Die ketzerischen Geständnisse eines Holocaustologen

François Furet, Ernst Nolte, »Feindliche Nähe«, Herbig, München 1998, 128 S., DM 34,-.

Die für unsere Leser wahrscheinlich interessantesten Passagen aus dieser Edition eines Briefwechsels zwischen dem Berliner Ideologie-Historiker Ernst Nolte und dem französischen Historiker François Furet seien nachfolgend ohne Auslassung wiedergegeben und nur dort kommentiert, wo Einwendungen oder Ergänzungen anzubringen sind. Über weite Bereich aber kann man Prof. Noltes Ausführungen uneingeschränkt zustimmen:

»Wenn der radikale Revisionismus mit der Behauptung recht hätte, einen "Holocaust" im Sinne von umfassenden und systematischen, von der obersten Staatsspitze gewollten Vernichtungsmaßnahmen jenseits des von beiden Seiten mit großer Härte geführten Partisanenkrieges in der Sowjetunion habe es überhaupt nicht gegeben, sondern es hätten lediglich – in Analogie zur Internierung der Deutschen in England und der Staatsbürger japanischer Herkunft in den USA – ausgedehnte Deportationsmaßnahmen stattgefunden, bei denen infolge der extremen Verhältnisse allerdings nicht ganz wenige Todesopfer zu verzeichnen gewesen seien, dann müßte ich das folgende Geständnis machen: Ich habe einen Staatsmann [Adolf Hitler], der zwar gelegentlich, wie andere Politiker auch, zu psychologischen Zwecken schwere Drohungen gegen seine Feinde ausstieß, der aber hinsichtlich der "Judenfrage" nichts anderes wollte als die Zionisten, nämlich die Trennung zweier Völker nach dem gescheiterten Versuch des Zusammenlebens, für einen vernichtungswütigen Ideologen erklärt, und damit ist meine Interpretation hinfällig geworden – im Zweiten Weltkrieg standen sich nicht zwei Ideologiestaaten gegenüber, von denen jeder zur Vernichtung des anderen entschlossen war, sondern es handelte sich um eine bloße Fortsetzung der Kämpfe der Machtstaaten des Ersten Weltkrieges; der Nationalsozialismus war keine "verzerrte Kopie des Bolschewismus", sondern er führte lediglich den Überlebenskampf des in die weltpolitische Defensive gedrängten Deutschland.

Ein Satz nach dem Motto: Wie vergraule ich meine Leser.

Kein Autor gibt gern zu, daß von seinem Werk nur Trümmer übrigbleiben, und ich habe also ein vitales Interesse daran, daß der Revisionismus – zum mindesten in seiner radikalen Spielart – nicht recht hat.

Das dürfte das erste Mal sein, daß die Welt aus dem Munde eines Historikers erfährt, ihm gehe es nicht allein um die Wahrheit. Herrn Nolte geht es also zumindest auch darum, keinen intellektuellen Bankrott zu erleben, sich quasi eingestehen zu müssen, ein Leben lang falsch gedacht, gesprochen und geschrieben zu haben. Genauso geht es aber fast allen Menschen, denen "Auschwitz" der Polarstern ihres Weltbildes ist: wenn sie eingestehen müßten, daß dies falsch ist, wäre alles, was und wie sie bisher gedacht haben, zumindest fragwürdig, anzweifelbar, vielleicht sogar nutzlos und falsch gewesen. Je intellektueller ein Mensch ist, je größer ist seine Angst vor dem drohenden Gesichts- und Ansehensverlust, und um so schwieriger kann er auch nur der Denkmöglichkeit ins Auge sehen.

Aber eben deshalb fühle ich mich durch ihn herausgefordert und sehe mich dennoch nicht imstande, mich denjenigen anzuschließen, die den Staatsanwalt und die Polizei zum Einschreiten auffordern. Eben deshalb sehe ich mich gezwungen, die Frage zu stellen, ob der Revisionismus über Argumente verfügt oder ob er tatsächlich in lügenhafter Agitation aufgeht.

Und darin unterscheidet sich Prof. Nolte bisher von den meisten anderen Historikern.

