Von der Last und Lust, ein Revisionist zu sein

Von Dipl.-Chem. Germar Rudolf

Es ist Brauch, die schlechte Nachricht zuerst zu verkünden, um sich dann dem Angenehmen zuwenden zu können. So will ich es auch hier halten.

Einigen Lesern der Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung mag bekannt sein, daß das revisionistische Lager in den USA seit 1993 in zwei spinnefeindliche Lager gespalten ist, die sich versuchen, gegenseitig kaputt zu machen: Das Institute for Historical Review (IHR) auf der einen, und dessen Gründer Willis Carto mit seinen diversen Unternehmen auf der anderen Seite. Seit meinem ersten Besuch in den USA im Juni 1999 haben beide Seiten versucht, mich auf ihre Seite zu ziehen. Ich habe es seither vermieden, in diesem Streit Partei zu ergreifen oder auch nur Stellung zu beziehen. Im Prinzip hat sich daran auch bis heute nichts geändert. Die Ursache für den immer noch anhaltenden Streit liegt nun neun Jahre zurück, und es ist für einen Außenstehenden nicht leicht, die Fakten dieses Streits herauszufinden.

Zwei Jahre publizistischer und wissenschaftlicher Tätigkeit in den USA bringen es allerdings mit sich, daß man irgendwann nicht mehr umhin kommt, sich eine Meinung zu bilden und diese dann auch auszusprechen. Seit langem wurde ich von Vertretern beider Seiten dazu ermuntert, öffentlich Stellung zu beziehen, zumal man sich davon offenbar auf beiden Seiten eine Änderung der verfahrenen Lage erhofft. Ich habe das allerdings bisher nicht zuletzt deshalb vermieden, weil ich bereits genug Probleme habe und mir nicht auch noch den Zorn der einen oder anderen Seite in diesem Streit zuziehen muß.

Auslöser für die Tatsache, daß ich nun doch Stellung beziehe, war ursprünglich ein fachlicher Streit, den ich mit Mark Weber über Gregory Douglas hatte, einem Freund von Webers Erzfeind Willis Carto und Autor mehrerer Bücher über Gestapo-Chef Heinrich Müller (vgl. die Beiträge in diesem Heft). Nach Monaten der Recherchen ergab sich ein Bild, das mir nicht gefiel, das ich aber auch nicht ignorieren konnte: Mark Weber vom IHR offenbarte ein erstaunliches Maß an ideologischer Borniertheit, und seine Tendenz, das Journal of Historical Review (JHR) als Kampfforum gegen verhaßte Autoren zu mißbrauchen, machte mich sehr nachdenklich.

Als es dann im IHR selbst zu massiven Auseinandersetzungen kam, was schließlich mit der Kündigung des seinerzeitigen JHR-Herausgebers Theodore O’Keefe und dem Herausekeln des Vorstandsvorsitzenden Robert B. Lynch endete, war es an der Zeit, mit Hilfe vieler Unterstützer des IHR, die von den dortigen Vorgängen genauso enttäuscht oder gar entsetzt waren wie ich, die Stimme zu erheben. Das Ergebnis können Sie in diesem Heft lesen.

Ich höre bereits den Vorwurf, der mir entgegengehalten werden wird: man solle doch die Lage des Revisionismus nicht noch dadurch schlimmer machen, indem man sich gegenseitig bekämpft. Ich meine aber, daß das Argument aus zwei Gründen falsch ist:

1. Die Revisionisten bekämpfen sich in den USA bereits seit neun Jahren, und es ist gerade meine Kritik an diesem Kampf und seinen Folgen, der mich zur Abfassung dieses Beitrages veranlaßt hat. Ich habe, wie andere vor und nach mir, im Jahr 2001 erfolglos versucht, den immer noch anhaltenden Streit zu schlichten. Was ich mit meiner Stellungnahme versuche zu erreichen, ist, daß sich die verantwortlichen Personen im IHR endlich wieder auf den Revisionismus und auf die Produktion von wissenschaftlichen und publizistischen Veröffentlichungen konzentrieren, anstatt, wie Ted O’Keefe es ausdrückte, einem "Carto-Kult" anzuhängen, wo die ganze eigene Misere einem revisionistischen Gegner in die Schuhe geschoben wird. Man kann nur das Verbessern, was man selbst im Griff hat, und das sind aus Sicht des IHR eben nicht die Handlungen Cartos, sondern nur die eigenen.

