Bücherschau

Von Reichsflugscheiben, Deutscher Physik und dem Perpetuum Mobile

Von Germar Rudolf

Nick Cook, The Hunt for Zero Point, Century/Random House, London 2001, 281 S. geb., £17,99

Eine thematische Einführung

Es gibt Rezensionen, für die man eine triftige Erklärung und Rechtfertigung abgeben muß, um zu verhindern, daß man mißverstanden wird oder gar ins falsche Licht gerät. Die Rezension des hier behandelten Buches ist eine davon. Zunächst deshalb, weil Geschichte in diesem Buch nur ein Nebenschauplatz ist, denn es geht primär um revolutionäre Energietechnologien, ein Thema, das in VffG wenig zu suchen hat. Da der geschichtliche Hintergrund aber in die Zeit des Dritten Reiches fällt und sich mit der Geheimwaffenforschung in Deutschland befaßt, ist das Thema sehr wahrscheinlich von höchstem Interesse für viele Leser von VffG.

In Cooks Buch geht es aber auch um die Unterdrückung wahrlich umwälzender, alte Erkenntnisse revidierende, naturwissenschaftliche und technische Entdeckungen durch mächtige Interessengruppen. Zumal derartiges den Revisionisten mehr als bekannt ist, ist dies ein weiterer Grund, das Buch hier ausführlich zu behandeln.

Eine persönliche Einführung

Es war im Jahr 1989, als ich über eine Ausgabe der Zeitschrift namens Code - seligen Angedenkens - stolperte, die einen längeren Artikel über die angeblich während des Dritten Reiches entwickelten Flugscheiben enthielt, einschließlich recht professionell wirkender Bauquerschnittszeichnungen von fliegenden Untertassen namens Hanebu. Der Artikel wirkte phantastisch, hatte aber den schweren Nachteil, daß er mit keinerlei Quellenverweisen oder weiterführender, vor allem Primärquellen- oder wissenschaftlich-technischer Literatur ausgestattet war, die es einem ermöglicht hätte, das Behauptete zu überprüfen. Auf meine Anfrage beim Diagnosen-Verlag, der damals die inzwischen eingestellten Code-Hefte herausgab, bekam ich vom Autor des Beitrages eine Antwort, die mich nicht etwa auf Primärdokumente und Archive oder auf technisch-wissenschaftliche Literatur verwies, sondern lediglich darlegte, man könne die damalige deutsche Wundertechnologie nur verstehen, wenn man einen esoterischen Ansatz verfolge. Meine sich daran anschließende halbjährige geistige Exkursion in die Esoterik hat mich dann zur Überzeugung gebracht, daß ich es bei den Anhängern der These von der Existenz der Reichsflugscheiben mit Anhängern einer Religion zu tun habe, die nicht wissen, sondern glauben wollen, und die einige wenige Bilder und Bauzeichnungen als religiöse Devotionalien benutzen.

1993, kurz nach meiner ersten Hausdurchsuchung, kam ich dann das erste Mal mit einem Vertreter dieser Religion zusammen. Es war dies ein aufrichtiger Patriot einfacher Bildung, der der standhaften Überzeugung war, die Erde sei hohl und im Innern würde das Dritte Reich mit seinen Reichsflugscheiben auf seine Zeit warten, um Deutschland zu befreien - oder so. Meine Versuche, ihm zu erklären, daß aus statischen und tektonischen Gründen die Erde niemals hohl sein könne, fruchteten gar nichts. Er wollte glauben.

1996, während meines kurzzeitigen Exils in Spanien, lernte ich einen deutschen Kriegsveteranen kennen, der zwar eine einfache Ausbildung hatte, sich als ehemaliger Bibliothekar einer wissenschaftlichen Bibliothek aber ein reichhaltiges Wissen erworben hatte. Er vertrat die ähnliche These, nämlich daß der Mond in Wirklichkeit hohl und besiedelt sei. Kurze Zeit später veröffentlichte er darüber sogar ein Buch.