Und hier kommt die allgemeine Qualität des Historikers ins Spiel. Der Historiker weiß, daß "Revisionen" das tägliche Brot der Wissenschaft sind und daß in der Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts immer "Revisionismen" aufgekommen sind, wenn in der Folge historischer Großereignisse oder in deren Verlauf die Auffassung der siegreichen bzw. der eigenen Seite einen unantastbar scheinenden Vorrang genossen. So war es nach dem Amerikanischen Bürgerkrieg und nach dem Ersten Weltkrieg, und so war es in den Anfängen des "Kalten Krieges", als mitten im Westen ein Revisionismus auftrat, der die zentrale These "des Westens" bekämpfte, nämlich die These von der Verantwortung des Sowjetunion für den Ausbruch des "Ost-West-Konflikts". Der Historiker weiß auch, daß in aller Regel am Ende einige der revisionistischen Thesen von den Etablierten anerkannt oder mindestens in die Erörterung einbezogen werden. So erfreut sich meines Wissens die einst so berüchtigte Behauptung von Gar Alperovitz gegenwärtig weitgehender Anerkennung, daß der Abwurf der ersten Atombomben nicht so sehr gegen Japan wie gegen die Sowjetunion gerichtet war. Die Frage ist unabweisbar, ob sich diese Analogie auch auf den "Holocaust-Revisionismus" Rassiniers und Faurissons, Mattognos und des Journal of Historical Review ausdehnen läßt.

Sie wäre nur dann mit einem eindeutigen Nein zu beantworten, wenn es bisher im Umkreis der "Endlösung" keinen "Forschungsbedarf" und keine kritikwürdigen Behauptungen gegeben hätte.

Dies ist völliger Unsinn. Selbst wenn man bisher noch keinen "Forschungsbedarf" festgestellt hätte, könnte er aber dennoch bestehen. Oder will Prof. Nolte uns weismachen, etwas, was man (noch) nicht festgestellt habe, existiere nicht?

Aber das ist nicht der Fall.

Im Jahr 1984 fand in Stuttgart ein Kongreß statt, an dem die wichtigsten und durchweg der "etablierten Schule" zuzuzählenden Holocaust-Forscher teilnahmen, unter ihnen Raul Hilberg und Yehuda Bauer. Dabei wandte sich Bauer gegen die in Deutschland auch heute noch als unantastbar geltende These, auf der "Wannsee-Konferenz" sei die Vernichtung der europäischen Juden "beschlossen" worden. Hilberg sagte mit viel Nachdruck, die häufig genannte Zahl von 2,5 Millionen jüdischer Auschwitz-Opfer sei eine Unmöglichkeit; die Zahl könne nicht wesentlich höher liegen als eine Million. (Einige Jahre später wurde diese Revision auch zur offiziellen Auffassung: in Auschwitz wurden die "vier Millionen" der Gedenktafel durch "ein bis anderthalb Millionen" ersetzt.) Ein Mitglied des Berliner "Instituts für Antisemitismusforschung" wies darauf hin, daß Zyklon B, "was oft übersehen" werde, ein vielgebrauchtes und in typhusverseuchten Lagern schlechthin unentbehrliches Mittel zur Ungezieferbekämpfung gewesen sei, und er warnte vor der "Überhöhung der Zahl der in Auschwitz-Birkenau Ermordeten"; Eberhard Jäckel nahm auf Hinweise Bezug, nach denen Göring und Goebbels, ja selbst Himmler, den ersten Massentötungen gegenüber voller Bedenken gewesen seien. Hilberg stellte auch die Wichtigkeit des "Hörensagens" heraus, das sogar unter den Spitzen des nationalsozialistischen Apparats eine große Rolle gespielt habe, – also die nicht auf eigene Wahrnehmungen, sondern auf die Aussagen anderer Personen gestützten Aussagen.

Diese Konferenz war eine Auswirkung der Aktivitäten Prof. Faurissons, der mit seinen Forschungsergebnissen die Historiker dazu zwang, ihre Ergebnisse zu revidieren. In unwissenschaftlicher Manier wurde Prof. Faurisson immer von derartigen Konferenzen ausgeschlossen, und Prof. Nolte schließt ihn nun wieder aus, indem er diesen Kausalzusammenhang verschweigt – wo doch sonst der kausale Nexus eines seiner Lieblingsredewendungen ist.

