Aus der Forschung

Von Dipl.-Ing. Michael Gärtner, Dr.-Ing. Andreas Niepel, Dipl.-Ing. Werner Rademacher, Dr. phil. Wolfgang Meier und Dr. jur. Franz Schumacher

In dieser Rubrik berichten wir über neue Ergebnisse unserer Arbeit und geben Hinweise auf neue Erkenntnisse. Wir bitten unsere Leser um rege Beteiligung durch Hinweise auf weitere Informationen. Wir bitten weiter um Quellenangaben, in denen Ergänzungen zu finden sind. Wichtig ist hierbei, wo sie zu finden sind. Großen Wert legen wir auf Veröffentlichungen aus den Jahren unmittelbar nach Kriegsende, auch in
Fremdsprachen (möglichst mit Übersetzungen). Wer unsere Tätigkeit unterstützen will, wende sich an den Verlag. Wir können nicht alle Dokumente beschaffen, von denen wir Kenntnis haben, weil uns das Geld dazu fehlt. Wer hierzu Schwerpunkte setzen will, gebe als Verwendungszweck jeweils nur die Buchstaben an, die am Anfang des jeweiligen Punktes genannt sind.


RI - Umdenken

Wir haben einen neuen Helfer gefunden. Er ist angesehener Richter im Amt, der nach vielen Gesprächen mit uns zu der Erkenntnis gekommen ist, das unsere Argumente wissenschaftlich richtig und schlüssig sind. Nicht zuletzt sorgten die Dokumente, die wir in Händen haben, für dieses Umdenken. Er ist inzwischen auch der Überzeugung, daß die Einschränkung der Meinungsfreiheit bei diesem Themenkreis grundgesetzwidrig ist.

Dieser aufrechte Jurist hat uns als erstes geraten, in Veröffentlichungen in Deutschland keine Rückschlüsse zu ziehen, die nicht aus der Wissenschaft kommen, die man selbst studiert hat. Wir gäben den deutschen Juristen, von deren Borniertheit er von diesen selbst überzeugt wurde, ohne Not Handhaben für Verurteilungen.

Diese honorige Persönlichkeit schwankte bezüglich der „Offenkundigkeit" zwischen seiner Pflicht, den Gesetzen zu folgen, und seinem Gewissen, das ihm bei Vorliegen neuer Beweise auferlegt, den Sachverhalt aufzuklären. Nach den ihm von uns bekannt gewordenen Dokumenten sieht er diesen Fall als gegeben an. Er weiß aber aus der Erfahrung anderer Richter, daß ein Beschluß zu einer ihm auch von den Gesetzen auferlegten Beweiserhebung in unserem Land jedenfalls das Karriereende, allenfalls die Vernichtung der beruflichen Existenz oder sogar mehr bedeutet. Obwohl er klar zum Ausdruck gebracht hat, daß von „Offenkundigkeit" beim jetzigen Stand der Forschungen keine Rede mehr sein kann, entschied er sich anders, nämlich für seine Familie. Wir achten seine Entscheidung, weil uns Märtyrer wenig helfen können. Er entschied sich aber, als Privatperson die erforderlichen Forschungen weiter zu betreiben. Er ist nicht der Erste, der diesen Weg geht und ihn wagt. Er ist jedoch der erste deutsche Richter, der mit uns das Thema ausdiskutierte und diese Diskussion nun fortsetzt.

Es ist seine Überzeugung, daß die Richter des Bundesgerichtshofes, verbissen nur ihrem 68er Denken folgend, in voller Absicht sich selbst den Weg versperrt haben, ergangene Fehlurteile, die die Meinungsfreiheit nach Artikel 5 des GG einschränken, grundgesetzkonform aufzuheben. Dazu könnten sie bald gezwungen sein, denn die Erkenntnis, daß sie eines Tages selbst für ihre jetzigen Rechtsbrüche zur Verantwortung gezogen werden können, ist ihnen jetzt noch nicht gekommen. Andererseits beweist ihr Umgang mit den Juristen der ehemaligen DDR die alten deutschen Sprichworte: »Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus« und »Pack schlägt sich, Pack verträgt sich«.

Im übrigen meint er, daß ein Mensch, der seine Schulbildung nicht vergessen hat, nach den Zug um Zug bekannt werdenden Fakten schon heute die richtigen Schlüsse ziehen kann, weil er die Grundgesetze der Naturwissenschaften gelernt hat und sie auch anwendet.


