Über den Mut von Einzelgängern

Stellungnahmen zum historischen Revisionismus

Zusammengestellt von VHO

Wie in unserer letzten Ausgabe angekündigt, werden wir in dieser Ausgabe einige Reaktionen auf die Aktion Troja publizieren. Mit der Aktion Troja hat die Stiftung Vrij Historisch Onderzoek im Früjahr 1996 30.000 Personen der geistigen Eliten Deutschlands, Österreichs und der Schweiz angeschrieben und sie auf die durch den Holocaust-Revisionismus aufgeworfenen Probleme aufmerksam gemacht. Am Ende unseres Schreibens forderten wir diese deutschsprachige Elite auf, sich des Problems des Revisionismus anzunehmen und ihr Scherflein zur Auffindung und Festigung der historischen Wahrheit beizutragen. Außerdem wurde den Empfängern des Schreibens die Möglichkeit gegeben, ein Buchpaket mit revisionistischen und antirevisionistischen Büchern zu einem Sonderpreis zu beziehen.

In dieser Ausgabe geben wir zwei im Sinne der Freihheit der Wissenschaft positive Reaktionen wider. Da diese im wesentlichen mit unserer Meinung übereinstimmen, sehen wir uns nicht veranlaßt, sie weiter zu kommentieren. In unserer nächsten Ausgabe werden wir uns dann mit zwei eher negativen Reaktionen befassen.

Im ersten hier vorgestellten Fall handelt es sich um Prof. Dr. rer. nat. Dr. oec. h.c. Walter Ernst Masing. Masing wurde am 22. Juni 1915 in St. Petersburg geboren. Masing war zwischen 1940-1981 mit Ruth, geb. Frieser, verheiratet, die sich als Ehrenbürgerin der französischen Städte Pont de Beauvoisin, Isére, und Pont de Beauvoisin/Savoie einen Namen gemacht hat. Die Ehe wurden mit drei Kindern gesegnet.

Walter Ernst Masing studierte Physik an den Universitäten Dorpat in Estland, Rostock und Leipzig, wo er 1940 promoviert wurde.

1947 wurde er Entwicklungsphysiker (Laborleiter) in Berlin, machte sich jedoch bereits ein Jahr später in Erbach im Odenwald selbständig. Im Rahmen seiner erfindungsreichen Tätigkeit gelang ihm die Anmeldung zahlreicher Patente. Er ist Autor mehrerer Fachbücher (Ignitronsteuerungen, 1961; Qualitätslehre, 6. Auflage 1979; Handbuch der Qualitätssicherung, 3. Auflage 1994) und Träger verschiedener Auszeichnungen (1975 Edwards Medal (Amerikanische Gesellschaft für Qualitätskontrolle), 1976 Bundesverdienstkreuz am Bande und 1. Klasse).


Prof. Dr. rer nat. Dr. oec. h.c. [...]

WALTER MASING [...]

28.09.1996

Sehr geehrte Damen und Herren,

vor einiger Zeit haben Sie mir ein Merkblatt "Zur Lage des Holocaust-Revisionismus" zugeschickt. Besten Dank dafür, ich habe es mit Gewinn gelesen.

Ich bin kein Historiker, daher kann ich zum Streit der Meinungen der Fachleute über dieses Thema mit eigenen Argumenten nichts beitragen. Ich bin durchaus überzeugt davon, daß vieles Schreckliche geschehen ist, für das wir Deutsche, ob direkt beteiligt oder nicht, in großem Stil moralisch und materiell haftbar gemacht worden sind. Inzwischen sind auch bei uns neue Generationen herangewachsen, für die alles das inzwischen immer mehr Geschichte wird.

Aber als exakter Naturwissenschaftler (Physik) habe ich es stets als peinlich empfunden, was alles als "Wahrheit" nur deshalb dokumentiert ist, weil sich dieser oder jener Prozeßbeteiligte, Belasteter oder Betroffener, in einer bestimmten Richtung geäußert hat. Die Lebenserfahrung lehrt doch, daß gerade in Strafprozessen nicht jede Aussage "die Wahrheit, die ganze Wahrheit und nichts als die Wahrheit" darstellt. Gerade in Prozessen hoch-emotionaler Art braucht man nicht viel Phantasie, um sich vorstellen zu können, wie ein Beschuldigter reagiert, wenn die Anklage (vielleicht um den Prozeß abzukürzen) ihm eine mildere Strafe in Aussicht stellt, wenn er sich schuldig bekennt. Da mag er in seiner Aussage noch, wie man sagt, "einen drauf setzen". Niemand wird mir weismachen, daß derartiges nicht vorgekommen ist, wissen wir doch von Schein-Exekutionen, um bestimmte Aussagen zu erhalten.