Anfang 2000 schließlich bekam ich ein Buchmanuskript zur Veröffentlichung angeboten, in dem die These von der hohlen Erde dargelegt wurde, worin die Reichsflugscheiben ihre Basis hätten. Der Eingang zu dieser Basis befände sich im vom Dritten Reich eroberten Neuschwabenland - einem Teil der Antarktis. Auf meine Anfrage beim Autor, ob er irgendwelche technisch-naturwissenschaftlichen Beweise für diese Basis in der Antarktis habe wie etwa Satellitenbilder, sandte dieser mir ein angebliches Satellitenbild der Antarktis, worauf ein Loch in derselben zu sehen war von einigen hundert km Durchmesser mit einer Steilwand von einigen zig km Tiefe. Selbst wenn man annimmt, ein solch tiefes Loch würde die Erdkruste nicht durchbrochen und das flüssige Magma nicht offengelegt haben, wären einige zig km hohe Felssteilwände dennoch statisch instabil und würden zweifellos kollabieren, was gigantische weltweite Erdbeben und Vulkantätigkeiten zur Folge hätte, vergleichbar nur mit dem Einschlag eines riesigen Meteors. Dies wäre das Ende jedes höheren Lebens auf der Erde.

Warum berichte ich dies hier? Weil man sich bei der Annäherung an das im hier besprochenen Buch behandelte Thema zwangsläufig auf einen Balanceakt, auf eine Gratwanderung einläßt, die schnell in einen geistigen und gesellschaftlichen Absturz in oben angeführte Schluchten führen kann. Nick Cooks Buch ist voll von Bezügen auf seine eigene Angst wie auch die Angst vieler von ihm kontaktierter Techniker und Naturwissenschaftler, von ihren Kollegen und von den Medien als Idioten und Phantasten bezeichnet zu werden, nur weil sie sich auf ein wissenschaftliches Tabuthema eingelassen haben, das wegen seiner geschichtlichen Ursprünge und politischen Instrumentalisierung durch radikale Randgruppen einen äußerst schlechten Ruf hat.

Wer ist Nick Cook?

Um also dem Eindruck vorzubeugen, ich sei nun völlig verrückt geworden und hätte jeden Bezug zur Realität verloren, sei hier zuerst der Autor des behandelten Buches vorgestellt, das immerhin nicht in einem Winkelverlag, sondern in einem der angesehensten Verlage Englands erschien.

Seit etwa 15 Jahren schreibt Nick Cook, 41, regelmäßig Beiträge über die neuesten Entwicklungen in der Rüstungsindustrie mit Schwerpunkt auf der Luftfahrtindustrie. Er ist Berater der weltweit führenden Zeitschrift für Rüstungsgüter Jane's Defence Weekly und Redakteur des Luftwaffenteils dieser Zeitschrift. Daneben erschienen seine Artikel in so ziemlich allen großen britischen Zeitungen, und seine Kommentare über Rüstungs- und Sicherheitsfragen werden von den großen Fernsehsendern der Welt verbreitet. Er wird weltweit als Kapazität in Fragen der Luftwaffenrüstung angesehen.

Zum Thema des hier behandelten Buches strahlte der englischsprachige Wissenschaftssender Discovery Channel eine zweistündige, von Cook selbst geschriebene und präsentierte Reportage aus, in der er die Öffentlichkeit in die (ihm bekannten oder von ihm vermuteten) Geheimnisse der US-Rüstungsindustrie einführte.

