Juden in Wehrmachtsuniform

Von Jörg Berger

Unter diesem Titel publizierte die britische Tageszeitung The Daily Telegraph am 2.12.1996 einen Artikel über die Arbeit des US-Studenten Bryan Rigg (25 Jahre, Yale Universität) über Juden in der Wehrmacht. Demnach stellte die Wehrmacht im Januar 1944 eine Liste mit 77 hochrangigen Offizieren jüdischen oder gemischt jüdisch-deutschen Blutes zusammen, darunter 15 Generäle und 2 Feldmarschälle, die alle von Hitler persönlich versichert bekamen, sie seien "deutschen Blutes". Rigg, der selbst jüdisch-deutsche Vorfahren hat, meint, er könne dieser Liste 60 weitere Namen hochrangiger Offiziere hinzufügen. Bei 17 Ritterkreuzträgern des Zweiten Weltkrieges konnte Rigg jüdische Eltern nachweisen. Insgesamt hat Rigg in vier Jahren mehr als 300 Juden interviewt, die in Hitlers Wehrmacht gedient hatten. Er hat bisher bei 1.200 Angehörigen der Wehrmacht jüdische Vorfahren nachweisen können. Bernard Levin, nach seinem Selbstbekenntnis ein Jude, der in seiner Familie keine Holocaustopfer zu beklagen hat, kommentierte diese Forschungsergebnisse in dem Londoner Times vom 6.12.1996 mit entsetzen, kann er doch nicht verstehen, wie Juden freiwillig und mit Überzeugung in Hitlers Wehrmacht gegen die alliierten Befreier kämpften, während zugleich hinter ihrem Rücken ihre Glaubensgenossen zu Millionen getötet worden seien. Insbesondere kann Levin nicht verstehen, wie Feldmarschall Milch, dessen Vater Jude war, bis zum bitteren Ende an Hitlers Seite stand. Konnte Feldmarschall Milch, ein enger Freund Hermann Görings, die Ausrede haben, er habe nicht gewußt, was vorgeht?

Freilich, vom Standpunkt der etablierten Geschichtsschreibung aus läßt sich vieles nicht begreifen. Das Problem liegt einfach darin, daß nicht wenige der Beweggründe, die das deutsche Volk so lange auf Seiten Hitlers stehen ließ, nie diskutiert werden können bzw. in Deutschland inzwischen sogar unter Strafandrohung nicht diskutiert werden dürfen; daß viele Juden nicht nur deutscher Abstammung eine starke Bindung an die damals kulturell vielen anderen Nationen enorm überlegene deutsche Nation hatten; daß die Ideologie des Nationalsozialismus eben nicht nur oder vorwiegend antisemitisch, sondern sehr facettenreich war; daß die etablierte Geschichtsschreibung über den Holocaust in vielen Bereichen einer massiven Revision bedarf, die erklären würde, warum man damals nichts wissen konnte.


Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 1(1) (1997), S. 32.

 

Guido Knopp und die historische Wahrheit

Von Dipl.-Chem. Germar Rudolf

Der linke Journalist Guido Knopp zeichnet für die Serie »Hitlers Helfer« verantwortlich, in der das ZDF die Biographien wichtiger politischer Größen des Dritten Reiches vorstellt. Wie wenig Guido Knopp von redlichen Methoden zur Vermittlung wahrheitsgemäßer Tatsachen hält, soll nachfolgend an zwei Beispielen gezeigt werden.

Selbstmord aus Staatsräson

Könnte es sich die Bundesrepublik innenpolitisch wie außenpolitisch erlauben, daß ihre Justiz feststellen könnte, Hitlers Stellvertreter Rudolf Heß sei von seinen alliierten Gefängniswärtern in Spandau 1987 ermordet worden? Solch ein Mord würde nur dann Sinn haben, wenn die Alliierten mit aller Gewalt verhindern wollten, daß für sie massiv belastende Tatsachen bezüglich der Schuldfrage des Zweiten Weltkrieges ans Licht der Öffentlichkeit kämen. Da aber nun das (wissenschaftlich längst unhaltbare) Dogma von der Alleinkriegsschuld Deutschlands eines der wichtigsten Fundamente ist, auf das sich die - ohnehin brüchig gewordene - alliierte Nachkriegsordnung stützt, wäre die Enthüllung eines Mordes an Rudolf Heß eine außenpolitische Katastrophe.

