Bücherschau

Ein prüfender Blick in Amerikas »Todesstrafen-Industrie« bestätigt das Leuchter-Gutachten

Stephen Trombley, The Execution Protocol: Inside America's Capital Punishment Industry, Crown, New York 1992, 342 S., ill., Index.

Der Leuchter Report

Als der französische Professor Robert Faurisson und andere revisionistische Skeptiker anfingen, schwierige Fragen darüber zu stellen, wie genau die unrühmlichen Gaskammern in Auschwitz gebaut waren und funktionierten, erwiderten die Verteidiger der Holocaust-Geschichte schlicht, derartige Fragen seien einfach nicht erlaubt. In einer am 21.2.1997 in Le Monde veröffentlichten Erklärung führten Pierre Vidal-Naquet, Leon Poliakov und 32 weitere Forscher, zumeist Historiker, aus:

»Man darf sich nicht fragen, wie solch ein Massenmord [an den Juden] möglich war. Er war technisch möglich, weil er stattgefunden hat. Dies ist der obligatorische Ausgangspunkt jeder historischen Untersuchung zu diesem Thema. Diese Wahrheit wollen wir einfach in Erinnerung rufen: Es gibt keine Debatte über die Existenz der Gaskammern, und es darf auch keine geben.«

Während die Holocaust-Lobby unbequeme Fragen nach der wichtigsten Hauptwaffe dessen, was als das größte Verbrechen der Menschheitsgeschichte gilt, unterdrückte, organisierten die Skeptiker ihre eigenen Untersuchungen. Die erste und bei weitem wichtigste wurde im Februar 1988 von Fred Leuchter durchgeführt, einem US-amerikanischen Spezialisten für Hinrichtungstechnologien.

Im April 1988 sagte Leuchter während des Torontoer »Holocaust Prozesses« gegen den in Deutschland geborenen Verleger Ernst Zündel unter Eid über seine Untersuchungen und deren Ergebnisse aus. In einem Dokument, das heute allgemein als Der Leuchter Report bekannt ist, legte er seine Ergebnisse detailliert dar. Darin erklärte er jeden Schritt seiner Untersuchungen vor Ort.

»Es ist die beste Ingenieursmeinung des Autors,« schließt sein Report ab, »daß die angeblichen Gaskammern der untersuchten Anlagen weder damals als Gaskammern benutzt oder für eine solche Verwendung ernsthaft hätten in Erwägung gezogen werden können, noch heute dafür benutzt werden könnten.«

Leuchters Ergebnisse, die anschließend von anderen unabhängigen forensischen Forschern bestätigt wurden, erschütterten das Fundament der Holocaust-Legende - die Geschichte von den Gaskammern in Auschwitz.

Angesichts der vielen zigtausend weltweit verbreiteten Exemplare des Leuchter Reports in allen Hauptsprachen der Welt sowie der vielen von Leuchter gehaltenen Reden (einschließlich der bei den IHR-Konferenzen der Jahre 1989, 1990 und 1992) war die Wirkung dieses Werkes dieses einen Mannes enorm.

Schadensbegrenzung

Dadurch aufgeschreckt verschwendete die »Niemals vergeben, niemals vergessen« Fraktion keine Zeit zur Ergreifung von Gegenmaßnahmen. Die »Nazi-Jägerin« Beate Klarsfeld verkündete, daß Fred Leuchter »begreifen muß, daß er für sein Leugnen des Holocaust nicht unbestraft bleiben kann.«

Jüdische Organisationen begannen eine bösartige Schmutzkampagne gegen ihn, um sein Ansehen und damit seinen Lebensunterhalt zu zerstören. An vorderster Front befand sich dabei Shelly Shapiro und ihre Gruppe »Holocaust Überlebende und Freunde auf der Jagd nach Gerechtigkeit«, die Leuchter einen Fälscher und Schwindler und Hochstapler nannten. Sie behaupteten, er besitze gar keine Qualifikationen als Spezialist für Hinrichtungstechnologien (vgl. The Journal of Historical Review, Winter 1992-93, S. 421-492).

Dank der Kooperation von Mainstream-Journalisten und Herausgebern war diese Kampagne erfolgreich. Leuchters Verträge mit den Bundesstaatsbehörden zur Herstellung, Installation und Wartung von Hinrichtungseinrichtungen wurden gekündigt. Er wurde gezwungen, seine Heimat in Massachusetts zu verlassen und im Verborgenen eine neue private Existenz aufzubauen. Kein US-Amerikaner hat mehr unter der Hetze der Holocaust-Lobby gelitten als er.

Unanfechtbare Auszeichnungen

Die Tatsachen jedoch sind unanfechtbar, trotz der weit verbreiteten Lügen über seine Kompetenzen. Ein Themenbeitrag in The Atlantic Monthly (Februar 1990) zum Beispiel beschrieb Leuchter tatsächlich wie folgt:

»der einzige kommerzielle Lieferant von Hinrichtungstechnologien der Nation [...] Ein geschulter und vielseitig gebildeter Ingenieur, der in allen Hinrichtungsarten versiert ist. Er macht Todesinjektionsmaschinen, Gaskammern, Galgen sowie elektrische Stühle. [...]«

Ähnlich äußerte sich ein langer Artikel in der New York Times vom 13.10.1990, worin sogar ein Foto Leuchters auf der ersten Seite erschien. Leuchter wird darin »der führende Berater für Todesstrafen der Nation« genannt.

Ein tiefgehender Einblick

Die eingehendste Behandlung von Leuchter und seiner Karriere erfolgt in dem Buch The Execution Protocol, eine Untersuchung des US-Systems der Todesstrafen, durchgeführt durch den britischen Schriftsteller und Filmemacher Stephen Trombley. Dieses unbequeme aber zugleich faszinierende Buch basiert auf ausführlichen Interviews mit Personen auf beiden Seiten dessen, was der Autor »Amerikas Todesstrafen-Industrie« nennt.

Die herausragende Behandlung Leuchters in diesem Buch stützt sich überwiegend auf ein langes Interview mit ihm in seinem ehemaligen Heimatort und Arbeitsplatz in einem Vorort von Boston. Es sind ebenfalls Fotos enthalten, die Leuchter neben dem Kontrollmodul seiner Injektionsmaschine zeigen, sowie Bilder von einem elektrischen Stuhl und einem Injektionsapparat, den er gebaut hat.

Fred Leuchter

 

Frederick A. Leuchter, erster und womöglich einziger Blausäure-Gaskammer-Experte der Welt, bei einem Vortrag während der Konferenz des Institute for Historical Review im Jahre 1992

Trombley widerlegt die gegen Leuchter in die Welt gesetzte wirksamste Lüge, indem er auf Seite 9 bestätigt, daß Leuchter tatsächlich,

»Amerikas erster und bester Lieferant von Hinrichtungstechnologien ist. Seine Erzeugnisse schließen elektrische Stühle, Gaskammern, Galgen und Todesinjektionsmaschinen ein. Er bietet Entwurf, Konstruktion, Installation, Personalschulung und Wartung an.«

Leuchter hat zudem eine Anzahl von Erfindungen patentiert, wie Trombley auf S. 35 und 71 anmerkt, wie einen »modularen elektrischen Stuhl - den fortschrittlichsten jemals gebauten« sowie eine Todesinjektionsmaschine, »mit der inzwischen in fünf Bundesstaaten die Todesstrafe vollstreckt wird.«

Trombley sieht sich alle fünf Hinrichtungsmethoden genau an, die in den etwa 30 Bundesstaaten angewandt werden, in denen Kapitalverbrechen mit der Todesstrafe bestraft werden können: Tödliche Injektionen, elektrischer Stuhl, Gaskammer, Erschießungen und Erhängen. Er verfolgt die Geschichte und die Problematik jeder Methode und beschreibt grausig detailliert, was bei einer Hinrichtung alles schief gehen kann. Es kommt dabei vor, daß ziemlich viele Hinrichtungen verpfuscht werden, wodurch das Sterben für die Delinquenten qualvoll und für die Zeugen entsetzlich ist.

Wenn das Seil, mit dem ein Gefangener gehängt werden soll, nicht die richtige Länge, Dicke oder Stärke hat, kann der Gefangene langsam und qualvoll zu Tode stranguliert werden, anstatt umgehend durch ein gebrochenes Genick zu sterben. In einigen verpfuschten Hinrichtungen wurde der Gefangene geköpft, oder das Seil riß und der entsetzte, aber noch bei Bewußtsein befindliche Gefangene fiel zu Boden. Erschießungskommandos verfehlten bisweilen das auf das Herz des Gefangenen geheftete Ziel, wodurch der Gefangene langsam verblutete. Selbst unter idealen Bedingungen sind Erschießungen schlampig. Ein unsachgemäß gebauter oder gewarteter elektrischer Stuhl würde den Gefangenen unter schauderhaften Qualen bei lebendigem Leibe braten. Gaskammer-Hinrichtungen gehen am häufigsten schief, wobei der verurteilte Gefangene nach einer sich lang hinziehenden, schmerzvollen Agonie stirbt (vgl. dazu C. Grieb, »Der selbstassistierte Holocaust-Schwindel«, VffG 1(1) 1997, S. 6ff.).

Die Gefahren einer Gaskammer

Gaskammer-Hinrichtung sind für diejenigen, die sie durchzuführen haben, vor allem deshalb besonders gefährlich, weil der tote Körper des Gefangenen mit dem tödlichen Gift gesättigt ist. Nach der Hinrichtung, erklärt Leuchter, muß daher folgendes geschehen (S. 98):

»Sie gehen rein. Der Gefangene muß komplett mit Chlorbleiche oder Ammoniak gewaschen werden. Das Gift strömt regelrecht aus seiner Haut aus. Und wenn sie den Leichnam so einem Leichenbestatter übergäben, würden sie den Leichenbestatter töten. Sie müssen also reingehen, und sie müssen den Körper vollständig waschen.«

Bill Armontrout, Wärter des Missouri Staatsgefängnisses in Jefferson City bestätigt die Gefahr (S. 102):

»Eines der Dinge, die Blausäure tut, ist, daß sie in die Poren der Haut geht. Sie spritzen den Körper ab, sehen sie? Sie müssen Gummihandschuhe verwenden, und sie spritzen den Körper ab, um ihn zu dekontaminieren, bevor sie irgend etwas anderes machen.«

Armontrout sagte ebenfalls im Jahr 1988 als Sachverständiger beim Zündel-Prozeß aus, wobei er Leuchters Ansehen als Amerikas bester Spezialist für Gaskammertechnologien bestätigte.

