»Ein Kommentar ist an dieser Stelle überflüssig«

Wie mit alter Sowjetblock-Propaganda Zeitgeschichte manipuliert wird

Von Knud Bäcker

1. Einleitung

Siegfried Verbeke und Ernst Gauss haben bereits auf das wissenschaftsferne Aufklärungsbuch »In Auschwitz wurde niemand vergast - 60 rechtsradikale Lügen und wie man sie widerlegt« von einem Markus Tiedemann hingewiesen und Kritik geübt.[1] Dabei wurde offenbar nicht bemerkt, daß es sich dabei unzweifelhaft um eine linksextreme Antifa-Agitprop-Schrift handelt, welche alte Sowjetblock-Geschichtsthesen, unter dem Mantel wissenschaftlicher Bildungsarbeit, in die schulische Jugendaufklärung und in die Erwachsenenbildung der BRD einführen will. In fast allen Stadtbibliotheken steht schon das Tiedemann-Buch in den Regalen.

Nach der in der Bundesrepublik Deutschland geschaffenen Gesetzeslage ist die Öffentliche kritische Hinterfragung von angeblich zeitgeschichtlichen Offenkundigkeiten zur Judenverfolgung des Dritten Reiches verboten und wird mit Haftstrafe bedroht. Dagegen kann jetzt jeder Anhänger von antidemokratischen und totalitären Weltanschauungen, unter dem Schutzmantel des bürgerlich-demokratischen Gesetzes, alte Propagandabehauptungen aus der sowjetischen Greuelhetze und aus antiwestlichen Ostblockkampagnen als Geschichtswahrheiten verbreiten. Die linken Agitations-Propagandisten nutzen daher die ihnen gebotenen Spielräume, um unter aufklärerischem pädagogischen Tarnmantel Hetzthesen in die Köpfe unaufgeklärter Bürger zu schleusen, die ein sogenanntes antifaschistisches Bewußtsein, die Staatsideologie der untergegangenen Sowjetblock-Staaten, in der bürgerlich-demokratischen Gesellschaft erzeugen sollen. Mit dem linkslastigen Meinungsschutz, der die Verbreitung von sowjet-kommunistischer Greuelpropaganda erlaubt und gleichzeitig die wissenschaftlich-geistige Abwehr dieser Zersetzungspropaganda verbietet, läßt der demokratische Staat seine eigene Unterminierung zu und wandelt sich so langsam zu einem totalitären, geistesknebelnden Regime um. Schon 1931 höhnte der Sowjetideologe und langjährige Leiter der kommunistischen Sowjetinternationale Manuilsky: [2]

»Die kapitalistischen Länder, stupide und dekadent, werden mit Vergnügen an ihrer eigenen Zerstörung arbeiten.«

Mit einem Beispiel aus dem Tiedemann-Buch, soll die Methode des Einschleichens der sowjetischen Antifa-Propaganda in die Zeitgeschichtswissenschaft aufgezeigt werden.

2. Zeig mir Deine Freunde und ich sage Dir, wer Du bist

Tiedemann ist eine studentische Hilfskraft für Philosophiedidaktik an der Uni Hamburg bei Prof. Dr. phil. E. Martens. Seine Bewunderung gilt einem Fritz Brinkmann, »dem als ehemaligen Häftling des Konzentrationslagers Neuengamme die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes wegen seiner kommunistischen Vergangenheit von der Stadt Hamburg abgelehnt worden ist.« [3]

Eine weitere Beziehung zu Antidemokraten und deren wissenschaftlich getarnter Agitationspropaganda beweist Tiedemann in seinem Vorwort. Dort bezieht er die Position der linksextremen Sowjet-Antifa und stellt den sogenannten Antifaschismus der DKP, der ehemaligen SED und deren Subsysteme scheinbar als herrschende BRD-Staatsdoktrin hin, die er als selbsternannter politischer Kommissar gegen bürgerliche Geschichtsforscher, seine ausgewiesenen politischen Feinde, mit einer Unterstellungsdiffamierung verteidigen will. Im Sinne der altbekannten sowjetproletarischen Kampflosung »Und willst Du nicht meiner Meinung sein, dann schlag ich Dir den Schädel ein« schwingt er die Faschismuskeule gegen jene Wissenschaftler, die nicht länger bereit sind, politische Propaganda-Thesen als Geschichtstatsachen zu akzeptieren:

»Trotz Geschichtsstudium mit Schwerpunkt auf der Zeit des Nationalsozialismus war ich nicht in der Lage, die Pseudowissenschaftlichkeit eines Remer-Reports ad hoc zu widerlegen. Ich beteuerte lediglich, daß es sich um Lügen handele, die Gegenbeweise mußte ich jedoch schuldig bleiben.«[4]

Tiedemann weiß genau, daß er vom Gutachten des Diplom-Chemikers Rudolf spricht, welches u.a. auch vom deutschen Wehrmachtsveteran, Generalmajor a. D. und Verleger national-konservativer Schriften Remer verbreitet wurde. Da Remer als »angesehene Person im rechtsextremen Spektrum« in einem linksextremen und PDS-nahen Antifa-Handbuch angeprangert wird,[5] bekommt also das unbequeme Chemie-Gutachten des konservativen Rudolf, gemäß linksextremistischer Feindbildmarkierung, das Etikett »rechtsextrem« angeklebt, was über die Propaganda-Bezeichnung »Remer-Report« erfolgt. Tiedemann hat keine Chemie studiert und kann daher das Gutachten auch nicht ad hoc als »pseudowissenschaftlich« abqualifizieren, wie er es gerne getan hätte. So nimmt er, gemäß seines vorgefaßten politischen Dogmatismus, zum alten Agitprop-Trick Zuflucht und stellt das, was ihm nicht in den Kram paßt, dreist und wider besseren Wissens, als Lügen dar:

»[...] habe ich damit begonnen, meine Erfahrungen mit revisionistischer Propaganda zu dokumentieren und den Geschichtsfälschungen historische Quellen entgegenzustellen, durch die sie eindeutig widerlegt werden.«[6]

»Das Ergebnis meiner Bemühungen umfaßt die Auseinandersetzung mit 60 revisionistischen Lügen, die alle kurz kommentiert und durch unbezweifelbare historische Quellen widerlegt werden.«[7]

»Während meiner Material- und Literatursuche fiel mir auf, daß sich bisher kaum ein Historiker dazu herabgelassen hat, ganz konkret rechtsextreme Geschichtsverfälschungen durch Quellenarbeit zu entlarven.«[7]

»Zum anderen sollte jenen, die Revisionismus gezielt und professionell betreiben, offensiv begegnet werden. Zwar glaube ich nicht, daß ein Buch wie das meinige in der Lage ist, solche Menschen von ihrer menschenverachtenden Politik- und Geschichtsauffassung abzubringen, aber es ermöglicht, sie zu entlarven und ihr Betätigungsfeld einzuschränken. Es gilt unmißverständlich klarzumachen, mit welchen Tricks und mit welcher politischen Absicht hier geschichtliche Fakten gefälscht oder geleugnet werden.«[8]

Mit »Propaganda« bezeichnet also dieser Linksextreme, verächtlich und abwertend, die Veröffentlichung ihm unbequemer bürgerlicher Forschungsergebnisse, die nicht in sein Weltbild passen. Schon der Sowjetschriftsteller Friedrich Wolf, KPD-Agitprop-Aktivist in den 30er Jahren und Vater von SED-Kulturchef Konrad und Stasi-Boß Markus Wolf (heute PDS Ältestenrat), prägte für seine Genossen das psychologische Kriegsrezept »Wort ist Waffe«.[9] Auch ein Erich Goldhagen machte 1980 darauf aufmerksam, daß die Sowjethistoriker und ihre Adepten sich von unwissenschaftlichen Propaganda-Methoden leiten lassen:

»Der Historiker muß die Vergangenheit in Übereinstimmung mit Richtlinien darstellen, die von der obersten politischen Autorität geliefert werden. Er hat als ein Ingenieur menschlicher Seelen zu dienen, als ein Propagandist, der die Toga der Gelehrsamkeit trägt, als ein Handwerker, der einen Beitrag zu der nie endenden Aufgabe leistet, den Geist der Bürger in den Fesseln der Orthodoxie zu halten. Objektivität ist nicht ein anzustrebendes Ideal, sondern eine bourgeose Härsesie, vor der man sich hüten soll. Sofern von der festen Hand der Partei geführt, ist der Historiker in ihren beständigen Kämpfen ein unschätzbarer Helfer.«[10]

»Die Öfen der Zwillingskrematorien II und III im Bau, links Häftlinge bei der Arbeit«, laut D. Czech, aaO. (Anm. 12), S. 115.

