Von Beirut nach Amman

Von Dipl.-Chem. Germar Rudolf

In der letzten Ausgabe dieser Zeitschrift habe ich mich ausgiebig über die Vorgänge im Nahen Osten ausgelassen, wo Revisionisten versuchten, eine Konferenz durchzuführen, und wo die Mächtigen so ziemlich alle Hebel in Bewegung setzten, um dies zu verhindern. Aus Zeitgründen wurde mein Bericht über diese Vorgänge mittendrin abgebrochen. In diesem Heft hat der jordanische Intellektuelle Dr. Alloush, der in Beirut mitmachen wollte, den Stab aufgenommen und berichtet aus seiner Perspektive, was sich seither zutrug. Auch Prof. Faurisson darf natürlich mit seinen Ausführungen nicht fehlen, zeichnen sich seine Analysen doch immer durch eine unübertroffene Geistesschärfe aus.

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Man kann und sollte bedauern, daß sämtliche Versuche, im Nahen Osten über den Revisionismus zu diskutieren, so drakonisch unterdrückt werden. Aber jede Medaille hat natürlich zwei Seiten. Indem die derzeitigen Machthaber in Ost und West immer wieder die allerschwersten Geschütze auffuhren, um derartige Versammlungen zu verhindern, haben sie allen Beteiligten überdeutlich gezeigt, wo die wirklichen Prioritäten liegen. Versammeln sich irgendwo im Nahen Osten einige Kämpfer von Hisbollah und Hamas, so regt sich darüber kaum ein Israeli oder westlichen Politiker wirklich auf. Doch wehe, wenn sich fünf Amateurhistoriker anschicken, eine miserabel organisierte Konferenz zusammenzubasteln, während der sie ihre Erkenntnisse über den Holocaust präsentieren wollen!

Man könnte sogar ketzerisch sagen: gut, daß sie uns Revisionisten nicht reden ließen. So machten sie uns einmal mehr zu gefeierten Märtyrern und verhinderten eine Blamage wegen der etwas chaotischen Organisation (was freilich von den Umständen diktiert worden war). Außerdem war es uns so auch unmöglich, die bei manchem vielleicht zu hoch gesteckten inhaltlichen Erwartungen zu enttäuschen.

Jedenfalls hat nun auch der letzte Moslem und Araber verstanden, daß der Revisionismus die intellektuelle "Atombombe des kleinen Mannes" ist, wie Prof. Faurisson es so schön ausdrückt, und diese Einsicht wird wohl nicht lange auf ihre politische Umsetzung warten – was auch immer man davon halten soll.

Es steht zudem zu hoffen, daß es trotz all der Hindernisse dennoch zu einer Zusammenarbeit zwischen den Revisionisten und gewissen arabischen und islamischen Kreisen kommt. Erste Ansätze dazu gibt es bereits. So besteht zum Beispiel ein reges Interesse daran, das von mir letztes Jahr herausgegebene revisionistische Sammelwerk Dissecting the Holocaust (die englische aktualisierte Übersetzung der Grundlagen zur Zeitgeschichte) auf Arabisch herauszugeben. Bezeichnend ist aber auch hier, wie sehr sich alles gegen uns verschworen zu haben scheint: Alle Postsendungen an die entsprechenden arabischen oder persischen Adressen verschwinden. Bisher sind auf diese Weise sechs Bücher und eine CD abhanden gekommen. Ich hoffe ja, daß der Grund dafür ist, daß es beim Zoll in den arabischen Ländern und im Iran nur so von Fans von uns wimmelt, so daß sie das Buch einfach nicht beiseite legen können und es ihren Freunden, Verwandten, Kollegen und Vorgesetzten auch vermachen müssen. Aber irgendwie scheinen sie dort drüben nicht zu begreifen, daß eine weite Verbreitung des Buches nur dann gelingen kann, wenn sie wenigsten mal ein Exemplar zum Empfänger durchlassen…

Der aufmerksame Leser wird bemerkt haben, daß ich meine Ansicht über eine revisionistisch-arabische Zusammenarbeit geändert habe. Das stimmt, zumindest was diejenigen arabischen Kreise betrifft, die wie wir für Gerechtigkeit und Menschenrechte eintreten, und dies ist in Arabien bekanntlich ein weites Feld. Von einer derartigen Allianz können beide Seiten nur profitieren.

An dieser Stelle möchte ich mich auch noch entschuldigen, und zwar bei allen Moslems und Arabern im allgemeinen und bei den Palästinensern im besonderen. In meinem letzten Leitartikel habe ich mich ausführlich über meine Sorgen und Ansichten zum Schicksal Israels und der Juden geäußert. Erst bei der Zusammenstellung dieses Heftes ist mir klar geworden, wie judeozentrisch diese ganze Sichtweise ist. Wer kümmert sich denn schon wirklich um die Millionen heimatvertriebenen Palästinenser, wer um die ungezählten Tausenden dahingeschlachteter unschuldiger arabischer Männer, Frauen und Kinder? So unangenehm dieses Thema auch sein mag, so sehr gehört es als Ausgleich zur westlichen medialen Einseitigkeit erwähnt, und anstatt darüber viele Worte zu verlieren, lasse ich in den hiesigen Beiträgen Bilder sprechen, die bewußt aufrütteln sollen. Es ist eben grundfalsch, im Nahen Osten die Juden als Opfer und die Palästinenser als Verbrecher und Terroristen, also als Täter anzusehen. Andersherum wird ein Schuh daraus.


Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 5(2) (2001), S. 122.


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