Gaskammern sollten nach Auffassung von Leuchter überhaupt nicht benutzt werden (S. 13):

»Die sind gefährlich. Sie sind gefährlich für die Leute, die sie benutzen müssen, und sie sind gefährlich für die Zeugen. Sie sollten sie alle nehmen, sie mit einer Kettensäge in zwei Hälften zerlegen und sie loswerden.«

Von den fünf in den Vereinigten Staaten angewandten Hinrichtungsmethoden bevorzugt er den elektrischen Stuhl, weil es am schmerzlosesten, am wenigsten problematisch und am billigsten ist.

Mit einer Karriere aufgebaut auf dem Motto »Todesstrafe, nicht Todesfolter« ist Leuchter stolz auf seine Arbeit. Er ist froh darüber sicherstellen zu können, daß verurteilte Personen schmerzfrei sterben können, daß das Personal, das die Hinrichtung ausführt, nicht gefährdet wird und daß die Dollars der Steuerzahler gespart werden.

Faire Behandlung

Trombley berichtet mit bemerkenswerter Fairneß über Leuchters Untersuchungen der »Gaskammern« in den Lagern aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges, über seine Zeugenaussage während des 1988er Zündel-Verfahrens, über die Kampagne gegen ihn, einschließlich seiner Inhaftierung und Ausweisung aus Großbritannien im November 1991.

Mit bewundernswerter Zurückhaltung bezieht Trombley keine eigene Position bezüglich Leuchters, für Ernst Zündel durchgeführten kontroversen Untersuchungen. Auch erfährt man nichts über seine Motive, dieses emotionsgeladene Thema überhaupt anzusprechen, gestattet es aber dem Experten für Hinrichtungstechnologien, für sich selber zu sprechen. Leuchter teilte dem Autor mit, daß er, als er den Auftrag annahm, in Auschwitz die Untersuchungen für Ernst Zündel durchzuführen, »wirklich erwartete, Beweise für Gaskammern zu finden.« und daß er »überrascht war, daß dem nicht so war.« (S. 93)

Auf die Frage des Autors:

»Glauben sie, daß der Holocaust stattfand?«

führt Leuchter aus:

Stephen Trombley

Stephen Trombley

»Ich glaubte, daß es einen Holocaust gab. Ich glaubte, Gaskammern zu finden. Ich sagte Ernst Zündel - er war überzeugt, daß ich sie nicht finden würde - ich sagte ihm, daß ich auch dann, wenn ich sie finde, oder auch nur dann, wenn diese Gebäude in der Lage waren, als Gaskammern zu dienen, ich das entsprechend berichten würde. Ich war wie die meisten Amerikaner und wahrscheinlich wie die meisten Menschen auf der Welt, sie glaubten, daß es geschah. Ich glaubte an das, was man mich in der Schule gelehrt hatte. Ich weiß, daß die Anlagen, auf die jeder verweist, keine Gaskammern waren.

Ich denke, daß es wahrscheinlich einen Holocaust gegeben hat, aber ich denke, das hängt davon ab, wie man "Holocaust" definiert. Es gibt bezüglich dieser ganzen Periode unserer Geschichte ernsthafte Fragen, die gefragt und beantwortet werden müssen.«

Da der Autor nachlässig in der Überprüfung von Fakten ist, ist sein Buch nicht ohne Fehler. Ein Beispiel dafür ist, daß er den britischen Historiker David Irving mit dem französischen Gelehrten Robert Faurisson verwechselt (S. 84f.). Trombley berichtet seinen Lesern, Irving

»hat seit langem darauf bestanden, daß eine Untersuchung der Hinrichtungen mit Giftgas in den Vereinigten Staaten dienlich wäre zu beweisen, daß die Nazi-Gaskammern niemals existiert hätten. Er argumentierte, daß die amerikanischen Gefängnisse die einzigen Orte seien, wo Blausäuregas angewandt worden sei, um damit Menschen vorsätzlich zu töten; und daß amerikanische Gefängniswärter, die die Giftgashinrichtungen durchführten, wichtige Beweisquellen sein könnten, die den Holocaust widerlegen könnten.«

Trombley fährt fort, indem er feststellt, Irving habe Leuchter kontaktiert, damit dieser für das Zündel-Verfahren Untersuchungen durchführe. Tatsächlich aber war es Faurisson, der seit langem die Wichtigkeit der US-Gaskammern zum Verständnis der angeblichen deutschen Menschenvergasungsanlagen der Kriegszeit betont hatte. Und es war Faurisson, der im Frühjahr 1988 den ersten Kontakt zu Leuchter herstellt, und nicht Irving.

Trombley versichert zudem, daß der Leuchter Report, in den USA durch das »Institute for Historical Research« verlegt worden sei (S. 87). Es trifft zwar zu, daß das Institute for Historical Review den Report in den USA vertreibt, verlegt wurde es jedoch von anderen.

Trotz derartiger Mängel erfüllt dieses gut geschriebene und ausgewogene Werk einen wichtigen Dienst, nicht zuletzt deshalb, weil es mit aller Autorität feststellt, daß Fred Leuchter in der Tat »Amerikas erster und bester Experte für Hinrichtungstechnologien« war, als er seine forensischen Untersuchungen der "Gaskammern" von Auschwitz und Majdanek vor Ort durchführte. The Execution Protocol bestätigt daher Leuchter und all jene, die ihn verteidigten, und widerlegt die übelste der vielen von der Holocaust-Lobby in die Welt gesetzten Lügen über ihn.

Mark Weber

(Zuerst veröffentlicht in: The Journal of Historical Review 17(2) (1998), S. 34ff., PO Box 2739, Newport Beach, CA 92659, USA)


 

Churchill, der Totengräber des Britischen Empire

John Charmley, Churchill - Ende einer Legende, Propyläen-Taschenbuch Nr. 26502, Ullstein, Frankfurt/Main, Berlin 1997, 700 S.

Die 1993 in London erschienene Biographie Churchill - The End of Glory erschien im Juni 1997 endlich auch in deutscher Sprache. Der heute 42jahrige Autor ist Fachhistoriker und bezeichnet sein Buch als das Ergebnis fünfzehnjähriger Studien. Auf Interviews mit Zeitzeugen habe er verzichtet, weil nach seinen Feststellungen so gut wie jeder Angehörige der Kriegsgeneration vom »Bazillus des Churchill-Mythos« befallen sei. Grundlage seiner 700 Seiten umfassenden Arbeit waren Archivakten, Privatpapiere verschiedener Personen, die Schriften Churchills selbst und »die Veröffentlichungen anderer«.

Aus Churchills Jugendzeit berichtet Charmley von Schulproblemen und von Schwierigkeiten bei der Aufnahmeprüfung in die Armee. Winstons Leistungen reichten nicht für die Infanterieklasse, sondern nur für die weniger angesehene Kavallerieklasse, und das auch erst im dritten Anlauf und mit Hilfe eines »Einpaukers«. Der Vater schrieb ihm: »Du könntest nicht extravaganter sein, wenn du ein Millionär wärst«. Die Großmutter empfahl gegen seinen halsstarrigen Eigensinn eine »strenge Hand«.

Charmley schildert ausführlich die Karriere des jüngeren Churchill und zeigt dann, wie er in den dreißiger Jahren mit seiner Skepsis gegen Deutschland politisch völlig alleine stand. Die »Appeaser« hatten alle wirtschaftlichen, moralischen und politischen Gründe auf ihrer Seite. Auch als Premier verkörperte Churchill den Widerstand gegen Deutschland fast alleine.

Hier kommt Charmley zu seiner Hauptthese, daß Churchill den Krieg früher beenden oder ganz vermeiden und damit das Empire hätte retten können. Die »größte Stunde« für einen Kompromißfrieden bot sich vielleicht 1940 in den Monaten Mai und Juni. Obwohl das Kabinett darüber auch ausführlich beriet, würden die diesbezüglichen Akten immer noch geheimgehalten, was einem »vielsagenden Stillschweigen« gleichkomme (S. 397).

Die Interessen seines Landes habe Churchill auch 1941 nicht wahrgenommen. Zugeständnisse hätte er Hitler wie Stalin abringen können. Faustpfand wäre die zweite Front im Westen gewesen, die der eine fürchtete und der andere herbeisehnte. In seiner Fixierung auf Deutschland habe Churchill den Aufstieg Sowjetrußlands »übersehen«. Als er 1943 diesen Fehler erkannte, war es zu spät (S. 439). Den Bolschewismus hätte man schon »bei seiner Geburt erdrosseln« müssen, gab Churchill in der Unterhausdebatte vom 26.1.1949 zu. Auf den Einwand des Abgeordneten Cocks, daß England dann den Krieg verloren hätte, antwortete Churchill: »Nein, es hätte den letzten Krieg verhindert« (H.M. Stat. Office, T. 460, Nr. 46).

Recht offen stellt Charmley den Ausverkauf des Empires an die USA dar. Roosevelt ließ sich für seine Rüstungslieferungen britische Stützpunkte überschreiben und kassierte gnadenlos alle im Dominion aufspürbaren Vermögenswerte ein. Dabei mußte sich Churchill, der angeblich in den Krieg gezogen war, um die Ehre seines Landes zu verteidigen, eine Demütigung nach der anderen gefallen lassen.

