Falschzeugen

Elizabeth Loftus, The Myth of Repressed Memory, New York, 1994, 290 S.

Die Welt der wissenschaftlichen Medizin hat erneut ein erstaunliches Buch hervorgebracht über das zunächst als sogenanntes "Holocaust-Survivor-Syndrom" bekannt gewordene Phänomen, also die Art und Weise, mit der ganze Gruppen von Menschen im Laufe der Jahre aufrichtig und ehrlich zu der Überzeugung gelangen, bestimmte Episoden erlebt zu haben, die tatsächlich zum Großteil Ergebnis von Traumata und Phantasien sind.

Elizabeth Loftus, Psychologin an der Universität Washington, schreibt in diesem Buch, das die Zeitschrift Newsweek als ein störendes neues Buch bezeichnet:

»Es ist möglich, eine vollständige Erinnerung an ein traumatisches Ereignis zu erlangen, das niemals stattgefunden hat.«

Ihren Ausführungen folgend versuchen einige der besten Köpfe der Neurologie herauszufinden, wie dies geschehen kann. Das mag auf die bitteren Debatten um "wiedererlangte Erinnerungen" einiges Licht werfen, die von Satanismusfällen über sexuellen Mißbrauch in der Kindheit, UFO-Entführungen und, so muß gerechterweise auch angeführt werden, bis zu andernfalls unerklärbaren und unsubstantiierbaren Holocaust-Augenzeugenberichten der Überlebenden reichen; Berichte, die dem Clevelander Automechaniker John Demjanjuk beinahe zum Verhängnis geworden wären.

Zusammenfassung: Hunderte von Experimenten haben gezeigt, daß die Menschen sehr leicht falsche Gedächtnisfragmente (zum Beispiel aus einem Fernsehbericht) in ihre Erinnerung an ein Ereignis aufnehmen, das sie selbst erlebten. »Sie "erinnern" sich sogar an Ereignisse, von denen sie nur gehört haben«, schrieb Newsweek in einer Rezension des 290-Seiten Buches von Loftus.

Im Mai 1994 führte die Medizinische Hochschule von Harvard eine Konferenz über die neurologischen Fundamente falschen Erinnerns durch. James McClelland vom Center for the Neural Basis of Cognition in Pittsburgh bot eine Erklärung an. Michael Nash von der Universität Tennessee eine andere.

Nash nennt es niederdrückend, daß »es keinen strukturellen Unterschied geben mag« zwischen einer echten Erinnerung an ein Ereignis und einer falschen. Das Problem ist ähnlich dem der Unterscheidung zwischen der Erinnerung an einen Traum und an ein tatsächliches Ereignis. Einige Menschen, so sagt Daniel Schacter aus Harvard, können dies nicht unterscheiden. »Du könntest dich an einen Traum, eine Angst oder an etwas, worüber gesprochen wurde, erinnern«, sagt er. »Was der Erinnerung den Anschein der Authentizität verleiht, sind authentische Anteile darin.«

Nur einer unter vier Menschen ist – Loftus’ Studien zur Folge – vor dieser Art von Störung gefeit. Andere Menschen wiederum können durch bestimmte Ereignisse konditioniert werden. »Schwere emotionale Anspannung überwältigt die innere Glaubhaftigkeitskontrolle,« stellt der Neurologe Marsel Mesulam von der Northwestern Universität fest, »und man bleibt dann mit einer falschen Erinnerung zurück.«

In den USA wurde nun mit der False Memory Syndrom Foundation eine Stiftung gegründet, die die Interessen derer vertritt, die Opfer solcher "wiedererlangter Erinnerungen" wurden. Einige Menschen wurden allein auf Basis solcher Aussagen zu vierzig Jahren Gefängnis verurteilt. Die Psychiaterin Judith Hermann (Harvard) allerdings ist verärgert: »Die Wissenschaftler haben kein Recht, den Begriff falsche Erinnerung zu verwenden«. David Irving

 

Auschwitz-Kommandant Rudolf Höß

Steven Paskuly (Hg.), Death Dealer: The Memoirs of the SS Kommandant at Auschwitz, mit einem Vorwort von Primo Levi, Da Capo Press, New York, 1996, 390 S., $15,95.

