Bücherschau

Der Holocaust-Revisionismus als Herausforderung für Wissenschaft und politische Bildung

Wolfgang Ayaß, Dietfrid Krause-Vilmar, Mit Argumenten gegen die Holocaust-Leugnung. Die Leugnung der nationalsozialistischen Massenmorde als Herausforderung für Wissenschaft und politische Bildung, Schriftenreihe Polis Nr. 19, Hessische Landeszentrale für politische Bildung, Wiesbaden 1996, 30 S.

DEMAGOGIE UND POLITIK IM EINSATZ

Zur Abwehr einer angeblichen »neuen braunen Gefahr«, meint die Redaktion der Schriftenreihe der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung, reiche es nicht mehr aus, die Revisionisten - »Leugner«, wie sie sie nennt - herunterzuspielen und zu ignorieren. Daher präsentierte diese Zentrale 1996 den hier besprochenen Band. Die Autoren fordern, so steht es im Vorwort, »Wissenschaft und politische Bildung auf, sorgfältig zu forschen und zu lehren und präzise mit historischen Quellen umzugehen.« Aber hat denn unsere über jeden Zweifel erhabene offiziöse Zeitgeschichtsforschung und -lehre diese Aufforderung überhaupt nötig?

»Denn fehlerhafte Darstellung und Dokumentation birgt die Gefahr, daß die Holocaust-Leugner diese für ihre Taktik ummünzen, die NS-Massenmorde generell als „Lüge" hinzustellen.«

Titel und Vorwort, ja sogar das herausgebende Institut als solches geben zu erkennen, daß es nur in zweiter Linie um die Klärung wissenschaftlicher Fragen bzw. um die Annahme einer Herausforderung geht, sondern in erster Linie um die Abwehr einer unterstellten politischen Gefahr mit Mitteln der politischen Bildung. Der Vorwurf der politischen Instrumentalisierung des Themas, der den Revisionisten so gerne gemacht wird, fällt also auf die Autoren und Herausgeber dieses Bandes selbst zurück.

Symptomatisch ist die in derartigen offiziösen Publikationen benutzte Sprache als Mittel zur Herabsetzung der Mitmenschen. Als »Leugner« werden die Zweifler, Ungläubigen und Andersdenkenden bezeichnet, wohl wissend, daß dieser Begriff den Eindruck erweckt, als würden die so Titulierten etwas wider besseres Wissens bestreiten. Nicht zufällig klingen die Worte Lügner und Leugner ähnlich. Der unbedarfte Leser faßt es genauso im Unterbewußtsein auf: Die Revisionisten sind professionelle Lügner, also unehrliche, bösartige Menschen . (Der Begriff Leugnung kommt in den verschiedenen Formen auf den ersten 7 Seiten der Broschüre allein 28 mal vor)

Analog dazu tritt immer wieder die Behauptung auf, die Revisionisten würden alles, was ihren Thesen zuwiderläuft, als von »Lügnern« erfundene »Lügen« hinstellen, was derart pauschal natürlich nicht stimmt. (S. 3, 9, 23)

Passend dazu folgende demagogische Passage:

»Auf den ersten Blick sieht es so aus, als herrsche bei ihnen reine Wissenschaft vor, als würden sachorientierte und fachkundige Chemiker, Techniker oder Historiker argumentieren - und nicht Rassisten, Antisemiten oder Menschenfeinde.« (S. 9)

Da sind die Revisionisten nun - ohne jede Beweisführung - alle in einem Topf gelandet: »Menschenfeinde«, und in der Assoziationskette: Unmenschen, Untermenschen, Ungeziefer. Wer will da den Autoren noch Wissenschaftlichkeit zugestehen?

Der immer wieder anzutreffende Vorwurf, die Revisionisten würden sich nur mit wenigen Aspekten des Holocaust beschäftigen, mag teilweise zutreffen, auch wenn die Basis sicherlich nicht so eng ist, wie von den Autoren dargestellt, derzufolge sich die Revisionisten meist auf die »Vernichtung der Juden durch Giftgas im Lager Auschwitz« konzentrieren (S. 15f.)

Selbstverständlich gibt es auf vielen Feldern noch erheblichen Forschungs- und vor allem Revisionsbedarf. Es grenzt aber an Zynismus, die strafrechtliche Verfolgung der Revisionisten, einhergehend mit der Vernichtung ihrer bürgerlichen Existenz, zu befürworten, andererseits aber von den Revisionisten zu verlangen, sie sollen auf allen Forschungsgebieten umfangreiche und wohlfundierte Arbeiten präsentieren. Man kann sich eben nur auf wenige Themen konzentrieren, wenn man ständig mit einem Bein im Gefängnis steht, von staatlichen Aasgeiern finanziell geplündert und gesellschaftlich in Acht und Bann geschlagen wird.

Da mutet es auch nur noch wie eine Verhöhnung an, wenn den Revisionisten unterstellt wird, sie würden »gerichtliche Auseinandersetzung [...] der Öffentlichkeitswirkung wegen [...] bereitwillig führen.« Oder: »Auch stellen sich manche von ihnen gerne als „Verfolgte" der „gleichgeschalteten Medien" und der „Politik" dar, deren Stimmen allseits unterdrückt werde, als Märtyrer für Wahrheit und Recht, als Vorkämpfer des „audiatur et altera pars".« (S. 23, ähnlich S. 19)

Die Autoren schildern ja selbst, daß diese Verfolgungen der Revisionisten real sind und daß ihnen eben nur selten das wissenschaftliche und notwendige »audiatur et altera pars« gewährt wird. Es ist also keine »Darstellung« der Revisionisten, sondern harte Realität.

Freilich darf auch die leere Floskel von der »Pseudowissenschaftlichkeit« und den vielseitigen politischen Unterstellungen nicht fehlen:

»das antisemitische Motiv lugt auch hier deutlich aus dem ganzen pseudowissenschaftlichen Wust hervor.« (S. 16)

»Ihre Ziele sind keine genuin historisch-wissenschaftlichen (Wissen wollen bzw. in Erfahrung bringen, wie es wirklich war), sondern politische (Beweisen, daß es so nicht war). Sie haben durch Bestreiten und Bezweifeln Hitler und den Nationalsozialismus rehabilitieren. Ihnen geht es ums Ganze.« (S. 23)

Erstens bleibt diese Aussage unbelegt und zweitens trifft sie vielleicht auf einige revisionistisch tätige Personen zu, bestimmt aber nicht auf alle Revisionisten. Außerdem übersehen die Autoren, daß sie selbst unter dem im Vorwort angesprochenen Prämisse ans Werk gehen, einer politischen Gefahr entgegenzutreten, die sie darin erkennen, daß das historische Bild vom Nationalsozialismus grundlegend revidiert werden könnte:

»Seit dem Historikerstreit [...] sind Zweifel angebracht, ob das Herunterspielen und Ignorieren der Leugner der richtige Weg zur Abwehr einer neuen braunen Gefahr ist« (S. 3)

Mit anderen Worten: Die hier besprochenen Autoren wollen »Beweisen, daß es so nicht war«, wie die Revisionisten es darlegen:

»Wissenschaft und politische Bildung haben zu wenig getan, um die Leugner mit überzeugenden Argumenten und Dokumenten in die Schranken zu weisen«

Aber es darf eben nicht darum gehen, unbeliebte Thesen unbeliebter Zeitgenossen in »Schranken« zu weisen, sondern es muß darum gehen, Wahres von Falschem zu trennen.

Offenbar geht es den Autoren eben auch und vor allem darum »Hitler und den Nationalsozialismus« unter keinen Umständen und in keinerlei Hinsicht zu »rehabilitieren«. Dies wird besonders deutlich, wo die Thesen etablierter Historiker zur Frage der Ursachen des Ostfeldzuges (Barbarossa) als Publikationen zur Verbreitung des »Gespenstes der „Kriegsschuldlüge"« hinstellt, deren »Unsinn« es mit »Argumenten und Zeugnissen zu widerlegen« gelte (S. 25). Von sachlichen Historikern würde man eine Formulierung des Stils erwarten, daß neue, provokative Thesen auf ihre Richtigkeit überprüft werden müssen: Nicht so hier: schon vor der Prüfung gelten die Thesen als »Unfug«, die es »gilt [...] zu widerlegen«. Aber warum müssen Thesen, die den Nationalsozialismus effektiv in bestimmter Hinsicht entlasten, unbedingt widerlegt werden? Offenbar geht es den Autoren »ums Ganze«, nämlich um die Aufrechterhaltung des verzerrten antifaschistischen, vor allem von bolschewistischer Propaganda geprägten Geschichtsbildes zur Stützung der links-ideologischen Hegemonie in der Geschichtswissenschaft. Einen sachorientierten Wissenschaftler jedoch darf es nicht kümmern, welche Auswirkungen seine Untersuchungen auf das Image irgendwelcher historischer Persönlichkeiten und Regime haben.