Charmley machte zahlreiche Zugeständnisse an das offizielle Churchill-Bild, wozu ihn vermutlich seine Stellung als englischer Professor zwang. So verschwieg er Churchills frühere Mussolini-Verehrung und machte zur Katynfrage nur unverbindliche Aussagen. Die heimtückische Ermordung Sikorskis und dessen Tochter (S. 502) übergeht er stillschweigend. Beim Thema Pearl Harbor (S. 447) vermittelt Charmley den Eindruck, als hätte Churchill damit nichts zu tun. Folgerichtig wird auch Churchills Weigerung, Coventry rechtzeitig vor dem deutschen Luftangriff zu warnen, ganz ausgespart. Diese Defizite erkennt, wer auch Historiker wie Taylor, Hoggan, Kunert, Franz-Willing, Nicoll, Hughes und andere hinzuzieht, deren hochrangige Arbeiten Charmley offenbar aber meidet.

Während Charmleys Buch in der Londoner Times von dem Militärhistoriker Alan Clark zustimmend besprochen wurde, bekam es in Deutschland negative Kritiken (FAZ, 6.1.1993 und Spiegel, 2/1993). Das dürfte aber nicht nur an der Hauptthese Charmleys gelegen haben, sondern auch an einigen anderen, nicht in jedes Geschichtsbild passenden Informationen. So wenn Lloyd George während der Norwegendebatte angemerkt haben soll, »daß die Alliierten den Deutschen gegenüber als erste das Vertrauen gebrochen hätten« (S. 391). Wertvoll ist auch die Erwähnung des 18B-Gesetzes, über das bisher nur Nicoll geschrieben hatte (Englands Krieg gegen Deutschland, S. 211). Churchill peitschte es 1940 im Unterhaus binnen einer Stunde durch, um die Gegner seiner rigorosen Kriegspolitik inhaftieren zu können. Rechtliches Gehör wurde nicht gewährt. Unter den ersten, die ins Gefängnis wanderten, befanden sich der Flottenadmiral Ramsay und der englische Nationalist Oswald Mosley mit Gattin (S. 400). Die meisten Biographen übergehen Churchills Verbindung zur Gruppe »Focus« mit Schweigen. Charmley bildet eine rühmliche Ausnahme, auch wenn er nur das Notwendigste mitteilt. Die Gruppe hatte Beziehungen in die USA, legte großen Wert auf Diskretion und war in den dreißiger Jahren Churchills einziger Rückhalt, als er in die politische Isolation geriet. Ihr ursprünglicher Name lautete »Überkonfessioneller Anti-Nazi-Rat zur Verteidigung der Menschenrechte« und wurde 1936 auf Wunsch Churchills in »The Focus« abgeändert. Aus Focus-Kreisen kam auch finanzielle Hilfe, als Churchill 1938 »in Schulden« geraten war. Er hatte schon Chartwell, den 32 Hektar umfassenden herrschaftlichen Landsitz seiner Familie in Kent, zum Verkauf ausgeschrieben, als sich der Industrielle Henry Strakosch erbot, drei Jahre lang für seine Schulden aufzukommen (S. 314). Da Strakosch ein in Mähren geborener und in Südafrika lebender Jude war, diskutiert Charmley die Frage: »War Churchill also von einer jüdischen Lobby [...] angeheuert worden?«

Wegen der Unterjochung Polens durch Stalin mußte sich Churchill am Ende des Krieges ausgerechnet vom parlamentarischen Privatsekretär Chamberlains den Vorwurf des Appeasements gefallen lassen.

Eden sprach 1945 von dem »traurigen Wrack« britischer Außenpolitik (S. 590). Der von Churchill geführte Krieg hatte offenbar weniger Großbritannien als anderen Kräften genützt. Von diesen und von den USA sei England »in den Krieg getrieben« worden, teilte Chamberlain am 10.9.1939 seiner Schwester brieflich mit. Auf das ganze Zitat muß angesichts der Rechtslage in Deutschland verzichtet werden. Es sei nur auf die Forrestal-Diaries, S. 121, oder hilfsweise auf A.J.P. Taylors Die Ursprünge des zweiten Weltkrieges, Seite 342, hingewiesen.

Im 2. Weltkrieg ging es weniger um das Schicksal der kleinen Länder als um das, worüber 1939/40 während des »Sitzkrieges« im Westen Geheimverhandlungen geführt wurden: Rückkehr Deutschlands zum Goldstandard. Erst als Hitler von seiner erfolgreichen Arbeitswährung nicht lassen wollte, trat der Krieg in seine heiße Phase.

Charmley stößt bis zu diesen Einsichten freilich nicht vor, dennoch ist sein Buch anregend genug, um gelesen zu werden.

Karl Aschenberger


 

Vermutlich zu einfach gestrickt: Der Verlust der Väterlichkeit oder Das Jahrhundert der Juden

W. R. Frenz, Der Verlust der Väterlichkeit oder Das Jahrhundert der Juden, Seidler Verlag, Solingen 1996, 118 S., 25,- DM

Der Heilpraktiker W. Frenz, von dem bereits Geschichte einer deutschen Partei - 30 Jahre NPD vorliegt, hat ein Buch geschrieben, das verschiedene Feststellungen enthält, die an anderer Stelle selten zu lesen sind. So schreibt er:

»[...] über das Judentum darf in unserer Gesellschaft nicht kritisch gesprochen werden, obwohl die Judenfrage so alt ist, wie das Judentum selbst. [...]

Die Entnazifizierung war eine durch Psychoterror betriebene Entmündigung der Deutschen. Sie nahm unserem Volk den Glauben an seine geschichtliche Größe. Aus dem Volk wurde eine Bevölkerung. [...]

Um ihr Werk der Demütigung der Deutschen weiter fortzuführen, dürfen die Deutschen nicht von der Auschwitzschuld erlöst werden. [...]

Mit diesem Buch wird der Versuch gemacht, den Ethnozid an uns Deutschen und Europäern zu beschreiben.«

Dem Autor kommt das Verdienst zu, mit diesen und weiteren Thesen tabuisierte Themen angeschnitten und zur Diskussion gestellt zu haben. Das Werk gehört zum unverzichtbaren kulturtragenden Schrifttum. Leider kann ihm, wenn es gilt, die Antworten zu betrachten, die er bereitwillig den selbstgestellten Fragen gibt, gleiches Lob nicht zuteil werden. Gewiß ist die Tabuisierung der Rassenforschung in Deutschland nach 1945 ebenso schädlich und ebenso zu verurteilen wie alle anderen Frage- und Denkverbote. Was Frenz dann allerdings im letzten Kapitel unter dem Titel »Die Rassenforschung als Voraussetzung für Geschichtsverständnis und Zukunftsbewältigung« dazu zu sagen hat, ist überaus dürftig, und allenfalls geeignet, Zweifel an den geistigen Kapazitäten der weißen Rasse, welcher der Autor vermutlich angehört, zu wecken. Derartiges ist gut gemeint, aber leider unzureichend ausgeführt. Und das können wir uns - in der Bedrängnis, die der Autor richtig erkannt hat - nicht leisten. Die im Titel enthaltene These bliebe ohnehin zu hinterfragen.

Es wären auch sonst noch eine Menge Oberflächlichkeiten zu korrigieren, die sich einstellen, sobald der Autor seinen Blick von der Gegenwart wendet. Er übersieht, daß der marxistische Internationalismus sich keineswegs exklusiv gegen den Nationalismus der Völker, sondern gleichermaßen gegen den Rassismus und Chauvinismus des Judentums wendet. Möglicherweise ist ihm Karl Marx' Schrift Zur Judenfrage nicht bekannt. Frenzens Stärke ist offenkundig die Diagnose, nicht aber die Theorie, nicht die Therapie und auch die Geschichte nicht. Wenn er etwa den Band mit Kommunisten und Bolschewiken illustriert, die Juden waren, so gehörten zur Geschichte des Verhältnis von Kommunismus und Judentum auch die verschiedenen Statischen Säuberungen, 1933/34 angefangen, die sich im wesentlichen gegen Juden richteten, 1948 dann auch in den übrigen Ostblockländern. Das Einsetzen dieser Säuberungen 1933/34 verdient auch vor dem Hintergrund der Frage Aufmerksamkeit, ob es sich in Rußland um eine Parallelaktion handelte, Hitler und Stalin in einem bislang unbekannten Ausmaß Brüder waren (zusammen mit Roosevelt, der in eben dieser Zeit das faschistoide Wirtschaftsprogramm New Deal inszenierte). Auch hier verstellt die Dämonisierung des Nationalsozialismus - das wird der Autor genauso sehen - den Blick auf die Geschichte.

Der Titel dieser Besprechung enthält eine Schutzklausel, verweist auf die Unsicherheit des Rezensenten. Anstelle der Gewißheit steht die Vermutung, daß die Welt komplizierter geworden sei und komplexerer Lösungen bedarf. Das ist eine Fragestellung der Politik. Vielleicht wird das Chaos ja auch, so brutal, dümmlich und banal die Deutschenhasser und Multikulti-Tumulti-Apologeten es einführten, wieder abgeschafft. Das geht uns - wenn wir es schon nicht verhindern können - weder in der einen noch der anderen Richtung etwas an. Da bleibt dann nur noch, sich auf die Kultur zurückzuziehen, wieder Schöngeist zu werden, wie es in den späten Jahren der DDR - wenn man nicht die Honeckers zu persönlichen Vertrauten hatte - kaum anders möglich war. Also, trotz alledem: Zur Kenntnisnahme!

Andreas Röhler


 

Der weltfremde Traum vom russischen Großreich

Alexander Ruzkoi, Vom Reich, Verlag der Freunde, Berlin 1996, 240 S., 29,- DM; ISBN 3-9803896-5-0.

