Revisionistisches aus unerwarteter Ecke

Können sich die Revisionisten bald auf die faule Haut legen?

Le Temps Irreparable

Die Revisionisten können sich womöglich bald am sonnigen Strand auf die faule Haut legen, denn ihre bloße Existenz verleitet ihre erklärten Feinde dazu, selbst in Aktion zu treten und die auffälligsten Unwahrheiten über die Ära des Zweiten Weltkrieges richtigzustellen.

Die hier wiedergegebene Geschichte ist recht banal. Ein Mann, der während der deutschen Besetzung Europas im Zweiten Weltkrieg in Gefangenschaft saß, zog sich eine wohlbekannte Krankheit zu, nämlich den Hunger nach Ruhm und Geld. Er spekulierte darauf, daß es in unserer Welt kein besseres Geschäft gäbe als das mit der Erinnerung. Es gibt einen großen Bedarf an Erinnerung, der Markt ist riesig. Um die Verkaufszahlen anzukurbeln, bedarf es bekanntlich eines Gemisches aus Sex, Gewalt und Blut.

Man nehme nun einen gewöhnlichen Australischen Kriegsgefangenen (genannt "Digger"), der im australischen Hinterland ein miserabel gehendes Kaffeegeschäft hat. Nachdem er auf den Geschmack gekommen ist, wird er unersättlich. Er schreibt seine Memoiren. Soweit so gut, aber er braucht mehr Stoff und greift daher auf obiges Rezept zurück. Er fügt unsinnigerweise hinzu, er habe an den Krematoriumsöfen in Auschwitz und Bergen-Belsen gearbeitet, den berühmtesten unter den berühmten. Damit hatte er den Mega-Tod-Faktor, der die ganze Sache sexy machte.

Ein anderer australischer Schriftsteller, Thomas Keneally,[1] benutzte bekanntlich für seinen Roman über Schindler das gleiche Rezept. Jeder, der ein wenig Ahnung vom behandelten Thema hat, merkt natürlich diesen Schwindel. Es handelt sich dabei um eine übliche Art des Schwindels. Diese armen Burschen sind nicht etwa notorische Lügner; sie passen sich vielmehr den Anforderungen des Marktes an. Herausgeber, Verlage, Ghostwriter, Berater und Lektoren wissen, wie man ein Manuskript "verbessert".

Sie alle kennen die verfügbare Literatur, die mir Horrorgeschichten, Blut, Elend, Hunger und Übertreibungen angefüllt ist. Die Glaubhaftigkeit einer "neuen" biographischen Erzählung hängt von ihrem Gehalt an solchen Beigaben ab. Man könnte Hunderte und Aberhunderte derartiger "Dokumente und "authentischer" Romane zitieren. Paul Rassinier, der selbst in deutschen Lagern eingesessen hatte, war mit der erste, der diese Art halbfiktiver Erzählungen über das Leben in den Lagern untersuchte und kritisierte.[2] Der moderne Holocaust-Revisionismus hat in diesen tiefgehenden objektiven und kritischen Untersuchungen von Zeugenberichten und Erinnerungen seine tiefsten Wurzeln. Und es gab eine gewalttätige und lärmende Koalition verschiedener Interessengruppen, die an dem Ausbau und der Erhaltung einer mystischen Annäherung an das Thema interessiert sind und die den Revisionismus massiv angreifen und zu diskreditieren versuchen.

Auch wenn diese Koalition immer noch aktiv ist, so wurden doch inzwischen immer mehr ihrer Vertreter durch die Forschungen der Revisionisten blamiert. Nun auf einmal wollen sie anscheinend die gröbsten Dummheiten selbst entfernen, die nach ihrem Gefühl den Revisionisten in die Hände spielen. Bereits in seiner ausfallenden Attacke gegen Professor Faurisson aus dem Jahre 1980 hat Prof. Pierre Vidal-Naquet in den Fußnoten viele Hinweise gegeben, womit er zu verstehen gab, daß Teil der KZ-Literatur tatsächlich Unrat sei.[3] Dies hat andere ermutigt, die sich nun langsam aus dem Unterholz hervorwagen. Der folgende Auszug eines australischen Artikels zeigt, daß der Kampf zwischen den Feinden des Revisionismus bereits begonnen hat. Dies ist eine Wiederholung des Goldhagen-Syndroms: Die Forscher, die sich als Wächter des heiligen Tempels ausgeben und den ultimativen Schutzwall bilden, der die Gaskammern vor allzu neugierigen Fragen schützen soll, befinden sich im Kampf mit ungebildeten Verlegern, ignoranten Journalisten und gerissenen Zentralratsführern, die sich einen feuchten Kehricht um die geschichtliche Wahrheit kümmern,[4] die öffentliche Meinung terrorisieren und sich jeder moralischen Kritik entziehen wollen, um ungehemmt ihre politischen Ziele zu verfolgen.