Dieser Band mit Rudolf Höß’ Memoiren weist Fehler auf, da der Herausgeber sich geweigert hat, das Material sachlich vorzulegen. Death Dealer wurde mit dem einzigen Zweck gesammelt, den Holocaust-Revisionismus zu widerlegen. In einer Darlegung dieser Art wird die Wahrheit erstickt, denn die Fehler und die Unglaubhaftigkeiten der Höß-Memoiren werden oft schöngefärbt, um dieses Dokument als sakrosankt hinzustellen.

In seiner Einleitung schreibt Steven Paskuly, es gebe in den Vereinigten Staaten, in Frankreich und sogar in Australien fanatische Gruppen, die sich "Revisionistische Historiker" nennen. Tatsächlich schlügen diese vor, daß Höß diese Dokumente nie geschrieben habe – daß sie eine Fälschung seien. Auch behaupteten diese Historiker, daß selbst im Falle, daß Höß diese Dokumente geschrieben haben würde, sie ersichtlich unter dem Zwang der kommunistischen Behörden in Polen erstellt worden wären. Die Ergebnisse und die Folgerungen dieser Historiker seien laut Paskulys Aussage absoluter Blödsinn. (S. 21) Paskuly beendet seine Einleitung mit den folgenden Worten:

»[…] man kann nicht ernsthaft unter Beweis stellen, Höß habe die Vergasungsgeschichten nur ausgeheckt, um den Alliierten zu helfen, die Nazi-Hauptkriegsverbrecher für schuldig zu befinden, wie manche behaupten.« (S. 22)

Paskuly tut sich in dieser Darlegung mit dem Auschwitz-Überlebenden Andrew Pollinger zusammen. Pollinger merkt zu seiner Übersetzung an:

»[…] Steve [Paskuly] und ich versuchten, ein modernes amerikanisches Äquivalent zum von Höß verwendeten Nazijargon zu finden, um unseren Hauptzweck zu erfüllen: die Worte und Gedanken von Höß in einer verständlichen Form darzustellen, die die amerikanische Jugend von heute leicht verstehen kann. Dies wurde aus Liebe zur Sache getan, um die Behauptung zu widerlegen, daß dieser Schrecken tatsächlich nicht passiert sei.« (S. 17)

Es ist nur mit Aufwand feststellbar, in welchem Maße die Worte Höß’ um der Indoktrination der amerikanischen Jugend willen verändert wurden.

Primo Levi, Verfasser des Buches The Periodic Table und anderer Bänden der Holocaust-Überlieferungen, liefert das Vorwort und macht das Team vollzählig. Levi bietet den folgenden Grund zur Veröffentlichung eines solchen Werkes wie das von Rudolf Höß an. Seine Antwort ist ein weiterer Angriff auf den Revisionismus:

»Vor einigen Jahren begann ein heimtückischer Trend, als bestimmte Menschen zu behaupten anfingen, daß die eigentliche Opferzahl in der Nazizeit weit niedriger sei als die in der amtlichen Geschichte vorgetragene, und daß man kein Giftgas verwendet habe, um die Menschen in den Lagern zu töten. Bezüglich beider Punkte ist die Aussage von Rudolf Höß vollständig und klar. Weder würde er sie in einer solch genauen und deutlichen Art und Weise formuliert haben, noch würde sie in so vielen Einzelheiten mit den Zeugnissen der Überlebenden und den materiellen Beweisen übereinstimmen, wenn er genötigt gewesen wäre, wie die Revisionisten behaupten.« (S. 8)

Obwohl einige Überlebende viele Aussagen von Höß bestätigen, werden wir sehen, daß insbesondere materielle historische Untersuchungen viele Einzelheiten entkräften.

Die Memoiren selbst sind ein äußerst wertvolles Dokument. Paskuly bezieht sich darauf als das wichtigste den Holocaust bestätigende Dokument, weil es die einzig offene, ausführliche und im wesentlichen reine Schilderung des Massenmordplanes von einem hochrangigen SS-Offizier ist, der tief in die Ausführung von Hitlers und Himmlers Plan verwickelt war. (S. 11) In diesem Band sind 16 Bildseiten enthalten, wovon aber leider einige unwesentlich sind. Man nehme zum Beispiel das Bild des Krematoriums im Lager Stutthof. Zwar hat Paskuly ein Nachwort sowie drei lange Anhänge hinzugefügt, jedoch unterließ er sowohl die Wiedergabe der eidesstattlichen Erklärung Höß’ als auch seine Aussagen im Nürnberger Prozeß, obwohl dies den Band abgerundet hätte.