Somit fällt der den Revisionisten gemachte Vorwurf der unwissenschaftlichen, politischen Instrumentalisierung der Geschichtswissenschaft, der in seiner Pauschalität zudem falsch und unfundiert ist, auf die Autoren selbst zurück, hier allerdings wahrhaftig und belegt.

SACHLICHE FEHLER

Da die Broschüre mit dem Anspruch auftritt, » präzise mit historischen Quellen umzugehen«, soll sie nachfolgend an diesem selbstgesetzten Maß gemessen werden.

Der erste sachliche Fehler findet sich gleich auf der ersten Seite der Ausführungen der beiden Autoren (S. 4): In Fußnote 2 steht (ähnlich S. 16):

»Genau genommen begann die Leugnung der nationalsozialistischen Massenmorde bereits mit der Geheimhaltung und der systematisch betriebenen Spurenverwischung durch Himmler und die SS während des Krieges (Sprengung der Krematorien und Gaskammern in Auschwitz, Aktenverbrennungen usw.)«

Für die Sprengung einer Gaskammer in Auschwitz jedoch gibt es bis heute nicht die Spur eines Beweises, und gerade die umfangreichen Akten der Zentralbauleitung der Waffen-SS und Polizei Auschwitz wurden eben nicht verbrannt. Daß die Krematorien in Auschwitz abgerissen wurden, findet seine Erklärung in der Tatsache, daß die vordringenden Sowjets ähnliche Anlagen in Majdanek für einen Propagandafeldzug mißbrauchten, wie Andrew Allen in dieser Ausgabe darlegt. Die Art der »Spurenverwischung«, stützt demnach die revisionistische These, daß es in Auschwitz eben nichts zu verbergen gab.

Auch die These von der Geheimhaltung ist gerade bezüglich Auschwitz schlechterdings unhaltbar angesichts der Tatsache, das tägliche Hunderte von Zivilisten in das Lager kamen, Tausende von Häftlingen in der Industrie im Umland von Auschwitz arbeiteten, sehr viele Häftlinge aus dem Lager entlassen bzw. in andere Lager verlegt wurden und die Bevölkerung um Auschwitz freien Einblick in das Lager hatte.

Ungläubig registriert man folgende Passage:

»Die Täter-Zeugnisse (z.B. die Niederschriften des Auschwitz-Kommandanten Rudolf Höß) gelten von vornherein als durch Folter oder andere Zwangsmittel erpreßt«

Nicht nur, daß die Autoren es wiederum unterlassen, Quellen für diese Behauptung anzugeben und die Argumente der Revisionisten zu diskutieren. Nein, diesmal ignorieren sie sogar die Forschungsergebnisse ihrer eigenen Zunftkollegen, von denen keiner mehr behauptet, Höß sei nicht gefoltert worden. Es ist daher unbegreiflich, warum die Autoren gerade Höß als Beispiel für ihre These nahmen. Oder meinen die Autoren etwa, für sie haben die Niederschriften von Höß trotz der Folterungen einen uneingeschränkten Beweiswert?

Falsch ist auch die Behauptung der Autoren,

»daß bürokratische Stäbe der SS und Gestapo im Reich und im Osten über „Vernichtungserfolge" planerisch berieten und die Vernichtung der europäischen Juden praktisch einleiteten. Dieser Zusammenhang, über den es viele schriftliche Quellen gibt, wird bei den „Revisionisten" nicht beachtet.« (S. 15)

Leider bleiben es die Autoren schuldig, diese Dokumente mit den Vernichtungsplänen anzuführen. Raul Hilberg, einer der anerkanntesten Holocaust-Historiker, war diesbezüglich völlig anderer Meinung:

»Aber was 1941 begann, war kein im voraus geplanter, von einem Amt zentral organisierter Vernichtungsvorgang [der Juden]. Es gab keine Pläne und kein Budget für diese Vernichtungsmaßnahmen. Sie [die Maßnahmen] erfolgten Schritt für Schritt, einer nach dem anderen. Dies geschah daher nicht etwa durch die Ausführung eines Planes, sondern durch ein unglaubliches Zusammentreffen der Absichten, ein übereinstimmendes Gedankenlesen einer weit ausgreifenden [deutschen] Bürokratie.« But what began in 1941 was a process of destruction not planned in advance, not organised centrally by any agency. There was no blueprint and there was no budget for destructive measures. They were taken step by step. Thus came about not so much a plan being carried out but an incredible meeting of minds, a consensus mind-reading by a far-flung bureaucracy.«, Newsday, Long Island, New York, 23.2.1983, S. II/3)

Tatsächlich können Äußerungen hoher NS-Politiker in Tagebüchern oder während Öffentlicher bzw. geschlossener Veranstaltungen nicht als Beweis für einen Massenmord dienen. Sie eigenen sich allerhöchstens zum Beweis für die Überzeugungen und Stimmungen dieser Personen zum damaligen Zeitpunkt.

Die Autoren rügen, wie bereits erwähnt, daß die Revisionisten sich um viele Themen nicht kümmern (S. 15f.). Die dann folgende Auflistung derartiger Themen zeigt entweder, daß die Autoren die revisionistischen Publikationen nicht kennen, oder daß sie den Lesern die Vielfalt der revisionistischen Argumente und Tätigkeiten verschweigen wollen, denn zu vielen der aufgeführten Themen wurden bereits arbeiten präsentiert, so beispielsweise:

Offenbar haben die Autoren keinen Überblick über das revisionistische Schriftgut.

MANGELHAFTE AUSEINANDERSETZUNG MIT ARGUMENTEN

Gleich zu Beginn der Broschüre wird dem Vater des Revisionismus, dem Sozialisten und Ex-KZ-Häftling Paul Rassinier vorgeworfen, seine Kritik an den Ausführungen ehemaliger Mithäftlinge seien »Polemik gegen angeblich ungenaue und falsche Berichte«. Einer Auseinandersetzung mit der Problematik von Häftlingsberichten weichen die Autoren jedoch aus. Sie belassen es dabei, Rassiniers Reputation durch Worte wie »Polemik« und »angeblich« zu untergrabe. Seriöse ist solches Vorgehen nicht und steht zudem im Widerspruch zu dem späteren Eingeständnis der Existenz eines »Problem[s] der Überhöhung des Schreckens«, dargelegt am Beispiel überhöhter Opferzahlen und übertriebener Kapazitätsangaben von Krematorien und angeblichen Hinrichtungsgaskammern in Auschwitz (S. 21).

Während die Autoren zur angeblichen Widerlegung des Leuchter-Reports die altbekannten Arbeiten von Wegner, Wellers und Bailer anführen kann, verstummen die Argumente, wenn es um das Rudolf Gutachten geht. Hier fällt selbst den Autoren nichts anderes mehr ein, als zur juristischen Waffe zu greifen:

»Germar Rudolf [...] wurde [...] wegen Volksverhetzung, Aufstachelung zum Rassenhaß und Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener zu 14 Monate Haft ohne Bewährung verurteilt; [...]« (S. 7, Fußnote 12.)

Wo man keine Argumente mehr hat, bezieht man sich eben auf [staatliche] Gewalt.

Die Konsequenzen des sowjetischen Partisanenkrieges für die Kriegführung im Osten wird, obwohl für das Thema von entscheidender Bedeutung, lediglich angeschnitten und als revisionistische Apologetik hingestellt. (S. 8)

Die Sachexpertisen der Revisionisten werden auf die Gutachten von Leuchter und Rudolf beschränkt, als gäbe es die Arbeiten von Mattogno/Deana, Neumaier, Ball, Aynat, Faurisson, Berg, Weckert, Rademacher, Gärtner u.a. nicht, die sich auf viele weitere Komplexe beziehen.