»Ein Bild der Öfen, aufgenommen, als diese noch in Betrieb waren.«, laut O. Kraus/E. Kulka, Die Todesfabrik, Kongress-Verlag, Ostberlin 1957/58, S. 64.

Tiedemann unterstellt also böswillig den »revisionistischen Lügnern und Propagandisten mit ihrer menschenverachtenden Geschichtsauffassung«, daß sie keine »Quellenarbeit mit unbezweifelbaren historischen Quellen« betreiben würden. Die offenbare »Pseudowissenschaftlichkeit der Geschichtslügner« versucht er dagegen wie ein GPU-Tschekist zu »entlarven«, indem er ihnen mit »Quellenarbeit« entgegentreten will. Seine Bewaffnung mit vermeintlich unschlagbaren, unwiderlegbaren historischen Quellen droht der Antifa-Kämpfer, nach dem alten Agitprop-Rezept »steter Tropfen höhlt den Stein«, mehrmals an.

Was immer man von diesem selbsternannten Geschichts-Wissenschaftler und politischen Agitator halten mag, so muß diesem jungen Quellen-Gläubigen und eifrigen Linksextremen, der sichtbar die »Geschichtswissenschaft als Waffe« im politischen Kampf benutzt, nun etwas zu seinen »unwiderlegbaren Quellen« entgegnet werden, was ihn vor zukünftigen Peinlichkeiten bewahren kann. Dazu sollten auch die Feststellungen eines unverdächtigen Historikers und erstrangigen Sowjet-Politikers - zur Situation der historischen Wahrheitsfindung aus politischen Quellen-Archiven - im VffG-Artikel »Vor dem Lesen vernichten« zur Kenntnis genommen werden (vgl. nächste Ausgabe).

3. Eine »unwiderlegbare« Agit-Prop-Quelle

Auf Seite 100 seines Buches stellt Tiedemann »Lüge Nr. 35 Konzentrationslager „Ja, es gab Gaskammern, aber sie wurden nie benutzt"« mit seiner Quellenwiderlegung vor. Zuerst wird den Revisionisten eine so niemals aufgestellte Behauptung unterstellt. Sodann widerlegt Tiedemann diese angebliche Behauptung nur mit einem Bild und einer mißzudeutenden Bildunterschrift, um dann in Agitprop-Manier sich selbst auf die Schulter zu klopfen, vgl. Abbildung 1. Seine gefundene »unwiderlegbare Quelle« läßt er in ihrer vermeintlichen Beweiskraft für sich selbst sprechen und verzichtet daher auf weitere, offenbar nicht mehr notwendige Erklärungen:

  1. »"Ja, es gab Gaskammern, aber sie wurden nie benutzt."«
  2. Darunter als Beweis-Quelle ein Bild mit vier Ofenbatterien mit je 3 geschlossenen Eisentüren. Bildunterschrift: »Die Öfen der Zwillingskrematorien II und III in Auschwitz. Links im Bild: Häftlinge bei der Arbeit«
  3. »Ein Kommentar ist an dieser Stelle überflüssig«[11]

4. Kritik der »unwiderlegbaren« Quelle und Gegenthesen

Es soll wohl mit dem Zeigen eines Bildes, auf dem mehrere Krematoriumsöfen abgebildet sind, der unumstößliche Beweis für die Existenz von Gaskammern erbracht worden sein. Nach der Tiedemann'schen Denkmethode besagt dieser Kurzschluß also: „Wo mehr als ein Krematoriumsofen zu sehen ist, müssen logischerweise Gaskammern das Einäscherungsgut vorher produziert haben." Trotz der offenkundigen Unhaltbarkeit einer solchen Schlußfolgerung soll nachfolgend Tiedemanns These und die Herkunft des Ofenbildes näher untersucht werden.

4.1. ES GAB GASKAMMERN UND SIE WURDEN AUCH BENUTZT

  1. Tiedemann verschweigt seine Quelle, nach der von Revisionisten behauptet wird, daß vorhandene Gaskammern angeblich nicht benutzt wurden.
  2. Die revisionistische Forschung ist sich dagegen sehr einig darüber, daß es Gaskammern gab und daß diese auch benutzt wurden. Zahlreiche Fachbücher unterrichten über die Gaskammern in den Entlausungs- und Desinfektionsanlagen der Konzentrations- und Arbeitslager. Auch über die Kammerjäger-Aktionen zur Schädlingsentwesung befallener und verseuchter Häftlingswohnbaracken und Lagerhallen mittels des blausäurehaltigen Schädlingsbekämpfungsmittels »Zyklon B« gibt es gutes Quellenmaterial.[12]
  3. Von der revisionistischen Forschung wird lediglich die Existenz von »Menschgaskammern« bestritten, u.a. weil zahlreiche chemische Untersuchungen am Gemäuer der behaupteten »Menschengaskammern« sowie ingenieurstechnische Untersuchungen an Plänen der besagten Räume und an deren baulichen Überresten keinerlei Beweise für die Existenz derartiger Räume erbrachten. Das als »Remer-Report« bezeichnete chemische Fachgutachten wurde von dem deutschen Diplom-Chemiker Rudolf erstellt.[13] Schon vorher kamen amerikanische Wissenschaftler zu ähnlichen Erkenntnissen. Siehe dazu die Fachliteratur.[14]
  4. Das Rudolf-Fachgutachten konnten bisher nicht wissenschaftlich widerlegt werden.[15]

4.2. DIE EXISTENZ EINES KREMATORIUMS BEWEIST KEINE "MENSCHENGASKAMMERN"

  1. Statt „Menschengaskammern" zeigt Tiedemann ein Bild mit angeblichen Krematoriumsöfen.
  2. Tiedemann gibt keinen Quellenhinweis auf den Maler oder den Fotografen des Bildes an. Zur Kerkunft führt er zwar auf S. 183 das Auschwitz-Museum an, aber seine Bildunterschrift beweist klar, daß er Text und Bild nur aus zweiter oder dritter Hand übernommen hat. Nach seiner Liste »Literaturvorschläge« auf S. 180f. kann man aber vermuten, daß Danuta Czechs Kalendarium...[12] oder Till Bastians Auschwitz und »Auschwitzlüge«[16] die ungeprüfte Vorlage bildeten.

4.3. ZUR HERKUNFT DES BILDES

Nachfolgend wird eine zeitlich rückschreitende Auswahl von Publikationen inklusive beigefügten Untertitelungen bzw. Erläuterungen aufgeführt, in denen dieses Bild auftauchte. Anhand dessen läßt sich nachvollziehen, wie dieses Bild schrittweise durch retouschenhafte Verbesserung bis zum »Foto-Dokument« in der Sowjetblock-Propaganda hochstilisiert wurde.

Oben: Die Krematoriumsöfen im KL Buchenwald, laut O. Kraus, E. Kulka, Tovàrna na smrt, Orbis, Prag 1955, Die Armaturen sehen hier freilich etwas anders aus als in den zuvor gezeigten Bildern, vgl. Text.

 

 

 

Rechts: Gemälde in oben genanntem Buch. Die Ausschmückung derartiger Bücher mit Gemälden, die großzügig zu »Dokumenten« erklärt werden, ist offenbar üblich.

4.4. BUCHENWALDER OFEN ALS VORLAGE?

Das hier behandelte Agit-Prop-Ölbild mit dem Motiv »Birkenauer Krematoriumsöfen im Bau« enthält drei Fehler. Der Buchenwalder 3-Muffelofen diente als Motiv und Vorlage.