Die Auslassung dieser Dokumente ist um so merkwürdiger und ärgerlicher, als man statt dessen das Wannsee-Protokoll einschloß, ein Dokument ohne direkten Bezug zum Thema. Die Tatsache, daß die Nürnberger Erklärung verschiedene widersinnige oder sich widersprechende Behauptungen enthält, scheint der Grund für deren Ausschluß zu sein.

In dem Abschnitt des Titels »Die Endlösung der jüdischen Frage im Konzentrationslager Auschwitz« werden Paskulys Beweggründe durch seine Bemerkungen offensichtlich. Höß schreibt, daß er im Sommer des Jahres 1941 zu Himmler nach Berlin beordert wurde. Dort wurde er vom Himmler unterrichtet:

»Der Führer hat die Endlösung der jüdischen Frage befohlen. Wir, die SS, müssen diesen Befehl ausführen. Die bestehenden Vernichtungsstellen im Osten sind nicht in der Lage, dieses geplante Unternehmen im großen Rahmen auszuführen. Also habe ich Auschwitz zu diesem Zweck ausgewählt.«

Paskuly glaubt, Himmler habe sich wahrscheinlich auf die Sondergruppen (die sogenannten Einsatzgruppen) bezogen, die im Osten Zivilisten töteten, weil es damals keine Vernichtungsstellen im Osten gab (S. 27). Paskuly behauptet also, Höß habe recht gehabt, als er vom Jahr 1941 schrieb. Paskuly übergeht dabei die Aussage Höß’ beim Nürnberger Prozeß, die Licht auf diese Frage wirft.

Die Erklärung Höß’ beim Nürnberger Prozeß lautet folgendermaßen:

»Ich hatte den Befehl, Ausrottungserleichterungen in Auschwitz im Juni 1941 zu schaffen. Zu jener Zeit bestanden schon drei weitere Vernichtungslager im Generalgouvernement: Belzek, Treblinka und Wolzek. […] Ich besuchte Treblinka, um festzustellen, wie die Vernichtungen ausgeführt wurden. Der Lagerkommandant von Treblinka sagte mir, daß er 80.000 im Verlauf eines halben Jahres liquidiert hätte.«

Höß zeugt von drei anderen im Sommer 1941 bestehenden Vernichtungsstellen. Die Problematik mit der Höß-Erklärung und den Memoiren ist, daß das Lager Belzec erst im März 1942 zum Einsatz kam. Das Lager Treblinka, von dem Höß behauptete, es sei im Juni 1941 bereits mindestens sechs Monaten im Einsatz gewesen, war erst am 23. Juli 1942 einsatzbereit. Ein Lager Wolzek existierte überhaupt nie.

Paskuly behauptet, die These widerlegt zu haben, daß sich Höß in seiner Erklärung und den Memoiren bezüglich dieses Datums geirrt habe. Zur Unterstützung seiner Behauptung jedoch erwähnt er nur die Schriften von Richard Breitman, die den Standpunkt vertreten, die Konferenz zwischen Höß und Himmler habe nicht früher als im Sommer 1942 stattfinden können (Architect of Genocide, Knopf, New York, 1991). Paskuly behauptet eigentlich, Breitman habe unrecht. (S. 27) Paskuly ignoriert einen weiteren Autor, der diesen wichtigen Fehler aufgezeigt hat. Auch J.-C. Pressac hat zum Beispiel erläutert, daß das Datum "Juni 1941" unmöglich ist. Pressac schreibt:

»Der Beweis, den wir geprüft haben, deutet an, daß Höß das Jahr 1941 mit dem Jahr 1942 rückwirkend durcheinanderbrachte.« (Y. Gutman, M. Berenbaum, Anatomy of the Auschwitz Death Camp (AADC), Indiana University Press, Bloomington and Indianapolis, 1994, S. 213).