Diese Zeilen wurden an jenem Tag geschrieben, als der frühere Sicherheitsbeauftragte Rußlands, General Lebed, vom Präsidenten Rußlands, Jelzin, in Moskau abgelöst wurde. Da in Rußland derzeitig ein Bürgerkrieg nicht auszuschließen ist, stellen wir in Westeuropa urplötzlich fest, daß dieses Land mit seinen riesigen, ungelösten Problemen sehr nahe liegt! Da ist es zweifellos von Vorteil, wenn man ein Buch in Händen hält, das uns aus erster Hand über die allgemeine und die innenpolitische Lage, über die "Nachfolgekriege" um die Macht im Kreml und die zu erwartende zukünftige Machtverteilung in Moskau bzw. der ehemaligen SU unterrichtet. Vorausgeschickt sei, daß es sicherlich ein Unterschied sein mag, ob der Leser aus der sogenannten »BRD« oder der ehemaligen »DDR« stammt. Weiter sei angeführt: Ruzkoi, der im Rahmen der »Perestroika« in die Wüste geschickt wurde und neuerdings auf regionaler Ebene eine Auferstehung erlebt, meint mit dem im Titel angesprochenen »Reich« selbstredend das "Russische Reich" und nicht - wie Tagträumer vielleicht annehmen könnten - das "Deutsche Reich".

Der Verfasser ist leidenschaftlicher Nationalist und leidet physisch unter den derzeitigen asozialen Zuständen in seinem Vaterland. So ist es nicht verwunderlich, daß er - neben den Zaren aus Rußlands großer Zeit - auch Stalin glorifiziert sehen will. Die "friedliche" Unterwerfung und Russifizierung der Völker hinter dem Ural in den letzten Jahrhunderten wird so als gerechter und großmütiger Akt gesehen, während der wahrscheinlich im Juli/August 1941 geplante Überfall der SU auf Westeuropa mit dem Mantel des Schweigens übergangen wird. (Darf man in der BRD solche Sätze noch Schreiben, oder unterliegen sie bereits einem Denkverbot nach den ungeschriebenen Gesetzen der "Neuen Weltordnung"?) Ruzkoi vergißt, daß andere Völker gleichberechtigt in der Geschichte stehen und daß Rußland - und vor allem die SU! - letztendlich nichts anderes als eine menschenverachtende Diktatur, als gewöhnliche Kolonialmacht anzusehen war. Es ist für einen Westeuropäer - zumal für einen Deutschen - somit unerträglich, die sowjetrussischen Soldaten »[...] als die besten der Welt...« und als »Befreier« hingestellt zu sehen, ohne daß die vordergründige Mrd-Dollar-Hilfe des kapitalistischen Westens in den Jahren 1941-45 (via Murmansk und Teheran) Erwähnung findet. Ohne diese Hilfe wäre die SU bereits 1942 verhungert. Ergänzend seien hier auch die gescheiterten Kriege in Afghanistan und in Tschetschenien erwähnt. Frage: Haben wir Deutschen bei der Unterdrückung anderer Völker - in aller Welt - auch zukünftig immer noch zu schweigen?

Für rechtsstaatlich denkende Menschen mag es auch erstaunlich sein, wie schnell das heutige Rußland auf staatlichem, kulturellem und auf wirtschaftlichem Gebiet abgebaut hat. Die russische Mafia läßt grüßen. Es kommt uns aber bekannt vor, wenn der Verfasser »pornografischen Unflat« anprangert »und die einfache völkische, echt russische Familie« als Ideal eines Staatsvolkes hinstellt. Die orthodoxe Kirche, die zweifellos eigene Ziele verfolgt, darf nicht fehlen. Wer hier Hilfe für seinen in Not geratenen Staat erwartet, kann auch an Ufos "glauben"! Es ist uns Deutschen auch zu wenig, die Revolution von 1917 lediglich »Tragödie« und den Nationalsozialismus als »rassistischen Faschismus« erkennen zu sollen, ohne die Macher jenes Kommunismus/Bolschewismus genannt zu bekommen! Weiter: Wenn Ruzkoi den Satz des George Bush »Amerika hat den "Kalten Krieg" gewonnen!« beklagt, so ist zweifellos festzuhalten, daß er und das alte Rußland sich - wie in all den Jahrhunderten zuvor - überschätzen. Dies trifft nicht nur auf das rein Militärische zu (siehe z.B. die Schacht bei Tannenberg 1914, wo Rußland eine von vielen vernichtenden Niederlagen erlitt).

Er sollte vielmehr erkennen lernen, daß das Blut und die Opferbereitschaft der Völker (nicht nur der Tschetschenen) stärker als alle Waffen sind. Es klingt schwülstig, wenn er, »fehlende Führer«, beklagt und die Schuld allein »in der Diktatur des Westens« sucht. Der Traum von einer »Wiedergeburt Groß-Rußlands«, die ein angeblicher »Antipatriotismus« verhindert, wird noch durch das Wort von der angeblich erforderlichen »geopolitischen Mission Rußlands« übertroffen. Er verachtet russische Beamte, aber er träumt von einer zukünftigen »Zentralgewa1t«! Hat der russische Mensch das nicht gerade überwunden? Fast tragisch klingt es, wenn er von einer »Wiedervereinigung« mit der Ukraine und Weißrußlands träumt: »Nur die Reichsidee wird das Dahingleiten in den Abgrund des Verfalls zum Stehen bringen«.

Er nennt sie »Radikaldemokraten und Nomenklaturpatrioten«, die die Ziele der "Neuen Weltordnung" verfolgen, ohne zu erfassen, daß jene Kräfte die gleichen sind, die in Rußland 1917 den Zaren stürzten und den Bolschewismus, das Rätesystem installierten. Aufmerksam sollten wir werden, wenn wir über »Das düstere Morgen der Eurasischen Union« etwas erfahren und damit das bekannte Gesicht der "Kolonialmacht Rußlands" erneut sichtbar wird. Will er ein Rußland bis zum Atlantik? Oder denkt er in der Innen- wie Außenpolitik nicht typisch und ist "nur" als Außenseiter zu betrachten? Der Verfasser verrät jedoch seinen eigenen Kontinent, wenn er verächtlich von den »eurasischen Verlockungen« spricht! Ob er das merkt? So kommt denn die Behauptung »Rußland wird bewußt und zielgerecht zerstört«, die er sich zu eigen macht, nicht unerwartet.

Bedauerlicherweise steht damit nicht das Volk, sondern ein neu zu errichtender russischer Staat, eine Diktatur auf dem Panier des Alexander Ruzkoi. Wenn er über die »internationalen Kräfte«, die die Idee der "Neuen Weltordnung" betreiben, schreibt, bleibt er leider undeutlich und Namen, Personenkreis und Volkszugehörigkeit jener Kräfte werden nicht genannt. Gibt es auch in Rußland einen §130 (Volksverhetzung), den der Verfasser zu berücksichtigen hat? Dann muß betont werden, daß das Zugeständnis, den wirtschaftlichen und militärischen Wettstreit zwischen Rußland und den USA verloren zu haben, immer mitschwingt. Es ist auch hier die Angst des Verlierers zu erkennen, der spürt, nicht mehr im Mittelpunkt des Geschehens zu stehen. Nur so ist die Angst zu begreifen, der Mittelpunkt einer »Eurasischen Union« könne zukünftig in Westeuropa - in Deutschland? - liegen. Sind diese Urängste begründet? Dem Kritiker ist keine europäische Nation bekannt, die Rußland unterwerfen will...! Wir können hierzu nur feststellen, daß der Verfasser seine eigene "geopolitische Lage" nicht begreift. Als Kontinentalmacht wurde Rußland von der Seemacht USA überrundet. Westeuropa wäre somit nicht als "geopolitischer" Gegner, sondern als naturgegebener Verbündeter Rußlands - gegen eine übermächtige USA - anzusehen. Aber das wird wohl nicht begriffen! Die über Jahrhunderte beibehaltene falsche "geopolitische" Polung ist damit der tatsächliche Grund des Niedergangs Rußlands. Die Zaren wußten das bereits besser, denn sie Öffneten sich - leider nur mit halben Herzen - Westeuropa und dem Deutschen Reich. Die mit dem Kommunismus/Bolschewismus und dem Zweiten Weltkrieg vergeudete Kraft hat den Graben zwischen Rußland und Europa leider vertieft. Ob er jemals wieder zugeschüttet werden kann?

Das Rad der Geschichte läßt sich nicht zurückdrehen! Dies um so weniger, da Rußland seine eigene Sicht der "geopolitischen" Lage nicht überwinden will und sein Heil - nach Auffassung Ruzkois - nur in einer Isolation finden kann. Das ist im 20. Jahrhundert fast eine Garantie für eine weitere Niederlage. Auf der Suche nach dem angeblich notwendigen »Ost-West-Gleichgewicht« verliert Rußland damit erneut die eigene Zukunft. Zwar erkennt der Verfasser »das hinterlistige Programm der "Partnerschaft für den Frieden"«, das ihm vom Nordatlantikpakt zugemutet wird, doch ist er nicht in der Lage, Verbündete zu finden oder einen politischen Ausweg aufzuzeigen. An den Bemühungen Frankreichs, sich und damit Westeuropa von den USA abzunabeln, müßte Rußland eigentlich erkennen, wo der Weg für ein freies russischen Volk zu finden ist: Ein Pakt für Europa bei Anerkennung aller Nationalitäten. Aber wer vom russischen Reich träumt, verschwendet keinen Gedanken an Europa! Er erkennt immerhin, daß Rußland seinen eigenen "geopolitischen" Gesetzen nicht entkommt und letztendlich dem Gesetz des "Blut und Bodens" (S. 147) nicht entrinnen kann.

