Wieviel Gefangene wurden nach Auschwitz gebracht?

Eine Kritik der statistischen Angaben von F. Piper und J.-C. Pressac

Von Major a.D. Göran Holming

Grundlegende Tatsachen.

Nahezu ein halbes Jahrhundert galt es als indiskutabel, daß in Auschwitz etwa 4 Millionen Menschen umgebracht wurden. Diese Zahl wurde u.a. kundgetan auf 19 Meter großen Steintafeln in Birkenau. Vor diesen Tafeln sind der Papst, Willy Brandt und viele andere Staatsmänner auf die Knie gefallen und haben Tränen vergossen. Auch die Zahl 8 Millionen wurde genannt.[1]

Andere, wie Dr. Stäglich und Robert Faurisson, wurden Haß und Schmach ausgesetzt, als sie behaupteten, daß die Zahl 4 Millionen jeder Wirklichkeitsnähe entbehrt. Diese behauptete Zahl von Opfern ist so gigantisch, daß sie nahezu das Doppelte aller gefallenen deutschen Soldaten im Zweiten Weltkrieg während 5 Jahren unvergleichlich harter Kämpfe ausmacht. Und das Töten dieser 4 Millionen in Auschwitz geschah, ohne daß irgendein Außenstehender davon erfuhr.

Diese 4 Millionen sollten sich wie folgt auf die einzelnen Nationalitäten verteilt haben: etwa 2,5 Millionen Juden, eine Million Polen und 1/2 Million Zigeuner.

Ab 1990 galten diese Zahlen nicht mehr, die Gedenksteine wurden von Auschwitz entfernt, und allmählich galten immer niedrigere Zahlen, wobei eine Gesamtzahl von etwa 1 Million vorherrscht. Vielsagend sind die Berechnungen des Franzosen Pressac. Im Jahre 1989 vertraute Pressac[2] den Berechnungen Georges Wellers über 1.613.455 Deportierte und 1.471.595 "Ermordete!".[3] Wellers Zahlen sind außerordentlich exakt. Die Zahl toter Polen wurde auf 80.000 reduziert, die der Zigeuner auf 20.000. Die Zahl toter Juden ging auf 1.150.000 bis 1.350.000 oder um nahezu 50% zurück. Die Zahl umgekommener Polen macht demnach nur 8% der ehemaligen offiziellen Zahl aus, die der toten Zigeuner nur 4%.

1993 hatte Pressac die Zahl der Opfer in Auschwitz auf 770.000 reduziert,[4] und schon im Jahr darauf kam er auf eine Gesamtopferzahl von nur noch 630.000.[5] Der Zeitgeschichtler Prof. Dr. Gerhard Jagschitz von der Universität Wien hat in einem Expertengutachten vor Gericht ausgeführt, die Gesamtopferzahl könne auch bei nur »mehrere[n] Hunderttausend« liegen (also etwa 200.000 bis 300.000).[6] Damit befindet sich Prof. Jagschitz in Österreich, der Schweiz, Frankreich und Deutschland gefährlich nahe an einer Anklage wegen Verharmlosung des NS-Völkermords und Volksverhetzung mit einer Strafandrohung von mehreren Jahren Gefängnis; moralisch verwerflich - verglichen mit der früher ebenfalls verbreiteten Zahl von 8 Millionen Opfern - ist das Gutachten auf jeden Fall.

Nach Auschwitz wurden etwa 400.000 registrierte Gefangene gebracht, deren Schicksal relativ gut dokumentiert ist. Diese Gefangenen waren angeblich 252.000 männliche und 110.000 weibliche Juden und andere Europäer, ferner 20.000 registrierte Zigeuner, 12.000 sowjetische Kriegsgefangene und etwa 5.000 gerichtlich zum Tode Verurteilte, die dort hingerichtet werden sollten.

Von den in Auschwitz sehr sorgfältig geführten Sterbebüchern wurden die Bände vom 4.8.1941 bis 31.12.1943 im KGB-Archiv in Moskau wiedergefunden.[7] Diese Bücher zeigen, daß während dieser 21/2 Jahre etwa 88.500 Gefangene gestorben sind, alle eines natürlichen Todes - einschließlich Hunger und Erschöpfung - aber vor allem in Epidemien. Mit Hilfe dieser Angaben schließt Pressac, daß während der Jahre 1940-1945 insgesamt 126.000 der 362.000 registrierten Gefangenen umgekommen sind, also etwa 35%.[8]

Wie hoch diese Zahl auch erscheinen mag, sie ist dennoch niedriger als die Anzahl der Todesopfer in Dresden nach einem einzigen Bombenangriff. Auch der Prozentsatz der Toten ist niedriger als der der deutschen Kriegsgefangenen in der Sowjetunion. Für deutsche Kriegsgefangene z.B. bei Stalingrad gilt, daß von 116.000 weniger als 6.000 überlebten, daß also 96% aller Gefangenen umkamen. Insgesamt kamen etwa 50% der deutschen Kriegsgefangenen in der Sowjetunion um.

