Himmlers Befehl, die Vergasung der Juden zu stoppen

Von Major a.D. Göran Holming


Bekanntlich gibt es überhaupt keinen Befehl und keine Anweisung Hitlers oder Himmlers, Juden zu vernichten oder zu vergasen. Dagegen will die alliierte Propaganda geltend machen, es existiere eine Order von Himmler, daß die Vergasungen aufhören sollen. Falls eine solche Order tatsächlich existierte, hätte sie eine große Durchschlagskraft als Beweis, daß Vergasungen wirklich stattgefunden haben.
Man stützt sich dabei auf eine Aussage von SS-Standartenführer Kurt Becher vor dem Nürnberger Militärtribunal:[1]

»Etwa zwischen Mitte September und Mitte Oktober 1944 erwirkte ich beim Reichsminister SS Himmler folgenden Befehl, den ich in zwei Originalen, je eins für die SS-Obergruppenführer Kaltenbrunner und Pohl und einer Copie für mich erhielt: "Ich verbiete mit sofortiger Wirkung jegliche Vernichtung von Juden und befehle im Gegenteil die Pflege von schwachen und kranken Personen. Ich halte Sie (damit waren Kaltenbrunner und Pohl gemeint) persönlich dafür verantwortlich, auch wenn dieser Befehl von untergeordneten Dienststellen nicht strikt befolgt wird!" Ich überbrachte Pohl das für ihn bestimmte Exemplar persönlich in Berlin in seiner Dienststelle und gab das Exemplar für Kaltenbrunner in seinem Sekretariat in Berlin ab.«

Eine derartige Order wurde nie wiedergefunden, ebensowenig konnte irgendwie nachgewiesen werden, daß eine solche Order existiert hatte.
Dies veranlaßte Raul Hilberg zu schreiben:[2]

»Im November 1944 beschloß Himmler, daß alle praktischen Probleme mit der jüdischen Frage gelöst waren. Am 25. dieses Monats befahl er den Abbruch aller Einrichtungen zur Massentötung.«

In einer Fußnote gibt er als Quelle an:

»Zeugenaussage von Kurt Becher 8. März 1946, PS-3762.«

Diese Zeugenaussage sagt jedoch nichts Derartiges.
Andere Holocaust-Skribenten haben danach immer von Hilberg abgeschrieben und ihrerseits Hilberg als Quelle genannt.
Noch erheiternder sind Gutmann und Berenbaum.[3] Dort kann man wieder von Himmlers angeblicher Order vom 25. November lesen, die »Gaskammern und Krematorien in Auschwitz zu demolieren«. Aber in der Anmerkung steht anschaulich beschrieben:

»Laut Zeugenaussage des Führers der ungarischen Zionisten Reszo Kastner zeigte Himmler-Mitarbeiter Kurt Becher ihm eine Kopie einer Order, die Gaskammern und Krematorien zu zerstören. Diese Order war datiert vom 25. November 1944.«

Dieses Datum findet man auch in den Aufzeichnungen eines anonymen Verfassers, eines Gefangenen und Mitgliedes des Sonderkommandos, der schrieb, daß der Abbruch des Krematorium II am 25. November begonnen hatte.
Für mich als Offizier macht es einen sehr bemerkenswerten Eindruck, daß der gefürchtete SS-Oberst Kurt Becher herumgeht und jüdischen Führern eine streng geheime Himmler-Befehl zeigt. Die Order war so geheim, daß sie nur in drei Exemplaren angefertigt und wegen ihrer Brisanz nirgendwo buchgeführt oder registriert worden war - aber jüdische Vertrauensleute konnten sie lesen!
Schon 1972 lernte ich einen älteren deutschen ehemaligen Kavallerieoffizier, verheiratet mit einer der bekanntesten Dressurreiterinnen, kennen.
Im Laufe der Jahre habe ich diesen Herrn namens Kurt Becher bei mehreren Gelegenheiten anläßlich von Reitsportveranstaltungen in Deutschland getroffen. Aber erst sehr spät, vermutlich 1993, erkannte ich, daß es sich um den vom Krieg bekannten SS-Obersten handelte.
Ich erbat daher eine Zusammenkunft mit ihm in Bremen am 26. Oktober 1994, wo er mich empfing und - sichtlich amüsiert über mein Interesse - ausführlich über sich selbst als Offizier in der Waffen-SS erzählte, im Krieg in der 8. berittenen SS-Division Florian Greyer dienend.
Im Sommer/Herbst 1944 war Becher in Ungarn, u.a. um Pferde für die eigene Division, aber auch für das Deutsche Heer, einzukaufen. Dabei kam er mit führenden ungarischen Juden in Verbindung, u.a. mit jenem Kastner. Becher gelang es bei Himmler zu erreichen, daß etwa 1.000 der reichsten Budapester Juden samt dem Rüstungsindustriemagnaten Weiss, der später in New York lebte, im Herbst 1944 die Möglichkeit erhielten, über Bergen-Belsen in Feindesland auszureisen. Dabei erfolgten auch die berüchtigten Verhandlungen zwischen Kastner und Becher, im Austausch gegen l0.000 US-Lastautos weitere l00.000 Budapester Juden nach Palästina reisen zu lassen.
Während dieser Gespräche brachten die führenden Juden ihre Sorge zum Ausdruck, was wohl mit ihren Glaubensbrüdern geschehen würde, wenn die Front zu den deutschen KL von Auschwitz im Osten, nach Natzweiler, Neuengamme usw. im Westen käme. Die Wachmannschaft würde dann doch wohl nicht beginnen, die Juden zu vernichten? Bemerkenswerterweise hegten sie also keine größere Unruhe darüber, was den Juden in den Lagern geschehen konnte, bevor die Kriegshandlungen zu diesen Plätzen kamen.
Becher beruhigte die ungarischen Juden damit, daß er in Kürze Himmler treffen würde und ihre Besorgnis vortragen wolle. Becher traf Himmler um die Monatswende September/Oktober, vermutlich am 25. September, daher das wiederkehrende Datum des 25. Himmler schrieb umgehend eine Order, daß