5. Ein Ölbild mit technischen Fehlern
oder eine Fotoaufnahme von fehlerhaften Filmkulissen?

Nach dem Buchenwalder Foto eines 3-Muffelofens in der Prager Ausgabe des Kulka-Buches von 1955 wurde dann offensichtlich 1956 das wie ein Foto wirken sollende Bild der „Birkenauer Krematoriumsöfen" für die deutsche Ausgabe Kraus/Kulkas Die Todesfabrik gezeichnet. Bei späteren Reproduktionen wurde das Ölbild durch verschiedene Retuschen und Übermalungen bis zum »Foto-Dokument« verbessert, wobei man erkennbare technische Einzelheiten des Buchenwalder 3-Muffelofens, wie Scharniere, Schließvorrichtungen, Ofentüren und Rahmen korrigierte und dann auch als »SS-Foto von 1943« ausgab.

Trotz der Verbesserungen bis zum Foto-Eindruck lassen sich noch drei nichtbehebbare Fehler aus der Ölbild-Vorlage bei den polnisch-kommunistischen Propagandisten Buszko, Piper, Czech und ihren deutschen Genossen Bastian und Tiedemann erkennen.

5.1. DAS FEHLENDE ABKLAPPBARE ROLLENGESTELL AN DEN OFENTÜREN FÜR DIE HOLME DER LEICHENTRAGEN

In Auschwitz wurden Verstorbene im Krematorium auf eine Muldentrage mit Holmen gelegt. Am Ofenrahmen war eine Gleitschiene befestigt, auf der ein klappbares Rollengestell zwischen den 2 oder 3 nebeneinanderliegenden Ofentüren hin und her geschoben werden konnte. Das Rollengestell wurde an einem Handgriff vor eine geöffnete Ofentür gezogen und auf den unteren Ofentürrahmen aufgeklappt, so daß die beiden Rollen im Türrahmen aufgerichtet wurden. Auf den verschiedenen Abbildungen der Buchenwalder Öfen ist dieses Rollengestell und die Führungsschiene gut zu erkennen.[27] Auf diese Laufrollen wurden die Holme gesetzt und so die Muldentrage mit dem Einäscherungsgut in den Ofenraum eingeschoben. Mit gegabelten Eisenstangen wurde das Einäscherungsgut im Ofen fest- und zurückgehalten, während die Holmtrage darunter leer über die Rollen wieder herausgezogen wurde. Danach wurde das Rollengestell aus dem Ofenrahmen geklappt und die Ofentür verschlossen.

Der typische Topf Doppelmuffel-Einäscherungsofen in der Kriegsversion für KLs: Sarglose Beschickung durch geholmte Muldentragen über klappbare Rollengestelle auf materialschwachen Führungsstangen. Aschekastenmulden vor den Aschetüren und Führungsschienen für den Aschekastenabtransport durch Kastenkarren wurden wegen Materialmangels nicht eingebaut. Bei 10-stündigem Dauerbetrieb konnten in dieser Doppelmuffel-Anlage mit Gasgenerator 12 bis 14 Verstorbene täglich eingeäschert werden. (aus Baum, Anm. 26f))

Diese Arbeitsweise an den Birkenauer Einäscherungsöfen ist von der sowjet-polnischen Untersuchungskommission 1945 in Auschwitz im Bild dokumentiert worden. Mehrere Fotos zeigen Mitglieder der Kommission beim Besichtigen eines am 26.1.1945 gesprengten Doppel-Muffelofens des Birkenauer Krematoriums mit eingeschobener Holmtrage. Ein Bild mit dem besichtigenden Dekan von Canterbury wurde in der Prager Kraus/Kulka-Ausgabe von 1955 gezeigt, in den Ostberliner Ausgaben von 1957 und 1958 fehlt das Bild und in der Prager Auflage 1964 wurde es erneut abgebildet. Auch bei Buszko befindet es sich im Bildteil der dt. rororo-Ausgabe von 1980. Bei Danuta Czech Kalendarium...,[12] Seite 994, wird die Vorderansicht des gesprengten Doppelmuffelofens mit verbeulter Muldentrage und gegabelten Rückhaltestangen gezeigt. Um die Rollenführung der geholmten Muldentrage zu demonstrieren, hat das Auschwitzmuseum ein primitives Rollengestell mit zwei Schrauben fest an den Restofentürrahmen anmontieren lassen. Eine Schließung der Ofentür wäre aber bei einer derartigen unbeweglichen Konstruktion nicht möglich gewesen. Auch der Kibbuz-Maler David Olère hat eine Krematoriumsinnenansicht gezeichnet, wobei ihm als Vorlage der Buchenwalder 3-Muffelofen diente.[28] Olère zeigt an einem Ofen richtig die Gleitschiene mit heruntergeklapptem Rollengestell. Auch die gegabelten Rückhaltestangen fehlen in seiner Zeichnung nicht. Der Maler hat aber offensichtlich nicht die Funktionsweise des Rollengestells erkannt, denn an einem anderen Ofen läßt er zwei Häftlinge vor einer geöffneten Ofentür je das Ende einer Stange halten - vermutlich mit einer aufgeschobenen Rohrrolle -, über die ein dritter Krematoriumsarbeiter, wacklig und führungslos, eine gefüllte Muldentrage einschiebt, statt das vorhandene Schiebegestell mit Führungsrollen zu benutzen.

Und genau diese technische Notwendigkeit hat die Kunstmalerin Gottliebová auf ihrem Ölbild in der Ostberliner Kraus/Kulka-Ausgabe Die Todesfabrik von 1957 vergessen.

Nun könnten Herr Tiedemann oder andere Schlaumeier entgegnen: Ein Teil der Bildunterschrift lautet »Häftlinge bei der Arbeit«. Das bedeutet, daß sie nicht als Leichenverbrenner tätig sind, sondern, wie man an den umherliegenden Baumaterialien und Geräten feststellen kann, daß sie als Handwerker noch am Ausbau des Krematoriums arbeiten. Die fehlende Rollenanlage wurde bestimmt später angeschweißt.

Dieses Argument kann leicht entkräftet werden. Im gleichen Jahr und im gleichen Verlag erschien Bruno Baums Widerstand in Auschwitz.[29] Vor Seite 81 wird ebenfalls eine Krematoriums-Innenansicht mit 5 3-Muffelöfen gezeigt. Jedoch wird das Ofenpanorama von der anderen Seite gezeigt: Die Öfen erscheinen auf der linken Seite. Kein Baumaterial liegt umher, die Schmalspurgleise für den Antransport von Steinen und Beton sind entfernt, der Boden ist mit einer glatten Estrichschicht belegt, alles sieht fertig aus. Dieses Bild mit der linksseitigen Ansicht des Ofenpanoramas will offensichtlich den betriebsbereiten Zustand der Anlage zeigen. Bildunterschrift im DDR-Antifa-Stil: »Verbrennungsöfen in Auschwitz für die durch Gas Getöteten.« Die Rollenanlage fehlt aber. Sie wurde also nicht nachträglich noch angeschweißt. Das Bild ist ebenfalls ein Öl-Gemälde und scheint aus der gleichen Quelle zu stammen wie das rechtsseitige Ofenpanorama im Kulka-Buch. Die Kunstmalerin Gottliebová hatte offensichtlich kein technisches Verständnis, um die Notwendigkeit der Rollenanlage zu begreifen.

5.2. WEITERE SICHTBARE KONSTRUKTIONSFEHLER

Das Ölbild enthält in der Kulka-Ausgabe von 1957 noch zahlreiche Fehler gegenüber dem Vorlagefoto des Buchenwalder Ofens aus der Prager Kulka-Ausgabe von 1955.

Auf den Bildern mit den gesprengten Ofenmuffeln läßt sich die Ofenkonstruktion noch erkennen. Ein Rahmen aus Profileisen und Spannstangen bildete das Gerüst, an welches die Ofentüren angeschraubt und in welches die feuerfesten Steine eingepackt wurden. Die Laschen an den Metallstreben dienten als Endhalterung für die Verschraubungen der Verbindungs- und Spannstangen.

»Angebliches Krematorium in Auschwitz«, nach A.R. Butz, aaO. (Anm. 21), S. 304. Man beachte die Vorsicht, mit der Butz dieses Dokument vorstellt!