2. Die momentane Krise des IHR, wie ich sie in diesem Heft beschreibe, hat sich nicht über Nacht entwickelt, sondern ist die Folge von bis zu neun Jahren Mißwirtschaft. Es bedarf gerade der öffentlichen Kritik derartiger Mißwirtschaft, um diese abstellen zu können. Probleme unter den Teppich zu kehren, ist keine Lösung; im Gegenteil: dadurch wird alles nur noch viel schlimmer, wie die Entwicklung des IHR in den letzten fünf Jahren gezeigt hat.

Den einzigen Kritikpunkt an meiner Ausführung, den ich unumschränkt gelten lassen will, ist womöglich der, daß mein Beitrag zu lang sei. Angesichts der Bedeutung des Schicksals des IHR für den gesamten weltweiten Revisionismus mag man das aber hinnehmen. Ich habe mich aber vor allem deshalb zu dieser Länge entschlossen, weil ich insbesondere die Stimmen Dritter ausführlich und ungekürzt zitieren wollte, die allesamt Unterstützer des IHR sind, also Gegner Cartos. Damit baue ich dem Vorwurf vor, ich würde im Dienste Cartos das IHR entgültig zerstören wollen. Damit baue ich aber auch dem Vorwurf vor, ich hätte die Ansichten dieser Personen durch unvollständige Zitate entstellt.

Bei aller Undankbarkeit des Themas selbst möchte ich hier allerdings nicht vergessen, all jenen meinen Dank auszusprechen, die mich zu diesem Schritt ermuntert und mir mit ihren öffentlichen wie privaten Stellungnahmen den Rücken gestärkt haben und noch stärken, insbesondere Ted O’Keefe, Robert Countess, Friedrich P. Berg, Eric Owens und Samuel Crowell, um nur jene zu erwähnen, die sich nicht scheuen, sich auch öffentlich zu ihrer Kritik an den momentanen Zuständen im IHR zu bekennen.

Möge diese Streitschrift dazu dienen, daß das IHR seine Lethargie überwindet und wieder produktiv wird.

Doch nun zur Lust, ein Revisionist zu sein. Vor einigen Monaten erhielt ich von Jürgen Graf das Manuskript seines zusammen mit Carlo Mattogno verfaßten neuen Buches über das Lager Treblinka (vgl. den Beitrag in diesem Heft). Die Aussicht, mich durch Hunderte von Seiten detaillierter Untersuchungen wühlen, sie lesen, korrigieren und formatieren zu müssen, würde ich nicht gerade als Lust bezeichnen. Bevor ich mich dem Buch näherte, habe ich mich zudem tatsächlich für so etwas wie einen kleinen Experten in Sachen Treblinka gehalten. Immerhin hatte ich mit Arnulf Neumaier zusammen den Beitrag über Treblinka zum Sammelwerk Grundlagen zur Zeitgeschichte verfaßt und auch Fritz Berg bei der revidierten Fassung seines Beitrages über Dieselgaskammern intensiv unterstützt. Ich erwartete also von Mattognos und Grafs Buch über weite Passagen das Wiederkäuen oller Kamellen. Aus diesem Grunde ließ ich das Projekt zunächst liegen, bis ich mit Jürgen Graf ausführlich darüber sprechen konnte.

