diesem Konzentrationslager nach dem Krieg in den Lagern und besonders in Glasenbach viel gehört. Die im Film vorgeführten, völlig ausgemergelten Gestalten erweckten stärkstes Mitgefühl und größten Abscheu vor den widerlichen Mißhandlungen. Bald konnte aber bemerkt werden, daß dieser Film mit wenig Geschick, aber um so deutlicherer Absicht gestellt war. Dies wurde vollends klar, als zu einem Haufen geschichtete Tote auf der Leinwand erschienen, unter denen sich auch ein Mann in SS-Uniform befand. Dieser wurde von den anwesenden SS-Männern sogleich als ein Unteroffizier der Bewachungsmannschaft erkannt, der offenbar nach der Besetzung des Lagers erschlagen oder erschossen worden war. Die beabsichtigte Wirkung des Films ging besonders hierdurch stark verloren.“

Anschließend ein Leserbrief aus der „Deutschen National-Zeitung“ 27/65, Seite 10:

„Wie in jedem Kino der amerikanischen Besatzungszone, so wurde auch im Lagerkino des Internierungslagers Regensburg der vorgebliche Dokumentarfilm ,Die Todesmühlen‘ gezeigt; er sollte das deutsche Volk über die grauenvollen Vorkommnisse in den Konzentrationslagern unterrichten. Ich erinnere mich besonders an einen, angeblich von den Besatzungstruppen in

72


der Lagerleitung des KZ Dachau vorgefundenen Bildstreifen. Man sah darauf, wie in einem Hof, der von Gebäuden und einer hohen Mauer eingeschlossen war, angebliche KZ-Häftlinge mit Maschinengewehrgarben bestrichen wurden und verzweifelt nach Deckung suchten. In dem Hof befanden sich verschiedene leere Pferdewagen; einer der Ärmsten kam gerade noch hinter ein Wagenrad; aber zwischen die Speichen durch trafen ihn die Geschosse und er brach zusammen. In dem Augenblick, als ich das im Film mit ansah, schrie ein neben mir sitzender Kamerad auf, sank, wie selbst getroffen, in sich zusammen und starrte während der übrigen Filmvorführung nur noch vor sich hin. – Nachher fragte ich ihn und erfuhr folgendes: Diese von MG-Garben niedergemähten Menschen waren gar keine KZ-Insassen; was sie trugen, war die Lazarettkleidung des SS-Lazaretts; der Ort des Massakers war der Kohlenhof – daher die Fahrzeuge –; der Mann, der hinter dem Wagenrad zusammensank, war ein Kamerad von ihm aus der Waffen-SS. Ein anderer Kamerad bestätigte seine Angaben betreffs Lazarettkleidung und Örtlichkeit.

Es handelt sich also um ebendieses Verbrechen, das Sie auf Seite 8 Ihrer Zeitung v. 28. 5. 65 anführen. Sie berichten, daß ein später hinzukommender amerikanischer Offizier das Massaker abgestellt habe.

Nun erhebt sich nur noch die Frage: Wer war so schamlos, diesen amerikanischen Massenmord zu einem SS-Verbrechen umzufälschen und ihn so den ahnungslosen Deutschen in einem ‚Dokumentarfilm‘ vorzuführen?“

In der oben erwähnten Ausgabe hatte auf Seite 8 folgendes gestanden:

„Nicht einmal vor Lazaretten und deren Insassen machten die Mordbuben halt. Einer der grauenhaftesten Vorfälle dieser Art spielte sich im Lazarettgelände von Dachau ab. In diesem Lazarett befanden sich nun keineswegs Männer, die mit dem Dachauer KZ etwas zu tun gehabt hätten. Vielmehr handelte es sich dabei um ein reines Heimatlazarett mit verwundeten Frontsoldaten. Amerikanische Soldaten plünderten die Insassen aus und trieben sie auf den Hof. Angesichts filmender amerikanischer Kriegsberichter schossen amerikanische Soldaten blindlings in die Verwundeten, ehe ein später hinzukommender amerikanischer Offizier das Massaker abstellen konnte.“

Ein Bekannter, der bei der Luftwaffe war, erzählte mir in diesem Zusammenhang, daß er in Holstein in englischer Gefangenschaft war. Eines Tages sei ein Teil von ihnen zusammengerufen worden, sie hätten, wie er sich ausdrückte, ,alte Klamotten‘ anziehen müssen und dann seien sie von einem Kamerateam gefilmt worden. Was mit dem Film geschehen sei, konnte er nicht sagen. Auch hier liegt der Gedanke nahe, daß etwas vor sich ging, was mit der Wirklichkeit nichts zu tun hatte.

Über Aufnahmen im Fall „Neustadt“ wird noch zu sprechen sein.

73


Nun zum Schluß noch eine Begebenheit, die vielleicht am überzeugendsten zeigt, wie mit Filmen etwas vorgetäuscht werden kann, was mit der Wirklichkeit nicht das geringste zu tun hat. „Goldzähne in den Kellern der Reichsbank“, aus „Nation Europa“ 10/60, S. L. 6:

„Erschütternder Anklagefilm gegen Funk – ‚Bankgeschäfte‘ der SS.

Die Anklage gegen den ehemaligen Präsidenten der Deutschen Reichsbank und Wirtschaftsminister der Nazi, Walter Funk, wird sich auf einen Film stützen, der von den Alliierten in den Kellergewölben der Reichsbank aufgenommen wurde. Der Bildstreifen zeigt unter anderem Goldgegenstände, die hier als ‚Goldreserven‘ der Regierung Hitler verwahrt wurden, auch Goldzähne, die von den Opfern der Konzentrationslager stammen. Funk bestreitet, von der Sendung dieser Zähne durch die SS an die Reichsbank etwas gewußt zu haben.“

Soweit die „Weltpresse“, 2. Jahrg., Nr. 106; 7. 5. 46. Die „Neue Front“, Wien, Juli 1953 (7 Jahre später) berichtet:

„In seinem auf authentischem Tatsachenmaterial fußenden Bericht über den Nürnberger Prozeß, den eben eine deutsche Illustrierte bringt, berichtet Hans Fritsche, daß man (Funk), den alten und kranken Mann, in einen Doppel-Nelson nahm, an dem alles dran war.

‚Wurden Goldzähne in Ihrer Reichsbank deponiert?‘ fragte ihn milde Richter Dodd.

‚Nein!‘

‚Dann will ich Ihnen einen Film zeigen!‘

Das Licht im Saal erlosch, der Apparat schnurrte. USA-Soldaten dringen in den Tresorraum der Reichsbank-Hauptstelle Frankfurt am Main ein. Sie lassen sich die tonnenschweren Panzertüren öffnen. Pralle Säcke mit dem Aufdruck „Deutsche Reichsbank“ kollern auf den Boden. Sie werden auf große Tische gewuchtet. Da quillt es heraus: Ringe, Ohrgehänge, Münzen, goldene Zähne. – Funk ist fassungslos und nahe dem Zusammenbruch. So ist also seine Zusammenarbeit mit der SS und den KZ’s erwiesen. Verzweifelt wimmert er: ,Ich wußte von nichts!‘

Fritsche schreibt: ,Wir glaubten ihm aufs Wort!‘

Ein Jahr später, schreibt Fritsche in seinen Erinnerungen, sitzt ein Mitarbeiter Funks, der Reichsbankdirektor Puhl, im Wilhelmstraßenprozeß auf der Anklagebank. Puhl holt Zeugen herbei, die beschwören, daß im Augenblick der Besetzung durch die amerikanischen Truppen die Tresors der Frankfurter Bank leer standen. Leer habe er sie übergeben. Man fragt Puhl, ob er denn nichts von dem Film wisse, der nach Richter Dodds als amtlich geltender Mitteilung ,bei Besetzung der Stadt Frankfurt als beweiskräftiges Dokument aufgenommen wurde‘.

74


,O ja‘, sagte Puhl, ,ich war ja beim Filmen selbst dabei. Das war nämlich so: Einige Tage nach der Besetzung Frankfurts fuhren amerikanische Lastwagen bei der dortigen Reichsbank vor. Man verlangte Säcke. In diese füllten die Amerikaner Schmuck, Goldzähne und andere Gegenstände, welche die Lkw’s mitgebracht hatten. Dann schaffte man die prall gefüllten Säcke in die leeren Tresors, verschloß sie wieder, holte die Kameramänner, ließ die Panzertüren öffnen und begann mit den Aufnahmen des Films!‘ – jenes Films, der Funk das Genick brechen sollte.“

Gewiß, es erhebt sich die Frage: Stimmt denn dies auch alles, was da von Fälschungen erzählt wird? Vielleicht haben sich diese Leute das nur aus den Fingern gesogen – zumindest teilweise –, vielleicht haben sie es nur erzählt, um sich interessant zu machen. Aber davon bin ich nicht so ganz überzeugt, dafür gibt es zu viele gleichlautende Berichte, die sich, im Gegensatz zu manchen KZ-Zeugen, gegenseitig nicht widersprechen.

Aber ich überlasse es auch hier dem Leser, sich selbst ein Bild zu machen! –

Manchmal habe ich sogar den Eindruck, daß es noch viel zu wenig Zeugen für Fälschungen und auch Greuel gibt, die an Deutschen begangen wurden, ganz einfach aus dem Grunde, weil – ganz besonders bei der Austreibung aus dem Osten – viel zu sehr „ganze Arbeit“ geleistet wurde und zu wenige „Zeugen“ vorhanden sind, die Greuel an den Deutschen bestätigen können. –

75


V.

Der Kronzeuge für die Gaskammern: Gerstein
sowie weitere Zeugen

Ich möchte nun den Hauptzeugen, den „Kronzeugen“ für die Gaskammern ein wenig unter die Lupe nehmen. Das, was Prof. Rassinier in „Was ist Wahrheit“ (S. 226) hierzu zu sagen hat, erscheint mir so wesentlich, daß ich den betreffenden Abschnitt ungekürzt zitiere:

ZUM „DOKUMENT GERSTEIN“

„Aus dem dritten Vernichtungslager, von dem hier die Rede war (während der Sitzung des Eichmann-Prozesses vom 6. Juni), und zwar aus Belzec, zwischen Lublin und Lemberg gelegen, hat nur ein Mensch das Ende des Krieges erlebtund auch dieser ist seitdem gestorben. Der Ankläger stützt sich auf eine Reihe von Aussagen, die von Kurt Gerstein, Leutnant (Anmerkung Rassiniers: Der Journalist irrt sich hier im Dienstgrad) des Sanitätsdienstes der Waffen-SS vor alliierten Offizieren gemacht wurden. Gerstein erhängte sich dann in einem Militärgefängnis in Paris. Er war von Eichmann beauftragt worden, schneller wirkende Gifte zu untersuchen.“ (,Le Figaro‘ vom 7. Juni 1961).

„In den allerersten Tagen des Monats Mai 1945 (meines Wissens wurde das genaue Datum nie bekanntgegeben) besetzten französische Truppen die Ortschaft Rottweil (Württemberg) und nahmen dabei einen gewissen Kurt Gerstein gefangen: er trug die SS-Uniform mit dem Totenkopf und auf der Uniform die Rangabzeichen eines Obersturmführers. Das war sicher der Grund – obwohl wir nicht so kühn sein möchten, das zu behaupten –, warum man ihn nicht wie die Masse der anderen Offiziere behandelte, sondern ihn nach Paris transportierte, wo er im ‚Cherche Midi‘-Gefängnis eingesperrt wurde. Eines Morgens im Juli 1945 wurde er dann tot in seiner Zelle gefunden: er hatte während der Nacht Selbstmord verübt. An welchem Morgen wurde er gefunden? Auch das wurde nie mitgeteilt (soviel ich weiß) und ebensowenig, wie er sich umgebracht hatte. Übrigens scheint damals kein Mensch irgendwo die Tatsache bekanntgegeben zu haben, daß dieser Gefangene gestorben war.

Erst am 30. Januar 1946 waren einige bedeutende Persönlichkeiten indiskret genug, den Mund aufzutun. Der erste und bekannteste war Herr Dubost, französischer Ankläger beim Nürnberger Gericht: in den Akten der amerikanischen Abordnung hatte er eine Anzahl Rechnungen gefunden über von der Degesch-Gesellschaft, Frankfurt am Main, an die Konzentrationslager

76


Noch Zitat:

Auschwitz und Oranienburg geliefertes Zyklon B; diese Rechnungen waren als Anlage einem Bericht in französischer Sprache beigefügt, der von Kurt Gerstein unterschrieben und ‚Rottweil, den 4. Mai 1945‘ datiert war. Die Franzosen, die den Mann fanden, hatten also offenbar mit ihrem sechsten Sinn festgestellt, daß es sich um einen sehr wichtigen Mann handelte; Beweise dafür hatten sie nicht gefunden; im Gegensatz zu einem damals weit verbreiteten Brauch trug der Mann sie nicht bei sich. Es ist nie bekannt geworden, wie die Amerikaner die Unterlagen aufgespürt haben, und jetzt wird es wohl niemals mehr herauskommen. Die Amerikaner übrigens waren sich der Bedeutung dieser Dokumente gar nicht bewußt geworden und sie hatten auch nicht daran gedacht, sie dem Gericht als Belastungsmaterial vorzulegen.

Aber glücklicherweise war Herr Dubost zur Stelle: am 30. Januar 1946 zog er die Unterlagen aus seiner Tasche hervor und legte sie dem Gericht vor; sie erhielten das Aktenzeichen PS 1553 – R. F. 350. Sehen wir, was dann geschah ...

*

Aber zuerst: wer war Kurt Gerstein?

Auf diese erste Frage enthalten die 42 Protokollbände des Nürnberger Prozesses keine Antwort: aus Gründen, die der Leser bald verstehen wird, wollte das Gericht weder von Kurt Gerstein noch von dessen Bericht etwas hören: von dem ganzen Stoß Unterlagen, den Herr Dubost vorlegte, erkannte das Gericht nur zwei Rechnungen vom 30. April 1944 an, aus denen hervorging, daß nach Auschwitz und Oranienburg je 555 Kilogramm Zyklon B geliefert worden sei. Das hinderte die Zeitungen der Welt keineswegs daran, den vom Gericht abgelehnten Bericht des Kurt Gerstein am Tage nach der Ablehnung, am 31. Januar 1946, ihren Lesern vorzulegen. Natürlich jedes Blatt nach seiner Art, ohne mit der Wimper zu zucken, und natürlich in einer solchen Form, daß keinem Menschen Zweifel an der Echtheit des Dokumentes kommen konnten – auch so, daß niemand daran zweifeln konnte, es sei vom Gericht akzeptiert worden und würde als Belastungsmaterial Verwendung finden.

Seit dieser ‚Presseoffensive‘, also seit über fünfzehn Jahren – wird dieses Dokument von jenen eminenten Historikern, die jetzt den Eichmann-Prozeß gewinnbringend verarbeiten, ausgebeutet – jeder verdient eben sein Brot, wie er es am besten kann. – Ich meine vor allem jene großen Geschichtsforscher, die aus der Höheren Lehrerbildungsanstalt der Rue de la Libération (Gründer Pater Loriquet) hervorgegangen sind: M. Poliakov (,Le Bréviaire de la Haine‘ – ,Das Brevier des Hasses‘ heißt sein Buch; welch ansprechender Titel) und einige anderen, wie die Deutschen (die sicher die richtige politische Farbe haben!) H. Krausnick (‚Dokumentation über die Vergasungen‘), J. H. Heydecker und J. Leeb (,Der Nürnberger Prozeß‘), Gerhardt Schoenberner

77


Noch Zitat:

(,Der gelbe Stern‘) usw., usw. ... Man möge es mir nicht übelnehmen, aber ich habe nur die aufgeführten Bücher gelesen – man kann nicht alle Bücher lesen und sicher nicht alle Bücher dieser Art!

Und wenn die Presse sich so etwa ein Jahr lang mit dem Eichmann-Prozeß beschäftigt hat, dann treten alle großen Historiker jener Schule wieder mit einem Werk ins Rampenlicht der Publizistik, wie der Bodensatz in den Weinfässern auch erst nach einiger Zeit ans Licht tritt. Das gelingt jetzt nicht mehr so leicht, denn wir schreiben nicht mehr 1946, und die öffentliche Meinung ist erfreulicherweise etwas anspruchsvoller geworden ...

Also aus den Veröffentlichungen dieser brillanten Historiker kann man entnehmen, daß Kurt Gerstein chemische Technologie studiert hatte. 1938 hatte er Unannehmlichkeiten mit der Gestapo und wurde im KZ Welzheim interniert. Es ist nicht bekannt, wie es ihm gelang, wieder herauszukommen. Wie dem auch sei, 1941 finden wir ihn bei der SS (er hat sich dazu gemeldet, wie er erklärt, um das Vernichtungswerk von innen her zu sabotieren), und 1942 bei der Waffen-SS als Obersturmführer im Hauptamt der Sanitätsdienste bei der Abteilung Entwesung und Entseuchung. Hier war es seine Aufgabe, die Zyklon-B-Anforderungen zu bearbeiten. Dieses Produkt wurde von der Reichswehr schon seit 1924 als Desinfektionsmittel verwendet – und dann auch von der Wehrmacht, beide hatten eben noch nicht den Vorzug, das amerikanische Mittel DDT zu kennen.

Diese Anforderungen schickte er dann, zusammen mit den entsprechenden Aufträgen, an die Degesch-Gesellschaft, Frankfurt am Main, oder an deren Tochterunternehmen, die ‚Testa‘ in Hamburg. Und natürlich erhielt er dann auch die Rechnungen.

Die Tatsachen die er erzählt – oder um es genauer zu sagen, die Tatsachen, die der ihm zugeschriebene Bericht erzählt (Anmerkung Rassiniers: Diese Erzählung wurde von Herrn Dubost unter den oben beschriebenen Umständen und erst nach dem Tode des Gerstein gefunden. Und noch verwirrender ist die Tatsache, daß die Geschichte von einem Deutschen in Rottweil (Deutschland) in französischer Sprache niedergeschrieben sein soll. Wenn er sie im Pariser Gefängnis Cherche-Midi französisch geschrieben hätte, so hätte man dafür zur Not noch eine Erklärung finden können. Aber in Deutschland! Er muß wirklich ein großer Franzosenfreund gewesen sein, jener totenkopfgeschmückte SS-Obersturmführer.) – sind vom Jahre 1942 datiert.

Kurz: am 8. Juni 1942 erhielt er in seinem Büro den Besuch des SS-Sturmführers Günther, der erklärte, dringend 100 Kilogramm Zyklon B zu benötigen, die er an einen Ort transportieren müßte, den nur der Chauffeur des Lastwagens erfahren dürfte.

Einige Wochen später erscheint Günther mit dem betreffenden LKW-Fahrer; die 100 Kilogramm Zyklon B und Gerstein werden eingeladen und man

78


Noch Zitat:

fährt los. Zuerst nach Prag, von dort nach Lublin, wo man am 17. August eintrifft. Am gleichen Tage begegnen sie Gruppenführer Globocnik, der die Juden des Warthegaues vernichten soll und dazu noch kein geeigneteres Mittel gefunden hatte, also die Auspuffgase von Dieselmotoren. Diese Gase leitete er dann in eigens zu diesem Zweck eingerichtete Kammern.

Der Gruppenführer, der ein vernünftiger Mann ist, beginnt natürlich damit, daß er alles erzählt. In seinem Gebiet gäbe es drei Anlagen, in denen Juden durch Dieselauspuffgase vernichtet würden: zunächst Belzec (zwischen Lublin und Lemberg) mit einer Tageskapazität von 15.000 Menschen; Sobidor (er weiß nicht genau, wo der Ort liegt) mit einer Tageskapazität von 20.000 Personen; und schließlich Treblinka (120 Kilometer nordöstlich von Warschau) ohne Angabe der Kapazität laut Herrn Poliakov, aber die Herren Heydecker und Leeb teilen mit, daß es 20.000 Menschen am Tage wären. (Dieses kuriose Dokument sagt nämlich dem einen Leser etwas anderes als dem anderen!) Eine vierte Anlage, Maidanek, sei geplant, es werden von keinem der Berichter irgendwelche Angaben über ihre Lage oder ihre voraussichtliche Kapazität gemacht.

Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, daß in der deutschen Ausgabe des Buches „Der gelbe Stern“ von Herrn Gerhardt Schoenberner der oben besprochene Teil des Dokuments gar nicht enthalten ist; sicher handelt es sich um eine neue historische Methode. Immerhin erwähnt Herr Gerhardt Schoenberner die Namen der vier obengenannten Orte, um Gerstein dann erklären zu lassen, daß die Tageskapazität aller Anlagen zusammen 9000 Personen wäre (!).

Aus dem ‚Brevier des Hasses‘ (‚Bréviaire de la Haine‘) des Herrn Poliakov sowie aus der ‚Dokumentation über die Vergasungen‘ (‚Documentation sur l’extermination par les gaz‘) von Herrn Krausnick kann man weiter noch entnehmen, daß Hitler mit Himmler zwei Tage vorher, am 15. August 1942, in Lublin gewesen sei und daß beide ‚ihm befohlen hätten, die ganze Aktion zu beschleunigen‘. Aber dieser Teil des Dokuments fehlt wieder in Schoenberners ‚gelbem Stern‘ wie auch in Heydeckers und Leebs ‚Nürnberger Prozeß‘. Schließlich, wie allerdings nur die beiden letztgenannten Autoren zu berichten wissen – informiert Globocnik Kurt Gerstein über seine Aufgabe: er soll dafür sorgen, daß die Gaskammern besser funktionieren, hauptsächlich durch den Einsatz eines giftigeren Gases und durch eine Vereinfachung der Anwendungsmethoden.

Nachdem er nun also mitgeteilt hat, was ihm erzählt wurde, erzählt Gerstein, was er gesehen hat.

Beim Eintreffen in Belzec am 18. August 1942 hat Herr Kurt Gerstein zuerst ein Lager besichtigt unter Führung eines Mannes, den Globocnik ihm dazu zur Verfügung stellt. Herr Poliakov hat den Namen dieses Mannes nicht lesen können. Aber mit etwas Mühe glaubte er dann doch ‚Wirth‘ entzif-

79


Noch Zitat:

fern zu können. Herr Schoenberner hatte mehr Glück als Poliakov und konnte deutlich ,SS-Hauptsturmführer Obermeyer aus Pirmasens‘ lesen – sein Pech ist nur, daß, wenn er von einem SS-Führer Wirth spricht, der nicht identisch ist mit dem des Herrn Poliakov, der ihn als ‚Hauptmann‘ bezeichnet, einen Dienstgrad, den es bei der SS nie gegeben hat.

Wie dem auch sei, während des Besuches hat er Gaskammern gesehen, die mit Dieselauspuffgasen betrieben wurden, und hat sie gemessen: 5 x 5 = 25 Quadratmeter Fläche bei einer Höhe von 1,90 m = 45 Kubikmeter, kalkuliert er; die 2,5 Kubikmeter, um die er sich verrechnet, kann man ihm nachsehen. Die Herren Krausnick, Heydecker, Leeb und Schoenberner haben übrigens auch nichts dazu gesagt. Aber Herr Poliakov, dem der Anschein der Wahrheit am Herzen lag, hat das Dokument berichtigt und hat die Fläche auf 93 Quadratmeter geschätzt (nach der französischen Ausgabe seines Buches ,Le Bréviaire de la Haine‘, S. 223 der 2. Auflage – ich habe die erste Auflage nicht gelesen). Herr Poliakov gibt weiter keine Einzelheiten – das ist auch vorsichtiger!

Poliakov hatte recht, daß er dieses Dokument berichtigte! Anschließend erzählt Kurt Gerstein nämlich, daß er am nächsten Tag, am 19. August, die Gaskammern – vier! sagen die einen, zehn! protestieren die anderen – in Betrieb gesehen habe: In den frühen Morgenstunden trifft ein Zug mit 6700 Juden in Belzec ein (6000 hat Herr Poliakov gelesen), Männern, Frauen und Kindern, etwa 45 Waggons (also zwischen 148 und 150 Menschen per Waggon, und wer die polnischen Güterwagen kennt, wird zugeben, daß es das richtige Maß ist). Der Zug kommt aus Lemberg, das Lager Belzec liegt am Bahnhof ... Zweihundert Ukrainer, Lederpeitschen in der Hand, stürzen sich auf die Wagenschläge, reißen sie herunter (!) und lassen alle aussteigen, was andere Ukrainer, mit geladenem Karabiner in der Hand, überwachen ... Der ,SS-Hauptmann‘ Wirth leitet die Angelegenheit, unterstützt von einigen SS-Männern ...

Die Angekommenen müssen sich ganz ausziehen, ihre Wertsachen abgeben, sich die Haare schneiden lassen und werden dann zu den Gaskammern geführt.

Die Kammern füllen sich. Mehr zusammendrängen! hat ‚Hauptmann‘ Wirth befohlen. Die Leute stehen auf den Zehenspitzen: 700–800 auf 25 Quadratmeter Raum. Die SS stopft soviel hinein, wie sie nur kann. Die Türen schließen sich – so berichtet Herr Schoenberner in seinem Buch ,Der gelbe Stern‘, aber die anderen sagen praktisch dasselbe, wenn sie auch einen anderen Stil anwenden. Nur Poliakov bleibt bei seiner Fläche von 93 Quadratmetern.

In einer Hinsicht allerdings sind alle sich einig: über die Dauer, die Gerstein mit der Stoppuhr gemessen hat: erst hätten die 700–800 in den Gaskammern zusammengepferchten Menschen zwei Stunden und 49 Minuten warten müssen, bis es dem Dieselmotor beliebte, anzulaufen, dann dauerte

80


Noch Zitat:

es noch 32 Minuten, bis alle tot waren. Ich wiederhole, mit der Stoppuhr gemessen ...

Und am 30. Januar 1946 verlangte Herr Dubost vom Internationalen Gerichtshof, daß er diese grausig-phantastische Geschichte als wahr anerkannte. Herr Dubost war nicht der erste beste: er war Ankläger und zweifelsohne ein bekannter Ankläger, denn er wurde aus seinen Konfratern ausgewählt, um Frankreich in Nürnberg zu vertreten.

Der Gerichtshof hat ihm den Gefallen nicht getan – wir wollen dem Kaiser geben, was des Kaisers ist ... wobei wir allerdings hervorheben wollen, daß es sich hier wirklich um einen recht starken Tabak gehandelt haben muß, denn derselbe Gerichtshof hat aus anderen Anlässen und anscheinend ohne mit der Wimper zu zucken noch ganz andere Brocken dieser Art geschluckt.

Wobei natürlich, wie gesagt, die Tatsachen der Ablehnung seitens des Gerichts die Presse nicht davon hat abhalten können, Kurt Gersteins Geschichte voller Wunder schon am 31. Januar 1946 als einen unwiderlegbaren Tatsachenbericht zu servieren.

Noch in unseren Tagen – fünfzehn Jahre später! – gibt es Männer, die sich selbst Historiker nennen und die es wagen, diese Angelegenheit in ihren Büchern als echt und unumstritten anzuführen, ohne dabei die Gunst der Weltpresse einzubüßen. Und die Geschichte ist auch noch beim Eichmann-Prozeß erwähnt worden. Natürlich sollte man sich über nichts mehr wundern. Bei diesem Eichmann-Prozeß haben die Richter Aussagen als wahr angenommen von Leuten, die behaupten, sie hätten in Bergen-Belsen Gaskammern in Betrieb gesehen – mit ihren eigenen Augen gesehen! – und dabei hat sogar ein solches Monument des Antinationalsozialismus wie das Institut für Zeitgeschichte in München, zugegeben ... daß es dort nie Gaskammern gegeben hat. Als ob es noch nicht genug wirkliches Belastungsmaterial gegen den Nazismus gäbe.

Und jeden Tag wundert sich die große Presse erneut mit tremolierenden Federn über die Wiedergeburt des Nationalsozialismus, des Rassismus und des Judenhasses – wobei überhaupt kein Unterschied gemacht wird. Was mich wundert ist, daß die Urkundenverdrehungen der Poliakov und Kompanie bisher den antijüdischen Rassismus und die Judenfeindschaft nicht noch mehr angefacht haben. Denn sie haben wirklich nichts unterlassen, um dazu beizutragen. (Anmerkung Rassiniers: Man muß wirklich genau sagen, was man meint, wenn man von Rassismus und Antisemitismus spricht, denn es gibt leider auch Antigoyim, Antiaraber, Negerfeinde und Weißenfeinde. Das übersehen die federführenden Einfaltspinsel, wenn sie von diesen Fragen sprechen. Oder sie tun wenigstens so, als ob sie es übersähen.)“

Und auch das, was Professor Rassinier in „Das Drama der Juden Europas“ über ein Erlebnis berichtet, das er einige Jahre nach dem Er-

81


scheinen seines Buches „Was ist Wahrheit“ hatte, ist derart wichtig, daß es auch nur ungekürzt wiedergegeben werden kann. Er schreibt (S. 97):

„Wir waren im Jahre 1963. ‚Der wahre Eichmannprozeß‘ war in deutscher Übersetzung unter der Überschrift ,Zum Fall Eichmann‘ mit dem Untertitel: ,Was ist Wahrheit? ... oder die unbelehrbaren Sieger‘ erschienen. Jedesmal seit 15 Jahren, wenn man mir in irgendeiner beliebigen, nicht von Sowjets besetzten Ecke Europas einen Zeugen benannte, der behauptete, selbst den Vergasungen beigewohnt zu haben, fuhr ich unverzüglich hin, um sein Zeugnis entgegenzunehmen. Und jedesmal begab sich das gleiche: meine Akte in der Hand, legte ich dem Zeugen derart viele genau präzisierte Fragen vor, daß er offensichtlich nur bis zu den Augen hinauf lügen konnte, um schließlich zu erklären, daß er es zwar nicht selbst gesehen habe, aber daß ein guter, leider verstorbener Freund, dessen Aussage nicht in Zweifel gezogen werden könne, ihm die Sache erzählt habe. Ich habe auf diese Weise Tausende von Kilometern quer durch Europa zurückgelegt.

Eines Morgens im Juni 1963 bekam ich einen seltsamen Besuch: Ein Deutscher, groß, gut aussehend, anscheinend in den sechziger Jahren (während des Gesprächs stellte es sich heraus, daß er viel älter war), etwas Militärisches im Benehmen, sehr vornehm und von ausgezeichneter Höflichkeit. In der Hand hielt er meine erste Arbeit über diese Frage, die deutsche Übersetzung von ,Die Lüge des Odysseus‘. An einer Stelle lag ein Buchzeichen.

Zunächst stellte er sich vor und nannte mir den Grund seines Besuches, den er absolut vertraulich behandelt wissen wollte. Das versprach ich ihm, und das ist der Grund, weswegen ich die Umstände dieses Besuches und seine Persönlichkeit hier nur in einer Weise erwähne, die es absolut unmöglich macht, ihn zu identifizieren. Der Inhalt der Unterredung, die wir führten, ist trotzdem absolut wahrheitsgemäß.

Der Grund, weshalb er nicht wollte, daß sein Name genannt würde, ist folgender: er war während des Krieges ein Offizier höheren Ranges gewesen und in einer sehr wichtigen Dienststelle. Kein Militär eigentlich, sondern ein Zivilbeamter mit militärischem Rang. Seine Aufgabe war außerdem eine zivildienstliche. Er verhehlte mir nicht, daß selbst, wenn er nicht ein kämpferischer Nationalsozialist gewesen wäre, er doch 1933 seine Stimme der Partei gegeben hätte. Bei Kriegsende war er der Nürnberger Justiz entschlüpft, aber entnazifiziert worden wie alle Leute und hatte seine frühere Stellung verloren. Die zahllosen Scherereien, die man ihm gemacht hatte, hatten ihm gereicht, und er wollte nicht, daß das noch einmal anfinge. Das Wissen, das er seit zwanzig Jahren in sich trug, erdrückte ihn fast, und man muß ihm die Feigheit verzeihen, die ihm abverlangt hatte, es bis heute für sich behalten zu haben: bei Kriegsende war er fünfzig Jahre alt und hatte fünf kleine Kinder. Eine Lage, die man begreifen kann.

82


Noch Zitat:

Ich verzieh ihm gerne. Sehr aufrichtig sogar: ich kenne das moralische und materielle Elend, in dem Millionen gelebt haben und heute noch leben, und Millionen Deutsche, die zum Schweigen verdammt sind, und die es nur brechen, um periodisch den Kanzler Adenauer zu wählen, obwohl seine Politik ihnen nicht gefällt, aber von dem sie annehmen, daß er der einzige Deutsche ist, der die Möglichkeit hat, sie ein wenig vor den Strafunternehmungen zu schützen.

Nach seiner Einleitung und den von mir angenommenen Bedingungen öffnete mein Kritiker ,Die Lüge des Odysseus‘ an der bezeichneten Stelle und begann ohne Umschweife sein Eisen zu schmieden:

– ,Sie versichern‘, sagte er im wesentlichen, ,und ich glaube Ihnen das auch, daß keiner der Zeugen die behauptet haben einer Vergasung beigewohnt zu haben dies jemals in Ihrer Gegenwart hat aufrechterhalten können. Ich habe gerade Ihre letzte Arbeit über diese Frage gelesen. Halten Sie fest, daß ich Sie gut verstehe – ich begreife, daß Sie annehmen, es habe gar keine gegeben. Nach dem Widerhall, den Ihre Arbeit gefunden hat, dachte ich mir, daß das sehr gefährlich für Sie und für Deutschland ebenfalls wäre. Wenn Sie nämlich zu dieser Überzeugung kommen, daß Sie über kurz oder lang der Unglaubwürdigkeit verfallen, und das haben Sie nicht verdient. Außerdem würde Deutschland seinen einzigen Verteidiger verlieren, der noch einigermaßen Gehör findet. Also: ich will Ihnen sagen, daß ich einer Vergasung beigewohnt habe.‘

– ,Ich verstehe Sie nicht recht‘, antwortete ich. ,Mir scheint nicht, daß, wenn Sie etwas Derartiges öffentlich aussagten, Sie befürchten müßten, wieder ins Gefängnis zu wandern, wie Sie meinten. Solche Art von Zeugen suchen der Staatsanwalt Bauer und die Internationale zionistische Bewegung geradezu, weil es ja nachgerade keinen mehr gibt, den sie nicht verdächtigen. Wenn Sie Ihrer Sache so sicher sind, so gehen Sie doch zu ihnen hin. Sie werden Ihnen goldene Brücken bauen.‘

– ‚Geduld‘, unterbrach er mich. ,Es genügt in Deutschland nicht, daß man erklärt, man habe einer Vernichtung durch das Gas beigewohnt, um nicht ins Gefängnis zu wandern. Man müßte sie dann ganz genau so beschreiben, wie sie im Dokument oder von dem für glaubwürdig befundenen Zeugen ausgeführt ist, und das ist nichts für mich. Verstehen Sie mich: ich hatte in Lublin zu tun und kam zu Globocnik, als Gerstein sich anmelden ließ. Die Umstände ergaben es, daß ich anderntags wieder mit ihm in Belzec zusammentraf. Wenn ich nun aussagen würde, daß ich auch an dieser Vernichtung teilgenommen habe, wie das ihm zugeschriebene Dokument feststellt, dann wäre ich auch verpflichtet hinzuzufügen, daß all das, was bezüglich dieser Vernichtung gesagt worden ist, sowie über die Umstände, unter denen er daran teilgenommen hat in Belzec und den benachbarten Lagern, sowie

83


Noch Zitat:

über seine Unterhaltung mit Globocnik Punkt für Punkt eine Erzlüge ist. Und das würde mich sofort ins Gefängnis bringen.‘

Ich verstand ihn immer weniger:

– ‚Wenn das alles falsch ist‘, wandte ich ein, ,so hat es also gar keine Vernichtungen gegeben?‘

– ,Es gab schon welche,‘ schnitt er mir das Wort ab. ‚Aber fangen wir beim Anfang an.‘

Und so erzählte er.