Weitere Kommentare befinden sich hervorgehoben in Klammern im Text.

Nun wird es Zeit, sich am Strand auf die faule Haut zu legen. (1.10.1997)


The Weekend Review, The Weekend Australian, 29./30. März 1997:

Ein Australier in Auschwitz

Der schlapphütige Donald Watt zog mit Gewehr, Bajonett und Granate in den Krieg. Aber es ist ein Rätsel, als was er zurückkehrte. Dieses Rätsel entstand durch Watts Anstrengungen, nach einem halben Jahrhundert aus seinem Gedächtnis die Geschichte hervorzukramen, wie ihn die Deutschen wegen seiner mehrfachen Flucht aus Kriegsgefangenenlagern bestraften.

Watt behauptet, sie hätten ihn dafür in ein Sonderkommando gesteckt, um an den Öfen von Birkenau zu arbeiten, der berüchtigtsten Mordmaschinerie der Geschichte [...]. Seine 1995 erschienene Autobiographie Stoker wurde ein Bestseller und machte aus Watt eine Heldenfigur. Er wurde bei Veteranentreffen und Gedenkveranstaltungen gefeiert, einschließlich der 50. Siegesfeier in der Oper von Sydney.

Womöglich gibt es darüber auch bald einen Film. Tristram Miall Films Pty Ltd, eine Filmgesellschaft aus Sydney, bereitet zur Zeit einen Film auf der Grundlage von Watts Geschichte vor. Barrie Kosky, einer der bekanntesten australischen Theater- und Operndirektoren, wurde als Mitautor des Drehbuches gewonnen.

Aber als Watts Geschichte nach drei Auflagen in Australien durch ihre Publikation in Großbritannien und einer zeitgleich geplanten Veröffentlichung in Deutschland weltweit bekannt wurde, wurde die Zuverlässigkeit seiner Erinnerungen, insbesondere die Auschwitz betreffenden Passagen, von Holocaust-Forschern aus Israel, Deutschland, Polen und Australien angezweifelt.

Der 78-jährige, gesundheitlich angeschlagene Watt wurde daher zum Zentrum einer weltweiten Kontroverse, bei der sowohl die Kritiker als auch die Verteidiger Watts gleich vehement darüber streiten, ob Watt nun in Auschwitz interniert war oder nicht.

»Ich kenne Donald nun seit über zwei Jahren und er ist ein prächtiger Mann«, sagt seine Agentin Marnie Bates. »Er hat keinen Grund, irgend etwas zu erfinden.« [Es sei denn Ruhm, Ehre und Tantiemen in Millionenhöhe. Der Verf.] Aber die Zweifler sind angesehene Holocaust-Forscher. Ihre Kritiken an der Geschichte des Soldaten können nicht einfach übergangen werden.

Watts Beschreibungen sollen in wichtigen Details falsch sein, angefangen beim Aufbau des Lagers bis zum Brennstoff, der zur Verbrennung von Millionen Menschen in die Öfen geschaufelt wurde.[5] Auch sein Bericht über die Art, wie er in Auschwitz ankam, machte die Forscher skeptisch, da dies nicht damit übereinstimmte, wie die Nazis Menschen in die Lager transportierten.