Die meisten und gröbsten Fehler wurden von späteren Bildbearbeitern erkannt und getilgt, so daß das Bild bei Danuta Czech im Kalendarium...[12] schon fast wie ein echtes Foto aussieht.

5.3. DIE KUNSTMALERIN DINA GOTTLIEBOVÁ HATTE EINEN SCHLECHTEN BLICK FÜR PERSPEKTIVEN

Auf dem Ölbild bei Kraus/Kulka (Ostberlin 1957/58) und auf dem »Foto« bei Tiedemann 1996 sind grobe perspektivische Verzerrungen im rechtsseitigen Ofenpanorama erkennbar. Die vorderste gemauerte Ofenanlage ist rechtsbündig an den nachfolgenden dachtragenden Betonpfeiler gesetzt worden. Die Vorderseite der Ofenanlage und des Pfeilers sind in ihrer ganzer Breite und in gleicher Front sichtbar. Die nachfolgenden Pfeiler werden jedoch von den vorspringenden Ofenkanten verdeckt. Beim vierten Ofen von rechts ist mehr von seiner Seitenwand zu sehen als bei dem vorherigen, näher am Betrachter liegenden Ofen. Daher scheint er weit vor die Front der übrigen Öfen gerückt zu sein. Die Öfen erscheinen daher nicht bündig in einer Flucht mit den Pfeilern gesetzt, sondern sind offenbar vorspringend, versetzt aufgestellt worden. Bei dem preußisch-militärischen Ordnungssinn der SS-Bauleitung und der damaligen deutschen gradlinigen Bauweise, die durch die bei Pressac vielfältig wiedergegebenen Baupläne bestätigt werden,[30] kann aber nicht von einer krummen Baufluchtlinie oder von chaotisch frontversetzten Baukörpern ausgegangen werden. Der Fehler liegt bei der Kunstmalerin. Um das übermalte, verbesserte Ölbild als »SS-Foto von 1943« ausgeben zu können, hat Piper den verräterisch weit vorspringenden vierten Ofen in seiner Abbildung einfach abgeschnitten und weggelassen. Pipers betrügerische Absicht geht auch aus seiner Bildunterschrift hervor: »Jeder der fünf Öfen (die Aufnahme zeigt drei)[...]« - Nach der sowjet-polnischen Methode des PMO-Pipers wird also aus einem beschnittenen Ölbild eine Fotoaufnahme. Andere Bildbearbeiter haben in späteren Bildwiedergaben die scheinbar verputzten Ofenseitenwände durch Mauersteinornamentik ersetzt oder sie in undurchsichtiges Dunkel getaucht. Die Kunstmalerin hatte offenbar bei der Wiedergabe technischer Anlagen künstlerische Freiheiten walten lassen mit einem Knick in der Optik.

Oben: Dina Gottliebová: »Eines der vier Krematorien«, nach O. Kraus/E. Kulka, Die Todesfabrik, Kongress-Verlag, Ostberlin 1957/58. Man beachte die versetzte Fluchtlinie der Dachrinne vor und hinter dem Kamintrakt.

Unten: Ausschnitt aus dem gleiche Bild, grob gerastert zur Vortäuschung eines Fotodokumentes, in diess., Prag 1964 .

Diese perspektivischen Unsicherheiten lassen sich auch auf anderen Bildern der Gottliebová erkennen. Kraus/Kulka bringen in der Ostberliner Ausgabe von 1957/58 nach Seite 64 ein Ölbild mit einem Gebäude im deutschen Landhausstil mit steilem Dach, Schleppgaupen und mit der Unterschrift: »Eines der vier Krematorien.« Die Malerin hatte sich offenbar in ihrer Häftlingsfreizeit einen Malerwinkel aussuchen dürfen, um ein schönes deutsches Stilbauwerk auf ihre Leinwand bannen zu können. Nach dem Krieg müssen dann Kraus/Kulka bei einem Treffen ehemaliger Auschwitz-Häftlinge davon erfahren haben. Eine kräftig nachgemalte Rauchsäule auf dem Schornstein hat dann aus dem Stilbauwerk eine Krematorium gemacht. Auch hier ist die perspektivische Unsicherheit der Dina G. erkennbar. Ein Blick oder ein Lineal auf den Dachfirst oder an die Dachrinne gelegt, zeigt den linken Gebäudeteil, der hinter einem winklig vorspringenden Anbau mit Schornstein noch sichtbar ist, als niedrigeren angebauten Schuppen oder kleine Hundehütte. Dieser perspektivische Knick wurde auch von den Agitprop-Autoren erkannt. Daher wurde dieses Bild in der Prager Ausgabe von 1964 als grobgerasterte Ausschnittvergrößerung, wie ein vergrößertes Zeitungsfoto, abgebildet. Der verräterische Hausteil, der mit der Dachfirstlinie der vordergründigen Hausansicht perspektivisch nicht übereinstimmt, wurde abgeschnitten und weggelassen. Bildunterschrift: »Kresba budovy krematoria«

Auch bei dem anderen Ölbild - linksseitiges Ofenpanorama - aus dem Kongress-Verlag 1957 lassen sich die gleichen perspektivischen Fehler wie auf dem rechtsseitigen Ofenpanorama-Bild erkennen. Darüber hinaus sind hier die Öfen an die linke Seite der Betonpfeiler herangerückt. Die Aschetüren erscheinen wie herausziehbare Kästen mit Mittelknauf. Das Bild scheint aus der gleichen sowjet-tschechischen Fälscherwerkstatt zu stammen. Bei späteren Bildwiedergaben versuchten die Bildbearbeiter ebenfalls die perspektivischen Fehler zu korrigieren, in dem sie überarbeitete Bildausschnitte oder beschnittene Bilder vorlegten.

6. Ein Kommentar

Nun wäre es im Sinne wissenschaftlicher Darstellungen zur Zeitgeschichte nicht verwerflich, zur Veranschaulichung bestimmter Situationen oder Vorgänge, für die keine Originalfotos existieren, Ölbilder oder Zeichnungen nach den genauen Angaben ausgewiesener und glaubwürdiger Augenzeugen anzufertigen und entsprechend zu kennzeichnen. Zum Feuerinferno bei der Einäscherung der Dresdener Zivilbevölkerung durch westalliierte Militärflugzeuge am 13. und. 14.2.1945 wurden auch verschiedene Bilder gemalt und veröffentlicht, die von über hundert überlebenden Augenzeugen bestätigt werden konnten, zumal auch von der Täterseite kein Widerspruch dagegen erhoben wurde. In der Ur- und Frühgeschichte ist es geradezu notwendig, daß aufgrund von Bodenfunden ergänzende Zeichnungen angefertigt werden, damit sich die Wissenschaftler ein diskutables Bild machen können.

Anders verhält es sich dagegen mit den gemalten Bildern zur angeblichen Innenansicht eines Auschwitzer Krematoriums mit einem Ofenpanorama von fünf 3-Muffelöfen, die im sowjetischen Herrschaftsbereich um 1956/57 beim Ostberliner Kongress-Verlag auftauchten. Die sowjetische Praxis, mit Verfälschungen von Bildern und der Umdeutung von dokumentierten Tatsachen die Zeitgeschichte umschreiben zu wollen, ist eine offenkundige Tatsache. Erinnert sei nur an den bekannten Fall, wo der bei der Sowjetführung in Ungnade gefallene Berufsrevolutionär und Rote-Armee-Organisator Leo Trotzki aus einem Bilddokument mit dem agitierenden Lenin wegretuschiert wurde. Sogar das Leugnen der angeblichen deutschen Urheberschaft an den Katyn-Massenmorden, welche die Sowjets den besiegten Deutschen in die Schuhe geschoben hatten, wurde im Ostblock mit hohen Strafen verfolgt. Erst der russische Zeitgeschichtsforscher Valentin Falin konnte am Ende der Sowjetherrschaft, über 50 Jahre nach der Tat, die wissenschaftliche Forschung und Richtigstellung zur Urheberschaft der Katyn-Morde betreiben. Wer und warum ab 1955 im gesamten Sowjetblock und über sympathisierende Westorganisationen eine verunglimpfende Propaganda-Kampagne gegen die Bundesrepublik Deutschland führte und dabei auch eine zurechtgemachte Auschwitzkeule benutzte, wird Thema eines anderen Beitrages sein.