Cook selbst hat eine akademische Ausbildung in Eton erhalten und einen Grad in arabischen und islamischen Studien erworden. Des Autors Mangel an technisch-naturwissenschaftlichem Wissen ist denn auch der schwächste Punkt dieses Buch, führt er doch zu einigen offensichtlichen Fehlern und Mißverständnissen, die einen an der Kompetenz des Autors zweifeln lassen. Daneben stört, daß Cook meint, so ganz ohne Quellenverweise auskommen und des Lesers Skepsis durch eine einfache Bibliographie zerstreuen zu können. Nach einer intensiven Suche im Internet ergibt sich allerdings, daß diese Bibliographie, so kurz sie auch scheinen mag, zumindest ein recht guter Ausgangspunkt ist, um sich ins Thema zu vertiefen.

Eine Reise durch Zeit und Raum

Vor etwa zehn Jahren fand Nick Cook einen aus dem Jahr 1956 stammenden Zeitungsartikel von M. Gladych auf seinem Arbeitsplatz bei Jane's Defence Weekly, der von der nahe bevorstehenden Serienreife von Gravitationsmotoren berichtet, die alles Reisen und Fortbewegen fast mühelos ermöglichen soll, da eine neue Technik die Aufhebung des Effekts der Schwerkraft ermögliche (siehe Abbildung). Selbstverständlich ist daraus nie etwas geworden, wie wir alle wissen. Cook war von diesem Artikel irritiert: Wer hatte ihn dahin gelegt und warum?

Was schließlich das Interesse Cooks weckte, waren die in besagtem Artikel zitierten Fachleute der US-Luftfahrtindustrie, die alle Mitte der 50er Jahre an einem Projekt zu arbeiten schienen, das darauf hinauslief, die Schwerkraft mittels elektromagnetischer Vorrichtungen zu neutralisieren, so daß man Dinge mühelose zum Schweben bringen könnte. War dies eine Zeitungsente, oder arbeiteten führende US-Luftfahrtunternehmen wirklich an solchen Projekten? Nick Cook spürte den letzten Überlebenden der damaligen Verantwortungsträger auf, doch dessen verängstigte, ja geradezu panische Reaktion, nicht über das Thema sprechen zu wollen, machte das Thema für Nick Cook um so unwiderstehlicher: Was ging hier vor?

In seinem Buch beschreibt Nick Cook den Weg seiner eigenen Erkenntnisgewinnung Schritt für Schritt: In US-Archiven findet er Hinweise darauf, daß die US-Regierung nach dem Krieg deutsche Wunderwaffentechnologie beschlagnahmte und in die USA transportierte, von denen dann nie wieder etwas gehört wurde: Strahlenwaffen zur Flugzeugabwehr und verschiedene Arten von nicht näher definierten Flugobjekten. Er findet Augenzeugenberichte von US-Bomberpiloten über unbekannte Flugobjekte und merkwürdige optische und magnetische Effekte über deutschem Luftraum gegen Ende des Krieges.

Aus diversen, mitunter aber recht obskuren Quellen läßt sich erkennen, daß das Dritte Reich an der Entwicklung verschiedener Experimentalflugkörper arbeitete: Namen wie Schriever, Habermohl und Miethe tauchen auf, die an Geheimprojekten mit Schwerpunkten im Protektorat Böhmen und Mähren arbeiteten. Diese Spur jedoch führt Nick in die politisch gefährliche Nähe von Gruppen, die aus der Geheimwaffenforschung des Dritten Reiches eine Ersatzreligion gezimmert haben, und so verläßt Cook diese Spur wieder und wendet sich den Forschungen in den USA und Kanada zu.

Versuche mit "Fliegenden Untertassen", die der Öffentlichkeit bekannt gemacht wurden, wurden von der kanadischen Firma Avro in den fünfziger und sechziger Jahren durchgeführt, jedoch wenig später komplett eingestellt. Aber war dies wirklich alles? Was ist zum Beispiel mit den vielen seit Kriegsende verzeichneten Sichtungen unbekannter Flugobjekte? Und ließen sich die geheimnisvollen Vorgänge um die berühmt-berüchtigte Area 51, jener streng geheimen US-Luftbasis im Militärtestgelände Nellis in Süd-Nevada, nicht vielleicht tatsächlich teilweise auf die Erprobung neuer Technologien zurückführen, wie sie bereits in der 40er Jahren in Deutschland entwickelt worden waren?