Gideon Greif von der Bildungsabteilung von Yad Vashem in Jerusalem, dem wichtigsten Holocaust-Museum und -Forschungszentrum der Welt, meint:

»Nachdem ich die zwei Kapitel [von Watt über Auschwitz] gründlich gelesen hatte, konnte ich mit Sicherheit sagen, daß der Autor niemals Mitglied des Sonderkommandos in Auschwitz-Birkenau war. Es ist sogar zweifelhaft, ob er überhaupt jemals dort einsaß.«

Der Direktor der Dokumentationsabteilung des Fritz-Bauer-Institut in Frankfurt, Werner Renz, stimmt mit Greif überein. »Die vielen Fehler im Kapitel sechs und sieben zeigen, daß Watt nicht im Sonderkommando gewesen sein kann«, sagt Renz.

Greif, der von vielen seiner Kollegen als Experte bezüglich der Geschichte des Sonderkommandos von Auschwitz-Birkenau angesehen wird, ist der Autor des Buches Wir weinten tränenlos,[6] in dem seine ausgiebigen Interviews mit Überlebenden des Sonderkommandos wiedergegeben werden. Er nimmt sich Watts Geschichte Satz für Satz vor. Auszüge:

»Die Darstellung, daß die täglich ankommenden Juden, Zigeuner, Kommunisten usw. immer direkt in die Gaskammern gesandt wurden, ist schlicht falsch. Die Nichtjuden wurden nicht als ganze Gruppe in die Gaskammern geschickt, es gab Selektionen, sowohl unter den Juden als auch unter den Nichtjuden. [...] Es ist falsch, daß die Züge täglich ankamen. [...]

Er schreibt, daß er nicht viel über die Krematorien eins und vier sagen kann, weil er dort nie gearbeitet habe. Die Mitglieder der Sonderkommandos kannten aber ausnahmslos jedes Detail dieser Gebäude sehr genau. [...]

Nach seiner Erzählung waren die Kapos die tatsächlichen Herren im Lager. Das war tatsächlich aber nicht der Fall, da diese selbst Gefangene waren. Dies ist eine der absurdesten Darstellungen in dem Buch. [...][7]

Der Autor schreibt, daß die Zahl der Mitglieder des Sonderkommandos im Sommer 1944 von fast 1000 auf etwa 200 sank. Er gibt dafür keinen Grund an. Der Grund dafür war die für den Aufstand des Sonderkommandos verhängten Strafmaßnahmen, die er überraschenderweise nicht erwähnt. Im Laufe dieser Strafmaßnahmen wurden Hunderte der Sonderkommando-Mitglieder getötet. Der Autor scheint das nicht zu wissen. [...] Er schreibt, er habe den Aufstand als Zeuge miterlebt. Aber seine Beschreibung des Aufstandes ist voller Fehler. [...]

Mit seiner Darstellung des Frühstücks beweist Watt, daß er noch nicht einmal weiß, was die Sträflinge des Sonderkommandos zu Essen bekamen. [...] Er beschreibt seine Arbeit als Heizer an den Öfen, erklärt aber, daß er nicht wußte, was da verbrannt worden sei. Nach seiner Beschreibung würde man annehmen, daß alle Gaskammern und Krematorien unterirdisch lagen. Aber nur zwei hatten Kellerräume. [...] Er schreibt, daß er von Kollegen gehört habe, daß früher Kohlenmonoxid an Stelle von Zyklon B zur Tötung der Opfern verwandt worden sei. Kohlenmonoxid wurde in Auschwitz nie verwendet. [8...] Es ist nicht wahr, daß die Krematorien von Auschwitz-Birkenau um die Uhr arbeiteten. [9...] Er schreibt, daß die Leichen von den Gaskammern zu den Krematorien mit Lastwagen gebracht wurden. Absolut falsch.[10] Wer immer so etwas schreibt, war niemals Mitglied einer Sonderkommando-Einheit.«

Watts Geschichte wurde von einem Konzentrationslagerkomitee so gründlich wie möglich überprüft. Der Vorsitzende Konteradmiral Neil Ralph blieb danach zuversichtlich bezüglich der Wahrhaftigkeit von Watts Erzählung. »Erinnerungen ändern sich. Aber ich habe keinen Zweifel, daß das, was Watt behauptet, wirklich geschehen ist«, sagt Ralph. Ralph war einer der Personen, die Watt im Auftrag des Komitees dazu ermunterten, seine Erlebnisse als eine Art Therapie niederzuschreiben.