Aus diesem langen Bericht, von dem man verstehen wird, daß ich ihn kürze, um nur das Wesentliche festzuhalten, ergab sich folgendes:

1. In seiner Unterhaltung in Lublin, die er mit Gerstein in Gegenwart von zwei oder drei Personen gehabt hatte, deren Namen er sich nur dadurch erinnert, weil sie im Gerstein-Dokument vorkommen, hat Globocnik nur von Belzec gesprochen, aber von den benachbarten Lagern überhaupt nicht, und bezüglich der Vernichtungsmöglichkeiten hat er kein Wort gesagt. Außerdem hat er überhaupt nicht von Vernichtungen gesprochen, sondern lediglich von Kleiderdesinfektion. Nach einiger Zeit entwickelte er die geringen Möglichkeiten zur Desinfektion des Lagers Belzec und sagte dann, daß er selbst jetzt ein beschleunigendes Mittel herausgefunden habe, das zugleich die ganze Judenfrage radikal lösen könnte: sein Dieselmotor in Belzec.

Aber es ist noch nicht beschleunigend genug, es ist eine zu unsichere Anlage, sagte Globocnik. Ich müßte ein stärkeres Gas haben, das auch leicht zu handhaben wäre. Deshalb habe ich Günther zu Gerstein geschickt in der Annahme, daß seine Dienststelle etwas dieser Aufgabe besser Angepaßtes besäße. Dann könnte man im großen Stil an die Endlösung der Judenfrage gehen. Wenn Günther und Gerstein mir das bringen, was ich haben will, dann könnte man von den Juden selbst andere Einrichtungen in Belzec anfertigen lassen.

– ,Ich war einfach entsetzt‘, sagte mir mein Gesprächspartner. ‚Mein Rang ließ mich der einzige von Globocniks Zuhörern sein, der ihm entgegentreten konnte. ,Das ist aber doch ein Verbrechen‘, sagte ich zu Globocnik. ‚Sind Sie sicher, daß der Führer so etwas unter der Endlösung versteht?‘ ‚Und ob ich das bin‘, versteifte sich Globocnik und zuckte die Achseln. Und mit absoluter Sicherheit, ohne jedoch anzugeben, von wem er den Auftrag hätte, aber in einer Weise, daß man annehmen konnte, er käme vom Führer selbst, bestand er auf Geheimhaltung. Im Gegensatz zu dem, was im Gerstein-Dokument steht, behauptete er nicht, daß Himmler oder Hitler am Vorabend in Lublin gewesen wären. Das ist also eine reine Erfindung.‘

2. Im Laufe unserer Unterhaltung hatte mein Gesprächspartner ausgeführt, daß Globocnik Günther zu Gerstein geschickt habe, um ein stärkeres und weniger kompliziertes Gas zu erhalten. Er hatte hinzugefügt, daß das

84


Noch Zitat:

nicht in Ordnung war: weshalb hatte er sich nicht persönlich oder durch Brief an diese Dienststelle gewandt? Das war mehr als ungewöhnlich, das war hinterhältig. Andererseits wußte er, daß Globocnik in den Warthegau strafversetzt worden war wegen verschiedener Übeltaten und Verbrechen, deren er sich in seiner früheren Stellung als Gauleiter von Wien schuldig gemacht hatte. In Berlin scheint er einen sehr schlechten Ruf gehabt zu haben, – so behauptet wenigstens mein Gesprächspartner. Mit der Absicht, bei seiner Rückkehr nach Berlin sofort über diese Sache zu berichten, begab er sich zunächst nach Belzec, wohin sein Auftrag ihn keineswegs führte. Er wollte sich aber mit eigenen Augen von dem überzeugen, was er zu vertreten beabsichtigte.

Er sah das Lager von Belzec. Es war ein ganz kleines Lager, dessen Baracken höchstens 400-500 Leute aufnehmen konnten. Er sah sie im Lager Spazierengehen, alles kräftige, wohlgenährte Juden. Er befragte sie, und alle äußerten sich zufrieden über die Behandlung, die ihnen zuteil würde. Ein ganz kleiner Bahnhof, in dem auf einem einzigen Schienenstrang hin und wieder eine geringe Anzahl Waggons voll Glaubensgenossen ankam: sie sagten ihm, daß sie beauftragt wären, sie zu empfangen und sie durch Dieselgas in einem kleinen Hause zu vernichten, das sie mir zeigten, und auf dem tatsächlich eine Aufschrift ‚Gründung Heckenholt‘ stand. Es war der Name des Juden, der den Motor in Gang zu bringen und an der Arbeit zu halten hatte. Sie erzählten das alles, während sie Marmeladenbrote aßen, auf denen sich Scharen von Fliegen niederzulassen trachteten, die sie mit der Hand zu verscheuchen suchten. Über dem ganzen Lager lag ein übler Gestank von frisch geöffneten Gräbern: Fliegen und Gestank waren das Ergebnis der Großbeerdigungen, die man nach jeder Vernichtung vornahm. Polizeihauptmann Wirth, ehemaliger Kriminalbeamter aus Stuttgart und Lagerkommandant, der meinen Gesprächspartner bei seiner Ankunft empfangen hatte, und sein ihn begleitender Adjutant, ein SS-Offizier, hörten nicht auf, sich über das Kommando zu beklagen, das man ihnen zugeteilt hatte, und ihn zu bitten, bei seiner Rückkehr nach Berlin dafür zu sorgen, daß sie woanders hin kämen. Weder der eine noch der andere konnten es begreifen, daß man ihnen eine derartige Arbeit zumutete, und sie waren davon überzeugt, daß man in Berlin nichts von alledem wüßte, was hier vorging.

– ‚Weshalb bemüht ihr euch nicht selbst um eine andere Verwendung?‘ fragte sie mein Gesprächspartner. ‚Nachdem ihr sie bekommen hättet, könntet ihr dann doch diesen Skandal hier aufdecken ...‘

– ,Das scheint das zu sein, was Globocnik befürchtet‘, erhielt er zur Antwort. ‚Eine andere Verwendung könnten wir ja nur auf dem Dienstwege erhalten, d. h. über ihn. Aus Furcht, verraten zu werden, wird er sie nicht weitergeben oder er wird uns unter irgendeinem Vorwand sofort erschießen lassen. Wir kennen derartige Fälle ... Ein Glück, daß Sie hierher gekommen

85


Noch Zitat:

sind. Nun können Sie doch uns hier herausholen und durch Ihre Beziehungen in Berlin diesem Skandal hier ein Ende machen ... Ein Glück auch, daß hier nur von Zeit zu Zeit mal ein Transport von wenigen Waggons ankommt. Bis heute sind es etwa zwei oder drei gewesen.

(Anmerkung: Wir befanden uns am 18. August 1942. Die Anlage dieses Lagers, das in Übereinstimmung mit den Beschlüssen der Konferenz von Wannsee angeordnet war, hatte erst Ende März begonnen. Sie nahm ungeheure Zeit in Anspruch, vor allem wegen der Schienenwege für den einfachen Verkehr, die man herstellen mußte, indem man sie an die nächstliegenden anschloß. Dieser nächste ging von Budapest nach Warschau über Przemysl und Lublin, oder den von Budapest nach Wilna über Lvov. Mein Gesprächspartner konnte mir nicht sagen, ob die Abzweigung nahe Przemysl oder Lvov gemacht wurde. In beiden Fällen handelte es sich um mindestens 50 km, und dieses Gleis war nicht vor Ende Juli zu gebrauchen.)

Sonst würden wir bei den geringen Möglichkeiten, die uns zur Verfügung stehen, die Leichen zu beerdigen, selbst wenn ein Transport immer nur einige Hundert bringt, hier in einem wahrhaften Infektionsherd von allen möglichen und unmöglichen Krankheiten leben ... Sie kommen gerade zurecht, um solchen Zuwachs zu erleben: morgen früh um 7 Uhr etwa soll ein neuer Transport ankommen ...‘

3. Mein Gesprächspartner sagte mir, daß er sich zum Bleiben entschloß. Von Wirth und dessen SS-Adjutanten begleitet, besuchte er noch das kleine Haus, das zur Vernichtung benützt wurde, und beschrieb es mir. Ein etwas erhöhter Fußboden, ein Gang mit drei kleinen Räumen auf jeder Seite, die er nicht ausgemessen hat, aber von denen er annimmt, daß die Bodenfläche sicherlich weniger als 5 x 5 – vielleicht 4 x 5 m höchstens betragen habe, jedenfalls waren sie rechteckig und nicht quadratisch. Am Ende des Ganges war der Raum, der den Dieselmotor enthielt. Er stand in der Mitte auf einem etwas geneigten Zementsockel. Ich fragte nach diesem Motor und dem Verhältnis seines Auspufftopfes zu den sechs Räumen. Es sei der Motor eines Wagens von etwa 1,50 m Länge, etwas weniger als 1 m Breite und 1 guter Meter Höhe mit dem Zementsockel. Die Kapazität sei ihnen unbekannt, vielleicht 200 PS sagte er. Ich machte ihn darauf aufmerksam, daß man gesagt hätte, es sei ein Marinemotor. Dann müßte er aber doch viel größer gewesen sein, wenn er für ein Schiff bestimmt gewesen wäre. ‚Sicherlich nicht‘, sagte er, ,es ist ein Wagenmotor. Wenigstens lassen seine Ausmaße auf einen Wagen schließen.‘ Er erinnerte sich auch der Zylinderzahl: sechs pro Seite. Hinsichtlich der Beschleunigung seines Ausstoßes in die sechs Räume, machte er mir eine Zeichnung. An Hand dieser Zeichnung bemerkte ich, daß das Gas, das doch schwerer ist als die Luft, von unten nach oben ging. Die Techniker, denen ich später – wie man noch sehen wird – diese Frage vorlegte, bemerkten das

86


Noch Zitat:

auch. Aber sie fügten hinzu, daß es sich hier um eine merkwürdige Technik handle, und im vorkommenden Falle wohl um ein verstärktes Gas.

– ,Ich wundere mich nicht‘, sagte ich, ‚daß Globocnik auf Suche nach einem schnelleren Mittel war: dies muß ja entsetzlich lange gedauert haben.‘

– ‚Eine Viertelstunde‘, antwortete er.

Wenn mir sein Bericht bis dahin annehmbar erschienen war, so lag doch diese Viertelstunde schwer über unserem Gespräch. Wir diskutierten lange darüber, und wir kamen immer wieder darauf. Ich hielt sie für absolut unmöglich. Er aber bestätigte sie immer wieder als wahr. Ich hatte das Dokument Gerstein bereits mit Spezialisten von Explosionsmotoren und Giftexperten studiert und hatte also genügend Argumente. Er hatte nichts anderes, als was er gesehen hatte und was, wie er sagte, ‚dennoch wahr‘ wäre. Vergeblich versuchte ich, ihm auseinanderzusetzen, daß ein Dieselmotor, selbst wenn er eine Kraft von 200 PS und noch mehr besäße, nicht in der Lage wäre, in einer Viertelstunde das unentbehrliche Gift für einen Raum von 250 zu 300 cbm Luft zu schaffen. Selbst auf die Gefahr hin, eine solche Unmöglichkeit anzunehmen, daß man da 700-800 Personen eintreten lassen könnte – 40 bis 50 höchstens, verbesserte mein Gegenüber – in diese wenigen 40 bis 45 cbm eines jeden Raumes. Gerade weil Gerstein die Möglichkeiten eines Dieselmotors kannte, wollte er die Giftmenge vermindern, und immer noch war diese Menge für alle Leute in zweiunddreißig Minuten wirksam. Wenn am Vorabend Globocnik selber gesagt hatte, daß dieses Mittel nicht schnell genug wirke, so war das noch ein Beweis, daß die ganze Operation länger gedauert haben müsse. Nach zwanzig Jahren ist das Erinnerungsvermögen eines derart von dem Erlebten erschütterten Mannes möglicherweise nicht mehr ganz getreu usw. usw. ...

Es half alles nichts: Er wollte von dieser Viertelstunde nicht ablassen, wenn er auch zugab, daß er nicht nach der Uhr geschaut hätte und daß es eine ungefähre Schätzung sei. Nicht die geringste Verwirrung war in seinem Gesicht zu lesen, nicht einen Augenblick schwand der Zug unwiderleglichen guten Glaubens.

Seitdem habe ich mit der Zeichnung in der Hand eine Menge Spezialisten für Explosionsmotore über die Verbrennung der Flüssigkeit und ihre Giftwirkung befragt: keiner hat eine geringere Zeitdauer als mindestens 1,5–2 Stunden zugestehen wollen ...

Ich muß sagen, daß ich im weiteren Verlauf unserer Unterhaltung keinen strittigen Punkt mehr entdecken konnte: aber diese Angelegenheit bleibt doch beachtlich und sehr beunruhigend. Freilich gab es da noch eine abweichende Angabe zur endgültigen Beurteilung der Vernichtung: ich weiß nicht, weshalb derjenige, der den Gedanken gehabt hatte, den Raum in sechs Teile geteilt hatte, anstatt einen einzigen zu lassen. Das wäre weniger kost-

87


Noch Zitat:

spielig gewesen, weniger kompliziert und hätte weniger Zeit zur Herstellung erfordert. Aber ich bestand nicht darauf.

4. Inzwischen war Gerstein mit drei oder vier Soldaten angekommen. Auf die genaue Zahl besann mein Gesprächspartner sich nicht mehr. Globocnik hatte sie begleitet, war aber gleich wieder weitergefahren. Am Abend vorher hatte Gerstein bei Globocnik erzählt, daß seine Reise von Berlin nach Lublin nicht ohne Schwierigkeiten vonstatten gegangen wäre: sie hatten nicht, wie man annehmen sollte, Cyklon B in Tablettenform transportiert, sondern flüssige Blausäure in Flaschen, und die zahllosen Schlaglöcher der sehr schlechten Straße hatten es mit sich gebracht, daß eine oder zwei der Flaschen entzweigegangen waren. Sein Fahrer und er hätten rechte Angst ausgestanden. Mein Gesprächspartner fragte ihn, wie dann die Fahrt von Lublin nach Belzec verlaufen wäre? Sehr gut, meinte er, denn wir haben die Ware in Lublin gelassen.

Wir besuchten dann noch einmal das Lager, und am Abend aßen wir gemeinsam, wobei die internierten Juden uns bedienten. Die Stimmung war bedrückend. Der Redseligste von allen war Gerstein. Er machte einen aufgedrehten Eindruck, und nach allem, was er sagte, schien er ein Steigbügelhalter von Globocnik zu sein. Er flößte niemand Vertrauen ein. Das sagte mir jedenfalls mein Gesprächspartner. Mehrere Jahre später habe ihm dann ein Freund, der Gerstein als Studenten in seiner Fakultät gehabt hatte, gesagt, es handle sich bei ihm um einen Psychopathen und er habe sich über nichts gewundert ... Am anderen Morgen kam der Judentransport zwischen 7 und 8 Uhr an. Es waren etwa vier oder fünf Wagen mit 250–300 Personen, Männer, Frauen, Kinder und Greise, aber keineswegs 6000 bis 6700 in 45 Waggons gepferchte Menschen, wie das Dokument Gerstein behauptet. Auch die angeblichen 200 Ukrainer, die das Dokument erwähnt, waren in Wirklichkeit Juden aus dem Lager, und ihre Zahl betrug höchstens zwei Dutzend. Keine Härte, keine ausgerissenen Türen, keine Schläge mit Gummiknüppeln: vielmehr eine brüderliche Begrüßung von Glaubensbrüdern, die sichtlich bemüht waren, eine vertrauensvolle Stimmung bei den Ankommenden auszulösen.

Die Vorbereitung der Schlachtopfer: Aufstellung in Reihen, Vorbeizug am Schalter einer improvisierten Bank, um Geld und Wertsachen gegen Quittung abzugeben, Gang zum Friseur und dann ausziehen. Dies alles dauerte am längsten, fast den ganzen Morgen. Die Unglücklichen befragten ihre sie also betreuenden Glaubensgefährten über ihr weiteres Schicksal, während einige bewaffnete SS-Leute sie zerstreut bewachten. Man antwortete ihnen, sie sollten desinfiziert und hernach je nach ihren Fähigkeiten in Arbeitskommandos eingeteilt werden. Es wurden ihnen gute Ratschläge bezüglich ihres Verhaltens bei der Desinfektion erteilt, nämlich recht tief zu atmen. ... Für die Wissenden ein entsetzliches Schauspiel.

88


Noch Zitat:

Dann ließ man sie in den Ort des Verbrechens eintreten, wo sie sich auf gut Glück in die sechs Räume verteilten. Vierzig bis fünfzig in jeden Raum, wie mein Gesprächspartner wiederholte. Die Türen zum Gang wurden verschlossen, die Lichter gelöscht. Man hörte, wie die Unglücklichen zu beten begannen. Danach Schreckensschreie der Frauen und Kinder ... Der Motor begann zu arbeiten, und eine Viertelstunde später holte das mit dieser schrecklichen Aufgabe betraute Judenkommando die Leichen heraus und brachte sie in das vorbereitete Grab.

– ‚Aber dieses Grab müssen sie doch schon vorher bemerkt haben. Für 300 Menschen muß es doch ziemlich groß gewesen sein.‘

– ,Nein. Es war ziemlich weit hinter dem Hause gegraben worden, und so konnten sie es nicht sehen. Die Körper wurden aus Seitentüren jedes Raumes, ähnlich wie Garagentüren, herausgezogen. Das Ausmaß des Grabes? Es muß ungefähr zwanzig Meter Länge, fünf Meter Breite und kaum zwei Meter Tiefe gehabt haben ...‘

Und er beschrieb mir die Gefahr dieser Art von Beerdigung: Wirth habe ihm gesagt, daß man eine Essenz in dieses grauenhafte Grab gösse, um die Leichen zu verbrennen, daß der Erfolg aber nur sehr ungenügend wäre. Es wurde mit Erde zugeschüttet, aber nach zwei oder drei Tagen wölbte diese Erde sich hoch durch den Druck des sich bildenden Gases und verpestete so die ganze Luft, die sich darüber hinaus mit Wolken von jenen Fliegen bevölkerte, die man überall sah.

In der Meinung, nun genug darüber zu wissen, wohnte er diesem Unternehmen nicht mehr bei und begab sich dorthin, wohin sein eigentlicher Auftrag ihn rief.

Ich versuchte, das Gespräch wieder auf diese Viertelstunde zurückzuleiten, von der er behauptet hatte, daß die Vernichtung gedauert habe. Ich äußerte die Vermutung, daß die 2 Stunden 49 Minuten Panne des Diesel, von der das Gerstein-Dokument gesprochen hatte, sich vielleicht mit der Unfähigkeit des Motors erklären lasse, die Luft in weniger Zeit zu vergiften. Ohne Erfolg: nicht die geringste Panne, Dauer: eine Viertelstunde.

Die Aufgabe meines Gesprächspartners in der Gegend von Lublin dauerte länger, als er angenommen hatte. Er mußte noch über Lodz fahren, dort gute vierzehn Tage zubringen und konnte nicht vor dem 15. September nach Berlin zurückkehren. Dort begab er sich stehenden Fußes zu Dr. Grawitz, seinem Freund und einem direkten Mitarbeiter von Himmler. Bei dem Bericht, den er ihm gab, fuhr dieser entsetzt hoch und eilte sofort zu Himmler.

– ,Ich kann die Daten nicht genau angeben‘, fügte er hinzu, ‚aber etwa zehn Tage später kam Dr. Grawitz selbst zu mir und sagte mir, indem er mich zu meinem Einschreiten beglückwünschte, daß eine gerichtliche Untersuchung über die Tatsachen, die ich ihm mitgeteilt hätte, eingeleitet wäre. Einige

89


Noch Zitat:

Wochen später – ich erinnere mich, daß es wenige Tage nach Allerheiligen war – wurde das Lager geschlossen und Globocnik abermals versetzt.

(Anmerkung: Nach den einheitlichen jüdischen Quellen wäre dieses Lager erst Ende Dezember des gleichen Jahres 1942 geschlossen worden. Wenn es tatsächlich geschlossen worden ist, so scheint es nicht, als ob Globocnik versetzt worden wäre. Wenn er es doch wäre, so wäre das jedenfalls eine leichte Strafe. Vor allem, wenn man sie mit der vergleicht, die den berüchtigten Kommandanten von Buchenwald, Koch, betroffen hat, der für wesentlich geringere Vergehen erschossen wurde.)

Das ist alles, was ich weiß.‘

Ich sprach mit ihm über die Zeugenaussage des Dr. Morgen in Nürnberg am 7. und 8. August 1945 (I.M.T. Band XX, pp. 520–553). Er kannte sie und erkannte ihr keinerlei Glaubwürdigkeit zu. Das Bild, das jener von Wirth entworfen hatte, indem er ihn als einen skrupellosen Verbrecher hingestellt hatte, stimme absolut nicht mit dem überein, wie er selbst ihn kennengelernt hatte. Morgen hatte ihn zum Kommandanten von vier Lagern gemacht und zum Deus ex-machina aller Dinge (op. cit. pp. 528 bis 529). Dabei war er lediglich der verzweifelte Lagerleiter von Belzec und darüber hinaus terrorisiert von Globocnik. Er behauptete, Wirth begegnet zu sein. Wenn er ihm aber begegnet war, so konnte das nur in Belzec gewesen sein. Er verlegte das Datum dieser Begegnung auf ,Ende 43‘ (op. cit. p. 527). Damals war aber das Lager bereits geschlossen, spätestens im Dezember 1942. Dieser Dr. Morgen war ein sehr wichtiger Mann bei der SS (Chef vom Dienst der Reichskriminalpolizei mit sehr weitreichenden Spezialvollmachten von Himmler persönlich), der sich wahrscheinlich allerhand verzeihen zu lassen hatte, wie mein Gesprächspartner vermutete.

Es wurde mir nicht schwer, dieser Vermutung zuzustimmen. Morgen war Hoeß als Kommandanten des Lagers Auschwitz ‚zwischen Ende 1943 und Anfang 1944‘ (op. cit. p. 540) begegnet, das seit November 1943 gar nicht mehr bestand (vermutlich meint Rassinier nicht das Lager, sondern den Kommandanten, der zu dieser Zeit abgelöst wurde. Anmerkung des Verfassers). Er verlegte die Vergasungen nach Monovitz (op. cit. p. 540), während alle Zeugen sie nachträglich nach Birkenau verlegten. Er behauptete, Wirth habe direkte Befehle aus der Kanzlei des Führers empfangen (op. cit. p. 531) usw. usw....

5. In diesem Augenblick der Unterhaltung warf mein Gesprächspartner einen Blick auf das offen vor ihm liegende Buch ,Die Lüge des Odysseus‘, dessen er bis dahin noch gar keine Erwähnung getan hatte.

– ,Ich habe Ihr Buch gelesen‘, fuhr er fort. ,Ich bin der Ansicht, daß Ihre Kritiken an den Nürnberger Zeugenaussagen und Dokumenten unangreifbar sind und eines Tages ihre Früchte tragen werden. Dank sei Ihnen dafür. Das, was mich interessiert, das sind die Vergasungen, das einzige, wodurch die

90


Noch Zitat:

Ehre Deutschlands tatsächlich betroffen ist‘, sagte er, das Buch in beide Hände nehmend. ‚Deshalb möchte ich Ihnen folgendes sagen: Hierin (er zeigte auf das Buch) haben Sie im Jahre 1950 eine der korrektesten Auslegungen gegeben, indem Sie sagten, daß es wenig Vernichtungen gegeben habe, und daß diese – ich zitiere Sie – auf ein oder zwei Verrückte aus der SS zurückzuführen seien. An Ihrer Stelle hätte ich gesagt: ein oder zwei verbrecherische Sadisten. Glauben Sie mir, ich habe diesen Kreis gut gekannt: In der großen Masse war es ein korrekter Kreis, aber er war nicht frei – wie alle sozialen Schichtungen – von irgendwelchen Sadisten, die zu den unvorstellbarsten Verbrechen fähig waren, und zweifellos war Globocnik einer davon. Ich habe Hoeß nur nach dem gekannt, was ich in Berlin von Leuten meiner Dienststelle sagen hörte, die ihn kannten. Auch er hatte keinen guten Ruf. So wäre es möglich, daß er sich in Auschwitz ähnlich wie Globocnik im Raum von Lublin betragen hätte. Ich weiß nichts darüber, ich sage nur, daß es möglich wäre. Und nach dem, was Sie selbst über dieses Lager schreiben, wäre ihm das um so leichter gewesen, als seine Einrichtungen ihm das erlaubt hätten, ohne daß er besondere Gaskammern hätte einzurichten brauchen, wie Globocnik in Belzec.‘

Ich stimmte ihm um so bereitwilliger zu, da ich, der geringen Glaubwürdigkeit der zahllosen falschen Zeugnisse und Dokumente wegen, niemals besonderen Nachdruck auf irgendwelche der bezeichneten Lager gelegt hatte. Es handelte sich um eine Hypothese, die ich selbst für alle Lager aufgestellt hatte, um zu beweisen, daß, wenn es derartige Vernichtungen durch Gas gegeben haben sollte, sich diese in außerordentlich engen Grenzen gehalten haben müßten, mangels unangreifbarer Beweise nach einem alten französischen Sprichwort, daß es ‚keinen Rauch ohne Feuer‘ geben könne. Mein Gesprächspartner erinnerte mich sehr nachdrücklich daran. ,Es hat Vernichtungen durch Gas gegeben‘, sagte er abschließend. ,Ich habe Ihnen ein Beispiel dafür gebracht. Sie waren nicht zahlreich und nicht von den Maßgebenden des Dritten Reiches mit Vorbedacht angeordnet, wie das die Dokumentation skrupelloser Elemente geboren und als wahr in Nürnberg hingestellt worden ist. Es war die Tat einiger weniger Verbrecher. Sicher ist jedenfalls, daß jedesmal, wenn den Maßgebenden des Dritten Reiches derartiges zu Ohren kam, sie dem sofort ein Ende machten. Auch darüber habe ich Ihnen den Beweis erbracht. In Nürnberg hat man ganz einfach diese wenigen verbrecherischen Einzelheiten ausgeschlachtet, um eine unhaltbare Generalwahrheit daraus zu zimmern mit dem Ziel, Deutschland zu entehren: ungefähr so, als würde man behaupten, die Franzosen hätten systematisch alle deutschen Gefangenen, die sie während des Krieges gemacht hätten, abgeschlachtet unter Hinweis auf die Tatsache, daß sich das am 19. August 1944 in Annecy ereignet hat (cf. Eichmann-Prozeß). Verbrecher gibt es in allen Völkern, und ein Krieg, der ihre Instinkte enthemmt, kann ihre Wirkung ins Un-

91


Noch Zitat:

geheuerliche steigern. Denken Sie nur an die französischen Widerstandskämpfe, in denen Leute, wie sie Frankreich und Deutschland und alle möglichen Völker besitzen, sich beeilt haben, ihre Untaten unter diesem Deckmantel zu begehen ... Denken Sie an Ihre Miliz unter der deutschen Besatzung ...‘

Nach einer Weile sagte er:

– ‚Lassen wir’s dabei bewenden, mein Herr. Es geht um Deutschlands Ehre. Die wird bestehen, wenn es einmal klar geworden sein wird, daß die Vergasungen nur Ausnahmen gewesen sind und lediglich die Taten von ein oder zwei Verbrechern, die sofort entfernt worden sind, wenn man ihres Tuns gewahr wurde. Und das übrige? Mein Gott, das übrige war eben Krieg, und da sind wir durchaus im Gleichgewicht mit Deutschlands Gegnern.‘

Ich beruhigte ihn und sagte, daß, wenn ich mit einer derartigen Halsstarrigkeit alle Dokumente und Zeugenaussagen untersuchte, auf die sich die ungeheuerlichen Anklagen, deren Opfer Deutschland wäre, stützten, und wenn meine Dokumentation mir zu bezeugen erlaubte, daß es sich nur um ordinäre und großmäulige Fälscher handle, ich doch niemals behaupten könne, daß es keine Vergasungen gegeben hätte und das auch nie behauptet habe.

– ,Ich bin glücklich, dies umsonst befürchtet zu haben. Entschuldigen Sie: Deutschlands Ehre verdankt Ihnen so viel ... Und Ihr Verdienst ist so hoch, daß es für immer in Ihrer Schuld bleibt.‘

Das war der Abschluß. Die Unterhaltung verlor sich in einigen allgemeinen Wahrheiten, zu denen wir durch den Fall Globocnik kamen. Ich meinte, daß, wenn er lediglich versetzt worden sein sollte, was mir nicht so ganz sicher erschien, dies eine mehr als leichte Strafe gewesen wäre.

– ‚Das ist die Eigentümlichkeit der totalitären Systeme‘, sagte mein Gesprächspartner, ‚wenn solche Leute so weit von Berlin fortgeschickt wurden, so hatten sie eine Macht wie römische Prokonsuln ... Der Hitlerstaat war totalitär und außerdem rassisch orientiert. Er hielt Verbrechen gegen Juden nicht für so wichtig wie die gegen andere. So war er duldsamer gegen solche, die sich deren schuldig machten. Der Fall Koch, dem Kommandanten von Buchenwald, der für Untaten erschossen wurde, die er an Ariern begangen hatte, ist der Beweis dafür. Aber schauen Sie sich mal das Betragen des Staates Israel an, der die Todesstrafe für alle Kapos verlangt, die sich in Ausübung ihrer Aufgabe als Wachtknechte in den Konzentrationslagern eines Verbrechens schuldig gemacht haben, wenn sie Arier sind. Sind es aber Juden, so haben sie tausend Entschuldigungen, erteilen nur Verweise oder höchstens ein paar Monate Gefängnis mit Bewährung.‘

Ich erlasse dem Leser die anderen Ereignisse, die wir dann noch kurz gestreift haben: Das Versailler Diktat als verantwortlich für den deutschen Nationalsozialismus und als Folge davon den zweiten Weltkrieg, die Dummheit des Kapitalismus als verantwortlich für dieses Versailler Diktat und die

92


Noch Zitat:

Ausbreitung des Bolschewismus, der Krieg, die Kriege usw. Wenn ich beschlossen habe, dieses Kapitel mit dieser Zeugenaussage zu beenden, so ist es einerseits deshalb, weil ein Historiker, der diesen Titel verdienen will, nichts verheimlichen darf, was er weiß, und andererseits, weil ich ihr nur in dem einen Punkt entgegentreten konnte und mir – zu recht oder unrecht – die Glaubwürdigkeit und die Ehrlichkeit des Aussagenden unzweifelhaft erschien. Es ist ein Gesetz der Geschichte, daß man keine Zeugenaussage verwerfen kann, die nur in einem Punkte unzusammenhängend erscheint. Außerdem bietet die Geschichte sozusagen kein einziges Beispiel absolut zusammenhängender Zeugenaussagen. Endlich vertrat diese hier recht wohl jene Meinung, die ich mir bereits nach dem Studium der Akten und der Zeugenaussagen von Nürnberg über die Vernichtung der Juden durch Gas gemacht hatte.

All dies bedeutet im übrigen keineswegs, daß ich mich für diese Zeugenaussage verbürge. ,Ein Zeugnis ist kein Zeugnis‘ ist aber auch eines der historischen Gesetze, und ich weiß nur zu gut, bis zu welchem Grad die Weisheit der Völker recht hat, wenn sie behauptet, daß nichts der Unaufrichtigkeit so ähnlich ist wie die Aufrichtigkeit. Ich gehe nun nicht so weit, zu behaupten, daß dieses Wort auf meinen Gesprächspartner zutrifft, ich will aber auch nicht die Zufriedenheit und das Interesse in Abrede stellen, das ich an unserer Unterhaltung gehabt habe. Dennoch aber muß ich ihm sagen, daß trotz allem, was zu seinen Gunsten spricht und trotzdem man sein so bedauernswert spätes Eintreten in die Auseinandersetzung durch die Umstände zu entschuldigen vermag, seine Aussage nur mit der allergrößten Vorsicht entgegenzunehmen ist. Man kann von ihr nichts weiter sagen, als daß sie sehr viel annehmbarer erscheint als alles, was wir bisher in dieser Hinsicht gewöhnt sind. Was sich nun wirklich zugetragen hat, das wird man erst dann erfahren, wenn diejenigen, die die historische Wahrheit kennen und sie eifersüchtig unter Verschluß halten, endlich auf die drastischen Maßnahmen verzichten, mit denen sie verhindern, sie ans Licht zu bringen und zu einer freien Aussprache zurückfinden, in der alle jene, die wissen oder zu wissen glauben, wie die Dinge im Kriege wirklich gelegen haben, dies frei und öffentlich aussprechen können, ohne befürchten zu müssen, ins Gefängnis geworfen zu werden.“

Wenn ich mich auch noch nicht mit allem identifizieren kann, was Professor Rassinier schreibt, so scheint mir doch manches wert, darüber nachzudenken.

In „Deutschlands Schuld am Frieden“ von J. F. Barnick steht auf Seite 361:

„... waren die Geheimverbrechen, die nun im Dunkel der kriegsbedingten Ausnahmesituation in entlegenen östlichen Lagern begannen, in der Tat

93


geheim: Es waren typische, überlegen abgeschirmte Geheimverbrechen. Wie sogar der amerikanische Militärrichter Leon Powers in Nürnberg schließlich einsah und zugab, hatten ‚nicht mehr als hundert Personen im ganzen‘ das böse Geschehen betrieben und in vollem Umfang gekannt. Keine Rede also von einer deutschen Kollektivschuld selbst nur im Sinne der Mitwisserschaft und des schweigenden Zulassens. Und anders als bei der amerikanischen Endlösung der Indianerfrage nach dem Sezessionskrieg, einer grausigen Tateinheit von Massenmord und allergrößtem Eigentumsdelikt, die aber unglaublicherweise seit 1871 gesetzmäßig war ...“

Ich möchte nun noch einige ganz wenige „Zeugenaussagen“ anfügen, über deren Wert oder Unwert ich mich aber in keiner Weise äußern möchte. Es sind nur wenige Aussagen, wahllos herausgegriffen, aber ihre Reihe könnte beliebig verlängert werden.

William S. Shirer, dessen Werk „Aufstieg und Fall des Dritten Reiches“ in Millionenauflage erschien, schreibt auf Seite 1023:

„Die Gaskammern (von Auschwitz) selbst und die ihnen angeschlossenen Krematorien sahen, aus geringer Entfernung betrachtet, keineswegs finster aus; welche Bedeutung diese Anlagen hatten, war unmöglich zu erkennen. Sie waren bedeckt mit gut gepflegtem Rasen und Blumenbeeten und über den Eingängen stand lediglich: Baderäume. Die ahnungslosen Juden glaubten nichts anderes, als daß sie die Baderäume wegen der in allen Lagern üblichen Entlausung betreten müßten. Und sie betraten sie mit Musikbegleitung !

