Vom Sinn und Zweck dieser Zeitschrift

Von Dipl.-Chem. Germar Rudolf

Noch eine Zeitschrift…

In den zweieinhalb Jahren des Bestehens dieser Zeitschrift wurden des öfteren Fragen an die Redaktion herangetragen, wie etwa: "Muß denn wirklich noch eine Zeitung gegründet werden?", oder "Kann man das, was darin veröffentlicht wird, nicht auch in Zeitschriften publizieren, die es bereits gibt?", oder auch "Wen soll ich denn nun von all den guten Zeitschriften unterstützen?" Derartige Fragen sind in letzter Zeit zwar seltener geworden, ich will aber dennoch versuchen, darauf eine umfassende Antwort zu geben.

Der Anwalt als Lektor

Normalerweise sollte eine historisch gebildete Person die Artikel einer historischen Zeitschrift ausschließlich mit dem Hinblick darauf redigieren, ob der jeweilige Inhalt der Beiträge vom wissenschaftlichen Beitrag aus betrachtet tragbar ist. In Deutschland jedoch hat sich dies in den letzten Jahrzehnten dramatisch geändert. In seinem Buch Stalins Vernichtungskrieg beklagt der Freiburger Historiker Joachim Hoffmann zu recht den unwürdigen Zustand, daß man heute insbesondere zeitgeschichtliche Beiträge vor ihrer Publikation von Rechtsanwälten überprüfen lassen muß. Angesichts der immer schärfer werdenden Zensurgesetze in den deutschsprachigen Ländern hat daher heute entweder der Anwalt das letzte Sagen über den Inhalt eines Beitrags, oder der Autor läuft Gefahr, sich vor dem Kadi wiederzufinden, bedroht von einer Haftstrafe bis zu zehn Jahren.

Ich selbst habe in den letzten Jahren meines Aufenthaltes in Deutschland Mitte der 90er Jahre beobachtet, wie Verleger, die es gewagt hatten, Bücher oder Zeitschriftenartikel mit politisch unerwünschten Inhalten zu veröffentlichen, über kurz oder lang in Strafprozesse verwickelt wurden. Am Ende war keiner mehr willens, zeitgeschichtlich brisante Beiträge abzudrucken. Ganz ähnlich ist die Entwicklung in Österreich, der Schweiz, Spanien und Frankreich. Inzwischen hat diese Zensurwelle auch solche Beiträge erreicht, die nur sehr indirekt etwas mit Geschichtsrevisionismus zu tun haben. Eine kritische Geschichtsschreibung ist daher in Deutschland und in vielen anderen Ländern unmöglich geworden.

Deutschsprachiges aus dem Ausland

Es lag daher nahe, im sicheren Ausland ein Organ zu schaffen, das der kritischen Geschichtsschreibung ein Podium bietet und sich bedingungslos für die Freiheit der Wissenschaft und der Meinungsäußerung einsetzt. Keine Zeitschrift in Deutschland, Österreich oder der Schweiz kann sich dies leisten – zumindest nicht für lange Zeit. Die staatlichen Inquisitoren würden einem solchen Blatt und dessen Verantwortlichen schnell den Garaus machen. Man muß nur einmal versuchen, in einem deutschsprachigen Peroidikum, das im Zugriffsbereich kontinentaleuropäischer Hexenjäger verlegt wird, einen zeitgeschichtlich oder menschenrechtlich brisanten Beitrag zu veröffentlichen. "Aus juristischen Gründen müssen wir leider davon Abstand nehmen…" oder "aus strafrechtlichen Erwägung sollten folgende Passagen wie folgt umformuliert werden…" oder "aus rechtlichen Erwägungen müssen folgende Abschnitte ersatzlos gestrichen werden…", sind die üblichen Antworten, die einem die Verleger zukommen lassen müssen, wollen sie die pure Existenz ihres Verlages nicht aufs Spiel setzen. Und das gilt durchaus nicht nur für kleine Winkelverlage. Die Zensur in Mitteleuropa wütet also nicht nur vor den Strafrichtern, sondern naturgemäß bereits präventiv in den Redaktionsstuben.

Vom Nutzen dieser Zeitschrift

Fernab des Zugriffsbereichs kontinentaleuropäischer Häscher kann man sich da freilich ganz anders verhalten. Die Kundendatei steht hier keinem Staatsschutz zur Verfügung, die geheimen Pseudonyme der auf Sicherheit angewiesenen Autoren können nicht gelüftet werden, und weder Verlag noch Drucker lassen sich von fernen deutschen oder sonstigen Drohungen beeindrucken.

Zielgruppe dieser Zeitschrift sind also einerseits Historiker, die sich in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Frankreich, Polen, Belgien, den Niederlanden und Spanien aufgrund der dortigen mitunter drakonischen Zensur nicht mehr trauen, brandheiße Themen zu bearbeiten und darüber zu publizieren. Bei uns können sie unter einem sicheren Pseudonym veröffentlichen, ohne daß die Polizei bei Hausdurchsuchungen diese Pseudonyme lüften könnte.

Als Leserkreis sprechen wir all jene an, die einerseits an einer Geschichtsschreibung interessiert sind, die keine Tabus kennt. Und das bezieht sich sowohl auf den interessierten Laien wie auch auf professionelle Historiker, die sich über kritische Forschungen informieren wollen.

Zudem wenden wir uns an all jene, die Wert legen auf unzensierte Berichterstattungen über Menschenrechtsverletzungen in Europa, denn auch das ist auf dem europäischen Kontinent mitunter bereits strafbar, etwa in Deutschland wegen "Verumglimpfung des Staates", der ja der "freieste" ist, den es je gab, und in dem es deshalb per definitionem keine Menschenrechtsverletzungen geben kann. Wer anderes behauptet, muß mit dem Kadi rechnen. Aber uns schert das nicht.

Mehr Ergänzung denn Konkurrenz

Diese Zeitschrift versucht also, eine immer größer werdende Marktlücke zu füllen, die die staatliche Zensur in Europa schafft. Natürlich wollen wir nicht nur jene Beiträge abdrucken, die die "anderen" nicht aufgreifen wollen oder können. Wir versuchen vielmehr, für jeden etwas zu bieten: von streng sachlichen Detailstudien mit wissenschaftlichem Tiefgang für Fachleute bis zu einführenden Übersichtsartikeln für jedermann, und zwar zu allen möglichen geschichtlich kontroversen Themen, nicht nur zum heißesten, meistzensierten Thema, dem "Holocaust".

Daß wir dadurch bedingt stellenweise in Konkurrenz zu anderen Publikationen geraten, ist uns bewußt. Wir meinen jedoch, daß dieses Projekt zur Brechung der sich immer weiter drehenden europäischen Zensurspirale zu wichtig ist, als daß man es als kurioses Mauerblümchen dahinvegetieren lassen sollte. Gerade deshalb freuen wir uns auch, daß dies inzwischen von einigen Autoren und von unseren Lesern erkannt wird, und daß der Zuspruch stetig wächst.

Das gibt uns die Hoffnung, daß wir es vielleicht eines Tags gemeinsam schaffen, in Europa wieder Zustände herzustellen, unter denen man nicht mehr von außen her für die uneingeschränkte Achtung der Menschenrechte kämpfen muß. Je größer der Erfolg der Vierteljahreshefte wird, um so schneller werden sie also überflüssig werden. Und genau darum geht es: Laßt uns alle zusammen an diesem Projekt arbeiten, damit dieses Projekt so schnell wie möglich überflüssig wird.


Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 3(3) (1999), S. 242.


Zurück zum Inhaltsverzeichnis