Bücherschau

Zum 80. Geburtstag von Lisbeth Grolitsch

Von Gianna Folkerts

Lisbeth Grolitsch, Notwende. Aufsätze, Reden und Schriften, Deutsche Kulturgemeinschaft, Graz 2002, 372 S. geb., €28,-

Lisbeth Grolitsch, Und dennoch: Das Volk, Deutsche Kulturgemeinschaft, Graz o.J., 46 S. Leinen, €12,-

Fast fünfhundert Jahre lang war Österreich das politische Herz Deutschlands. Für die heutigen Deutschen kaum mehr vorstellbar, so hat die Zeit des engen Zusammengehörigkeitsgefühls aller Deutschen doch erst vor etwa 55 Jahren durch die alliierte Umerziehung ihr langsames Ende gefunden. Heute gehört die Schar der bekennenden Deutsch-Österreicher zu einer oft belächelten, manchmal gar verfolgten kleinen Minderheit.

Lisbeth Grolitsch, Schriftleiterin der kleinen, aber feinen Huttenbriefe und Vorsitzende verschiedener kleiner deutscher und deutsch-österreichischer Kulturvereine gehört dazu, womöglich auch ihre herausragendste und profilierteste Persönlichkeit. Sie feierte dieses Jahr in Graz ihren 80. Geburtstag. Den vorliegenden Band mit gesammelten Schriften aus den 35 Jahre ihres schriftstellerischen Wirkens darf man wohl gerne als ein Dankeschön ansehen, das sie ihrer treuen Leserschaft anbietet.

Ohne Rücksicht auf politische Empfindlichkeiten steht Frau Grolitsch zu den von ihr als glückhaft erlebten Jahren im Großdeutschen Reich sowie zu ihrer fundamentalen Opposition gegen den materialistischen und hedonistischen Zeitgeist von heute. Aus der Tiefe geschichtlicher Erkenntnis und der Anmut historischer Größen, aber auch im Bewußtsein des ungeheuren Opferganges ihres Volkes im letzten Jahrhundert schöpft Grolitsch Mut und Zuversicht für ihre Vision von der kulturellen Renaissance des ganzen deutschen Volkes, seiner erneuten völkischen Selbstbewußtwerdung. Notwende ist deshalb Standortbestimmung, Zeugnis der Zeitgeschichte und Vision des Über-Lebens zugleich. Die einzelnen Abschnitte und Aufsätze des Buches sind leicht und unabhängig voneinander zu lesen. Das Buch ist eine seelische Tankstelle für all jene, die angesichts der überall immer mehr wütenden deutschen Selbstvernichtungswut einmal abschalten und Träumen wollen. Dazu paßt der 46 Seiten umfassende, in blaues Leinen gebundene Schmuckband Und dennoch: Das Volk, worin sich 44 Bonmots der Autorin befinden.


Quelle: Vierteljahreshefte für freie Geschichtsforschung 6(4) (2002), S. 479.


Zurück zum Inhaltsverzeichnis