Die revisionistische Aussagenkritik wird zwar als »detailliert« anerkannt, ihre Schlußfolgerungen jedoch »nicht begründbare - Behauptungen« verworfen. Leider versäumen die Autoren jede Begründung, welche revisionistische Behauptung weshalb unbegründet sei. (S. 9) Die Autoren gehen sogar so weit, ohne Beleg den Revisionisten wahrheitswidrig zu unterstellen, sie würden den Zeugenbericht von R. Vrba und A. Wetzler über Auschwitz als »"Nachkriegserfindung"« hinstellen. Daß sich die Kritik der Revisionisten an diesem Dokument auf die inhaltlichen Aussagen beziehen, nicht aber auf die Entstehungsgeschichte, wird dem Leser verschwiegen.

»Baumhängen im KZ Buchenwald«, gestellte Szene vom DDR-Fernsehen.

Baumhängen von Häftlingen im KZ Buchenwald: Das linke Bild erschien im Spiegel (42/1966) mit der Überschrift »Im SS-Staat das perfekte Sklavensystem«; rechts eine „Variante" mit der Überschrift »SS-Sadisten „verordnen" das „Baumhängen"«, erschienen in H. Eschwege (Hg.), Kennzeichen »J«, Röderberg, Frankfurt/Main 1979, S. 266. Aber 1995 kam die Wahrheit heraus: »gestellte Aufnahme[n !!!] von der DEFA«, der Deutschen Film AG, die ehemalige zentrale Filmstudio der DDR in Potsdam-Babelsberg. Aber selbst wenn dies eine Fälschung ist, so bleibt die damit über Jahrzehnte „bewiesene" Behauptung wahr. Uns kann nichts erschüttern...

Wie üblich, lassen die Autoren sich auch dazu verführen, sich - wenig erfolgreich - auf das Gebiet technischer Interpretationen einlassen (S. 17f.). Daß Bestellungen gasdichter Ausrüstungen für damals häufig als »Gaskammern« bezeichnete Zyklon B-Entlausungsräume als Beweise für die Existenz von Hinrichtungsgaskammern interpretiert werden, beruht auf den bereits als solche hinlänglich überführten Fehlinterpretationen des französischen Apothekers J.-C. Pressacs, auf dessen leider nicht sehr weit rechendes technisches Verständnis sich das Establishment gerne bezieht. Daß Pressacs Arbeiten von den Revisionisten vernichtend kritisiert wurden, davon wissen die Autoren dieses Bandes nichts - oder sie verschweigen es. Für letzteres spricht, daß sie auf S. 19 immerhin erwähnen, daß die Revisionisten Pressacs Einwände diskutierten.

Zwar muß ein Artikel von Prof. E. Noltes aus der FAZ (23.8.1994, S. 7) dafür herhalten, ein längst als äußerst dubios und inhaltlich zumindest inhaltlich falsch erwiesenes Dokument über die angebliche Kapazität der Auschwitz Krematorien als echt erscheinen zu lassen. Daß Prof. Nolte wenig später die Authentizität des Dokumentes in einem Leserbrief in der FAZ (8.9.1994, S. 13) anzweifelte, ist den Autoren aber wohl entgangen. Die an den Dokument geäußerte revisionistische Sachkritik von F. Deana und C. Mattogno (in E. Gauss, Grundlagen zur Zeitgeschichte, Tübingen 1994) scheint ebenso unbekannt (oder nur unterschlagen worden?) zu sein.

FEHLERHAFTER UMGANG MIT DOKUMENTEN UND QUELLEN

Was die Autoren unter Wissenschaft verstehen, kann man u.a. auch Ihrer Zitierweise entnehmen. Da wird als Beweis für die Behauptung, ein deutscher Professor vertrete noch heute die These, das NS-Regime sei aufgrund jüdischer Kriegserklärungen an Deutschland zur kollektiven Inhaftierung der Juden berechtigt gewesen, einen Bericht des Boullevard-Blattes stern vorgelegt, in dem selbst wiederum kein Beleg für diese Behauptung zu finden ist (S. 10).

Die berühmte Vernichtungsdrohung Hitlers gegen die Juden in seiner Reichstagsrede vom 30.1.1939 wird aus dem Zusammenhang gerissen (S. 14). Aus dem Kontext der gesamten Rede wird jedoch klar, daß eine Vernichtung der Juden im Gegensatz zu den tatsächlichen Absichten der NS-Regierung stand. Diese Einseitigkeit wurde sogar von Yehuda Bauer ausdrücklich gerügt. (vgl. Freikauf von Juden?, Jüdischer Verlag, Frankfurt/Main 1996, S. 61f.)

Zur Manipulation greifen die Autoren schließlich, wenn sie eine Passage aus dem Tagebuch Hans Franks, des damaligen Generalgouverneurs Polens, zitieren (S. 14):

»Ich werde daher den Juden gegenüber grundsätzlich nur von der Erwartung ausgehen, daß sie verschwinden. Sie müssen weg. [...] Man hat uns in Berlin gesagt: weshalb macht man diese Scherereien; wir können im Ostland oder im Reichskommissariat auch nichts mit ihnen anfangen, liquidiert sie selber... Wir haben im Generalgouvernement schätzungsweise [...] 3,5 Millionen Juden.«

Bei dem von den Autoren zitierten Broszat findet man aber folgenden Text:

»Ich werde daher den Juden gegenüber grundsätzlich nur von der Erwartung ausgehen, daß sie verschwinden. Sie müssen weg. Ich habe Verhandlungen zu dem Zwecke angeknüpft, sie [gemeint sind die polnischen Juden im Generalgouvernement] nach dem Osten abzuschieben. Im Januar findet über diese Frage eine große Besprechung in Berlin statt, zu der ich Herrn Staatssekretär Dr. Bühler entsenden werde. Diese Besprechung soll im Reichssicherheitshauptamt bei SS-Obergruppenführer Heydrich gehalten werden. Jedenfalls wird eine große jüdische Wanderung einsetzen. Aber was soll mit den Juden geschehen ? Glauben Sie, man wird sie im Ostland in Siedlungsdörfern unterbringen? Man hat uns in Berlin gesagt: weshalb macht man diese Scherereien; wir können im Ostland oder im Reichskommissariat auch nichts mit ihnen anfangen, liquidiert sie selber...32 Wir haben im Generalgouvernement schätzungsweise 2,5, vielleicht mit den jüdisch Versippten und dem, was alles daran hängt, jetzt 3,5 Millionen Juden. [...]«

Ausgelassen wurden also die klaren Bezüge Franks zu Abschiebungen der Juden nach dem Osten und zu einer offenbar diskutierten Möglichkeit, die Juden dort in Siedlungsdörfern unterzubringen. Das freilich unterstützt die revisionistischen Thesen. Haben die Autoren des hier besprochenen Heftes diese Passagen deshalb unterschlagen?

Als Widerlegung umfangreiche, reich dokumentierter Fachbücher weltweit anerkannter Historiker über den Ostfeldzug („Barbarossa") zitieren diese Wissenschaftler einen reißerischen, schlecht fundierten Artikel des Nicht-Historikers Rudolf Augstein aus dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel (S. 25.). Wen sie damit wohl beeindrucken möchten?

UNWISSENSCHAFTLICHE METHODEN

Die Autoren halten die Gegenüberstellung und den Vergleich von Greueln, die im Zweiten Weltkrieg auf allen Seiten begangen wurden, offenbar für verwerflich, da die Revisionisten damit »relativieren« (S. 7). Daß auch die Wechselwirkungen von Drohungen und Gewalttaten im Kriege zu dem von den Autoren an späterer Stelle angemahnten »historischen Kontext« (S. 13) gehört, den es zu berücksichtigen gilt, interessiert sie an dieser Stelle offenbar nicht.

Die historische Wissenschaft muß mehr tun als nur Dokumente und Redetexte analysieren, wie es die hier besprochenen Autoren erneut vorführen. Gerade bei angeblichen, im industriellen Maßstab durchgeführten Massenmorden ungeheuren Ausmaßes bedarf es der forensischen Untersuchung von Tatort, Tatwaffe, Opfern und sonstigen Spuren der Tat. Der von den Autoren auf S. 14f. gerügte revisionistische, »sich expertisch gebende Detaillismus« bildet erst das Fundament, auf dem eine korrekte Interpretation von Dokumenten erfolgen kann. Diese Rangordnung der Beweismittel umzukehren ist höchst unwissenschaftlich.