Es war nämlich, wie einer der Überlebenden berichtete, aus den Lagerinsassen ein Orchester zusammengestellt worden, Junge hübsche Mädchen, alle in weißen Blusen und marineblauen Röcken‘, und während die Opfer für die Gaskammern ausgewählt wurden, spielte dieses einzigartige Orchester Weisen aus der ‚Lustigen Witwe‘, oder die ‚Barcarole‘ aus ‚Hoffmanns Erzählungen‘. Keineswegs feierliche, düstere Beethoven-Musik. Die Trauermärsche in Auschwitz waren spritzige, fröhliche Operettenmelodien.“

Reitlinger schreibt in „Die Endlösung“, Seite 167:

„... in den beiden größeren Krematorien waren die Gaskammern in gleicher Höhe wie die Öfen, in die die Leichenwagen befördert wurden, der von Dr. Ada Bimko beschrieben wurde. Die unterirdischen Gaskammern der kleineren Krematorien wurden durch einen unterirdischen Gang mit leichtem Gefälle erreicht, und Dr. Nyiszli sah Familienväter ihre Kinderwagen dort hinunterschieben.“

Eine Zeugin aus: Emmi Bonhoeffer „Zeugen im Auschwitz-Prozeß“, schildert (Seite 48):

„Eine große Gruppe von Frauen mit kleinen Kindern hat sich ausziehen müssen vor dem sogenannten ‚Duschraum‘. Eine Mutter mit einem etwa Ein-

94


jährigen auf dem Arm, die bislang noch guten Glaubens war, weil sie einfach nicht für möglich halten konnte, was gemunkelt wurde, erkennt plötzlich, woran sie ist. Verzweiflung packt sie, sie wirft sich einem jungen SS-Mann vor die Füße und fleht ihn an, wenigstens ihr Kind zu retten. Sie erinnert ihn daran, daß er doch wohl auch Frau und Kind habe und daß er sich erbarmen möge. Was soll er machen? Er stößt die Frau beiseite, drängt sie zu den anderen in die Kammer. Plötzlich, im Moment, da sich die Türen schließen, springt er mit dem Schrei: ‚Meine Frau! Mein Kind!‘ mit hinein – und wird mit vergast.“

Rudolf Höß in „Kommandant in Auschwitz“, Seite 130, als er einen Vergasungsvorgang beschreibt:

„... wie ich schon mehrfach sagte, haben die Juden einen stark ausgeprägten Familiensinn. Sie hängen aneinander wie die Kletten. Doch fehlt ihnen nach meinen Beobachtungen das Zusammengehörigkeitsgefühl untereinander. In der Situation, mußte man annehmen, müßte einer den anderen schützen. Nein, im Gegenteil, ich habe oft erlebt und auch gehört, daß Juden – besonders aus dem Westen – Anschriften von noch versteckten Rassegenossen angaben. Eine Frau rief einmal aus dem Gasraum noch eine Adresse einer Judenfamilie dem Unterführer zu. Ein Mann, seiner Kleidung und seinem Benehmen nach aus besten Verhältnissen, gab mir beim Entkleiden einen Zettel, auf dem eine Reihe Anschriften von holländischen Familien, bei denen Juden versteckt waren, verzeichnet war ...“

Es liegt mir fern, zu behaupten, daß diese Zeugen die Unwahrheit sagen, oder gesagt haben. Mein Anliegen ist nur: zu berichten, zu zitieren. –

95


VI.

Über das Verhältnis der SS zu den Konzentrationslagern

Wie war nun das Verhältnis der SS zu den Häftlingen in den Konzentrationslagern?

Professor Eugen Kogon schreibt in „Der SS-Staat“, S. 308:

„In jedem KZ war es das Bestreben der politischen Häftlinge, den Verwaltungsapparat in die Hand zu bekommen oder in der Hand zu behalten, um sich mit allen verfügbaren Mitteln gegen die SS behaupten zu können und nicht nur den harten Kampf um das nackte Dasein zu bestehen, sondern auch, wenn irgend möglich, einen Beitrag zur allgemeinen Zersetzung und Überwindung des Systems zu leisten. In mehr als einem Lager haben politisch führende Häftlinge Jahre hindurch eine zähe, todesverachtende Arbeit solcher Art vollbracht.

Hauptgrundsatz des konsequenten, unerbittlichen Kampfes war es, gegen die SS eine undurchdringliche Mauer zu errichten, die nicht sichtbar war, aber überall dort in Wirksamkeit trat, wo ein SS-Angehöriger auftauchte. Die Lagerführungen waren nicht imstande, Zehntausende von Unterjochten anders als rein äußerlich und durch plötzliche Eingriffe zu kontrollieren. Was hinter dem Stacheldraht wirklich vor sich ging, blieb ihnen verborgen. Sie ahnten es, witterten es, fürchteten es in dunklen Stunden des allmählichen Abstiegs der letzten Jahre, aber sie konnten es nicht greifen, das Anonyme nicht packen. Sie suchten sich daher durch Spitzel Kenntnis von den inneren Vorgängen im Lager, besonders von oppositioneller Gesinnung und Organisation zu verschaffen. SS-Führer gingen selbst zuweilen in Häftlingskleidern ins Lager – ein kläglicher Versuch, etwas in Erfahrung bringen zu wollen, da sie eine Fülle typischer Kleinigkeiten des Häftlingslebens nicht beherrschten; sie wurden sofort erkannt und überwacht...“

Professor Rassinier in „Die Lüge des Odysseus“, S. 81:

„Wenn ein Konzentrationslager fertig ausgebaut ist, ist es ein wirkliches Gemeinwesen, das von der Außenwelt, die es erdacht hat, durch eine Einfriedigung von elektrisch geladenem Stacheldraht in fünffacher Höhe isoliert ist, längs deren ungefähr alle fünfhundert Meter Beobachtungsstände einen bis an die Zähne bewaffneten Wachtposten beherbergen. Damit die Schranke zwischen ihm und draußen noch unüberbrückbarer ist, wird auch noch ein SS-Lager dazwischengeschoben, und bis auf fünf oder sechs Kilometer im Umkreis werden unsichtbare Wachen auf die Peripherie verteilt; wer da zu

96


fliehen versuchte, hätte nacheinander eine bestimmte Zahl von Hindernissen zu überwinden, und es darf ruhig gesagt werden, daß jeder Versuch materiell zum sicheren Scheitern verurteilt ist. Dieses Gemeinwesen hat seine eigenen Gesetze, seine besonderen sozialen Erscheinungen. Die Gedanken, die dort in der Isolierung oder als Strömungen zutage treten, gehen an den Stacheldrähten zugrunde; die Außenwelt ahnt von ihnen nichts. Ebenso ist alles, was draußen vorgeht, im Innern unbekannt, jedes Durchsickern wird durch die Schranke unmöglich gemacht, in der keine Masche zum Durchschlüpfen vorhanden ist.“

In einer Anmerkung heißt es:

„Man hat gesagt, daß fast ganz Deutschland nicht wußte, was in den Lagern vorging und ich glaube es: die an Ort und Stelle lebenden SS-Männer wußten einen großen Teil nicht oder hörten von gewissen Vorkommnissen erst lange, nachdem sie sich ereignet hatten. Wer aber kennt andererseits in Frankreich die Einzelheiten aus dem Leben der Häftlinge in Carrère, La Noé und anderen Orten? ...“

Professor Kogon berichtet weiter, S. 67:

„... Eines Morgens wurde auf einem Block ein Häftling erhängt aufgefunden. Durch einen Regiefehler der SS erhielt die Staatsanwaltschaft Weimar von der Sache Kenntnis. Es wurde eine Untersuchung eingeleitet, die ergab, daß der ‚Erhängte‘ durch unmenschliche Prügel, Schläge und Tritte getötet und dann vom Stubendienst unter Leitung des Blockältesten Osterloh aufgehängt worden war, um einen Selbstmord vorzutäuschen. Der Ermordete hatte gegen das Verschieben von Brot und Essensportionen durch den Stubendienst protestiert. Die SS-Lagerführung erreichte es, daß die Angelegenheit niedergeschlagen und der Mörder wieder in seine Position als Blockältester eingesetzt wurde, worauf alles beim alten blieb.“

Ein weiterer Fall, S. 107:

„Häftlinge, die ihre Kameraden mißhandelten oder sogar zu Tode prügelten, wurden bezeichnenderweise von der SS nie bestraft und mußten daher von der Häftlingsjustiz zur Strecke gebracht werden. Das war oft sehr schwierig und erforderte manchmal erhebliche Zeit, da diese Gestalten im Blickfeld der SS standen und ihren besonderen Schutz genossen. Viele Kameraden, die keinen tieferen Einblick in das Lagergetriebe hatten, konnten es gar nicht verstehen, daß man solche Totschläger ‚weitergewähren‘ ließ.“

Interessant ist, was Professor Kogon über die „Prügelstrafe“ schreibt, S. 108:

„... Am 4. April 1942 hat der Chef der Amtsgruppe D ein Rundschreiben folgenden Wortlautes erlassen: ,Der Reichsführer-SS und Chef der Deutschen Polizei hat angeordnet, daß bei seinen Verfügungen von Prügelstrafen (so-

97


wohl bei männlichen als auch bei weiblichen Schutz- und Vorbeugungshäftlingen), wenn das Wort ‚verschärft‘ hinzugesetzt ist, der Strafvollzug auf das unbekleidete Gesäß zu erfolgen hat. In allen anderen Fällen bleibt es bei dem bisherigen vom Reichsführer angeordneten Vollzug.‘ An sich mußte die Lagerführung bei der Verhängung der Prügelstrafe erst in Berlin um die Bestätigung ansuchen und der Lagerarzt bescheinigen, daß der Häftling gesund sei ... Der Lagerarzt wohnte dem Vorgang bei ...“

In einer „Spiegel“-Serie über die „Rote Kapelle“ steht Folgendes („Spiegel“ 27/68, S. 88):

„... Einige Häftlinge wurden wirklich gefoltert, mit jener seelenlosbürokratischen Pedanterie, die Gestapo-Beamte für Korrektheit hielten. Eine ‚verschärfte Vernehmung‘, wie man Folterungen euphemistisch nannte, mußte schriftlich beim Chef der Sicherheitspolizei beantragt werden; stimmte er zu, so erschien ein zu Folterungen berechtigter Beamter mit einem SS-Arzt und verabreichte dem Häftling eine vorher festgelegte Anzahl von Schlägen. Der Arzt hatte die gesundheitlichen Folgen der Folterung zu begutachten. Dann wurde ein Protokoll aufgenommen, denn in der Welt Heinrich Himmlers mußte auch der Sadismus seine papierene Ordnung haben.

Die Zahl solcher Folterungen hielt sich jedoch in Grenzen. Als Schulze-Boysen anfangs nicht aussagen wollte, erhielt er zwölf Stockhiebe. Ebenso schlugen Gestapo-Beamte auf Harnack, Graudenz und Kuckhoff ein, sie bekamen ,eine Anzahl Schläge auf das Gesäß mit dem Gummiknüppel‘, wie sich der Senatspräsident Alexander Kraell erinnert.

Mehr als diese vier Folterungsfälle sind nicht erwiesen. Meist blieb es bei Drohungen und psychologischen Tricks ...“

Ob die Verhängung einer Prügelstrafe richtig ist, steht hier nicht zur Debatte, wichtiger erscheint mir die Tatsache, daß hierzu in Berlin die Erlaubnis eingeholt werden mußte. Ob dieser Befehl immer und unter allen Umständen befolgt wurde, ist eine zweite Frage. Wichtig ist, daß er in schriftlicher Form vorgelegen hat. Wie steht es dagegen mit einem schriftlichen Befehl zur Vernichtung der Juden? Meines Wissens ist bis zum heutigen Tag ein solcher Befehl nicht aufgefunden worden. Und: waren die Verhältnisse – was die Befehle von höchster Stelle betraf – in den Lagern im polnischen Gebiet so ganz anders als in den Lagern, die im Reichsgebiet lagen? Gewiß, es hat nach Zeugenaussagen Vernichtungslager gegeben, aber auch hier soll, soviel mir bekannt ist, kein schriftlicher Befehl aufgefunden worden sein.

Es würde zu weit führen, an dieser Stelle im einzelnen auf die Lager einzugehen; ich möchte nur noch verschiedene Episoden erwähnen, die zwar z. T. nur durch Leserbriefe belegt sind, die mir aber trotzdem be-

98


merkenswert erscheinen, da sie Schlaglichter auf die Geschehnisse werfen, und: vielleicht könnte das, was darin steht, sich eines Tages doch als wahr erweisen! –

Professor Kogon erwähnt auf Seite 279 (SS-Staat) einen schweren Luftangriff auf Buchenwald vom 24. 8. 44, bei dem es 384 Tote und 1482 Verwundete, darunter über 600 Schwerverletzte gegeben habe, während auf Seiten der SS 80 Mann den Tod fanden, 238 verletzt und 65 vermißt wurden.

Hierzu folgender Leserbrief aus „Nation Europa“ 12/57, S. 69:

„Der letzte Kommandant des Konzentrationslagers Buchenwald, Pistor – oder ähnlich im Klang – war mir oberflächlich bekannt. Wenn ich ihn auch nur wenige Male und nur kurz gesprochen habe, so hatte ich doch den Eindruck eines Mannes, der nicht kalt und nicht ohne Mitempfinden in seiner Aufgabe zu stehen schien. Auch seine Frau war mir flüchtig bekannt; sie gefiel durch ihre Bescheidenheit und ihr ungekünsteltes, natürliches Benehmen.

Im Sommer 1943 oder 1944 wurde das Konzentrationslager Buchenwald aus der Luft angegriffen. Einige Tage später sah ich Pistor und fragte ihn nach den Folgen. Er erzählte u. a., daß sich unmittelbar nach den Bombenabwürfen erschütternde Szenen abgespielt hätten. Eine Anzahl Wachsoldaten seien getroffen worden und hätten wehrlos dagelegen. Kein einziger Häftling hätte ihre Not ‚ausgenutzt‘. Vielmehr hätten viele das eigene Hemd zerrissen, um die Verwundeten zu verbinden. Manch einem Bewacher sei damit das Leben gerettet worden. Er erzählte weiter, daß infolge der Panik eine ganze Menge der Häftlinge fortgelaufen seien, aber schon nach wenigen Tagen seien sie alle wieder ins Lager zurückgekehrt, und zwar freiwillig, kein einziger sei ‚gebracht‘ worden. Sie hätten sich in den umliegenden Dörfern aufgehalten. Ausschreitungen seien nicht vorgekommen. Es sei also nicht Flucht vor dem ‚Lagerterror‘, sondern Flucht vor weiteren Bomben gewesen.

Ich fragte Pistor damals zweierlei:

1. ,Was für Häftlinge waren das?‘ – Antwort: ‚Zumeist Rechtsanwälte, Pastoren, Lehrer, Akademiker, die sich gegen die Regierung betätigt hatten.‘

2. ,Was wird nun mit diesen Häftlingen?‘ – Antwort: ‚Ich habe die Freilassung all dieser Männer beantragt mit der Begründung: Wer sich in dieser Notlage so hervorragend verhalten hat – obwohl es ein Leichtes gewesen wäre, zu revoltieren und diesen und jenen Wachmann zu ‚erledigen‘ –, wer im Gegenteil gerade den Bewachern, meist älteren Felddienstunfähigen, in ihrer Wehrlosigkeit geholfen und manchem das Leben gerettet hat – der hat bewiesen, daß er ein guter Deutscher ist, und der gehört nicht ins KZ. Es ist eine lange Namensliste, die ich Himmler zur Freilassung vorgeschlagen habe.‘

99


Als ich Pistor nach einigen Wochen wieder einmal sah, fragte ich ihn nach dem Ausgang seines Antrages. Er war bedrückt und erwiderte: ‚Nicht einer ist freigelassen; mein Antrag ist abgelehnt.‘

Wie ich hörte, wurde Pistor gehängt. Von seiner Familie habe ich nichts wieder gehört.

In dem tragischen Verknüpftsein von Schuld und Verhängnis möchte ich das Verhalten dieses ehemaligen Angehörigen der SS nicht verschweigen, damit neben dem in Klage und Anklage erscheinenden Schrecklichen doch auch gewußt und gesehen wird, was an Gutem gewollt, aber eben oft zunichte gemacht wurde.

F. Troll“

Wenn dieser Leserbrief auch nicht als Dokument zu werten ist, es wäre trotzdem möglich, daß alles auf Tatsachen beruht; und wenn dies der Fall sein sollte, dann dürfte die Vermutung auch nicht so abwegig sein, daß vielleicht manches ganz, ganz anders war, als es uns im Jahre 1945 gesagt wurde. Wenn die SS tatsächlich so verhaßt war, warum sind dann die Häftlinge freiwillig wieder in das Lager zurück, und warum haben sie die SS-Männer verbunden? – Wieder einmal tauchen Fragen über Fragen auf, aber sicher gibt es auch hierfür eines Tages eine befriedigende Antwort! –

Ein Kommunist, in Bad Homburg wohnend, erklärt: „Mir ist in Buchenwald nichts passiert, es ist eben darauf angekommen, wie man sich verhalten hat ...“

Vielleicht läßt sich hierdurch manches, wenn auch nicht alles erklären.

Ein anderer Bericht:

„Im Januar 1945 war ich in Danzig. Ich sah dort einen großen Zug von KZ-Angehörigen, bewacht von SS-Leuten, vor dem Hauptbahnhof. Die Gefangenen sahen jung und gesund aus; viele Menschen standen herum und erkundigten sich bei den Bewachern, um was für Leute es sich handelte und wo sie mit ihnen hin wollten. Nun, es waren Juden, und ich war Zeuge, wie viele davon mit den umstehenden Passanten Rede und Antwort tauschten – und zwar ohne Furcht oder Spuren von Panik zu zeigen. Sie wurden zum Ausbauen von Stellungen vor die Stadt geführt, und ich bin davon überzeugt, daß es noch heute viele Danziger gibt, die sich an den geschilderten Zug erinnern werden.“

Und nun zu dem Fall „Neustadt“, den ich bereits erwähnte. Mein Bekannter, der während des Krieges bei der Marine war, erzählte mir, in den ersten Maitagen des Jahres 1945 hätten bei Neustadt in Holstein an der Küste Schiffe gelegen, die etwa 8000 KZ-Häftlinge an Bord gehabt hätten. Diese Häftlinge hätte man, wie angenommen wurde, aus Lagern im Osten evakuiert. Ohne einen ersichtlichen Grund seien diese

100


Schiffe nun plötzlich von englischen Flugzeugen beschossen worden, so daß ein großer Teil der Insassen ums Leben kamen.

Als ich dies hörte, war ich zunächst skeptisch, denn warum sollte man ausgerechnet KZ-Häftlinge absichtlich unter Beschuß nehmen, die doch wahrhaftig schon genug gelitten hatten? Wahrscheinlich lag hier irgendein Irrtum vor. Vielleicht hatte sich mein Bekannter geirrt, hatte es falsch in Erinnerung, die Sache lag ja immerhin schon über 20 Jahre zurück, oder es lag irgendein anderer Grund vor, warum diese Schiffe beschossen wurden. Ich war skeptisch, bis ich in „Nation Europa“ 5/60 auf Seite 61 einen Artikel las, der mir das bestätigte, was mir mein Bekannter bereits erzählt hatte:

„Am 3. Mai 1945 lagen die deutschen Überseedampfer ,Cap Arcona‘, ‚Deutschland‘ und ‚Thielbeck‘ unweit Neustadt (Holstein), dicht an der Küste vor Anker. Sie waren überfüllt mit KZ-Häftlingen, die offensichtlich aus verschiedenen, inzwischen von den Truppen der alliierten Mächte überrollten Lagern hierher evakuiert waren.

Diese Schiffe wurden am hellichten Tage des 3. Mai, vor jedermanns Augen – und in dieser ‚letzten Stunde‘ des Krieges ohne militärische Notwendigkeit! – von britischen Jagdbombern in stundenlangen Angriffen in Brand geschossen und schließlich zum Kentern gebracht. Ob die Fahrzeuge Rotkreuz-Flaggen gesetzt hatten, muß noch geklärt werden; aber fest steht, daß sie spätestens zum Zeitpunkt der ersten Feind-Anflüge deutlich sichtbar die weiße Flagge gesetzt hatten. Außerdem wurden während des Beschusses von den Schiffsführungen und von den Häftlingen selbst überall weiße Notsignale gezeigt, indem Tischtücher und Bettlaken aus den Bullaugen geschwenkt wurden. Es ist sehr unwahrscheinlich, daß diese Signale und auch die Tatsache der Belegung der Schiffe mit Gefangenen nicht erkannt worden sein sollten.

Die Luftangriffe vollendeten ihr Werk. Heute noch erinnert, dicht am Strande zwischen Pelzerhaken und Neustadt, ein Ehrenfriedhof mit Gedenkstein an den Tod von 7000 KZ-Häftlingen, die damals vor dieser Stelle ertrunken sind.

Die Leichenhaufen der zahlreichen zuerst geborgenen Opfer wurden damals eilfertig gefilmt und fotografiert, und die grauenvollen Bilder durchliefen den Blätterwald wohl der gesamten Welt. Die dazu gelieferten Kommentare widersprachen sich allerdings von Anfang an. Ein Teil der Zeitungen erklärte, die Deutschen hätten die Greueltat verübt, diese wehrlosen Menschen einfach mitsamt den Schiffen zu versenken. Andere Journalisten stellten die Behauptung auf, die leider zu Kriegsopfern gewordenen Häftlinge seien in der Absicht an Bord gebracht worden, sie später mit den Schiffen in die Tiefe zu schicken.

101


Der aufmerksame Leser wurde schon damals über einige Widersprüche in der Logik der Berichterstattung stutzig:

1. Weshalb machte man sich deutscherseits die Mühe von KZ-Evakuierungen in Gewaltmärschen über tieffliegerbedrohte, von Flüchtlings-Trecks und Wehrmachtsverbänden verstopfte Straßen, wenn man wirklich nichts anderes im Sinn hatte als die Ermordung all dieser Häftlinge?

2. Weshalb plante man den reichlich umständlichen Weg einer Versenkung der Unglücklichen – ohne sich dabei von nautischen Fachleuten beraten zu lassen? Der verbliebene Seeraum der Westlichen Ostsee war für eine tatsächliche Versenkung derart großer Schiffe (bis zu 32.585 Bruttoregistertonnen Einzelgröße!) ungeeignet. Bei den geringen Wassertiefen hätten die oberen Decks oder die Flanken der Schiffe in jedem Fall weit aus dem Wasser geragt.

3. Wieso verfügte die Reichsführung der SS über diese Schiffe, die doch als Transporter der Kriegsmarine-Dienststelle Hamburg unterstanden? Niemals hätten doch die verantwortlichen Stellen in der Führung der deutschen Marine eine Tötung wehrloser Gefangener gebilligt, da dies den weltoffenen, ritterlichen Erziehungsgrundsätzen ihres Offizierskorps kraß widersprochen hätte. Bezeichnenderweise ist die deutsche Marineführung auch niemals wegen dieser Sache moralisch oder juristisch verurteilt worden.

4. Lagen diese Schiffe tatsächlich wegen Heizölmangels auf und dienten nur als fluchtsichere, vom Wasser isolierte Behelfsunterkünfte für die Gefangenen?

5. Oder verhielt es sich etwa so, daß beabsichtigt war, diese Schiffe mit den Häftlingen nach Schweden in Marsch zu setzen?

Es darf als erwiesen gelten, daß Himmler am 30. April oder 1. Mai 1945 in Lübeck mit Folke Bernadotte zusammengetroffen war. Übereinstimmend wird berichtet, daß Himmler angeboten hatte, ein größeres Kontingent der KZ-Häftlinge ins neutrale Ausland und damit in Sicherheit zu bringen.

Sind die Schiffe also auf Grund dieser Vereinbarungen belegt worden?

Wenn ja, dann bedeutet das demnach, daß ihre menschliche Elendsfracht dem Internationalen Roten Kreuz bekannt gewesen ist – und mit einiger Sicherheit folglich auch den kriegführenden Westmächten!

6. Selbst wenn das nicht der Fall gewesen sein sollte, warum wurden die Schiffe in letzter Minute durch so hartnäckige Angriffe versenkt, obwohl sie doch ihre Kapitulation weithin sichtbar mitgeteilt hatten?

7. Laut Gedenkstein vom Ehrenfriedhof waren die KZ-Häftlinge zum größten Teil Ausländer aus über 30 Nationen, auch Juden waren darunter.

Wollte man etwa gerade diese ausländischen Zeugen beiseite schaffen, die vielleicht einer Kollektivschuldlitanei eines Tages ebenso im Wege gestanden hätten, wie heute ein Rassinier?

102


8. Wurde das Verbrechen in der zynischen Absicht verübt, es nach dem Zusammenbruch den Deutschen in die Schuhe zu schieben?

9. Oder war vielleicht doch nur ein Zufall im Spiel, eine Verkettung tragischer Mißverständnisse?“

Könnte man nicht den Eindruck haben, daß bei der Beschießung des Krankenhauses von Buchenwald, der Bombardierung der Zufahrtswege von Bergen-Belsen und des Verbrechens von Neustadt im Hinblick auf die anschließenden Foto- und Filmaufnahmen eine gemeinsame Regie tätig war? – Ich weiß es zwar nicht, aber für ganz ausgeschlossen halte ich es nicht.

Zum Schluß dieser Überlegungen möchte ich noch einmal J. G. Burg zitieren. Er schreibt in „Schuld und Schicksal“, S. 130:

„Am 21. April 1945 fand auf dem Gut Hartzwalde bei Berlin die Aussprache zwischen Himmler und Masur statt. Am Ende des Gesprächs ließ Himmler Masur einen schriftlichen Befreiungsschein für tausend jüdische Frauen aus Ravensburg ausstellen und verfügte, daß sofort alle Lager an der Schweizer oder schwedischen Grenze geöffnet würden. Himmler betonte beim Abschied Masur gegenüber, daß er, Himmler, auch mit amerikanischen Organisationen wegen der jüdischen Auswanderung verhandelt habe, doch vergeblich.

Unterdessen war schon die erste Freilassungsaktion, die durch Dr. Kleist auf Initiative Hillel Storchs ins Rollen kam, voll angelaufen. Himmler hatte mehrere tausend skandinavische, französische und jüdische KZler entlassen. Er stellte nur die Bedingung, daß der Transportraum zur Verfügung gestellt würde, und Kersten war nach Stockholm geflogen, um 150 Autobusse zu organisieren. Der schwedische Außenminister Christian Günther hatte Kersten den Rat gegeben, sich mit dem Grafen Bernadotte in Verbindung zu setzen, der Vertreter des Internationalen Roten Kreuzes in Schweden war.

Bernadotte akzeptierte den Vorschlag und organisierte die Autobusse, doch als es in Deutschland zur Übernahme der Häftlinge kam, wollte Graf Bernadotte nur die Skandinavier und die Franzosen, jedoch nicht die Juden in Empfang nehmen.

Kersten gab später an, daß Graf Bernadotte am 10. März 1945 folgenden Brief an Himmler geschrieben hätte:

‚Sehr geehrter Herr Himmler! Die Juden sind in Schweden ebenso unerwünscht wie in Deutschland. Daher verstehe ich Sie vollkommen in der Judenfrage. Wie mir Medizinalrat Kersten mitteilte, haben Sie ihm fünftausend Juden freigegeben zum Abtransport nach Schweden. Ich bin damit nicht zufrieden, denn ich will keine Juden abtransportieren. Da ich das aber offiziell nicht verweigern kann, so bitte ich Sie, tun Sie es, Herr Himmler ...‘

103


Wie dem auch immer sei: Tatsache ist, daß der Abtransport von Juden nach Schweden selbst 1945 noch auf große Schwierigkeiten stieß. Brigadeführer Schellenberg und Rudolf Brandt, welche die Entlassungsaktion überwachten, weigerten sich nun ihrerseits, Häftlinge ohne die Juden zu entlassen, und meldeten Himmler den Fall. Dieser machte Kersten darauf aufmerksam, daß sein Versprechen voll erfüllt werden müßte: Ohne die Juden keine Befreiung der anderen! Nun erst fügten sich die Schweden und nahmen auch die Juden auf.“

Sollten tatsächlich doch irgendwelche – noch unerklärliche – Zusammenhänge bestehen, die vieles in einem anderen Licht erscheinen lassen?

104


VII.

Über die Zahl der ermordeten Juden

Ich möchte nun auf die Zahl zu sprechen kommen, die die Welt am meisten erregt und die die furchtbarste Anklage gegen das deutsche Volk bildet: die Zahl von sechs Millionen ermordeter Juden. –

Ich will nicht nachrechnen, wieviel illegale Einwanderer in den letzten Jahrzehnten nach Amerika gelangt sind – vor Jahren sollte ja in den USA eine Volkszählung durchgeführt werden, die allerdings auf jüdischen Widerstand gestoßen sein soll –, ich will auch nicht um diese Zahl feilschen, ich will nicht sagen: vielleicht sind es nur vier Millionen gewesen, oder gar etwa nur drei. Nein, darum geht es mir ganz und gar nicht, denn darüber besteht für mich kein Zweifel: selbst wenn es nur ein einziger Jude war, der getötet wurde, weil er Jude war, dann ist es ein Verbrechen, genauso, wie es ein Verbrechen ist, wenn ein Neger getötet wird, weil er ein Neger ist, oder, wenn ein Deutscher getötet wird, weil er Deutscher ist. Jede Art von Rassismus, die darauf hinausläuft, Angehörige einer anderen Rasse zu diffamieren oder darauf hinzuarbeiten, daß Angehörige dieser anderen Rasse getötet werden, ist zu verurteilen.

Wenn ich mich nun doch mit dieser Zahl beschäftigt habe, dann nur, weil es hier zu viele Widersprüche zu geben scheint.

Ein eventueller Einwand, ich würde mit meinen Zweifeln das Andenken der Ermordeten beschmutzen oder schädigen, ist nicht hieb- und stichfest, da ich ja nicht die wirkliche, den Tatsachen entsprechende Zahl der verbrecherisch getöteten Juden anzweifle, sondern lediglich die darüber hinausgehende überhöhte Zahl und, da es sich ja hierbei nicht um existente Wesen handelt, kann folglich auch ihr Andenken nicht geschädigt werden. Es ist mir, um es nochmals zu betonen, einzig und allein um die historische Wahrheit zu tun.

Rudolf Höß, der Kommandant von Auschwitz, behauptet, daß unter seiner Leitung 2,5 Millionen Juden getötet worden seien. Diese Zahl sei ihm von Eichmann genannt worden, ihm selbst sei die Zahl nicht bekannt gewesen. Dr. Broszat, Mitarbeiter des Instituts für Zeitgeschichte, hat als Zeuge beim Auschwitz-Prozeß in Frankfurt die Zahl der in Auschwitz getöteten Juden mit etwa einer Million angegeben. Auf meine

105


Anfrage beim Institut, daß doch die Zahl von sechs Millionen nicht stimmen könne, wenn statt 2,5 Millionen (von Höß angegeben), nur eine Million richtig sei, wurde mir geantwortet, daß die von Höß angegebene Zahl sicher zu hoch gegriffen ist, Höß hätte sie auch selbst nur geschätzt, da über die Tötungen nicht Buch geführt wurde. Man teilte mir weiter mit, daß die Zahl der getöteten Opfer – nach vorliegenden und ernsthaften Schätzungen auf Grund des vorliegenden Aktenmaterials – zwischen 4,5 und 6 Millionen liegen muß. –

Im Vorwort des Buches „Auschwitz“ von Bernd Naumann steht, daß die Schätzungen der Historiker für dieses Lager zwischen einer Million und vier Millionen ermordeter Juden schwanken.

Ob man bei einer Differenz von drei Millionen noch von ‚ernsthaften Schätzungen‘ sprechen kann, wage ich als Laie nicht zu entscheiden.

Ich sah nun ein, daß ich auf diesem Wege nicht weiter kam, und überlegte, auf welche andere Art ich vielleicht zum Ziel kommen könnte.

Zufällig erfuhr ich, daß in den „Basler Nachrichten“ im Jahr 1946 eine Abhandlung über die Zahl der jüdischen Opfer erschienen sei:

„Ganz unabhängig von den in Nr. 241 der ‚Basler Nachrichten‘ veröffentlichten Angaben von Dr. Perlzweig, Chef des politischen Departements des Weltjudenkongresses, über die Zahl der Juden, die dem Antisemitismus des Naziregimes in Europa zum Opfer gefallen sind, haben wir, von einem Korrespondenten in Amerika unter dem Titel ‚Wie hoch ist die Zahl der jüdischen Opfer?‘ die folgenden Ausführungen erhalten:

Fast alle Staaten (mit der bezeichnenden Ausnahme der Sowjetunion) haben inzwischen die offiziellen Ziffern ihrer Kriegsverluste bekanntgegeben – wobei sich die erstaunliche Tatsache ergab, daß diese Verluste durchwegs unter denen des ersten Weltkriegs lagen.

Um so verwunderlicher ist es, daß hinsichtlich der Verluste des jüdischen Volkes bisher keinerlei offizielle Ziffern, sondern nur private und offiziöse Schätzungen veröffentlicht wurden. Diese Schätzungen bewegen sich – wohl nach einer zentralen Propagandaziffer – zwischen 5 und 6 Millionen Toten, die das jüdische Volk als Folge der Verfolgungen des Hitlersystems und des Krieges erlitten haben soll. Wenn diese Zahl stimmt, dann wären die Verluste der Juden größer als die Verluste Englands, Amerikas, Australiens, Kanadas, Neuseelands, Frankreichs, Belgiens, Hollands Dänemarks, Norwegens und Luxemburgs zusammen, was es doppelt unbegreiflich macht, daß man sich noch immer mit einer bloßen Schätzung dieser gewaltigen Verlustziffer begnügt.

Aber ein summarischer Überblick macht es erkennbar, daß diese Zahl der jüdischen Opfer nicht stimmen kann. – Angesichts des erwähnten merk-

106


Noch Zitat:

würdigen Mangels offizieller Unterlagen kann man die Frage heute nur auf Grund der vorliegenden allgemeinen Angaben untersuchen.

Danach betrug die Zahl der Juden in Europa – außerhalb der Sowjetunion – im Jahre 1933 ungefähr 5,6 Millionen, eine Zahl, die American Jewish Conference (gemäß einem Bericht in den ,New York Times‘ vom 11. Januar 1945!) selbst angab. – Von dieser Zahl müßten noch zirka 1 Million in Abzug gebracht werden, die östlich der Molotow-Ribbentrop-Linie lebten und also vor dem 21. Juni 1941 völlig außerhalb der Verfolgung des Hitlersystems standen und sich nach diesem Datum zum allergrößten Teil mit der zurückgehenden Roten Armee ins Innere Rußlands und nach Sibirien flüchteten. Selbst wenn wir annehmen, daß sich nur ungefähr die Hälfte dieser östlich der Ribbentrop-Molotow-Linie lebenden Juden vor dem Einmarsch der Nazis retten konnten, so gewinnen wir doch eine feste, auch von der höchsten jüdischen Autorität anerkannte Ausgangszahl einer jüdischen Gesamtbevölkerung in Europa von 5 Millionen Juden, die überhaupt in den Machtbereich Hitlers geraten konnten.

Aber auch hiervon müssen sofort abgezogen werden die in den neutralen Ländern Europas lebenden Juden. Gemäß ,World Almanac 1942‘, Seite 504, betrug die Zahl der Juden in diesen neutralen bzw. nicht von Hitler überrannten Ländern: Gibraltar 868, England 300.000, Portugal 1200, Spanien 4000, Schweden 6653, Schweiz 17.973, Irland 3686, Türkei 78.730 – zusammen also: 413.128.

Somit verringert sich die Zahl der für Hitler und Himmler überhaupt ‚greifbaren‘ Juden in Europa auf zirka 4,5 Millionen. Von dieser Zahl wiederum ist nun in Abzug zu bringen der gewaltige Flüchtlingsstrom, der sich in den Jahren 1933–1945 in alle Länder und Erdteile ergoß. Bei der großen internationalen Unterstützung, die diesem Flüchtlingsstrom bedrohter Juden mit Recht zuteil wurde, gelang es einem ganz erheblichen Prozentsatz dieser Juden, einen sicheren Hafen zu erreichen.

Leider liegen auch hier keine genauen offiziellen Statistiken vor, die die Einwanderung von Juden nach Nord- und Südamerika, nach Australien, Asien sowie in die neutralen Länder Europas exakt wiedergeben. Da jedoch die Annahme berechtigt ist, daß von 1933 an mindestens 80 Prozent der unter der Rubrik ‚Deutsche, Österreicher und Polen‘ klassifizierten Einwanderer Angehörige des jüdischen Volkes waren und seit Kriegsbeginn wohl nahezu die gesamte Zahl dieser Einwanderer Juden waren, so ergibt eine aus verschiedenen Quellen (u. a. der jüdischen Zeitung ‚Aufbau‘) zusammengestellte Übersicht ungefähr folgendes Bild der jüdischen Einwanderung von 1933 bis 1945:

Nach England zirka 120.000, Schweden zirka 25.000, Schweiz zirka 60.000, Spanien und Portugal zirka 5000, Kanada zirka 60.000, USA zirka 450.000, Zentralamerika zirka 75.000, Südamerika zirka 225.000, Australien zirka

107


Noch Zitat:

15.000, China (Schanghai!) zirka 35.000, Indien zirka 25.000, Afrika zirka 45.000, Palästina zirka 300.000. Zusammen also zirka 1.440.000 oder rund 1,5 Millionen.