Nicht ausdrücklich erwähnt wurde, daß es in der Kriegs- und ersten Nachkriegszeit Behauptungen gegeben hatte, wonach die Massentötungen durch Einblasen heißen Dampfes in abgeschlossene Kammern, durch Stromschläge auf riesigen elektrischen Platten oder durch Verwendung von ungelöschtem Kalk vollzogen worden seien. Durch das Stillschweigen wurden Behauptungen wie diese offensichtlich für ebenso unzutreffend erklärt wie das Gerücht von der aus jüdischen Leichen hergestellten Seife, das indessen noch jüngst in Deutschland durch Zeitungsanzeigen eines bekannten Regisseurs ["Aze" Brauner, FAZ + SZ, 6.5.1995] wiederaufgegriffen worden ist. Selbst die in den fünfziger Jahren wohl verbreitetste Zeugenaussage, diejenige des Mitgliedes der Bekennenden Kirche und SS-Führers Kurt Gerstein, wird in Dokumentensammlungen ganz orthodoxer Gelehrter nicht mehr aufgenommen.

Ein phantastisch anmutendes revisionistisches Trommelfeuer, das unsereinen – würden wir dies ausführen und uns gar noch erfrechen, es zu belegen – für einige Jahre hinter Gitter bringen würde…

Und bekanntlich hat Jean-Claude Pressac, der trotz seiner eigenartigen Präzedenzien als seriöser Forscher anerkannt ist,

… ein süffisanter Seitenhieb auf die fachunkundigen und unseriösen Kapriolen des "Vorstadtapothekers", auf den sich mangels wirklicher Fachleute die gesamte exterminationistische "Publizistik" und Juristerei stützt…

die Zahl der Opfer der Gaskammern in Auschwitz vor kurzem bis auf etwa eine halbe Million herabgesetzt.

Von Einzelkorrekturen dieser Art unterscheiden sich die Behauptungen nicht grundsätzlich, die meines Wissens nur von "Revisionisten" vorgebracht worden sind: daß die ersten Geständnisse des Auschwitz-Kommandanten Höss durch Folterungen erzwungen worden seien,

… aber bitte, Herr Professor, das ist keine Behauptung, sondern inzwischen unangezweifelt erwiesene Tatsache!

daß das von vielen Augenzeugen berichtete Herausschlagen hoher Flammen aus den Schornsteinen der Krematorien auf Sinnestäuschungen beruhen müsse,

… Täuschung, "Seemannsgarn" oder Lüge, man hat die Wahl…

daß für die Kremierung von täglich bis zu 24000 Leichen die technischen Voraussetzungen nicht gegeben gewesen seien,

…auch dies ist eine wohlfundierte, wissenschaftlich "gehärtete" These, keine Behauptung!

daß die "Leichenkeller" in den Krematorien von Lagern, die während der Typhusepidemien jeden Tag etwa 300 "natürliche" Todesfälle zu verzeichnen hatten, schlechthin unentbehrlich gewesen seien und mindestens während dieser Perioden nicht für Massentötungen zweckentfremdet werden konnten.

Und wieder handelt es sich um keine revisionistische Behauptung, sondern um zwingende Logik!

Auch solche Thesen können den Historiker schwerlich überraschen, denn er weiß aus seiner Alltagsarbeit, daß riesige Zahlen, sofern sie nicht von statistischen Ämtern stammen, seit den Zeiten Herodots als fragwürdig gelten müssen, und er weiß nicht minder, daß große Ansammlungen von Menschen in extremen Situationen und angesichts schwer erklärlicher Vorgänge wahre Brutstätten von Gerüchten waren und sind. Den Kern der Sache stellen alle diese Korrekturen und Einschränkungen indessen nicht in Frage,

… bis heute warten wir auf eine Begründung von Herrn Prof. Nolte, warum Hunderte von massiven Zweifeln welchen Kern nicht in Frage stellen können? Wo fängt bei ihm der Kern an, und durch welche Beweise verdient der Kern bei ihm, so genannt zu werden, das heißt ein hartes Faktum zu sein?

und das Postulat zwingt sich geradezu auf, daß sie der freien wissenschaftlichen Erörterung nicht entzogen werden dürfen. Vielleicht kennen Sie die Literatur besser als ich und können mir Stellen nennen, wo die betreffenden Probleme und Zweifel geklärt worden sind. In Deutschland ist das, wenn ich irgend recht sehe, nicht der Fall.

Von anderer Qualität sind zwei Behauptungen, durch welche die Gaskammermorde grundsätzlich und im ganzen bestritten werden, von denen die eine aber zu einer spektakulären Niederlage der Revisionisten führen könnte, wenn sie nicht der Öffentlichkeit vorenthalten würde. Es handelt sich um die These, die Leichenkeller der Krematorien könnten nicht als Gaskammern benutzt worden sein, da in ihnen – anders als in den zur Ungeziefervernichtung dienenden Kammern – keine nennenswerten Zyanidreste nachzuweisen seien,

… Wie könnte hier wohl eine spektakuläre Niederlage der Revisionisten aussehen?

und weiterhin seit einiger Zeit um die Behauptung, die Löcher in den Decken der Krematorien, durch die das Gift angeblich eingeschüttet worden sei, seien erst nachträglich angebracht worden und sogar heute zur Anbringung von Einfüllstutzen ungeeignet.