Die beim sowjetgesteuerten Kongress-Verlag 1957 aufgetauchten Ölbilder, die angeblich ein von der SS fotografiertes Ofenpanorama von Auschwitz darstellen sollen, und deren spätere malfehlerkorrigierten Bearbeitungen, die in Verbindung mit Propagandabehauptungen die Ölbilder zu Zeitgeschichtsdokumenten umfälschten, erfüllen die Tatbestände der arglistigen Täuschung und des Betruges. Denn immer wurde von den Benutzern dieser Sowjetpropagandamittel die Fotoechtheit und damit der Dokumentencharakter der Ölbilder vorgetäuscht.

Tiedemanns kommentarlos vorgelegtes Ölbild mit Ofenpanorama aus einem DDR-Propaganda-Buch von 1957, welches als unwiderlegbare Beweisquelle für die Existenz von „Menschengaskammern" in Auschwitz herhalten soll, wird dagegen von anderen Genossen im psychologischen Krieg gegen die Geschichtsrevisionisten geradezu als »Beweisquelle« verschwiegen. Der ehemalige SED-Verlag für marxistisch-leninistische Parteiliteratur in Ostberlin, Dietz, hat mit einigen Genossen den Untergang der DDR überlebt. 1991 erschien im Dietz Verlag Berlin GmbH, der wohl auch die Rechte des Kongress-Verlages übernommen hat, Ota Kraus/Erich Kulka Die Todesfabrik Auschwitz in seiner Schriftenreihe Geschichte. Die Dietz-Neuauflage der DDR-Kulka-Ausgabe von 1957 hat nun sehr wenig mit Geschichte, aber sehr viel mit antirevisionistischer Propaganda zu tun. Alle Lagerkarten, Krematoriumspläne und Abbildungen aus der 57er und 58er Ausgabe fehlen, das Vorwort von Langbein wird unterschlagen, kein einziges Krematoriumsbild wird gezeigt, auch nicht Tiedemanns »Beweisquelle«. Dagegen lockern ein paar Stimmungsbilder vom Institut der Arbeiterbewegung (5) und von ADN Zentralbild (3) den Text auf. Im Klappentext zeigt dann das Dietz-Genossenkollektiv, daß es nicht wissenschaftlich der Geschichtsforschung dienen will, sondern parteipolitisch das »Buch als Waffe« im Kampf der ANTIFA gegen Geschichtsrevisionisten einsetzt:

»"David Irving - ein Engländer kämpft für die Ehre der Deutschen" Unter dieser Losung stand die DDR-Tournee des britischen Historikers Irving 1990 in Dresden, Leipzig, Gera und anderen Orten. Irving verkündet, Hitler habe immer die Juden geschützt, habe von der „Reichskristallnacht" nichts gewußt, die Gaskammern in Auschwitz seien Attrappen, von den Polen nach 1945 hingebaut, die in Nürnberg gezeigten Filmdokumente über die KZs seien „Fälschungen", hergestellt, um das deutsche Volk zu erniedrigen.«

Unter einem roter Querstrich hält dann das Dietz-Antifa-Kollektiv, gleich Tiedemann, den Revisionisten eine offenbar unwiderlegbare Beweisquelle entgegen:

»"Die Todesfabrik Auschwitz" von Ota Kraus und Erich Kulka ist eine Schilderung dessen, was gewesen ist.«

So einfach scheint das aber nicht zu sein. Werner Renz von der Arbeitsstelle Fritz Bauer Institut - Studien- und Dokumentationszentrum zur Geschichte und Wirkung des Holocaust empört sich über das Dietz-Buch in seiner Annotierten Bibliographie der deutschsprachigen Auschwitzliteratur, Frankfurt/M. 1994, S.14:

»Unvollst. Neuauflage. Ohne Wissen der Autoren vom Dietz-Verlag vorgelegter, verstümmelter Nachdruck der Ausgabe von 1957. Da das Buch in seiner Version von 1957 dem heutigen Forschungsstand nicht entspricht, ist die unbearbeitete Neuauflage überaus fragwürdig.«

Dagegen jubelt Renz die 58er DDR-Ausgabe, die kaum antiquarisch zu beschaffen ist, zu einem erstrangigen Zeitgeschichtsdokument hoch:

»Die Todesfabrik. Berlin 1957. Berlin 1958, 2. veränd. Aufl. Die Autoren, Auschwitzüberlebende, stellen anhand der eigenen Erfahrungen und gestützt auf Quellen die Todesmaschinerie in Auschwitz-Birkenau dar. Das materialreiche und gut fundierte Werk, eine Übersetzung aus dem Tschechischen, enthält Karten, Pläne, Häftlingszeichnungen und eine Vielzahl von Fotos.«

Das läßt aufhorchen. Schon der Sowjethäuptling der DDR, Walter Ulbricht, ließ die 57er Auflage einstampfen. Die veränderte 58er Auflage wurde dann aber auch als „Quellenwerk" in der Bibliothek der SED Partei-Hochschule »Karl Marx« geführt. Mit »Autoren« meint Renz, dessen Arbeit vom Dezernat für Kultur und Freizeit der Stadt Frankfurt am Main gefördert wird, den Rabbi Erich Kulka, Research Division of the Hebrew University Jerusalem, der als sowjet-tschechischer Propagandist noch 1958 mit seinem Vorwort zur überarbeiteten deutschen Version der »Todesfabrik« das Stalinistenherz Ulbrichts höher schlagen ließ.[31]

Kulkas Sohn Otto Dov Kulka ist Mitglied des Internationalen Herausgebergremiums der Enzyklopädie des Holocaust.[32] In diesem Nachschlagewerk ist der »Orientierungsplan des Konzentrationslagers Birkenau« aus Die Todesfabrik beim Stichwort »Auschwitz« abgedruckt, allerdings mit einer anderen Zählweise.[33] In der deutschen Ausgabe wurden, neben dem Verschweigen des Orientierungsplanes, auch andere Quellen zum Auschwitz-Artikel gegeben, dessen Autor J. Buszko dem deutschen Leser ebenfalls verschwiegen wird.[34]

Vermutlich geht es dem Renz und anderen Darstellern dieses Zeitgeschichtskomplexes offensichtlich nicht um eine wissenschaftliche Geschichtsforschung, sondern, ähnlich den Sowjet-Kulturkommissaren, um die Überwachung und Reinerhaltung des Auschwitz-Schrifttums und den Schutz der Agitations-Werkzeuge für eine Neosowjet-Propaganda.

Wer heute auch immer in der politischen Auseinandersetzung die alten sowjetischen Agitprop-Werkzeuge benutzt, will neosowjetischen totalitären Zielen dienen. Wer aber kommentarlos diese Agitprop-Mittel als Zeitgeschichtsdokumente in den wissenschaftlichen Rahmen einführt, will die Geschichtswissenschaft sowjetisieren.