Dieser Fehler von Höß bereitet viel Ärger, wie Richard Widmann in seinem Artikel »Auschwitz: A Re-evaluation« andeutet, ist doch Hitler im Juni 1941 zum Angriff auf die UdSSR übergegangen (Unternehmen Barbarossa). Dieses Datum war eines der entscheidendsten Tage in der Geschichte des Dritten Reiches. Zudem wurde Höß im Juli 1942 zum SS-Obersturmbannführer befördert. Jeder dieser Vorgänge sollte in seiner Erinnerung haften geblieben sein und einen Irrtum unwahrscheinlich gemacht haben. Und tatsächlich erwähnt Höß während seiner Vernehmung vor dem IMT an einer Stelle, Himmler haben ihn mit dem Massenmord »kurz vor dem Rußlandfeldzug« beauftragt.

Paskuly stellt total unzumutbare Behauptungen über die berüchtigte Bemerkung Höß’ bezüglich des Transports von 2,5 Millionen Juden nach Auschwitz zu deren Vernichtung auf. Paskuly tendiert sogar dazu, zu behaupten, daß die wahre Opferzahl höher sei. Er schreibt:

»Die sowjetische Staatsregierung hat erklärt, daß die Gesamtzahl der Opfer rund 4 Millionen betrage, und auch das polnische Staatsmuseum Auschwitz behauptet offiziell die Anzahl von 4 Millionen Opfern. Einige Historiker beim Museum schätzen persönlich, daß es zwischen 2,6 und 3,5 Millionen Opfer gab.« (S. 38)

Diese Behauptung wird vorgebracht, um die Leser davon zu überzeugen, daß die wahre Opferzahl die von Höß genannte Zahl von 2,5 Millionen überschreitet. Eine solche Behauptung ist eindeutig falsch. Selbst wenn man in Betracht bezieht, daß die erste Ausgabe von Death Dealer im Jahr 1992 herausgebracht wurde, bleibt dies unverständlich, da Franciszek Piper, der Leiter des geschichtlichen Forschungsseminar am Staatsmuseum Auschwitz-Birkenau, bereits 1980 eine Untersuchung zur Opferzahl begann. 1986 wurde der erste Entwurf abgeschlossen. Pipers Ergebnisse wurden 1991 in der Zeitschrift Yad Vashem Studies erstmals veröffentlicht. Er schreibt, daß die Anzahl der nach Auschwitz deportierten Juden 1.095.190 betragen habe (AADC S. 66). Pipers Gesamtschätzung der Anzahl der Opfer reicht von 1,1 Millionen bis 1,5 Millionen (AADC S. 71-72).

Bereits 1987 hat u.a. Gerald Reitlinger geschrieben, daß

»[…] die Anzahl von 4 Millionen lächerlich geworden ist. Die russischen Berechnungen haben die nackten und zwangsläufigen Tatsachen leider verwischt, daß rund eine Million Menschen in Auschwitz starben.« (The Final Solution, Jason Aronson, Northvale, N.J., 1987, S. 460)

Verfälschungen und Irrtümer bestätigen die äußerst befangene Darlegung in Death Dealer.

Andere deutliche Verfälschungen in den Memoiren enthalten Höß’ Bemerkungen über Adolf Eichmann. Höß schreibt von den Sonderkommandos:

»Diese Juden wurden getrennt von den anderen Häftlingen untergebracht, und sollten nach Eichmanns Befehl nach jedem größeren Vernichtungseinsatz getötet werden.« (S. 31)

Hier gibt Paskuly halben Herzens die Unmöglichkeit zu, daß Eichmann einen solchen Befehl erteilte. Paskuly bemerkt:

»Es ist unwahrscheinlich, daß Eichmann einen solchen Befehl erteilt haben könnte oder würde, denn er hatte keine Verantwortung für die Lager. Die Lager-Kommandanten waren Eichmann nicht untergeordnet, sondern nur Himmler und der Abteilung Lagerverwaltung und Versorgung. Eichmann hat den israelischen Vernehmungsbeamten nach seiner Gefangennahme dargelegt, daß er nie in der Lage war, solche Befehle zu erteilen. Er behauptete, daß Höß in seinen Memoiren über seine – Eichmanns – Rolle in der Endlösung gelogen habe.« (S. 31)

Interessanterweise gibt Paskuly zu, daß Höß gefoltert wurde, während er in alliierter Gefangenschaft war. Paskuly schreibt:

»Kurz nach seiner Gefangennahme in 1946 vermochte die britische Sicherheitspolizei, eine Aussage aus ihm durch Alkohol und Schläge herauszuholen.« (S. 20)

Höß selbst schrieb:

»Unter schlagenden Beweisen [der britischen Feldsicherheitspolizei] kam meine erste Vernehmung zustande. Was in dem Protokoll drin steht, weiß ich nicht, obwohl ich es unterschrieben habe. Doch Alkohol und Peitsche waren auch für mich zuviel.« (S. 179)

Höß schildert später die Vorgänge nach seiner Überführung in polnische Haft:

»Wenn der Staatsanwalt nicht interveniert hätte, hätten sie mir den Rest gegeben, vor allem seelisch und moralisch. Ich war nervlich fast völlig am Ende meiner Kräfte. Zur jener Zeit war ich fast völlig kaputt, und ich kann einiges aushalten. Das Leben war oft hart, aber die psychologische Folter dieser drei Teufel war zuviel.« (S. 181)

Sogar Angesichts dieser dramatischen Schilderungen lehnt Paskuly es ab, darüber nachzudenken, ob Höß’ Aussagen bzw. seine Memoiren die komplette Wahrheit wiedergeben oder ob sie nicht vielmehr das wiedergeben, was die Vernehmungsbeamten hören wollten. Vor einem amerikanischen Gericht würden diese Aussagen unzulässig sein. (Bezüglich einer detaillierten Darstellung von Höß’ Folter vgl: Robert Faurrison, »Comment les britanniques ont obtenue les aveux de Rudolf Höss, commandant d’Auschwitz«, Annales d’Histoire Révisionniste, Nr. 1, 1987, S. 137-152 und David Irving, Nuremberg. The Last Battle, Focal Point, London 1996, S. 241-246).

Die Memoiren selbst sind sehr interessant. Der aufmerksame Leser bemerkt, daß Höß zwischen Schilderungen schrecklicher Grausamkeiten und vernünftigen, aber total widersprüchlichen Passagen hin- und herwechselt, z.B.:

»Ich behaupte fest, daß die Sterblichkeit der meisten Juden nicht nur von der ungewohnten Arbeit oder der unzureichenden Nahrung oder den überfüllten Wohnverhältnissen und allen anderen Unerfreulichkeiten und schlechten Zuständen verursacht wurde, sondern hauptsächlich und vor allem wegen ihres psychologischen Zustands. Die Sterblichkeit der Juden bei anderen Arbeitsplätzen in anderen Lagern bei viel besseren Verhältnisse war nicht viel niedriger« (S. 142-43)

Ähnlich schreibt Höß:

»[…] [N]iemals war ich grausam, noch habe ich mich nicht mehr bremsen können, daß ich die Häftlingen mißhandelte. Ziemlich viel passierte in Auschwitz ohne meine Anweisungen, gegen meine Befehle, wovon ich weder wußte noch was ich hingenommen oder gebilligt haben würde.« (S. 184)

Außer den Revisionisten gibt niemand zu, daß diese Passagen nur schwerlich mit den Öfter angeführten Passagen in Einklang zu bringen sind. Diese Passagen haben einige revisionistische Autoren veranlaßt zu glauben, die grausameren Zeilen seien von einem anderen Autor eingefügt worden. (Siehe Wilhelm Stäglich, Auschwitz: A Judge Looks at the Evidence, Institute for Historical Review, Costa Mesa, CA, 1990, S. 196-216). Paskuly meint diesbezüglich anmerken zu müssen:

»Höß vergißt hier, daß Hunderttausende von Juden in Gaskammern getötet oder einfach hingerichtet wurden. Er versäumt auch zu erwähnen, daß das Arbeitssystem vorgesehen war, um die Häftlingen zu Tode zu schinden.« (S. 143)

Dem Leser sei mitgeteilt, daß die Memoiren während der kurzen Zeit von Oktober 1946 bis April 1947 geschrieben wurden.

Paskuly wendet sich dem Fälschungsvorwurf mit der Bemerkung zu, er habe die originalen Dokumente sorgfältig überprüft. Er beschreibt in seiner Einleitung im Detail die mit Bleistift handbeschriebenen Blätter.