Unverschämt werden die Autoren, wenn sie Prof. E. Nolte vorwerfen, er stelle mit seinem Engagement, die Thesen der Revisionisten ernst zu nehmen,

»[...] seine wissenschaftliche Autorität nicht in den Dienst der Sache, sondern in den Dienst revisionistischer Politik, der er in äußerst geschickter Weise damit - die Grenzlinie zum Strafrecht weiß er ebenso genau einzuhalten wie er die Tastatur wissenschaftlicher Skrupelösität beherrscht - in der Öffentlichkeit die Wege ebnet.«

Revisionistische Politik? Wer veröffentlicht denn seine Schriften in Heften Politischer Landeszentralen? Wer propagiert denn ununterbrochen die Verfechtung eines bestimmtes Geschichtsbildes als Kampf gegen (vermeintliche) politische Gegner von rechts?

Die wissenschaftliche Maxime audiatur et altera pars - auch die andere Seite ist anzuhören - wird hier auf übelste Weise in die Nähe strafrechtlicher Verfolgung und moralischer Minderwertigkeit gerückt. Mehr kann man seine eigenen Anspruch auf Wissenschaftlichkeit wohl kaum diskreditieren.

UNERLÄSSLICHE EINGESTÄNDNISSE

Es ist ein ungewolltes Lob, wenn der Untertitel der Broschüre den Holocaust-Revisionismus als »Herausforderung für [die] Wissenschaft« anzuerkennen anerkennt, womit ihm zumindest partiell die Wissenschaftlichkeit zugestanden wird. So schreiben denn auch die Autoren über den Revisionismus, was für jede Wissenschaft gültig ist:

»Einfache und leicht widerlegbare Aussagen finden sich neben komplexen technischen oder chemischen Hypothesen, die keineswegs nebenbei erledigt werden können. Legendenbildung steht neben ernst zu nehmenden Rückfragen, Erfindungen neben berechtigter Kritik«

Der Autoren Kritik an überhöhten Zahlen wurde bereits erwähnt. Weiter erwähnenswert ist das Eingeständnis, daß es gefälschte Bilder zur Judenverfolgung gibt, wobei hier ein neuer Fall aufgedeckt wird, den Udo Walendy bereits 1973 angeprangert hatte, nämlich das für das DDR-Fernsehen gestellte »Baumhängen« von Gefangenen im KZ Buchenwald. (vgl. U. Walendy, Bild-»Dokument« für die Geschichtsschreibung?, Vlotho 1973)

FAZIT

Der Berg kreißte und gebar - ein Mäuschen. Erneut haben sich die etablierten Historiker als unfähig erwiesen, sich der revisionistischen Thesen angemessen anzunehmen. Statt dessen wurde wiederum ein politisches Werk produziert, das dem unbefangenen Beobachter erneut den Eindruck vermitteln muß, als habe die etablierte Geschichtswissenschaft etwas zu verbergen. Anders lassen sich die unsachlichen politisch-polemischen Ausschweifung und das ständige Ausweichen vor einer Sachauseinandersetzung mit den revisionistischen Thesen wirklich nicht erklären.

Weder Dr. Wolfgang Ayaß, Historiker mit Schwerpunkt auf der NS-Sozialgeschichte, noch der Pädagogik-Professor Dr. Dietfrid Krause-Vilmar (GH Kassel) scheinen jedoch die geeigneten Ansprechpartner für eine derartige Auseinandersetzung zu sein. Aber wahrscheinlich hat die Hessische Landeszentrale ja kein historisches Aufklärungsziel, sondern einen selbstgestellten volkspädagogischen, antifaschistischen Auftrag, den sie erfüllen möchte. Jedenfalls kann man sich nach Lektüre dieser Broschüre dieses Eindruckes nicht erwehren.


»Ich befehle« - Ein bemerkenswertes Buch

Berndt Krauthoff, Ich befehle. Kampf und Tragödie des Barons Ungern-Sternberg, Verlag Carl Schünemann, Bremen 1938; 2. Aufl. Verlag Bernhard Tauchnitz, Leipzig 1942.

Das hier besprochene Buch ist eines jener Bücher, die zeigen, daß die Literaturproduktion im »Dritten Reich« um einiges vielschichtiger war, als es uns die Nachgeborenen heute weismachen wollen.

Der Held des weitgehend auf Tatsachenberichten beruhenden Romans ist der baltische Adelige Baron Roman Fjodorowitsch von Ungern-Sternberg (1885-1921). Dieser hat als Chef der Asiatischen Kavallerie-Division, einer kleinen weißrussischen Armee, nicht nur den zahlenmäßig weit überlegenen Rotarmisten bravouröse Gefechte geliefert, sondern gegen Ende des russischen Bürgerkriegs für kurze Zeit sogar die Mongolei von den chinesischen Besatzern befreit.

Unrealistisch und als romanhafte Ausschmückung wirkt die karikierende Darstellung des abstoßenden Oberst Sjipailow, der sich nach der Tötung seiner Familie durch die Bolschewiken einem unersättlichen Blutdurst hingibt. Der Baron läßt ihm als Chef der Geheimpolizei freie Hand, seiner Lust an Folterungen und Hinrichtungen nachzugehen.

Offenbar hat niemand eine Kritik an der antikommunistischen Führung Großdeutschlands aus dem Roman herausgelesen. Auch wird das Werk nicht zur Literatur der »inneren Emigration« gezählt. Dies zeigt, daß es anscheinend kein schlechtes Gewissen bezüglich geplanter oder begangener Kriegsverbrechen gab oder nicht geben mußte.

Die Darstellung des Polizeichefs als blutrünstiger Bestie spricht allem Hohn, was man gelernt hat, von »Nazi-Literatur« zu erwarten. Vollends erschauern läßt einen die nachfolgend zitierte Stelle, bei der man sich fragen kann, wieweit solche in aller Unschuld verbreitete Literatur nicht von feindlicher Propaganda ausgenützt wurde:

»Krachend fliegt die Tür auf. Sjipailow steht mit seinen Leuten im Zelt, sieht die toten Kosaken und bricht in stoßweises, schepperndes Lachen aus. Während Tschernow sich widerstandslos, in sein Schicksal ergeben, fesseln läßt und man auch Wera die Arme auf den Rücken bindet, umhüpft Sjipailow kichernd die Leichen der Erschossenen, fährt Wera mit seiner rotbehaarten Hand tastend übers Gesäß, klopft dem ihn um zwei Köpfe überragenden Tschernow vergnügt auf die Schenkel. Vor seinen Mund tritt gelber Schaum.

„Was hast du denn da gemacht, mein Blümchen? Hast die armen Kosakchen totgeschossen? Piff, paff, mausetot, was? War nicht klug von dir, Oberstchen, dem Baron seine besten Kinderchen abzuschießen. Hast sicher gedacht, bist im Wald auf Fasanenjagd? Wirst dir einen dicken Braten herunterholen, was?"

Mit vom Kichern bebender Brust beugt er sich zu einem der toten Kosaken, pustet ihm ins Ohr und kitzelt ihn dann, scheinbar erwartungsvoll, mit dem kleinen Finder unter der Nase. Der Kosak bleibt tot.

„Piff, paff, mausetot! Armes Fasanchen, ach, mein armes Herzchen! Was machen wir denn da mit euch? Soll ich euch den kleinen Wölfchen geben, den guten Tierchen? Oder wollt ihr lieber in die Seifenfabrik, machen wir hübsche rosa Stückchen aus euch, und die Kameraden waschen sich nachher damit."

Sein Körper wird von heftigem Krampf hin und her geschüttelt. Er wischt sich den Schaum vom Mund, kichert weiter."

Als Polizeichef der Mongolei läßt diese kaum mehr als menschlich zu bezeichnende Gestalt »die sechs Juden, die beim Hsian Lama untergekrochen waren« ermorden:

»Gestern sind ihre Leichen im Ochsenwagen zum Tal des Todes geschafft worden, jenem Platze außerhalb der Stadt, wohin die Mongolen die Körper der Gestorbenen bringen und sie dort nackt den Geiern und wilden Hunden zum Fraße hinwerfen. Eine schauerliche Sitte übrigens, wie sich alle, die nicht Mongolen sind, eingestehen müssen.«

Die Frage, welchen Anteil Trivialliteratur dieser Art an Gerüchten aus der Kriegszeit gehabt hat, wäre eine lohnende Forschungsaufgabe, die noch dazu kaum zu kriminalisieren ist.

M.S.


