Bücherschau

Imitationen und Fälschungen zum Holocaust

Von Ronald Reeves

Alec S. Tulkoff, Counterfeiting the Holocaust. A Historical and Archival Examination of Holocaust Artefact, Schiffer, Atglen, PA, 88 S. pb., US$ 19,95

Möchten Sie gerne eine KL-Mütze erwerben? Oder Ihre Wand mit einem gelben Judenstern verzieren? Oder wie wäre es mit einer kompletten KL-Uniform? Oder darf es ein Stück Seife aus Judenfett sein?

Sie finden das geschmacklos? Was auch immer man vom den Handel von NS-Memorabilien halten mag, Tatsache ist, daß das Geschäft damit blüht, und das gilt auch für Sammlerobjekte der NS-Judenverfolgung.

Alec Tulkoff sammelt seit 30 Jahren Gegenstände des Zweiten Weltkrieges. Objekte im Zusammenhang mit der NS-Judenverfolgung ergänzen seine Sammlung erst seit etwa 10 Jahren. Inzwischen ist er darin zu einem Experten geworden. Er wird von Auktionshändlern und von Museen um seine Expertise gebeten, wenn es darum geht, echte Objekte von Imitationen und Fälschungen zu unterscheiden. Sein Rat ist derart gefragt, daß er inzwischen sogar einen vierteljährlichen Rundbrief versendet und eine Webseite zum Thema unterhält.

Die Ursache für diese massiv gestiegene Nachfrage nach seinem Wissen liegt freilich in dem immer weiter um sich greifenden Shoah-Business und insbesondere in den wie Unkraut überall auf der Welt aus dem Boden schießenden Holocaust-Museen. Die Nachfrage nach Ausstellungsstücken zum "Holocaust" ist daher geradezu explodiert, und als Folge dessen überschwemmen Imitationen und Fälschungen den Markt.

Im vorliegenden Buch versucht Tulkoff, dem Leser einen Überblick über die wichtigsten echten Gegenständen zu geben, und er vergleicht sie sodann mit Imitationen und Fälschungen. Damit soll Sammlern und Museen die Möglichkeit gegeben werden, die Echtheit angebotener Objekte einfacher beurteilen zu können:

»Die vorliegende Ausgabe drückt die strikte Mißbilligung für jene aus, die durch die Herstellung imitierter oder gefälschter Objekte vom Holocaust profitieren.«

Über jene, die anderweitig, aber in durchaus nicht weniger unmoralischer Weise vom Holocaust profitieren, äußert sich Tulkoff freilich nicht.

Ein kleines Detail in diesem Buch verdient es, hier hervorgehoben zu werden, da es darauf hinweist, daß dem Autor die notwendige kritische Distanz zu seinem Forschungsgegenstand fehlt. Auf Seite 65 bildet Tulkoff ein Stück Seife mit dem Aufdruck »RIF« ab und weist darauf hin, daß Seife oft mit der falschen Behauptung zum Kauf angeboten werde, sie sei mit Judenfett hergestellt worden. Anstatt aber diese inzwischen selbst von Yad Vashem als Greuelmärchen widerrufene Geschichte[1] ganz zu dementieren, läßt sich Tulkoff anschließend zur folgenden Aussage hinreißen (S. 66):

»In Anlagen überall im Reich führten Nazi-Mediziner Experimente an lebenden und toten Personen durch. Frisches Muskelfleisch wurden von lebenden Gefangenen entfernt und mit Typhus-Bakterien infiziert; weiblichen Häftlingen wurde Formaldehyd in die Eierstöcke injiziert; Jacken, Lampenschirme, Handschuhe und andere Gegenstände wurden aus Menschenhaut gemacht, und Leichen wurden zu Seife verarbeitet.154 Diese Verarbeitungsprozesse menschlicher Körperteile erreichten niemals große Produktionsausmaße. Es ist daher außerordentlich unwahrscheinlich, auf dem Militaria-Markt derartige echte Objekte zu finden.«

Als Referenz bezieht sich Tulkoff auf Ernst Klees Buch Auschwitz, die NS-Medizin und Ihre Opfer (S. Fischer, Frankfurt 1997, S. 42ff.). Der wegen seiner einseitigen und propagandistischen Behandlung des Themas einschlägig bekannte Klee kann sich für seine massiven Anklagen - oder sollte man besser sagen: perversen Behauptungen? - allerdings selbst nur auf jene ominösen Zeugenaussagen berufen, die zumindest partiell selbst von der etablierten Geschichtswissenschaft inzwischen als zumindest dubios angesehen werden. Aber schließlich muß Tulkoff sein Buch ja primär an Museen verkaufen, und wes Brot ich ess', dess' Lied ich sing...