Aus Pressacs letztem Buch kann man klar erkennen, daß keine registrierten Gefangenen vergast wurden, was bedeutet, daß es keine "Selektionen" registrierter Gefangener gab. Es ist somit erwiesen, daß kranke und schwache registrierte Gefangene keineswegs vergast wurden, sondern Krankenhauspflege erhielten, was ja auch den vielen Berichten Überlebender entspricht, die ausführlich von ihrem Aufenthalt im Krankenbau des KL Auschwitz berichten. Ferner geht daraus hervor, daß die registrierten Mitglieder der Sonderkommandos niemals vergast wurden, wie die Kolporteure der üblichen Gewaltdarstellungen es gerne schildern.

Göran Holming

 

 

  

 

 

Major a.D.
Göran Holming

Laut Pressac erfolgten die Vergasungen derart, daß die ausgewählten Gefangenen direkt von den ankommenden Zügen zu den Gaskammern geführt wurden. Ins Lager gebrachte und somit registrierte Gefangene wurden nicht vergast. Leider fehlen jedoch Beweise, daß Gefangene direkt bei der Ankunft vergast wurden.

Die Deportationen

Dem bereits erwähnten Georges Wellers wurde viel Ehre und Bewunderung zuteil für seine Entdeckung, daß nicht mehr Gefangene in Auschwitz sterben konnten, als dorthin transportiert wurden. Nach Wellers haben daher vor allem Dr. F. Piper vom Auschwitz-Museum[9] und der Apotheker Jean-Claude Pressac versucht, die Anzahl Deportierter zu bestimmen. Viele ihrer Angaben entstammen dem ehemaligen Forschungschef am Staatlichen Museum Auschwitz, Danuta Czech, und ihrem Kalendarium der Ereignisse des Konzentrationslagers Auschwitz 1939-1945.[10]

Danuta Czech ist als "Forschungschef" einiger erklärender Worte wert. Schon bei Kriegsbeginn wurde die Jüdin Czech als kommunistische Untergrundagentin gefaßt, die durch ein Wunder drei Jahre im "Vernichtungslager" Auschwitz überlebte, obwohl sie als Jüdin und zusätzlich kommunistische "Verbrecherin" in der Gaskammer hätte landen müssen. Etwa ein Jahrzehnt nach dem sowjetischen Sieg im Zweiten Weltkrieg erhielt sie eine Anstellung im Museum, um gegen Bezahlung die Geschichte von Auschwitz zu schreiben. Für Kenner des sowjetischen Systems und besonders des KGB und des polnischen Staatssicherheitsdienstes gibt es keine Zweifel, daß das Auschwitz-Museum während des nahezu halben Jahrhunderts des "kalten Krieges" ein wichtiger Bestandteil dieser beiden Organisationen und - genauer gesagt - ihrer »Hauptverwaltung für Desinformation« war. Das Auschwitz-Museum und Danuta Czech haben dabei zweifellos eine gute Arbeit im Dienste der Desinformation geleistet. Jedenfalls gibt es Gründe genug, den Angaben in Czechs Werk zu mißtrauen. Danuta Czech wurde von F. Piper als Forschungschef des Museums abgelöst.

In dem von Y. Gutman und M. Berenbaum herausgegebenen Buch wird die Gesamtzahl deportierter Juden auf S. 68 mit 1.095.000 und auf S. 86-88 mit 1.025.000 angegeben. Dazu kommen 195.000 deportierte Nichtjuden, also insgesamt mindestens 1.220.000 Personen. Die Juden verteilen sich laut S. 68 wie folgt auf die einzelnen Herkunftsländer:

Polen

300.000

Ungarn

438.000

Frankreich

69.000

Holland

60.000

Griechenland

55.000

Theresienstadt

46.000

Slowakei

27.000

Belgien

25.000

Deutschland

23.000 (einschl. Österreich)

Serbien

l0.000

Italien

7.500

Norwegen

700

Sonstige

34.000

Von diesen können die Angaben von Frankreich, Holland, Theresienstadt, Belgien, Deutschland, Italien und Norwegen als relativ zuverlässig angesehen werden. Die übrigen Angaben sind geschätzt.