Das Transfer-Abkommen - über gemeinsame Interessen von Zionisten und Nationalsozialisten

Edwin Black, The transfer agreement: the untold story of the secret agreement between the Third Reich and Jewish Palestine, Macmillan, New York/Collier Macmillan, London, 1984, xvi, 430 S., ill., 24 cm.

The Transfer Agreement gilt als eines der kontroversesten Bücher, das je über Israel geschrieben wurde. Anders aber als zum Beispiel Ben Hechts ähnlich kontroverses Drehbuch Perfidy fand dieses Buch niemals ein größeres Publikum. Es wurde plötzlich und sehr schnell aus den Bücherregalen entfernt und ist kaum noch zu finden. Ich danke daher David Perkins, der nach Washington reiste, um mir eine Kopie aus der Library of Congress (Kongress-Bibliothek, Washington DC) zu besorgen.

Was Blacks Buch auf schmerzhafte Weise bestätigt, ist, daß sich die in Jerusalem ansässige Mapai Fraktion der zionistischen Bewegung im Jahre 1933 entschied, NS-Deutschland zu Palästinas Haupthandelspartner zu machen, während zugleich der Rest des Weltjudentums einen Handelsboykott gegen das neue NS-Regime in Deutschland organisierte in der Hoffnung, dieses brechen zu können, bevor es den Holocaust in Gang setzen würde.

Die Basis für diesen Handel war das sogenannte Transfer Abkommen (Transfer Agreement). Denn die Nationalsozialisten und die sozialistischen Zionisten hatten eine wichtige Sache gemeinsam: Beide wollten die Juden aus Deutschland herausholen, die Zionisten zumindest solange, wie die nach Eretz Israel emigrierten. Um eine derartige Überführung der Juden zu arrangieren, wurde ein Abkommen unterzeichnet, dem zufolge jeder Jude, der Deutschland in Richtung Palästina verlassen wollte, sein Kapital dazu einsetzen mußte, um in Palästina deutsche Waren zu kaufen. Während also das Weltjudentum NS-Deutschland wirtschaftlich aufwendig bekämpfte, retteten die Mapai Zionisten Deutschland vor dem finanziellen Ruin.

Kurz: Die sozialistischen Zionisten sicherten das Überleben der Nazis. Um dies tun zu können, war es unerläßlich, daß ihre Rivalen, die rechten Zionisten (Likud) von den entstehenden politischen Machtstrukturen des keimenden Staates Israel entfernt wurden. Der Mord an dem Mapai-Vorsitzenden Chaim Arlozoroff, der die Verhandlungen zum Transfer-Abkommen hauptverantwortlich geleitet hatte, dient den sozialistischen Zionisten daher dazu, die Opposition völlig zu diskreditieren und mit ihren Geschäften mit den Nationalsozialisten unbekümmert fortzufahren. Indem die linken Zionisten derart verfuhren, schufen sie einen Staat mit sozialistischem Angesicht.

Übrigens gleicht dieser Mord bezüglich seines ideologischen Hintergrundes sehr dem neuerlichen Mord an Y. Rabin. Diesmal versuchten die sozialistischen Zionisten diesen politischen Mord dahingehend auszunutzen, um ihren Vertragsschluß mit den judenmordenden Palästinensern zu fördern und um die Einwände des oppositionellen Likud-Blockes durch willkürliche und falsche Beschuldigungen auszuschalten - letztlich wenig erfolgreich, wie wir heute wissen.

Ich gebe zu, daß Black die Dinge in Sachen Transfer-Abkommen nicht ganz so schwarzweiß darstellt. Ich bin mir aber dennoch sicher, daß bei den meisten Leser dieser Eindruck entsteht. Black schlußfolgert in seinem Buch wie folgt:

»Hätte der Boykott Hitlers Regime wirklich beseitigen können? Ich glaube, die Antwort darauf ist, daß der Anti-Nazi-Boykott für eine kurze Zeit eine sehr gute Chance hatte, das Dritte Reich zu stürzen. Der Höhepunkt dieses Boykotts war der 1. April 1933. Hätten sich zu diesem Zeitpunkt weltweit alle jüdischen und zionistischen Organisation hinter diesen Boykott gestellt, hätten sie womöglich einen Großteil der christlichen Bevölkerung und viele Regierungen dazu bewegen können, sich ihnen anzuschließen. So wäre es den Nazis in den ersten Monaten ihrer Herrschaft nicht möglich gewesen, die Kontrolle zu bewahren.«

Allerdings sabotierte ein wahrhaftiges Wer-ist-Wer der frühen zionistischen Helden diesen Boykott. Nachfolgend werde ich die Geschichte des Transfer-Abkommens nachzeichnen, so wie Black sie darstellt. Dabei werde ich nur wenig ausschweifen, um die verschiedenen jüdischen Führer und Organisationen vorzustellen, die in Verbindung mit den sozialistischen Zionisten Palästinas den Boykott bekämpften.

The Transfer Agreement, S. 107ff.: Locker rät der Jewish Agency in Jerusalem, daß die Zionisten aller Länder aus taktischen Gründen eine Beteiligung am Kampf gegen Hitler vermeiden sollten. Locker befürchtete, daß offene Kritik an Hitler zum Zusammenbruch des deutschen Zionismus führen würde...

Die sozialistischen Zionisten suchten die Entspannung mit einem Feind, um einen jüdischen Nationalismus zustande zu bringen... Allerdings verstieß die Gegnerschaft des American Jewish Committees zu Anti-Nazi-Aktivitäten gegen ihre eigene Definition von jüdischer Verteidigung.

S. 127ff.: Indem sie die Ansiedlung deutscher Juden in Palästina mit dem Erwerb deutscher Waren verband,... wurde die zionistische Bewegung nicht nur gezwungen, sich jedem Boykott zu enthalten bzw. sich diesem sogar zu widersetzen; sie war sogar gezwungen, den deutschen Export aggressiv zu unterstützen.

S. 134f.: Die deutsche Regierung fühlte sich sicher, den Boykott durchbrochen zu haben, da die zionistische Bewegung sich am deutschen Exporthandel beteiligte... Die Juden der Welt mußten sich nun entscheiden zwischen der Bekämpfung Hitlers und dem Aufbau Palästinas... Bei diesem Abkommen handelte es sich nicht um ein Rettungs- oder Freilassungsprogramm, denn dann hätten die Zionisten sich für ein Abkommen eingesetzt, bei dem Juden aus Deutschland in jedes Land ihrer Wahl hätten fliehen können.

S. 201: Noch bei einer Mitte Juli 1933 abgehaltenen Kundgebung während des Höhepunktes der Londoner Anti-Nazi-Agitation sprach sich Nahum Sokolow in seiner Funktion als Präsident der Föderation für eine Demonstration zum Verzicht auf Boykottplänen aus. Und Chaim Weizmann sowie andere zionistische Schlüsselfiguren rieten ihren Abgeordneten wiederholt, ihre Anti-Boykott-Politik beizubehalten.

S. 293: Chaim Weizmann, der Zionistenführer, boykottierte eine Sitzung und verlangte, daß sein Name von der Rednerliste des Kongresses gestrichen wird, weil die Teilnahme der rechten Zionisten erlaubt worden war.

S. 301: Am gleichen Nachmittag, als der Führer der rechten Zionisten, Jabotinsky, seine Gefolgsleute ermahnte, ihre politische Unzufriedenheit über den Krieg gegen den Nazismus zurückzustellen, forderte der Führer der sozialistischen Zionisten, Ben Gurion, während einer Mapai-Strategie-Konferenz von seinen Gefolgsleuten das Gegenteil. Die wichtigste Aufgabe der Bewegung sei es, erklärte Ben Gurion, sie von den Rechten zu säubern und den politischen Einfluß Mapais auf die gesamte zionistische Organisation auszuweiten.

S. 306: Dr. Ruppin sorgte dafür, daß in den meisten seiner Redeentwürfe jeder Bezug zum Transfer-Abkommen gestrichen würde. Dr. Ruppin wollte offenbar glauben machen, er habe dieses Thema niemals erwähnt.

S. 308: Die Argumente der Rechten wurden nicht zur Kenntnis genommen. Motzkin verkündete, daß es über Resolutionsentwürfe gemäß der Entscheidung des von Mapai dominierten Präsidiums keine Debatte geben werde... Nahum Goldmann drängte darauf, daß der Kongreß Einheit zeigen sollte, indem nur die von Mapai eingebrachten Resolutionen beachtet werden sollten.