Leider hat Paskuly den deutschen Originaltext nicht mit veröffentlicht. Diese Unterlassung erscheint merkwürdig angesichts zweier Seiten des Wannsee-Protokolls und dreier Seiten von Höß’ persönlichen Briefen! Auch ist es interessant, zur Kenntnis zu nehmen, daß Martin Broszat in seiner 1961er Ausgabe der Memoiren Kommandant in Auschwitz die ersten zwei Seiten der Memoiren faksimiliert wiedergegeben hatte, wofür er allerdings kritisiert wurde, denn die wiedergegebenen Seiten waren offenbar mit Tinte geschrieben. Man ist aber allgemein der Meinung, daß Höß seine Memoiren mit einem Bleistift schrieb.

Durch die Wiedergabe der letzten Briefe von Rudolf Höß hat Paskuly der Forschung einen wichtigen Dienst erwiesen. In einem persönlichen Brief an seine Gemahlin und sein Kind schrieb er:

»Die meisten fürchterlichen und schrecklichen Dinge, die [in Auschwitz] stattfanden, erfuhr ich erst während der Gerichtsverhandlung selbst. Ich kann nicht beschreiben, wie ich getäuscht wurde, wie meine Anweisungen verdreht wurden, und vor allem, was sie aus meinen Anordnungen gemacht haben. Ich hoffe, daß die Schuldigen der Gerechtigkeit nicht entgehen werden.« (S. 189)

Diese Aussage paßt überhaupt nicht zu den sonst allgemein verbreiteten Passagen aus Höß’ Memoiren und Aussagen vor dem Nürnberger Prozeß, sind es doch gerade jene, die die »fürchterlichen und schrecklichen Dinge« angeblich am besten beweisen sollen.

Höß’ Schriften sind wichtige Dokumente über die Holocaust-Geschichte. Es ist bedauerlich, daß sich die Herausgeber dieses besonderen Bandes weigerten, dieses Material sachlich und vollständig zu präsentieren. Wie die meisten exterminationistischen Schriften ist auch dieser Band aufgrund der Voreingenommenheit des Herausgebers fehlerhaft. Eine sachliche wissenschaftliche Analyse sämtlicher Schreiben und Aussagen von Rudolf Höß ist noch zusammenzustellen. Death Dealer sollte ein solcher Band werden, aber statt dessen ist er nur ein weiterer Versuch, einen bröckelnden Giganten auf tönernen Füßen zu stützen.

Richard Widmann.

 

Endlösung

Dimitri Volkogonov, Lenin: Life and Legacy: A New Biography, London & New York, 1994.

General a.D. Dimitri Volkogonov hatte bereits früher einmal mit seiner Stalin-Biographie, für die er exklusiven Zugang zu Stalins geheimen Verschlußsachen hatte, den Fuchs in den Hühnerstall gelassen. Volkogonov ist Sonderberater des russischen Präsidenten Jelzin und war Vorsitzender der Kommission des Präsidenten zur Erforschung der Archive. Er fand heraus, daß Stalins Akten u.a. auch eine Panikanweisung Stalins vom 26. Juni 1941 enthält, nach der sofort Kontakt mit dem Deutschen Botschafter hergestellt werden sollte, falls dieser sich noch auf sowjetischen Boden aufhielt, um über eine sowjetische Kapitulation zu verhandeln.

Diesmal veröffentlicht er eine Arbeit über Lenin, in der er unter Angabe einer Archiv-Referenz über jene Minuten eines Treffens des sowjetischen Politbüros vom 5. März 1940 berichtet, während denen die kommunistischen Führer den Befehl bestätigten, die polnischen Offiziere zu ermorden, die sich seit Stalins Invasion in Polen Mitte September 1939 in sowjetischem Gewahrsam befanden. Unter dem Befehl des früheren NKWD-Offiziers Petr Soprunenko, ein immer noch in Moskau lebender jüdischer Pensionär, ermordete der NKWD die gefangen gehaltenen 15.000 polnischen Offiziere in Katyn und an zwei weiteren Plätzen nahe Smolensk im Laufe der folgenden zwei Wochen.

Nach dem Krieg stellten die Russen einige Deutsche Offiziere für dieses Katyn-Massaker vor Gericht und hängten sie Öffentlich in Leningrad auf. Das Katyn Massaker wurde auch während der Nürnberger Prozesse den Deutschen angekreidet.