Anmerkungen

[1]»Aktion Troja« bzw. »60 linksradikale Einfältigkeiten und wie man sich der Lächerlichkeit preisgibt«, VffG 1(2) (1997), S. 110f./119ff.
[2]Reinhard Gehlen, Der Dienst, v. Hase & KoehlerVerlag, Mainz-Wiesbaden 1971, S. 319.
[3]Markus Tiedemann, „In Auschwitz wurde niemand vergast...", Verlag an der Ruhr, Mülheim 1996. S. 2.
[4]Ebenda, S. 9, rechte Spalte.
[5]Jens Mecklenburg (Hg.), Handbuch Deutscher Rechtsextremismus, Elefanten Press, Berlin 1996, S. 512.
[6]M. Tiedemann, aaO. (Anm. 3), S. 9, rechte Spalte.
[7]Ebenda, S. 10, linke Spalte.
[8]Ebenda, rechte Spalte.
[9]W. Jehser, F. Wolf - Sein Leben und Werk, 17. Band Reihe Schriftsteller der Gegenwart, VEB Volk und Wissen, DDR 1977, Nachdruck Verlag das europäische Buch 1982, Kapitel »Kunst ist Waffe«. S. 56 ff.
[10]Vierteljahshefte für Zeitgeschichte, 1980, Heft 4, S. 502.
[11]Als »unwiderlegbare« Quelle gegen diese frei erfundene, den Revisionisten unterstellte Aussage zitiert Tiedemann anschließend auszugsweise eine der vielen Fassungen des quellenkritisch äußerst problematischen Geständnisses von Kurt Gerstein, so wie in den Vierteljahrsheften für Zeitgeschichte 1(2) (1997), S. 189ff., wiedergegeben. Die von Henri Roques an dieser »Dokumenten«-Familie geübte vernichtende Kritik übergeht er schweigend: André Chelain, Faut-il fusiller Henri Roques?, Polémiques, Ogmios Diffusion, Paris 1986; dt. (gekürzt): H. Roques, Die Geständnisse des Kurt Gerstein, Druffel, Leoni 1986; vgl. André Chelain, La Thèse de Nantes et l'affaire Roques, Ogmios Diffusion, Paris 1989.
[12]Jean-Claude Pressac, Die Krematorien von Auschwitz, Piper-Verlag, München/Zürich 1994; u.a. Bilddokumente Nr.16-18. 23-24, 40-44, 56; Danuta Czech, Kalendarium der Ereignisse im KZ Auschwitz-Birkenau 1939-1945, Rowohlt, Reinbek 1989. S. 27 h (Entlausungsbaracken BI a, BI b), S. 229 (»Sauna« = Badeanstalt, Desinfektion und Entlausung); E. Gauss/G. Rudolf., »Die „Gaskammern" von Auschwitz und Majdanek«, in: E. Gauss (Hg.), Grundlagen zur Zeitgeschichte, Grabert, Tübingen 1994, S. 264 ff (Begasungen, Sachentlausungen); Udo Walendy (Hg.) Auschwitz im IG-Farben-Prozeß, Verlag für Volkstum und Zeitgeschichtsforschung, Vlotho 1981.
[13]G. Rudolf, Das Rudolf Gutachten, Cromwell, London 1993; aktualisiert unter: http://www.vho.org/D/rga/rga.html.
[14]Frederick A. Leuchter, An Engineering Report on the alleged Execution Gas Chambers at Auschwitz, Birkenau and Majdanek, Poland, Samisdat Publishers, 206 Carlton Street, Toronto, Ontario, M5A 2L1 (Kanada) 1988, 195pp.; dt.: ders., Der erste Leuchter Report, ebenda, 1988.
[15]Zum aktuellen Diskussionsstand mit weiteren Querverweisen vgl. neben Anm. 13 (Internet) auch G. Rudolf, »Das Rudolf Gutachten in der Kritik«, VffG 1(2) (1997), S. 104-108.
[16]Verlag Beck, München 1994.
[17]F. Piper ist Mitarbeiter des sowjet-polnischen Auschwitz-Museums Panstwowe Muzeum w Oswiecimiu, kurz PMO.
[18]Auch D. Czech ist Mitarbeiterin des sowjet-polnischen Auschwitz-Museums PMO.
[19]J. Buszko war »Wissenschaftlicher Berater« des PMO.
[20]Nach der Originalausgabe Auschwitz - faschistisches Vernichtungslager, im sowjet-polnischen Propagandaverlag Interpress, Warschau 1978.
[21]Arthur R. Butz, Der Jahrhundertbetrug (engl. 1976 The Hoax of the Twentieth Century), Historical Review Press, Richmond, Surrey 1977, 23 Ellerker Gardens TW10 6AA, England.
[22]Jean-Claude Pressac, aaO. (Anm. 12), S. 125.
[23]Serge Klarsfeld (Hg.), The Auschwitz Album- Lilli Jacob's Album, The Beate Klarsfeld Foundation, New York 1980, letzter Satz im Textteil.
[24]Kraus/Kulkas Die Todesfabrik ist in mehreren fremdsprachigen Versionen bekannt. Für die offensichtliche Absicht, über Auschwitz Propaganda zu verbreiten, eigneten sich auch die geöffneten Ofentüren von Buchenwald, ohne Standortangabe, die aufgeschüttete »menschliche Gebeine« zeigen, zur „beweiskräftigen" Unterstützung des Ölbild eines »Birkenauer Krematoriums im Bau« mit 12 geschlossenen Ofentüren. Diese Greuel-Propaganda-Methode - mit knochengefüllten Ofenöffnungen Abscheu und Haß zu erregen -, stammt vom Propagandisten der Roten Armee Konstantin Simonow.[25] Das Jüdische Historische Institut Warschau gab, vermutlich im sowjet-polnischen Propagandaauftrag handelnd, in seiner DDR-Ausgabe Faschismus-Getto-Massenmord, Verlag Rütten & Loenig, 1960, auf Seite 364 die simonowschen »Majdaneker Knochenöfen« gleich als »Bild-Dokument 286. Verbrennungsöfen im KZ-Lager Auschwitz-Birkenau« aus! In der Propaganda scheint es wohl egal zu sein, womit man die Auschwitzer Öfen vorstellt: Mal mit Buchenwalder, mal mit Majdaneker und mal mit Malkünstler-Öfen.
[25]Konstantin Simonow, Ich sah das Vernichtungslager, Verlag der sowjetischen Militärverwaltung, Berlin, dt. Ausgaben 1945, 1946, 1947 (Die Todesfabrik Majdanek, russ. Orig., Moskau 1944). Simonow war Mitglied der Propagandaeinheiten der Roten Armee. In seiner Majdanek-Schrift wurden Krematoriumsöfen mit vordrapierten Knochengerüsten aus Gräbern und eine mit Knochen aller Art zugefüllte Verbrennungsmuffel gezeigt. Bildunterschriften: »[...] Das sind diese teuflischen Öfen [...] 1.400 Leichen wurden hier täglich verbrannt.« und »[...] Die tiefen Verbrennungsräume sind zur Hälfte mit verbrannten Knochen und Asche gefüllt.« (S. 8-9).
[26]Bruno Baum (1910-1971) (a), letzter Leiter des kommunistischen Jugendverbandes KJVD von Großberlin, wurde 1935 zusammen mit Erich Honecker wegen illegaler politischer Tätigkeit und Verbreitung staatsfeindlichen Agitprop-Materials verhaftet und 1937 wegen hochverräterischer Tätigkeit vom Volksgerichtshof zu 10 Jahren Haft verurteilt. Das Urteil wurde noch während des Prozesses um 3 Jahre erhöht, »wegen politischer Hetze während der Verhandlung.« (b,c) Im April 1943 wurde Baum mit anderen Häftlingen, die meist wegen hochverräterischer Delikte verurteilt worden waren, vom Zuchthaus Brandenburg-Görden nach Auschwitz verlegt, wo sie für den »totalen Kriegseinsatz« und den raschen Ausbau der oberschlesischen Rüstungsindustrie gebraucht wurden. Der gelernte Elektriker Baum wurde dem Häftlings-Elektriker-Kommando von Auschwitz zugeteilt.(d) Sofort begann Baum mit dem Aufbau von kommunistischen Untergrundzellen und einer KP-Widerstandspropaganda im Lager, was durch seine berufsbedingte freie Beweglichkeit im KZ-Lager erleichtert wurde. Für die internationale sozialistisch-kommunistische Lagerpartisanen-Leitung sammelten Baum & Genossen Spionagematerial aus den deutschen Rüstungsbetrieben, welches dann vom polnischen Untergrund nach London gefunkt wurde. Auch Greuel-Berichte über angeblich unmenschliche Häftlingsbehandlung durch die SS-Bewacher und über »ungeheuerliche Verbrechen der Nazis im KZ Auschwitz, bei denen 4,5 Millionen Menschen aller Nationen ermordet wurden«, gelangten über Kurzwellensender an den Londoner Rundfunk, für den die Redaktionsgruppe des Lageruntergrundes wöchentlich zwei Berichte verfaßte. »Die ganze Propaganda, die dann im Ausland um Auschwitz einsetzte, war von uns, mit Hilfe unserer polnischen Kameraden, entfacht«, so Baum in seinem sowjet-genehmigten KP-Artikel in der DVZ vom 31.7.1945.(d,e) Mitte 1944 rückte Baum in den Leitungsrat der Lagerpartisanen auf, zu dem u.a. auch Hermann Langbein (KPÖ) und Jozef Cyrankiewicz (poln. Sozialist) gehörten. Da die Lager-Gestapo die KZ-Partisanen nicht aufspüren konnte und sie die deutschfeindliche Lügenpropaganda offenbar nur für den Protestausdruck unzufriedener Häftlinge hielt, verbesserte die SS-Lagerführung die Arbeits- und Lagerbedingungen derart, daß »Auschwitz zum Schluß ein Musterlager wurde«. (L). Baum feierte diese Entwicklung als