Ebenso wäre es innenpolitisch fatal, wenn plötzlich alle "gemäßigten" politischen deutschen Kräfte zugeben müßten, daß ein nicht unerheblicher Teil ihres Weltbildes auf Sand gebaut ist, und daß jene, die bisher als "rechtsextrem" verunglimpft werden, ein weiteres Mal im Recht sind. Da in den Augen des Establishments rechts aber der innenpolitische Feind steht, käme eine solche Mordenthüllung einem moralischen Legitimitätsentzug des Establishments zugunsten der radikalen Rechten gefährlich nahe. Da im Kampf gegen Rechts alle Mittel recht sind, insbesondere jene der volkspädagogisch erwünschten Lüge, greift auch Guido Knopp im Fall Heß, wie vor ihm schon andere, zur Desinformation.

Bereits im Vorfeld der hier angesprochenen Sendung vom 14.1.1997 (20:15) warb das ZDF mit dem Hinweis, daß der private Gutachter der Familie Heß, der den Leichnam Rudolf Heß' obduziert hatte, die Behauptung vom Mord an Heß nicht nur nicht stützt, sondern ihr vor laufenden Kammeras sogar widerspricht. Während der Sendung wird der medizinische Gutachter Prof. Spann gefragt, ob die Obduktion beweise, daß Heß ermordet wurde. Prof. Spann antwortet, daß sein Gutachten für diese Behauptung keinen Beweis liefere. Aus dem Kontext von Guido Knopps Film entsteht ferner der Eindruck, daß es nicht nur keinen Beweis für einen Mord gibt, sondern daß es vielmehr viele Beweise für einen Selbstmord gebe.

Das Gutachten von Prof. Spann, das Guido Knopp vorliegen muß, sonst hätte er von der Arbeit Prof. Spanns nichts gewußt, besagt aber nun genau das Gegenteil dessen, was Knopp zu suggerieren versucht. Spann hat nachgewiesen, daß die Strangulationsmarken am Hals des Rudolf Heß waagrecht verlaufen. Er hat ferner festgestellt, daß bei einem Selbstmord durch Erhängen die Strangulationsmarken in aller Regel am Nacken nach oben, beim Erdrosseln aber in der Regel waagrecht verlaufen. Schließlich stellt er fest, daß ein eigenhändiges Erdrosseln sehr selten und im Falle des körperlich schwachen Rudolf Heß unwahrscheinlich sei. Zudem könne es nur in seltenen Fällen des atypischen Erhängens zu waagrechten Strangulationsmarken kommen, etwa wenn der "Hängende" nur schräg von einer Wand, an der der Strang befestigt ist, absteht. Laut Aussage von Prof. Spann ist somit diese waagrechte Strangulationsmarke zwar ein deutliches Indiz für einen Mord, aber kein Beweis, denn ein Beweis würde andere Interpreta tionsmöglichkeiten ausschließen.[1]

Das Gutachten von Prof. Spann stützt mithin die Mordthese der Angehörigen Rudolf Heß'. Indem Knopp den Zuschauern von den Ausführungen Prof. Spanns lediglich jenen Satz zeigt, in dem er sagt, sein Gutachten beweise die Mordthese nicht, Knopp dem Zuschauer aber vorenthält, daß Prof. Spanns Gutachten die Mordthese als sehr wahrscheinlich erscheinen läßt, führt Knopp die Zuschauer vorsätzlich in die Irre. Man nennt diese Art der Berichterstattung gewöhnlich betrügerisch und lügenhaft.