GT - Gasdichte Türen

Seit geraumer Zeit widmen wir diesem Thema besondere Aufmerksamkeit, da die von J.-C. Pressac veröffentlichten Photos derartiger Türen in Auschwitz erhebliche Zweifel an ihrer Tauglichkeit für solche Zwecke auslösten. Seit kurzer Zeit sind in den Händen unserer einschlägigen Fachleute Dokumente und Zeichnungen, die die letzten Vorbehalte beseitigten. Unsere Unterlagensammlung ist nun vollständig und belegt, daß es in Auschwitz - selbst an Entwesungsanlagen, die mit Zyklon B betrieben wurden - nach allen bekannten Dokumenten nie gasdichte Türen gegeben hat. Eine Fachveröffentlichung ist in Arbeit. Wir suchen noch aus dem Bereich des Luftschutzes Fachaufsätze über LS-Türen. Für Hinweise auf dem Weg über den Verlag, wo derartige Literatur zu finden ist, wären wir dankbar. Ideal wären Fotokopien mit Quellenangaben, auch Fotos solcher Türen könnten uns helfen.


UZ - Überlebenszeit

In ca. drei Jahren Freizeit haben wir das Kalendarium der D. Czech in akribischer Arbeit ausgewertet. Wir sind hierbei auf diverse Besonderheiten aufmerksam geworden, die wir nun zur Veröffentlichung bringen wollen. So hat es uns interessiert, wie lang ein Häftling in den Lagern überlebt hat, da z. B. Richter Dr. Jan Sehn in seinem Buch »KL-Auschwitz« von 1957, S. 70 zitiert: »..., daß ein Häftling nicht länger als drei Monate im Lager leben könne.« Da mit der Häftlingsnummer feststellbar ist, wann ein Häftling ins Lager kam, bedarf es nur anderer Angaben zur Bestimmung, wie lang ein Häftling mindestens im Lager war. Ein Beispiel: Der Häftling Nr. 765 verließ am 1.12.44 Auschwitz. Er wurde nach Buchenwald überstellt. Ins Lager kam er am 20.6.1940. Er war also an diesem Tag 4 1/2 Jahre in Auschwitz.

Nun hat das Archiv in Auschwitz eine Publikation über das Schicksal der ersten 1395 polnischen Häftlinge herausgegeben. Zu unserer Verwunderung stellte sich heraus, daß von 1.004 auswertbaren Personenangaben ca. 60 % das Lager lebend verlassen haben. Auch andere wissenswerte Schlüsse lassen sich ziehen. Diese Auswertung werden wir in Kürze vorstellen. Wir wollen unser Wissen jedoch noch vertiefen und bitten daher um Hinweise auf auswertbare Quellen.

Wir wissen natürlich, daß bei deutschen Behörden eine Unmenge Hinweise zu finden sind. Man achtet jedoch argwöhnisch darauf, daß aus diesen Quellen nichts bekannt wird. Warum wohl? Wer schreibt uns ein einfaches Computerprogramm für einen 75jährigen, der die bisher ca. 3.200 auswertbaren Karteikarten erstellt hat?


IRK - Comité International de la Croix-Rouge

Es ist uns gelungen, ein bisher völlig unbekanntes Buch des Internationalen Roten Kreuzes zu beschaffen. Titel: Vorläufiges Verzeichnis der Haftstätten unter dem Reichsführer-SS 1933-1945, Internationaler Suchdienst, Arolsen 1969. 1. Band. Inhalt: Auf 612 Seiten DIN A 4 (Querformat) sind in vierzehn Rubriken von den »KL« bis zum »Straflager im Emsland« alle Lager mit ihren wichtigsten Daten bekannt gegeben. Es fehlen lediglich die Häftlingszahlen. Vermutlich sind diese in einem weiteren Band erschienen, denn daß sie nicht bekannt waren, glaubt wohl niemand. Wer weiß von einer solchen Veröffentlichung? Die Auswertung dieses Werkes wird wohl einige Zeit dauern, aber wir werden berichten. Wer, mit einwandfreien Leumund, nennt uns einen Statistiker, der uns behilflich sein könnte?


SZ - Wie recherchiert wird!