Dementsprechend ist es heute in Frankreich nach dem Gesetz Fabius-Gayssot, welches das Anzweifeln der bei den Nürnberger Tribunalen "festgestellten" Verbrechen der Deutschen mit Gefängnisstrafe bedroht, ein kriminelles Delikt, wenn man behauptet, die Sowjets seien die wahren Mörder gewesen.

David Irving

 

Exekution durch Hunger

Miron Dolot, Execution by Hunger: The Hidden Holocaust, W. W. Norton & Company, 1985.

Überraschenderweise gibt es bis heute über den ukrainischen Hungerholocaust Anfang der dreißiger Jahre kaum Augenzeugenberichte. Ein solcher Bericht in englischer Sprache soll hier kurz vorgestellt werden. Miron Dolots Execution by Hunger wird auf der Umschlaginnenseite wie folgt vorgestellt:

»Sieben Millionen Menschen wurden im ‘Brotkorb Europas’ auf Stalins Kommando vorsätzlich zu Tode gehungert. Diese Geschichte wurde ein halbes Jahrhundert unterdrückt. Jetzt spricht ein Überlebender. […]

1929 befahl Stalin die Kollektivierung der ukrainischen Bauernhöfe, um die gut funktionierende Kleinbauernwirtschaft zu vernichten. In den folgenden Jahren wurden die ukrainischen Dörfer durch die brutale Sowjetkampagne der Beschlagnahmung, des Terrors und des Mordes heimgesucht. Die nach der Beschlagnahmung zurückgebliebenen Nahrungsmittel reichten zur Ernährung der Bevölkerung nicht aus. […]

Dieser ergreifende Augenzeugenbericht der ukrainischen Hungerkatastrophe durch einen Überlebenden berichtet über die tägliche Konfrontation des jungen Miron Dolot mit Verzweiflung und Tod – mit seiner Hilflosigkeit, als seine Freunde und Familie festgenommen und mißhandelt werden – und mit seiner schrittweisen Erkenntnis während seines Heranreifens, wie total die Sowjets sein Leben und das seines Volkes kontrollieren. […] Es ist eine Anklage gegen ein Kapitel der sowjetischen Vergangenheit, das die russische Führung bis heute nicht wahrhaben will.«

Ingrid Rimland

 

Revisionistischer Funktionalismus mit höchsten jüdischen Weihen

Yehuda Bauer, Freikauf von Juden?, Jüdischer Verlag, Frankfurt/Main 1996, 464 S., DM 56,-

War der Judenmord der Nationalsozialisten von diesen von Anfang an geplant (Intentionalismus), oder trat er mehr zufällig als Ergebnis einer Radikalisierung der NS-Politik im Laufe des Weltkriegs ein (Funktionalismus)? Diese Frage hatte seit Ende der siebziger Jahren die Gemüter der Historiker erhitzt. Nun dürfte sie entschieden sei, da sich jetzt auch Yehuda Bauer, Professor für Holocaustforschung an die Hebräischen Universität in Jerusalem, im wesentlichen auf die Seite des Funktionalismus geschlagen hat. Aufgrund seiner jüdischen Abstammung, seiner israelischen Staatsangehörigkeit, seiner Ausbildung als Historiker, seines Lehrstuhls an der angesehensten israelischen Universität und seiner weitreichenden Reputation in Sachen Holocaust wird doch wohl niemand mehr wagen, gegen diese Autorität aufzumucken?

Der hier besprochene Band dient laut Bauer u.a. dazu, eine Rechtfertigung dafür zu finden, warum Juden überhaupt mit den Nationalsozialisten verhandelten. Daneben soll er beweisen, daß die Juden weltweit nicht tatenlos zusahen, wie ihre Brüder in Europa hingeschlachtet wurden. Dies alles zu beschreiben versteht Bauer als eine künstlerische Aufgabe, denn über sein eigenes Metier vertritt er recht eigenartige, aber vielsagende Ansichten: »und die Geschichtsschreibung ist wohl kaum eine Wissenschaft« (S. 13) So wie er sie betreibt vielleicht nicht…