»Seife, von der üblicherweise behauptet wird, sie sei aus jüdischem Fett hergestellt worden. Sie ist ohne weiteres auf Flohmärkten in Polen erhältlich und wird für 5 US$ angeboten. (4,6 cm × 4,1 cm). Private Sammlung A. Tulkoff.«

Das auf dickem Hochglanzpapier im Vierfarbendruck hergestellte Buch ist daher prall gefüllt mit Farbabbildungen von Judensternen, Armbinden, Arbeitsausweisen, Uniformteilen, KL-Geld und Erkennungsmarken.

Das eigentlich wichtige an diesem Buch ist aber etwas völlig Anderes. Es ist schließlich, wie jeder weiß, "offenkundig", daß in Sachen Holocaust die Belastungszeugen niemals lügen und daß es keine Beweise dafür gibt, daß auch nur ein Belastungsdokument je gefälscht oder verfälscht wurde. (Mal abgesehen von so peinlichen Pannen wie den Hitler-Tagebüchern und den Demjanjuk-Ausweisen). So jedenfalls die Litanei des geschichtswissenschaftlichen Establishments.

Was Tulkoff aber nun mit Segen und Unterstützung des Holocaust-Establishments nachweist, ist, daß es bereits seit langer Zeit eine ganze Fälschungsindustrie gibt, die nicht Anderes macht, als Objekte, die im Zusammenhang mit der NS-Judenverfolgung stehen, nachzumachen oder gar zu fälschen. Darunter befinden sich auch Dokumente, wie etwa Geldscheine, Briefmarken und allerlei "offizielle" deutsche Stempel (S. 45, 59, 66, 70).

Mit dieser Feststellung wird freilich nicht behauptet, daß es auch eine wahre Fälschungsindustrie für Belastungsdokumente gibt. Schließlich handelt es sich bei den von Tulkoff untersuchten Gegenständen um Sammlerobjekte, deren Fälschung bzw. Imitation aus rein materiellen Beweggründen erfolgt. Die Fälschung von Dokumenten zur Belastung des Dritten Reiches würde dagegen höchstens sehr indirekt materielle Hintergründe haben, etwa um das Holocaust-Business im allgemeinen am Leben zu erhalten. Für derartige Fälschungen wären politische Beweggründe weitaus wichtiger, und sie würden auch nur in Ausnahmefällen von Individuen getätigt (vgl. Konrad Kujau mit seinen materiellen Beweggründen), sondern eher von Organisationen. So wurden die falschen Demjanjuk-Ausweise wahrscheinlich durch den KGB mit Hilfe jüdischer Lobbygruppen gefälscht,[2] ähnlich wie die von John Ball festgestellten Verfälschung von Luftaufnahmen wahrscheinlich im CIA ihren Ursprung haben.[3]

Immerwährende Greuelpropaganda, frei nach dem Motto:
Gebe niemals zu, daß gelogen wurde,
sonst glaubt man am Ende gar nichts mehr.
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Zumal die Möglichkeiten derartiger Organisationen zu Fälschung ungleich größer sind als die von Einzelpersonen oder Kleingruppen, die NS-Memorabilien fälschen - man könnte auch anders sagen: Fälschung, Imitation und Irreführung ist das Geschäft von KGB und CIA schlechthin - und weil die indirekten materiellen und politischen Werte, die bezüglich des Holocaust auf dem Spiel stehen, unermeßlich viel höher sind als jeder Gewinn, der sich aus dem Vertrieb gefälschter Objekte der NS-Judenverfolgung erzielen läßt, muß man wohl davon ausgehen, daß eine hypothetische "Fälschungsindustrie" von Belastungsdokumenten potentiell sogar weitaus umfangreicher sein könnte, als das, was uns Tulkoff auf seinem Gebiet präsentiert.

Doch wie dem auch immer sei, es ist sicher hilfreich, ein ausführliches "Geständnis" vorliegen zu haben, daß Fälschungen zum "Holocaust" leider zu einer verbreiteten Erscheinung geworden sind.


Anmerkungen

[1]The Daily Telegraph, »Jewish Soap tale "was Nazi lie"«, 25.4.1990; siehe auch: H. Wendig, »Seife aus Menschenfett?«, in Richtigstellungen zur Zeitgeschichte, Heft 1, Grabert-Verlag, Tübingen 1990, S. 49f.; M. Weber, »Jewish Soap«, in Journal for Historical Review, 1991, 11(2), S. 217-227.
[2]Vgl. H. P. Rullmann, Der Fall Demjanjuk, Verlag für ganzheitliche Forschung und Kultur, Struckum 1987; D. Lehner, Du sollst nicht falsch Zeugnis geben, Vowinckel, Berg am See o.J.;
[3]Vgl. ders. »Luftbildbeweise«, in: E. Gauss (Hg.), Grundlagen zur Zeitgeschichte, Grabert, Tübingen 1994, S. 239-245.

Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 5(1) (2001), S. 112-114.


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