S. 310ff.: Inhaber deutscher Investitionen, Wertpapiere und Anleihen wurden beschworen, auf den Gewinn mit dem Handel dieser Nazi-Papiere zu verzichten... Nun aber war die zionistische Organisation selbst willens, den Boykott für genau jenen wirtschaftlichen Gewinn zu unterlaufen, auf den zu verzichten viele in der Welt gedrängt worden waren.

S. 361: Die Führerschaft des weltweiten Boykotts war den zionistischen Führern und Organisationen übertragen worden. Dies wurde das Verhängnis des vom Weltjudentum genährten internationalen Boykotts. Er wurden von Personen geführt, die tatsächlich gegen ihn waren.

S. 373: 1935 war die Notwendigkeit Palästinas zum Erwerb deutscher Waren als Voraussetzung zur Freigabe jüdischer Geldanlagen in Deutschland größer geworden als man jemals gedacht hatte. Die zionistische Organisation gründete daher eine weitere Transfer-Gesellschaft, die ein Vertriebsnetz im Irak, in Ägypten, Syrien und anderswo in der Region unterhielt. Somit wurde der nahöstliche Markt für eine breite Palette deutscher Waren geöffnet, von Volkswagen bis Dentalbedarf.

S. 375: 1936 hatte sich die jüdische Bevölkerung Palästinas verdoppelt... Die Stadt Haifa war zu einer geschäftigen deutschen Immigrantenstadt angewachsen. Palästina war auf dem Weg, von Juden majorisiert zu werden, auf dem Weg zu einem jüdischen Staat.

S. 382: Die quälende Frage ist: War die fortwährende enge wirtschaftliche Beziehung zu Deutschland ein unabdingbarer Faktor für die Gründung des Staates Israel? Die Antwort darauf lautet: ja.

So endet Blacks irritierendes Buch. Die sozialistischen Zionisten setzten sich durch: sie schufen einen Staat nach ihren Vorstellungen. Und die Kosten dafür waren 6 Millionen Menschenleben. Der selbe Staat hätte auch durch die rechten Zionisten geschaffen werden können, wäre ihnen nur erlaubt worden zu kämpfen.

Und der Blutzoll dafür wäre hoch gewesen, aber retrospektiv betrachtet wesentlich vernünftiger.

Barry Chamish

Anmerkung der Redaktion: Wir haben diese Rezension wegen des interessanten Buches unverändert übernommen, ohne die Meinung des Rezensenten uneingeschränkt zu teilen.


Der Holocaust als Staatsreligion Israels und Identifikationsmythos des jüdischen Volkes

Tom Segev, The Seventh Million, Hill and Wang, New York 1993, 593 S.

Professor Robert Faurisson bemerkte einst, der Holocaust sei in so etwas wie eine zivile Religion der Juden verwandelt worden. Jeder, der diese Stellungnahme verstehen will, sollte das hier besprochene Buch The Seventh Million (Die Siebte Million) lesen.

Äußerst detailliert zeigt Segev, wie sich für die Zionisten der Holocaust, also die fabulöse „Vergasung" von sechs Millionen Juden, von einem Ereignis geringer, ja nur marginaler Bedeutung zur wahren Besessenheit gewandelt hat.

Der erste Abschnitt von Segevs Buch behandelt annähernd dasselbe Gebiet wie Lenni Brenners Buch Zionism in the Age of the Dictators (Der Zionismus im Zeitalter der Diktatoren, Croom Helm, Kent, and Laurence Hill, Westport, Conn., 1983, online: http://abbc.com/aaargh/engl/zad/zad.html) oder Edwin Blacks The Tranfer Agreement. Segev stellt fest, daß das Hauptinteresse der zionistischen Führer die Gründung des Staates Israel war, nicht aber die Rettung der Juden in Europa. Nach dem Krieg wurde diese unschöne Tatsache der Hauptstreitpunkt zwischen David Ben Gurions Mapai-Partei und der oppositionellen Herut-Partei.

In der unmittelbaren Nachkriegszeit spielte dieser Streit aber keine derart große Rolle. Der Leser erfährt, daß die Holocaust-„Überlebenden" vom in Gründung befindlichen Staat Israel durchaus nicht umarmt wurden. Tatsächlich schauten die in Palästina geborenen Sabras auf die Juden Europas herab, die sich deren Ansicht nach wie Lämmer zu den Schlachtbänken, d.h. in die mystischen „Gaskammern" hatten führen lassen. Wären sie vor dem Krieg nach Palästina emigriert, wären sie gerettet gewesen.

Der Holocaust bewies also nicht bloß die Notwendigkeit des Zionismus, sondern beschuldigte zudem auch die „Überlebenden" selbst. Dies ist freilich eine völlig andere Sicht der Dinge als sie den heutigen, schuldgequälten Nichtjuden aufgezwungen wird.

The Sevens Million legt die inneren Widersprüche des Staates Israel schonungslos offen. Die Yekkes, wie die zionistischen Immigranten aus Hitlers Deutschland genannt wurden, waren Objekt der unablässigen Feindschaft oder oder

seitens der Sabras. Sie wurden beschuldigt, den typisch deutschen Respekt vor jeder Autorität zu haben und somit wenig besser als die Nationalsozialisten selbst zu sein. Ihre jiddischen Veröffentlichungen wurden als Brüskierung des offiziellen Hebräisch angesehen. Insgesamt gesehen war ihr neues zionistisches Dasein alles andere als einfach.

Eines der Hauptthemen im Israel der 50er Jahre war die Frage der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zu Deutschland. Das Thema wurde vor allem emotional angegangen. Es gab erhitzte Debatten darüber, aber Ben Gurion bestand darauf, die Bande zu Deutschland zu festigen, um Israel wirtschaftlich und militärisch zu stärken.

Die von Deutschland gezahlten Reparationen erfolgten nicht zur Entschädigung der „6 Millionen" ermordeten jüdischen Verwandten. Vielmehr waren sie dazu gedacht die Juden für ihr unrechtmäßig beschlagnahmtes Eigentum zu entschädigen, wo auch immer sie nun wohnten. Später wurden die Reparationen zudem auf Fälle wie unterbrochene Karriere und entgangener Lohn ausgeweitet.

Segev unterstreicht, wie Nahum Goldmann vom Jüdischen Weltkongreß anfangs einer relativ kleinen Entschädigungssumme zustimmte, die später immer weiter erhöht wurde. Das sich aus diesem Vertrag ergebende Wiedergutmachungsspektakel wird von Segev recht unterhaltsam beschrieben.

Die Deutschen betrachteten die meisten der Forderungen als einen möglichen Betrug und überprüften sorgfältigst die in den Anträgen niedergelegten Daten und Angaben. Dieser frühe bürokratische Revisionismus erwischte viele Juden, die nach der schnellen Mark aus waren, auf frischer Tat. Es ist schade, daß nur so wenige Forscher, die sich dem Holocaust widmen, derart unerschrocken skeptisch sind.

Die Kapitel über die Prozesse gegen Kastner und Eichmann sind womöglich die wichtigsten in Segevs Buch. Der Kastner-Prozeß ergab sich als Folge einer von Malchiel Grunewald veröffentlichten Broschüre, in der Dr. Rudolf Kastner, zu jener Zeit offizieller Vertreter der Mapai-Regierung Israels, vorgeworfen wurde, er habe während des Krieges mit den Nationalsozialisten kollaboriert, um seine besten Freunde zu retten, während er den Rest nach Auschwitz in die „Gaskammern" geschickt habe. Dr. Kastner war damals Amtsträger der Jewish Agency in Ungarn und auch bei dem sogenannten Joel-Brand-Abkommen „Juden gegen Lastwagen" beteiligt gewesen.

Das Kastner-Verfahren wurde für Ben Gurion und Mapai zu einer fürchterlichen Katastrophe. Das Gericht stellte damals fest, was den zionistischen Führern schon immer bekannt gewesen war, vor dem Mann auf der Straße aber verborgen wurde: Wenige ausgewählte Juden zu retten und den Rest zu opfern war die Standardpolitik der Zionisten während des Krieges. (Natürlich basierte das gesamte Verfahren auf der falschen Voraussetzung, daß die Juden tatsächlich ausgerottet worden waren.)