Hier sollen die Angaben bezüglich Ungarns, Polens und Griechenlands näher untersucht werden. Von ganz entscheidender Bedeutung sind die Deportationszahlen aus Ungarn und Polen, die laut Piper insgesamt 738.000 ausmachen.

Dr. Piper bezieht sich nahezu ganz auf das, was die kommunistische Agentin Danuta Czech, basierend auf ihren Schätzungen, zusammengeschrieben hat.

J.-C. Pressac verwirft Pipers Angaben gänzlich. Er senkt die Zahl polnischer Deportierter auf die Hälfte, also auf 150.000. Die ungarischen vermindert er von 438.000 auf 160.000, also um nahezu 280.000. Pressac gründet seine Überlegungen darauf, daß die Eisenbahnzüge bei weitem nicht so viele Gefangenen transportieren konnten und daß Auschwitz während so kurzer Zeit nicht so viele Gefangene aufnehmen konnte.[11]

In Gutman/Berenbaum (S. 65) kann man lesen, daß die »Transporte aus Frankreich, Belgien, Holland und Deutschland im allgemeinen je etwa 1.000 Personen umfaßten [...]«

Folgende Deportationen werden als belegt angesehen:[12]

Herkunftsland

Züge

Juden

Juden/Zug

Frankreich

71

69.119

973

Belgien

27

24.906

920

Niederlande

68

ca. 60.000

882

(davon nachgewiesen:

36

31.662

880)

Deutschland

23

23.000

1.000

Böhmen

46

46.000

1.000

Polen

27

27.935

1.034

In den bekannten Transporten wurden also etwa 900 bis 1.000 Gefangene transportiert. Die gleichen Züge und Wagen, die ja für die Gefangenentransporte speziell eingerichtet waren, wurden auch für die übrigen Gefangenentransporte nach Auschwitz verwendet. Für diese übrigen Transporte ist die Anzahl der Reisenden nicht bekannt, es gibt nur Schätzungen; gleiches gilt weitgehend auch für die Zahl der Transporte. Prof. Jagschitz hat in seinem erwähnten Fachgutachten die ziemlich selbstverständliche Tatsache betont, daß »nicht jeder Zug nach Auschwitz Gefangene transportiert hat - ein bisher unbeachtetes Faktum[6]

Polen

Danuta Czech bzw. F. Piper haben 146 Transporte nach Auschwitz errechnet. D. Czech rechnete mit 5.000 Personen je Eisenbahnzug und somit mit über 600.000 Personen insgesamt.[13] Anderseits sagt Piper, daß der Durchschnitt nur etwa 2.000 betragen konnte. Sowohl Czech als auch Piper haben keinen Beweis für ihre Behauptung, es ist reine Raterei, um nicht noch härter zu urteilen.

Pressac seinerseits konnte nur 100 Züge von Polen nach Auschwitz finden und meint, daß die Züge nicht mehr als 1.000 bis 1.500 Personen fassen konnten, um anschließend mit der höheren der beiden Zahlen zu rechnen, wonach 150.000 polnische Juden nach Auschwitz deportiert wurden. Pressacs eigene Angaben geben ebenso große Veranlassung für die Schlußfolgerung, daß nur 100.000 polnische Juden nach Auschwitz deportiert wurden.[13]

Unter Berücksichtigung, daß alle bekannten polnischen Transporte nach Auschwitz - nicht weniger als 27 von 100 - durchschnittlich 1.034 Gefangene enthielten, ist selbstverständlich nur die Schlußfolgerung aufrichtig, daß die restlichen 73 Transporte ebenfalls je etwa 1.000 Gefangene umfaßten. Von den nach Auschwitz transportierten Gefangenen wurden nach Pressac 49.110 registriert, also nicht vergast. Von den insgesamt 27.935 Gefangenen der bekannten 27 Transporte mit jüdischen Gefangenen aus Polen wurden alle[!] später registriert ins Lager aufgenommen. Piper gibt an, daß sie nicht selektiert und demnach nicht vergast worden seien.[14]

Insgesamt wurden höchstwahrscheinlich also nicht 622.935 jüdische Gefangene aus Polen nach Auschwitz gebracht, wie nahezu ein halbes Jahrhundert lang von der Desinformationsabteilung des KGB durch Czech, Wellers und auch Piper bis in die 80er Jahren behauptet worden war. Auch nicht 300.000, wie Piper in den 90er Jahren behauptete, sondern nur etwa 100.000.