Dabei ist jeder Zustrom in die gewaltigen Gebiete der Sowjetunion und Sibirien außer Ansatz geblieben, weil darüber keinerlei Statistiken vorliegen. Bemerkt sei allerdings, daß gemäß einem Bericht in den ,New York Times‘ allein nach Sibirien mehr als 500.000 polnische Juden geflüchtet sein dürften, wie aus einem kürzlichen Vortrag einer von dort zurückkehrenden jüdischen Dame hervorging.

Die Zahl der Juden, die also tatsächlich in den Machtbereich Hitlers fielen, verringert sich dadurch höchstens auf 3 Millionen. Leider umfaßt der Mangel an genauen Zahlen auch die Zahl der überlebenden Juden in Europa, und selbst der ausführliche Bericht des englisch-amerikanischen Palästina-Komitees begnügt sich merkwürdigerweise nur mit ‚Schätzungen‘. Gemäß dieser Schätzung beträgt die Zahl der heute noch in Europa (außerhalb der Sowjetunion) lebenden Juden 1.559.660.

Es ergibt sich also nach dieser Aufstellung, die zwar leider nicht auf neuen amtlichen Zahlen beruht, deren Grundzahlen aber durchwegs von offizieller Seite stammen, daß alles in allem weniger als 1,5 Millionen Juden vorläufig als ,tot oder vermißt‘ bezeichnet werden müssen.

Es ist zu hoffen, daß auch von dieser Zahl sich noch ein erheblicher Prozentsatz auffinden wird, wenn erst einmal genaue Statistiken vorliegen. Angesichts der gewaltigen Bedeutung, die gerade die ‚Ausrottung der Juden‘ in der Weltmeinung erhalten hat, ist es von zwingender Notwendigkeit, daß die Vereinten Nationen schnellstens einen offiziellen Untersuchungsausschuß ins Leben rufen, um festzustellen, wie hoch wirklich die Todesopfer des jüdischen Volkes gewesen sind.

Eines ist schon heute sicher: die Behauptung, daß diese Zahl 5–6 Millionen beträgt (eine Behauptung, die sich unbegreiflicherweise auch der Palästinaausschuß zu eigen macht) ist unwahr. Die Zahl der jüdischen Opfer kann sich zwischen 1 und 1,5 Millionen bewegen, weil gar nicht mehr für Hitler und Himmler ‚greifbar‘ waren. Es ist aber anzunehmen und zu hoffen, daß die endgültige Verlustziffer des jüdischen Volkes sogar noch unter dieser Zahl liegen wird. Aber Klarheit tut not — und deshalb sollte eine Untersuchung seitens eines eigenen Ausschusses der UNO die für Gegenwart und Zukunft so wichtige Wahrheit feststellen.“ (Nr. 243. 13. 6. 1946)

Was mir an dieser Abhandlung besonders bemerkenswert erscheint, ist der Umstand, daß sie etwa ein halbes Jahr nach der Erklärung des Dr. Wilhelm Höttl veröffentlicht wurde.

Dr. Höttl war SS-Obersturmbannführer und Mitarbeiter Eichmanns. Er erklärte, dieser hätte ihm gesagt, in den verschiedenen Vernichtungs-

108


lagern seien etwa 4 Millionen Juden getötet worden, während weitere 2 Millionen auf andere Weise den Tod fanden, wobei der Großteil davon durch die Einsatzkommandos erschossen worden sei. Höttl, der nach seiner eigenen Angabe bereits während des Krieges englischer Agent gewesen sein will, gab diese Erklärung in schriftlicher Form ab, obwohl er zu dieser Zeit ebenfalls in Nürnberg inhaftiert war und also auch mündlich hätte vernommen werden können.

Der Antrag der Verteidigung, Dr. Höttl zum Kreuzverhör persönlich vorzuladen, wurde abgelehnt. Anscheinend war sich die Anklagebehörde nicht sicher, ob Dr. Höttl einem solchen Kreuzverhör standhalten würde.

Dieses Affidavit, diese schriftliche eidesstattliche Erklärung wurde am 14. Dezember 1945 verlesen und ist das einzige Beweismittel, das in Nürnberg für die 6 Millionen vorgelegt wurde und das nur noch von Obersturmführer Wisliceny bestätigt wurde. Andere Zeugen gab es nicht für diese Zahl. –

Und bereits ein halbes Jahr später findet es ein Journalist, ein Mitarbeiter einer Schweizer Zeitung, unbegreiflich, daß man noch an diese Zahl glaubt – inzwischen sind weitere 23 Jahre vergangen – und rechnet aus, daß im Höchstfall 1,5 Millionen umgekommen sein können, da einfach nicht mehr dagewesen sein konnten, wie er – meiner Meinung nach – glaubhaft nachweist. Er regt an, sofort eine Untersuchung seitens der UNO einzuleiten, was meines Wissens bis heute noch nicht geschehen ist, denn die Rechnungen, die nachher aufgemacht wurden, scheinen mir alle mehr oder weniger Konstruktionen zu sein, die die Nürnberger Zahl stützen sollen; und ich glaube nicht, daß ich mich hierin irre. –

Vor mir liegt die Fotokopie einer dpa-Meldung aus dem Jahre 1954, die besagt, daß auf sowjetischem Gebiet 3.390.000 Juden spurlos verschwunden sein sollen:

„–dpa 7al, Rabbi Schultz: Millionen von Juden während des Krieges auf sowjetischem Gebiet verschwunden.

New York, 24. Sept. 54. dpa. Der Vorsitzende der ‚Jüdischen Liga‘ in den USA, Rabbi Benjamin Schultz, erklärte am Donnerstagabend in New York, während des Zweiten Weltkrieges seien 3.390.000 (drei drei neun null tausend) Juden auf sowjetischem Gebiet spurlos verschwunden. Beim Angriff Hitlers auf die Sowjetunion habe es in einem Gebiet, in dem heute nur noch 1.750.000 (eins sieben fünf null tausend) Juden leben, 5.140.000 (fünf eins vier null tausend) Juden gegeben.

Rabbi Schultz, der vor einem Untersuchungsausschuß des Repräsentantenhauses sprach, sagte: ,Dieses Massaker ist von bestimmten westlichen Stellen

109


vorsätzlich verheimlicht worden, die aus Überzeugung oder aus diplomatischen Erwägungen nicht die Wahrheit über die Sowjetunion erzählen wollten.‘ Ein anderer jüdischer Zeuge, Jacob Zuckerman, berichtete vor dem Ausschuß, fünfhunderttausend jüdische Flüchtlinge aus dem nationalsozialistischen Deutschland seien in der Sowjetunion spurlos verschwunden. Die beiden Redner regten eine UNO-Untersuchung über Lebensverhältnisse der Juden in der Sowjetunion an. (nach Reuter).“

Ein Leserbrief aus „Nation Europa“ 8/52, Seite 65, zum gleichen Problem:

„Im Mai des Jahres 1945 wurde ich in das zuerst amerikanische, später englische Konzentrationslager Staumühle überführt. Wir wurden von Anbeginn an mit der übelsten Greuelpropaganda überschüttet, so daß nach dem Verlauf von einem Jahr kein Insasse mehr richtig wußte, was nun eigentlich vor sich gegangen war. Das war der Zweck der Übung. Zu Beginn des Sommers 1947 hatten sich auf Befehl der Engländer die sogenannten Spruchgerichte gebildet. Bei diesen Gerichten wurde das Wissen um irgendwelche Vorgänge bestraft. Das Gericht machte sich die Sache sehr einfach und sprach die Bestrafung mit der Begründung aus, daß der Angeschuldigte auf Grund seiner Schulbildung und seiner sozialen Stellung von diesen Vorgängen hätte wissen müssen. Bei den Verhandlungen war natürlich der Hauptangelpunkt die angeblich umgebrachten 6 Millionen Juden. Ich hatte in meinem ganzen Leben noch nie etwas vom Konzentrationslager Auschwitz gehört, in dem ja die Juden zu Millionen in den Gaskammern vernichtet worden sein sollten.

Im Monat Juli oder August 1947 wurde ein Jude mit Namen Zißmann, der sehr übel zugerichtet war, in das Interniertenkrankenhaus zwecks Ausheilung durch die internierten Ärzte eingeliefert. Wie wir von ihm erfuhren, war er Angehöriger der polnischen Anders-Armee gewesen, hatte sich verbotswidrig nach Berlin begeben, war dort den Amerikanern in die Hände gefallen, die ihn später den Engländern übergeben hatten. Diese hatten ihn in dem berüchtigten Lager Bad Nenndorf so schauderhaft zugerichtet. Nachdem er wieder einigermaßen hergestellt war, durfte er sich in Begleitung eines SS-Mannes außerhalb des Gebäudes bewegen. Bei dieser Gelegenheit kamen auch wir mit ihm ins Gespräch. Da er von ‚draußen‘ kam, wußte er natürlich über die Dinge sehr gut Bescheid, die sich jenseits des Stacheldrahtes begaben. Eines Tages erzählte er uns, daß demnächst die Spruchgerichte anlaufen würden und Hauptanklagepunkte die Judenmorde seien. Da wir uns sehr ordentlich und hilfsbereit gegenüber ihm benommen hätten, wolle er seine Dankesschuld dadurch abtragen, daß er vor einem deutschen Notar eine eidesstattliche Versicherung in dieser Sache abgebe. Er sei außerdem bereit, vor einem deutschen Spruchgericht seine eidesstattliche Erklärung unter Eid zu wiederholen. Er versicherte uns, daß sowohl in Auschwitz als auch in Polen über 1 Million Juden nach Abzug der Deutschen von den Polen um-

110


gebracht worden seien. Alles andere sei Lüge. Die Engländer haben, wie sie selbst angaben, diese Tatsache gewußt.

In meinem Spruchgerichtsverfahren habe ich diese eidesstattliche Versicherung mit dem Bemerken dem Gericht übergeben, daß wir unmöglich von Vorgängen Kenntnis haben könnten, die nach Angabe eines Juden nicht geschehen seien. Das Gericht, dem ja der Zeuge zur Verfügung gestanden hätte, ging mit der Bemerkung darüber weg, daß das nicht hierher gehöre. Dieses Gericht hatte im Jahre 1947 die einmalige Möglichkeit, die Behauptungen zu klären – und ließ sie absichtlich ungenutzt. Dr. H. W. Sch.“

Eine Erklärung von Rechtsanwalt Pinter in „Our Sunday Visitor“, Huntington, Indiana; 1959:

„Gewisse Darlegungen in amerikanischen Magazinen schüren wieder einmal grausamen Haß gegen die Deutschen. Sie folgen einem regelrechten Muster von Propaganda gegen alles Deutsche, welches durch alle Zeitschriften und Fernsehprogramme läuft. Da es eben zu dieser Zeit geschieht, wo wir versuchen, mit den kommunistischen Gangstern wegen des deutschen Problems zu verhandeln, scheint es sich um eine ausgesprochene Verschwörung zugunsten der Russen zu handeln.

Es sind falsche Darlegungen in diesen Aufsätzen enthalten, wie der Hinweis auf ,Gaskammern im Lager Dachau‘.

Ich war nach dem Kriege als Anwalt des US-Kriegsministeriums 17 Monate in Dachau und kann sagen, daß es keine Gaskammer in Dachau gab. Was Besuchern und Neugierigen als ‚Gaskammer‘ bezeichnet wurde, war eine Kammer zur Feuerbestattung. Ebensowenig gab es Gaskammern in anderen Konzentrationslagern in Deutschland. Es wurde uns gesagt, daß es eine Gaskammer in Auschwitz gegeben habe; da dies aber in der russischen Besatzungszone lag, konnten wir die Sache nicht untersuchen, weil die Russen es nicht zuließen.

Man erzählt auch immer wieder das alte Propagandamärchen, daß ‚Millionen‘ Juden von den Nationalsozialisten getötet worden seien. Nach dem, was ich während sechs Nachkriegsjahre in Deutschland und Österreich ausfindig machen konnte, wurden tatsächlich Juden getötet; aber die Zahl einer Million wurde sicherlich nicht erreicht. Ich sprach mit tausenden Juden, früheren Insassen von Konzentrationslagern in Deutschland und Österreich, und halte mich deshalb für berufener als irgendeiner, in dieser Sache zu sprechen.“

In der Schweizer Zeitung „Die Tat“ wurden am 19. Januar 1955 die amtlichen Zahlen über die Verluste an Menschen während des zweiten Weltkrieges veröffentlicht:

„Die erschütternde Bilanz zweier Weltkriege.

Vor einigen Tagen wurden die amtlichen Zahlen über die kaum vorstellbaren Verluste an Menschenleben, die der zweite Weltkrieg gekostet hat,

111


Noch Zitat:

bekanntgegeben. Eine Bilanz des Grauens, ein vernichtendes Zeugnis für die Menschheitsgeschichte, so muß man sagen, wenn trockene Zahlen zu sprechen beginnen.

Im Weltkrieg 1914–1918 wurden rund 60 Millionen Menschen unter die Fahnen gerufen, von denen insgesamt 9.266.897 tot auf den Schlachtfeldern verblieben. Die Zivilbevölkerung beklagte in der gleichen Zeitspanne einen Verlust von 500.000 Menschen, und an Verwundeten wurden bei den Armeen und der Zivilbevölkerung rund 21 Millionen Opfer gezählt.

Im Weltkrieg 1939–1945 wurden rund 110 Millionen Menschen unter die Fahnen gerufen, von denen insgesamt rund 27 Millionen nicht mehr heimkehrten. Dieser unerhörte Blutzoll verteilt sich auf die verschiedenen Länder bzw. Armeen wie folgt:

Verluste der deutschen Wehrmacht ohne Österreich 3.250.000
Italienische und österreichische Armeeverluste 560.000
Verluste der westalliierten Armeen ohne USA 610.000
Armeeverluste der ost- und südosteuropäischen Staaten ohne Sowjetunion 1.000.000
Verluste der Sowjetarmee 13.600.000
Verluste der Armee der Vereinigten Staaten 229.000
Verluste aller übrigen Armeen, besonders in Ostasien 7.600.000
Im Krieg Vermißte, die als tot angesehen werden müssen 300.000

Gesamtverluste an Soldaten:

27.149.000

Während im ersten Weltkrieg die Zahl der getöteten Zivilbevölkerung rund 500.000 Personen erreichte, brachte die zum Teil total geführte Kriegsweise im zweiten Weltkrieg einen neuen ‚Rekord‘ an Traurigkeit. Die amtlichen Zahlen lauten:

Verluste der deutschen Zivilbevölkerung und der damaligen Ostprovinzen des Deutschen Reiches, als Folge der Luftangriffe wie auch der Umsiedlungen 2.050.000
Verluste der Volksdeutschen während ihrer Vertreibung (Vertreibung
durch die Russen)
1.000.000
In den Gefängnissen, Konzentrationslagern usw. von 1939 bis 1945 verstorbene Deutsche, einschließlich der deutschen Juden, als Folge politischer, rassischer oder religiöser Verfolgungen 300.000
Italienische und österreichische Zivilverluste 190.000
Westalliierte Zivilverluste ohne USA 690.000

Verluste der Zivilbevölkerung der ost- und südosteuropäischen Staaten ohne Sowjetunion

8.010.000
Verluste der Zivilbevölkerung der Sowjetunion 6.700.000
Verluste aller übrigen Zivilbevölkerungen, bes. in Ostasien 6.000.000

Gesamtverlust an der Zivilbevölkerung:

24.940.000

112


Noch Zitat:

Zu den total 52.089.000 Toten des zweiten Weltkrieges müssen leider auch noch die rund 5 Millionen Soldaten und Zivilisten hinzugerechnet werden, die als vermißt gemeldet sind und wohl kaum – oder nur zum kleinsten Teil – noch am Leben sind. So unvorstellbar auch diese Zahl menschlicher Opfer ist, so sind hier die Verwundeten noch nicht erwähnt. Im zweiten Weltkrieg wurden 35 Millionen Menschen – Männer, Frauen und Kinder – verwundet, und viele von ihnen sind derart verunstaltet, daß sie keinem menschenähnlichen Wesen mehr gleichen.

Zählen wir die Opfer der beiden Weltkriege zusammen, dann kommen wir auf rund 67 Millionen Tote und 56 Millionen Verwundeter, eine erschütternde Bilanz für zwei sinnlose, von skrupellosen „Führern“ angezettelten Kriege.“

„Die Tat“ hatte mir auf meine Bitte liebenswürdigerweise eine Fotokopie obiger Veröffentlichung übersandt. In dem Begleitschreiben dazu steht:

„... Wir bitten Sie – da wir in vielen Fällen eine absichtlich falsche Auslegung dieser Zahlen erfahren mußten – ganz besonders zu beachten, daß in die Zahl von 300.000 in Gefängnissen, Konzentrationslagern usw. gestorbener Deutscher lediglich die deutschen Juden eingeschlossen sind. Zu dieser Zahl müssen all jene jüdischen Opfer in den Ländern des damaligen deutschen Machtbereichs, die in den verschiedenen Lagern ihr Leben verloren haben, hinzugerechnet werden. Die Gesamtzahl dieser Opfer wird in der 26. Auflage von Ploetz’ ‚Auszug aus der Geschichte‘ (1960) mit etwa sechs Millionen errechnet.“

Es gibt noch eine ganze Reihe von Veröffentlichungen über die Verluste an jüdischen Menschen, aber ich möchte es hiermit bewenden lassen und es dem Leser überlassen, sich selbst ein Urteil zu bilden. –

Die Veröffentlichungen der orthodoxen Seite sind nicht vergessen, sondern bewußt weggelassen worden, da sie ja allgemein bekannt sind und es mir darum geht, in diesem Fall die Auffassung der anderen Seite darzulegen. Eine eigene Stellungnahme kann ich auch nicht dazu geben, da mir noch nicht alle Fakten bekannt sind; etwas aber glaube ich jetzt schon sagen zu können; nämlich, daß die Zahl von 6 Millionen reichlich überhöht sein dürfte und dringendst einer generellen Überprüfung bedürfte.

Noch etwas – so meine ich wenigstens – ist bei der Frage der „Judenvernichtung“ nicht genügend gewertet worden, und zwar der Sinn einer solchen Maßnahme: was sollte damit bezweckt werden, was sollte erreicht werden?

113


Sollte es Rache sein, sollte Hitler oder Himmler diese Befehle nur aus Haßgefühlen erteilt haben? – Ich weiß es nicht, bin aber nicht mehr davon überzeugt, seitdem ich weiß, daß weder von Hitler noch von Himmler oder Heydrich ein Befehl zur Vernichtung vorliegt. Es sind alles nur Annahmen: man nimmt an, daß Befehle dieser Art mündlich erteilt worden sind, aber mehr weiß man nicht.

Zu der viel zitierten „Wannsee-Konferenz“, auf der die „Vernichtung der Juden“ beschlossen worden sein soll, sagt Prof. Rassinier in „Was ist Wahrheit“ auf Seite 91:

„Bei den Wannseeprotokollen handelt es sich um den Bericht über eine Konferenz, die am 20. Januar 1942 stattfand. Die Teilnehmer waren jene Staatssekretäre, die dienstlich mit der Lösung der Judenfrage zu tun hatten, und die Leiter der Dienststellen, die mit der Ausführung beauftragt waren. In diesem Bericht ist weder von Gaskammern noch von einer Vernichtung die Rede, sondern nur von einer Überführung von Juden nach Osteuropa. Eine recht geschickte Deutung der verwendeten Formulierungen und der Form, in der diese Protokolle vorliegen, behauptet nun, daß die Absicht zur Vernichtung dort zwar nicht ausdrücklich erwähnt wird, daß sie aber zwischen den Zeilen geschrieben stünde.“

In einer Anmerkung hierzu schreibt er weiter:

„In den französischen Übersetzungen der Protokolle findet sich zum Beispiel als Übersetzung des Ausdrucks ,die Zurückdrängung der Juden aus dem Lebensraum des deutschen Volkes‘ ,1’élimination des Juifs de l’escape vital allemand‘, wobei man dem Wort ‚élimination‘ in einem Kommentar die Bedeutung ‚Vernichtung‘ unterschiebt – und in der englischen und russischen Übersetzung hat man das gleiche getan. Daraufhin hat die deutsche (!) Presse sofort diese Versionen mit dem dazugegebenen Kommentar ins Deutsche zurückübersetzt und sie jahrelang so verbreitet.

Aber um auszudrücken, daß sie sich entschlossen hatten, die ‚Zurückdrängung der Juden aus dem deutschen Lebensraum‘ zu betreiben, haben die Deutschen auch andere Vokabeln gleicher Bedeutung verwendet, wie ‚Ausschaltung‘ oder ‚Ausrottung‘. Das letztere Wort ist mit ‚extermination‘, also ‚Vernichtung‘ wiedergegeben worden.

So hat Himmler zum Beispiel in seiner Posener Rede vor den Obergruppenführern der Waffen-SS am 4. Oktober 1943 erklärt: ,Ich meine jetzt die Judenevakuierung, die Ausrottung des jüdischen Volkes, usw. ...‘ In dem nächsten Satz präzisiert er, was er meint, und gebraucht dabei das Wort ‚Ausschaltung‘ (P. S. 1919 IMT Band XXIX, S. 145). Aber in dem französischen Buch ,Le Dossier Eichmann‘, Paris 1960, übersetzt Billig: ‚J’entends par là l’évacuation des Juifs, c’est-à-dire extermination ....‘ (S. 47),

114


was, genau ins Deutsche rückübersetzt heißt: ,Ich verstehe darunter die Evakuierung der Juden, das heißt ihre Vernichtung.‘ ...

Die Wannseekonferenz hatte zum Zweck, die Verbringung der Juden in die Lager zu regeln, wo sie bis zum Ende des Krieges bleiben sollten. Das Wort, das gebraucht wird, um diese Operation zu beschreiben, ist weder ‚Ausrottung‘ noch ‚Ausschaltung‘ – beide kommen in den Protokollen nicht einmal vor, – sondern ‚Zurückdrängung‘, was doch wohl etwas ganz anderes ist als ‚völlige Vernichtung‘.“

In „Anatomie des SS-Staates“, dtv-Ausgabe, Bd. 2, steht auf Seite 129:

„... Höß schreibt weiter, daß außer den Juden auch andere kranke Häftlinge, die sich im Krankenbau befanden, ‚ebenfalls durch Injektionen unauffällig getötet‚ wurden. Der betreffende Arzt habe in diesen Fällen auf der Todesbescheinigung ,eine rasch zum Tode führende Krankheit‘ angegeben.

Es scheint sich hierbei um eine mehr oder weniger stillschweigend geduldete und gutgeheißene Übung gehandelt zu haben, die im Gegensatz zur Vernichtung der Juden nicht durch Führerbefehl förmlich gedeckt war ...“

Da hiernach jeder unbefangene Leser annehmen mußte, daß ein Führerbefehl zur Vernichtung vorliegt, habe ich das Institut für Zeitgeschichte um Übersendung einer Fotokopie gebeten. Man gab mir zur Antwort:

„ ... Was den Führerbefehl zur Ermordung der Juden betrifft, nach dem Sie fragen, so ist ein solcher in schriftlicher Form nicht aufgefunden worden, jedoch ergibt sich aus vielen Zeugnissen, daß er mündlich erteilt worden sein muß. Wir bitten Sie, dazu die Ausführungen von Dr. H. Krausnick über die Judenverfolgung ‚Anatomie des SS-Staates‘ Bd. 2, dtv-Ausgabe, S. 235–365, zu lesen, in denen immer wieder auf die Frage nach dem Führerbefehl eingegangen wird.“

Man nimmt also an, daß der Befehl „mündlich erteilt worden sein muß“. Ein solcher Bescheid sagt meines Erachtens so gut wie gar nichts. Wenn eine staatliche Einrichtung, wie das „Institut für Zeitgeschichte“, zugeben muß, daß es in einer so wichtigen Angelegenheit keinen schriftlichen Befehl, sondern nur Vermutungen gibt, daß „er mündlich erteilt worden sein muß“ (noch nicht einmal: „ist“), dürfte jeder Kommentar hierzu überflüssig sein.

Ich habe nun den empfohlenen Text gelesen, aber mehr als Vermutungen waren auch hier nicht zu finden. Es wird zwar davon gesprochen, daß das „Judentum“ vernichtet werden soll, daß das „Ostjudentum“ nach Ansicht des Führers vernichtet werden müsse, aber was

115


besagt das? Man spricht auch vom „Christentum“, aber es fällt niemand ein, zu denken, daß hiermit die Menschen, die Christen, gemeint sind, weil jeder weiß, daß es sich bei der Bezeichnung „Christentum“ um die Lehre der Christen handelt. Es werden Schilderungen als bereits bewiesene Tatsachen angenommen, ohne daß man sich – wie Taylor es macht – Gedanken nach dem: warum, nach dem Sinn der Befehle oder Handlungen macht. – Aber dies nur nebenbei.

Viel wesentlicher erscheint mir aber etwas anderes, was mir beim Studium der Ausführungen des Herrn Dr. Krausnick auffiel, was ich aber wahrscheinlich als „Durchschnittsleser“ nicht bemerkt hätte, wenn mein Blick für solche Dinge nicht inzwischen etwas schärfer geworden wäre.

Es fiel mir auf, daß Herr Dr. Krausnick sehr viel Nürnberger Prozeßmaterial als Quelle nennt. Nach der vielsagenden Bemerkung Shirers, daß – zumindest in einem Teil der Dokumentenbände – „viele Urkunden und Aussagen fehlen“, sowie nach den Enthüllungen im Fall „Gaus“ scheint mir diese Quelle denn doch etwas zweifelhaft.

Ich überlasse es dem Leser, sich eine eigene Meinung zu bilden. Sollte ich mich bei der obigen Überlegung geirrt haben, bin ich gerne bereit, meine Meinung zu revidieren, wenn mir ein entsprechender Gegenbeweis angeboten wird.

Ob Himmler einen solchen Befehl mündlich erteilt hat, weiß ich nicht. Es spricht zwar manches dagegen, aber möglich ist es trotzdem. Dagegen spricht beispielsweise die Tatsache, daß er Verbindungen zu hohen jüdischen Stellen hatte, und zum anderen die näheren Umstände bei seiner Gefangennahme, die bis heute umstritten sind. Nach allem, was ich bis jetzt weiß, besteht durchaus die Möglichkeit, daß er sich freiwillig in Gefangenschaft begeben hat, und es wäre doch absurd anzunehmen, daß ein Mann mit einer solchen Schuld sich freiwillig stellen würde, um auszusagen. –

Der ehemalige Staatssekretär im Generalgouvernement, Bühler, sagt als Zeuge in Nürnberg am 23. 4. 1946 (IMT XII, 79) unter Eid aus, Heydrich hätte erklärt, der Reichsführer-SS habe vom Führer den Auftrag erhalten, „die gesamten Juden Europas zusammenzufassen und im Nordosten Europas, in Rußland, anzusiedeln“. Aus dieser Mitteilung habe er entnommen, daß die Umsiedlung der Juden, wenn auch nicht den Juden zuliebe, so um des Rufes und des Ansehens des deutschen Volkes willen, in humaner Weise vor sich gehen werde. – Also „um des Rufes und des Ansehens des deutschen Volkes willen“ sollte die Um-

116


siedlung in „humaner Weise“ vor sich gehen! – Ich werde auf diese Bemerkung zurückkommen. –

Ein weiterer Ausschnitt aus den Nürnberger Protokollen, Band IX/683, zit. nach Härtle „Freispruch für Deutschland“, S. 172. Göring wird von dem englischen Ankläger, Sir David Maxwell-Fife, vernommen:

„Sir David: ‚Sagen Sie immer noch, daß weder Hitler noch Sie von der Judenausrottungspolitik etwas wußten?‘

Göring: ‚Soweit es Hitler betrifft, habe ich gesagt, daß ich das nicht glaube; soweit es mich betrifft, habe ich gesagt, daß ich auch nur annähernd von diesem Ausmaß nicht gewußt habe.‘

Sir David: ,Sie wußten nicht in welchem Ausmaß. Sie wußten jedoch, daß eine Politik bestand, die auf die Ausrottung der Juden hinzielte?‘

Göring: ,Nein, auf die Auswanderung der Juden und nicht auf die Ausrottung. Ich wußte nur, daß in Einzelfällen in dieser Richtung Vergehen vorgekommen waren.‘“

Bezüglich der Bemerkung des Zeugen Bühler ist folgendes zu erwähnen: Nach dem Eingeständnis Eisenhowers in seinen Memoiren wäre die Invasion Europas von England aus unmöglich gewesen, wenn Hitler die V-Waffen nur 6 Monate früher hätte einsetzen können!

Anton Zischka in „War es ein Wunder?“, S. 36:

„... daß die V-2 nicht sechs, oder, wie ursprünglich geplant, 14 Monate früher fertig wurden, lag an Spionageerfolgen der Alliierten, die so am 17. August 1943 Peenemünde angreifen und durch einen Glückstreffer die gerade für die Zulieferer bereitgestellten Werkszeichnungen vernichten konnten.“

General Toffley, der Leiter des USA-Waffenamtes erklärte:

„Wir waren blutige Anfänger, als mein Stab die V-2 aus Deutschland brachte. Sie vermittelte uns grundlegende Erkenntnisse, die uns mehr als 5 Milliarden Dollar und 10 Jahre Forschungsarbeit ersparten.“

Es hätte also durchaus im Bereich des Möglichen gelegen, daß Deutschland den Krieg nicht verloren hätte. Es bleibt dahingestellt, ob dies bei der menschlichen Unzulänglichkeit und Neigung zur Überheblichkeit gut gewesen wäre, aber es lag immerhin im Bereich des Möglichen.

Unter dieser Annahme drängt sich die Frage auf: wie hätte das deutsche Volk vor der Welt dagestanden, wenn ein solcher Befehl bestanden hätte, wäre es dann nicht für alle Zeiten gebrandmarkt gewesen? Sollte die Aussage Bühlers nicht doch vielleicht eher den tatsächlichen Geschehnissen entsprechen, als manche anderen „Annahmen“? –

117


Noch ein Umstand scheint mir in dieser Überlegung nicht unwichtig zu sein: noch im Juni 1944 sollte in Krakau ein Antisemitenkongreß stattfinden. Was hätte ein solcher Kongreß für einen Sinn gehabt, wenn tatsächlich schon seit 3 Jahren die Absicht bestanden hätte, die Juden zu vernichten?

Alles in allem scheint es mir – nach dem, was ich festgestellt habe – doch möglich zu sein, daß das stimmt, was Reitlinger in „Die Endlösung“, S. 529, im Hinblick auf die KZ-Greuel sagt:

„... Heute besteht die Gefahr, daß diese unaussprechliche Tragödie nach und nach als nichts anderes als ein Zusammentreffen von Zufälligkeiten betrachtet werden wird. Und doch kann es das bewußte Werk eines einzigen Mannes gewesen sein! ...“

Also auch Reitlinger kamen schon gewisse Zweifel, als er 1953 sein Buch schrieb. Inzwischen sind 16 Jahre vergangen und neue Fakten bekannt geworden ...

So, wie Professor Taylor bei Beurteilung des Hoßbach-Protokolls sagt:

... „es gehöre sicherlich zum Prinzip der historischen Methode, nicht nur zu fragen, was in einem Dokument steht, sondern auch, welchem Anlaß es seine Entstehung verdankt“,

so sollte man sich – so meine ich wenigstens – in diesem Fall fragen, welchen Sinn es gehabt hätte, Millionen unschuldiger Menschen zu ermorden bzw. ermorden zu lassen.

Ich bin gerne bereit, meine Meinung zu ändern, wenn man mir einen solchen Sinn nachweisen kann. –

Zum Schluß sei noch ein Interview erwähnt, das im Juli 1965 von dem israelischen Ministerpräsidenten Levi Eschkol einem bundesdeutschen Reporter gewährt wurde, der sich damals in Israel aufhielt. J. G. Burg bringt in seinem Buch „Sündenböcke“ auf Seite 231 Auszüge aus diesem Interview mit seinem Kommentar (lt. „Spiegel“ v. 28. 7. 1965):

„(Seite 50:) ,In den Vernichtungslagern der Nazis sind vier bis sechs Millionen Juden umgebracht worden.‘ (Anmerkung des Verfassers: das kann man einen Zahlenspielraum nennen, der aus dem Munde eines zuständig verantwortlichen Staatsmannes recht unverantwortlich klingt!) (Ebenfalls auf Seite 50:) ‚Hier (gemeint ist Israel) leben Zehntausende, wenn nicht Hunderttausende Menschen, auf deren Arm eine KZ-Nummer tätowiert ist ...‘

118


(Seite 82:) ,Wie Sie wissen, leben hier in Israel Zehntausende, wenn nicht sogar Hunderttausende Menschen, auf deren Arm eine KZ-Nummer tätowiert ist.‘

(Seite 66:) ,... daß hier (gemeint ist Israel) noch Hunderttausende Menschen mit auf dem Arm eingravierten KZ-Nummern leben.‘

Soviel aus dem Bericht des ‚Spiegels‘. Zusätzlich meldete auch noch die Münchner ‚Süddeutsche Zeitung‘ in ihrer Ausgabe vom 14. August 1965, auf Seite 4, die nachstehende Feststellung des israelischen Ministerpräsidenten Eschkol: ‚Schließlich leben Juden, wenn nicht gar Hunderttausende, in Israel, die eine KZ-Nummer auf dem Unterarm eintätowiert tragen ...‘

Herr Eschkol hat also nicht weniger als viermal, und zwar in seiner Eigenschaft als israelischer Ministerpräsident, offen bezeugt, daß in seinem Lande heute noch Zehntausende, ja Hunderttausende von ehemaligen jüdischen Häftlingen mit einer KZ-Nummer auf dem Unterarm leben: das kann doch keine Angabe, keine Renommage sein. Vielmehr klingt unverkennbar die Genugtuung mit: da seht ihr deutschen Bundesbürger einmal, wie viele Opfer wir dem verruchten Hitler-Regime aus dem Rachen gerissen haben!

Hierzu muß man nun aber wissen, daß KZ-Nummern nur und ausschließlich den Auschwitzer Häftlingen eintätowiert worden sind! Wenn also allein aus Auschwitz heute noch Hunderttausende von Juden in Israel leben, dann muß ich mich fragen: wie viele Hunderttausende von Häftlingen aus anderen deutschen KZs mögen heute in Israel leben!? Und wie viele in der westlichen Hemisphäre und vor allem in den östlichen Staaten? Ihre Gesamtzahl mag gut und gern eine Million oder mehr überlebende Juden ausmachen, und wo bringt man diese Riesenzahl in den ‚sechs Millionen ermordeter Juden‘ unter!?“

Ich meine, das alles sollte doch zu denken geben! – – –

119


VIII.

Über die Kriegsschuldfrage

Als ich – durch das Verhalten meiner Söhne angeregt – begonnen hatte, mich für die Geschehnisse der letzten Jahrzehnte zu interessieren, glaubte ich auch, das, was ich seither erkannt hatte, einem Jugendfreund mitteilen zu müssen. Es war dies ein Mann, den ich seit über vierzig Jahren kannte und von dessen früherer Einstellung zu den Dingen ich vieles wußte. Da wir seit Jahren Hunderte von Kilometern getrennt voneinander lebten und uns selten sahen, glaubte ich, es ihm schuldig zu sein, wenn ich ihn wenigstens schriftlich auf das hinwies, was ich inzwischen erfahren hatte, obwohl dies überzeugender mündlich geschehen wäre.

Ich machte ihn also auf eines der Bücher aufmerksam und fragte, ob er es kenne, andernfalls würde ich ihm empfehlen, es zu lesen, da – zumindest für mich – erstaunliche Dinge darin stünden.

Er antwortete: er kenne das Buch zwar nicht, aber Bücher von diesem Verlag hätten ihm noch nie imponiert; diese Leute würden einfach nicht einsehen, daß sie einen Trümmerhaufen hinterlassen hätten.

Mir war eine derartige Einstellung neu und schien mir etwas fragwürdig zu sein, denn selbst wenn die meisten Bücher dieses Verlages nicht „imponierend“ wären, konnte dieses Eine nicht eine Ausnahme sein? – Ich nahm mir vor, auch hier den Dingen auf den Grund zu gehen, mir weitere Bucherscheinungen dieses Verlages anzusehen und mir eine eigene Meinung zu bilden, obwohl ich das Urteil meines Freundes – zumindest in der damaligen Zeit – höher achtete als meine Einsicht, zumal ich wußte, daß er beruflich mit Büchern zu tun hatte, während ich (damals) Karl May und Schachbücher las. Das Ergebnis dieser „Prüfung“ gehört nicht in diesen Rahmen, nur so viel: ich bin ihm dankbar, daß er meine Neugier geweckt hatte.