Eine weitere Person war Suzanne Blake, die früher in der Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit des Jüdischen Museums in Sydney arbeitete, wo Watts Buch 1995 erschien. »Pro Kopf hat Australien nach Israel die größte Anzahl an Holocaust-Überlebenden«, sagt Blake. »Ich sagte, komm, treff' dich mit ihnen und besuche das Museum.« Einige der Überlebenden, mit denen sich Watt traf, einschließlich Lotte Weiss, die drei Jahre im Frauenlager in Auschwitz verbrachte, gaben gegenüber The Weekend Review an, sie hätten keinen Grund, seine Geschichte anzuzweifeln. »Was er im Buch schreibt stimmt exakt mit dem überein, was er mir erzählte«, sagt Weiss.[11]

Das Ralph-Komitee wurde 1987 von der australischen Regierung beauftragt, spät aufgetauchte Behauptungen australischer Kriegsveteranen zu untersuchen, die angaben, sie seien als Kriegsgefangene in Arbeitslagern, nichtmilitärischen Gefängnissen und Konzentrationslagern festgehalten worden. In Watts Fall empfahl die Kommission die höchste mögliche Wiedergutmachung, und 1990 schrieb der damalige Minister für Veteranenangelegenheiten Ben Humphreys:

»Ich bin erfreut, daß Ihnen $10,000 als Wiedergutmachung für die in den Nazi Konzentrationslagern erlebten Schrecken bewilligt worden sind.«

Das völlig Fehlen von Dokumenten über Watts Verbleib seit Mitte 1944, als er aus dem Kriegsgefangenenlager Stalag 13 C in Bayern entkam, bis ins Frühjahr 1945, als er zu einer vorrückenden britischen Einheit bei Hannover Kontakt aufnahm, kümmerte das Komitee nicht sonderlich.

»Bedenken Sie die Zeiten und die Buchführung,« sagt Ralph. »Watt war ein flüchtiger Gefangener. In einigen Fällen gab es Akten über die Abwesenheit von einem Lager, aber meistens gab es keine Akten über den Verbleib von Häftlingen oder von ihrer Überstellung insbesondere in Konzentrationslager. Die Deutschen waren nicht scharf darauf zuzugeben, daß Kriegsgefangene an solchen Plätzen waren [...] Er war dreimal geflohen, so daß es angesichts der Erfahrung, die andere gemacht haben, nicht überraschend ist, wenn er eine Dosis Konzentrationslager bekommen hat.«

Watt sagt, er habe während sieben dieser dokumentenlosen Monate die öfen von Birkenau befeuert. Er behauptet, ein Mitglied des Sonderkommandos gewesen zu sein, das, gemäß den Aussagen der Holocaust-Forscher, in erster Linie aus arbeitsfähigen jüdischen Männern bestand, die gezwungen wurden, bei dem Mord an den vielen nach Auschwitz geschickten Opfern und deren Entsorgung zu helfen. Ihre Arbeit bedeutete zugleich, daß sie zuviel wußten, was die Nazi-SS anbelangte. Ihre mittlere Lebenserwartung betrug ungefähr zwei Monate, nach denen sie ebenfalls getötet und eingeäschert wurden.[12]

Die Naziarchive sind unvollständig, wie alle Fachleute angeben. Viele Akten gingen verloren oder wurde vernichtet. [...] Dennoch stellte sich bei der Gründung des Staatlichen Auschwitz Museums im Jahre 1965 heraus, daß die Archive bezüglich Auschwitz umfassender sind, als man gedacht hatte. Das Museum hat z.B. Unterlagen über Weiss, nicht aber über Watt. Weiss aber war nur eine von Millionen von Juden. Watt dagegen, ein australischer Soldat, der in Nordafrika und auf Kreta gekämpft hatte, war ein Einzelfall.

