Zweifeln verboten, Fragen verboten, zitieren verboten!

Über die Gründe zur Einziehung des Buches Kardinalfragen zur Zeitgeschichte

Von Ernst Gauss

Mit Beschluß vom 18.3.98 hat das Amtsgericht Weinheim unter Richter Loose die 1996 von V.H.O. verlegte Schrift Kardinalfragen zur Zeitgeschichte mit gesammelten Beiträgen von Germar Rudolf eingezogen (Az. 2 Ds 11 Js 5428/97), da darin der Holocaust geleugnet werde und somit der Volk verhetzt werde. Falsch heißt es in dem Beschluß, in dem Buch werde für das Rudolf Gutachten Werbung gemacht, für das Rudolf bereits wegen Volksverhetzung verurteilt worden sei. Tatsächlich wurde Rudolf aber nicht wegen seines Gutachtens, sondern nur wegen der von Generalmajor a.D. O.E. Remer ohne Wissen Rudolfs hinzugefügten Kommentare verurteilt (LG Stuttgart, Az. 17 KLs 83/94). Bezeichnend für die Begründung dieses Büchervernichtungsbeschlusses sind die Zitate aus dem eingezogenen Buch, die die volksverhetzende Wirkung angeblich belegen sollen. Da sie in ihrer Banalität und Sachlichkeit völlig für sich sprechen, werden die inkriminierten Passagen nachfolgend unkommentiert und vollständig abgedruckt. Damit dürfte jedem Leser selbst klar werden, wie weit die Gesinnnungsdiktatur in Deutschland bereits gediehen ist.

1. Aus dem Beitrag »Vom Eros der Erkenntnis« (S. 12) – oder: Zweifeln verboten!

»Wie allgemein bekannt sein dürfte, macht es keine der Weltreligionen ihren Anhängern zum Vorwurf, wenn sie an ihrem Glauben zweifeln sollten. Der Zweifel, so lehren uns die Religionen, ist menschlich und daher tolerierbar. Wer zweifelt, der ist nicht deswegen schuldig.

Als ich durch den Leuchter-Bericht anfing zu zweifeln, ob die überkommene Geschichtsschreibung über den Holocaust richtig sei, fühlte ich mich jedoch zugleich schuldig, denn in unserer Gesellschaft werden wir von Kindesbeinen an dazu erzogen, daß die Darstellungen über den Holocaust nichts als die reine Wahrheit sind und daß es sich bei jenen, die zweifeln oder gar abstreiten, nur um böse oder irre Menschen handeln kann: Extremisten, Nazis, Judenhasser, Volksverhetzer, Schwachsinnige, Verblendete, Idioten usw. usf.

Nun war durch ein rein chemisches Argument in mein Herz der Stachel des Zweifels gesenkt worden, und er war nicht dadurch auszumerzen, indem ich ihn zu verdrängen oder zu vergessen suchte, denn das gelang nicht. Ich zweifelte, fühlte mich deswegen schuldig und wußte dennoch, daß es nicht richtig sei, sich schuldig zu fühlen.« (S3f. des Beschlusses) […]

»Bis zum Beginn meines Promotionsstudienganges im Herbst 1990 habe ich dann lediglich zwei Bücher zum Thema gelesen, nämlich Wilhelm Stäglichs Buch Der Auschwitz Mythos und das Buch von Kogon et al. Nationalsozialistische Massentötungen durch Giftgas.

Neben der Lektüre dieser Bücher habe ich Informationen über den sogenannten Zündel-Prozeß gesammelt, um herauszufinden, welche Argumente denn dort ausgetauscht wurden. Ich habe in diesem Zusammenhang wohl im Winter 1989/1990 erfahren, daß es sich bei Zündel, der den Leuchter-Report in Auftrag gegeben hatte, um einen Bewunderer Hitlers handelt.

Ich erinnere mich noch genau, daß diese Erkenntnis auf mich wie ein Schlag in die Magengrube wirkte, mußte ich doch nun damit rechnen, daß der Leuchter-Report eventuell doch nicht die unabhängige Arbeit eines unpolitischen amerikanischen Technikers ist, sondern lediglich das Instrument eines deutsch-kanadischen Neonazis. Aber durch solche Erwägungen waren die von Leuchter ins Feld geführten Argumente nicht aus dem Weg zu räumen und damit nicht meine Zweifel an dem überkommenen Geschichtsbild.

Mit anderen Worten: Zu diesem Zeitpunkt setzte sich bei mir die Erkenntnis durch, daß ein Sachargument auch dann ein Sachargument bleibt und als solches von einem Wissenschaftler zur Kenntnis genommen werden muß, wenn es von jemandem stammt, der dieses Argumente aus irgendeiner politischen Kalkulation heraus anführt.« (S. 4 des Beschlusses)

2. Aus dem Beitrag »Über den Schutz der Menschenwürde« (S. 17f.) – oder: Fragen verboten!

»Eine wissenschaftliche Arbeit, die zu dem Ergebnis kommt, daß es den Holocaust nicht gegeben hat, würde niemanden in seiner Würde unzulässig beeinträchtigen können, denn kein Ergebnis einer wissenschaftlichen Arbeit darf verboten werden. Eine solche Arbeit müßte also in einem Rechtsstaat als Beweis zugelassen werden, damit ein Angeklagter seine umstrittene Meinung unter Beweis stellen kann.« […]