Mit seinen erstklassigen Beziehungen zu den führenden US-Rüstungsbetrieben versucht Cook, einen Blick hinter die Kulissen der geheimsten aller Geheimprojekte zu bekommen: Von Lockheed-Martin über Northrop Grumman bis hin zum Marshall Space Flight Center der NASA. Er nimmt Kontakt auf zu verschiedenen Luftfahrt- und Rüstungsexperten, und in fast konspirativer Weise wird er von Forschern unterstützt, die ihm nicht nur sensible Informationen zukommen lassen, sondern auch deutlich zum Ausdruck bringen, daß Nick Cook auf der richtigen Fährte ist.

Revolution in der Physik

Der - wegen des Autors mangel an naturwissenschaftlicher Bildung - schwächste Punkt von Cooks Buch ist zugleich auch sein faszinierendster: Unterstützt von diversen Wissenschaftlern geht Cook auf wissenschaftliche Erkenntnisse ein, die unser physikalisches Weltbild grundlegend revolutionieren könnten, wenn sich die bisher zumeist als Spekulationen angesehenen neuen Theorien als richtig erweisen sollten. Demnach stellt sich Einsteins Relativitätstheorie zumindest als korrekturbedürftig heraus, zumindest was die Möglichkeit anbelangt, daß Objekt schneller sein können als die bisher als oberste Grenze angesehene Lichtgeschwindigkeit (ca. 300.000 km pro Sekunde, oder 1,08 Milliarden km pro Stunde).

Der seit etwa einem Jahrhundert erwartete Durchbruch bezüglich der Vereinigung der vier großen Naturkräfte (Elektromagnetismus, Gravitation, Starke und Schwache Kernkraft) stünde demnach kurz vor einem zumindest praktischen (Teil-)Durchbruch, denn wenn sich die vor allem im letzten Jahrzehnt durchgeführten Experimente von Physikern bestätigen, so ist es möglich, die Gravitation mittels elektromagnetischer Vorrichtungen abzuschirmen, also Dinge, die sich "über" einem bestimmten elektromagnetischen Feld befinden, schwerelos zu machen, sprich: zum Schweben zu bringen. Mehr noch: man kann sogar eine Art Abstoßungseffekt erzielen, wodurch eine Beschleunigung eines Objektes möglich wird. Als nächster Schritt wird auch schon die Erzeugung von Gravitationsstrahlen diskutiert, daß man also Dingen gezielt ein Gewicht in eine bestimmte Richtng geben kann.

Zudem spricht einiges dafür, daß unsere Welt ganz anders aufgebaut ist, als bisher angenommen. Bestimmten quantentheoretischen Thesen zufolge "besteht" nämlich unsere Welt nicht einfach, sondern sie wird geprägt vom statistischen Entstehen und Verschwinden von Energie- und Materiequanten, dem sogenannten Quantenrauschen. Sollte es der Theorie entsprechend möglich sein, dieses Quantenrauschen anzuzapfen (die sogenannte Nullpunktsenergie), also die aus dem Nichts entstehende Energie einzufangen, bevor sie wieder ins Nichts zurück verschwindet, so wäre es möglich, Energie aus dem Nichts zu gewinnen. Was sich anhört wie ein Perpetuum Mobile, oder besser gar, ein Gerät, das Energie aus dem Nichts gewinnt - was aller Schulphysik grundlegend widerspricht (Energieerhaltungssatz, Hauptsätze der Thermodynamik) -, wird allerdings wieder relativiert, wenn man bedenkt, daß die Theorie hier von der Existenz paralleler Universen ausgeht, so daß unsere "Energie-aus-dem-Nichts-Pumpe" womöglich lediglich die Energie aus einem parallelen Universum ins andere überführt.

