Über die Feigheit des Establishments

Von VHO

Selten wird bekannt, daß es durchaus nicht wenige Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens gibt, die gewisse Sympathien mit einer kritischen, tabufreien Geschichtsforschung haben. Dieses extrem übervorsichtige Verhalten ist mehr als verständlich, ist doch die mediale Inquisition der westlichen Wertegemeinschaft jederzeit bereit, Abweichler von der politisch korrekten Linie öffentlich "hinzurichten".

Nachfolgend geben wir einen Brief wieder, den Hans Magnus Enzensberger kurz vor Erscheinen des Buches Vérité historique ou vérité politique? an den Autor Serge Thion schrieb (La Vieille Taupe, Paris 1980; dt.:, Historische Wahrheit oder Politische Wahrheit?, Verlag der Freunde, Pf 217, D-10182 Berlin 1994; z.Zt. beschlagnahmt und der bundesdeutschen Bücherverbrennung unterworfen). Dieser hatte ihm offenbar erste Teile des in Erstellung befindlichen Buches zukommen lassen. In dem Buch wird im wesentlichen die "Affäre Faurisson" nachvollzogen, daß heißt, es werden u.a. sowohl die juristischen Maßnahmen dargestellt, die die französische Justiz gegen den weltweit wohl profiliertesten Vertreter des "Holocaust"-Revisionismus unternahm, als auch die wesentlichen Sachargumente Faurissons sachlich und wohlwollend dargelegt. Es handelt sich also um ein revisionistisch orientiertes Buch, was Herrn Enzensberger kaum verborgen geblieben sein kann, wie sich auch aus dem Inhalt seines Briefes ergibt. Bezeichnend ist, wie Herr Enzensberger reagierte, als der deutsche Verleger des ins Deutsche übersetzten Buches die ersten zwei Sätze des Briefes auf der Rückseite des Buches zitierte. Anstatt zu seinem Plädoyer zu stehen, auch die revisionistischen Argumente müßten kritisch und ruhig diskutiert werden, erwirkte er gegen den Verlag eine einstweilige Verfügung, die die Publikation der ersten zwei Sätze seines Briefes an Serge Thion verbat. Mit Zivilcourage jedenfalls hat solches Verhalten nichts zu tun.

Tatsächlich ist dieses Publikationsverbot inzwischen allerdings unerheblich, da das Buch ohnehin in Deutschland verboten und alle greifbaren Mehrfachexemplare beschlagnahmt und verbrannt wurden. Aus Gründen der Dokumentation eines Beispieles für die Feigheit des Establishments haben wir uns entschieden, diesen Vorgang in Gänze zu dokumentieren.


Verlag der Freunde

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Betr.: Enzensberger ./. VdF

Berlin, den 6.10.94

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Leser,

das Landgericht Berlin hat uns auf Antrag Herrn Hans Magnus Enzensbergers untersagt, ihn auf dem Rücken unseres Buches "Historische Wahrheit oder Politische Wahrheit?" zu zitieren. Wir haben dem - zumal für jeden Fall der Zuwiderhandlung ein Ordnungsgeld von bis zu 500.000,- DM bzw. Haft droht und bereits jetzt Verfahrenskosten ins Haus stehen, die das wirtschaftliche Ende des Verlages bedeuten können - nachzukommen. Einen Prozeß gegen Herrn Enzensberger zu fahren, sind wir finanziell nicht in der Lage. Unseren Lesern das Urteil zu überlassen, ob wir mit dem Abdruck der ersten beiden Sätze aus Enzensbergers Brief an unseren Autor Serge Thion, der sich auf den ersten Teil des Buches bezog, unangemessen Gebrauch gemacht haben, legen wir ihnen das vollständige Schreiben vor (das französische Original in Kopie auf der Rückseite).

Mit freundlichen Grüßen: (A. Röhler)


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München, den 4. Dezember 1979

Cher Monsieur,

ich habe Ihren faszinierenden Aufsatz umgehend gelesen und danke Ihnen vielmals für diese Lektion in Mut und Klarsicht. Es wäre in der Tat sehr wünschenswert, würden sich die Historiker ernsthaft an die Arbeit machen, und zwar ohne Furcht vor einer möglichen Revision der Vorstellungen vom Völkermord an den Juden. Ich bezweifle, daß es deutsche Forscher sein werden, die diese Arbeit auf sich nehmen, und ich bezweifle auch, daß sich hier eine wissenschaftliche Diskussion mit der von Ihnen gewünschten Ruhe führen ließe. Ich bezweifle sogar, daß die Fragen, so wie sie als solche von den Revisionisten aufgeworfen werden, viele Leute interessieren könnten. Was die Deutschen belastet, ist nicht die Frage nach der Zahl der Opfer oder den Einrichtungen des industriellen Massenmordes; es ist eher deren Unvermögen zur Leistung der von ihrer Geschichte geforderten psychischen Aufarbeitung. Die Frage, ob man sechs oder drei Millionen Juden (Kommunisten, Zigeuner, Russen, Kranke...) getötet hat, dient meiner Meinung nach aus diesem Grund bei uns nur als Ausrede oder Vorwand, um eine viel größere, und ich meine: geradezu unüberwindbare Schwierigkeit zu verdecken: eine Schwierigkeit, welche die Identität des Fragenden selbst bedroht. Es stellt sich also die Frage der Rangordnung - Dies sage ich nicht als Entschuldigung der Historiker, die sehr wohl verpflichtet sind, uns alles verfügbare Wissen über die Vergangenheit wissen zu lassen. Wenn Sie sich einmal den beiliegenden Text ansehen wollen, der anläßlich einer Diskussion mit jungen Deutschen zu diesem Thema entstand, so werden Sie bemerken, daß alle Diskussionsteilnehmer von moralischen oder politischen Fragestellungen geradezu besessen, an genauestens erhärteten "Tatsachen" aber kaum interessiert waren. Eine derartige Untersuchung änderte nichts am Kern des Problems, selbst wenn diese zu einer Halbierung der Zahl der Ermordeten führen sollte. Damit ist selbstverständlich der Respekt und die Bewunderung, die ich für Ihre untadeligen Ausführungen empfinde - deren Folge ich bald zu lesen erhoffe - in keiner Weise beeinträchtigt.

Amitié et admiration

gez. Enzensberger


Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 1(3) (1997), S. 201f..


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