Die vielfachen Feststellungen Bauers, daß die Nationalsozialisten zumindest bis Mitte des Jahres 1941 keine gezielte Vernichtungsintention den Juden gegenüber hegten, sondern deren Ausreise anvisierten, erklärt Bauer mit einem Kunstgriff: Er behauptet schlicht, daß es den Nationalsozialisten habe egal sein können, wenn einige Millionen Juden aus ihrem Machtbereich entkämen, da man ohnehin bald die ganze Welt beherrschen werde, so daß man dann immer noch weltweit mit den Juden abrechnen könne. (S. 11, 73) Dieses künsterlische, jedem wissenschaftlichen Beweis entbehrende Klischee von dem die Weltherrschaft anstrebenden Nationalsozialismus erlaubt es ihm, einen Brückenschlag zwischen Intentionalismus und Funktionalismus bauen zu können, wobei nicht klar ist, ob er den Intentionalisten unter seinen Kollegen diese Brücke baut, oder ob er selbst diesen geistigen Halt für sein schwankendes Weltbild benötigt.

Es sind vor allem die kleinen, fast versteckten Details, die das Buch interessant machen. Wie nebenbei erklärt er zum Beispiel, das Dritte Reich sei bis 1935 ohne militärische Rüstungsprogramme wirtschaftlich gesundet, was den deutschen Volkspädagogen überhaupt nicht in den Kram passen dürfte (S. 26f.). Zu den Wirtschaftsdaten der ersten Jahre des Dritten Reiches stellt er fest: »Das Ergebnis […] ist beeindruckend«. Eine ähnliche Feststellung hätte einem Jörg Haider, der Hitlers Arbeitsmarktpolitik vernünftig genannt hatte, beinahe den Kopf gekostet.

Die immer wieder zitierte Passage aus Hitlers Rede vom 30.1.1939, in der er bei Ausbruch eines weiteren Krieges der jüdischen Rasse in Europa die Vernichtung prophezeit, ist nach Bauers Meinung völlig aus dem Zusammenhang der Rede gerissen und werde daher fälschlich als Beweis einer damals schon vorhandenen Vernichtungsintention interpretiert. Diese Rede befasse sich tatsächlich über weite Passagen mit einer zivilisierten und geregelten Auswanderung bzw. Umsiedlung der Juden aus Deutschland (61f.). Als Beweis gegen die Vernichtungsintention führt er auch jenes oft von Revisionisten angeführte Dokument vom Mai 1940 an, in dem Himmler »die bolschewistische Methode der physischen Ausrottung eines Volkes […] als ungermanisch […]« ablehnt und Adolf Hitler dies mit einem »Sehr richtig« kommentiert hat (S. 95).

Sehr kritisch befaßt sich Bauer auch mit Felix Kersten, einem engen Vertrauten Himmlers. Bauer hält ihn für einen Egozentriker, der später aus diesem Kapitel seines Lebens habe Kapital schlagen wollen (S. 167). Die Tagebuchnotizen Kerstens mit Hinweisen auf eine Vernichtung der Juden hält Bauer für sehr fragwürdig, da diese Eintragungen bereits im Dezember 1940 einsetzen, als es nachweislich noch keine Ausrottungsintention gab. (S. 425)

Bauers Berichte über die entscheidende Zeit zwischen Mitte 1941 und Ende 1944 weisen eine Vielzahl von Beispielen auf, die zumindest einer unabänderlichen und stur festgelegten Vernichtungsintention den Juden gegenüber widersprechen: Verhandlungsversuche von NS-Größen mit jüdischen oder alliierten Vertretern zum Auslösen von Juden und die Überstellung von Juden zu Arbeitszwecken werden von ihm en masse zitiert.

Nur auf eines geht Bauer in seinem Buch praktisch nicht ein: auf die Vernichtung selbst. Er verweist diesbezüglich nur auf einige altbekannte Standardwerke seiner Künstlerkollegen (S. 414).

Angesichts eines zusehends dem Revisionismus zugeneigten Korrespondenzpartners ließ sich Yehuda Bauer einst zu starken Worten hinreißen: »Mit […] Revisionisten lasse ich mich prinzipiell in keine Diskussionen ein!« Nach der Lektüre des hier besprochenen Buches wird man also davon ausgehen dürfen, daß der göttlichste aller Holocaust-Päpste selbst im Geiste keine Selbstdiskussionen mehr führt.

Ernst Gauss


Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 1(1) (1997), S. 41-46.
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