Überlichtgeschwindigkeit, Aufhebung bzw. Manipulation der Gravitation, Traktorstrahlen, parallele Universen, Hyperspace, Nullpunktsenergie: Hört sich das alles an wie Raumschiff Enterprise? Richtig, und wenn man es glauben will, so steht uns genau eine solche Zukunft bevor. So hat es denn auch Nick Cook gesehen, als er darüber einen Artikel in Janes Defense Weekly veröffentlichte: »Warp Drive When?« (Wann kommt der Warp-Antrieb, 26.7.2000)

Wissenschaft oder Humbug?

Was unsere Schulphysiker von solchen Thesen halten, kann man sich vorstellen, denn schließlich würde dies alle Physik der letzten 2000 Jahre auf den Kopf stellen. Evgeny Podkletnov, ein russischer Physiker, war und ist einer der führenden Physiker auf diesem Gebiet "revisionistischen" Physik. Als seine Gravitations-Abschirmungsversuche so weit gediehen waren, daß er einen Artikel in einer der weltweit führenden Zeitschriften für Physik veröffentlichen wollte (Journal of Physics D: Applied Physics), kam es allerdings zu einem Zwischenfall, der das ganze Gebiet um fünf Jahre zurückwarf. Kurz vor der Veröffentlichung bekam Ian Sample vom Sunday Telegraph Wind von der neuen revolutionären Forschung und veröffentlichte daraufhin am 1.9.1996 einen reißerischen Artikel (vgl. Abbildung). Der darin verwendete Begriff "Anti-Gravitation", der als extrem unwissenschaftlich gilt, warf allerdings ein sehr negatives Licht auf die ganze Affäre und wirkte sich verheerend auf die Forschungen aus. Es hagelte Angriffe durch die "wissenschaftliche Gemeinde", und dermaßen aufgescheucht bekamen die anderen an dem Projekt beteiligten Wissenschaftler kalte Füße und zogen ihre Unterstützung des Artikels zurück, ließen Podkletnov also im Regen stehen. Weiterer Druck seitens der "wissenschaftlichen Gemeinde" führte schließlich dazu, daß Podkletnov seine Anstellung an der Uni Tampere in Finnland verlor.[1]

Sunday Telegraph, 1.9.1996

Ähnlich erging es auch anderen Wissenschaftlern, die sich diesem Thema näherten: Sie wurden (und werden) von ihren Kollegen lächerlich gemacht, ausgegrenzt und oft nicht nur um Ehre und Ansehen gebracht, sondern sehen oft auch ihre Karriere abrupt beendet. Das sind Verhaltensweisen, wie sie den historischen Revisionisten nur zu bekannt sind, und die erklären, warum es Nick Cook so schwer fällt, mit den Experten überhaupt ins Gespräch zu kommen, die in diesen Dingen die Medien scheuen wie der Teufel das Weihwasser.

Podkletnovs Experimente[2] wurden aber immerhin so ernst genommen, daß sogar die NASA an dem Projekt Interesse zeigte und im Zusammenhang mit der Uni Huntsville Experimente im Stile Podkletnov durchführte.[3]

Deutsche Physik

Nachdem Cook einige Vorführungen durch die "revisionistische Physik" bekam, die ihn davon überzeugen, daß er es hier mit ernsthafter Forschung zu tun hat, nahm er seine alte aufgegebene Spur wieder auf, die, so spürt er, ihn an den Ursprung dieser "revisionistischen" Physik bringen würde: Zurück in die Zeit des Dritten Reiches. Cooks Berichte über die Geheimwaffenforschungen des Dritten Reiches sind erwartungs- und zeitgeistgemäß angefärbt mit der üblichen Polemik vom "Reich des Bösen", was einen aber nicht stören sollte. Der interessanteste Teil seiner Forschungen brachten ihn mit dem Sohn Viktor Schaubergers zusammen, dessen praktische Forschungen zu einer Reihe von revolutionären Techniken führte, von denen aber keine je die Serienreife erreichte. Schauberger arbeitete gegen Ende des Krieges an der Entwicklung der Reichsflugscheiben mit. In diesem Zusammenhang reiste Cook auf den Hinweis eines polnischen Forschers nach Schlesien und besichtigte dort eine geheime Forschungsanlage, deren Zweck heute ein Rätsel ist. Cook spekuliert aufgrund der ihm zur Verfügung stehenden Informationen, daß es sich hierbei um einen Teststand für einen Prototyp einer gravitationsbeherrschenden Reichsflugscheibe handeln könnte (vgl. Abbildung).

