Bücherschau

Buch-Notizen

Russel Grenfell, Churchill und die Deutschland-Politik, Lynx-Verlag, Gauting 2002, 221 S. geb., €20,-

Russel Grenfells Klassiker zur von bedingungslosem Haß gegen Deutschland angetriebenen Kriegspolitik Churchills, 1954 erstmals in deutscher Ausgabe unter dem Titel Bedingungsloser Haß beim Schlichtenmeier-Verlag in Tübingen erschienen, ist nun im Lynx-Verlag neu aufgelegt worden, mit ansprechendem Satz, hervorragender Verarbeitungsqualität und mit einigen schwarz-weiß Fotos versehen. Wer an der Kriegsursache, den Ursachen des Untergangs des Britischen Empires und des Abendlandes interessiert ist, kommt an der Lektüre dieses Klassikers nicht vorbei.

G. Ullrich, Der Zeigefinger Hitlers, Der Schlüssel zur Außenpolitik des Dritten Reiches, GUWG-Verlag, Kerpen o.J., 148 S. Pb., €10,-

In einer detaillierten Analyse untersucht der Autor die Ereignisse im deutsch-tschechischen Grenzbereich in den Stunden vor dem offiziellen Einmarsch deutscher Truppen in die Resttschechei am 15.3.1938. Offiziell heißt es, der tschechische Staatspräsident Hacha habe erst am frühen Morgen des 15. März 1938 die Anweisung an das tschechische Militär gegeben, gegen den für 6 Uhr morgens vereinbarten Einmarsch deutscher Truppen keinen Widerstand zu leisten. Ullrich weist aber nach, daß der Einmarsch deutscher Soldaten schon am Nachmittag des Vortages, also am 14.3.1938 begonnen hatte, und zwar offenbar unter der Erwartung des Ausbleibens jedes tschechischen Widerstandes. Ullrich geht daher davon aus, daß es bereits wesentlich vor den Verhandlungen Hachas mit Hitler zu einer entsprechenden inoffiziellen Vereinbarung zwischen Reich und Tschechei gekommen war - wenn nicht gar mit der Protektoratsmacht der Tschechei, England.

Günter Kaufmann, Auf Teufel komm raus. Unwahrheiten und Lügen über die nationalsozialistische Jugendbewegung, Vowinckel, Berg 1999, 192 S. Pb. DM 29,80/€15.24

Der Ende 2000 verstorbene Günter Kaufmann war einstmals Pressereferent des »Reichsjugendführers« Baldur von Schirach, dem Kopf der Hitler-Jugend. Wenn sich auch die meisten Größen von damals nach Kriegsende früher oder später um 180° drehten, Günter Kaufmann ist sich treu geblieben. In dem vorliegenden Buch geht er in alphabetischer Reihenfolge 60 Verfasser durch, die seiner Ansicht nach Unwahres über die Hitler-Jugend verbreitet haben, darunter u.a.: Will Berthold, Joachim Fest, Focus, Hermann Graml, Alfred Grosser, Heinz Höhne, Spiegel, Hannsjoachim W. Koch, Arno Klönne, Guido Knopp, Hermann Rauschning, stern, Quick und Peter von Zahn. Seine Argumente ruhen teils auf eigener Erfahrung, teils auf zeitgenössischen Dokumenten, von denen er viele wiedergibt, und teils auf wissenschaftlicher Literatur. In seiner Informationsfülle und -vielfalt ist das Buch beeindruckend. Für denjenigen, der auch die andere Seite hören will, und das ist für eine ausgewogene Beurteilung unerläßlich, ist dieses Büchlein ohne Zweifel eine unausweichliche, wenn nicht gar die beste Wahl.

Herbert Hoff, Faktenspiegel II, Ursachen und Gründe für Hitlers Judenfeindschaft. Versuch einer Erklärung, R.G. Fischer, Frankfurt 2001, 140 S. Pb., €11,25

Ein weiteres der vielen Werke, die das angebliche Rätsel der Ursachen von Hitlers Judenfeindschaft aufzuspüren suchen. Hoff hat jede Menge Sekundärliteratur über Hitler gelesen und ausgewertet, sich jedoch kaum in der zeitgenössischen judenkritischen Literatur umgesehen, deren Wechselwirkung mit Hitler und den Nationalsozialisten gemeinhin ignoriert wird. Daß Hoff auf einem richtigen Weg weg vom Tabu ist, zeigt ein maschinenschriftlicher Ergänzungszettel, der offenbar kurz vor der Bindung eingelegt wurde. Darin wird bezüglich der Zahl der jüdischen Opfer in einem Absatz auf die Erkenntnisse Walter N. Sannings in seinem epochalen Werk Die Auflösung des osteuropäischen Judentums hingewiesen, was freilich einen gehörigen Sprengsatz unter das Buch und den Verlag legt. Es wirkt fast so, als habe jemand diesen Zettel ohne Wissen des Verlags beim Binder in letzter Sekunde eingeschmuggelt...

Andrew Williams, The Battle of the Atlantic, BBC Worldwide, London 2002, 304 S. geb., £16,99

Parallel zur in England gezeigten Fernsehserie der BBC über den U-Boot-Krieg im Atlantik hat die BBC dieses Werk herausgegeben, indem die Geschichte dieser längsten aller Schlachten detaillierte nachgezeichnet wird - natürlich aus britischer Perspektive und den damit einhergehenden, scheinbar unvermeidbaren Platitüden. Das Buch widmet sich aber auch mit angemessener Fairness dem Heroismus und Opfergang der deutschen Matrosen.


Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 6(4) (2002), S. 483f.


Zurück zum Inhaltsverzeichnis