In der SZ vom 6.11.1997 erschien der Artikel: »Es gibt noch viele die warten«. Demnach soll ein ehemaliger weiblicher Häftling von Auschwitz für 55 Monate geleistete Zwangsarbeit laut einem Urteil des Bonner Landgerichtes entsprechend entschädigt werden (Az.: 1 O 134/92). Wir haben die von dem Häftling laut Zeitungsmeldung gemachten Aussagen überprüft und kommen zu dem Ergebnis, daß einiges nicht stimmen kann. Es erscheint daher möglich, daß die 1. Zivilkammer des Bonner Landgerichtes ein Fehlurteil fällte!

Behauptung: Ein weiblicher Häftling hat angegeben, 55 Monate [= 4 Jahre, 7 Monate, d. Verf.] in Auschwitz in der »Union Metall Weichsel« Zwangsarbeit geleistet zu haben. Demgegenüber steht: (Nur rechnerisch geprüft!)

1. D. Czech stellt im Kalendarium fest,[1] daß die ersten weiblichen Häftlinge am 26.3.1942 nach Auschwitz gekommen sind. Wenn diese Frau mit diesen in Auschwitz ankam, arbeitete sie noch im Oktober 1946 in diesem Betrieb!

2. D. Czech berichtet weiter, daß die genannte Firma am 20.9.1943 ihren Betrieb in Auschwitz aufgenommen hat. Das bestätigen auch unsere Dokumente! Demnach arbeitete die Frau noch im April 1948 in der Firma. (Um Mißverständnisse zu vermeiden: D. Czech ist keine Revisionistin.)

Sie können den Artikel gegen DM 1,-- (Mindestspende) bei den Verfassern, über den Verlag anfordern und die weiteren Falschinformationen selbst suchen (bitte benutzen sie nicht das Wort Lüge, nur die Klägerin kann das wissen). In diesem SZ-Artikel steht auch: »[...] überlebte ein Arbeiter im Durchschritt drei bis vier Monate.« Kurz vorher werden z. B. aus den identischen Lagern »Buna« und »Monowitz« zwei verschiedene Lager.

[1]Danuta Czech, Kalendarium der Ereignisse im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau 1939-1945, Rowohlt, Reinbek 1989.

HF - Hochfrequenz-Entlausungsanlagen

Überraschend sind in einer weiteren Akte Dokumente über die transportable HF-Entlausungsanlage gefunden worden. Sie beschreiben auch sehr genau, wie ein Auftrag der Zentralbauleitung an die eigenen Häftlingswerkstätten abgewickelt wurde. Unter anderem werden Häftlinge nicht, wie häufig behauptet wird, nur mit ihrer Häftlingsnummer, sondern auch mit ihrem Familiennamen genannt. Das versetzt uns erstmalig in die Lage, sogar bei einer Veröffentlichung in den Heften von Auschwitz helfen zu können. Unsere angekündigte Veröffentlichung wird sich etwas verzögern.


SB. = Schonblock

Ein Leser aus Berlin hat uns das erste Photo eines Schonblockes zur Verfügung gestellt, das Häftlinge zusammen mit Soldaten der sowjetischen Armee vor einem solchen Block zeigt. Das Photo wird also aus dem Jahre 1945 stammen. Damit sind bereits Behauptungen im Frankfurter Auschwitz-Prozeß widerlegt, über die wir berichten werden. Ein weiteres retuschierten Photo, das wir aus einem Buch vorlegen werden, beweist, daß dieses Photo bekannt, aber „unerwünscht" ist. Weitere Hinweise aus älteren Büchern liegen uns vor. Diese belegen, daß es auch in den Nebenlagern derartige Schonblöcke gegeben hat. Wir bitten unsere Leser um weitere Hilfe! Vor allem sind solche Funde möglich in Büchern, die vor dem ersten Kalendarium der Ereignisse im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau 1939-1945 (D. Czech) erschienen sind.


R - Rampen und Anschlußgleise

Im Zuge unserer weiteren Auswertungen der Akten der Zentralbauleitung der Waffen-SS und Polizei, Auschwitz, haben wir die ersten Pläne sowie Akten der Deutschen Reichsbahn bearbeitet, die Auskunft über die genaue Lage dieser Anlagen geben. Dadurch werden sich viele offene Fragen klären lassen. So ist z. B. absolut sicher, daß schon 1942 die Rampe in der Umgebung des Bahnhofs errichtet wurde. Auch der Stand unseres Wissens über die Errichtung der Rampe in Birkenau im Jahre 1944 hat sich erheblich ausgedehnt. Vor einem ausführlichen Bericht sind jedoch noch umfangreiche Prüfungen notwendig.


Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 2(1) (1998), S. 54ff.
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