Was mich aber mehr beunruhigte, war die Art, wie mein Freund von Hitlers Schuld am Zweiten Weltkrieg sprach, die für ihn außer Frage stand; und wie er von Prof. Hoggans „scheinwissenschaftlichen Methoden“ sprach (Behauptungen, denen ich damals noch nichts entgegenzusetzen hatte).

120


Ich schrieb zurück: es sei meine Absicht gewesen, ihn auf gewisse Dinge in den KZs aufmerksam zu machen und nicht, die Kriegsschuld zu diskutieren. Ich sah aber ein, daß das Eine nicht vom Anderen zu trennen war und daß man die Ereignisse in ihrer Gesamtheit sehen und vergleichen muß, um zu einem gerechten Urteil zu kommen – soweit dies eben nach dem relativ kurzen zeitlichen Abstand von den Dingen möglich ist – und machte mich nun auch noch daran, mit meinen – verhältnismäßig geringen – Möglichkeiten, Licht in dieses Dunkel zu bringen.

Mein Freund nannte mir Titel von Werken, die er für wesentlich hielt. Als ich nun eines dieser empfohlenen Bücher flüchtig durchblätterte, fiel mir etwas auf, das nicht richtig wiedergegeben war. Es war dies eine Tabelle, als deren Quelle ein Werk angegeben war, das ich zufällig schon besaß. Diese Tabelle war nicht vollständig zitiert, so daß ein anderer Eindruck entstehen mußte, als es der zitierte Autor – wahrscheinlich – beabsichtigt hatte. Später entdeckte ich – auch bei anderen Werken – ähnliche Dinge und lernte so, insbesondere beim Vergleich von orthodoxer mit revisionistischer Literatur, erkennen, was richtig war bzw. was richtig sein konnte, und was falsch war bzw. ganz einfach deshalb falsch sein mußte, weil es nicht richtig zitiert worden war, oder auch die Quellenkenntnis mangelhaft war.

Zwei kleine Beispiele mögen illustrieren, was ich damit aussagen will: in einem erst kürzlich erschienenen Buch „Wollt Ihr den totalen Krieg?“ über die geheimen Goebbels-Konferenzen 1939–1943, herausgegeben von W. A. Boelcke, ist auf Seite 229 der, wie dort steht, „angeblich gefälschte Möldersbrief“ erwähnt. Ein Brief, den der Kampfflieger Oberst Mölders vor seinem Absturz geschrieben haben soll und der damals großes Aufsehen erregte. Obwohl seine Mutter sofort die Echtheit bestritt, und auch – soviel mir bekannt ist – der Dompropst von Stettin, an den er gerichtet war, glaubte man an die Echtheit dieses Briefes. – Erst lange nach Beendigung des Krieges, erst im Jahre 1961, stellte sich durch das Bekenntnis Sefton Delmers, des Leiters des Hetzsenders Gustav Siegfried Eins, der für besonders üble Hetzsendungen über Deutschland verantwortlich war, heraus, daß dieser Brief von ihm selbst gefälscht war: „Ich und die Deutschen“, Seite 548 (Paperback-Ausgabe 1963). Da das oben erwähnte Buch erst im Jahre 1967, also mehrere Jahre später erschienen ist, hätte es dem Verfasser eigentlich bekannt sein können. – Nun, es wäre möglich, daß der Verfasser das Buch Delmers tatsächlich nicht kennt, also aus Unwissenheit gehandelt bzw. die Echtheit seiner Quellen nicht genügend geprüft hat. Das andere

121


Beispiel ist der bereits erwähnte Fall aus „Anatomie des SS-Staates“. Hier mußte der Verfasser gewußt haben, daß es einen Führerbefehl zur Vernichtung der Juden nicht gegeben hat (um noch bei der Einschränkung zu bleiben: zumindest nicht in schriftlicher Form).

Ein weiteres Beispiel, für das ich aber bis jetzt noch keine Erklärung habe, fand ich in dem Buch von Erich Kuby „Das Ende des Schreckens“ (List-Bücher 206). Dort ist auf den Seiten 18 und 19 in einem Zitat aus dem Buch „Offiziere gegen Hitler“ von Fabian von Schlabrendorf eine Folterung in Einzelheiten geschildert, der der Verfasser bei einer Vernehmung durch die Gestapo ausgesetzt gewesen sein soll:

„Eines Nachts wurde ich aus meiner Zelle zur Vernehmung geholt. Im Vernehmungszimmer befanden sich folgende Personen: der Kriminalkommissar Habecker, seine Sekretärin, ein uniformierter Wachtmeister des Sicherheitsdienstes und ein nichtuniformierter Kriminalassistent. Man machte mich darauf aufmerksam, es sei jetzt die letzte Gelegenheit zu einem Geständnis. Als ich an meinem bisherigen Leugnen festhielt, griff man zum Mittel der Folterung. Diese Folterung wurde in vier Stufen vollzogen.

Die erste Stufe bestand darin, daß meine Hände auf dem Rücken gefesselt wurden. Dann wurde über beide Hände eine Vorrichtung geschoben, die alle zehn Finger einzeln umfaßte. An der Innenseite dieser Vorrichtung waren eiserne Dornen angebracht, die auf die Fingerwurzeln einwirkten. Mittels einer Schraube wurde die ganze Maschinerie zusammengepreßt, so daß sich die Dornen in die Finger einbohrten.

Die zweite Stufe war folgende: Ich wurde auf eine Vorrichtung gebunden, die einem Bettgestell glich, und zwar mit dem Gesicht nach unten. Eine Decke wurde mir über den Kopf gelegt. Dann wurde über jedes der bloßen Beine eine Art Ofenrohr gestülpt. Auf der Innenseite dieser beiden Röhren waren Nägel befestigt. Wiederum war es durch eine Schraubvorrichtung möglich, die Wände der Röhren zusammenzupressen, so daß sich die Nägel in Ober- und Unterschenkel einbohrten.

Für die dritte Stufe diente als Hauptvorrichtung das ‚Bettgestell‘. Ich war, wie vorher, auf dieses gefesselt, während der Kopf mit einer Decke zugedeckt war. Dann wurde das Gestell mittels einer Vorrichtung entweder ruckartig oder langsam auseinandergezogen, so daß der gefesselte Körper gezwungen war, die Bewegung dieses Prokrustesbettes mitzumachen.

In der vierten Stufe wurde ich mittels einer besonderen Fesselung krumm gebunden, und zwar so, daß der Körper sich weder rückwärts noch seitwärts bewegen konnte. Dann schlugen der Kriminalassistent und der Wachtmeister mit dicken Knüppeln von rückwärts auf mich ein, so daß ich bei jedem Schlag nach vorne überfiel und infolge der auf dem Rücken gefesselten Hände mit aller Gewalt auf Gesicht und Kopf schlug. Während dieser Prozedur gefielen

122


sich alle Beteiligten in höhnenden Zurufen. Die erste Folterung endete mit einer Ohnmacht. Ich habe mich durch keine der geschilderten Gewaltmaßnahmen dazu verleiten lassen, ein Wort des Geständnisses oder den Namen eines meiner Gesinnungsfreunde zu nennen. Nachdem ich die Besinnung wiedererlangt hatte, wurde ich in meine Zelle zurückgeführt. Die Wachbeamten empfingen mich mit unverhohlenen Ausdrücken des Mitleids und des Schauderns. Am folgenden Tage war ich nicht imstande, mich zu erheben, so daß ich nicht einmal die Wäsche wechseln konnte, die voller Blut war. Obwohl ich immer kerngesund war, bekam ich im Laufe dieses Tages eine schwere Herzattacke. Der Gefängnisarzt wurde herbeigeholt. Voll Argwohn ließ ich seine Behandlung über mich ergehen. So lag ich mehrere Tage, bis ich wieder in der Lage war, das Bett zu verlassen und mich zu bewegen. Die Folge meiner Wiederherstellung war eine Wiederholung der Folterung in den gleichen vier Stufen wie beim erstenmal. Der sachliche Erfolg aber blieb wiederum gleich Null.“

Die entsprechende Stelle aus der ungekürzten „Fischer“-Ausgabe des Buches von Fabian von Schlabrendorf (Bd. 305, S. 162) lautet:

„Eines Nachts wurde ich aus meiner Zelle zur Vernehmung geholt. Im Vernehmungszimmer befanden sich mehrere Personen. Man machte mich darauf aufmerksam, es sei jetzt die letzte Gelegenheit zu einem Geständnis. Als ich an meinem bisherigen Leugnen festhielt, griff man zu Mitteln der Folterung. Diese Folterung wurde in vier Stufen vollzogen. Während dieser unmenschlichen Prozedur gefielen sich alle Beteiligten in höhnenden Zurufen. Die erste Folterung endete mit einer Ohnmacht. Keine Gewaltmaßnahme verleitete mich dazu, ein Wort des Geständnisses oder den Namen eines meiner Gesinnungsfreunde zu nennen. Nachdem ich die Besinnung wiedererlangt hatte, wurde ich in meine Zelle geführt. Die Wachbeamten empfingen mich mit unverkennbaren Ausdrücken des Mitleids und des Schauderns. Am folgenden Tag bekam ich eine Herzattacke. Der Gefängnisarzt wurde herbeigeholt. Voll Argwohn, aber unfähig, etwas dagegen zu tun, ließ ich seine Behandlung über mich ergehen. So lag ich mehrere Tage, bis ich wieder in der Lage war, das Bett zu verlassen und mich zu bewegen. Die Folge der Wiederherstellung meiner Gesundheit war eine Wiederholung der Folterung.“

Da in diesem Text zwar eine Folterung erwähnt ist, aber nicht die Einzelheiten in dem von Erich Kuby erwähnten Zitat, habe ich Herrn Kuby angeschrieben und um eine Erklärung gebeten. Leider habe ich bis heute noch keine Antwort erhalten.

Nach dieser Abschweifung zurück.

Ich verschaffte mir eine Reihe von Werken, die die Kriegsschuldfrage behandelten. Ich erkannte, daß es für mich als Laien schwer war, die in

123


den einzelnen Werken, beispielsweise denen von Professor Hofer, oder Professor Rothfels zitierten Dokumente im Wortlaut mit den von Professor Hoggan zitierten zu vergleichen: ob hier ein Wort falsch übersetzt war, dort ein ganzer Absatz eines Dokumentes fehlte, so daß sein Sinn entstellt wurde, oder ob gar ein ganzes Dokument fehlte (mit oder ohne Absicht). Hierzu fehlte mir die wissenschaftliche Vorbildung und dies mag auch Sache der Wissenschaftler sein und bleiben. Selbst wenn ich mich mit vieler Mühe in die Materie eingearbeitet hätte, wäre es mir nicht möglich gewesen, Werke polnischer, tschechischer, französischer oder englischer Autoren im Original zu vergleichen, da ja auch in den deutschen Ausgaben Fehler enthalten sein konnten.

Ich hielt es für am besten, mich ganz von einer derartigen Betrachtungsweise zu lösen und – sozusagen über den Dingen stehend –, die Geschehnisse von einer anderen Warte aus anzusehen, selbstverständlich nicht, ohne doch hier und da Vergleiche zwischen den einzelnen Werken anzustellen. Es würde zu weit führen, die Ereignisse der letzten Jahrzehnte im Rahmen der großen weltgeschichtlichen Dinge (sozusagen in globaler Sicht) – ohne den sie jedoch letztlich nicht beurteilt und gewertet werden können – zu schildern, ganz abgesehen davon, daß ich zu der damaligen Zeit auch den Blick hierfür noch nicht hatte. Auch würde es zu weit führen, die großen inneren Strömungen in den Völkern zu verfolgen, die – unleugbar – ihre Wirkungen zeitigen und die eng mit Kolbenheyers „Schwellenzeiten“ im Zusammenhang stehen.

Ich nahm mir also vor, einen eigenen Weg einzuschlagen und – sozusagen auf den „Füßen“ des gesunden Menschenverstandes – zu dem Ziel zu gelangen, das ich mir gesetzt hatte: Klarheit über die Zeit zu erhalten, die ich wohl miterlebt hatte, über die ich aber noch viel zu wenig wußte.

Da war zunächst die Sache mit Polen. –

Hitler hatte im Jahre 1939 das friedliebende Polen überfallen und dadurch den Zweiten Weltkrieg heraufbeschworen. Dies war „allgemein bekannt“. Ein Bekannter sagte mir: man brauche sich doch nur vor Augen zu halten, welche Ziele Hitler hatte: Lebensraum im Osten, Vernichtung der Juden usw., dann würde man einsehen, daß es bei dieser Zielsetzung unwichtig sei, ob – zugegeben – Einzelheiten hier und da etwas anders gewesen sein mochten, was aber das Gesamtbild nicht wesentlich ändern würde. Als ich zu ihm sagte, ich sei nicht mehr so ganz sicher, ob tatsächlich alles so gewesen sei und es bestünde doch immerhin die Möglichkeit, daß manches anders war und sich hierdurch

124


notwendigerweise auch das Gesamtbild ändern müsse, wußte er keine Antwort.

Ein anderer Bekannter sagte, er könnte nicht verstehen, daß Hitler die Polen „überfallen“ hätte, da doch – nach seiner Meinung – kein Grund hierfür vorgelegen hätte.

Mein Freund schrieb von dem „Machtstreben Hitlers“, von seiner „Unersättlichkeit“, von seinem „ideologischen Brett vor dem Kopf“. –

Was war nun wirklich? – Hat Hitler tatsächlich nur aus „Unersättlichkeit“ die ahnungslosen Polen „überfallen“ und so absichtlich die Weltkatastrophe heraufbeschworen?

Waren die Polen wirklich so „ahnungslos“, so aus allen Wolken gefallen, als am 1. September 1939 um 5.45 Uhr „zurückgeschossen“ wurde? –

Nach 1945 wurde uns gesagt, Hitler hätte, um einen Grund zum „Zurückschießen“ zu haben, den Sender Gleiwitz überfallen lassen. Daß diese Behauptung, die ein Zeuge namens Naujoks aufgestellt hatte, falsch war, hat sich inzwischen herausgestellt. Aber es geht mir jetzt nicht darum, ob richtig oder falsch, es geht mir darum, ob Hitler eine solche Aktion überhaupt nötig hatte! –

In seiner Reichstagsrede vom 1. September 1939 ist eine Passage, in der er erklärt:

„... nachdem schon neulich in einer einzigen Nacht 21 Grenzzwischenfälle zu verzeichnen waren, sind es heute nacht 14 gewesen, darunter 3 ganz schwere ...“

Selbst wenn man annimmt, daß dies nicht den Tatsachen entspricht, daß diese Grenzzwischenfälle nicht stattgefunden hätten, sondern aus der Luft gegriffen waren, warum erwähnt Hitler in seiner Rede nicht den Namen Gleiwitz? In der ganzen Rede steht kein einziges Wort davon! Hierfür kann es nach meiner Meinung nur einen Grund geben, nämlich den, daß diese Aktion nie geplant war. Oder sollte man annehmen, daß Hitler so schlecht über derartige Dinge orientiert war, daß er nichts davon wußte, oder, daß er vergessen hätte, sie in seiner Rede zu erwähnen? – Das alles ist sehr unwahrscheinlich. Nochmals: waren die Polen wirklich so friedlich, und sind sie wirklich so ganz ohne Grund „überfallen“ worden?

Die durch Polen inszenierten Grenzzwischenfälle der letzten Augusttage des Jahres 1939 wurden bereits erwähnt. Nicht erwähnt wurden die Unterdrückungen, denen sich die deutschen Minderheiten schon

125


lange Jahre vor dem Krieg ausgesetzt sahen. Es würde hier zu weit führen, diese Unterdrückungen bis zum Beginn zu verfolgen, es dürfte, so meine ich, genügen, wenn man die letzten Monate vor Kriegsbeginn etwas näher beleuchtet.

Henry Lebre schreibt in „Das Geheimnis um die Ursachen des Zweiten Weltkrieges“, S. 81:

„Diese Geistesverfassung (närrische Geistesverfassung des polnischen Volkes, bei dem sich Mut mit einem Mangel an Realismus verbindet) äußerte sich in ungeschickten Provokationen, und Graf Szembek sah sich am 16. Mai 1939 gezwungen, die Aufmerksamkeit des Ministerpräsidenten Skladkowski ‚auf die Ausschreitungen im Innern über Deutschland, z. B. die Verbreitung einer Karte, auf der unsere Grenzen von Berlin bis Moskau gehen und ganz Litauen in unser Gebiet mit einbezogen ist, zu lenken. Die Bänkelsänger leisten sich allerlei unangebrachte Scherze über Deutschland und die Person Hitlers.‘“

Charles C. Tansill in „Die Hintertür zum Kriege“, S. 554:

„Beck hatte nun Polen auf der Straße zum Krieg und zur nationalen Vernichtung weit hinausgetrieben. Eine solche Politik steuerte direkt auf das Verhängnis los.“

Der Widerständler Ernst Weizsäcker schreibt in seinen „Erinnerungen“, S. 242:

„Angesichts der britisch-polnischen Garantie lief die Welle (der Unterdrückung der deutschen Minderheit) immer höher auf und überspülte das ursprüngliche Problem: Danzig und die Passage durch den Korridor.“

Mitte 1939 setzte eine Massenflucht Deutscher aus Polen ein, die durch die polnischen Deutschenverfolgungen ausgelöst wurde. Ende August waren etwa 70.000 Deutsche aus Polen in Lagern im Reich untergebracht, weitere Tausende in Privatunterkünften.

Die verstärkten Ausschreitungen gegen die deutsche Minderheit waren zweifellos eine Folge der unseligen brit.-franz. Garantieerklärung an Polen vom 31. 3. 1939.

Es ist gut, wenn man sich in diesem Zusammenhang die Vorschläge, die Hitler Polen machte, nochmals in Erinnerung ruft:

1. Rückkehr der deutschen Stadt Danzig (die die Polen annektieren wollten und von der Hitler an anderer Stelle sagte: Das Problem Danzig hat Zeit, wegen Danzig sollte es zu keinem Krieg kommen).

2. Deutsche Autobahn nach Ostpreußen.

3. Volksabstimmung unter internationaler Überwachung in einigen national strittigen Gebieten Westpreußens.

126


Das waren derart maßvolle Forderungen, soweit man dies überhaupt als „Forderungen“ bezeichnen kann, die kein Weimarer Politiker gemacht hätte, da diese die Grenzen vor dem Versailler Vertrag beanspruchten, aber Beck, der polnische Außenminister, wollte Hitler demütigen:

„Beck sah in der britischen Garantie eine Chance, Hitler einen Schlag ins Gesicht zu versetzen, – ein typisches Beispiel für die Leichtfertigkeit, mit der schon oft über die Schicksale von Völkern entschieden worden ist.“

Aus „Die wahren Ursachen des Krieges“, Picture Post. 3. 9. 1949.

In den Lipski-Memoiren (polnischer Botschafter in Berlin), die vor kurzem erschienen, aber leider noch nicht übersetzt sind, soll auf die Frage, ob Hitler einen Konflikt mit Polen suchte, die Antwort lauten:

„Im Gegenteil, er wollte Danzig aus dem Weg räumen, damit er ihre Freundschaft (zwischen Deutschland und Polen) stärken konnte.“

Diese Antwort sollte doch, so meine ich wenigstens, zu denken geben. Vielleicht hat dieser Mann die damalige Situation doch besser beurteilen können als manche Leute, die heute glauben, sich schon ein endgültiges und abschließendes Urteil bilden zu können.

Vielleicht hatte Hitler wirklich die besten Absichten, ein gutes Verhältnis mit Polen zu erreichen, vielleicht ist diese Absicht nur nicht erreicht worden, weil Beck nicht wollte, der zudem noch von Halifax in dieser Haltung bestärkt wurde. Vielleicht wollte Hitler wirklich ein starkes Polen als Puffer gegen den von ihm erwarteten Ansturm des Bolschewismus?! –

Noch scheint alles sehr verworren, noch scheint alles unklar, aber so langsam dringt hier und da doch ein Licht durch die Finsternis! –

Nach Professor Barnes Ansicht in dem Interview aus „Nation Europa“ ist schon allein durch den amerikanischen Wirtschaftswissenschaftler Burton Klein einwandfrei nachgewiesen, daß Hitler – zumindest 1939 – keine Absicht hatte, einen Krieg auszulösen, aus dem einfachen Grunde, weil Deutschland nicht genügend gerüstet war. Und wenn man nun diese Erkenntnisse des Wirtschaftswissenschaftlers mit denen der Revisionisten vergleicht, könnte man doch so langsam zu der Überzeugung kommen, daß manches ganz anders gewesen sein könnte, als es heute noch geglaubt wird. –

Doch sehen wir weiter.

127


Als die Provokationen, denen die Volksdeutschen in Polen ausgesetzt waren, immer größere Ausmaße annahmen und die Grenzzwischenfälle verstärkt wurden, sah Hitler sich – nachdem außerdem alle diplomatischen Versuche erfolglos waren – am 1. September veranlaßt, „zurückzuschießen“.

Meinen Söhnen, die mir anfangs auch erklärten, sie würden Hitler den Vorwurf machen, die Polen „überfallen“ zu haben, habe ich gesagt: ein Privatmann, der von seinem Nachbarn provoziert oder beleidigt wird, hat die Möglichkeit, sich an die Gerichte zu wenden, ein Staatsmann hat diese Möglichkeit nicht. – Es ist bekannt, daß eine Einrichtung wie der Völkerbund in solchen Fällen machtlos war – und auch die UNO konnte die 30 oder 40 Kriege, die seit 1945 geführt wurden, nicht verhindern.

Am 2. September machte Italien einen Vorschlag zur Beilegung des Konfliktes: die Truppen sollten in ihrem Vormarsch gestoppt und es sollte eine europäische Friedenskonferenz einberufen werden.

Hitler erklärte sich sofort mit diesem Vorschlag einverstanden, ebenso Frankreich. England verlangte, daß die deutschen Truppen auf ihre Ausgangsposition zurückgehen sollten und sabotierte so den Vermittlungsvorschlag.

Nach Beendigung des Polenfeldzuges machte Hitler ein Friedensangebot, das von England und Frankreich sofort abgelehnt wurde. Ein weiteres Friedensangebot, das Hitler nach Beendigung des Frankreichfeldzuges machte, wurde ebenfalls zurückgewiesen. Es scheint also, daß Hitler es an gutem Willen nicht hat fehlen lassen, aber man wollte einfach auf der anderen Seite nicht.

Es wird heute vielfach behauptet, diese Friedensangebote Hitlers seien nicht ernst gemeint gewesen, aber hat man denn den leisesten Versuch unternommen, ihn auf die Probe zu stellen? Wäre man auf der anderen Seite tatsächlich so friedliebend gewesen, wie heute behauptet wird, dann hätte man doch nur den „blutdürstigen Diktator“ beim Wort zu nehmen brauchen, um dann, nach einer Ablehnung, mit Recht einen „heiligen Krieg“ gegen ihn führen zu können!

Aber nichts dergleichen geschah. –

Es würde zu weit führen, an dieser Stelle auf alle Einzelheiten einzugehen, die zum Krieg führten bzw. sich in den ersten zwei Jahren ereigneten, unter anderem auch, was alles an Verrat geschah. Es würde auch zu weit führen, die Rolle der Widerständler zu erwähnen, denen

128


man in England glaubte, als sie sagten, die Offiziere würden, wenn es zum Krieg kommt, Hitler zum Rücktritt zwingen. –

Ein Dokument muß noch erwähnt werden, das mit als Schlüsseldokument für den Beweis von Hitlers Kriegsabsichten angesehen wird: das Hoßbachprotokoll.

Professor Taylor, nach Professor Hoggan ganz bestimmt kein Deutschenfreund, der also bestimmt nicht die Absicht hat, Hitler zu schützen, sagt darüber – und was er sagt, ist es wert, genau zitiert zu werden – in „Ursprünge des 2. Weltkrieges“ auf Seite 174:

„... Wer in erster Linie entfesselte den Sturm und beschleunigte den Gang der Ereignisse? Die allgemeine Antwort ist bekannt: es war Hitler. Der Augenblick seines Entschlusses ist ebenso allgemein bekannt: es war der 5. November 1937. Wir besitzen einen Bericht über die Erklärungen, die er an diesem Tage abgab. Er wird nach dem Mann, der ihn anfertigte, als das ‚Hoßbach-Memorandum‘ bezeichnet. Dieser Bericht enthüllt angeblich Hitlers Pläne. In Nürnberg wurde viel Aufhebens davon gemacht, und die Herausgeber der ‚Akten zur deutschen auswärtigen Politik‘ sagen, daß er ‚einen Überblick über die deutsche Außenpolitik in den Jahren 1937–38 gibt‘. Daher ist er es wert, näher betrachtet zu werden. Vielleicht werden wir in ihm die Erklärung für den zweiten Weltkrieg finden, vielleicht aber auch nur die Quelle einer Legende.

An diesem Nachmittag berief Hitler eine Konferenz in die Reichskanzlei ein. Es nahmen teil: Blomberg, Kriegsminister; Neurath, Außenminister; Fritsch, Oberbefehlshaber des Heeres; Raeder, Oberbefehlshaber der Kriegsmarine; und Göring, Oberbefehlshaber der Luftwaffe. In der Hauptsache sprach Hitler. Er begann mit einem allgemeinen Elaborat über Deutschlands Drang nach ‚Lebensraum‘. Er erläuterte nicht weiter, wo man ihn finden wollte – vielleicht in Europa, aber er erörterte auch koloniale Erwerbungen. ,Die deutsche Politik‘ habe mit den ‚beiden Haßgegnern und Frankreich zu rechnen ... Zur Lösung der deutschen Frage‘ könne es ,nur den Weg der Gewalt geben, dieser wird niemals risikolos sein‘. Wann und in welcher Weise sollte die Gewalt eingesetzt werden?

Hitler erörterte vier ,Fälle‘. Der erste ‚Fall‘ betraf den ‚Zeitpunkt 1943–45‘. Danach könnte sich die Situation nur zum Schlechten wenden; 1943 wäre der Augenblick zum Handeln gekommen. Fall 2 betraf einen Bürgerkrieg in Frankreich; sollte er stattfinden, dann ‚sei der Zeitpunkt zum Handeln gegen die Tschechei gekommen‘. Fall 3 betraf den Krieg zwischen Frankreich und Italien. Er könnte leicht 1938 eintreten; dann müsse es ‚unser Ziel sein, die Tschechei und gleichzeitig Österreich niederzuwerfen ...‘ Von diesen ‚Fällen‘ trat keiner ein; deswegen stellt der Bericht eindeutig nicht den Entwurf zur deutschen Politik dar. Hitler versteifte sich auch nicht auf diese Fälle. Des

129


Noch Zitat:

weiteren bewies er, daß Deutschland seine Ziele ohne einen großen Krieg erreichen könnte; offensichtlich bedeutete ihm ‚Gewalt‘ Drohung mit Krieg, nicht notwendigerweise Krieg selbst. Die Westmächte wären zu behindert und zu ängstlich, um einzugreifen. An sich glaube ,der Führer, daß mit hoher Wahrscheinlichkeit England, voraussichtlich auch Frankreich die Tschechei bereits im stillen abgeschrieben und sich, damit abgefunden‘ hätten, daß ‚diese Frage eines Tages durch Deutschland bereinigt würde‘. Keine andere Macht würde intervenieren. ‚Polen – Rußland im Rücken – wird wenig Neigung haben, sich in einen Krieg mit dem siegreichen Deutschland zu verwickeln.‘ Rußland würde von Japan in Schach gehalten.

Hitlers Darlegungen waren zum großen Teil ein Wachtraum ohne Beziehung zur Wirklichkeit. Selbst wenn sie ernst gemeint waren, stellten sie keinen Aufruf dar, in Aktion zu treten, und auf gar keinen Fall in die Aktion eines großen Krieges; sie waren eine Demonstration dafür, daß ein großer Krieg nicht notwendig sein würde. Trotz des einleitenden Geredes über die Jahre 1943–45 bestand ihr wahrer Kern in der Prüfung der Möglichkeiten ungestörter Triumphe im Jahre 1938, wenn Frankreich anderweitig abgelenkt wäre. Hitlers Zuhörer blieben skeptisch. Die Generäle beharrten auf ihrer Meinung, daß die französische Armee der deutschen überlegen wäre, selbst wenn sie möglicherweise in Italien gebunden würde. Neurath bezweifelte außerdem, daß im Mittelmeer ein Zusammenstoß zwischen Frankreich und Italien bevorstand. Aber Hitler wischte diese Bedenken fort, weil ,er von der Nichtbeteiligung Englands überzeugt‘ sei und ‚daher an eine kriegerische Aktion Frankreichs gegen Deutschland‘ nicht glaube. – Es gibt nur einen Schluß, der aus diesem wuchernden Elaborat gezogen werden kann: Hitler spekulierte auf eine Laune des Glücks, die ihm einen außenpolitischen Erfolg bescheren sollte, geradeso wie ihn ein Mirakel 1933 zum Kanzler gemacht hatte. Es gab keinen konkreten Plan, keine Richtschnur für die deutsche Politik der Jahre 1937 und 1938. Und wenn es eine Richtschnur gab, dann schrieb sie vor, die Ereignisse abzuwarten.

Warum also hielt Hitler diese Konferenz ab? Diese Frage wurde in Nürnberg nicht aufgeworfen; sie wurde ebenfalls von den Historikern nicht aufgeworfen. Jedoch gehört es sicherlich zum Prinzip der historischen Methode, nicht nur zu fragen, was in einem Dokument steht, sondern auch, welchem Anlaß es seine Entstehung verdankt. Unter diesem Aspekt war die Konferenz vom 5. November 1937 eine merkwürdige Zusammenkunft, denn nur Göring war Nazi. Die anderen waren Konservative alten Schlages, die im Amt geblieben waren, um Hitler unter Kontrolle zu halten, sie alle, Raeder ausgenommen, sollten innerhalb der nächsten drei Monate ihrer Posten enthoben werden. Hitler wußte, daß alle, Göring ausgenommen, ihm feindlich gegenüberstanden, und er traute nicht einmal Göring. Warum sollte er seine geheimsten Gedanken Männern offenbaren, denen er mißtraute und die er gleich, darauf entlassen

130


Noch Zitat:

wollte? Auf diese Frage gibt es eine einfache Antwort: er offenbarte seine geheimsten Gedanken gar nicht. Denn keine außenpolitische Krise machte eine umfassende Diskussion oder weitreichende Entscheidungen erforderlich. Die Konferenz war vielmehr ein innenpolitisches Manöver. Ein Sturm war im Anzug. Schachts Finanzgenie hatte die Wiederaufrüstung und die Vollbeschäftigung ermöglicht, jetzt jedoch schreckte Schacht vor einer weiteren Ausdehnung des Rüstungsprogramms zurück. Hitler fürchtete Schacht und konnte auf dessen finanzielle Argumente nichts antworten. Er wußte nur, daß sie falsch waren: Die Schwungkraft des Nazi-Regimes durfte nicht gebremst werden. Hitler beabsichtigte daher, Schacht von den anderen Konservativen zu isolieren, zu diesem Zweck mußte er sie für ein weiteres Rüstungsprogramm gewinnen. Kein anderes Ziel hatten seine geopolitischen Darlegungen. Dafür liefert das Hoßbach-Memorandum selbst den Beweis. Sein letzter Absatz lautet: ,Der zweite Teil der Besprechungen befaßte sich mit materiellen Rüstungsfragen.‘ Zweifellos war das der Grund, weshalb sie zusammengerufen wurden.

Auch die Teilnehmer zogen den selben Schluß. Nachdem Hitler gegangen war, klagte Raeder, daß die deutsche Flotte in den kommenden Jahren keinesfalls stark genug sein würde, um einem Krieg entgegensehen zu können. Blomberg und Göring zogen ihn in eine Ecke, wo sie ihm erklärten, daß es der alleinige Zweck der Konferenz wäre, Fritsch dazu aufzustacheln, ein größeres Rüstungsprogramm zu fordern. Neurath gab im Augenblick keine Erläuterung. Ihm sagt man nach, daß er einige Tage später den vollen Umfang von Hitlers Gemeinheit begriffen und darauf ‚mehrere schwere Herzattacken‘ erlitten habe. Diese Attacken kamen erst 1945 ans Licht, als Neurath als Kriegsverbrecher vor Gericht gestellt wurde; 1937 oder in den folgenden Jahren schien er nicht krank zu sein. Fritsch entwarf ein Memorandum, in dem er darauf bestand, daß die deutsche Armee nicht dem Risiko eines Krieges mit Frankreich ausgesetzt werden dürfte, und brachte es am 9. November zu Hitler. Hitler erwiderte, daß kein echtes Risiko bestehe und daß Fritsch so oder so besser daran täte, die Wiederaufrüstung zu beschleunigen, anstatt in der Politik herumzupfuschen. Trotz dieser Zurechtweisung hatte Hitlers Manöver Erfolg: in Zukunft zeigten Fritsch, Blomberg und Raeder keine Sympathien mehr für Schachts finanzielle Bedenken. Keiner derjenigen, die der Konferenz vom 5. November beiwohnten, gab ihr einen andern Sinn, bis in Nürnberg der Bericht gegen Göring als Beweis seiner Kriegsschuld vorgebracht wurde. Von diesem Augenblick hat er alle historischen Arbeiten heimgesucht. Er stellte die Grundlage für die Ansicht dar, daß es über die Ursprünge des zweiten Weltkriegs nichts zu entdecken gibt. Hitler entschied sich, so wird behauptet, für Krieg und plante am 5. November die Einzelheiten. Doch das Hoßbach-Memorandum enthält keine Pläne dieser Art und wäre niemals in einen solchen Ruf gekommen, wenn es nicht

131


Noch Zitat:

in Nürnberg groß herausgestellt worden wäre. Das Memorandum berichtet uns, was wir bereits wissen, nämlich, daß Hitler (wie jeder andere deutsche Staatsmann) Deutschland zur beherrschenden Macht Europas machen wollte. Es berichtet uns auch, daß er darüber grübelte, wie es dahin kommen mochte. Aber seine Grübeleien beruhten auf Irrtümern. Es findet sich kaum eine Beziehung zu dem tatsächlichen Ausbruch des Krieges 1939. Ein Rennbuchmacher, der so ungenau ist, wie Hitler es war, könnte seine Kunden nicht gut bedienen.“

Soweit Professor Taylor über das Hoßbach-Protokoll. Professor Rassinier in „Was ist Wahrheit“, S. 69:

„... Wenn der Historiker und der Richter kommender Tage dann auch noch berücksichtigen, daß es sich hier überhaupt nicht um eine offizielle Niederschrift handelte, daß der Bericht am 10. November 1937 verfaßt wurde, also nach fünf Tagen, an Hand einiger Notizen, die am 5. November, während der Besprechung, flüchtig hingeworfen worden waren, daß er weder von den Betroffenen nachgelesen noch damals zur Kenntnis dritter Personen gebracht wurde usw. .... so werden sie, der Historiker und der Richter kommender Tage, den Bericht sicher mit großer Vorsicht betrachten.

Bezüglich dieses Dokumentes kann man noch hinzufügen, daß, als Dr. Siemers, der Verteidiger des Großadmirals Raeder, am 16. Mai 1946 die Echtheit des Berichtes anzweifelte, weil er nicht den üblichen Vermerk ‚Geheime Reichssache‘ trug (IMT Band XIV, Seite 433), der wiedergefundene Verfasser gebeten wurde, sich schriftlich zu dieser Frage zu äußern – er wurde nicht vorgeladen, das wäre zu gefährlich gewesen. Am 18. Mai 1946 erklärte er, daß er nicht dafür bürgen könne, daß der dem Gericht vorgelegte Text eine genaue Kopie seiner Notizen wäre (IMT Bd. XLII, Seiten 228 bis 230); ohne weiteren Kommentar.“

Es dreht sich bei diesem „Schlüsseldokument“ also um die Fotokopie der Abschrift eines nicht auffindbaren Originals, für dessen Echtheit der Verfasser nicht bürgen kann und das auch Hitler selbst nicht gesehen hat. Und wenn man weiß, daß Hoßbach, der zum Kreis der Widerständler gehört hatte, diese seine Privatnotizen für den Generalobersten Beck angefertigt hatte, dürfte man genug wissen. Ich jedenfalls schließe mich der Meinung Rassiniers an: Kommentar überflüssig! –

Daß bei einem solchen Dokument auch Prof. Taylor falsche Schlüsse ziehen muß, ist zu verstehen. Auf jeden Fall ist seine Objektivität bewundernswert.