Am 1. Juli war dies dann soweit, denn an jenem Tag kam Jürgen Graf mit seiner entzückenden Ehefrau Olga zu mir nach Huntsville, Alabama, zu Besuch und wohnte 30 Tage lang in meiner Wohnung. Diese Zeit war wahrlich eine schöne Zeit, in der wir beide uns seit langer Zeit mal wieder ausführlich aussprechen konnten, und in der wir so manches gemeinsame Projekt durchsprechen und das eine oder andere schon beginnen konnten. Und nach allem, was wir in diesen dreißig Tagen erlebt haben, darf ich annehmen, daß mich das Ehepaar Graf für jemanden hält, mit dem man gut auskommen kann und der gastfreundlich ist. (Das nur als kleiner Seitenhieb gegen Walter Müller, der meint – ohne mich zu kennen! –, daß man mit mir kaum auskommen könne, daß ich rüde sei und daß ich bei so manchen Leuten nicht mehr willkommen sei; vgl. seine Ausführungen am Ende meines Beitrags über die Krise des IHR in diesem Heft.)

So haben Jürgen und ich uns zum Beispiel gemeinsam an das Korrekturlesen des Treblinka-Buches gemacht, und ich muß sagen, daß es mir sogar Spaß gemacht hat. Ein 432-Seiten dickes Buch korrekturzulesen, das sich vorgeblich nur mit einem Lager des Dritten Reiches beschäftigt, ist nicht unbedingt etwas, dem man mit Vorfreude entgegensieht. Um so mehr war ich positiv überrascht über die Qualität der von Mattogno und Graf dargelegten Forschungsergebnisse wie auch darüber, daß das Buch sehr viel Neues und Interessantes enthält. Selbst mir als altem Hasen war so vieles neu, daß ich kaum merkte, wie die Zeit beim Lesen verfloß. Und immer wieder reizten mich die originellen "Zeugen"-Aussagen sowie die von Graf und Mattogno gekonnt entlarvten absurden Behauptungen der etablierten Geschichtsschreibung zum Lachen. Ach wie gut, daß das Lachen hier in den USA noch nicht verboten ist! Meinen Lesern kann ich nur raten, sich bei der Lektüre dieses Buches in den Keller zu verziehen, alle Fenster, Türen und Luken schalldicht zu verschließen und aufzupassen, daß keine unzuverlässigen Mithörer anwesend sind! Denn Sie werden es sich garantiert nicht verkneifen können, bisweilen lauthals aufzulachen!

Eigentlich behandelt dieses Buch nicht nur Treblinka, sondern alle drei großen östlichen angeblichen "Vernichtungslager" Treblinka, Belzec und Sobibor. Da es über die letzten beiden Lager aber kaum Unterlagen gibt, es daher auf absehbare Zeit unwahrscheinlich ist, daß man darüber eine Monographie wird erstellen können, haben beide Autoren wichtige Anmerkungen zu beiden Lagern mit in das vorliegende Buch eingeflochten. Und als Sahnehäubchen haben sie noch Betrachtungen zu den angeblichen Massenerschießungen von Juden durch die Einsatzgruppen mit einfließen lassen, zumal das Thema zwangsläufig aufkommt, wenn man über Deportationen westlicher Juden über die östlichen Transitlager nach Rußland schreibt.

Alles in allem handelt es sich bei dem nun neu bei Castle Hill Publishers erscheinenden Buch also um eine runde Sache, womöglich das bisher beste und tiefgehendste Buch der beiden Autoren überhaupt. Da kann man nur sagen, daß es Appetit auf mehr macht. Und auf mehr kann man von beiden ja wirklich setzen.