… diese These wurde bereits von Leuchter in seinem Bericht aufgestellt und im Rudolf Gutachten umfassender fundiert, ist mithin also alles andere als neu. Außerdem ist nicht ersichtlich, wie diese Tatsachenfeststellung – nicht Behauptung! – zu einer spektakulären Niederlage der Revisionisten führen könnte. Es wäre gut, wenn diese unfundierte Behauptung etwas mehr erläutert würde.

Indessen würde auch dann, wenn diese beiden Behauptungen definitiv widerlegt würden,

… – und ich stelle höchst persönlich die These auf, daß dies zumindest bezüglich der "Lochfrage" unmöglich ist –

die Frage nicht aus der Welt geschafft sein, ob ein von hetzerischer Agitation sich absetzender und argumentativ vorgehender Revisionismus eine extreme Erscheinungsform der prinzipiell legitimen Revisionen sei und als ein innerwissenschaftliches Phänomen akzeptiert werden müsse – daß dadurch scharfe Kritik nicht ausgeschlossen, sondern gerade postuliert wird, versteht sich ja von selbst. Ich bin geneigt, diese Frage zu bejahen, […]. (S. 74-79)

Nach der Lektüre meines "Auschwitz-leugnenden" Rudolf Gutachtens im Sommer 1992 wandte sich mein damaliger "Doktorvater" Prof. von Schnering sinngemäß wie folgt gegen mich: Es sei zwar nachvollziehbar, daß man sich wünsche, das schreckliche Geschehen von damals [d.h. der "Holocaust"] aus der Welt zu schaffen. Es sei auch verständlich, wenn heutige Generationen das unfaßbare Geschehen von damals nicht glauben könnten und daher dazu neigen würden, es zu negieren. Wenn ich allerdings als Wissenschaftler anfange, Wunschergebnisse zu produzieren, so sei dies grob unwissenschaftlich und würde beweisen, daß ich eines akademischen Titels unwürdig sei.

In einem ausführlichen, Ende Juni 1996 verfaßten Brief führte ich den detaillierten Beweis, daß nicht ich es war, der gegenläufige Argumente ausblendete, sondern daß mein Doktorvater sich immer wieder auf geradezu aggressive Weise weigerte, jedes seinem Weltbild eventuell zuwiderlaufende Argument auch nur zur Kenntnis zu nehmen. (Er verweigerte mehrfach die Annahme von Briefen, Büchern und Dokumenten und wurde später ausfällig). Ich schloß diese Betrachtung wie folgt ab:

Fühle ich den Wunsch, das tatsächlich oder vermeintlich damals Geschehene ungeschehen zu machen? Ich glaube, daß nur abnormale Judenhasser sich wünschen, daß damals ein Massenmord an den Juden stattgefunden hat, und ich hasse die Juden nicht. Damit kommt aber zwangsläufig eine Frage auf: Was treibt eigentlich unsere Justiz und führenden Gesellschaftsschichten dazu, unbedingt darauf zu bestehen, es habe sechs Millionen Opfer gegeben, und alle Dissidenten gnadenlos zu verfolgen und in Kerker zu werfen? Warum haben sie ein Interesse an sechs Millionen ermordeten Juden? Jeder sollte sich freuen, wenn sich herausstellte, daß das Leiden geringer war als zuvor angenommen, und daher sollte jedes vorgebrachte Argumente in Ruhe geprüft werden, bevor man möglicherweise zu dem Schluß kommt, sie seien fehlerhaft und deshalb abzulehnen. Aber nein: In einem Anfall von Hysterie fällt man mit der Totschlagvokabel "Offenkundigkeit" ohne Ansehen der Argumente über alle Dissidenten her und macht sie nach Strich und Faden fertig. Wer also hat aus welchen Gründen hier ein Interesse an sechs Millionen ermordeten Juden?