Fakt ist, daß Schauberger nach dem Krieg im Zusammenhang mit der Aktion Paperclip, also der Überführung deutscher Spitzenforscher in die USA, nach Amerika gebracht wurde, wo er jedoch wegen seines fortgeschrittenen Alters wenig Erfolg hatte bei der Reproduktion seiner Forschungen - so wenigstens die veröffentlichte Version.

Angeblicher Teststand von Reichsflugscheiben
in Ludwigsdorf, Schlesien

Cook kommentiert kurz die verzweifelten Versuche des Dritten Reiches, angesichts der extrem beschränkten Ressourcen auch in den abgelegensten Winkeln der Wissenschaft nach Lösungen zu suchen. Diese Verzweiflung führte dazu, daß man sich nicht von den bestehenden Theorien leiten ließ, sondern auch das, was die Schulphysik für unmöglich hielt, ausprobierte. Laut Cook ist es den Deutschen damals womöglich erstmals gelungen, eine Technik zur Abschirmung der Gravitation und womöglich gar zur Anzapfung der Nullpunktsenergie zu entwicklen, ohne daß sie sich über den theoretischen Hintergrund im klaren waren. Cook ist offenbar tief schockiert über die Möglichkeit, das Dritten Reich, also das "Reich des Bösen", wäre kurz davor gestanden, unbegrenzte Energieressourcen und eine revolutionäre Fortbewegungsmöglichkeit zu entwickeln., basierend, wie sich langsam herauszustellen scheint, auf einem Sieg der Quantentheorie über die Relativitätstheorie, dem Sieg der angewandten, praxisorientierten Forschung über die theoretische Wissenschaft, oder - wie es Cook kurz anreißt - dem Sieg der "Deutschen Physik" über die "Jüdische Physik", wie es damals im Dritten Reich polemisch hieß. Welch ein Graus, fürwahr!

...und sie schweben doch!

Podkletnov ist inzwischen nach Finnland zurückgekehrt und hat jüngst einen Artikel veröffentlicht, in dem er von erfolgreichen Experimenten zur Erzeugung von Gravitationsstrahlen berichtet.[4] In einem Gespräch mit Cook gestand er auch, es sei ihm inzwischen gelungen, Objekte komplett von der Gravitation abzuschirmen, sie also zum Schweben zu bringen.

Inzwischen scheint es, als sei die Technologie an einen Punkt angelangt, wo sie für eine praktische Anwendung attraktiv erscheint. So hat sich Ning Li, die an der Universität in Huntsville, AL, für die NASA forschte, laut Auskunft der Fakultät für Physik an der Universität Huntsville von ihrem Universitätsposten zurückgezogen, um sich einer Anwendung ihrer Forschungsergebnisse zu widmen, und auch E. Podkletnov soll nach Aussage von Cook inzwischen ein Angebot von Toshiba haben, seine Forschungsergebnisse wirtschaftlich umzusetzen.

Freilich gibt es auch auf diesem Gebiet jede Menge Trittbrettfahrer, und zumal dieses Gebiet der Physik noch völlig neu und wenig verstanden ist, fällt es nicht nur dem Laien, sondern auch dem Fachmann schwer, hier zwischen ernsthafter Forschung und Scharlatanerie zu unterscheiden (vgl. Abbildung). Es sei daher hier davor gewarnt, irgendwelchen schönen Versprechungen von kostenloser Energie leichtgläubig Glauben zu schenken.