Franciszek Piper, Forschungsdirektor des Museums, führte dazu aus:

»Es gibt keine einzige Quelle, die bestätigen würde, daß es unter den Gefangenen des KL Auschwitz einen britischen Staatsangehörigen aus Australien gab, insbesondere daß ein solcher Gefangener Mitglied des Sonderkommandos war [...] Im Text [von Watts Buch] fand ich ein Stück Information, das aus der Literatur geborgt wurde, dort aber als Erfahrung des Autors ausgegeben wird. Bestimmte wiederholte Angaben sind ebenfalls überholt, wie etwa die Ermordung von 450 Gefangenen, die für die Arbeit im Sonderkommando ausgesucht worden waren [...] Bei einer kritischen Untersuchung kommen sofort Zweifel auf, ob der Autor von Stoker wirklich ein Zeuge der von ihm beschriebenen Ereignisse war.«

[...] Zweifellos hat er gelitten, als er in die Hände der Gestapo und anderer Nazi-Behörden fiel, einschließlich Folter durch Daumenschrauben. Die von ihm beschriebene Art, wie er in Auschwitz behandelt wurde, ist eigenartig, aber sein ganzer Fall ist eigenartig. Er ist somit eine eigene Art Herausforderung für jene, die seine Geschichte bezweifeln. Watt kann nicht jenseits aller Zweifel beweisen, daß er in Auschwitz war. Aber seine Herausforderer können auch nicht das Gegenteil beweisen.

Watt gibt zu, das er Fehler beging, als er seine Memoiren schrieb. So hat er inzwischen seine Behauptung zurückgenommen, er habe Menschengaskammern im Lager Bergen-Belsen in Aktion gesehen, nachdem Forscher darauf hingewiesen hatten [unter dem Druck revisionistischer Forschungsergebnisse], daß es dort keine Gaskammer gab. Aber er bleibt im wesentlichen bei seiner Geschichte.

Watt lebte recht ruhig nach dem Kriege [...]. Seine Entscheidung, seine Kriegserlebnisse mit anderen zu teilen, wurde durch das 1987 geschaffene Konzentrationslagerkomitee ausgelöst. »Ich war auch da« sagte Watt leise zu seiner Frau Joan [...] Er schreibt:

»Ich habe bisher niemandem davon erzählt, weil ich jede Minute davon haßte. Ich wollte noch nicht einmal daran denken. Ich konnte nicht glauben, was ich dort sah. Es verfolgte mich mein ganzes Leben lang, und ich dachte nicht, daß mir irgend jemand glauben würde.«

Als Watts Buch veröffentlicht wurde, äußerte Professor Konrad Kwiet, Direktor des Zentrums für vergleichende Völkermordforschung an Sydneys Macquarie Universität und Berater der australischen Regierung in Sachen Kriegsverbrechen, private Zweifel an seiner Richtigkeit. Anfang 1996 nahm er zum Fritz Bauer Institut Kontakt auf, das zudem von einem deutschen Verlag gebeten worden war, das Manuskript zu prüfen.

Im Laufe seiner Untersuchungen, die zu der vernichtenden Kritik der Fritz-Bauer-Forscher führten, nahm das deutsche Institut zu Yad Vashem Kontakt auf, das eine ähnlich skeptische Analyse vorlegte. Anschließend begannen Kwiet und einige seiner Studenten eigene Untersuchungen.

Wissenschaftler vom Fritz-Bauer-Institut und anderen Institutionen heben hervor, daß Watt angibt, er lange bevor er angeblich nach Auschwitz transportiert worden sein soll, in der bayerischen Stadt Hammelburg einen Zug gesehen, der vollgeladen war mit jüdischen Frauen und Kindern, die alle einen gelben Davidstern auf ihren Kleidern trugen - zu einem Zeitpunkt lange vor dem deutschen Erlaß, daß Juden einen gelben Stern zu tragen haben und lange bevor Judentransporte über Hammelburg liefen.