»beim Vorrücken der feindlichen Truppen zu den KL diese ohne Kampf übergeben werden sollten. Erforderliche Maßnahmen sollen getroffen werden, so daß dies in guter Ordnung und ohne Verluste für die Gefangenen geschehen konnte.«

Auf meine Frage an Kurt Becher, wie seine Aussage in Nürnberg in ihr Gegenteil umgewandelt werden konnte, sagte er nur vieldeutig, daß ich die damaligen Verhältnisse in Nürnberg nicht kannte.[4] Kurt Becher hat später ein großes Vermögen mit Geschäften mit dem Staat Israel verdient.
Unsere Gespräche wurden leider durch seinen Tod im August 1995 abgebrochen, was verhinderte, daß ich noch einige wünschenswerte Klarstellungen erhielt.
Wer Bechers herzliches Lachen auf meine Frage bezüglich der Order vom 25. November 1944, die Gaskammern in Auschwitz zu zerstören, gehört hätte, würde klar erkennen, daß diese Aussage den gleichen Geschichtsverdrehern zuzuschreiben ist wie immer.
Jene Order, die Kurt Becher tatsächlich von Himmler erhielt, wurde laut Becher in 3 Exemplaren ausgeschrieben: eine für den Gestapo-Chef Kaltenbrunner, eine für den Chef des SS-Wirtschaftsverwaltungshauptamtes SS-General Oswald Pohl; das dritte Exemplar behielt Kurt Becher, wurde jedoch nie vorgewiesen. Becher überbrachte persönlich die Order an die beiden genannten.
Warum die Order nur in 3 Exemplaren ausgeschrieben und derart geheimgehalten worden war, daß sie persönlich von einem Obersten übergeben wurde, läßt sich leicht erklären: Was Himmler hier gedruckt festhielt, war ein eindeutiges Eingeständnis, daß der Krieg verloren war und daß der Feind in das Innere Deutschlands vorrücken würden, also ein klar defätistisches Schriftstück, für das der Verfasser mit der Todesstrafe rechnen konnte, wenn es in falsche Hände geriet. Daß ein derart qualifiziert geheimes Papier einer feindlich gesinnten Person, wie Kastner, gezeigt worden sein sollte, erscheint derart lächerlich, daß diese Annahme eher orientalischer als europäischer Denkungsart entspricht.
Da sich Kurt Becher über das Gespräch amüsiert zeigte und einen derart aufrichtigen Eindruck machte, fragte ich ihn schließlich:

»Was ist denn nun die Wahrheit über die Vergasung der europäischen Juden und was wissen Sie darüber? Sie hielten sich ja während einer längeren Zeit bei den informiertesten und führenden ungarischen Juden auf.«

Bechers Antwort war:

»Ich hörte von diesen Sachen erstmalig, als ich als Gefangener nach Nürnberg gebracht wurde. Was wirklich wahr ist, weiß ich nicht, auf jeden Fall sind alle Behauptungen enorm übertrieben, wie wir ja alle wissen.«

Kurt Becher hat also um die Monatswende September/Oktober 1944 eine Order erhalten, vom Feind bedrohte KL friedlich zu übergeben, um Menschenleben zu schonen.
Und daraus kochten die Nürnberger Geschichtsfälscher eine Behauptung zusammen, daß Himmler am 25. November 1944 eine Order an Kurt Becher erlassen haben sollte, die Vergasungen einzustellen und die Gaskammern in Auschwitz zu zerstören.


Anmerkungen

[1]IMT-Dokument PS-3762; IMT, Nürnberg 1948,  Band XXXII, S. 68.
[2]The destruction of the European Jews, Quadrangle Books, Chicago 1961, S. 631.
[3]Auschwitz: Anatomy of Massmurder, Indiana University Press, Bloomington 1994, S. 174 und S. 181, Anm. 74.
[4]Vgl. dazu M. Köhler, in: E. Gauss (Hg.), Grundlagen zur Zeitgeschichte, Grabert, Tübingen 1994.

Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 1(4) (1997), S. 258f.


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