Ungarn

Die etablierten Holocaust-Skribenten haben sich in der Regel für Ungarn auf 438.000 deportierte Juden festgelegt.[15] Diese Zahl gründet sich teils auf das, was ein ungarischer Eisenbahnangestellter gezählt haben will, und teils darauf, was Hitlers Bevollmächtigter in Ungarn, Veesemayer, angegeben haben soll. Dieser Veesemayer wurde nach dem Kriege ermordet, ohne zu diesen Zahlen Stellung genommen zu haben.

Wellers gibt an, daß 87 Züge jeweils 5.000 Juden transportiert haben sollen, insgesamt also 438.000.[14] Danuta Czech gab 1964 an: 91 Züge mit je etwa 5.000 Juden, deportiert vom 2.5. bis zum 18.10.1944.[16] In der Ausgabe von 1989 des gleichen Kalendariums fand Danuta Czech nur 53 ungarische Züge mit immer noch je 5.000, insgesamt also etwa 250.000. Diesmal reicht die gekürzte Zeitspanne der Transporte vom 2.5. bis zum 11.7.1944.[16] Der zuvor erwähnte ungarische Eisenbahner gibt für die Zeit vom 15.5. Bis zum 8.7.1944 insgesamt 148 Züge mit je 3.000 Passagieren an, also ebenfalls 438.000 Deportierte.[16]

Dr. F. Piper hat in seiner Studie des Jahres 1991 53 Züge mit zusammen 438.000 Deportierten akzeptiert.[9] Im Sammelwerk von Gutman/Berenbaum von 1994 jongliert er die Zahlen anders: Er gibt 148 Züge mit je 3.000 Passagieren an, kommt also wieder auf insgesamt 438.000 Deportierte.

Pressac behauptet mit Bestimmtheit, daß Danuta Czechs Angaben von 1989 richtig sind. Auch wenn 148 Züge aus Ungarn abfuhren, so seien davon nur 53 mit jüdischen Gefangenen in Auschwitz angekommen. Der Rest sei in Arbeitslager ins Reich transportiert worden, »ohne in Auschwitz halt zu machen[17] Tatsächlich gibt es Hinweise auf größere Arbeiterkolonien deportierter Juden im Reich selbst.[18]

Pressac zeigt auch, daß von diesen ungarischen Juden nicht lediglich, wie allgemein behauptet, 28.000 registriert wurden, sondern daß weitere 25.000 ungarische Juden über die Zwischenstation Auschwitz-Quarantänelager in andere Konzentrationslager in Deutschland gebracht wurden, sowie daß weitere 20.000 bis 30.000 ungarische Jüdinnen über das selbe Quarantänelager in das KZ Stutthof bei Danzig verschickt worden waren, eine Tatsache, die lange in Jerusalem geheimgehalten worden sei.

Insgesamt wäre somit belegt, daß ungefähr 80.000 ungarische Juden vom 2. Mai bis zum 8. Juli 1944 in 53 Zügen nach Auschwitz gebracht wurden. Das ergibt eine Zahl von 1.500 Gefangenen pro Transport. Schon diese Zahl ist wesentlich höher als irgendein bekannter Durchschnittswert von Transporten aus anderen Ländern. Daß eine noch weitaus größere Anzahl Gefangener in den Transporten mitgeführt worden sein soll, muß als unrealistische und unfundierte Behauptung betrachtet werden. Tatsache ist, daß 262 dokumentierte Zugtransporte etwa 251.000 Gefangene nach Auschwitz gebracht haben, also weniger als 1.000 je Transport. Von den nicht dokumentierten 125 Transporten aus Polen und Ungarn wollen uns die Agenten des KGB für Desinformationen glauben machen, daß etwa 4.000 Gefangene pro Zug und in denselben Wagen transportiert worden sein sollen, also durchschnittlich das Vierfache der sonst üblichen Menge. Kein Historiker mit kritischem Denkvermögen darf dies widerspruchslos hinnehmen. Dies vor allem angesichts nicht gerade günstiger Randbedingungen: es muß nämlich berücksichtigt werden, daß die Loks auf dieser Strecke aus technischen Gründen nur 20 bis 25 Waggons ziehen konnten, da die Strecke nur Eingleisverkehr erlaubte, was der Länge des Zuges Grenzen setzte. Auf seinem Weg von der ungarischen Ebene nach Auschwitz mußte der Zug zudem das slowakische Hochgebirge der Karpaten mit seinen steilen und hohen Pässen überqueren, einer der anerkanntermaßen schwierigsten Strecken Europas. Zur Meisterung diese Strecke war es damals nötig, die Züge mit einem Doppellokgespann zu ziehen. All dies machte es unmöglich, die Züge mit mehr als den maximal zulässigen 20 bis 25 Waggons zu belasten.