Der Kastner-Prozeß war ein Ereignis, das es der oppositionellen Herut-Partei um Menachem Begin zum ersten Mal ermöglichte, die Vormachtstellung von Mapai zu brechen. Auch wenn das Urteil zugunsten Grunewalds wenig später beim Obersten Israelischen Gerichtshof aufgehoben wurde, war der Schaden da. Kastner wurde übrigens später von einem zionistischen Fanatiker ermordet.

Die Entführung von Adolf Eichmann, um ihn in Israel vor Gericht zu stellen, war Ben Gurions Gelegenheit, den durch den Kastner-Prozeß entstandenen Schaden zu beheben.

Während der ganzen Verhandlung setzte der Staatsanwalt Guideon Hauser alles daran zu beweisen, wie heldenhaft die Juden gegen den Holocaust angekämpft hatten. Eichmann, der angebliche Angeklagte in diesem Verfahren, war fast irrelevant. Das Gericht versäumte es völlig, seine Rolle bei der Ingangsetzung dieses angeblichen Massenmordes zu erhellen. Aber Ben Gurion und Mapai war es möglich, Öffentlich zu beweisen, daß die Juden und ihre Führer während des Krieges keine „Kastners" gewesen waren.

Seit dem Eichmann-Prozeß ist der Holocaust eine permanente Größe im Bewußtsein Israels. Fast alle israelischen Lehrpläne über die „sechs Millionen" stammen aus dieser Zeit oder später.

Heute ist der Holocaust das Big Business in Israel, so wie auch im Rest der Welt. Den Israelis wird gelehrt, sie sollten die „Bedeutung" des Holocaust tiefgründig erforschen, mit der unausweichlichen Schlußfolgerung, daß nur die unbedingte Unterstützung des Staates Israel und seiner Politik einen weiteren Holocaust verhindern kann. Es ist diese letzte Konsequenz, die Tom Segev infrage stellt. Auch wenn er kein Revisionist ist, versteht er doch, daß die nationalistische Interpretation der „sechs Millionen"-Geschichte falsch ist. Segev zitiert Prof. Yehuda El Kana, der in der israelischen Zeitung Haaretz unter dem Titel »For Forgetting« (Für das Vergessen) schrieb:

»Ich sehen keine größere Gefahr für die Zukunft Israels als die Tatsache, daß der Holocaust methodisch in das Bewußtsein der israelischen Öffentlichkeit eingeimpft wurde, einschließlich jenes großen Teiles der Öffentlichkeit, der den Holocaust selbst nicht erlitt, und einschließlich der Generation von Kindern, die hier geboren wurde und aufwuchs.

Zum ersten Mal habe ich die ernsten Folgen dessen begriffen, was wir getan haben, indem wir jahrzehntelang jedes Kind in Israel immer und immer wieder zu Besuchen nach Yad Vashem geschickt haben. Was haben wir geglaubt, würden diese unbedarften Kinder mit einer solchen Erfahrung anfangen? Mit verschlossenem Geist und verschlossenem Herzen, ohne Interpretation, haben wir ausgerufen: „Erinnert Euch!" Warum aber?

Was soll ein Kind mit derartigen Erinnerungen anfangen? Es ist wahrscheinlich, daß ein Großteil der Kinder diese Bilder des Schreckens als einen Aufruf zum Haß deuten würde. „Erinnert Euch!" könnte als Aufruf für einen langanhaltenden, blinden Haß gedeutet werden.

Es mag sein, daß sich die Welt als Ganzes erinnern wird. Ich bin mir dessen nicht sicher, aber auf jeden Fall ist dies nicht unser Problem. Jede Nation, einschließlich der deutschen, wird im Kontext ihrer eigenen Überlegungen für sich selbst entscheiden, ob sie sich erinnern will oder nicht.

Wir andererseits müssen vergessen. Ich kann für die Führer unseres Landes kein wichtigeres politisches und erzieherisches Ziel erkennen, als für das Leben aufzustehen, damit wir uns der Gestaltung der Zukunft widmen - und nicht etwa, daß wir Tag und Nacht mit Symbolen, Feierstunden und Lehrstücken über den Holocaust verbringen. Die dominante Rolle der historischen Erinnerung muß aus unserem Leben ausgemerzt werden.«

Und das ist genau, was Tom Segev richtig als die Aufgabe der „siebten Million" angibt.

John Small


Verschwörungstheorie: Die Verfolger sind nicht nur theoretischer Natur

Conspiracy Theory, Regie: Richard Donner; Drehbuch: Brian Helgeland; Produzent: Joel Silver und Richard Donner; im Auftrag von: Warner Brothers. Laufzeit: 135 Minuten. Besetzung: Mel Gibson (Jerry Fletcher), Julia Roberts (Alice Sutton), Patrick Stewart (Dr. Jonas) und Cylk Cozart (Agent Lowry).

Die polit-kriminellen Verschwörer dieses unseres Zeitalters der Enthüllungen (die ihrerseits zum großen Teil von den Verschwörern selbst gemacht werden) haben sich seit jeher gegen die Verfolgung und Bestrafung ihrer Straftaten hauptsächlich dadurch verteidigt, indem sie die Wahrheit durch die Vermischung mit jeder Menge Lügen unkenntlich machten.

Die Agenten dieses Systems säten die Grundlage für die Ansicht, das „alles" Krebs auslöse und „jedermann" John F. Kennedy getötet habe. Die logische Folge davon ist, daß etwa die Untersuchungen von Lebensmitteln, die einen krank machen, und solchen, die ernähren, dermaßen mit gegensätzlichen Behauptungen und Zweideutigkeiten gefüllt sind, daß es unmöglich ist, die Wahrheit herauszufinden. Essen Sie daher alles, was sie wollen, denn was auch immer Sie tun, Krebs bekommen sie ohnehin.

In ähnlicher Weise wurde den verschiedenen, miteinander konkurrierenden Lösungen des Rätsels, wer US-Präsident Kennedy ermordet hat, in der Öffentlichkeit ein ähnlicher Grad an Plausibilität verpaßt: Castro tat es und die Anti-Castro-Leute; die Kommunisten ermordeten ihn ebenso wie die Anti-Kommunisten; es war der CIA; die Mafia; der militärisch-industrielle Komplex; der Mossad, der MI5, die Freimaurer, Ihre Oma und Ihr Onkel Otto.

Nach einer Weile lösen sich alle Untersuchungen über JFK in einem einzigen Brei von Widersprüchlichkeiten auf, der verwirrender ist als das ursprüngliche Mysterium, und so läßt man uns demoralisiert und apathisch alleine. Wenn jeder Kennedy getötet hat, so war es in gewisser Weise niemand, zumal eine Anklage und Bestrafung unmöglich wird, wenn man mit einem derartigen Chaos widersprüchlicher Theorien bombardiert wird.

Mit dem Anwachsen der vorsätzlich herbeigeführten Verwirrung wächst auch die hypnotische Beschwörungsformel des Establishment, bei den Verschwörungstheoretikern handele es sich um eine lästige Plage oder schlicht um Verrückte. Dies war die Lage in dem Schachspiel zwischen denen, die die Verschwörer zu decken versuchen, um ihnen ihre Machtpositionen zu bewahren.

Jetzt aber gibt es einen neue „Enthüllung" in Form des Spielfilms »Conspiracy Theory«, der die Glaubwürdigkeit der Verschwörungstheoretiker wiederherstellt und ihre Anliegen würdigt.

In pompös und melodramatisch aufgemachter Art entwaffnet uns »Conspiracy Theory« mit seinem charmanten Humor, etwa wenn der New Yorker Taxifahrer Jerry Fletcher (gespielt von Mel Gibson) in einigen komischen Szenen vorgestellt wird, durch die man ihn lieb gewinnt, im Gegensatz etwa zu seinen extremen, paranoiden Überzeugungen. Während des ersten Drittels des Filmes ist man davon überzeugt, daß er in Wahnvorstellungen lebt, aber durch seine verrückte Liebe zum Leben gewinnt er des Zuschauers Zuneigung (Die Begleitmusik zum Film beinhaltet bezeichnenderweise auch den lyrischen Titel, »I thank God I'm alive« (ich danke Gott, daß ich lebe)).

Und Jerry ist wahnsinnig. Aber er hat auch recht. Wie das? Nun, der Film zeigt, daß Jerry ähnlich wie viele Verschwörungstheoretiker Fakten, Fiktionen und Phantasien zusammenmischt. Aber der Film macht deutlich, daß einiges davon wichtig ist, daß Jerry auf einer richtigen Spur ist und daß nicht alles, was er verkündet, falsch ist, nur weil einiges davon falsch ist.

