"Wissenschaftler" am Werk

Von Dipl.-Chem. Germar Rudolf

Seit Ende 1994 geistern Meldungen durch die Medien, daß insbesondere Steven Spielberg ein Projekt zur Archivierung von Aussagen Holocaust-Überlebender ins Leben gerufen habe (vgl. Newsweek, 21.11.1994; Stuttgarter Zeitung, 28.12. 1994; New York Times, 7.1.1996; Geschichte mit Pfiff, 11/96, S. 37; Welt am Sonntag, 17.11.1996). Neben Spielberg engagiert sich auch das Moses-Mendelsohn-Zentrum in Potsdam in der Archivierung der Aussagen von Überlebenden.

Steven Spielberg läßt seine Interviews von freiwilligen Helfern durchführen, die 20 Stunden lang auf ihre Arbeit vorbereitet wurden. Daß sie in dieser kurzen Zeit umfassende zeitgeschichtliche Kenntnisse der damaligen Zeit erhielten, kann wohl ausgeschlossen werden. Die Tatsache, daß es sich bei den Freiwilligen zudem meist um selbst vom "Holocaust" Betroffene handelt, schließt eine kritische Führung des Interviews fast aus (Stuttgarter Zeitung, 28.12.1994).

Erhellend ist die Art, mit der das Projekt des Moses-Mendelsohn-Zentrums unter der Leitung von Prof. Julius Schoeps und Geoffrey Hartmann (Yale) an dies Sache herangehen:

"Fragen ohne Vorgaben

So schwer die persönliche Erinnerungsarbeit wissenschaftlich aufzuarbeiten ist, so sehr verspricht gerade die Subjektivität der Schilderungen, historische Erfahrungen festzuhalten, die sich der spröden Faktizität herkömmlicher Historisierung entzieht. Ähnlich wie im psychoanalytischen Gespräch versucht man, durch eine zurückhaltende Fragetechnik der eigenen Erinnerungsarbeit Raum zu geben, um die Authentizität des Geschilderten zu gewährleisten." ("Archive der Erinnerung", Süddeutsche Zeitung, 3.7.1995)

Die wissenschaftlich allgemein anerkannte Tatsache, daß die meisten Erinnerungen von Zeitzeugen nach mehr als 50 Jahren hoffnungslos verzerrt sind, und zwar je mehr, je intensiver das Thema der Erinnerung in der Öffentlichkeit (einseitig) behandelt wird, wird hier nicht nur ignoriert, nein, man hat sogar die Chuzpe, die subjektiven Verzerrungen als eine vielversprechende Qualität darzustellen. Zudem ist man sogar Stolz darauf, jede kritische Betrachtung und Hinterfragung der Zeugenaussagen zu unterlassen, und behauptet dreist, daß dies angeblich die Authentizität des Geschilderten gewährleiste. Fakt ist hingegen, daß eine derartige Fragetechnik mit Wissenschaft nichts zu tun hat. Die derart entstehenden Interviews haben nicht nur keinen Wert, nein, sie besitzen einen Unwert in dem Sinne, als hier eine unauflösbare Mischung aus Tatsachen, Irrtümern und Lügen mit einem wissenschaftlichen Etikett als "authentische" Wahrheit ausgegeben und zur Zementierung eines strafrechtlich fixierten Dogmas mißbraucht wird. Zukünftige Wissenschaftler werden sich einst noch die Haare raufen angesichts derartiger fachlicher Inkompetenz und dogmatischer Blindheit.

Anklicken zum Laden des Zeitungsauschnitte in lesbarer Auflösung


Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 1(3) (1997), S. 190.
Zurück zum Inhaltsverzeichnis