Pressac lehnt die Behauptung von 438.000 nach Auschwitz deportierten ungarischen Juden total ab und meint, daß es nicht mehr als 160.000 gewesen sein können, da es unmöglich sei, mehr als 3.000 Gefangene je Zug zu transportieren. Dies sagt Pressac, obwohl er bezüglich der Transporte polnischer Juden sagt, daß diese Transporte jeweils nicht mehr als 1.000 bis 1.500 beinhalten konnten.[19] Trotzdem bringt Pressac später das Kunststück fertig zu behaupten, daß die maximale Anzahl Deportierter ungarischer Juden doch 240.000 betragen haben kann. Er begründet diese merkwürdige Überlegung damit, daß laut Zeugenaussagen in Auschwitz jeder dritte Ankömmling registriert, der Rest aber unregistriert vergast worden sei. Da Pressac 80.000 nach Auschwitz (bzw. über Auschwitz als Zwischenstation) deportierte und registrierte ungarische Juden aufspüren konnte, meint er, daß dann doppelt so viele, also 160.000, vergast worden sein müssen, daß also insgesamt 240.000 Juden aus Ungarn deportierte worden seien.

Tatsächlich ist das Problem einfacher: 28.000 ungarische Juden wurden in Auschwitz registriert und festgehalten, etwa 52.000 aber wurden zum Weitertransport in andere KL selektiert, was etwa zwei Drittel der Gesamtzahl ergibt. Pressacs auf viele Zeugenaussagen gründende Behauptung ist also völlig richtig - nur auf eine ganz andere Art: Die von den Zeugen beobachteten Selektionen dienten nicht zur Auswahl für die Gaskammern, sondern für den Weitertransport in andere KLs.

Griechenland

Laut Piper (in Gutman/Beerenbaum) wurden von März bis August allein aus Saloniki (Thessalien) 48.633 griechische Juden nach Auschwitz deportiert. Die exakte Zahl imponiert.

Von Griechenlands insgesamt etwa 65.000 Juden lebten bei Kriegsbeginn etwa 10.000 in Athen. Die beiden Städte Athen und Saloniki allein beherbergten somit damals fast 60.000 bzw. etwa 90% aller griechischen Juden. Andere Angaben sagen, daß in Athen und Saloniki mindestens 65.000 von Griechenlands 75.000 Juden lebten.[20]

Der schwedische Delegierte des Roten Kreuzes in Griechenland 1943/45 und spätere stellvertretende Generalsekretär der UN, Sture Linnér, als Deutschenhasser moralisch "unbescholten", schreibt am 6.7.1994 in Svenska Dagbladet:

»Dank dem aufopfernden Mitgefühl und Mut der Griechen gelang es mehr als der Hälfte der Juden aus Athen und den drei größten Städten Thessaliens, sich vor der Vernichtung zu retten.«

Linnér, Chefrepräsentant des Roten Kreuzes in Griechenland und späterer stellvertretender UN-Generalsekretär, beschäftigte sich im Auftrag des IRK besonders mit dem Schicksal der griechischen Juden Athens und Thessaliens. Man mag diese Zeugenaussage nun werten wie man will. An ihr vorbeigehen kann man nicht. Entsprechend den heutigen Gepflogenheiten des Jet Sets wäre sicher auch Linnér schnell bereit, den Deutschen ungeheure Verbrechen vorzuwerfen. Statt dessen aber berichtet dieser "objektive" Augenzeuge, daß etwa 30.000 der griechischen Juden vor der Deportation gerettet wurden.