Jerry erzählt einen Haufen Mist. Er sagt, George Bush sei ein Freimaurer des 33. Grades (was er nicht ist, er ist lediglich ein Mitglied der Skull and Bones society (Totenkopf-Gesellschaft). Er behauptet, daß der Hollywood Regisseur Oliver Stone umgehend getötet würde, wen er in seinen Verschwörungsdrehbüchern die Wahrheit berichten würde. (Jerry übersieht, daß die Verschwörer des modernen Zeitalters die Veröffentlichung bestimmter Details ihrer Operationen durchaus gutheißen bzw. akzeptieren können).

Er ist besessen von J.D. Salingers überbewertetem Roman der jugendlichen Abwendung, A Catcher in the Rye (Der Häscher im Roggen, das Lieblingsbuch des Mörders von John Lennon), auch wenn er zugeben muß, es nie gelesen zu haben. (Dem Rezensenten ist von einem okkulten oder verschwörungstheoretischen Inhalt des Buches nichts bekannt).

Jerry besteht darauf, daß alle Serienmörder einen Vornamen, alle Attentäter aber zwei hätten. Er bemerkt, daß die Serienmörder Ted Bundy und David Berkowitz einen, die Attentäter Lee Harvey Oswald und James Earl Ray aber zwei Vornamen hatten. In dieser Hinsicht ist Jerry wirklich abgedreht. Der mit 33 Opfern Top-Serienmörder aller Zeiten war John Wayne Gacy, mit zwei Vornamen. Huey Longs Mörder soll ein Carl Weiss gewesen sein, ein Attentäter mit einem Vornamen. Jerry hat unrecht, aber sind nicht alle Propheten, Mysteriker und Glücksspieler manchmal im Unrecht? Der Bursche mit der unheimlich geschickten Hand bei Aktienspekulationen oder Pferderennen ist ebensowenig unfehlbar. Er hat fast so häufig unrecht wie umgekehrt, aber er ist so viel häufiger im Recht, daß es für ihn zum Leben reicht.

Von den Leugnern aller Verschwörungstheorien wird jemand wie Jerry in der Regel abgelehnt, weil seine Namenstheorie in Sachen Serienmörder falsch ist oder bezüglich George Bushs Hintergrund Unwahres verbreitet. Tatsache aber ist, daß Jerry mit seinen Thesen so häufig recht hat, daß ein mächtiges Regierungsamt ihn gerne tot wissen möchte.

Jerry, der, wie sich im Laufe des Films herausstellt, selbst an einem geheimen CIA-Projekt teilnahm, durchschreitet alle möglichen Phasen von Verrücktheit und Wahnvorstellungen. Vieles, was er sagt, ist Unsinn, aber es hat einen wahren Kern, der für ihn derart tödlich sein kann, das dies allein seine Paranoia rechtfertigt.

Und das ist, was »Conspiracy Theory« uns mitteilen will: Sicher gibt es eine Menge Verrückte, die heutzutage Verschwörungen nachgehen, und sie verbreiten dabei oft Unmengen von Desinformationen, geradeso wie die Tageszeitungen. Aber auch wenn die Tagespresse versucht, uns durch die Veröffentlichung falscher Angaben irrezuführen, etwa indem sie behauptet, die israelische Regierung sei wohltätig und die US-Bundesbank sei verfassungskonform, bedeutet das nicht, daß wir sie ignorieren sollten, etwa wenn sie einen Bericht über eine Örtliche Gaststätteneröffnung bringt oder daß ein alter Volksschullehrer gestorben ist. Wir müssen fortfahren, die Tageszeitungen als Quelle zu benutzen, auf die wir unsere Fähigkeit zum kritischen Denken und zur Analyse anwenden.

Das ist, was der Film »Conspiracy Theory« uns klarmacht. Verwerfen Sie nicht jede Theorie, die »unserer« Regierung vorwirft, sich gegen uns verschworen zu haben. Eine der wichtigsten Weisheit dieser Welt ist, daß der Schein oft trügt. Seien Sie wachsam. »Conspiracy Theory« stützt unsere Moral, indem der Film darstellte, wie der entrechtete Jerry Fletcher gegen die gegen ihn aufgefahrene Streitmacht zurückschlägt. Immer wieder vereitelt er die gegen ihn gerichteten Anschläge dunkler Regierungsagenten, die schwarze Hubschrauber, moderne Abhörtechnik und ganze Schlägertrupps auf ihn ansetzen. In einer Szene blockiert er den ganzen Verkehr und entkommt seinen High-Tech-Verfolgern in nichts weiter als einem alten Auto, das er dann auch noch auf einer Brücke zurücklassen muß. Der sich bei seinen Verfolgern aufstauende Frust bereitet dem Zuschauer sichtliches Vergnügen. »Conspiracy Theory« gibt auch jenen Millionen Amerikanern neuen Mut, die an eine Verschwörung glauben, die sich aber wegen der medialen Suggestion von der allmächtigen Bundesregierung aus Furcht völlig zurückgezogen haben. Ihre Reaktion ist seither, so viel Geld wie möglich zu horten und in einer sicheren Zuflucht Armageddon abzuwarten.

Millionen wurden Opfer dieser Paralysierung. Sie verließen das Schlachtfeld zu einem Zeitpunkt, da ein Sieg noch möglich war, ohne auch nur einen Schuß abgegeben zu haben, weil ihre Gegner ihnen einredeten, jeder Widerstand sei zwecklos. Dies entspricht der Strategie von Sun Tzu: »Der Überlegene gewinnt die Schlacht ohne zu kämpfen.«

Aber Jerry Fletcher durchkämpft diese Schlacht gegen große Unbill - wie jeder Mann, der es wert ist, so genannt zu werden - und er obsiegt dank seines Mutes und seines Vertrauens.

Wie Jerry, so ist das ganze US-amerikanische Volk eingeweiht - vielleicht nicht gleich durch den CIA, wie bei Jerry - aber doch als Zuschauer des okkulten Theaters, das sich heute in Form von Hollywood und den vielen Fernsehkanälen manifestiert, in denen immer wieder unterbewußte Symbole von z.T. okkulter Bedeutung - z.B. brutalisierter Sex und allerlei Todesriten - aufblitzen. Die daraus resultierende erhöhte Aufmerksamkeit, paradoxerweise vermischt mit abgestumpfter Empfindsamkeit, erzeugt eine Art Irresein und Langeweile, die wie ein rachsüchtiges Phantom durch unser kollektives Unterbewußtsein wirbelt.

Der Hauptdarsteller Mel Gibson selbst ist der Sohn eines bekannten Verschwörungstheoretikers. Sein Vater Hutton schrieb ein Buch, in dem er die These vertrat, Papst Paul VI. sei gar nicht der wirkliche Papst gewesen.

Laut einer Publikation von Warner Brothers soll Mel Gibson am Rande der Dreharbeiten geäußert haben:

»In gewisser Weise glaube ich schon, daß die Verschwörungstheorien etwas Wahres an sich haben. Man hört etwas, das wahr sein könnte, und es ist faszinierend sich vorzustellen, daß etwas Wahres daran ist. Ich habe keinen Zweifel, daß irgendwo eine verborgene Macht am Werke ist, die die Dinge geheim hält und nur einen Teil an die Öffentlichkeit gelangen läßt.«

Abgesehen von kleineren, hier nicht zu besprechenden Schwächen ist »Conspiracy Theory« eine ermunternde Unterstützung für alle Wahrheitssucher, und der Film sollte mithelfen, die Apathie und Paralyse zu überwinden, die so viele US-Amerikaner befallen hat. »Conspiracy Theory« ruft dazu auf, daß wir alle uns aus unseren Löchern wagen, um das Böse zu bekämpfen, und daß der Kampf selbst ein Teil dessen ist, was das Leben lebenswert macht. Der paranoide Jerry Fletcher - Kämpfer und Wahrheitssucher - platzt vor Lebensfreude.

© 1997 Michael A. Hoffman II


Die im vorigen Heft angekündigte Rezension von Prof. K. Soijka (Hg.), Die Wahrheit über die Wehrmacht, FZ-Verlag,
mußte aus Platzgründen verschoben werden. Die Redaktion


Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 2(2) (1998), S. 148-157.
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