»Erfolg der Propaganda. Es hat sich immer wieder gezeigt, daß die Nazis nichts mehr fürchteten als die Weltöffentlichkeit. Als die ersten Auschwitz-Ansprachen gehalten wurden, blieb noch alles ruhig. Später forderte Berlin: „Durchgreifen der politischen Abteilung!" Denn man war sich auf Grund der ständigen konkreten Angaben darüber im klaren, daß die Urheber dieser Propaganda nur im Lager sitzen konnten. Aus Berlin kamen Untersuchungskommissionen. Aber auch sie fanden nicht die Urheber. In Krakau ließ Frank Flugblätter verteilen, in denen es hieß: „Die augenblicklich verbreiteten Nachrichten über Auschwitz sind Lügen. In Auschwitz ist alles in Ordnung." Das Wichtigste war nun, daß infolge der Propaganda die Zustände im Lager erheblich (l) besser wurden. [...] In Auschwitz aber war die einheitliche und internationale antifaschistische Widerstandsbewegung dem faschistischen Terror mit Erfolg begegnet« (d, e) Bei der Lagerevakuierung kam Baum ins KZ Mauthausen, wo er mit anderen Auschwitzlern erneut eine Untergrundbewegung organisierte und den militärischen Aufstand vorbereitete. (c, f) Nach der Einnahme Mauthausens durch die Amerikaner und der Entwaffnung der aufständischen Häftlinge schmuggelte ein sowjetisches Repatriierungskommando am 16.5.1945 Bruno Baum, Franz Dahlem und 29 weitere KP-Mitglieder heimlich, als Sowjetbürger getarnt, aus dem Lager und versammelte sie in Klausur auf Schloß Wilhelminenburg bei Wien bis ca. Anfang August 1945, wo sie „geschult" wurden und Direktiven bekamen für ihre zukünftige Rolle als Leitungskader im sowjetischen Herrschaftsbereich. Dort schrieben sie u.a. auch Erlebnisberichte über Auschwitz, die sich z.T. an den sowjetischen Propagandavorstellungen der Außerordentlichen sowjetischen Untersuchungskommission zur Untersuchung der deutschen Kriegsverbrechen in Auschwitz vom Feb./März 1945 orientierten. So entstand im Juni 1945 auch Baums »Bericht über die Tätigkeit der KP im Konzentrationslager Auschwitz«, welcher in einer »Schlußaussprache« durch das KP-Kollektiv abgestimmt und genehmigt worden war. (c, d, e, f, g) Diese Absprachen und Sprachregelungen in Verbindung mit dem Bericht der Außerordentlichen sowjetischen Untersuchungskommission... (m) zur Auschwitzdarstellung bildeten dann auch den Kern der Sowjetblock Propaganda bis 1990, wie z. B. die Propaganda-Geschichte »4,5 Millionen in Auschwitz Ermordete aller Nationen«. (h) Später wurde Baum leitender SED-Funktionär in Berlin. Seine harten Wirtschaftsmaßnahmen führten zum Arbeiteraufstand am 17. Juni 1953. (i, j) Als Heinz Brandt, Baums Freund in der Berliner SED-Bezirksleitung und ehemaliger Auschwitzer-Partisanengenosse im Nebenlager Budy, sich am 14.9.1958 nach Westberlin absetzte - vermutlich wegen des israelkritischen Sowjetkurses, der auch jüdischen SED-Mitgliedern mißtraute -, wurde Baum - dessen Familienmitglieder u.a. in einem Kibbuz in Israel lebten - 1959 aus der Berliner SED-Leitung entfernt und nach Potsdam abgeschoben. (d, i) Erich Honecker erschien nicht bei Baums Staatsbegräbnis, an den in Berlin-Marzahn noch heute eine Straße erinnern. (a, k)
Quellen: a) Neues Deutschland (ND, B-Ausgabe) 15.12.1971; ND (B) 21.12.1971; b) Peter Przybylski Tatort Politbüro - Die Akte Honecker, Band 1, Rowohlt, Berlin 1991, S. 46 ff; c) ND (B) 13.2.1980; ND (B) 13.2.1985; d) Baum Widerstand in Auschwitz, Kongress-Verlag, Berlin 1957; e) Im Nachlaß Langbeins im DÖW, Wien: Unveröffentlichtes Manuskript Baums »Bericht über die Tätigkeit der KP im Konzentrationslager Auschwitz« vom Juni 1945 bei Wien; Baum »Wir funken aus der Hölle« in Deutsche Volkszeitung - Zentralorgan der KPD, Berlin 31.7.1945; f) Baum »Die letzten Tage von Mauthausen«, DDR Militärverlag, Berlin 1965; Akte »Heinz Dürmayer« (KPÖ, KLs Flossenbürg, Auschwitz (Lagerältester u. Mitglied des Rates der Lagerpartisanen), Mauthausen, 1945 von den Sowjets als Polizeipräsident von Wien eingesetzt) und Akte »Ludwig Soswinsky« (KPÖ, KLs Lublin, Auschwitz (Leiter der Militärabteilung beim obersten Rat der Lagerpartisanen), Mauthausen) im Archiv des Bundesverbandes Österreichischer Widerstandskämpfer und Opfer des Faschismus (DÖW, Wien); g) Komitee der Antifaschistischen Widerstandskämpfer der DDR (Hg.) Aktenzeichen R.u., 3. Aufl., Militärverlag, Berlin (DDR) 1989; Auskunft Otto Wiesners, einer der „29 deutschen Sowjethäftlingen" von Mauthausen, am Rande einer PDS-Veranstaltung 1995; h) Baum: »4.000.000 Juden und 500.000 Polen«, vgl. (e), Heinz Kühnrich Der KZ-Staat, 5. Aufl., Dietz, Ostberlin 1988, S. 165; i) Heinz Brandt Ein Traum, der nicht entführbar ist - Mein Weg zwischen Ost und West, List-Verlag, München 1967; ND 15.11.1994; j) Carola Stern Ulbricht., Kiepenheuer & Wtsch, Köln 1964, S. 175 f.; k) Kaupens Straßenführer durch Berlin 1997; l) So in Langbeins Originalvorlage, vgl. (e); m) Prawda-Bericht vom 7.5.1945, übersetzt in Historische Tatsachen Nr. 31, Verlag für Volkstum und Zeitgeschichtsforschung, Vlotho; mit Auslassungen: IMT, Bd. XXXIX, S. 241-261: »Nürnbg. Dok. 008-USSR«.
[27]Die Buchenwalder Rollenhalter-Konstruktion auf einer Schiebestange ist auf dem DVZ-Bild im Baum-Artikel von 1945 sowie auf Bildern bei Kraus/Kulka Prag 1955, Kraus/Kulka Ostberlin 1957/58, Kraus/Kulka Prag 1964 und später bei Butzko, Auschwitz, Warschau 1978, bzw. in der Rowohlt-Lizenzausgabe 1980 gut zu erkennen. Auch Pressacs, Die Krematorien..., aaO. (Anm. 12) zeigt im Dokument 60 anschaulich diesen klappbaren Rollenhalter auf Rohrschiene.
[28]J.-C. Pressac, aaO. (Anm. 12), Dokument 33.