Die weiteren „Schlüsseldokumente“, wie das „Schmundt-Protokoll“ oder „Hitlers Ansprache vor den Oberbefehlshabern der Wehrmacht“

132


am 22. 8. 1939, sind ähnlich dubios. Da es hier zu weit führt, näher darauf einzugehen, wird dies vielleicht an anderer Stelle geschehen. –

Warum hat nun Hitler im Jahre 1941 die Sowjetunion überfallen? Diese Frage ist immer wieder zu hören.

Es würde zu weit führen, hier die eigentlichen Ursachen dieses Angriffs zu untersuchen, die weit zurückliegen und wesentlich tiefer zu suchen sind, als es für den oberflächlichen Betrachter scheint. –

Welche Gründe waren nun für Hitler maßgebend, als er im Jahre 1941 angriff, obwohl er selbst doch diese Auseinandersetzung erst zu einem späteren Zeitpunkt erwartete?

Nach dem Frankreichfeldzug, dessen überraschend schnelle Durchführung die ganze Welt in Erstaunen versetzte und nach welchem Hitler vergebens hoffte, mit den Westmächten zu einem für alle Teile ehrenvollen Frieden zu kommen, um Kräfte für die kommende Auseinandersetzung frei zu haben, fing Stalin an, in verstärktem Maße zu rüsten und starke Truppenverbände an der Grenze zusammenzuziehen.

Hitler machte dem russischen Außenminister Molotow anläßlich dessen Besuches im November 1940 den Vorschlag, dem Dreimächtepakt zwischen Deutschland, Italien und Japan beizutreten. Das Ergebnis war, daß Stalin vier Bedingungen als Voraussetzung für den Beitritt stellte:

„1. Deutschland müsse sich bereitfinden, einen Beistandspakt zwischen der Sowjetunion und Bulgarien zu fördern, was sowjetische Garnisonen in Bulgarien mit einschließen würde.

2. Die deutschen Truppen müßten aus Finnland zurückgezogen werden, – die Sowjetunion fühle sich erneut durch Finnland bedroht.

3. Die Türkei müsse sich verpflichten, dem Pakt beizutreten und der Sowjetunion Stützpunkte an den Dardanellen und am Bosporus einzuräumen – zur ‚Sperrung des historischen Einfalltores Englands‘; eine Weigerung der Türkei müsse für Deutschland wie für die Sowjetunion den casus belli bedeuten.

4. Deutschland müsse Japan bewegen, seine Konzessionen in Sachalin aufzugeben.“

Diese Forderungen konnte Hitler nicht akzeptieren, da ihre Annahme die Preisgabe entscheidender europäischer Anliegen bedeutet hätte.

Generaloberst Halder, Angehöriger des Widerstandes, der als damaliger Chef des Generalstabes des Heeres wohl den größten Einblick in die militärischen Geschehnisse des Jahres 1941 hatte, schildert in „Hitler als Feldherr“ die Lage vor Beginn des deutschen Aufmarsches 1941 wie folgt:

133


„Rußland rückte in die ihm als Interessensphäre zugestandenen Baltischen Länder mit immer stärkeren Truppenverbänden ein, an der deutsch-russischen Demarkationslinie standen über eine Million Soldaten in Kriegsformation mit Panzern und Luftgeschwadern wenigen in breiten Abschnitten überdehnten deutschen Sicherungsverbänden gegenüber ... stand seine (Hitlers) feste und unbegründete Überzeugung, daß Rußland sich zum Angriff auf Deutschland rüste. Wir wissen heute aus guten Quellen, daß er damit recht hatte.“

Professor Percy Ernst Schramm schreibt in der „Parlamentsbeilage“ vom 11. 5. 1960 unter dem Thema „Deutschland – Rußland 1941/1945“ u. a. folgendes (zit. nach „Nation Europa“, Heft 9/60, S. 34):

„... Freimütig in der Selbstkritik trug Halder am 11. August 1941, also 51 Tage nach Kriegsbeginn, in sein Tagebuch ein, daß Rußland unterschätzt worden sei. Die Feststellung bezieht sich ebenso auf die organisatorischen als auch auf die wirtschaftlichen Kräfte, auf das Verkehrswesen, vor allem auf rein militärische Leistungsfähigkeit. Wir haben bei Kriegsbeginn mit etwa 200 feindlichen Divisionen gerechnet. Jetzt zählen wir bereits 360. Diese Divisionen sind sicher nicht in unserem Sinne bewaffnet und ausgerüstet, sie sind taktisch ungenügend geführt. Aber sie sind da. Und wenn ein Dutzend davon zerschlagen ist, dann stellt der Russe ein neues Dutzend hin. Die Zeit dazu gewinnt er dadurch, daß er noch an seinen Kraftquellen sitzt, wir dagegen immer weiter von ihnen abrücken.“

In der russischen Parteizeitschrift „Kommunist“, Nr. 5, 1958, steht:

„Der Nichtangriffspakt mit Deutschland war darauf berechnet, Zeit zu gewinnen und unsere Verteidigungsmacht zu stärken ..., mehr als 20 Monate zu gewinnen, in deren Verlauf die strategische Lage unseres Landes bedeutend verbessert wurde, und die Streitkräfte sowie ihre wehrwirtschaftliche Basis ernstlich verstärkt wurden ... Nicht England und Frankreich waren die wahren Kämpfer. Die wahren Kämpfer gegen die faschistische Gefahr, die von Anfang bis Ende konsequenten Kämpfer waren die kommunistischen Parteien. Die Kommunisten kämpften unversöhnlich gegen den Faschismus. ... Als England und Frankreich, die den Krieg um imperialistischer Ziele willen angefangen und fortgesetzt haben, die ersten schweren Niederlagen erlitten (Mai/Juni 1940) ... änderten die Kommunisten ihre Einstellung zum Krieg. Sie traten ein für eine entschlossene Kriegführung, für die Vereinigung aller Kräfte, die fähig waren, den Einfall der Hitlerleute abzuweisen, und setzten sich die Befreiung der Völker der besetzten Länder und die Zerschlagung des Faschismus zum Ziel.“

In „Der zweite Weltkrieg 1939 bis 1945 – ein kriegshistorischer Überblick“, Verlag des Verteidigungsministeriums der UdSSR, steht u. a.:

„Die planmäßige Entfaltung der Truppen der Grenzbezirke wurde durch den wortbrüchigen Überfall Deutschlands auf die Sowjetunion vereitelt.“

134


Die anfänglich großen Niederlagen und Opfer werden u. a. erklärt durch:

„ ... die nicht auf Verteidigung und Rückzug, sondern auf Angriff eingestellte Vorkriegsstrategie.“

General Hoth in „Panzeroperationen“:

„Vom OKH im Febr. 1941 geschätzte Zahlen über die Stärke der russischen Verbände an der deutschen und rumänischen Grenze: 125 Schützen- und Kavallerie-Divisionen und 30 Panzer- und motorisierte Verbände = 155 Großverbände.“

Ein Buch wie „Es sprach Hans Fritsche“ ist sicher nicht beweiskräftig, aber vielleicht stimmt es doch, was ein russischer Offizier – der ihn in Moskau verhörte und dem er am Schluß des Verhörs die Frage stellte: „Wenn Hitler nicht angegriffen hätte, wären Sie dann gekommen?“ – antwortete: „1941 vielleicht nicht, aber bestimmt 1942.“ –

Daß die Ausweitung des Krieges zu einem Weltkrieg einzig und allein Roosevelts Schuld war, ist zweifelsfrei durch das Werk des amerikanischen Prof. Tansill „Die Hintertür zum Krieg“ nachgewiesen worden.

Roosevelt hatte, nachdem sein Schießerlaß vom 13. 9. 1941 von Hitler nicht beachtet wurde (Befehl vom 17. 9. 1941: Zwischenfälle vermeiden), konsequent darauf hingearbeitet, die Japaner zu provozieren und so doch zu „seinem“ Krieg zu kommen.

Botschafterin Luce: „Roosevelt hat uns in den Krieg hineingelogen.“

Den „Angriffskrieg“ Japans hat Roosevelt durch ein vollkommen unannehmbares Ultimatum geradezu erzwungen. Als er den Stabschef anläßlich der niederschmetternden Nachricht von Pearl Harbor empfing (er soll zu diesem Zeitpunkt mit seiner Briefmarkensammlung beschäftigt gewesen sein), brüllte er vor Lachen beim Anblick von dessen bestürztem Gesicht.

Ein derart unverständliches Verhalten wird erst erklärlich, wenn man das Buch von Konteradmiral a. D. Theobald „Das letzte Geheimnis von Pearl Harbor“ kennt, aus dem einwandfrei hervorgeht, daß Roosevelt schon mehrere Stunden vorher Kenntnis von diesem Angriff hatte, da der japanische Geheim-Code entschlüsselt worden war und so die japanischen Befehle für den Angriff bekannt waren. Er hätte also den Tod von 4575 amerikanischen Offizieren und Mannschaften durch eine entsprechende Warnung an die Admiralität verhindern können, aber er wollte eben nicht, er wollte den Krieg. Um diesen Krieg zu erhalten, brauchte er die Empörung des amerikanischen Volkes, die durch diese

135


japanische Tat ausgelöst wurde. Infolge der auf diese Weise geschürten japanfeindlichen Volksstimmung erhielt er freie Hand in seinen Entschlössen und hatte nun endlich „seinen“ Krieg, obwohl er noch am 30. 10. 1940 in einer Rede in Boston beteuernd gesagt hatte: „Ich habe es bereits gesagt und will es noch einmal sagen: Eure Jungens sollen nicht in einen fremden Krieg gehen!“ –

Zum Abschluß dieser kurzen Betrachtung über die Kriegsschuld, die auch wieder nur unvollständig sein kann, da der gesamte Komplex viel zu umfangreich ist, möchte ich noch die Frage stellen: „Wer war Hitler nun wirklich?“ –

War er das teppichbeißende Monstrum, das bei Gesprächen endlose Monologe von sich gab und den Partner nicht zu Worte kommen ließ, – ihn überschrie?

War er der arbeitsscheue Landstreicher und Tagedieb, der in seiner Jugend unstet durch die Gegend irrte und sich durch Gelegenheitsarbeiten ernährte?

War er der blutdürstige Egoist, der nur seinen eigenen Willen durchsetzte, ohne auch nur die Meinung eines anderen zu beachten, geschweige denn, sich überzeugen zu lassen?

Vielleicht war er dies alles, vielleicht war er aber auch anders. – Ich weiß es nicht, noch nicht, aber ich weiß, daß manches von dem, was heute geglaubt wird, nicht stimmen kann, weil es einfach nicht mit dem übereinstimmt, was ausländische Beobachter und sogar Gegner von ihm berichten.

Manches von dem, was heute geglaubt wird, kommt auch daher, daß ein Autor falsch zitiert wird, oder auch dadurch, daß Berichte zerlegt, d. h. in Ausschnitten gebracht werden. Hierzu ein Beispiel:

In „Illustrierte Geschichte des Dritten Reiches“ von Dr. Kurt Zentner steht auf Seite 192 folgendes über Hitler:

„Wer immer sich mit Hitler beschäftigt, vergegenwärtige sich, was Alfred Jodl kurz vor seiner Hinrichtung in seiner Nürnberger Zelle über Hitler niederschrieb:

‚Kenne ich denn diesen Menschen überhaupt, an dessen Seite ich lange Jahre ein so dornen- und entsagungsreiches Dasein geführt habe? Hat er nicht auch mit meinem Idealismus gespielt und ihn nur benutzt zu Zwecken, die er in seinem Innersten verbarg? Wer will sich rühmen, einen anderen Menschen zu kennen, wenn er einem nicht die verborgensten Falten seines Herzens geöffnet hat? So weiß ich heute nicht einmal, was er gedacht, gewußt und gewollt hat, sondern weiß nur, was ich darüber gedacht habe und vermutet habe.‘“

136


Der gleiche Jodl schreibt aber auch in einer seiner letzten Aufzeichnungen, zitiert nach Hans Grimm „Warum – Woher aber Wohin?“ auf Seite 397:

„Nie habe ich Hitler mehr bewundert als im Winter 1941/42, da er allein die wankende Ostfront zum Stehen brachte, da sein Wille und seine Entschlossenheit bis in die vorderste Linie drangen, genau wie im letzten Kriege, als Hindenburg und Ludendorff an die Spitze der OHL traten. Jede andere Darstellung ist falsch und schlägt der historischen Wahrheit ins Gesicht ...“

Zwei Zitate, von demselben Mann über die gleiche Person, könnten also, einzeln betrachtet, dazu führen, daß der Leser sich ein unterschiedliches Bild über die zitierte Person macht. Sehr wahrscheinlich sind beide Zitate richtig, man muß sie nur im Zusammenhang sehen; erst wenn man möglichst viele „Mosaiksteinchen“ zusammengetragen hat, kann man beurteilen, welches dieser beiden Zitate dem Gesamtbild am ehesten gerecht wird.

Eine der meines Erachtens wohl wesentlichsten Schilderungen über Hitlers letzte Lebensjahre steht in „Nation Europa“ 5/60, Seite 25. In der Vorbemerkung heißt es:

„Einer der beim Nürnberger Prozeß zugelassenen Anwälte – durch diese Zulassung schon als Gegner des Nationalsozialismus ausgewiesen – hatte trotz der Überlastung durch seine hoffnungslose Aufgabe soviel historisches Verantwortungsgefühl, einen der fähigsten militärischen Mitarbeiter Hitlers um eine Meinungsäußerung zur Frage der strategischen Fähigkeiten des Obersten Befehlshabers zu bitten. Der Befragte, Generaloberst Jodl, gab angesichts eines sicheren Todes ohne Zorn und Eifer ein abgeklärtes Urteil, das nicht nur der späteren objektiven Geschichtsschreibung dienen kann, sondern gleichzeitig den hohen menschlichen Rang des Kritikers beweist.“

Auf die Wiedergabe des Artikels muß an dieser Stelle, u. a. wegen seiner Länge, verzichtet werden.

Ein Urteil eines der erbittertsten Gegner Hitlers während des Krieges soll nicht vergessen werden. Churchill, nach einer Veröffentlichung in der „Times“ am 7. November 1938:

„Ich habe immer gesagt, wäre Großbritannien einmal unterlegen im Kriege, dann hoffe ich, werde sich ein Hitler für uns finden, der uns zurückbringe zu dem uns zustehenden Platz unter den Nationen.“

Hier kann man selbstverständlich mit gutem Grund entgegenhalten: „Ja! Dies wurde vor dem Krieg geschrieben, als Hitler noch nicht das größenwahnsinnige Ungeheuer, die blutdürstige Bestie war, als die er sich später herausstellte.“

137


Auch über diese Beurteilung kann man sich nur dann ein genaues Bild machen, wenn man möglichst viele Urteile von Zeitgenossen miteinander vergleicht; u. a. darf dann auch die Studie von Dr. Röhrs, „Hitlers Krankheit“, nicht fehlen.

Ein gewiß unverdächtiger Zeuge, der frühere Senatspräsident von Danzig, Rauschning, der durch sein Buch „Gespräche mit Hitler“ bewiesen hat, daß er kein Freund dieses Mannes war, sagt:

„... es ist ein wahrhaft dramatisches und ungewöhnliches, ein spannendes Geschehen, wie da ein junger Mann, ein knapp 30jähriger Soldat, das Unmögliche, das Tolle unternimmt, auf eigene Faust das außer Rand und Band geratene deutsche Volk zu disziplinieren, und eine aus den Fugen geratene Welt wieder in eine neue Ordnung zu zwingen.“

(„Blätter für deutsche und internationale Politik“, Heft 11 v. 25. 11. 59, zitiert nach „Deutsche Wochenzeitung“, v. 28. 4. 67, S. 3.)

Theodor Heuß in „Hitlers Weg“ :

„Und niemand kann der Unverdrossenheit des Mannes (Hitler) die Anerkennung versagen, der, von der Festung entlassen, sorgfältig, zäh, bewußt aus den Scherben ein neues Gefäß zu fügen unternahm und verstand ... Natürlich würde man Hitlers Leistung nicht völlig gerecht, wollte man in ihm nur den großen, unermüdlichen Organisator sehen. Er hat auch Seelen in Bewegung gesetzt und einen zu Opfern und Hingaben bereiten Enthusiasmus an sein Auftreten gefesselt.“

Aus „Wahrheit für Deutschland“ von Udo Walendy:

„Viscount Rothermere (bis zum Jahre 1939 Direktor der Pressestelle de9 britischen Informationsministeriums, Abgeordneter, einer der mächtigsten Zeitungsleute der Welt, nach 1945 im Aufsichtsrat der Reuter Agentur), der nicht nötig hatte, Hitler positiv zu beurteilen, dem solche Äußerungen allenfalls hätten schaden können, fand, nachdem er Hitlers Friedensliebe betonte, folgende Worte (aus ‚Warnungen und Prophezeiungen‘, S. 180–183) :

,In England sehen viele Hitler als einen Menschenfresser an; ich möchte aber sagen, wie ich ihn gefunden habe. Er strahlt gute Kameradschaft aus. Er ist schlicht, natürlich und offensichtlich aufrichtig. Es ist unwahr, daß er zu einzelnen Persönlichkeiten gewöhnlich so spricht, als ob sie öffentliche Versammlungen seien. Er ist überragend klug. Ich habe nur zwei andere kennengelernt, auf die ich diese Bezeichnung anwenden könnte – Lord Northcliffe und Lloyd George. Wenn man an Hitler eine Frage richtet, gibt er sofort eine aufschlußreiche und hervorragend verständige Antwort. Es gibt keinen Menschen, dessen in wirklich wichtigen Dingen gegebenem Versprechen ich eher trauen würde.

138


Er glaubt, daß Deutschland eine göttliche Sendung hat und daß das deutsche Volk dazu bestimmt ist, Europa vor den revolutionären Anschlägen des Kommunismus zu retten. Er hat eine hohe Meinung von der Familie, während der Kommunismus ihr Feind ist, und hat in Deutschland die Veröffentlichung aller unanständigen Bücher, die Aufführung pikanter Stücke und Filme verboten und das sittliche Leben der Nation gründlich gesäubert.

Ich sprach vor ungefähr anderthalb Jahren mit Hitler, als er sagte: ‚Gewisse englische Kreise reden von mir als einem Abenteurer. Meine Antwort ist, daß Abenteurer das britische Weltreich gebaut haben!‘

Seine Höflichkeit ist mit Worten nicht zu beschreiben, und Männer wie Frauen nimmt er in gleicher Weise durch sein jederzeit entwaffnendes Lächeln für sich ein. Er ist ein Mann von seltener Kultur. Seine Kenntnisse in Musik, Malerei und Baukunst gehen tief.

Viele finden es anscheinend schwierig, das Bild eines kultivierten Mannes mit einem Manne von entschlossenem Handeln in Einklang zu bringen ...

Wenn eine Abstimmung darüber stattfände, wer nach allgemeiner Ansicht der größte Politiker war, den die englische Geschichte je hervorgebracht hat, so würde wahrscheinlich der Name Cromwell an der Spitze aller anderen stehen. Aber Cromwell war ein Mann von größter Entschlossenheit und rücksichtslosesten Methoden.‘“

Ich möchte betonen, daß dies die Meinung eines prominenten englischen Zeitungsmannes ist und daß hiermit in keiner Weise eine Verherrlichung Hitlers angestrebt wird. Es sollen lediglich Aussagen gegenübergestellt und damit gezeigt werden, daß es auch andere Meinungen gegeben hat als die landläufige.

Im Zusammenhang damit, daß Viscount Rothermere Hitlers Friedensliebe erwähnt, scheint mir ein Zitat aus einem Brief von Thomas Mann nicht unwesentlich. Dieser Brief wurde vor Beginn des zweiten Weltkrieges, am 28. Mai 1938, in Jamestown auf Rhode Island geschrieben und ist in „Zeitgeschichtliche Aufdeckungen“ von Prof Dr. Hennig, S. 71, zitiert:

„Von einer eigentlichen Absage an Europa und die Schweiz kann ... nicht die Rede sein, und zu Besuch werden wir sicher kommen .... d. h. wenn Hitlers Friedenswille sich sieg- oder segensreich gegen die verbrecherische Kampflust der anderen durchsetzt?“

Es hat also – zumindest vor dem Jahre 1939 – Leute gegeben, die an Hitlers Friedenswillen geglaubt haben. Vielleicht ist dieser Friedenswille tatsächlich vorhanden gewesen, vielleicht war alles nur eine Verkettung unglücklicher Umstände, vielleicht ein schicksalhaft unabwendbares Ereignis? – Wer könnte hier tatsächlich schon heute mit absoluter

139


Sicherheit sagen: So war es und nicht anders? – Wahrscheinlich wird es so gewesen sein, daß Schuld auf beiden Seiten besteht, wobei das Ausmaß der Schuld, das jeden der Verantwortlichen trifft, noch festzustellen sein wird. –

Noch eines: Sollte man im Ernst annehmen kommen, daß ein Mann, ein einzelner Mensch also, es ganz allein fertig gebracht haben soll, eine ganze Welt gegen ihren Willen in einen Krieg zu hetzen? Sollte etwas derartiges möglich sein, wenn alle anderen – so heißt es ja wohl heute – den Krieg nicht gewollt haben? –

Ich glaube, es lohnt sich, auch hierüber einmal nachzudenken.

140


IX.

Über Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit

Und nun noch ein Wort zu den Kriegsverbrechen.

Es gab Kriegsverbrechen und es gab Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Es gab Verbrechen, die (vielleicht) aus Nachlässigkeit entstanden sind, wie z. B. in Bergen-Belsen, bevor die Engländer kamen, und es gab Verbrechen, die mit voller Absicht begangen wurden, wie beispielsweise auch in Bergen-Belsen, nachdem die Engländer kamen.

Es gab Oradour und Lidice, aber es gab auch Hiroshima und Glaserhäu.

Es gab Coventry und Dresden, aber es gab auch die Verbrechen der Marokkaner in Italien und die Verbrechen im Wagenburgtunnel in Stuttgart.

Und vor allem: Es gab die Verbrechen an den Juden, aber es gab auch die Verbrechen bei der Austreibung! –

Was ich damit sagen will?

Es gab Verbrechen auf beiden Seiten und nicht nur auf einer Seite, wie heute gesagt wird. Es sind Verbrechen begangen worden, die zwar nicht entschuldigt werden sollen, die sich aber aus der Überhitzung einer Situation, aus einer Kurzschlußhandlung ergeben haben, aber es sind auch Verbrechen begangen worden, die auf Befehl und mit voller Überlegung ausgeführt wurden.

Ich erwähne dies alles nicht, um aufzurechnen, wie vielleicht angenommen werden könnte. So etwas geht nicht. Verbrechen lassen sich nicht aufrechnen, das ist ganz einfach unmöglich. Mir geht es nur darum, die Dinge gerecht zu sehen, nichts zu beschönigen, aber auch nichts zu entstellen. Ich habe volles Verständnis dafür, daß jeder Angehörige eines Volkes versucht, nach Möglichkeit die Verbrechen, die von seinen eigenen Leuten begangen wurden, zu verharmlosen bzw. in einem günstigeren Licht zu sehen, und die der anderen zu übertreiben. Aber ich habe kein Verständnis dafür, daß die Verbrechen der anderen Seite beschönigt oder verheimlicht und die der eigenen Leute übertrieben werden. Und vor allem: ich habe nicht das geringste Verständnis dafür,

141


daß ein deutscher Mann im Jahre 1954 den sogenannten Überleitungsvertrag unterschrieben hat, in dessen Artikel 3 steht, daß Verbrechen, die während des Krieges oder nach dem Kriege an Deutschen begangen wurden, nicht bestraft werden dürfen! –

Hier der Wortlaut des Artikels:

„Niemand darf allein deswegen unter Anklage gestellt oder durch Maßnahmen deutscher Gerichte oder Behörden in seinen Bürgerrechten oder seiner wirtschaftlichen Stellung nur deswegen beeinträchtigt werden, weil er vor Inkrafttreten dieses Vertrages mit der Sache der Drei Mächte sympathisiert, sie oder ihre Politik oder Interessen unterstützt oder den Streitkräften, Behörden oder Dienststellen einer oder mehrerer der Drei Mächte oder einem Beauftragten dieser Mächte Nachrichten geliefert oder Dienste geleistet hat. Das gleiche gilt zugunsten von Personen, die den Verbündeten der Drei Mächte bei ihren gemeinsamen Bestrebungen vor Inkrafttreten dieses Vertrages Sympathien gezeigt, Unterstützung gewährt, Nachrichten geliefert oder Dienste geleistet haben. Die deutschen Behörden haben alle ihnen zur Verfügung stehenden Mittel anzuwenden, um sicherzustellen, daß der Zweck dieses Absatzes erreicht wird.“

Es ist möglich, daß dieser Vertrag aus einer Zwangslage heraus unterschrieben wurde; aber mag es sein, wie es will, es ist kein Fehler, wenn man sich in diesem Zusammenhang an Friedensverträge vergangener Zeiten erinnert, an Verträge, die teilweise Jahrhunderte zurückliegen und die im „finsteren“ Mittelalter abgeschlossen wurden. In einer Zeit, in der zwar grausam und unmenschlich gehandelt wurde, in der aber auch die Verantwortlichen so viel Größe besaßen, Untaten, die auf beiden Seiten geschahen, nicht zu bestrafen.

Zunächst das Edikt von Nantes aus dem Jahre 1598. In der Präambel steht:

„Das Gedächtnis aller Dinge, die auf der einen oder anderen Seite vorkamen seit dem Beginn des Monats März 1585 bis zu Unserem Regierungsantritt, auch während der vorangegangenen Unruhen ..., soll ausgelöscht und begraben sein wie etwas, das nie geschah, und es ist weder für unsere Staatsanwälte noch für irgendwelche öffentliche oder private Persönlichkeiten zu irgendeiner Zeit oder bei irgendeiner Gelegenheit zulässig oder gestattet, ihrer Erwähnung zu tun und Prozesse oder Verfolgungen von irgendwelchen Gerichtshöfen oder in irgendwie gearteten Rechtsverfahren einzuleiten ... Es sei Unseren Untertanen jeden Standes und jeder Art verboten, das Gedächtnis daran zu erneuern, sich gegenseitig anzugreifen, zu beleidigen oder herauszufordern durch den Vorwurf des Vergangenen, aus welchem Grund und unter welchem Vorwand auch immer, sich darüber in Wort und Tat auseinanderzusetzen, Erörterungen zu beginnen, sich zu streiten oder zu kränken

142


und zu beleidigen, sondern sie sollen sich beherrschen und friedlich zusammen leben als Brüder, Freunde und Mitbürger, widrigenfalls sie als Friedensbrecher und Störenfriede der öffentlichen Ruhe und Ordnung zu bestrafen sind.“

Die Großen unserer Zeit sollten die gleiche Großzügigkeit und Weisheit beweisen wie Heinrich der Vierte von Frankreich, der dieses Edikt nach einem grausam-blutigen Bürgerkrieg erließ. –

Der § 2 des Westfälischen Friedensvertrages, der im Jahre 1648 in Münster abgeschlossen wurde, und der den nicht weniger grausamen Dreißigjährigen Krieg beendete, lautet:

„Beiderseits soll das ewig und vergessen sein, was von Beginn dieser Unruhe an, wie und wo nur immer, von der einen oder anderen Seite, hinüber und herüber, an Feindseligkeiten geschehen ist ... Vielmehr sollen alle und jede, von hier und von dort, sowohl vor dem Kriege als während des Krieges zugefügten Beleidigungen, Gewalttätigkeiten, Feindseligkeiten, ohne jedes Ansehen der Person derart gänzlich abgetan sein, daß alles, was auch immer der eine von dem anderen unter diesem Namen beanspruchen könnte, in ewiger Vergessenheit begraben sei.“

Und nun noch der Frankfurter Friede vom 10. 5. 1871 zum Abschluß des Deutsch-Französischen Krieges. In Art. II, Abs. 2 heißt es:

„Kein Bewohner der abgetretenen Gebiete darf wegen seiner politischen oder militärischen Handlungen während des Krieges in seiner Person oder seinen Gütern verfolgt, beunruhigt oder verhaftet werden.“

*

Ich habe oben eine Reihe von Kriegsverbrechen erwähnt, in einer Reihenfolge, die vollkommen wahllos getroffen wurde und die meines Erachtens die bekanntesten enthält. Sollte ich das eine oder andere nicht genannt haben, bitte ich zu bedenken, daß ich nur eine Auswahl bringe und daß mir außerdem heute auch erst ein Teil der Verbrechen bekannt sind. Ich will nun versuchen, in großen Zügen die oben erwähnten Verbrechen in derselben Reihenfolge zu beschreiben.

Oradour ist das französische Dorf, in dem als Vergeltung für die Ausschreitungen französischer Partisanen einige hundert Dorfbewohner in die Kirche eingeschlossen und dort verbrannt worden sind. Es wird gesagt, daß es sich bei Oradour um ein reines Kommunistendorf mit starker Partisanentätigkeit gehandelt habe. Ob dies stimmt, weiß ich nicht, aber es würde auch nichts daran ändern, daß es sich hier einwandfrei um ein Verbrechen handelt, das von deutschen SS-Angehörigen begangen wurde. Obwohl dieses Verbrechen nicht am Anfang, sondern

143


erst am Ende der deutschen Besatzung geschah – nachdem die Partisanentätigkeit immer größere Ausmaße angenommen hatte –, wird es als Symbol deutscher Besatzungspolitik bezeichnet. Es als „typisch deutsch“ zu benennen, heißt denn doch die Tatsachen auf den Kopf stellen.

Über die Zerstörung des tschechischen Dorfes Lidice, die durch die Ermordung des Stellvertreters des Reichsprotektors von Böhmen und Mähren, SS-Obergruppenführer Heydrich, ausgelöst wurde, möchte ich den schottischen Geistlichen Reverend Peter H. Nicoll zu Worte kommen lassen. Er schreibt in seinem ausgezeichneten Buch „Englands Krieg gegen Deutschland“, Seite 312:

„Eines der meist zitierten Beispiele angeblich einzigartiger nationalsozialistischer Brutalität war die Vernichtung des kleinen tschechischen Dorfes Lidice, etwa 15 Kilometer von Prag entfernt, am 10. Juni 1942. Die tschechische Untergrundbewegung hatte unter dem Druck und Einfluß der Kommunisten solche Ausmaße angenommen, daß der milde und protschechisch eingestellte Reichsprotektor, Baron Konstantin von Neurath, nicht mehr in der Lage schien, sie unter Kontrolle zu halten. So wurde er durch einen energischen SS-Führer, Reinhard Heydrich, abgelöst. Am 21. Mai 1942 wurde Heydrich in einer Vorstadt Prags erschossen. Diese Gewalttat wurde verschiedenartig interpretiert. Bei den Alliierten herrschte die Auffassung, das Attentat sei eine spontane Reaktion auf Heydrichs brutale Herrschaft gewesen. Einer anderen zufolge sei er dem damaligen Gegner der Nationalsozialisten, Admiral Wilhelm Canaris, auf der Spur gewesen und von Fallschirmjägern, die von den Engländern abgesetzt wurden, erschossen worden, um eine Bloßstellung Canaris’ durch ihn zu verhindern. Canaris war der Chef der deutschen Abwehr, jedoch insgeheim zu den Alliierten übergegangen und stand zur Zeit der Ermordung Heydrichs in ihren Diensten. Nach dem Krieg gaben die Engländer zu, daß Heydrich von Mitgliedern des britischen Nachrichtendienstes erschossen worden sei, der von London und Alexandria aus operierte.

Die Deutschen behaupteten, entdeckt zu haben, daß Lidice das Zentrum des Anschlags gegen Heydrich sei! Demzufolge wurden Frauen und Kinder aus dem Ort evakuiert, die gesamte männliche Bevölkerung, 192 an der Zahl, erschossen und das Dorf dem Erdboden gleichgemacht. Diese Aktion rief in den alliierten Ländern große Entrüstung hervor und wurde in ihrer Propaganda bis zum äußersten ausgebeutet. Die amerikanische Dichterin Edna St. Vincent Millay schrieb darüber ein feuriges Gedicht, das die nationalsozialistische Brutalität verurteilt und tschechischen Mut und Edelsinn feiert. Es wird in den Vereinigten Staaten noch heute rezitiert. Zahlreiche amerikanische Städte wurden in ‚Lidice‘ umgetauft und man sammelte Gelder, um das Dorf nach dem Krieg wieder aufzubauen.

144


Noch Zitat:

Der Fall Lidice wirft auf die Engländer kein besseres Licht als auf die Deutschen, nachdem neuerdings bekannt geworden ist, daß der Mord an Heydrich von britischen ‚agents provocateurs‘ verübt wurde. Ihr Ziel war, deutsche Vergeltungsmaßnahmen zu provozieren und damit den Haß auf die Deutschen, die angeblich so wilden Barbaren, zu steigern. Die Engländer waren im Einsatz dieser agents provocateurs, die in der Hauptsache deutsche Vergeltungsmaßnahmen erzwingen und damit die einheimische Bevölkerung sowie die alliierte Öffentlichkeit gegen Deutschland aufbringen sollten, sehr aktiv. Sie waren für viele Gewaltakte in Dänemark verantwortlich, wo die Deutschen die Bevölkerung besonders rücksichtsvoll behandelt hatte und die Dänen darum gegen sie aufgehetzt werden mußten. Diese Agenten hatten auch großen Anteil an den Greueltaten in der Via Rasella in Rom im März 1944, welche die immer wieder propagandistisch ausgebeuteten Vergeltungsaktionen der Deutschen in Italien zur Folge hatten. Die Engländer instruierten allerdings so gut über die Wirkung solcher Methoden, daß sie sich schließlich nach den Kriegen in Malaya, Kenya und auf Zypern gegen sie selbst richteten.

Kein denkender Mensch wird bestreiten, daß die deutsche Vergeltungsaktion an Lidice eine brutale und beklagenswerte Maßnahme war, aber sie als Akt einzigartiger Barbarei zu bezeichnen, ist absurd. Rußland hatte sich wesentlich brutalere Aktionen geleistet, angefangen bei der Hinrichtung Tausender anläßlich der bekannten Säuberungsprozesse von 1936 bis 1938. Es hatte 10.000 bis 15.000 polnische Offiziere und Angehörige der Führungsschicht 1940 in den Massakern bei Katyn und an anderer Stelle erschossen. Es hat Lidice vervielfacht oder dutzendfach übertroffen bei der Besetzung der Baltenländer und der Austreibung Hunderttausender ihrer Einwohner. Die von den Alliierten begonnenen Vernichtungsbombenwürfe brachten Millionen der Zivilbevölkerung im Kriege ums Leben. Tausende fanden in Hamburg und anderen deutschen Städten durch die von Engländern abgeworfenen Phosphor-Brandbomben den Feuertod. Über Hunderttausende verbrannten bei dem militärisch in keiner Weise erforderlichen und berechtigten amerikanischen Atombombenangriff auf Hiroshima und Nagasaki. Nach dem Krieg haben die Tschechen, wie der Gegner der Nationalsozialisten und bayerische Edelmann Hubertus Prinz zu Löwenstein nachwies, bei der Vertreibung der Sudetendeutschen Lidice dutzendfach wiederholt. Die Franzosen haben sich damit gebrüstet, sie hätten im Spätsommer 1955 die Behandlung Lidices in einem Tage neun algerischen Dörfern angedeihen lassen. Zur gleichen Zeit haben die Engländer beim Niederwerfen der Revolten in Malaya und Kenya dieselben Methoden angewandt.