Den meisten Spaß beim Korrekturlesen des Treblinka-Buches hatte ich allerdings nicht mit "Zeugen"-Aussagen, sondern mit einer Stilblüte Jürgen Grafs, die ich Ihnen nicht vorenthalten möchte. Im Originalmanuskript las man auf Seite 186:

»[…] denn beim Krematoriumsofen des Typs Gorini – bei welchem der unter einem Rost angebrachte Leichnam von den durch auf einem vor dem Leichnam liegenden Herd angebrachte Holzbündel von 100 bis 150 kg genährte Flammen angegriffen wurde – […]«

Sie meinen, das sei nicht komisch? Dann lesen Sie nochmal:

»[…] bei welchem der unter einem […] von den durch auf einem vor dem […]«

Gemeint war folgendes:

»Bei diesem Ofen aus dem 19. Jahrhundert lag der Leichnahm auf einem Rost, unter dem ein Holzfeuer von 100 –150 kg Holz brannte.«

Ich habe mir selten so die Haare gerauft und gleichzeitig so gelacht, und auch Jürgen konnte sich der Komik seines Übersetzungsstils nicht entziehen, nachdem ich ihm diese wüste Ansammlung von Artikeln und Präpositionen einmal aus dem Zusammenhang genommen vorhielt.

Aber keine Bange! Solche und ähnliche nicht ganz so arge Stilblüten habe ich schonungslos mit Dieselmotorabgasen ausgerottet, wo immer ich es konnte. J

Ein anderes Thema, das Jürgen Graf und mir eine rechte revisionistische Lust bereitete, war die Durchsicht von Kopien der gesamten Akten der Voruntersuchungen zum Frankfurter Auschwitz-Prozeß. Ich habe diese Kopien seit einigen Jahren in meinem Besitz, konnte mich aber wegen der ständigen Umzüge nie an deren Auswertung machen. Für das jetzt in Bearbeitung befindliche große Auschwitz-Werk war es nun wirklich nötig, sich dieser Akten anzunehmen. Jürgen nahm sich während unserer gemeinsamen dreißig Tage die Zeit, sich dieser über siebzig Aktenordner anzunehmen und auf Interessantes hin durchzusehen.

Abgesehen von dem üblichen humoristischen Zeugen-Unsinn sind wir denn auch mehrfach fündig geworden, denn in den Akten gibt es so manche Zeugenaussage, die so gar nicht ins etablierte Geschichtskonzept paßt, die aber während des Hauptverfahrens fein säuberlich unterdrückt wurde. Häftlinge, die von Massenmorden nichts wußten, es aber hätten wissen müssen – darunter sogar prominente Persönlichkeiten –, durfte es einfach nicht geben. Dementsprechend wurden diese Aussagen dann auch im Hauptverfahren einfach unter den Tisch fallengelassen.

Teile der Akten, die solche oder andere interessante Aspekte des Frankfurter Auschwitz-Prozesses aufzeigen, werden wir in den nächsten Ausgaben dieser Zeitschrift in der Rubrik "Aus der Forschung" veröffentlichen. Diese wichtigen Akten sind der Öffentlichkeit lange genug vorenthalten worden.

Sodann ist es mir gelungen, 17.000 Dokumente über die Tätigkeit der Einsatzgruppen aufzutreiben. Es handelt sich dabei um Berichte der Einsatzgruppen selbst, nicht um irgendwelche Kompilationen irgendwelcher angeblicher Bürokraten in Berlin, die man uns heute als der Weisheit letzten Schluß unter dem Titel "Ereignismeldungen" andrehen will. Dieser nun vor mir liegende riesige Aktenberg wurde von den Soldaten und Polizisten hinter der Front selbst erstellt. Da liegt so mancher Goldschatz verborgen, und es mag durchaus sein, daß nach der Auswertung dieser Akten ein neues Standardwerk über die Einsatzgruppen das Licht der Welt erblicken wird, vor dem das Buch Krausnicks und Wilhelms Die Truppe des Weltanschauungskrieges verblassen wird. Aber bis dahin liegt noch ein gigantischer Berg Arbeit vor uns.

Doch damit nicht genug. Inzwischen habe ich meine Finger noch auf weiteren sehr interessanten Dokumentenbeständen…

Und da behaupten einige Stimmen in den USA, das IHR sei deshalb so unproduktiv, weil in Sachen Holocaust schon alles geforscht, gesagt und geschrieben worden sei… □


Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 6(3) (2002), S. 242f.


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