[29]Bruno Baum, Widerstand in Auschwitz, Ostberlin 1949, 1957, 1961; den Kern bildete bei allen Ausgaben der unter sowjetischer Aufsicht bei Wien im Juni 1945 von Baum erstellte »Bericht über die Tätigkeit der KP im Konzentrationslager Auschwitz«. Ein Auszug daraus wurde schon am 31.7.1945 im Zentralorgan der KPD Deutsche Volkszeitung als »Wir funken aus der Hölle« abgedruckt. Je nach herrschender KPD-. SED- und Sowjet-Propagandalinie wurden die Baum-Ausgaben manipuliert und angepaßt. Neue Personen kamen hinzu, früher erwähnte »Helden« wurden redaktionell liquidiert. Auch der Sinn wurde im Baum-Dokument verändert und Satzteile ausgerottet: Aus:
»Ich glaube, es ist keine Übertreibung. wenn ich sage, daß der größte Teil der Auschwitzpropaganda, die um diese Zeit in der Welt verbreitet wurde, von uns im Lager selbst geschrieben worden ist.« (1949, S. 34) wurde gemacht:
»Es ist keine Übertreibung, wenn ich sage, daß der größte Teil der um diese Zeit überall in der Welt verbreiteten Veröffentlichungen über Auschwitz von uns stammte.« (1957, S. 89 und 1961, S. 88) Mit »Zeit« ist »ab Frühjahr 1944« gemeint. Eine andere Baum-Stelle zeigt noch deutlicher an, wie im Sowjetblock Zeugen-Dokumente manipulativ verändert wurden:
»Diese Propaganda in der Weltöffentlichkeit führten wir bis zum letzten Tage unseres Auschwitzer Aufenthaltes durch.« (1949, S. 35)
»Bis zum letzten Tage unseres Aufenthaltes in Auschwitz informierten wir auf diese Weise die Weltöffentlichkeit.« (1957, S. 89, und 1961, S. 88)
Propaganda selbst schreiben und in der Weltöffentlichkeit durchführen ist etwas ganz anderes als Informationen für die Weltöffentlichkeit sammeln und zur Veröffentlichung weitergeben. Da aber Baum ein KP-Spezialist für Untergrundpropaganda war, eine Sowjetschulung in Moskau absolviert hatte und sogar für politische Hetze im Gerichtssaal verurteilt wurde, muß sicher angenommen werden, daß die KP-Untergrundzellen in Auschwitz sich Lügengeschichten ausdachten, selbst aufschrieben, über die polnischen Partisanen nach London weiterfunkten und so Greuelpropaganda in der Weltöffentlichkeit betrieben. Diese Propagandageschichten wurden später offenbar von interessierten Kreisen zu wahren Tatsachen erfoltert und umgemünzt.
[30]J.-C. Pressac, Auschwitz: Technique and operation of the gas chambers, Beate Klarsfeld Foundation, New York 1989, S. 227, 277, 281-297, 293, 297, 305-308, 311f., 329.
[31]Heinz Brandt, aaO. (Anm. 26 i), S. 152) und Hemmann Langbein (Die Stärkeren, 2. überarb. Auflg., Bund-Verlag, Köln 1982, S. 272) hatten schon darauf hingewiesen, daß Langbeins Vorwort in der 57er DDR-Ausgabe des Kraus-Kulka-Buches offenbar nicht der SED-Parteilinie entsprach und daher wieder von Ulbrichts Zensoren zurückgezogen worden war. In der 58er DDR-Ausgabe war nur das Vorwort von »Hermann Langbein, Generalsekretär des Internationalen Auschwitz-Komitees, Wien, im Juni 1957« durch das Vorwort von »Ota Kraus, Erich Kulka, Prag, im Januar 1958« ersetzt, sonst aber kein Wort oder Bild verändert worden. Wenn der sich wissenschaftlich gebende Werner Renz jetzt behauptet, die 57er Ausgabe entspräche nicht dem »heutigen Forschungsstand«, die 58er Ausgabe aber wäre durch ihre Veränderung ein »gut fundiertes Werk«, dann soll hier offenbar der richtigen stalinistischen Parteilinie und dem sowiet-tschechischen Kulka-Vorwort von 1958 ein Denkmal gesetzt werden. Warum von Erich Kulka immer auch ein »Ota Kraus« als Mitautor und Mitvorwortschreiber in die Verantwortung genommen wird, soll hier nicht weiter untersucht werden. Es ist jedoch immer nur Erich Kulka, der auch anderweitig, nach seiner 68er Flucht in den Westen, als Experte für Auschwitzgeschichten auftritt. Vgl. Erich Kulka »Kampf der jüdischen Häftlinge gegen die Endlösung in Auschwitz« Zeitschichte (Wien), Aug./Sep.1986 S. 381 ff.: Erich Kulka, Rabbi, Research Division of the Hebrew University Jerusalem, 14/27 Bolivia Str., I-96746 Jerusalem.
[32]I. Gutman (chief ed.), Encyclopedia of the Holocaust, Macmillan, New York 1990.
[33]Mit „Zählweise" ist die unterschiedliche arabische oder römische Numerierung von Bauwerken im Auschwitzer Lagerkomplex, die in der Literatur als Krematorien ausgegeben werden, gemeint. Von Kulka und seinen Lagergenossen Vrba und Wetzler - deren Erzählung den Hauptteil des US-WRB-Reports vom Herbst 1944 darstellt - werden in Süd-Nord-Richtung vier Bauwerke in Birkenau als Krematorien I bis IV bezeichnet obwohl nach Kulkas Aussage bei seinem im Januar 1946 veröffentlichten »Orientierungsplan des Konzentrationslagers Birkenau« diese Angaben auf dem amtlichen deutschen Plan nicht vorkommen. Mit diesen Darstellungen aus dem US-WRB-Report oder aus dem Kulka-Buch müssen offenbar britische Militärvernehmer den im Frühjahr 1946 verhafteten Lagerkommandaten Höß konfrontiert haben, denn auch in dessen Krakauer Aufzeichnungen für den polnischen Untersuchungsrichter Jan Sehn tauchen diese Gebäudebezeichnungen und -numerierungen auf. Dagegen hatten die Sowjet-Polen sich schon auf eine andere Darstellung festgelegt. Am 3. März 1945 hte die Außerordentliche Untersuchungskommission... der Sowiets einen eigenen Birkenauer Lageplan »PIan Rajona« aufgestellt, auf dem sie die 4 Bauwerke in Birkenau als Krematorien II bis V bezeichneten (vgl. J.-C. Pressac, aaO. (Anm. 30), S. 179, Doc. 10). Das umgebaute ehemalige Krematorium im Stammlager war dort zum »Krematorium I« ernannt worden und zwei Freiluft-Einäscherungsareale für Grubenbrand mit je einer Gaskammerbaracke vervollständigten so das deutsche Katyn in Auschwitz aus sowjetischer Sicht. Vermutlich wollten die Sowiets für ihre Propaganda-Behauptung »Im Konzentrabonslager Auschwitz wurden über 4 Millionen Menschen aller Nationen ermordet« die entsprechende Einäscherungskapazität damit vortäuschen. Dieser Regelung schlossen sich auch die Sowjetpolen in den Publikationen ihres Oswiecim-Museums und ihrer Hauptkommission zur Untersuchung der hitleristischen Verbrechen in Polen an. Auch das aus einer Gründung Filip Friedmans im Jahre 1944 entstandene Jüdische Historische Institut in Warschau übernahm die sowjetische Krematoriumszählung. Da ein Teil der Friedman-Mitarbeiter später nach Paris, New York, Westberlin und Jerusalem auswanderten, hat sich über diese die Sowjetzählung weltweit verbreitet, so daß die Zählung I bis V in der gegenwärtigen Auschwitz-Literatur wie eine wissenschaftlich bewiesene Tatsache behandelt wird. Daher ist auch zu beobachten, daß ältere, anderslautende Pläne und Berichte, bei Neuauflagen, heute in »wissenschaftlichen« Werken der Sowjetpropagandazählung angepaßt und so auf den »neuesten Forschungsstand« gebracht werden.
[34]E. Jäckel, P. Longerich, J.H. Schoeps (Hg.), Enzyklopädie des Holocaust, 3 Bände, Argon, Berlin 1993.

Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 2(2) (1998), S. 120-129.
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