Später beschreibt Watt seinen Aufenthalt in Belsen, wo er sah, wie Juden in die Gaskammern geschickt wurden und in von russischen Kriegsgefangenen gegrabenen Massengräbern bestattet wurden. Das Problem ist, daß es in Belsen keine Gaskammern gab. Nach Auskunft der Wissenschaftler finden sich ähnlich frappierende Fehler in seinen Berichten über Auschwitz. Unter denen, die Kwiets Student Darren O'Brien zusammentrug, befinden sich z.B. jene: ein Heizer im Sonderkommando hatte die Aufgabe, Leichen zu kremieren, nicht das Feuer zu schüren; die Krematorien wurden mit Koks beheizt, nicht mit Holz; im Krematorium II, in dem Watt gearbeitet haben will, befand sich ein Koksraum, den er aber nicht erwähnt; und seine Erzählung über den Aufstand des Sonderkommandos im Oktober 1944 weicht in so ziemlich jeder Hinsicht von den Aussagen anderer überlebender Zeugen ab.

In einem Artikel über diese und andere Dinge schreibt O'Brien:

»Verdrehungen und Unmöglichkeiten tauchen auf [...] in der Umgebung des Krematoriums will Watt keine Schuhe getragen haben. Angesichts der Möglichkeit, sich zu verletzten, wäre das schierer Selbstmord gewesen. Behauptungen werden aufgestellt bezüglich Wachen, die den Häftlingen das Essen stehlen und über hungernde Gefangene im Sonderkommando. Keine dieser Behauptungen lassen sich stützen. Deutsche Wachen [...] waren wohlgenährt.

Zudem war die Versorgung der Mitglieder des Sonderkommandos weit besser als der anderen Häftlinge.«

Im Oktober 1996 schrieb O'Brien Watt wegen dieser Dinge an. In seiner Antwort bestritt Watt anfangs, er habe von Gaskammern in Belsen berichtet - aber noch am gleichen Tag schrieb er erneut:

»Ich habe mein Buch soeben wieder gelesen und kam dabei auch zu der Stelle wo ich die Gaskammern in Belsen erwähnte.[13]

Als ich das Buch 50 Jahre danach schrieb, verließ ich mich auf mein Gedächtnis. Nachdem ich in Auschwitz-Birkenau war, habe ich gedacht, daß es auch in Belsen eine Gaskammer gegeben haben muß wegen der Leichen, die in Gruben geworfen wurden.«

Als Antwort auf O'Briens andere Frage führte Watt aus, in den letzten zwölf Kriegsmonaten sei in Auschwitz mit Holz gefeuert worden, da die Deutschen Koks für andere Verwendungen reserviert hatten; und daß er nicht wie die anderen Häftlinge eine eintätowierte Nummer im Arm habe, »da ich ein australischer Kriegsgefangener war, zudem könnte man sagen ein politischer Kriegsgefangener.« Die Gefangenen wurden nicht durchgehend tätowiert.

»Ohne Zweifel glaubt er, daß er dort war«, meint O'Brien, der zudem anmerkt, daß Watt 40 Jahre lang nicht gewagt hat, seine Memoiren niederzuschreiben. Auf dieser Grundlage sei es nur fair anzunehmen, daß sein Gedächtnis sich im Detail wie in der Grundstruktur geändert habe.

John Attenborough, leitender Direktor der australischen Niederlassung von Watts Verlag, Simon and Schuster, meint, das Manuskript sei »von verschiedenen Kreisen sehr sorgfältig« geprüft worden, bevor es in Australien publiziert worden sei. Darin eingeschlossen sei das Internationale Rote Kreuz, Das Ralph Committee, das Holocaust Museum in Sydney, und das Jüdische Museum in Sydney. Das Buch sei 10.000 bis 20.000 mal in Australien verkauft worden.

[...]

Watts Agentin Bates gibt an, daß ihr Klient die Kritiken an seiner Geschichte kenne. Sie verweigerte uns aber dennoch in seinem Namen ein Interview, da ihr Klient durch einen Vertrag mit Tristram Miall Films gebunden sei, wonach jedes Medieninterview genehmigt werden müsse. Außerdem sei er zu schwach, um zu seiner eigenen Verteidigung auszusagen. »Er hat das Buch geschrieben, er hat seine Geschichte erzählt, und er will, daß es dabei bleibt« sagt Bates. »Ich habe das Buch gelesen und glaube an das, was Don sagt. Warum sollte er das erfinden?«[14]