Die Zahl der nach Auschwitz gebrachten Gefangenen

Laut Gutman/Berenbaum sind insgesamt 1.220.000 Gefangene nach Auschwitz gebracht worden.[21] Davon gehen ab:

Zuviel angegebene polnische Juden

200.000

Zuviel angegebene ungarische Juden

355.000

Zuviel angegebene griechische Juden

35.000

registrierte Gestorbene[22]

160.000

1940-43 Entlassene oder Weiterverschickte[23]

225.000

1944-45 Entlassene und "Befreite"[23]

198.000

Summe

1.173.000

Tatsächlich wurden also nur 1.220.000 - 590.000 (Summe der zu hoch angegebenen Zahlen) = 630.000 Gefangene nach Auschwitz gebracht, von denen etwa 400.000 im Lager registriert wurden. Von 583.000 der insgesamt 630.000 Häftlinge kennt man das Schicksal: Sie sind entweder verstorben, wurden weitergeleitet, während des Bestands des Lagers entlassen oder "befreit". Für etwa 47.000 Gefangene fehlen Angaben.

Ein genaueres Studium der Zahl der tatsächlich in andere Lager gebrachten Gefangenen sowie der aus der Slowakei, aus Serbien und von "verschiedenen anderen Lagern" überführten Gefangenen kann sicher die statistisch fehlenden ungefähr 4% der behaupteten Deportierten erklären.

Es scheint also, daß sich das Komitee des Internationalen Roten Kreuzes nicht irrte, als es im Jahre 1944 nach der Untersuchung verschiedener Konzentrationslager des Dritten Reiches, darunter Auschwitz und Buchenwald, schrieb:

»Wir konnten keine Spuren von Einrichtungen für die Vernichtung ziviler Gefangener entdecken.«[24]


Anmerkungen
[1]Yisrael Gutman, Michael Berenbaum Anatomy of the Auschwitz Death Camp, Indiana University Press, Bloomington 1994, S. 65f.
[2]Ebenda, S. 67; vgl. Jean-Claude Pressac, Auschwitz: Technique and Operation of the Gaschambers, Beate Klarsfeld Foundation, New York 1989.
[3]G. Wellers, Aus Politik und Zeitgeschichte, 28(30) (1978) S. 22-39.
[4]J.C. Pressac, Les crématoires d'Auschwitz, la maschinerie du meutre de masse, Édition du CNRS, Paris 1993, S. 147.
[5]Ders., Die Krematorien von Auschwitz. Die Technik des Massenmordes, Piper Verlag, München 1994, S. 202.
[6]Gerichtsverhandlung gegen Gerd Honsik Landesgericht für Strafsachen Wien, Az. 26b Vr 14.186/86, Protokoll vom 30.4.1992; vgl. Neue Ordnung, 2/92.
[7]Sonderstandesamt Arolsen (Hg.), Die Sterbebücher von Auschwitz, Saur, München 1995.
[8]J.-C. Pressac, Die Krematorien..., S.192ff.
[9]Franciszek Piper, Estimating the Number of the Deportees to and Victims of the Auschwitz-Birkenau Camp, Yad Vashem Studies, XXI, Jerusalem 1991.
[10]Danuta Czech, Kalendarium der Ereignisse im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau 1939 - 1945, Rowohlt, Reinbek 21989.
[11]Die Krematorien..., S. 200.
[12]Anatomy..., S. 414ff.
[13]Die Krematorien..., S. 196f.
[14]Anatomy..., S. 69.
[15]Als einziges Werk, daß sich mit der Materie eingehend beschäftigt hat, gilt meines Wissens Randolph L. Braham, The Destruction of Hungarian Jewry, New York 1963. Braham hat im Gutmann/Berenbaum einen analogen Beitrag geleistet.
[16]Die Krematorien..., S. 198. Das ungarische Zahlenchaos ist im Prinzip unbegrenzt. So stellte z.B. Gitta Sereny jüngst in einem Bericht über die Tätigkeit des Internationalen Roten Kreuzes aus der Kriegszeit fest, daß nicht etwa 438.000, sondern nur 380.000 Juden aus Ungarn deportiert wurden: USA Today, 2.5.1997.
[17]Ebenda, S. 199.
[18]Peter Bölke, »Der Führer und sein Tüftler«, Der Spiegel 45/19976, S. 138f., Rezension von Hans Mommsen, Manfred Grieger, Das Volkswagenwerk und seine Arbeiter im Dritten Reich, Econ, Düsseldorf 1996.
[19]Ebenda, S. 197.
[20]Hagen Fleischer in: Wolfgang Benz (Hg.), Dimension des Völkermords, Oldenbourg, München 1991, S. 248, Anm. 23.
[21]Anatomy..., S. 86-89.
[22]Die Krematorien..., S. 202.
[23]Anatomy..., S. 71 & 76, Anm. 75.
[24]Zitiert nach Svenska Dagbladet, 3.5.1997.

Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 1(4) (1997), S. 255-258.
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