Zu erwähnen bleibt noch, daß er den Sturz des kommunistischen Systems und den Aufstieg Jelzins als »Schwarzen Oktober 1993« bezeichnet, der Rußlands Abstieg besiegele. Es ist schon ein besonderes Schauspiel, wenn ein solcher Autor - Kommunist der alten Schule - die vom Westen verlangten demokratischen Wahlen als Fälschungen erkennt und bezeichnet! Aber: Haben Kommunisten jemals ehrliche Wahlen erlaubt? Rußland erlebt nun "demokratische" "Wahlen" und jene nicht unbekannten Hintergrundkräfte, die »Die Macht besitzen, aber schweigen«. Wir finden im Verfasser einen Verbündeten, wenn er die NATO als Instrument »zur Eroberung der Weltherrschaft« bloßstellt und bedauern, daß er selbst nach dieser Einsicht immer noch keine europäischen Verbündeten erkennt. Er begreift oder weiß es nicht, daß West-Europa - wie das heutige Rußland! - von den gleichen Kräften beherrscht wird!

Immerhin ist es uns wichtig zu erkennen, daß ein überzeugter Russe die Aufgabe der eigenen Nationalität zugunsten eines verschwommenen "Weltbürgertums" entschieden ablehnt! Wir sollten bei all den Gedanken über ein zukünftiges Rußland nicht vergessen, daß dieses Land nicht nur ein Teil Europas ist, sondern gerade in seinen Krisenjahren als eigener Kontinent erkennbar wird. Ob dieser Kontinent einmal erwacht, ist durchaus zu bezweifeln. Deshalb sind für uns - bei allem Mitleid mit dem russische Volk - die Gedanken um die angeblich »ruhmreiche Vergangenheit« und der Traum von der »Wiedergeburt Rußlands« nicht erträglich und müssen mit dem notwendigen inneren Abstand betrachtet werden.

Ein reifes Urteil über Rußland wird mit dem Buch des Verfassers, auch wenn er letztendlich reichlich spät zugeben muß, daß Rußland mit »dem Kommunismus einer Utopie erlegen ist«, nicht vorgelegt. Dies wird besonders deutlich, wenn er den »reichen Westen mit den vollen Tellern«, für den »armen Osten« geradezu naiv verantwortlich macht! Ist das nun Frechheit oder Dummheit? Sein als utopisch anzusehender und von ihm vorgeschlagener »sozialpatriotischer Weg« (?) - dies wird Ruzkoi noch erkennen müssen - wird auf Grund der menschlichen Eigenschaften und Schwächen nicht zu realisieren sein. So manchem (West-)Europäer werden deshalb nach dem Studium dieses Buches die erstaunten Augen aufgehen.

Erhard Kemper


 

Blick in die Gerüchteküche des Deutschenhasses

Graf August von Kageneck, Examen de Conscience, Perrin, Paris 1996, ISBN: 2-262-01189-3; FF 98,-.

Graf August von Kageneck, ein ehemaliger Offizier der großdeutschen Wehrmacht, beschreibt in dem besprochenen Buch seine Erinnerungen an den Rußlandkrieg der Jahre 1941/1942. Tenor des Buches ist die Überzeugung des Verfassers, daß die Wehrmacht, nicht nur die Waffen-SS, im Osten schwer schuldig geworden sei, was er mit der massenhaften Ermordung von Zivilisten und Partisanen, vor allem von Juden, begründet, welche die Wehrmacht zumindest nicht verhindert habe. Der Verfasser leidet an dieser Schuld, die er, wie er berichtet, heute Öffentlich bekennen will und durch Sühneaktionen, die er gemeinsam mit Juden durchführt, zu lösen versucht. Er geht in seiner Anklage so weit, daß er das Verschulden an den Massenvergewaltigungen deutscher Frauen durch die Sowjets den deutschen Soldaten des Ostheeres zuschreibt, die durch ihr Verhalten die schreckliche Vergeltung heraufbeschworen hätten:

»Man kann eine so primitive Grausamkeit [Vergewaltigungen] nicht gelten lassen. Aber kann man sie im Zusammenhang mit den letzten Zuckungen des größten Konflikts des Jahrhunderts nicht verstehen? Der deutsche Soldat wußte, daß die Wut des Siegers nur schrecklich sein konnte. Aber kann er heute in seinem Innersten nicht zugeben, daß er persönlich, ebenfalls daran schuldig war?«

Graf August von Kageneck, Jahrgang 1922, ist heute Journalist und Pariser Korrespondent der deutschen Zeitung DIE WELT. Als 19jähriger Leutnant und Führer eines Panzerspähzuges der Aufklärungsabteilung der 9. Panzerdivision hatte er Ende Juni 1941 seinen ersten Einsatz, erlebte den ersten Rußlandwinter und das Jahr 1942 an der Front, bis zu einer Verwundung, die für ihn praktisch das Ende seines Kampfeinsatzes bedeutete. Wie er in seinem Buch wiederholt betont, ist er selbst nicht an Hinrichtungen oder sonstigen Exzessen beteiligt gewesen und auch in keinem Fall Zeuge solcher Vorgänge geworden. Er beruft sich immer nur auf Beobachtungen oder Berichte anderer, teils von Historikern, im Fall Tarnopol ausschließlich auf die Erzählung eines ihm damals direkt unterstellten »Gefreiten K.R.« aus K., dessen damalige angebliche Ausführungen über einen Massenmord an Juden in der galizischen Stadt Tarnopol durch die SS-Division WIKING er im genauen Wortlaut mit grausigen Einzelheiten wiedergibt:

»[...] aber einem der Spähwagen ist das rechte Rad durch einen Paktreffer abgerissen. Er muß unter der Obhut des Gefreiten R., seines Kommandanten, zurückgelassen werden. Ein solider Bursche, Handwerkersohn aus Baden, dessen kehlige Aussprache den Alemannen verrät. Er hat mir die Mitteilung gebracht. Drei Tage später. [...]

- Herr Leutnant, kommen Sie zu R., der erzählt komische Geschichten, seit er aus Tarnopol zurück ist, sagt Auflitsch zu mir. Die anderen Männer stehen im Kreis um ihn herum. R. erzählt seinen Kameraden, was er während des erzwungenen Wartens auf die Reparatur seines Wagens in der Stadt erlebt hat.

Was er erzählt, ist entsetzlich. Am Tag nach der Einnahme der Stadt durch unsere Truppen sind die ersten Einheiten der Waffen-SS Division Wiking in Tarnopol eingetroffen. [...] Also, sagt R., sie sind zwei Tage geblieben und haben die Gelegenheit benutzt, alle Juden der Stadt umzubringen. - Alle Juden? - Ja, alle Juden. - Wieviele Toten hat es gegeben? - Ich weiß nicht, aber es waren überall Leichen, an den Wänden auf einem Platz, auf einer Brücke, von der sie auch welche in den Fluß geworfen hatten. Es waren auch Zivilisten dabei, Polen und Ukrainer, die sich an der Jagd beteiligten. Das hat den ganzen Tag gedauert, und am nächsten Tag haben sie weitergemacht. Ein Führer hat ihnen befohlen, Munition zu sparen und Spaten und Kreuzhacken zu nehmen. Einer hat mich dabei erwischt, als ich gerade Photos machen wollte und mir meinen Apparat weggerissen.«

Nach Besprechungen des Buches in der deutschen Presse (FAZ, DIE WELT), worin die geschilderten Vorgänge in Tarnopol behandelt wurden, erhoben ehemalige Angehörige der WIKING gegen die gegen ihre Division gerichteten Beschuldigungen durch Kageneck in Leserbriefen Protest, worauf Graf von Kageneck, ebenfalls durch Leserbriefe, in mehreren Zeitungen Frankreichs und Deutschlands der WIKING Genugtuung leistete und den Vorwurf gegen sie mit der Erklärung zurücknahm, sein »Zeuge K.R.« habe sich geirrt, und es sei nicht die WIKING, sondern ein Einsatzkommando in SS-Uniform gewesen, das den Massenmord an 25.000 Juden[1] in Tarnopol begangen habe. An den tatsächlichen Vorgängen allgemein Interessierte haben die Angelegenheit dann jedoch weiter verfolgt, den von Graf von Kageneck genannten »Zeugen K.R.« ausfindig gemacht und ihn befragt. Dadurch kam zutage, daß dieser »Zeuge K.R.«, der dem Grafen von Kageneck als Soldat unmittelbar untergeben gewesen ist, von diesem über sein Buch mit keinem Wort unterrichtet worden war, also nicht einmal wußte, daß sein Name genannt wurde, und von dem Verfasser auch nie über das ins Bild gesetzt wurde, was dieser ihm in den Mund legte. Er bestreitet ganz entschieden, daß er den ihm untergeschobenen Bericht jemals gegeben hat, denn er habe Derartiges überhaupt nie erlebt.[2] Dieser angebliche »Zeuge K.R.« hat von dem Buch von Kagenecks erst durch diejenigen erfahren, die ihn in der Sache befragten. Graf von Kageneck, wegen dieser Widersprüche zur Rede gestellt, gab sich überrascht und verständnislos und teilte lediglich mit, er würde in einer Neuauflage seines Buches den Hinweis auf diesen Zeugen weglassen.

Tatsache ist allerdings auch, daß Graf von Kageneck in einem schon in den 60er Jahren in französischer Sprache erschienenen Buch Lieutenant sous la tete de morts (Leutnant unter dem Totenkopf) Vorgänge in Tarnopol einen »Zeugen H.« schildern ließ, der in dem späteren Buch dann gar nicht mehr auftauchte und offenbar durch »K.R.« als »Zeugen« ersetzt wurde.