Erinnern wir uns nochmals daran, daß zweifaches Unrecht kein Recht ergibt. Aber gegenüber dem Gesamtsündenregister der Alliierten und ebenso der Deutschen verschwindet die bedauerliche Zerstörung Lidices angesichts

145


der beispiellosen Annalen menschlicher Grausamkeit von 1936 bis 1946 in einer anderen Kategorie.“

Im Jahre 1960 erschien in London ein Buch „Seven Man at Daybreak“, in dem Einzelheiten über die Hintergründe des Attentats stehen. Hier ein Auszug aus „Nation Europa“ 12/60, S. 31:

„... Obwohl im März 1939 von Deutschland annektiert, lebte die Tschechei mitten im Kriege das Leben einer unbeteiligten Exklave. Eine Wehrpflicht gab es nicht; das Deutsche Reich warb lediglich um freiwillige Arbeitskräfte für die deutsche Kriegsindustrie. Ausländische Beobachter staunten damals über die Gruppen gut und geschmackvoll angezogener Tschechen, die man sonntags in deutschen Kaffeehäusern und anderen Vergnügungsstätten sehen konnte.

Heydrich, trotz gefährlicher Charakterzüge mit einer Portion guten Menschenverstandes begabt, erkannte sofort nach seinem Amtsantritt, daß bei den Tschechen mit Milde und Entgegenkommen viel mehr zu erreichen sei als mit Gewaltmaßnahmen. Seine Politik vor allem den tschechischen Arbeitern gegenüber führte zu durchschlagenden Erfolgen.

Wie dieser Erfolg auf alliierter Seite gewertet wurde, erfahren wir heute aus einem kürzlich in England erschienenen Buch, das uns mit den Hintergründen des Attentats auf Heydrich bekannt macht (Titel s. oben).

Durch großzügige Maßnahmen gegenüber den tschechischen Werktätigen erreichte Heydrich schon innerhalb eines Monats nach Amtsantritt einen meßbaren Anstieg der Produktion kriegswichtiger Güter; durch Gewährung größerer Autonomie gewann er die tschechische Regierung für sich.

,Die Alliierten konnten keinen weiteren Widerstand von ihnen erwarten; mit jedem Tag glitten sie (die Tschechen) mehr ins Nazi-Lager hinüber ...‘

Die Benesch-Regierung in London und ihre englischen Verbündeten erkannten die ihnen drohende Gefahr:

,Es gab nur einen Weg, dies zu verhindern ..., in dem man zeigte, daß die Tschechoslowakei Seite an Seite mit den Alliierten kämpfte ... Die notwendige Geste war selbstverständlich. Sie war nicht einfach, aber sie war selbstverständlich. Heydrich mußte ermordet werden.‘

Zu diesem Zweck wurden aus den in England stationierten exil-tschechischen Truppen der 27jährige Jan Kubis und der 28jährige Josef Gabcik ausgewählt, entsprechend ausgebildet und am Jahresende 1941 mit einem englischen Langstreckenbomber in die Tschechei eingeflogen. Mit der Ermordung Heydrichs hoffte man dem Deutschen Reich einen solchen Schlag ins Gesicht zu versetzen,

,daß die Kollaboration unmöglich und jede Versöhnung schwierig würde.‘

146


Noch Zitat:

Während nun die beiden Attentäter mit Hilfe der schwachen tschechischen Untergrundorganisation untergetaucht waren und im Laufe der kommenden fünf Monate ihr Attentat planten,

,gelang es Heydrich mehr und mehr, in der Tschechei Fuß zu fassen. Die Dinge nahmen genau den Ablauf, den der tschechische Abwehrdienst vorausgesehen hatte. Bald würde er (Heydrich) das ganze Land ins Nazi-Imperium hinübergezogen haben.‘

In der tschechischen Untergrundbewegung war man geteilter Meinung über das geplante Attentat. Einerseits hieß man es gut, daß etwas geschehe, während man andererseits schwere Repressalien befürchtete, die zur Zertrümmerung des tschechischen Widerstandsapparates führen könnten. Die Führer funkten nach London, um vor den unübersehbaren Folgen des Attentats zu warnen. Benesch erwiderte jedoch kühl, folgenschwere Gewalttaten seien notwendig.

Am Abend vor dem Attentat trafen sich die Verschwörer in Prag; und wiederum kam es zum Streit über das Für und Wider der ganzen Sache. Der tschechische Leutnant Opolka beendete die Diskussion, indem er sagte:

,Das beabsichtigte Attentat gegen Heydrich ist kein isolierter Racheakt. Wenn wir ihn nicht ermorden, werden tschechische Divisionen, Seite an Seite mit den Nazis, gegen die Briten, Amerikaner und Russen kämpfen. Die Nazis haben bisher einen Propagandaerfolg erfochten, der seinesgleichen so schnell nicht finden wird. Andere Personen, Personen, die wichtiger als wir selbst sind, haben entschieden, daß mit dieser einen Aktion all dies verhindert werden kann.‘

Um jeden Zweifel in bezug auf die Ursache des Todes Heydrichs zu beseitigen, traf man Vorkehrungen, die die Annahme verhindern sollten, Heydrich sei einem Unfall zum Opfer gefallen.

,Eine solche Annahme wäre vollkommen unerwünscht gewesen. Der ganzen Tschechoslowakei, dem ganzen Deutschen Reich und der Welt mußte gezeigt werden, daß Heydrich von Vertretern des tschechischen Volkes getötet worden sei.‘

Am nächsten Morgen fuhr Heydrich im offenen Wagen, nur in Begleitung seines Fahrers, ohne Schutzmannschaft, deren er bei seiner Beliebtheit entbehren zu können glaubte, von seinem Landsitz außerhalb Prags zum Hradschin. An einer scharfen Kurve warteten die beiden Attentäter.

Heydrichs Verhältnis zur Zivilbevölkerung wird ausreichend durch das Verhalten der Straßenpassanten illustriert, die Zeugen des Mordanschlages wurden: Tschechen gaben ihm ohne Zaudern Erste Hilfe, und es waren Tschechen, die sich den Attentätern in den Weg warfen und sie, wenn auch erfolglos, verfolgten; zwei der tschechischen Verfolger wurden von den Attentätern schwer verletzt. – Wenige Tage später starb Heydrich.“

147


Es bleibt noch hinzuzufügen, daß Heydrichs Beliebtheit in Prag so groß war, daß er sich ohne Begleitung in ein Kaffeehaus setzen und mit den Tschechen unterhalten konnte, ohne für seine Person fürchten zu müssen.

Was die Zerstörung Lidices betrifft, wurde mir erzählt, sei zunächst geplant gewesen, den Ort zu räumen und niederzubrennen. Erst als man entdeckt hätte, daß größere Mengen an Waffen und Munition versteckt waren, sei die männliche Bevölkerung erschossen worden. Für die Echtheit dieser Mitteilung, die ich für glaubhaft halte, für die ich mich aber nicht verbürgen kann, wird sich vielleicht eines Tages auch eine Erklärung finden. –

Im Zusammenhang mit „Lidice“ darf auch „Glaserhäu“ nicht vergessen werden. Ein Bericht aus „Nation Europa“ 9/59, S. 28:

„... Überfall auf das rein deutsche Dorf Glaserhäu in der Mittelslowakei ... wurde im Verlaufe weniger Minuten die gesamte männliche Bevölkerung im Alter von 14 bis 60 Jahren ermordet: Diese Volksdeutschen wurden wie das Vieh zusammengetrieben, in Gruppen zum Bahnhof gebracht, in Viehwaggons eingesperrt und bis vor die Nachbargemeinde Ober-Stuben gefahren. Auf der ‚Ebene‘, einer ausgedehnten Hufweide, mußten sie aussteigen, ihr eigenes Massengrab schaufeln, sich hineinstellen, um sodann mit Maschinengewehren zusammengeschossen zu werden. Das ist nur ein Beispiel. Ähnlich hausten die Banditen in den anderen deutschen Dörfern. Allein am 21. September 1944 fielen in Glaserhäu und Umgebung 226 schuldlose, nicht etwa wie die Männer von Lidice in eine Mordverschwörung verwickelte, Volksdeutsche der Metzelei zum Opfer. Überall wurden dann die Intellektuellen sowie die führenden Personen festgenommen und abtransportiert. In dem von den tschechoslowakischen Aufständischen eingerichteten Konzentrationslager Slovenská Lupa starben allein etwa 3000 Volksdeutsche schuldlose Nichtkämpfer.

Wie war es nun zu dem Aufstand gekommen? Im September 1944 war die Slowakei ein selbständiger Staat, und kein deutscher Soldat befand sich auf slowakischem Boden. Der Regierungschef war der Slowake Monsignor Tiso. Tschechische und russische Agenten hetzten die Hefe des slowakischen Volkes zum Aufstand – und vor allem zur Deutschenjagd. Diese Mordzüge waren kein Kunststück, weil die deutsche Bevölkerung in ihren Sprachinseln völlig unvorbereitet und deshalb wehrlos war.

Da sich die Regierung Tiso keinen Rat mehr wußte und selbst nicht die Macht zum Wiederherstellen von Ruhe und Ordnung hatte, blieb ihr nichts anderes übrig, als die deutsche Regierung um Hilfe zu bitten. Diese sagte zu und ließ deutsche Wehrmachtseinheiten in die Slowakei einrücken. Sie stellten im Verein mit der ‚Hlinkagarde‘ (Pater Hlinka war der Führer der slowa-

148


Noch Zitat:

kischen katholischen Volkspartei) die Ordnung wieder her, jedoch erst nach zweimonatigen verlustreichen Kämpfen. Auf der einen Seite kämpften also tschechoslowakische hussitische ‚Partisanen‘, verstärkt durch slowakische Überläufer unter Führung sowjetrussischer Spezialisten, auf der anderen Seite reguläre slowakische und reichsdeutsche Verbände. ‚Partisanen‘ gelten nach der Haager Landkriegsordnung als Freischärler und werden nach der Genfer Konvention deshalb nicht als reguläre Wehrmachtsangehörige anerkannt. Die Heldentaten der Partisanenhorden erfolgten dann auch aus dem Hinterhalt und zumeist des Nachts durch Überfälle.

Im Verlauf der Kämpfe haben die tschechoslowakischen ‚Partisanen‘ 55.810 deutsche Soldaten meuchlings ermordet. Diese Zahl wurde von amtlicher tschechischer Seite bekanntgegeben. Wörtlich heißt es: ‚Die 90.000 Partisanen haben 55.810 deutsche Soldaten unschädlich gemacht.‘ Daß Prag so genau Bescheid wußte, ist der Beweis dafür, daß der Aufstand in erster Linie von Prag inszeniert wurde. Während der Kämpfe waren einzelne slowakische Befehlshaber mit ihren Einheiten zu den Aufständischen übergelaufen. Eine sowjetische Armee näherte sich nämlich damals bereits dem Karpatenwall, und diese slowakischen Befehlshaber wollten sich bei den Bolschewiken beizeiten ‚rückversichern‘.

Nicht nur, daß sich Prag dieser 55.810 Meuchelmorde heute noch rühmt, führte es im Vorjahre in der slowakischen Hauptstadt Preßburg (jetzt: Bratislava) einen Schauprozeß durch, der sich mit der Niederschlagung des Aufstandes im Herbst 1944 befaßte. Angeklagt waren vornehmlich ehemalige Mitglieder der ‚Hlinkagarde‘, also katholische Milizsoldaten, die dem Schutze der slowakischen Regierung Monsignore Tiso dienten, jener Regierung, die im Herbst 1944 am Ruder war; aber auch Angehörige der deutschen Wehrmacht wurden ‚abgeurteilt‘.

Prag bezweckte mit dem Prozeß, einmal die slowakische Volkspartei einzuschüchtern, die auch heute noch dem kommunistischen Regime Widerstand entgegensetzt, und zum anderen, die slowakischen Exilpolitiker mundtot zu machen. Zu diesem Zwecke hat die Prager Regierung die Unverschämtheit besessen, in diplomatischen Noten an Kanada, England, Frankreich, Australien, Argentinien und Österreich die Auslieferung jener Männer zu verlangen, die als reguläre Soldaten ihrer verfassungsmäßigen Regierung die tschechoslowakischen Partisanenhorden zu bekämpfen hatten.

‚Lidice‘, mit dem die Tschechen die Weltöffentlichkeit immer wieder bemühen, und Glaserhäu können in völkerrechtlicher und moralischer Hinsicht nicht verglichen werden: In Lidice wurde eine gewiß harte und unkluge, aber jedenfalls durch Meuchelmord provozierte Strafaktion durchgeführt – in Glaserhäu handelte es sich um die planmäßige Ausmordung einer nationalen Minderheit. Von Lidice schreiben heute noch die deutschen Zeitungen – aber wer hat je von dem Blutbad von Glaserhäu gehört? Auch draußen in

149


Noch Zitat:

der Welt ist davon so gut wie nichts bekannt – und das ist verständlich, denn wer sollte die Weltöffentlichkeit unterrichten, wenn die Deutschen selbst es nicht tun, sondern in wüsten Übertreibungen der in ihrem Namen begangenen Bluttaten schwelgen?

Über die Geschehnisse in Glaserhäu am 21. September 1944 liegt ein von Elias Großmann unterzeichneter Augenzeugenbericht vor, der die Namen der Opfer samt den Geburtsdaten in einem angeschlossenen Namensverzeichnis enthält. Der Ortspfarrer von Glaserhäu, Josef Pöß, der ebenfalls unter den zu Erschießenden war, hatte sich, als er das Maschinengewehrfeuer merkte, auf den Boden geworfen und wurde von den Erschossenen zugedeckt. Er entstieg nachts dem Massengrab und rettete so neben einer kleinen Gruppe Glaserhäuer sein Leben; er wirkt heute wieder als Pfarrer in Württemberg.

Nach dem 8. Mai 1945, also bereits nach Kriegsende, haben die Tschechen dann noch über 800.000 wehrlose Deutsche ermordet, und zwar 300.000 sudetendeutsche Zivilpersonen und über 400.000 reichsdeutsche Wehrmachtsangehörige, die nach Kriegsende gemäß Kapitulation ihre Waffen niedergelegt hatten. Diese bereits Entwaffneten wurden hinterlistigerweise, in den meisten Fällen mit ihren eigenen Waffen, niedergemacht.

Allein in Budweis in Südböhmen wurden rund 12.000 deutsche Wehrmachtsangehörige, die bereits entwaffnet waren und sich den Amerikanern übergeben wollten, von den Tschechen meuchlings ermordet. Es handelte sich hier um eine Masse von Angehörigen verschiedener Truppenteile in Divisionsstärke, die sich bei Budweis angesammelt hatten. Tschechische ‚Offiziere‘ haben mit den entwaffneten deutschen Offizieren und Landsern noch ‚gefeiert‘, dann warteten die tschechischen Maschinengewehre. Es gibt noch etwa 300 Überlebende. In Prag allein haben die Tschechen 100.000 deutsche Zivilbewohner und reichsdeutsche Wehrmachtsangehörige, darunter einen hohen Prozentsatz Schwerverletzter, auf bestialische Weise ermordet. (Deutsche Säuglinge wie Fledermäuse an die Haustore genagelt und ähnliche Greuel verübt.)

Es gibt kaum einen Ort im ehemaligen deutschen Sprachgebiet Böhmens, Mährens und Schlesiens, in dessen Nähe sich kein Massengrab ermordeter Deutscher befinden würde. Die Tschechen haben Lidice also 4000fach gerächt, und wenn man den Verlust der Heimat in Rechnung zieht, millionenfach.“

Zu dem wohl ungeheuerlichsten Kriegsverbrechen – von dem behauptet wird, es sei eine militärische Notwendigkeit gewesen –, dem Abwurf der Atombombe auf Hiroshima, schreibt Prof. Barnes in „National Review“, zit. in „Nation Europa“ 8/58, S. 11:

„,Ich denke, die Aufopferung von Hiroshima und Nagasaki war eine dringliche Notwendigkeit aus Fürsorge für Japan und die Alliierten‘, mit diesem

150


Noch Zitat:

Rechtfertigungsversuch möchte Mr. Truman das Gewissen der Amerikaner beschwichtigen. Die Aussage des Schuldigen erfordert eine Untersuchung:

Im Januar 1945 waren die Japaner zu der Erkenntnis gekommen, daß der Krieg für sie verloren sei; und diese Überzeugung war stark genug, sie zu Friedensangeboten zu veranlassen, die bis zu äußersten Zugeständnissen gingen – im wesentlichen bis zu den gleichen Bedingungen, die dann im August nach monatelanger Fortsetzung der blutigen Kämpfe im Pazifik und nach den fürchterlichen Greueln der Atomangriffe auf Hiroshima und Nagasaki dem Waffenstillstand wirklich zugrunde gelegt wurden. Es spricht deshalb jede Wahrscheinlichkeit dafür, daß der Krieg schon im Februar oder spätestens Anfang März mit der freiwilligen Unterwerfung Japans hätte beendet werden können. Der Leser wird es für unbegreiflich halten, daß die damit sinnlos gewordene Metzelei trotzdem – also ohne jede politische Notwendigkeit! – fortgeführt und bis zum furchtbarsten Massenmord an den Kindern und Frauen zweier wehrloser Großstädte getrieben worden ist. Doch die Tatsachen lassen keinen Zweifel zu:

Zwei Tage vor Abreise Roosevelts zur Yalta-Konferenz hatte er von General Douglas MacArthur die erwähnten japanischen Friedensangebote erhalten. Weil sie von den maßgebenden Beratern Hirohitos kamen, drängte MacArthur darauf, unverzüglich Waffenstillstandsverhandlungen einzuleiten und auf keinen Fall einen Kriegs eintritt der Sowjets in Fernost zuzulassen.

Roosevelt verwarf diesen Vorschlag mit der bei ihm üblichen Überheblichkeit: ‚MacArthur ist unser größter General und unser kümmerlichster Politiker‘ – er ging nach Yalta und überlieferte Stalin sowohl Mitteleuropa wie Ostasien als Sprungbrett für seine weitere Machtausweitung. Um dieser Politik willen und ohne jede militärische Notwendigkeit mußten weitere sechs Monate lang die Söhne amerikanischer und japanischer Mütter leiden und zu ungezählten Zehntausenden geopfert werden.

Im einzelnen hatten die Japaner im Januar 1945 folgendes angeboten:

1.   Bedingungslose Kapitulation sämtlicher Streitkräfte auf sämtlichen Kriegsschauplätzen.

2.   Auslieferung sämtlicher Waffen und Munitionsvorräte.

3.   Besetzung der Heimatinseln und der überseeischen Besitzungen des Kaiserreiches durch die Alliierten unter amerikanischem Oberkommando.

4.   Verzicht auf die Mandschurei, Korea, Formosa usw.

5.   Verbot jeder japanischen Rüstungsindustrie.

6.   Auslieferung der als Kriegsverbrecher verlangten Personen.

7.   Freigabe sämtlicher alliierten Gefangenen.

Die Regierung Roosevelt sorgte dafür, daß dieses Angebot nicht zur Kenntnis des amerikanischen Volkes kam, nur weil sie unter allen Umständen den Krieg fortsetzen wollte. MacArthurs Meldung sollte ,Top Secret‘ im

151


Noch Zitat:

Archiv verschwinden; aber ein hoher Offizier, der über die Yaltaverhandlungen entsetzt war, übergab gegen das Versprechen der Geheimhaltung bis Kriegsende eine Abschrift an Walter Trohan von der ‚Chicago Tribune‘. Trohan hielt trotz schwerster Gewissensnot, was er zugesagt hatte, veröffentlichte dann aber den vollen Wortlaut am 19. August 1945, am ersten Sonntag nach dem Tag des Waffenstillstands in ‚Chicago Tribune‘ und ‚Washington Times Herald‘. Trotz der unerhörten Bedeutung des Dokuments wurde es von der übrigen Presse totgeschwiegen.

Das weiße Haus hat die Echtheit der Veröffentlichung Trohans niemals zu bestreiten gewagt; und MacArthur bestätigte sie dann nach seiner Rückkehr von Korea in allen Einzelheiten.

Damit ist der Behauptung Trumans, der Atombombeneinsatz – 6 Monate nach dem japanischen Angebot bedingungsloser Unterwerfung !! – sei ‚urgent and necessary‘ gewesen, jeder Boden entzogen.

Nach der heimtückischen Unterdrückung der japanischen Friedensbitte mußten erst noch die fürchterlichsten Gemetzel von Iwojima und Okinawa und zahllose weitere verlustreiche Gefechte folgen, und auch ‚Uncle Joe‘, dem bewunderten Vorbild der New Deal-Schwärmer, mußte noch Gelegenheit gegeben werden, sich risikolos an dem bereits entschiedenen Fernostkrieg zu beteiligen wie an einer Hofjagd. Stalin folgte der Einladung zwei Tage nach Hiroshima und schleppte sodann die gesamte europäische und asiatische Beute, die ihm von Roosevelt und ‚the Great Old Man‘, dem preisgekrönten Europäer Churchill, geradezu aufgedrängt worden war, hohnlachend nach Hause.

Die Meldung MacArthurs an Roosevelt ist übrigens nicht unbestätigt geblieben. Auch Admiral Ellis M. Zacharias vom Nachrichtendienst der Flotte berichtete über die bedingungslose Friedensbereitschaft Japans. Aber alles war vergeblich: Das Blutvergießen mußte nach den irren Gelüsten Roosevelts seinen Fortgang nehmen.

Angesichts der Behauptung seines Nachfolgers Truman, die Massenmorde von Hiroshima und Nagasaki seien um des ‚prospektiven‘ Wohles‘ der Japaner und Amerikaner willen ‚dringend notwendig‘ gewesen, erhebt sich die Frage, ob dieser Mann bei seiner Amtsübernahme über den Stand der japanischen Friedensbereitschaft getäuscht worden sein könnte.

Das Zeugnis eines der ehrenhaftesten Staatsmänner seit Washington steht dem entgegen. (Barnes bezieht sich wahrscheinlich auf Taft. NE.) Er hat mir in Gegenwart eines hervorragenden Politikers berichtet, er sei, sofort nachdem er von dem Friedensangebot der Japaner erfahren habe, zu Truman gegangen, um ihn zur Einstellung des sinnlos gewordenen Gemetzels zu bewegen. Aber Truman sagte, er fühle sich noch zu unsicher in seinem Amt, um Stimson und der kriegslustigen Pentagon-Hierarchie in den Arm zu fallen; sie seien nun einmal entschlossen, bis zum bitteren Ende weiterzukämpfen

152


Noch Zitat:

– wie wir heute wissen, wollten sie erst ihr neues militärisches Spielzeug (das Geschenk Einsteins und seiner Verräterfreunde in Europa) am lebenden Objekt menschenwimmelnder Millionenstädte ausprobieren. Truman tat nichts zur Verhinderung des geplanten Verbrechens, sondern gab Stimson freie Hand.

Wenn Truman und seine Mitschuldigen heute behaupten, der Einsatz der Atombombe habe das Gute bewirkt, Japan friedensbereit zu machen, so ist diese Unwahrheit längst widerlegt. Bereits im Jahr 1946 stellte ,The United States Strategic Bombing Survey‘ fest:

‚Nicht die Bomben von Hiroshima und Nagasaki haben Japan niedergeworfen, und nach dem Zeugnis der feindlichen Führer, die den Krieg beendet haben, waren sie auch nicht der Anlaß zur bedingungslosen Kapitulation.‘

Grund der japanischen Friedensbereitschaft war vielmehr der militärische Zusammenbruch und die Erkenntnis, daß weiterer Widerstand zwecklos sein würde. Deshalb konnte ,Bombing Survey‘ mit Recht zu dem Schluß kommen:

‚Japan hätte sich auch dann ergeben, wenn die Atombomben nicht gefallen, wenn die Sowjets nicht in den Krieg eingetreten und sogar wenn Landungsunternehmungen nicht geplant worden wären.‘

Eine den schlichten Betrachter fantastisch anmutende Theorie wurde in den Nachkriegsjahren aufgestellt. Nach dem Historiker Professor Current deuten die Memoiren Stimsons an, daß ‚Rußland, nicht Japan, das eigentliche Ziel der Atombomben von Hiroshima und Nagasaki‘ gewesen sei, denn sie hätten der ‚demokratischen Diplomatie gegenüber der Nachkriegsmacht des kommunistischen Kolosses‘ – den die gleiche Diplomatie soeben erst künstlich geschaffen hatte! – ,den dringend notwendigen Rückhalt gegeben‘. Auch Stalin hat sich bei der wachsenden Spannung nach Potsdam wiederholt in diesem Sinne geäußert.

Wenn diese Deutung richtig ist, dann sind die Kinder und Frauen, die in Hiroshima und Nagasaki bei lebendigem Leib geröstet wurden, also nicht ,dem Wohl der Japaner und Amerikaner‘ geopfert worden, wie Truman es so bieder hinstellen möchte; sondern ihr hunderttausendfacher Schmerzensschrei sollte die Sowjets einschüchtern. Ganz abgesehen von der ‚Humanität‘ dieses Verfahrens fragt es sich sehr, ob es politisch zweckmäßig war. Professor Current hat Recht mit der bitteren Bemerkung:

,Wenn der Zweck wirklich die Abdämmung der Russen in Fernost gewesen ist, dann muß die Vernichtung ihres historischen Gegners in diesem Raum als ein ganz seltsamer Versuch dazu bezeichnet werden. Ein schneller Frieden mit den Japanern, ein Verzicht auf ihre Demütigung, wäre vernünftiger gewesen.‘

Gegenüber diesen Stimmen wird Truman sich vielleicht auf das Gutachten des Generals Marshall von Yalta stützen, in dem ein Angriff auf Japan selbst als unbedingt nötig hingestellt wurde. Aber diese Stellungnahme kann die Richtigkeit seiner Auffassung nicht bestätigen; denn angesichts der Folgen

153


Noch Zitat:

der Roosevelt-Morgenthau-Marshall-Truman-Politik ist heute völlig klar, daß sie militärisch falsch war.

Man hätte die Ehrlichkeit der japanischen Angebote sofort und in aufrichtiger Friedensbereitschaft (!) durch die Eröffnung von Verhandlungen auf die Probe stellen müssen. Das ‚Friedensangebot‘ von Potsdam vom Juli 1945 konnte von den Japanern unmöglich als Versöhnlichkeit gedeutet werden.

Mr. Truman sucht seine Tat schließlich mit dem (von deutschen Moralmanagern so streng verpönten! NE) Hinweis auf die ‚Schuld der anderen‘ zu beschönigen.

,Die Notwendigkeit einer solch verhängnisvollen Entscheidung (Atombombenabwurf) hätte sich selbstverständlich niemals erhoben, wenn wir nicht von Japan im Dezember 1941 in Pearl Harbor von hinten her (Der Leser möge daraus entnehmen, wo für den Rooseveltklüngel ,der Feind‘ stand, den es zu vernichten galt, obwohl die deutsche Politik nichts gegen die USA im Schilde führte! NE) in den Rücken geschossen worden wären.‘

Aber welch historisch falsches Gleichnis leistet sich Truman auch hier!

Schon auf Grund des heute bereits ans Licht gezogenen Materials steht fest, daß Roosevelt (obwohl er auf Hitler starrte) es nicht unterließ, auch Japan vor die Schienbeine zu treten, die eigenen Streitkräfte durch Vorenthalten von Nachrichten zu lähmen und die Japaner schließlich bewußt zur Eröffnung der Feindseligkeiten zu provozieren.

Aber ganz abgesehen von seiner Kriegsschuld: Der Hinweis auf den rein militärischen Angriff auf den Flottenstützpunkt Pearl Harbor eignet sich nicht zur Beschönigung des völkerrechtswidrigen Mordüberfalls auf offene Millionenstädte. Die Antwort der Stadtverwaltung von Hiroshima ist vernichtend:

‚Wenn Ihre Entscheidung (Atombombe) wirklich den Überraschungsangriff der Kaiserlich Japanischen Marine auf die Streitkräfte und militärischen Anlagen Ihres Landes (Pearl Harbor) zur Grundlage gehabt hätte, warum konnten Sie dann nicht gleichfalls ein militärisches Ziel in Japan wählen? Sie haben statt dessen die Greueltat der Abschlachtung von 200.000 waffenlosen Nichtkämpfern begangen und versuchen nun noch, sie zu rechtfertigen.‘“

Gegen Coventry, das englische Rüstungszentrum, wurde als Vergeltung für die britischen Angriffe auf München am 15. November 1940 ein besonders schwerer Schlag geführt, wobei – nach verschiedenen Aussagen – 380 bis 1300 Menschen den Tod gefunden haben, während in Dresden, im Februar 1945, 200.000 bis 300.000 Menschen sinnlos gemordet wurden. Der Angriff auf Coventry galt der Rüstungsindustrie, wobei – infolge der Stadtnähe der Fabriken – Verluste unter der Zivilbevölkerung unvermeidlich waren, während Dresden am 12. Februar 1945 auf ausdrücklichen Befehl Churchills bombardiert wurde.

154


David Irving, der englische Historiker, hat in „The Destruction of Dresden“ einwandfrei nachgewiesen, daß Churchill, nachdem er die ersten Berichte über die ostdeutschen Flüchtlingsbewegungen erhalten hatte, einen Groß-Luftangriff anforderte, um „den Deutschen beim Rückzug aus Breslau das Fell zu gerben“. Einige Tage später wurden die Besatzungen nach Chemnitz eingewiesen: „Sie fliegen heute nach dorthin, um alle Flüchtlinge zu töten, die aus Dresden entkommen sein mögen.“

Hans Grimm bringt in „Warum – Woher – aber Wohin“ auf Seite 460 einen Bericht über den Angriff, den ich folgen lasse:

„Als die damals ganz unklaren Gerüchte über das ferne Yalta uns zu erreichen begannen, erlebte Deutschland das unfaßbare Geschehnis von Dresden, das jede sinnlose Grausamkeit übersteigt, die von weißen Menschen je ausgeheckt wurde und doch völlig unverurteilt blieb. Im Jahre 1953 hat das amerikanische Außenministerium dem Herausgeber des Buches ,Der Tod von Dresden‘ bestätigt, daß die alliierten Luftangriffe auf Dresden in der Nacht vom 13. Februar 1945 und am 14. Februar, bei denen nicht nur das kunstgeschichtlich berühmte Stadtgebiet zerstört, sondern die Tausende von Ostflüchtlingen auf den Elbwiesen vor der Stadt mit Phosphor und Sprengbomben zu Tode gequält wurden, von den Sowjets verlangt worden seien. Die Sowjets, deren Truppen 90 km von Dresden entfernt standen, hätten gewünscht, daß Dresden als Eisenbahnknotenpunkt ausgeschaltet werde, über den sonst womöglich deutsche Truppenverstärkungen angebracht werden könnten. Die Engländer unternahmen den nächtlichen Angriff mit Bombenflugzeugen auf die Stadt, die Amerikaner warfen am Tage die Phosphorkanister und Sprengbomben auf die verzweifelten Flüchtlinge. 1.120.000 Menschen befanden sich in Dresden; zu den rund 670.000 Einwohnern waren rund 550.000 Flüchtlinge aus Schlesien hinzugekommen. Der alte Dichter Gerhart Hauptmann befand sich unter ihnen. Die bis dahin von Luftangriffen fast ganz verschonte unglückliche Stadt enthielt ungewöhnlich viele Krankenhäuser und Lazarette, voll belegt, alle sichtbar bezeichnet nach der Genfer Konvention. 9000 Maschinen griffen Dresden in drei Wellen an. Die erste Welle setzte eine Häuserfläche von 28 qkm in Brand, die nächsten Wellen zerstörten die Randgebiete, in die sich die Überlebenden des ersten Angriffs zu retten versucht hatten. Ein Bericht teilt mit: ,Die Zahl der Opfer wird sich nie genau feststellen lassen. Sorgfältige Schätzungen beziffern die Zahl der in den Kellern erstickten oder ertrunkenen, im Phosphorregen verbrannten, durch Splitter und Trümmer getöteten, erschlagenen und verschütteten Zivilisten auf 350.000 bis 400.000 Personen, Kinder und Greise, Männer und Frauen. Zwei Monate lang arbeiteten Kommandos, um die Leichen zu bergen und zu beerdigen. Dann mußte man es aufgeben. Scheiterhaufen mit je 450 bis 500 Leichen wurden errichtet, Flammenwerfer wurden eingesetzt, um die Keller auszubrennen. Auf dem Heidefriedhof reihen sich Massengräber und

155


auf einem Hügel steht ein schlichtes Holzkreuz mit der Inschrift: ,Die Asche von 10.000 Menschen bedeckt dieser kleine Hügel von 4 x 6 m.‘ Der Angriff auf Dresden forderte mehr Menschenopfer als die Atomangriffe auf Nagasaki und Hiroshima. Militärisch waren diese Angriffe völlig unbegründet. Weder Rüstungsindustrie noch militärische Anlagen, sondern nur wehrlose Menschen sollten getroffen werden. Im Zahlenrausch der Vernichtungsmittel ,der größten Luftaktion aller Zeiten‘ gingen Vernunft und Menschlichkeit ebenso unter wie bei den verantwortungslos sanktionierten Massenaustreibungen, deren Durchführung für Millionen Menschen Verlust der Heimat und den Tod bedeuteten.“

Eine der ersten Maßnahmen des Kabinetts Churchill bildete am 11. Mai 1940 der Beschluß, welcher der englischen Luftwaffe das Bombardieren im deutschen Hinterland freigab. Der englische Militärhistoriker Spaight bezeichnet ihn als großartig und heldenhaft: „Es war ein großartiger Entschluß, ebenso heldenhaft und selbstaufopfernd, wie Rußlands Entschluß zur Politik der verbrannten Erde.“

Wenn von Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit gesprochen wird, sollte man auch nicht vergessen, was im Februar 1944 in Italien geschehen ist. In „Deutsche Nachrichten“ vom 31. Dezember 1965 steht:

„Kriegsverbrechen sind während des Zweiten Weltkrieges auf beiden Seiten verübt worden. Geahndet dagegen wurden sie nur auf einer Seite. Daran und zugleich an eine der scheußlichsten Unmenschlichkeiten des Krieges hat der Italienische Kammerabgeordnete und Chef der Monarchistenpartei, Alfredo Covelli, erinnert.

Im Frühjahr 1944 waren in Mittelitalien die alliierten Angriffe an der ,Gustav-Linie‘ der Deutschen Wehrmacht zum Stehen gekommen. Besonders die im Cassino und der Provinz Frosinone eingesetzten Marokkaner des französischen Generals Alphonse Juin verloren innerhalb weniger Wochen fast die Hälfte ihrer Truppenstärke. Als Juin in dieser Situation vom alliierten Oberkommando den Befehl bekam, ,mit allen Mitteln und um jeden Preis‘ die deutschen Linien zu durchbrechen, scheute er nicht davor zurück, seine Truppen mit einem verabscheuungswürdigen Mittel aufzuputschen. Juin, seit 1952 Marschall von Frankreich und von 1953–56 Oberbefehlshaber im NATO-Abschnitt Mitte, erließ einen Tagesbefehl, in dem es hieß: ‚Wenn ihr den Feind besiegt, gehören euch die Häuser, die Frauen und der Wein für 50 Stunden. 50 Stunden könnt ihr tun und lassen, was ihr wollt.‘

Dieser Appell an niedrigste Instinkte der Nordafrikaner, im Einverständnis mit dem alliierten Oberkommando erlassen, verfehlte seine Wirkung nicht: ,Um ungestraft Orgien feiern zu können‘, so schreibt der ‚Stern‘, ‚kämpften die Marokkaner wie Besessene. Kaum waren die Deutschen ver-

156


trieben, begann eine der entsetzlichsten Massenvergewaltigungen des Zweiten Weltkrieges.‘ Nicht weniger als 60.000 Italienerinnen wurden von den Truppen des Generals Juin geschändet. Der Abgeordnete Covelli stellt heute fest: ,Die Marokkaner vergewaltigten Mädchen und Frauen von 12 bis 80 Jahren, sie nahmen keine Rücksicht auf körperliches Befinden, und sie vergingen sich sogar an Kranken, Schwangeren und Geistesgestörten.‘ Männer, die sich der Schändung ihrer Frauen und Töchter zu widersetzen versuchten, wurden erschlagen oder an die Bettpfosten gebunden, um ohnmächtig zuzusehen, wie Juins Soldaten ihre Gier austobten.