Werbeanzeige für ein Gerät, das mit "neuer Physik"
alle Probleme auf einmal löst.
Das dürfte wohl ein bißchen zu viel des Guten sein.[5]

Reaktionen

Während eines Telefongespräches mit Nick Cook erläuterte er die Reaktionen auf sein jüngstes Buch, das inzwischen unter den Bestsellern in England rangiert. Neben einigen kleineren Zeitschriften wurde das Buch in der englischen Tageszeitung The Guardian und im Wissenschaftsmagazin New Scientist positiv besprochen. Cooks Kollegen von Jane's Defence Weekly sprachen sich durchgehend positiv über sein Werk aus, ja einige gratulierten ihm dazu sogar. Die Reaktion aus der Luftfahrt- und Rüstungsindustrie war geteilt. Während einige Stimmen seine Grundthese vom Aufkommen einer neuen Physik nicht akzeptierten, dankten ihm andere dafür, ihnen die Augen geöffnet zu haben. Die "wissenschaftliche Gemeinde" war ebenso gespalten, wobei ein Teil Cooks These als Unsinn abtut, während ein anderer Teil ihm durchaus dankbar ist, diese kontroversen und interessanten Thesen popularisiert und damit aus der Verschwiegenheit geholt zu haben. Die negativste Reaktion kam von einem UFO-Forscher, der Cook vorwarf, ein Neo-Nazi zu sein, da er die historischen Ursprünge der Flugscheibentechnologie im Dritten Reich sieht. (Die UFO-Forscher wollen nämlich an die grünen Männchen glauben.) Dieser Vorwurf ist freilich Unsinn, denn Nick Cooks Einstellung zum Dritten Reich ist, wie beschrieben, deutlich negativ.

Dazu meint Nick Cook:

»Es wäre falsch, die Forschungen in Deutschland in den 30er und 40er Jahren nur deshalb nicht zu behandeln, weil sie im Dritten Reich stattfanden. Ein solches Ausblenden von Fakten wäre unwissenschaftlich und genauso schlimm wie die Ausblendung von Fakten in der damaligen Zeit.«

So mag sich also schließlich herausstellen, daß nicht nur der Otto-, Diesel-, Wankel-, Düsen- und Raketenmotor in Deutschland erfunden wurde, sondern womöglich auch der Gravitationsmotor - Nazis hin oder her.


Anmerkungen

Weiterführende Literatur kann man am besten auffinden über zwei Websites: http://www.inetarena.com/~noetic/pls/gravity.html; http://www.omicron-research.com/RecDocD/introD.htm

[1]Vgl. den Beitrag in Wired 6(3) (März 1998); http://www.wired.com/wired/archive/6.03/antigravity.html
[2]Evgeny Podkletnov and R. Niemanen: »A Possibility of Gravitational Force Shielding by Bulk YBa2Cu3O7-x Superconductors«, Physica C 203 (1992), S. 441-444.
[3]Vgl. Ning Li und D.G. Torr: »Effects of a Gravitomagnetic Field on Pure Superconductors«, Physical Review D, (1991), S. 457-459; Ning Li, D. Noever et. al.: »Static Test for a Gravitational Force Coupled to Type II YBCO Super-conductors«, Physica C 281 (1997), S. 260-267.
[4]Evgeny Podkletnov, Giovanni Modanese, »Impulse Gravity Generator Based Y Ba2Cu3O7-y Superconductor with Composite Crystal Structure«, http://xxx.lanl.gov/abs/physics/0108005
[5]Die auf der angegebenen Website www.teslaelectric.com wiedergegebene Information ist so dürftig und konzentriert sich so auffällig darauf, Werbegebühren einzutreiben, daß es sich wahrscheinlich um ein unseriöses Unternehmen handelt.


Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 5(4) (2001), S. 459-463.


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