Abschließende Betrachtung

Diese Geschichte um das Buch das Grafen August von Kageneck läßt naturgemäß starke Zweifel an der Aufrichtigkeit seiner Berichterstattung entstehen. Es stellt sich die Frage nach dem Motiv, das ihn dazu getrieben hat, diesen Beitrag zur Verunglimpfung des deutschen Volkes und seiner Soldaten, ausdrücklich Seite an Seite mit der Kampagne der Herren Reemtsma und Heer, zu leisten. Er spricht schon im Titel seines Buches das Gewissen an, aber gerade dieses sein Gewissen müßte spätestens jetzt eigentlich wild auszuschlagen beginnen. Für einen deutschen Edelmann, ehemaligen Offizier, hochangesehenen Journalisten und Intellektuellen ist es entwürdigend, sich dem krankhaft hektischen Bestreben der stalinistischen Antifa anzuschließen und in Beweisnot genau wie diese zu Mitteln der Fälschung zu greifen. Man kennt das Beispiel Katyn, und man kennt die Springflut mörderischer Verbrechen, mit der das sowjetische System Rußland und Europa von seinem Anfang bis zu seinem Ende überzog. Zu diesen Verbrechen gehört das Schweigen der Täter und der Versuch, die Untaten dem Feind, vor allem, wenn der geschlagen ist, in die Schuhe zu schieben. Die Veröffentlichung verleumderischer, deutschfeindlicher Lügen im Ausland kann als gemeine Völkerverhetzung gar nicht hart genug angeprangert und verurteilt werden. Schlimm, wenn dieses finstere Geschäft von Deutschen, und dazu noch Angehörigen der Kriegsgeneration, besorgt wird.

Die Redaktion würde gerne mit dem anyonymen Autor in Verbindung treten, um als Beleg evtl. Kopien der Briefe des Zeugen K.R. zu erhalten.

Anmerkungen

[1]Die Zahl 25.000 ergibt sich aus der Aussage von Kagenecks (Seite 35), daß die Hälfte der 50.000 Einwohner der Stadt Tarnopol Juden waren und daß er seinen Zeugen benchten läßt, es seien dort in knapp 2 Tagen alle Juden umgebracht worden. An dieser Stelle ist aber zu vennerken, daß in dem Standardwerk zur Judenvernichtung des jüdisch-amerikanischen Autors Raul Hilberg (Die Vernichtung der europäischen Juden) auf Seite 223 der deutschen Ausgabe berichtet wird, daß am 5.7.41 in Tamopol insgesamt 90 Juden von Ukrainern und deutschen Truppen getötet worden seien. Nach vorliegenden militäramtlichen deutschen Aufzeichnungen sind aber in Tarnopol zuvor 200 Ukrainer und 10 deutsche Kriegsgefangene ermordet und verstümmelt aufgefunden worden. Deren Tod ist - zu Recht oder zu Unrecht? - Juden zur Last gelegt worden. Jedenfalls klafft zwischen dem Bericht Herrn von Kagenecks und den vorhandenen Dokumenten (sowie auch der Aussage seines Zeugen, s.u.) eine breite Lücke.

[2]R. hat an Herrn von Kageneck wie folgt geschrieben:

»Mein alter Kriegskamerad August Graf von Kageneck.

Was haben Sie mir angetan? Sie haben ein Buch geschrieben über Tarnapol. In französischer Sprache. Dies wurde mir vor einigen Wochen von zwei mir unbekannten Männern mitgeteilt. Bei den mit ihnen geführten Gesprächen legten sie mir Fotokopien von dem ins deutsche übersetzten Buche vor. Sie fragten, ob ich wüßte, daß ich darin mit meinem Namen genannt bin. Mir war natürüch weder etwas von einem Buch über Tarnapol noch von der Nennung meines Namens bekannt. Und beim Durchlesen der einzelnen Seiten mußte ich feststellen. daß mein Name mehrmals genannt wurde. Hierzu möchte ich folgendes sagen und auf Ihr Schreiben vom 20.05.97 Bezug nehmen:

Ich war nicht in Tarnopol. Ich stand mit meinem Spähwagen am Ende unserer Kolonne vor Tarnopol und hatte die rechte Seite zu sichern. Zu Kampfhandlungen kam es nicht. Mir wurde kein Vorderrad am Spähwagen weggeschossen und somit mußte ich nicht zurück in die Werkstatt. Somit konnte ich meinen Kameraden auch nichts erzählen, wovon man in der Werkstatt sprach. Ich kam nicht in die Stadt Tarnapol und habe nichts von den Morden an der Zivilbevölkerung gesehen. Mir hat kein SS-Mann einen Fotoapparat aus den Händen gerissen, da ich keinen besessen habe. Was wir bei einem Treffen in Wien besprochen haben ist mir nicht mehr bekannt. Jedenfalls nichts von Tarnapol. [...]«


 

Kampf um die Macht: Ein wichtiger Beitrag zur Historisierung des Nationalsozialismus

Christian Striefler, Kampf um die Macht. Kommunisten und Nationalsozialisten am Ende der Weimarer Republik, Propyläen, Berlin 1993, 474 S. ISBN 3-549-05208-1, DM 58,-.

Der vorliegende Band entstand im Rahmen einer Dissertation bei Prof. Dr. Ernst Nolte. Allein das mag Grund genug für den Umstand sein, daß er kaum Beachtung findet, nachdem Prof. Nolte spätestens im Jahr 1994 Öffentlich in Ungnade gefallen war, hatte er doch in seinem Buch Streitpunkte (1993) und in einigen anderen Beiträgen dazu aufgefordert, die historischen Revisionisten wissenschaftlich ernst zu nehmen.

Um so wichtiger ist es, Strieflers Beitrag zur Historisierung des Nationalsozialismus (so der selbst gewählte Anspruch) wenigstens in Kürze vorzustellen. Striefler untersucht in seinem Buch besonders das Gewaltpotential der KPD und die von der NSDAP gewählte Gegenstrategie. Er deckt anhand umfangreichen Quellenmaterials auf, daß die von der NSDAP verkündete Gefahr eines brutalen kommunistischen Putsches mit einer sich daran anschließenden bolschewistischen Schreckensherrschaft à la UdSSR keine Propagandaerfindung war, sondern allzu reale Hintergründe hatte. Ebenso zeigt Striefler auf, daß in der Eskalation der Gewalt zwischen den beiden extremen Polen der deutschen Parteienlandschaft die NSDAP meist nur auf den vorausgegangenen Terror von links reagierte. Die Gewalttaten der Anhänger der NSDAP waren zudem, wenn auch erschreckend zahlreich und brutal, so doch umfangmäßig deutlich geringer als die der Kommunisten.

Striefler macht auch mit der weitverbreiteten Thesen Schluß, die von der NSDAP vertretenen sozialpolitischen Ansichten wären von dieser nur aus taktischen Gründen vertreten worden, um die deutsche Arbeiterschaft für sich zu gewinnenden und um den Kommunisten und Sozialdemokraten die Wähler abzugraben. Vielmehr seien die damaligen Vorstellungen der NSDAP-Parteiführung durchaus ernstzunehmen, auch wenn sie später nur teilweise umgesetzt wurden, wohl aus machtpolitischen Erwägungen und aus purem opportunistischem Realismus.

Der Kampf um die Macht, der sich damals zwischen den Kommunisten und den Nationalsozialisten abspielte, stellt sich heute dar, wie als hätte das deutsche Volk damals eine Art Wahl zwischen Skylla und Charybdis gehabt. Entweder die Kommunisten obsiegten, und damit Stalins massenmordende Schergen, oder aber Hitler obsiegte, und den würde Stalin mit Hilfe der Westalliierten ebenso als Eisbrecher für einen neuen Weltkrieg gegen Deutschland - und damit zur Bolschewisierung Europas - benutzen. Doch daß auch die Wahl Hitlers zu einer Bolschewisierung Deutschlands führen könnte, konnten die Deutschen damals noch nicht erkennen. Striefler ist zu verdanken, daß er die Optik ein wenig zurecht gerückt hat, mit der die damalige Situation des deutschen Volkes heute gesehen wird. Als Ergänzung dazu möchte ich nachfolgend ein Schreiben abdrucken, daß Strieflers Forschungsergebnisse unterstreichen und anhand eines Einzelschicksals klar macht, wie viele Deutsche damals ihre Lage beurteilten.

Ernst Gauss

»"Unternehmen Barbarossa 1933"

Ende der zwanziger und Anfang der dreißiger Jahre war ich als ordentlicher Student in Hamburg immatrikuliert. Ich habe also die damaligen politischen Kämpfe, besonders die Straßenkämpfe mit den Kommunisten, in einer Großstadt hautnah erlebt.

Meine Eltern schickten mir eines Tages die Anschrift des Kindermädchens meiner älteren Geschwister zu, mit der Aufforderung, sie in Hamburg aufzusuchen, wo sie verheiratet sei.

So machte ich mich an einem diesigen Sonntagmorgen im November des Jahres 1931 auf den Weg. Die mir mitgeteilte Straße grenzte an einen Stadtteil, der als Kommunistenviertel bekannt war.

Die nunmehrige Hausfrau nahm mich nach recht herzlicher Begrüßung mit in ihre Küche, was mir auffiel. Bald erschien auch der Hausherr. Er fragte mich nach meinem Tun und Lassen in Hamburg, und als er hörte, daß ich Student sei, er: "Sind sie auch im Asta (Allgemeiner Studentenausschuß) tätig?" Ich bejahte. Darauf er: "Dann kennen Sie auch Herrn..." Auch dies war der Fall; dieser Student war als Kommunist in den Asta gewählt worden. Dann er weiter: "Kennen Sie auch Karl Marx?" Oh ja, ich konnte sogar ein paar Zitate gut anbringen! Sichtbar darüber erfreut, forderte er mich auf, mit in die Stube zu kommen - und was sah ich? Dicht gedrängt hockten Jugendliche auf dem Fußboden; ein jeder hatte ein Gewehr vor sich, das gepflegt wurde; es schien mir reichlich kürzer zu sein als das Gewehr 98 unserer Reichswehr; dies fiel mir auf.