Greuelpropaganda im ZDF

Nicht viel anders verhält sich Guido Knopp in der Sendung über Heinrich Himmler, die das ZDF am 21.1.1997 ausstrahlte. Dort läßt er einen Zeugen längst widerlegte Greuelmärchen von sich geben, ohne diese kritisch zu kommentieren. Martin Bohrmann junior ist es, der von Lampenschirmen und anderen Utensilien aus Menschenhaut sowie von Möbeln aus Menschenknochen berichten darf - eine völlig neue Greuelgeschichte -, ohne daß ihm die inzwischen auch vom israelischen Zentrum für Holocaust-Studien in Yad Vashem bestätigten Fakten vorgehalten werden, daß diese Geschichten nichts anderes als Ausflüsse einer perversen Greuelpropaganda sind.[2] Offensichtlich ist sich Guido Knopp nicht bewußt, daß derartige Falschaussagen die Glaubwürdigkeit seiner Zeugen insgesamt untergräbt und somit auch andere, bislang zumeist unkritisch als wahr hingenommene Aussagen zweifelhaft erscheinen läßt. Oder sollte dies sogar Knopps Absicht sein?


Anmerkungen

[1]Vgl. dazu den Abdruck des Gutachtens in: Wolf Rüdiger Heß, Mord an Rudolf Heß?, Druffel, Leoni am Starnberger See 1989, S. 206-229.
[2]dpa Pressemeldung bas309 3 pl 333 vvvvb dpa 0300; »"Juden-Seife" gefälscht«, Eßlinger Zeitung, 5.4.1995.

 


Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 1(1) (1997), S. 32f.

 

Frankfurter Allgemeine Magazin

18. Woche, 7. Mai I993, Heft 688, Seite 10


Notizbuch Johannes Gross, Neueste Folge, Zweiundzwanzigstes Stück


Kandidaten für den Cremonini-Preis

 

Johannes Gross

»Deutschland ist das Land, in dem mehr Preise als Verdienste vorkommen. Dennoch fehlt einer, am besten zu benennen nach dem Philosophen Cesare Cremonini (1550-1631). Cremonini ist in der Philosophiegeschichte kein Stern erster Ordnung als origineller Denker und Beweger, aber ein respektabler Mann vom Fach, dem für die Rezeption des Aristoteles auf Grund der arabischen Tradition ein hohes Verdienst zukommt. Der Cremonini-Preis sollte bedeutenden Männern und Frauen aus Natur-, Geistes- und Gesellschaftswissenschaften zuerkannt werden, die, glaubens- und überzeugungsstark, an Lehrmeinungen und Erkenntnissätzen entgegen neuer Einsicht festzuhalten vermögen und notfalls die Augen vor aller Empirie schließen. Cremonini hatte zu jenen wackeren Zeitgenossen des Galileo Galilei gehört, die es ablehnten, der Einladung des umstrittenen Forschers zu folgen, durch sein Teleskop zu schauen; sie befürchten, daß ihre richtige Erd- und Weltsicht durch den Blick ins All erschüttert werden könnte.«

Die Stiftung Vrij Historisch Onderzoek hat sich entschieden, der Anregung Johannes Gross' nachzukommen und einen Cremonini-Preis auszuschreiben.

Der Preis wird einmal jährlich im Sommer vergeben und ist mit der Übergabe bzw., bei Nichterscheinen des Gewinners, Übersendung einer Urkunde sowie der Aufnahme in die Liste der Cremonini-Preisträger verbunden.

Vorschläge können von jedermann jederzeit der Stiftung Vrij Historisch Onderzoek, Postbus 46, B-2600 Berchem 1 (Flandern) eingereicht werden, wozu für hiermit herzlich auffordern.

Die Voraussetzungen für eine Kandidatur sind:

Die Entscheidung über den jährlichen Preisträger erfolgt durch eine von der Stiftung Vrij Historisch Onderzoek bestimmte Jury. Ein Rechtsanspruch auf einen Preisverleih besteht nicht, genauso wie aus dem Preisverleih selbst keine Rechtsansprüche entstehen.

Die Öffentliche Bekanntgabe der jährlichen Preisträger sowie der auf die Plätze verwiesenen Mitbewerber, inklusive einer Begründung für die Entscheidung der Jury, erfolgt in den Vierteljahresheften für freie Geschichtsforschung. VHO


Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 1(1) (1997), S. 34.
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