Anmerkungen

Zuerst publiziert am 1.10.1997 auf http://www.vho.org/aaargh/fran/revu/revu.html. Der australische Artikel von Brian Woodley wurde vom Adelaide Institute (PO Box 3300, Norwood 5067 Australia) im Internet veröffentlicht unter http://www.adelaideinstitute.org/adins.html und im Newsletter des Instituts, Nr. 58, Juli 1997.
[1]Am Anfang von Thomas Keneallys Roman Towards Asmara liest man: »Thomas Keneally fing 1964 an zu schreiben. Seine Romane umfassen [...] Schindler's Ark (der 1982 den Booker Preis gewann und von dem mehr Exemplare verkauft wurden als von jedem anderen Booker Preis-gewinner davor oder danach).« Dieses Buch erschien 1989, hat aber ein Copyright von 1988. Das obige Zitat stammt aus der 1990er Ausgabe von Coronet (Hodder & Stroughton), lange bevor sein 1982er Roman in einen Spielberg-Spielfilm unter dem Titel Schindlers Liste umgewandelt und dem Weltpublikum als Wahrheit vorgestellt wurde, was er nicht ist. Keneally hat eine Technik entwickelt, aus der Realtität Tatsachen auszuborgen, um daraus eine Fiktion zu kreieren. In seinem Buch über die Erythräischen Guerillas, das der Autor schrieb, nachdem er Erythrea und den Sudan besucht hatte, besteht er darauf, daß seine Darstellungen keine Realittät sind. Er schreibt: »Sie sind nur des Autors ärmliches Abbild von diesen Leuten.« (p. 11) Dieser Ausdruck ist gut und könnte weit über Keneallys Figuren ausgeweitet werden: Ärmliche Abbilder...
[2]P. Rassinier, Die Lüge des Odysseus, K.-H. Priester, Wiesbaden 1959; ders., Das Drama der Juden Europas, H. Pfeiffer, Hannover 1965; ders, Was ist Wahrheit?, Druffel, Leoni 81982)
[3]Pierre Vidal-Naquet, Un Eichmann de papier. Anatomie d'un mesonge, Maspéro, Paris 1980.
[4]H. Galinski, »Wir geben den Weg zu einer schrankenlosen Geschichtsdiskussion nicht frei.«, zitiert nach: Blätter für deutsche und internationale Politik, 1/1987, S. 20-24.
[5]Daß in diesen Öfen selbst nach herrschender Auffassung niemals »Millionen« hätten verbrannt werden können noch wurden, scheint den Autor des Beitrages nicht zu interessieren. Bei Zahlen ist man schließlich großzügig, wenn sie Deutschland belasten bzw. andere nicht belasten.
[6]G. Greif, Wir weinten tränenlos, Böhlau, Köln 1995.
[7]So absurd allerdings auch wieder nicht, wenn man liest, was Paul Rassinier über den Terror der Kapos berichtete, vgl. Anm. 2.
[8]Dies ist nicht falsch, es ist lediglich ein Gerücht. Die Revisionisten haben seit langem nachgewiesen, daß auch die Verwendung von Zyklon B zur Menschentötung ein Gerücht der selben Art ist.
[9]Nun ja, viele Personen auf seiner Seite behaupten dies aber, um zu versuchen, die geringen Kohlenmengen zu erklären, die für den Betrieb der Krematorien benötigt wurden.
[10]Eine neuartige Erfindung, in der Tat.
[11]Dies beweist die Konsistenz der Lüge.
[12]Dies ist freilich nur ein Mythos, der durch all die Augenzeugen des Sonderkommandos widerlegt wird, die weitaus länger als diese Zeit lebten, vgl. besonders Filip Müller, in seinem Buch Sonderbehandlung, Steinhausen, München 1979.
[13]Dies ist vielleicht ein Hinweis darauf, daß das Buch umgeschrieben und mit gräßlichen Zusätzen frisiert wurde, wie so viele andere Bücher auch.
[14]Ja, warum wohl? $10.000 Wiedergutmachung, $10.000-$20.000 Tantiemen in Australien, vielleicht viel mehr noch in Großbritannien und den USA, Filmverträge, Ruhm, Ansehen, und das alles, ohne rechtlich belangt werden zu können, denn die Verfolgten von damals darf man ja heute nicht schon wieder verfolgen.


Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 2(1) (1998), S. 38.


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