Er, nachdem ich eine entsprechende Frage gestellt hatte: "Doch für den Tag X, das weißt Du doch!" (Inzwischen zum Gesinnungs-Du übergegangen). Ja, aber ich wollte doch Informationen dazu erfahren, die er mir gab: "Den Tag X bestimmt die Rote Armee Stalins. Wenn wir soweit sind, dann besetzen Fallschirmsoldaten ganz Deutschland. Bei dieser unserer kommunistischen Revolution bleibt kein Auge trocken." Dabei zeigte er mir seine Liquidationsliste: "Diese Ausbeuter von Unternehmern mit dem ganzen Nazi-Anhang, die müssen weg. Dann haben wir den deutschen Sowjetstaat, dann keine Arbeitslosen mehr wie in Rußland!" Und fügte noch bekräftigend hinzu: "Jeder hat so eine Liste!"

Noch am gleichen Morgen begab ich mich zu einem höheren SA-Führer; er war "Alter Herr" meiner völkisch orientierten Burschenschaft. Ihm berichtete ich, was ich gesehen und gehört hatte; ich wunderte mich über dessen Ruhe. Dann er: "Ja, daß die KP restlos bewaffnet ist, das wissen wir. Sowjetagenten überall. Hindenburgs große Sorge ist tatsächlich die Rote Armee. Und am kommunistischen Tag X kommt es mit auf die Reichswehr an. Dem Schleicher ist nicht zu trauen (Reichswehrminister). Wenn Hitlers Plan, die ganze KP schlagartig auszuschalten, nicht gelingen sollte, dann rechne ich mit mindestens zwei Millionen an Toten! Um dies zu verhindern, müssen wir die ganze Macht haben, und die haben wir nur, wenn Hitler Reichskanzler ist. Und darum keine parlamentarischen Kompromisse. Hitlers ‚Alles oder nichts', ist allein richtig, aus Verantwortung"

Dann kam das Jahr 1932 mit den turbulenten Wahlen, das politische Tauziehen im Winter 32/33! Ein sorgenvoller Stein fiel mir vom Herzen, als meine Wirtin mir zurief: "Hitler ist Reichskanzler!" Denn nun wußte ich, innerhalb der SA planvoll vorbereitet, daß alle KP-Funktionäre dingfest gemacht wurden; der Tag X war damit ausgeschaltet, und Schleicher wurde sofort durch Blomberg ersetzt, so daß von dorther kein Putsch mehr möglich war.

Hindenburgs Verdienst war es, sich für die Kanzlerschaft Hitlers durchgerungen zu haben, obwohl ihm von Haus aus - wohl verständlich - revolutionäres Denken völlig fremd war, aber er fand in seinem Sohn Oskar v. Hindenburg die erforderliche einsichtsvolle Stütze: war es doch auch Oskar v. Hindenburg, der den General v. Blomberg, der sich in der Schweiz aufhielt und zurückbeordert werden mußte, bei dessen Ankunft schon auf dem Anhalter Bahnhof in Berlin in Empfang nahm und ihn zur Vereidigung unverzüglich seinem Vater zuführte.

Hitlers geschichtliches Verdienst kann nicht hoch genug herausgestellt werden, denn er war es, der durch seinen raschen Zugriff die geplante kommunistische Revolution, die bestimmt blutig verlaufen wäre, verhindert hat; statt dessen hat er eine nationale Erhebung bewirkt, und das mit seinem "Unternehmen Barbarossa 1933".

Das Unternehmen Barbarossa 1941 wäre ganz anders verlaufen, wäre vielleicht gar nicht nötig gewesen, wenn die Westmächte nicht naturwidrig ihre Speere auf das "europäische Bollwerk gegen den Osten" gerichtet und damit ausgeschaltet hätten; sie trifft eine große historische Schuld, unter der noch heute alle Völker der Erde zu leiden haben. Denn alle Schuld rächt sich auf Erden.

Dr. A.-F. Ventker


 

Dr. Walter Post: Pearl Habor als Anlaß für eine Einführung in den Revisionismus

George Morgenstern, Pearl Harbor 1941. Eine amerikanische Katastrophe, herausgegeben und eingeleitet von Dr. Walter Post, Herbig, München 1998, 384 S., ISBN 3-7766-1996-1, DM 49,90.

Obwohl es sich um eines der zentralen Ereignisse des Zweiten Weltkrieges handelt, ist über Pearl Harbor in Deutschland nur sehr wenig bekannt. Die deutschsprachige Literatur zu diesem Thema ist ungewöhnlich dünn und unbefriedigend.

Für den zeitgeschichtlich interessierten deutschen Leser ist es nun erstaunlich zu erfahren, daß von den zahllosen amerikanischen Büchern über Pearl Harbor das beste über 50 Jahre alt ist. Das Buch und sein Autor, George Morgenstern (in den vierziger Jahren Mitherausgeber der Chicago Tribune, der wichtigsten Tageszeitung der America Firsters) werden zwar in allen Bibliographien zum Thema Pearl Harbor aufgeführt, sie sind aber nichtsdestoweniger hierzulande völlig unbekannt. Noch größer wird das Staunen des Lesers, wenn er erfährt, daß dieses Buch weitestgehend auf den Feststellungen und Schlußfolgerungen eines Untersuchungsausschuß des amerikanischen Kongreß aufbaut, der sich 1945/46 mit dem japanischen Angriff auf die Pazifikflotte in Pearl Harbor befaßte. Die seitenlangen Zitate aus Dokumenten und Zeugenaussagen der Kongreßuntersuchung, die das Buch Morgensterns enthält, machen deutlich, daß es sich hier nicht um mehr oder weniger plausible Spekulationen handelt, sondern um Tatsachenfeststellungen der höchsten politischen Institution der Vereinigten Staaten handelt.

Tatsächlich beziehen sich etwa 95 Prozent aller Anmerkungen des Buches auf Material des Joint Committee on the Investigation of the Pearl Harbor Attack, wie der Kongreßausschuß hieß. Die Ergebnisse der Kongreßuntersuchung waren insgesamt derart skandalös, daß es zwei verschiedene Abschlußberichte gab, den Majority Report der Demokraten (der Partei Präsident Roosevelts) und den Minority Report der Republikaner, der von den Senatoren Ferguson und Brewster verfaßt wurde. Die Wahrheitsliebe war damals in den USA noch so groß, daß beide Abschlußberichte zusammen der Öffentlichkeit vorgestellt und vom US Government Printing Office in einem Band gedruckt wurden.

Dies ist um so bemerkenswerter, als im Minority Report ganz offen Präsident Roosevelt, die Minister für Krieg und Marine sowie die Stabschefs von Army und Navy für die Katastrophe von Pearl Harbor verantwortlich gemacht werden (siehe S. 351/52 im Buch). Größtes Aufsehen erregte damals die Tatsache, daß die amerikanische Funkaufklärung 1941 in der Lage gewesen war, die japanischen Funktelegramme, die zwischen dem Außenministerium in Tokio und der japanischen Botschaft in Washington ausgetauscht wurden, zu dechiffrieren und mitzulesen, so daß die amerikanische Führung über die japanischen Absichten verhältnismäßig gut unterrichtet war.

Ein aufmerksames Studium des vom Joint Committee veröffentlichten Materials ließ kaum eine andere Schlußfolgerung zu, als daß die wahren Kriegstreiber nicht in Tokio sondern in Washington gesessen hatten. Es war offensichtlich, daß Präsident Roosevelt die USA in den Krieg gegen Deutschland führen wollte, und da er damit auf den erbitterten Widerstand der Bevölkerungsmehrheit und des Kongreß stieß, wählte er den Umweg eines Krieges mit Japan.

Das japanische Kaiserreich war von Nahrungsmittel- und Rohstoffimporten abhängig, und durch wirtschaftliche Boykottmaßnahmen der USA konnte es gezwungen werden, sich die rohstoffreichen Gebiete Südostasiens mit militärischer Gewalt zu sichern. Aufgrund der geheimen Bündnisse Roosevelts mit Großbritannien und der niederländischen Exilregierung in London mußte ein militärisches Vorgehen Japans gegen britischen und niederländischen Kolonialbesitz zum Krieg gegen die Vereinigten Staaten führen.

In den ersten Dezembertagen des Jahres 1941 wußte die amerikanische Regierung dank ihrer Funkaufklärung ganz genau, daß der Ausbruch eines Krieges mit Japan nur noch eine Frage von Tagen, wenn nicht Stunden war. Sie unternahm aber nichts, um die Pazifikflotte in Pearl Harbor zu warnen.

Da Morgensterns Buch auf dem Material der Kongreßuntersuchung aufbaute und seine Schlußfolgerungen zwingend waren, konnte es niemals ernsthaft widerlegt werden. Deshalb verlegte sich die mit dem offiziellen Washington sympathisierende Presse auf die Taktiken des Totschweigens und Verleumdens. So erhob man damals gegen Morgenstern den Vorwurf der Voreingenommenheit und der erbitterten Parteilichkeit, während sein Buch tatsächlich ausgesprochen nüchtern und geradezu melancholisch ist. Bei den revisionistischen Historikern Amerikas, die mit dem America First Movement sympathisiert hatten, löste Morgensterns Buch dagegen eine ganze Welle von Publikationen aus, die sich äußerst kritisch mit der amerikanischen Außenpolitik unter Präsident Roosevelt auseinandersetzten.

Morgensterns Pearl Harbor ist somit eines der wichtigsten Bücher der revisionistischen Geschichtsschreibung Amerikas. Der zeitgeschichtlich interessierte Mitteleuropäer muß sich nach der Lektüre dieses Buches ernsthaft frage, was die etablierten Historiker in den letzten 50 Jahren eigentlich getan haben. Für einen unvoreingenommenen Leser stellt dieses Buch die Glaubwürdigkeit der offiziellen Zeitgeschichtsschreibung grundsätzlich in Frage.

Der Herausgeber dieses Buches, Dr. Walter Post, hat sich besonders durch seine umfangreiche und wohlfundierte Studie über den Fall Barbarossa als Historiker einen Namen gemacht. Den hier besprochenen Band leitet er mit einer ausführlichen Übersicht über die Werke und Bedeutung der revisionistischen US-Historiker ein. Post setzt dabei bei der Kriegsschulddiskussion des Ersten Weltkrieges in der Zwischenkriegszeit an, streift die Frage der alliierten Greuelpropaganda und setzt sich dann in groben Zügen mit der Roosevelt'schen Kriegspolitik auseinander. Daran schließt sich die Vorstellung der wichtigsten von US-Historikern publizierten Bücher an, die insbesondere die Roosevelt'sche Machtpolitik kritisch hinterfragen.