Als nach den 50 teuflischen Stunden amerikanische Truppen in das ,marokkanisierte‘ Gebiet einrückten, erhielten sie keinen freundlichen Empfang von den befreiten Italienern. Wohl aber wurden Ärzte, Krankenschwestern und vor allem die Mittel der Amerikaner gegen Geschlechtskrankheiten dringend benötigt. Neun Monate später brachten die geschändeten Italienerinnen Mulattenkinder zur Welt, viele davon an angeborener Syphilis leidend. Für 5000 der ‚marokkanisierten‘ Italienerinnen zahlten französische Dienststellen später Entschädigungen bis zu 60.000 Lire. Den restlichen 55.000 Geschändeten blieb bis heute jede finanzielle Sühne versagt.

Der italienische Monarchist Covelli verlangt nun nicht etwa, daß der für diese Verbrechen verantwortliche Marschall Juin vor ein Gericht gestellt wird. Covelli strebt auch nicht die Aburteilung der Offiziere des alliierten Oberkommandos von 1944 an, mit deren Einverständnis Juin seinen Befehl erließ. Vielmehr will der Abgeordnete erreichen, daß den Opfern der Marokkaner Schadenersatz und eine lebenslängliche Rente gewährt werden.“

Und man sollte auch nicht vergessen, was sich im Wagenburgtunnel in Stuttgart abgespielt hat. „Nation Europa“ schreibt in Heft 11/59 auf Seite 53:

„Am 17. März 1958 wurde in Stuttgart durch den Stuttgarter Oberbürgermeister Dr. Klett der längste und modernste Straßentunnel Deutschlands, der Wagenburgtunnel, dem Verkehr übergeben. An der Fertigstellung dieses Bauwerkes wurde 17 Jahre lang gearbeitet. Nun dienen die 825 Meter des Tunnels der Entlastung des beängstigend anwachsenden Straßenverkehrs zwischen der Stadtmitte und den östlichen Stadtteilen. Der Tunnel ist mit Neonlicht ausgestattet, mit gelblichen Fliesen geschmackvoll verkleidet, und sinnvolle, modernste Einrichtungen sorgen für die ordnungsgemäße Ablüftung der lebensgefährlichen Auspuffgase. Seit der Einweihung des Tunnels haben ihn Tausende von Fahrzeugen durchquert.

Nur wenige Menschen, die bei der Einweihung des Tunnels dabei waren oder ihn seither durchfuhren, mögen daran gedacht haben, welchen Zwecken er 1945 kurz nach der Besetzung Stuttgarts durch alliierte Truppen gedient hat. Im damaligen Jargon der Siegermächte wurde zwar die Besetzung Stutt-

157


Noch Zitat:

garts als ‚Befreiung‘ deklariert, mindestens in Stuttgart aber – nicht nur In Berlin oder anderen Orten, über die sich die Sowjetarmee hinwegwälzte –, sah diese Befreiungstat merkwürdig genug aus. Die Kenntnis von den Vorgängen verdanken wir nicht etwa der Berichterstattung der ‚deutschen‘ Lizenzpresse, sondern den amerikanischen Blättern, die uns während der Kriegsgefangenschaft in den Vereinigten Staaten von Nordamerika zu dieser Zeit noch unzensiert zur Verfügung standen. Im Folgenden halten wir uns eng an diese amerikanischen Veröffentlichungen, da uns deutsche Berichte über die Vorgänge nicht bekannt wurden und wohl auch nur sehr schwer zu beschaffen sein dürften.

Senator Eastland, Demokrat, hatte offenbar als erster im amerikanischen Kongreß im Juni 1945 Aufsehen erregt mit der Mitteilung, daß französische Einheiten – einmal wurden ‚Marokkaner‘, das andere Mal ‚Senegalesen‘ genannt –, in den ersten Tagen der Besetzung der Stadt Stuttgart Massengreuel verübt hätten. Eastland nannte die Zahl von 5000 Stuttgarter Frauen und Mädchen, die in einen ‚Untergrundbahntunnel‘ verschleppt und dort vergewaltigt worden seien.

Bezeichnend war das Verhalten der amtlichen amerikanischen und französischen Dienststellen auf diese Anklage des Senators hin: Die Berichte wurden rundweg bestritten! Doch dieser Versuch, die Untaten mit einer großen Lüge zuzudecken, mißglückte. Eastland, der die Unterstützung anderer Senatoren fand, beschuldigte die amerikanische Armeeleitung, sie versuche, die Sache zu vertuschen; er führte (lt. Bericht des Sonntagsblattes der Volks-Zeitungs-Tribüne vom 22. 7. 1945) wörtlich aus:

,Das Informationshauptquartier sollte dem amerikanischen Publikum gegenüber ehrlich sein. Unser Volk hat ein Recht darauf, die Wahrheit zu erfahren. In einem freien Land hat die Zensur nur dort Berechtigung, wo es gilt, dem Feinde wichtige Informationen vorzuenthalten. Es besteht in diesem Fall keine derartige Berechtigung, da der Krieg mit Deutschland vorbei ist.‘

Eastland verlas dann im Kongreß eine Anzahl von Zeitungsauszügen, in denen die Stuttgarter Frevel von französischen Beamten, amerikanischen Offizieren und privaten ‚Berichterstattern‘ bestritten wurden, und führte weiter aus:

‚Wenn wir Soldaten ausstatten und sie unter amerikanischem Oberbefehl hilflosen Frauen und Kindern als Autorität vorstellen, dann ist es unsere Sache, dafür zu sorgen, daß amerikanische Ordnung aufrechterhalten wird und es nicht zu Räubereien, Morden und Angriffen auf Frauen kommt, wie sie sich zweifellos in Stuttgart zugetragen haben. Dieses schreckliche Vorkommnis ist uns von zu vielen Personen in verantwortlichen Stellen bestätigt worden, um erfolgreich vertuscht werden zu können. Die Armee sollte nicht mit Worten spielen. Falls unsere Information falsch wäre, sollte uns gesagt werden, in welcher Hinsicht sie falsch war. Eine ganze Anzahl Senatoren

158


Noch Zitat:

wissen, was geschah. Die Armeeleitung sollte keine weiteren Versuche machen, die Sache zu vertuschen.‘

Das französische Kriegsministerium lehnte Anfang August 1945 die ‚Beschuldigungen‘ Eastlands in Bausch und Bogen mit der Erklärung ab, ‚wieviel diese ganze Behauptung wert ist, geht schon daraus hervor, daß in ganz Stuttgart keine Untergrundbahn vorhanden ist.‘

Die damaligen amerikanischen Presseberichte bestätigten diesen Sachverhalt und korrigierten ausdrücklich, daß es sich bei dem behaupteten ,Untergrundbahntunnel‘ um den Wagenburg-Tunnel handele, über dessen Eröffnung wir eingangs gehört haben.

Die 6. amerikanische Heeresgruppe hatte ein Communiqué herausgegeben, wonach ,alle französischen Verbindungsoffiziere bei der 1. französischen Armee innerhalb Stuttgarts selbst oder in der Nähe der Stadt dem Heeresgruppenhauptquartier Bericht vorgelegt‘ hätten, daß ihres Wissens derartige Vorgänge nicht stattgefunden hätten. Oberbürgermeister Klett gab 1945 an, er habe sich beschwerdeführend an die alliierten Befehlsstellen gewandt, aber nur die zynische Antwort erhalten:

,Die deutsche SS hat ja dasselbe sich außerhalb Deutschlands auch geleistet und dabei sogar noch ausdrücklichen Befehlen gehorcht. Nun tun unsere Marokkaner dasselbe; aber das machen sie von sich aus, wir jedenfalls haben so etwas nicht ausdrücklich angeordnet!‘

Nach einigen Tagen, so fügte Dr. Klett hinzu, hätten französische Offiziere selber angefangen, den Überfällen Einhalt zu gebieten.

Amerikanische Soldaten, die in der Vorhut zusammen mit Franzosen in Stuttgart einrückten, erzählten von einer ‚wahren Schreckensherrschaft‘. Ein Soldat berichtete über den Fall eines 12jährigen Mädchens, das vergewaltigt worden war. Eine junge deutsche Ärztin stellte fest, daß mehr als hundert Fälle von Schändungen sich allein in den Hospitälern Stuttgarts ereignet hätten. Der deutsche Polizeichef, Karl Weber, gab an, die meisten Überfälle auf Frauen und Mädchen seien in deren eigenen Wohnungen erfolgt, und zwar durch beturbante Marokkaner, die durch die Türen einbrachen, um zu plündern. Der offizielle deutsche Bericht führt 1198 Fälle von vollzogenen Schändungen an Mädchen und Frauen an, das Alter der davon Betroffenen schwankte zwischen 14 und 74 Jahren. Weber versicherte, jeder einzelne Fall sei nachgeprüft und habe sich als wahr herausgestellt; er ist aber der Ansicht, daß mindestens noch doppelt soviel solcher Fälle vorlägen, bei denen sich jedoch die vergewaltigten Opfer scheuten, die Schande durch eine Anzeige die Umwelt wissen zu lassen. Der amtliche deutsche Bericht führt an: ,Um die Frauen in Schrecken zu versetzen, wurden brutale körperliche Gewalt und selbst Waffen angewendet oder andere Grausamkeiten, die ihren Widerstand brechen mußten. Sie wurden in Keller oder abseitige Räume gezerrt und ihre Eltern, die Ehemänner und Kinder sahen alle diese Vorgänge

159


Noch Zitat:

mit an, hilflos, hier einzugreifen, denn auf die geringste Bewegung, die sie versucht hätten, der Mutter oder Schwester zu Hilfe zu kommen, hätte man sie auf der Stelle umgebracht.‘

In einigen Fällen wurden Frauen, wie aus den Akten ersichtlich ist, bis zehnmal hintereinander vergewaltigt. Ferner steht folgendes verzeichnet:

‚Frauen, von denen die ganze Stadt nur immer mit höchster Achtung gesprochen hat, wurden gezwungen, einem Marokkaner zwei bis drei Stunden lang zur Befriedigung seiner Wollüste zur Verfügung zu stehen. In verschiedenen Fällen boten sich Mütter selber den Eindringlingen an, um ihre jungen Töchter vor den Unholden zu retten, aber die Marokkaner wiesen sie nur ab.‘

Die New Yorker Staatszeitung „Herald“ vom 11. 8. 1945 berichtet weiter:

‚Vier Frauen wurden während solcher Akte getötet und vier andere verübten nach ihrer Schändung sofort Selbstmord. In einem anderen Falle hat der Ehemann seine geschändete Frau und nachher sich selbst getötet.‘

Das Verhalten des Senators Eastland, der in der Zeit eifriger Erfüllung des Morgenthau-Plans sich für die Ehre seiner Soldaten, aber auch für die damals so verleumdeten Deutschen einsetzte, verdient dankbare Erinnerung. Mit ihm berichteten auch andere Senatoren aus einwandfreien Quellen von dieser Greueltat, u. a. die Senatoren Wheeler, John McClellan, Chapman Revercomb und Burnet Maybank. Letzterer berichtete, Unterstaatssekretär Robert Patterson vom Kriegsamt habe, nach den Untaten befragt, trocken erklärt: ,Zur Zeit kein Kommentar!‘ General Jakob Devers, dem damals die französischen Truppen in Stuttgart unterstellt waren, befand sich zur Zeit der Zeitungsberichte auf Urlaub in Amerika. Vom Kriegsamt aus wurde verlautbart, er stehe zu ‚keinem Kommentar‘ zur Verfügung‘. Eastland drohte damals, daß ein Senatskomitee mit der Untersuchung der Angelegenheit beauftragt werde, wenn das Kriegsamt nicht bald mit einer Erklärung herauskomme. Ob es dann noch zur Bildung einer solchen Untersuchungskommission gekommen ist, wurde nicht bekannt. Vermutlich ließen die Verantwortlichen alle Untersuchungen im Sande verlaufen. In der Folgezeit unterlagen die amerikanischen Zeitungen in den Kriegsgefangenenlagern der Zensur. Wir erfuhren nichts mehr. Selbstverständlich brachte auch die ‚deutsche‘ Presse in der Folgezeit nichts mehr über die Vorgänge, daher ist dieser Hinweis nötig.

Zur Gepflogenheit nordafrikanischer Truppen mag es in Kriegszeiten gehören, daß sie sich im besetzten Lande so aufführen, wie sie es in Stuttgart getan haben! Wir haben in der Legion Condor in Spanien mit marokkanischen Truppen in einer Front gekämpft und waren mit der Behandlung ihrer Gefangenen nicht immer einverstanden; wir sind eingeschritten, sobald sie sich eines unmenschlichen Betragens schuldig machen wollten. Die Zyniker unter den französischen Offizieren möchten wir fragen, wie sie sich zu ähnlichen ‚Übergriffen‘ der heutigen ‚Rebellen‘ in Algerien verhalten oder stellen

160


würden. Dürfen wir hoffen, daß sie nicht mehr mit ungleichen Maßstäben richten?

Auch das Erinnerungsvermögen der amerikanischen militärischen Dienststellen sollte aufgefrischt werden, denn es schadet der Zusammenarbeit, wenn man die eigene Schuld vergißt, die des ehemaligen Gegners aber maßlos übersteigert. Dank und Anerkennung gebührt den amerikanischen Senatoren, die damals Einspruch erhoben. Unser Gedenken und unsere Anteilnahme gilt aber in allererster Linie den wehrlosen Opfern der damaligen Greuel.

Es ist mir nicht bekannt, daß Verbrechen ähnlicher Art, wie die der Marokkaner in Italien (die befohlen waren!) und die im Wagenburgtunnel auch von deutschen Soldaten begangen worden sind. Sollte mir ein derartiger Fall genannt werden, stehe ich nicht an, meine Meinung zu ändern. –

Den Verbrechen an den Juden könnten noch die Verbrechen bei der Austreibung gegenübergestellt werden – um es nochmals zu betonen: nicht um aufzurechnen, sondern nur, um alles im rechten Verhältnis zu sehen –, aber es würde zu weit führen, sie alle an dieser Stelle aufzuführen.

Ilja Ehrenburgs Aufruf:

„Es gibt nichts, was an den Deutschen unschuldig ist, die Lebenden nicht und die Ungeborenen nicht! Folgt der Weisung des Genossen Stalin und zerstampft das faschistische Tier in seiner Höhle. Brecht mit Gewalt den Rassenhochmut der germanischen Frauen. Nehmt sie als rechtmäßige Beute. Tötet, ihr tapferen vorwärtsstürmenden Rotarmisten!“

aus dem Jahre 1945 an die in Ostpreußen einrückenden Rote Armee dürfte genügen, um anzudeuten, was bei der Austreibung an Schrecklichem geschehen ist. –

Es wird den Deutschen vorgeworfen, sie hätten Seife aus Menschen, oder Düngemittel aus Soldaten gemacht, aber diese Dinge haben sich schon lange als Greuelpropaganda herausgestellt, ebenso schreibt Freda Utley in „Kostspielige Rache“ auf Seite 228, daß

„die amerikanische Anklage keine Beweise für das Vorhandensein von ‚Lampenschirmen aus Menschenhaut‘ vorbringen konnte, die nach landläufiger amerikanischer Meinung in der Wohnung der Koch gefunden worden sein sollen.“

Prof. Dr. M. Bardèche schreibt in „Nürnberg oder Die Falschmünzer“, S. 11:

161


„Ein ehemaliger Kriegsberichterstatter von der Malayafront berichtet in der Revue ‚Atlantic‘, daß amerikanische Soldaten japanischen Verwundeten den Garaus machten und ihren Bräuten aus Schienbeinen geschnitzte Brieföffner und aus Schädelknochen ausgeschnittene Armbänder mitbrachten.“

Die Reihe der „Kriegsverbrechen“ und „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ könnte noch beliebig fortgesetzt werden, aber ich möchte mich auf die angeführten Beispiele beschränken.

Allgemein nicht bekannt dürfte sein, daß die Japaner eine ganz andere Einstellung haben als wir und bereits vor Jahren ihre Kriegsverbrecher entlassen haben.

In einer Reuter-Meldung aus der „New York Times“ vom 8. 4. 1958 heißt es („Nation Europa“ 5/58):

„Tokio, 7. April (Reuter) – Die zehn noch übriggebliebenen japanischen Kriegsverbrecher, die wegen schwerer Verantwortlichkeit für die aggressive Kriegsführung ihres Landes verurteilt worden waren, wurden heute bedingungslos in Freiheit gesetzt ...“

Die Japaner wollten damit sicherlich nicht behaupten, daß die Verurteilten etwa alle unschuldig waren oder daß von japanischer Seite keine Kriegsverbrechen begangen worden seien. Die Argumente, die zu dieser Entscheidung führten, waren höchstwahrscheinlich: „Kriegsverbrechen sind Untaten, die einerseits dem Kriegsrecht widersprechen, andererseits aber ohne die Voraussetzung des Kriegszustandes und der Kriegsleidenschaften nicht begangen worden wären.“

Die Stellungnahme des CSU-Vorsitzenden Franz Josef Strauß zu diesen Dingen scheint mir nicht unwesentlich. In einem im „L’Express“ veröffentlichten Interview soll er gesagt haben (lt. „Spiegel“ v. 21. 7. 1969, S. 20):

„Tausende von Massakern sind woanders begangen worden, und es hat keine Anklage gegeben, das ist eine Tatsache ... Ich habe nie geleugnet, daß zahllose Verbrechen von den Deutschen begangen worden sind ... Aber wissen Sie, was mit der Armee Wlassows geschehen ist, mit den Kosaken, mit der kroatischen Armee? Was ist mit 20.000 Gefangenen Titos geschehen? Die Jugoslawen sind sehr vorsichtig, denn wir besitzen eine umfangreiche Dokumentation über diese Angelegenheit. Tausende von Unglücklichen wurden lebendig in Bergwerken eingemauert, deren Ausgänge mit Dynamit gesprengt wurden ...“

Es würde zu weit führen, an dieser Stelle die von Herrn Strauß erwähnten Verbrechen abzuhandeln, Dies mag einer späteren Veröffentlichung vorbehalten bleiben.

162


NACHWORT

Dies ist in großen Zügen das, was ich festgestellt habe – bis jetzt festgestellt habe – auf meiner „Suche nach der Wahrheit“. In dieser kurzen Zusammenstellung war es natürlich nicht möglich, alles umfassend und von allen Seiten zu beleuchten, manches konnte nur kurz angedeutet werden.

Sollte der Leser den Eindruck haben, daß es meine Absicht war, Verbrechen, die von Deutschen begangen wurden, zu verschweigen oder zu beschönigen, und die der anderen zu übertreiben, dann möge er sich sagen lassen, daß es mir einzig und allein darum ging und daß ich versucht habe, die Dinge aus ehrlichem Herzen so zu beschreiben, wie sie waren oder wie sie gewesen sein mußten, nach dem, was bis jetzt veröffentlicht wurde, und daß es meine Absicht war, sine ira et studio die Wahrheit zu suchen und nichts als die Wahrheit. –

Manchmal kam ich mir vor, wie es einmal ein Historiker treffend ausgedrückt hat: wie ein Wanderer, der sich in dunkler Nacht in fremdem Gelände mit einer falsch gezeichneten Landkarte zurechtfinden muß und der sich nur langsam, Schritt für Schritt, vortasten kann, da er immer befürchten muß, zu stürzen oder in einen Abgrund zu fallen. Er muß oft umkehren und neu beginnen, und es wäre fast zum verzweifeln, wenn nicht von Zeit zu Zeit – wie von einem entfernten Leuchtturm – die Landschaft blitzartig für den Bruchteil einer Sekunde erhellt würde und er den richtigen Weg erkennen kann. –

Daß dieses Buch für den einen oder anderen Leser ein kurzer „Lichtblick“ sein möge, hoffe und wünsche ich. –

Ich betone nochmals: dieses Buch soll keine Verteidigung, es soll keine Rechtfertigung sein, es soll lediglich die Frage stellen, ob tatsächlich alles so war, wie es heute geschildert wird, oder ob nicht doch die Möglichkeit besteht, daß manches falsch berichtet wurde, sei es aus Unkenntnis, was besonders dann angenommen werden kann, wenn es sich um die Weitergabe von Gelesenem oder Erzähltem handelt, oder sei es auch aus böser Absicht. –

Nach Art. 5 des Grundgesetzes hat jeder das Recht, sich aus „allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten“. Er hat außer-

163


dem das Recht, seine „Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten“. Dies und nichts anderes habe ich mit der vorliegenden Schrift getan.

Sollte mir jemand den Vorwurf machen, ich predige Rassenhaß und würde die Völkerverständigung erschweren, dann kann ich nur sagen, daß das Gegenteil der Fall ist, denn nur durch die reine historische Wahrheit, so bitter sie für manch einen – auch für uns Deutsche – sein möge, kann eine Völkerverständigung, die nur auf gegenseitiger Achtung beruhen kann, wenn sie von Dauer sein soll, zustande kommen.

Da heute tatsächlich noch vieles unklar ist, habe ich bewußt meine eigene Meinung zurückgehalten und im wesentlichen zitiert. Vielleicht wird es nicht mehr lange dauern und der Tag wird kommen, an dem ich soviel Klarheit haben werde, daß ich auch meine Meinung mit Sicherheit zum Ausdruck bringen kann.

Man könnte mir zum Vorwurf machen, daß ich das heutige Geschichtsbild zu wenig berücksichtigt habe. Ich habe dies mit Absicht getan, da dieses Geschichtsbild ja allgemein bekannt ist und es meine Absicht war, die Gegenseite zu Wort kommen zu lassen, eben, um zu zeigen, daß es auch noch andere Betrachtungsstandpunkte des „Standbildes“ gibt, die nur – seither – noch zu wenig beachtet wurden.

Ein spanischer Soziologe, Jaime Luciano Balmes, sagte im Jahre 1842:

„Es gibt in der Welt nichts, was nicht angeschwärzt werden könnte, wenn man es nur von einer Seite betrachtet, denn so betrachtet sind alle Dinge falsch oder, mit anderen Worten, nicht sie selbst. Jeder Körper hat drei Ausdehnungen. Wer nur eine ins Auge faßt, lernt nicht den Körper, sondern nur einen Teil kennen, der von ihm ganz verschieden sein kann. Prüfet irgendeine Einrichtung, die zweckmäßigste, die nützlichste, die ihr euch denken könnt: nehmt euch vor, sie unter dem Gesichtspunkt der Mißstände zu untersuchen, welche sie herbeiführt, und auf wenigen Blättern zusammenzustellen, was in Wirklichkeit zerstreut liegt: ihre Geschichte wird widerlich, greulich, fluchwürdig erscheinen.“

Obwohl – und dies wird anstandslos zugegeben – heute noch sehr vieles unklar ist, dürfte sich nach allem Dargestellten doch wohl Eines mit Sicherheit gezeigt haben: so sicher, wie heute noch eine deutsche Alleinschuld an all dem Entsetzlichen, das geschehen ist, behauptet wird, scheint dies nicht zu sein.

Manches wird noch geklärt werden müssen, manches wird die Zukunft noch bringen, aber manches wird der Leser auch vielleicht jetzt schon erkennen können.

164


Ich meine, allein schon nach Kenntnis des Berichtes aus den „Basler Nachrichten“ vom 13. Juni 1946 dürfte es verfrüht sein, schon heute ein endgültiges Urteil über die Geschehnisse der letzten dreißig Jahre abzugeben.

Vor einigen Jahren soll ein Bonner Politiker gesagt haben:

„Meine Herren, seien Sie vorsichtig mit Äußerungen über die Kriegsschuldfrage. Es wäre peinlich, wenn Sie in einiger Zeit mit Ihren eigenen Worten konfrontiert werden.“

Alles, was ich in Ausschnitten und Zitaten gebracht habe – ausgenommen meine eigene Korrespondenz –, ist in den letzten Jahrzehnten in dem einen oder anderen Zusammenhang veröffentlicht worden, ohne daß es – soviel mir bekannt ist – widerlegt werden konnte. Und wenn es sich in 30 oder 40 Jahren herausstellen wird, daß nichts Wesentliches vom Standpunkt der „anderen Seite“ auf Grund von neu entdeckten Quellen berichtigt werden mußte, dann, ja dann ist mein Hauptanliegen erreicht: Ein Versuch, zu schildern, wie es gewesen sein muß und nicht, wie es gewesen sein soll.

165


QUELLENVERZEICHNIS

Anatomie des SS-Staates, Bd. 2

dtv-Taschenbuch 1967

Bardèche, Maurice

Nürnberg oder die Falschmünzer

Wiesbaden 1957

Bardèche, Maurice

Der Weg nach vorn

Göttingen

Bardèche, Maurice

Die Politik der Zerstörung

Göttingen 1950

Barnick, J. F.

Deutschlands Schuld am Frieden

Stuttgart 1965

Basler Nachrichten

Bergen-Belsen, Lagerchronik

Boelcke, Willi A.

Goebbels Konferenzen

Stuttgart 1967

Bonnhoeffer, E.

Zeugen im Auschwitz-Prozeß

Wuppertal 1965

Bronder, Dietrich

Bevor Hitler kam

Hannover 1964

Burg, J. G.

Schuld und Schicksal

München 1962

Burg, J. G.

Sündenböcke

G. Fischer 1967

Das Geheimnis um die Ursachen des Zweiten Weltkrieges

Wiesbaden 1961

Delmer, Sefton

Ich und die Deutschen

Hamburg 1963

Der Spiegel

Hamburg

Deutsche Hochschullehrer-Zeitung

Tübingen

Deutsche Nachrichten

Hannover

Deutsche National-Zeitung

München

Deutsche Presse-Agentur

Die Tat

Zürich

Die Zeit

Hamburg

Gheorge, Jon

Automatic Arrest

Leoni 1957

Glaser, Kurt

Der Zweite Weltkrieg und die Kriegsschuldfrage

Würzburg 1965

Grenfell, Russel

Bedingungsloser Haß

Tübingen 1954

Grimm, Friedrich

Politische Justiz

Bonn 1953

Grimm, Hans

Warum – Woher – aber Wohin?

Lippoldsberg 1954

Härtle, Heinrich

Freispruch für Deutschland

Göttingen 1965

Hennig, Edwin

Zeitgeschichtliche Aufdeckungen

München 1964

Höß, Rudolf

Kommandant in Auschwitz

dtv-Taschenbuchl965

Institut für Zeitgeschichte

München

Irving, David

Destruction of Dresden

London 1963

167


Kogon, Eugen

Der SS-Staat

Frankfurt 1948

Kubizek, August

Adolf Hitler, mein Jugendfreund

Graz 1966

Kuby, Erich

Das Ende des Schreckens

List-Bücher 1961

Mitscherlich, A.

Medizin ohne Menschlichkeit

Fischer 1962

Nation Europa

Coburg

Naumann, Bernd

Auschwitz

Frankfurt 1965

Neuhäusler, Joh.

So war es in Dachau

München 1963

Nicoll, Peter H.

Englands Krieg gegen Deutschland

Tübingen 1963

Rassinier, Paul

Das Drama der Juden Europas

Hannover 1965

Rassinier, Paul

Die Lüge des Odysseus

München 1964

Rassinier, Paul

Was ist Wahrheit?

Leoni 1964

Reitlinger, G.

Die Endlösung

Berlin 1964

Rendulic, Lothar

Glasenbach, Nürnberg, Landsberg

Graz 1953

Ribbentrop, J. von

Zwischen London und Moskau

Leoni 1961

Röhrs, H. D.

Hitlers Krankheit

Neckargemünd 1968

Rothermere, Viscount

Warnungen und Prophezeiungen

Zürich 1939

Schlabrendorf, F. v.

Offiziere gegen Hitler

Fischer 1965

Shirer, William

Aufstieg und Fall des Dritten Reiches

Knaur 1963

Tansill, Charles

Die Hintertür zum Krieg

Düsseldorf 1957

Taylor, A. J. P.

Ursprünge des 2. Weltkrieges

Gütersloh 1962

Theobald, R. A.

Das letzte Geheimnis von Pearl Harbor

New York 1983

Utley, Freda

Kostspielige Rache

Hamburg 1951

Walendy, Udo

Wahrheit für Deutschland

Vlotho 1964

Zentner, Kurt

Illustrierte Geschichte des Dritten Reiches

München 1965

Zentner, Kurt

Illustrierte Geschichte des Zweiten Weltkrieges

München 1963

Zischka, Anton

War es ein Wunder?

Hamburg 1966

168


PERSONENVERZEICHNIS

Adenauer 44, 83
Auerbach 27

Baer 59
Balmes 164
Bardèche 12, 34, 161
Barnes 34, 39, 40, 47, 127, 150, 152
Barnick 93
Bauer 83
Beard 48
Beck, Gen.-Oberst 132
Beck, poln. Außenminister 41–43, 126, 127
Benesch 146, 147
Bernadotte 102, 103
Bimko 94
Biß 70
Blaha 22, 23
Blomberg 129, 131
Boehm 37
Boelke 121
Bonhoeffer 94
Bormann 46
Brandt 104
Bronder 28
Broszat 59, 105
Bühler 116, 117
Bullock 34, 49
Burg 15, 70, 103, 118

Canaris 144
Chamberlain 48
Chapman 160
Churchill 47, 48, 137, 152, 154–156
Clark 38
Covelli 156, 157
Cromwell 139
Current 153

Dahms 28
Delmer 121
Devers 160
Dodd 74
Dubost 76–78, 81

Eastland 158, 160
Eden 48
Ehrenburg 161
Eichmann 25, 62, 76–78, 81, 91, 105, 108
Einstein 153
Eisenhower 117
Eppstein 59
Eschkol 118, 119

Faulhaber 68
François-Poncet 18
Fritsch 129, 131
Fritsche 74, 135
Funk 74, 75

Gabcik 146
Gaus 60, 61, 116
George VI. 48
Gerstein 63, 76–81, 83, 84, 87–89
Gheorghe 68
Gisevius 35
Glaser 44
Globocnik 79, 83–85, 87, 88, 90–92
Goebbels 45, 121
Göring 44, 117, 129–131
Görlitz 49
Grabert 42
Graudenz 98
Grawitz 89
Grenfell 34, 37, 38
Grimm, Fr. 66
Grimm, Hans 17, 32, 137, 155
Grosch 62
Großmann 150
Günther, Christian 103
Günther, SS-Sturmführer 78, 84

Habecker 122
Haertle 117

169


Halder 44, 133, 134
Halifax 41–43, 127
Hansen 37
Harnack 98
Hauptmann 155
Heckenholt 85
Heiden 49
Hennig 139
Heuß 138
Heydecker 77, 79, 80
Heydrich 114, 116, 144, 146–148
Himmler 22, 24, 48, 69–71, 79, 84, 89, 90, 98, 99, 102–104, 107, 108, 114, 116
Hindenburg 137
Hirohito 151
Hitler 39–42, 44, 45, 49, 55, 70–72, 74, 79, 84, 92, 107, 108, 114, 117, 119, 120, 124–139, 154
Hlinka 148
Höß 24, 25, 59–62, 64, 71, 91, 95, 105, 106, 115
Höttl 108, 109
Hofer 34, 43, 124
Hoggan 34, 39–43, 120, 124, 129
Hoßbach 118, 129, 131, 132
Hoth 135

Irving 155

Jackson 38
Jodl 45, 136, 137
Juin 156, 157

Kahn 59
Kasztner 29, 64
Kempner 61
Kent 10, 47, 48
Kersten 70, 103, 104
Klein 40, 41, 127
Kleist 103
Klett 157, 159
Klettner 63
Klotz 66
Koch 90, 92, 161
Körbel 59
Kogon 19, 34, 96, 97, 99
Kolb 26
Kolbenheyer 124
Kovarcz 70
Kraell 98
Kramer 30, 31
Krausnick 34, 77, 79, 80, 115, 116
Krupp 72
Kubis 146
Kubizek 34, 49
Kuby 49, 122, 123
Kuckhoff 98

Langer 47
Leagson 47
Lebre 126
Leeb 77, 79, 80
Lipski 127
Lloyd George 138
Löwenstein, Prinz zu 145
Loriquet 77
Luce 135
Ludendorff 137

MacArthur 151, 152
Magee 60
Mann, Thomas 139
Mao-Tse-tung 15
Marshall 41, 153
Masur 69, 70, 103
Maxwell-Fife 117
Maybank 160
McClellan 160
Michel 62
Mitscherlich 24
Mölders 121
Molotow 107, 133
Moorehead 32, 33
Morell 48
Morgen 90
Morgenstern 48
Morgenthau 154, 160
Munk 59

Naujoks 125
Naumann 24, 106
Neff 26, 27
Neuhäusler 27
Neurath 129–131, 144
Nicoll 34, 144
Niemöller 27
Northcliffe 66, 138

170


Nyiszli 62, 94

Obermeyer 80
Oesterreicher 59
Opolka 147
Osterloh 97

Patterson 160
Patton 54, 56
Perlzweig 106
Pinter 56, 111
Pöß 150
Poliakov 77, 79–81
Ponsonby 67
Powers 94
Puhl 74, 75

Raeder 129–132
Rascher 22,23
Rassinier 15, 19–24, 29, 34, 36, 45, 46, 61, 62, 64, 66, 76, 78, 81, 90, 93, 96, 102, 114, 132
Rauschning 49, 138
Reitlinger 34, 59, 69, 70, 94, 118
Renard 21, 23, 36
Rendulic 38, 72
Reppert 67
Revercomb 160
Ribbentrop 34, 61, 107
Röhrs 34, 52, 138
Roosevelt 40, 47, 48, 135, 151, 152, 154
Rothermere 138, 139
Rothfels 34, 43, 124

Salerne 62
Sanborn 48
Schacht 55, 131
Schellenberg 104
Schlabrendorf 50, 122, 123
Schmidt 67
Schmundt 132
Schoenberner 77, 79, 80
Schramm 134
Schultz 109
Schulze-Boysen 98
Shirer 34, 44–46, 94, 116
Siemers 132
Skladkowski 126
Spaight 156
Stalin 133, 152, 153, 161
Steger 70
Stimson 153
Storch 103
Strasser 49
Strauß 162
Strobel 20
Sündermann 34
Szálasi 70
Szembek 126

Taft 152
Tannsill 48, 126, 135
Taylor 34, 38, 39, 116, 118, 129, 132
Theobald 135
Tiso 148, 149
Tito 162
Toffley 117
Topf 62–64
Trohan 152
Troll 100
Truman 151–154

Unrein 20
Utley 34, 60, 161

Veale 34
Vorhölzer 27

Walendy 34, 138
Weber 159
Wegmann 64
Weißberg 27
Weizsäcker 60, 126
Wennerstrum 38
Wheeler 166
Winkelmann 70
Wirth 79, 80, 85, 86, 89, 90
Wisliceny 109
Wlassow 162

Zacharias 152
Zentner 28, 136
Ziegler 34
Zischka 117
Zißmann 110
Zucker 59
Zuckerman 110

171


Für diese elektronische Auflage wurden die folgenden Korrekturen vorgenommen :

S. 39 : aggresivsten – aggressivsten
S. 47 : Präsident – President
S. 62 : Médicin – Médecin
S. 62 : Revue d’histoire mondiale – Revue d’histoire de la deuxième guerre mondiale
S. 63 : mit den oben erwähnten Verbrennungsofen – Verbrennungsöfen
S. 79 : Immerhin erwähnt Herr Gerhardt Schornberner – Schoenberner
S. 86 : Przcmysl – Przemysl (2X). (Fehler bereits in: Rassinier, Das Drama der Juden Europas, Heinz Pfeiffer Verlag, 1965, S. 103)
S. 90 : (Amerkung: Nach den einheitlichen jüdischen QuellenAnmerkung
S. 103 : Mißverständisse – Mißverständnisse
S. 103 : gemeinsme – gemeinsame
S. 118 : Zusammmentreffen – Zusammentreffen
S. 129 : Bürgerkieg – Bürgerkrieg
S. 131 : anworten – antworten
S. 146 : Die Allierten konnten keinen weiteren Widerstand – Alliierten
S. 151 : miltärische – militärische


Zurück zum Archiv