Derartiges ist in der Menschheitsgeschichte ja immer wieder vorgekommen. So finden sich in den zahlreich erhalten gebliebenen Protokollen von Hexenprozessen Aussagen unter Eid über das Gefühl, auf einem Besen zum Blocksberg zu fliegen. Auf dieser Grundlage beruhen auch unsere Kenntnisse der Geometrie der Geschlechtsorgane der dort anwesenden Teufel und deren Sexpraktiken. Glauben Sie wirklich, daß ähnliches (mutatis mutandis natürlich!) in unserem aufgeklärten Zeitalter nicht mehr möglich ist?

Umgekehrt kann ein mit Glück überlebt habendes Objekt des Geschehens die Grausamkeiten aus durchaus nachvollziehbarem Rachebedürfnis an seinen Peinigern übertreiben und Details schildern, die sich so nie zugetragen haben. Auch die meist mit Herzblut geschriebenen Memoiren dürften nicht alle einer strengen Quellenkritik standhalten. Es spielen ja auch enorme finanzielle Interessen globaler und individueller Art mit. Und so mancher Ankläger und Richter konnte schließlich kein reines Gewissen haben. Wer wollte das ernsthaft bezweifeln?

Bemerken Sie bitte: Ich werde mich hüten, Vorgänge zu kommentieren, die außerhalb meines persönlichen Wissens liegen. Aber diese Sache ist zu ernst, als daß sie per Dekret ein für allemal ad acta gelegt werden könnte. Allein das medienwirksame Auftreten des unsäglichen Mr. Goldhagen mit seinen Spekulationen über die Gene "der Deutschen" zeigt die Notwendigkeit, die Dinge nicht auf sich beruhen zu lassen.

Die Geschichtswissenschaft muß das Geschehen von damals wissenschaftlich aufbereiten und einordnen, wie sie das mit der Völkerwanderung und der Französischen Revolution auch tut. Wissenschaftlich heißt in diesem Zusammenhang, ohne Rücksicht, ob das Resultat gefällt. Es ist in höchstem Maß unwissenschaftlich, eine behauptete Tatsache zu tabuisieren. Kein Scheiterhaufen hat verhindern können, daß sich das heliozentrische System gegen das von der Kirche favorisierte geozentrische des Ptolemäus durchgesetzt hat. Wäre aber das ptolemäische Weltbild zutreffend gewesen, hätten es die Überlegungen von Kopernikus, Kepler und Newton nicht erschüttern können. Warum damals also die heute so unverständliche Reaktion der römischen Curie?

Etwas anderes ist es nur mit Glaubenssachen. Die Parthenogenese von Jesus Christus kann nicht mit Hinweis auf biologische Fakten angegriffen werden. Sie ist für den gläubigen Christen ein Dogma, jenseits aller Diskussion. Immerhin wird heute niemand mehr verfolgt und in seiner beruflichen Existenz bedroht, der ein christliches Dogma Öffentlich in Zweifel zieht. Der Islam, 500 Jahre jünger, tut das noch, Beispiel Rushdie. Als Wissenschaftler muß ich entschieden ablehnen, daß dem Holocaust durch Medien und Gesetz der Status eines Dogmas verliehen wird, dessen Verletzung strafwürdig ist.

Das Bemühen ernstzunehmender Fachleute um die Tatsachen ist also unabhängig vom Ergebnis zu begrüßen. Diese Arbeit muß in aller Stille geleistet werden. Sie eignet sich nicht für den großen Markt der Eitelkeiten. Und ganz gewiß darf sie sich in gar keiner Weise von wirtschaftlichen Interessen beeinflussen lassen. Es gibt, wie seinerzeit am Himmel, auch hier zwei Alternativen. Ist die derzeit offizielle Lesart der Vorgänge richtig, so würde ein fehlgeschlagener Versuch ihrer Falsifikation sie nur stützen. Ist sie jedoch falsch, müssen Korrekturen angebracht werden, denn auf geschichtlichen Lügen läßt sich kein in sich geschlossenes Verständnis der Gegenwart aufbauen. Und dieses ist schließlich die Grundlage einer gedeihlichen Zukunft kommender Generationen weltweit. Tragen wir dafür nicht eine große Verantwortung?

