Einige Anmerkungen zu jüdischen Bevölkerungsstatistiken

Von Dr. Jozef Pawlikowski

Bezüglich der Eruierung jüdischer Opferzahlen während des Zweiten Weltkrieges sollte man die von den Ländern Mittel- und Osteuropas publizierten demographischen Daten mit Skepsis behandeln und sich statt dessen mehr auf die von jüdischen Vereinigungen selbst gelieferten Zahl beziehen. Seit undenkbaren Zeiten sind nämlich die Daten, die Demographen von der Bevölkerung in diesen Ländern erhalten, trügerisch und immer „politisch korrekt".

Ich selbst bin in Polen aufgewachsen. 1959 war ich als Student während einer Volkszählung tätig. Ich ging von Haus zu Haus und von Wohnung zu Wohnung, um durch die Befragung der einzelnen Familien Antworten auf meine langen Fragelisten zu erhalten. Je nachdem, welcher Volksgruppe die befragte Familie angehörte, verliefen derartige Befragungen ganz verschieden.

Die Volkszählung unter den Polen

Durch meinen Akzent und meine Verhaltensweisen wußten die Polen, daß ich einer der ihren war. Als ich meine Fragen stellte, lachten wir in uns hinein und versuchten herauszufinden, wie wir die da „oben", d.h. die von der polnischen Geheimpolizei Urzad Bezpieczenstwa gestützte Diktatur, am besten belügen könnten. Weder dem einfachen Volk noch mir kam in den Sinn, ihnen die Wahrheit mitzuteilen.

Die ganze Volkszählung artete daher für mich und meine Landsleute mehr in eine Verarschung des verhaßten Regimes aus.

Die Volkszählung unter den Ukrainern

Wenn man das Haus von Ukrainern betrat, so bemerkte man dies an dem Schmuck in ihren Häusern, an Ikonen oder an

ihrem Östlichen Akzent. Ich wußte sofort, daß sie mich als ihren Feind ansehen würden. Ich machte Ihnen umgehend höflich klar, daß ich als Antworten eintragen würde, was immer sie wollten, daß ich nur meinen Job erledigen würde und daß ich ihnen nicht schaden wollte. Demgemäß trugen sich viele als ethnische Polen ein, und es war offensichtlich, daß einige von ihnen ein falsches Alter angaben, um Verfolgungsmaßnahmen zu vermeiden. Damals wurden die Ukrainer von den Polen als Klassenfeinde und bourgeoise Faschisten angesehen. Ich schätze, daß sich nur etwa 20% aller Ukrainer als solche registrieren ließen, wohingegen 80% als Polen gezählt wurden.

Die Volkszählung unter den Juden

Auch wenn ich die Wohnung oder die Villa eines Juden betrat, wurde ich von den Bewohnern als ein Klassenfeind betrachtet. Bar jeder Höflichkeit wurde ich in die Küche geleitet. Sie standen hinter mir und sahen mir beim Schreiben zu. Sie korrigierten meine Einträge, wenn ich nachlässig war oder wenn sie gerade ihre Meinung geändert hatten. Viele forderten mich auf, ihnen die Fragebögen ihrer Mitmenschen zu zeigen. (Während der Einweisung war uns verboten worden, Dritten die ausgefüllten Fragebögen anderer zu zeigen.) Ohne murren habe ich ihnen gezeigt, was immer sie wünschten. Selbstverständlich trugen sie sich alle als Polen ein.

Woher ich wußte, daß sie Juden im „Polen ohne Juden" waren?

Die obigen Angaben beruhen letztlich nur auf wenngleich begründeten Schätzungen, zumal fast alle, die ich für Juden hielt, polnische Vor- und Nachnamen besaßen, obwohl einige Vornamen besaßen, wie man sie bei Juden häufiger findet. Viele von ihnen

- waren Warschau geboren;

- hatten aufgrund eines langjährigen Aufenthalts in Rußland einen russischen Akzent;

- arbeiteten für die Regierung;

- besaßen vergoldete Zahnkronen (eine russische Mode);

- besaßen eine anmaßende Verhaltensweise;

- wohnten in teuren Wohnungen;

- besaßen keine katholischen Symbole, was im erzchristlichen Polen sehr ungewöhnlich war;

Es war damals in Polen illegal, antisemitische Gefühle zu äußern, und man konnte niemals sicher sein, was einem alles als Antisemitismus ausgelegt werden konnte - eine Situation, die mit dem heutigen Deutschland inklusive Österreich vergleichbar ist. Wichtiger aber ist, daß die meisten von ihnen als potentielle Agenten der polnischen Gestapo angesehen wurden, von denen man befürchtete, daß sie einen beim kleinsten Muckser inhaftieren würden. Spätestens seit John Sacks Buch Auge um Auge dürfte klar sein, daß tatsächlich viele Juden im Nachkriegspolen im Geheimdienst ihr Unwesen trieben (NB: Auch der deutsche Literaturpapst Marcel Reich-Ranitzki gehörte dazu).