Berthold Seewald, der Walter Post fälschlich als US-Historiker vorstellt, verriß Posts jüngstes Buch in der Welt des Buches in der Ausgabe vom 2.5.1998 (»Wenn alte Bomben neue Mythen werden«). Da diese Rezension typisch für den auch von Post beschriebenen Umgang mit revisionistischen Büchern ist, soll hier näher darauf eingegangen werden.

Seewald bezeichnet Posts Buch als »widerliche«, weil als rechtsextremistisch einzustufende »Propaganda«. Es ist nun interessant zu untersuchen, worauf dieses Urteil basiert. Seewald geht in seiner Analyse mit keinem Wort auf die in Posts Band dargelegten Argumente ein, und er kann offenbar auch keine politischen Aussagen darin finden, die eine derartige politische Einordnung erlauben würden. Seewald hat damit Post indirekt bestätigt, der bereits bezüglich des amerikanischen Originals dieses Buches schrieb: »So gut wie nie gingen die ablehnenden Rezensenten auf die Fakten ein [...]« (S. 28)

Auch zur Verifizierung zweier weiterer Feststellung Posts kommt uns Seewald zu Diensten. Post schreibt (S. 23):

»3. [...]; wurden sie [die revisionistischen Bücher und Artikel ...] doch rezensiert, wurden sie verleumdet und ihr Inhalt völlig entstellt.

4. Revisionistische Autoren wurden verleumdet oder sie wurden sonstwie eingeschüchtert.«

Post hat diese seine Behauptung leider nicht belegt. Um so mehr gebührt dem Rezensenten Seewald unser Dank, liefert er doch sogleich den Bewies für die Richtigkeit von Posts These.

Zu Punkt 3 von Posts These: Seewald schreibt:

»Darunter [unter Revisionismus] versteht Post die "gewissenhafte Suche nach Wahrheit und die Diskreditierung irreführender Mythen, die ein Hindernis für den Frieden und die Verständigung der Nationen darstellen". Nach Post war schon Altmeister Thukydides ein Revisionist, weil er "Selbsterlebtem und Nachrichten von anderen mit aller erreichbaren Genauigkeit" nachging, während all die anderen, die Nichtrevisionisten, nur darauf aus sind, "die Retter der Menschheit zu verleumden".«

Zunächst einmal sind die drei von Seewald angeführten und Post in den Mund gelegten Zitate gar nicht Posts Aussagen, sondern die des US-Historikers Harry Elmer Barnes und des antik-griechischen Historikers Thukydides. Das letzte Zitat wurde zudem aus dem Zusammenhang gerissen und in der Bedeutung auf den Kopf gestellt. Tatsächlich heißt es bei Barnes:

»In der Vorstellung der Antirevisionisten riecht der Begriff [Revisionismus] nach Lüge, Unaufrichtigkeit, Böswilligkeit, Rachsucht und ruchlosem Streben, die Retter der Menschheit zu verleumden.« (S. 8)

Aus den Gutmenschen des herrschenden politisch korrekten Establishment, die sich selbst immer wieder zu Rettern der Menschheit vor allen möglichen, darunter auch revisionistischen "Übeln" erheben - so sah es Barnes -, hat Seewald eine Ansicht Posts gefälscht, dergemäß sich die Revisionisten (und somit Post sich selbst) als Retter der Menschheit ansehen.

Weiterhin lügt Seewald, wenn er schreibt:

»Revisionist im Sinne einer "kritischen Geschichtswissenschaft" ist ihm [Post] nur, wer seiner (und Morgensterns) Meinung ist.«

Auch nicht der geringste Ansatz einer solchen absurden Einstellung kann man dem besprochenen Buch entnehmen.

»Alle anderen Historiker betrieben dagegen "Propaganda", weil sie zum Beispiel von Regierungen bezahlt werden [...]. Tatsächlich, so Post, war ein Orwell'sches "Ministerium für Wahrheit" am Werk, um durch "Flucht in den Krieg" die innenpolitischen Probleme der USA zu überdecken.«

Tatsächlich berichtet Post auf S. 23, wie Harry Elmer Barnes erklärte, daß viele Historiker - beileibe nicht alle - mehr oder weniger auf die vorherrschenden und häufig intoleranten politischen Meinungen von Presse, Politik und wissenschaftlichem Establishment Rücksicht nehmen: aus gleichgelagerten persönlichen (auch politischen) Ansichten und Interessen, aus Opportunismus, Abhängigkeit von der Gutwilligkeit verschiedener Institutionen beim Zugriff auf Archive, wegen finanzieller Abhängigkeit oder weil sie schlicht Auftragsempfänger der Öffentlichen Hand sind. Das Probleme der Instrumentalisierung bzw. Verzerrung der Geschichtsschreibung durch aktuelle Politik und Zeitgeist ist so alt wie die Geschichtswissenschaft selbst, so daß Seewalds aggressiver Einsatz für Kritiklosigkeit verwundern muß.

Seewalds Behauptung, Post geben einem »Orwell'sches "Ministerium für Wahrheit"« die Schuld für einseitige Geschichtsdarstellungen sind seine zweite klare Lüge. Post schreibt auf S. 24:

»Diese Art, mit Geschichte umzugehen, führe, so Barnes, letztlich zu einem System. wie es George Orwell in seinem berühmten utopischen Roman Neunzehnhundertvierundachtzig (dt. 1949) beschrieben hat. Dort wird im "Ministerium für Wahrheit" die Geschichte ständig so umgeschrieben und zurechtgebogen, daß die regierende Einheitspartei immer Recht hat. [...]

Die systematische Verzerrung und Fälschung von Geschichte, das Totschweigen und Verleumden von wahrheitsgetreuen Geschichtsbüchern, oder wie Barnes es nennt, "the Policy of the Historical Blackout", funktionieren allerdings auch ohne ein Orwell'sches "Ministerium für Wahrheit".« [sic! Hervorhebung durch den Verfasser]

Daß Staaten immer wieder außenpolitische Konflikte zur Lösung innerer Probleme eingingen, ist nun wirklich keine neue Erkenntnis, und im Falle von Hitlers Drittem Reich würde Seewald diese These womöglich sofort unterschreiben. Aber bezüglich der "die Menschheit rettenden" USA darf so etwas natürlich nicht stimmen, weder 1941 noch in den vielen Konflikten danach, in denen gerade die politische Linke den USA besonders in der 60er bis 80er Jahren vorwarf, sie versuche durch eine aggressive Außenpolitik, ihren wirtschaftlichen Ambitionen mit Gewalt freie Bahn zu verschaffen.

Zur ultimativen Lüge und Verleumdung gegen den bekennenden revisionistischen Historiker Dr. Walter Post versteigt sich Seewald gegen Ende seiner Rezension:

»Denn nur die Revisionisten, sagt Post, lügen nicht, müssen nie überprüft werden. Das unterscheidet sie von jenen, die wissenschaftliche Erkenntnisse durch Rede und Gegenrede voranzutreiben suchen. Das ist ein ziemlich kompliziertes Verfahren, das in einer komplizierter werdenden Welt zu immer komplizierter werdenden Antworten führt.

Post mag sie gar nicht hören. Und viele Menschen auch nicht. Etwa in Sachsen-Anhalt. [Anspielung auf den dortigen DVU-Wahlsieg] Etwa wenn gefragt wird, warum es nicht steiler aufwärts geht, warum fremde Menschen anklopfen, warum die Gehälter nicht schneller steigen, warum immer mehr Bürger ohne Arbeit sind. Darauf lassen sich, abwägende Antworten geben, Oder einfache, wie Walter Post dies tut, eben "revisionistische".

Mit Wissenschaft hat so eine Edition also gar nichts zu tun. Vielmehr mit Propaganda. Mit widerlicher Propaganda. Denn sie gründet sich auf eine Methode, die auf Volksverdummung hinausläuft, Ihre Ergebnisse konnte man soeben in Sachsen-Anhalt beobachten. 35 Prozent der Parlamentssitze gingen an Leute, die revisionistisch argumentieren. Die Folgen konnte man wiederholt in Deutschland erfahren.«

Tatsächlich vertritt Post (und mit ihm der historische Revisionismus) genau das Gegenteil dessen, was Seewald unterstellt, denn der Revisionismus vertritt gerade die These, daß alle (also selbstverständlich auch die revisionistischen) Erkenntnisse immer wieder kritisch begutachtet werden müssen.

Seine lügenhafte, verleumderische Behauptung dient Seewald offensichtlich nur, um Post anschließend politisch in die Nähe des Rechtsextremismus zu rücken. Und es würde schließlich nicht verwundern, wenn Seewald mit seinem Satz »Die Folgen konnte man wiederholt in Deutschland erfahren« Post in die historische Galerie deutsche (tatsächlicher oder nur vermeintlicher) Schreibtischtäter à la Hitler, Himmler, Eichmann etc. einreihen und ihm eine Art Schreibtischtäterschaft für künftige (tatsächliche oder erfundene) Verbrechen (tatsächlich oder vermeintlich) rechter politischer Kräfte unterschieben will.

Seewald fälscht und lügt, um einen kritischen Historiker mit der Faschismuskeule bzw. Auschwitzkeule fertig zu machen. Wieder einmal bewahrheitet sich also, daß die Revisionisten mit ihren Thesen sowohl über ihre Verfolgung als auch über zeitgeschichtliche Fragen recht haben müssen, denn nur die Unwahrheit braucht den Schutz durch Lüge und Verleumdung.

Angela Schneider


Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 2(3) (1998), S. 226-236.
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