Freundliche Grüße

gez. Masing


Unser zweiter hier vorgestellter Korrespondenzpartner ist Dr. Dietrich Falke, Professor em. für medizinische Mikrobiologie an der Universität Mainz. Prof. Falke wurde am 13. August 1928 geboren. Prof. Falke ist seit 1960 mit Inge, geb. Schmidt-Westerkamp, verheiratet. Er promovierte 1954 an der Universität Tübingen und habilitierte 1964 in Marburg. Zwischen 1973 und 1994 war er Abteilungsleiter in Mainz. Seither ist er im Ruhestand. Neben diversen Einzelpublikationen hat er auch mehrere Bücher publiziert (Virologie, 2. Auflage 1978; Medizinische Mikrobiologie (m. Hahn u. Klein), 1991). 


Prof. Dr. Dietrich Falke

[...]

[...] Mainz, den 26. Juni 1996

Betrifft: "Zur Lage des Holocaust-Revisionismus"

Sehr geehrte Damen und Herren!

Mit großem Interesse habe ich Ihr o.a. Flugblatt gelesen. Gestatten Sie mir, daß ich dazu wie folgt kurz Stellung nehme.

1. Sie sehen das Auftauchen eines "Revisionismus" in dem von Ihnen geschilderten Sinne als bedenklich für die Anerkennung der Holocaust-Verbrechen der Nationalsozialisten an. Ihre Zielrichtung ist die Gruppe der Akademiker ("Wachsender Erfolg bei Akademikern"). Ich darf Sie versichern, daß mir keine solchen Tendenzen an der Universität in Mainz, an der ich seit 30 Jahren tätig bin, zu Ohren gekommen sind.

2. Akademiker sind aufgrund ihres Berufes der Suche nach der Wahrheit verpflichtet. Gerade als Naturwissenschaftler ist man sich und bin ich mir dabei bewußt, daß diese "Wahrheit" - ich denke dabei an die Zellphysiologie und Zellpathologie - niemals endgültig, vielmehr immer offen für Korrekturen durch neue Erkenntnisse ist (siehe auch Karl Popper). Es sollte Sie also nicht verdrießen, wenn "16 italienische Lehrstuhlinhaber" gegen das Verbot der Publikation eines Revisionisten appelliert haben. Es gibt sicherlich andere Historiker, die ebenfalls an diesem Thema arbeiten; es ist durchaus denkbar, daß durch sie Erkenntnisse zutage gefördert werden, die antirevisionistisch wirken. Ihre Stiftung würde sich möglicherweise wichtiger Argumente begeben.

3. In der heutigen Zeit ist man zunehmend kritisch eingestellt. Dies mag zu einer zeitweisen "Verdunkelung" von scheinbar sicheren Tatbeständen führen; diese werden aber später umso klarer erscheinen. Hier wäre menschliche Weisheit angebracht, wie sie von Frau Lipstadt gezeigt wird.

4. Man muß sich allgemein darüber klar sein, daß es immer ein Gewaltpotential gegeben hat und gibt. Denken Sie an "Hoyerswerda" und ähnliche Ereignisse in Deutschland, an die Zerstörung von Kirchen der Farbigen in den USA, an die Grausamkeiten in Serbien/Bosnien, oder auch an My Lay oder an die Übergriffe von niederländischen Soldaten in Bosnien. Wichtig ist, daß die politischen Eliten und die staatstragenden Schichten aller Länder sich verantwortungsbewußt verhalten und diese Ausschreitungen minimieren.

5. Es gibt keine ungeteilte Wahrheit. Dringend erscheint mir die Öffnung aller Staatsarchive, damit die in Frage stehenden Probleme der Geschichte möglichst bald bearbeitet werden können. Dies gilt generell, z.B. auch für die Geschichte der deutschrussischen Beziehungen.

Ich hoffe sehr, daß meine Ausführungen, so kurz sie sind, Ihnen hilfreich sein mögen. Zu weiteren Stellungnahmen - wenn gewünscht bin ich gern bereit.

Mit freundlichen Grüßen

( Dr. D. Falke )


Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 1(3) (1997), S. 203f.
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