Als Kinder hatten wir immer Angst, am großen Gebäude des Geheimdienstes in der Sienkiewicza Straße vorbeizugehen. Wir umgingen statt dessen den ganzen Block. Jüdische Angelegenheiten wurden damals weder in der Schule noch im Radio oder in den Zeitungen behandelt (damals gab es noch kein Fernsehen in Polen). Offiziell gab es keine Juden in Polen, aber unsere Eltern lehrten uns, wie wir sie erkennen konnten und wie wir es vermieden, sie zu reizen, da wir sonst „bei der Eisbärenjagd in Sibirien" enden würden.

Die Volkszählung vor dem Zweiten Weltkrieg

Ich wurde während des Zweiten Weltkrieges geboren. Mir wurde allerdings berichtet, daß sowohl die meisten Ukrainer, Weißrussen als auch Litauer und besonders die Juden ihre ethnische Herkunft zu verschweigen trachteten, um Verfolgungsmaßnahmen vorzubeugen. Viele Juden hätten sich statt dessen als polnische Katholiken ausgegeben, auch um bessere Chancen bei der Berufswahl und in bezug auf ihre Besteuerung zu erlangen.

Zusammenfassend sollte bewußt werden, daß Volkszählungen besonders in Osteuropa immer durch ethnische Konflikte verzerrt wurden. Daher ist es ziemlich nutzlos, die bei derartigen Erhebungen gewonnenen Daten zu analysieren.

Aus den gleichen Gründen sollte man auch die von den Nationalsozialisten erstellen Demographien über die Juden nicht für stimmig halten.

Schlußfolgerung

Die Polish Historical Society (PHS) verwendet für ihre Untersuchungen grundsätzlich nur bevölkerungsstatistische Daten aus jüdischer Quelle, auch wenn diese auf andere Weise verzerrt sind.

Vor langer Zeit schon entschied sich PHS, sich nur noch auf von jüdischen Vereinigungen erstellte Bevölkerungsstatistiken zu berufen und sie mit ihren eigenen Waffen zu schlagen. Wir wissen nicht, wie viele Juden 1939 in die Sowjetunion flohen, und wir versuchen auch nicht, dies herauszufinden. Unserer Meinung nach ist dies unmöglich. Was wir aber machen können, ist, Behauptungen heranzuziehen, die 1954 von jüdischen Organisationen bei einer Anhörung vor dem US-Kongress gemacht wurden. Während dieser Anhörung wurde behauptet, daß die Sowjets etwa 1 Million Juden, die aus Westpolen in die von den Sowjets besetzten Teile Ostpolens geflohen waren, nach Sibirien deportiert hatten. Von diesen seien etwa 500.000 aufgrund Überarbeitung und allerlei Entbehrungen in sibirischen Lagern gestorben. (Treatment of the Jews by the Soviets, 17th Interim Report of Hearings before the Select Committee on Communist Aggression, House of Representatives, 83rd Congress, New York, 22./23.9.1954, vgl. W.N. Sanning, Die Auflösung des osteuropäischen Judentums, Grabert, Tübingen 1983, S. 35ff.) Es handelte sich dabei um polnische sozialistische Juden. Zwei ihrer Führer, Victor Adler und Henryk Ehrlich, wurden 1942 durch ihre Glaubensgenossen beim NKWD erschossen, weil sie sich weigerten, einer polnisch-kommunistischen Marionettenregierung zuzustimmen.

Natürlich wird dieser „Mini"-Holocaust heute totgeschwiegen und von der Propaganda für den „Maxi"-Holocaust beerdigt. Man sollte aber von dieser Zahl des „Mini"-Holocaust ausgehen und von dort aus extrapolieren.


Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 2(1) (1998), S. 36f.
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