»Die deutschen Gerichte schützen die Würde jedes Juden, dem im Zusammenhang mit dem Holocaust eine Lügnerschaft vorgeworfen wird, vor allen erdenklichen Angriffen. Im Sinne eines ausgedehnten Opferschutzes kann man das akzeptieren. Indem unsere Gerichte mit ihrer verabsolutierten Offenkundigkeit alle Entlastungsbeweise abwehren, unterlassen bzw. unterbinden sie aber zugleich alles, was z.B. die Würde des Wissenschaftlers schützen könnte, dem vorgeworfen wird, er habe ein pseudowissenschaftliches Lügengebäude errichtet.« […]

»Hat der verurteilte SS-Mann überhaupt eine Würde, die es zu schützen gilt? Diese Frage wird sich so mancher Zeitgenosse stellen, und der Umstand, daß möglicherweise viele diese Frage spontan mit Nein beantworten würden, zeigt, daß der Gleichbehandlungsgrundsatz vor dem Gesetz in den Vorstellungen vieler Bürger längst aufgehoben wurde. Ja, tatsächlich: Die Würde des Juden ist genauso schützenswert wie die des SS-Mannes.« (S. 5 des Beschlusses)

3. Aus dem Beitrag »Über richtige und falsche Erkenntnisse« (S. 19f.) – oder: Zitieren verboten!

In den Kardnalfragen zur Zeitgeschichte werden Passagen aus dem Buch Stalins Vernichtungskrieg von Dr. Joachim Hoffmann (München 1995) zitiert, ehemals Mitarbeiter des bundeseigenen Militärgeschichtlichen Forschungsamtes. Der Beschluß des Mannheimer Amtsgerichts spricht hier seltsamerweise von einem »sogenannten früheren Mitarbeiter«, was entweder die Ignoranz und Inkompetenz des beschlißeenden Richters oder dessen Infamie beweist. Der Beschluß (S. 6) inkriminiert diesbezüglich folgende Passagen, in den Hoffman (dort S. 150, 153-157, 160f., 179, 185, 302f.) z.T. wörtlich zitiert wird :

»So spricht er [Dr. J. Hoffmann] von Greueltaten, »die auf deutscher Seite tatsächlich oder auch nur angeblich verübt worden sind«. Er nennt als Todesursachen der Konzentrationslager Treblinka, Sobibor, Belzec, Majdanek und Auschwitz »Vernichtungsaktionen oder das Massensterben« (Hervorhebung durch mich), anstatt des sonst üblichen und. Er erörtert, daß in den frühen Meldungen der Sowjetunion und in den Feststellungen des Internationalen Militärtribunals von Nürnberg nur untergeordnet von Vergasungen in Auschwitz die Rede war. Er spricht von »in Majdanek angeblich vorgenommenen Vergasungen«, nennt die Praktiken des Internationalen Militärtribunals fragwürdig und bezichtigt die Sowjetunion, das Internationale Militärtribunal durch vielfältige Dokumentenfälschungen bezüglich angeblicher deutscher Greueltaten irregeführt zu haben. Er nennt die Gesamtopferzahl des Holocaust wie auch speziell des Lagers Auschwitz »eine Zahl der Sowjetpropaganda«, »dazu bestimmt, die Öffentlichkeit und vor allem das Denken in den angelsächsischen Ländern zu beeinflussen«. Er behandelt den angeblich 1941 durchgeführten Massenmord deutscher Einsatzgruppen an den Juden von Kiew in der Schlucht von Babij jar unter dem Kapitel »Sowjetische Untaten werden den Deutschen zugeschrieben« und bemerkt dort lapidar, daß »eine Auswertung der zahlreichen Luftaufnahmen in unseren Tagen [...] anscheinend zu dem Ergebnis« geführt habe, »daß im Gegensatz zu den deutlich sichtbaren umfangreichen Massengräbern des NKVD [...] das Gelände der Schlucht von Babij jar zwischen 1939 und 1944, während der deutschen Besetzung, unversehrt geblieben ist«.

Erschreckend ist zudem, daß es das Gericht ohne jede Begründung und Beweisführung fertig bringt, die sachliche Berichterstattung über die juristische und gesellschaftliche Verfolgung Germar Rudolfs als strafbaren Rechtfertigungsversuch des Rudolf Gutachtens zu bezeichnen. Auch die Kritik, die der Beschluß an den anderen im eingezogenen Sammelband abgedruckten Beiträgen übt, erfolgt völlig pauschal und ohne jede Beweisführung, so daß eine Erwiderung darauf unmöglich ist.

Wenn das kein Staatsterrorismus ist, was ist es dann?

V.H.O. bietet die Kardinalfragen weiterhin zum Kauf an, weist jedoch daraufhin, daß nach dem vorliegenden Einziehungsbeschluß nur der Erwerb von Einzelexemplaren zum persönlichen Bedarf straffrei ist. Mehrfachsendungen werden nur mit dem Hinweis versandt, daß diese Sendung ohne Ihren Auftrag und auf unsere Kosten erfolgt (– und Nicht-erwischt-werden bleibt natürlich auch noch straffrei). Außerdem kann eine elektronische Fassung der Kardinalfragen abgerufen werden unter http://www.vho.org/D/Kardinal/KR.html.


Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 2(2) (1998), S. 144f.
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