Da man in der Geschichte nichts ungeschehen machen kann, erübrigt sich die Frage, ob ich solches wünsche. Besser ist da schon die Frage, ob die heutige Generation den Holocaust (immer verstanden als der industriell geplante und durchgeführte Massenmord an den Juden im Machtbereich des Dritten Reiches vor allem in Gaskammern) für so unfaßbar hält, daß sie deswegen zu dessen Negierung tendiere. Tatsache ist doch vielmehr, daß jeder Deutsche heute die Holocaust-Geschichte schon mit der Muttermilch aufnimmt und daß es in der Veröffentlichkeit überhaupt keine Zweifel an der Wahrheit dieser Darstellung gibt. Der Holocaust ist daher eine der absolut unverrückbaren Größen im Bewußtsein des heutigen Deutschen, und so war er es auch bei mir bis zum Jahre 1989. Wirklich unfaßbar wäre für den heutigen deutschen Durchschnittsbürger doch nur eines, nämlich daß der Holocaust eine Lüge ist. Ich bin daher der Meinung, daß genau anders herum ein Schuh daraus wird: Unfaßbar ist nicht der Holocaust. Wir haben uns längst daran gewöhnt, mit ihm in friedlicher Koexistenz zu leben. Unfaßbar wäre dagegen, wenn sich der Polarstern unseres Weltbildes, der Holocaust, plötzlich als Sternschnuppe entpuppt. Und das gilt ganz besonders für die Intellektuellen wie Sie, Herr Prof. v. Schnering, die sich doch immer für so gescheit halten und im Falle einer Lüge anerkennen müßten, daß sie einen totalen intellektuellen Schiffbruch erleiden. Daher sehe ich eher die Gefahr, daß diese Intellektuellen aus geistiger Unflexibilität dazu neigen, ihr althergebrachtes Weltbild, in dem sie sich so häuslich eingerichtet haben, gegen alle Angriffe von außen zu verteidigen. Sie haben also zuallererst den Wunsch, keine Revolution ihres Weltbildes zuzulassen. Indem Sie also den Holocaust unter Ausblendung eventueller Gegenargumente verteidigen, produzieren sie Ihr Wunschergebnis.

Prof. Ernst Nolte ist bisher meines Wissens der erste und einzige deutsche Prominente, der zugibt, daß er aus unwissenschaftlichen Motiven heraus ein Interesse daran hat, daß die Revisionisten nicht recht haben. Er ist aber auch zugleich der einzige, der deren Argumente dennoch zur Kenntnis nimmt und öffentlich abzuwägen wagt. Seine Motive verleiten ihn also nicht zu unwissenschaftlichen Verhaltensweisen. Wie stark müssen die unwissenschaftlichen Motivationen erst bei denjenigen sein, die – ähnlich wie Prof. Dr. Hans-Georg von Schnering – nur mit Aggressionen und Hysterie auf auch nur vermutete Gegenargumente reagieren?

Ohne Zweifel käme eine Revision der Geschichtsschreibung des "Holocaust" einer ungeheuren intellektuellen Revolution gleich. Aus vielfachen psychologischen Studien weiß man, daß nur ein geringer Bruchteil aller Menschen (2 bis 3%) unabhängig von Intelligenz und Bildungsgrad in der Lage sind, die Dogmen und Tabus ihrer Zeit in Frage zu stellen. (Vgl. dazu: E.M. Rogers, Diffusion of Innovations, The Free Press, New York 41995). Prof. Nolte und die Revisionisten, von denen die meisten ebenfalls den schmerzhaften Weg der Zerstörung ihres alten, bequem gewordenen Weltbildes gegangen sind, gehören zu ihnen; Prof. von Schnering und die Schar der ideologisch bornierten etablierten Historiker nicht. Es ist ein Trauerspiel, daß gerade diejenigen Angehörigen des deutschen Volkes, die eine derart geistig fruchtbare Flexibilität ihr eigen nennen, zugleich und genau deswegen derart massiv verfolgt werden.

Nebenbei: Wir empfehlen Herrn Prof. Nolte, eine Reise nach Auschwitz-Birkenau zu buchen und dort vor Ort in der Decke des Leichenkellers – der angeblichen "Gaskammer" – selbst einmal nach den Löchern zu suchen. Denn für die simple Erkenntnis, daß die angeblichen Zyklon B-Einwurflöcher nicht da sind, muß man nur Augen um Kopf haben, aber bestimmt kein Ingenieurs-Diplom, keine Chemie-Promotion und auch keine Geschichts-Habilitation. Denken ist angesagt, nicht schwadronieren!

Germar Rudolf


Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 3(2) (1999), S. 222-224.


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